Artikel zum Schlagwort ‘DFB-Pokal’

Bitterer Ausklang

Schalke verliert auch gegen Mainz 05 und scheidet aus dem DFB-Pokalwettbewerb aus. Dabei gab es durchaus Hoffnung schürende Aspekte. Als einzig wirklich positive Erkenntnis bleibt am Ende aber doch nur, dass nun Pause ist, dass der Spielbetrieb, der ganze Absturz endlich unterbrochen wird.

Schalke hat nicht toll gespielt. Schalke hat aber weder moralisch aufgegeben, noch im Anrennen jegliche Form verloren. Das war durchaus mehr, als man zuletzt erleben musste. Jens Keller hat die Mannschaft umformiert und damit durchaus Mut bewiesen. Der Einsatz Metzelders für Matip erwies sich als ok, Ciprian Marica machte ein sehr gutes Spiel und erwies sich als guter Griff. Tranquillo Barnetta erwischte es hingegen hart. Als Rechtsverteidiger eingesetzt war er ab und an nicht auf der Höhe, vor allem bei beiden Gegentoren.

Atsuto Uchida ist verletzt. Nach langer Verletzungspause und mit frischem Jochbeibruch kam Marco Höger offensichtlich auch nicht in Frage, und dass Benedikt Höwedes in der Innenverteidigung gebraucht wird, das ist einer der ganz wenigen Punkte, über die auf Schalke Einigkeit herrscht. Keller stand für den Rechtsverteidiger-Posten schlicht keine gute Alternative zur Verfügung.

So platt es auch klingt, Schalke hat über den Kampf in dieses Spiel gefunden und sich Chancen erarbeitet. Man hatte nicht wirklich den Eindruck, die Mannschaft hätte einen geeigneten Plan, wie man Mainz’ Abwehr auseinander nehmen könne. Aber der Drang war da, mit hoher Laufbereitschaft wurden verloren gegangene Bälle zurück geholt und erneut nach vorne getragen. Es reichte nicht. Neben allem, was berechtigt kritisiert werden kann, hat Schalke eben auch noch „Scheiße am Hacken“. Da hüpft der letzte Pass vom Schuh, da klatscht der Fernschuss nur an die Latte, und gleichzeitig fühlt es sich an, als sei jeder Schuss des Gegners ein Treffer.

Welch ein bitterer Abschluss. Unfassbar, wie sich dieser Verein innerhalb von nur viereinhalb Wochen und ohne Fremdeinwirkung selbst in die Grube rammen kann. Schalke 04 ist eben ein besonderer Verein. In jeder Hinsicht.

Gewonnen

Ich habe mich geschont. Für den gestrigen Tag standen viele Termine in meinem Kalender. Mit dem entsprechenden Aufwand hätte ich diese verschieben und den Stadionbesuch einrichten können. Für ein Champions League-Spiel gegen Arsenal hätte ich es sicher getan. Gegen den SV Sandhausen gab ich mir aber eine Pause und anderen Zuschauern die Einsatzzeiten. Ich habe schließlich in dieser Saison schon so viele Spiel auf dem Puckel.

Via Sky statt vor Ort und mit Altenmünster Weißbier statt Veltins verfolgte ich das Spiel aber natürlich trotzdem. Ich sah das schicke Tor von Ciprigol Marica und erinnerte mich daran, dass Klaas-Jan Huntelaar in der Eredivisie der Bicycle Kick-King war, an ein Fallrückzieher-Tor von ihm für Schalke erinnerte ich mich aber nicht. Ich sah einen gut aufgelegten Julian Draxler, Schalker die spielen wollten und das auch über weite Strecken taten. Ich sah allerdings auch Nachlässigkeit, in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit, aber der SV Sandhausen war, bei allem Respekt, einfach nicht gut genug, um daraus Kapital schlagen zu können.

Ein Pflichtsieg im Pflichtspiel gegen einen Zweitligisten. Nicht schlecht. Kein überstrahlender Glanz. Gewonnen eben, souverän, nicht glücklich, nicht blamiert. Mehr als das und den daraus resultierenden Einzug in die nächste Runde kann ein Erstligist in dieser Konstellation eigentlich nicht erreichen.

Sandhausens Pokalgeschichte

… ist mit diesen 5 Minuten und 49 Sekunden selbstverständlich nicht komplett abgehandelt. Der erzählenswerteste Teil aber schon. Hässliche Trikots, komische Frisuren, 1995 – und viele Elfmeter.
Sehr viele.




via Der Libero
Link: Die Geschichte des SV Sandhausen

Buyo sehen

Gestern hatte Mike Büskens Geburtstag, er wurde 44 Jahre alt. Heute setzt er mit seiner Spielvereinigung Greuter Fürth zur Saisonkür im Pokalhalbfinale gegen Meister Borussia Dortmund an. Irgendwann soll er einmal Schalkes Trainer werden, jedenfalls wünschen sich das viele königsblaue Fans. Dazu habe ich noch keine Meinung, aber ich freue mich auf das heutige Spiel.

Seine Mannschaft, und auch er selbst, hat heute nichts zu verlieren. Alles andere als eine Niederlage wäre eine Sensation, und anderes ist auch wichtiger, nämlich endlich den Aufstieg in die erste Liga zu schaffen. Seit nunmehr 12 Jahren war Fürth immer wieder oben dabei und schaffte es am Ende doch nicht. Auf Schalke gönnen es ihnen nun viele, obwohl die Spielvereinigung der natürliche Derby-Gegner der fanfreundschaftsbefreundeten Clubberer aus Nürnberg ist. Auch wegen Gerald Asamoah, vor allem aber wegen Mike Buyo Büskens.

Beliebt war er schon immer, seit er in Fürth erfolgreich arbeitet ist er auch begehrt. Der FC St. Pauli wollte ihn als Nachfolger Stanislawskis haben, und als Ralf Rangnick überraschend zurück trat, wurde auch im Schalker Umfeld vielfach sein Name gerufen. Mike Büskens stand nicht zur Verfügung, er wolle keinen Vertrag brechen, gab er sich so wie man ihn schätzt, ohne einen Hehl daraus zu machen, dass er Schalke als seinen Verein sieht, und dass es vielleicht irgendwann mal passen könnte.
Spätestens seit dieser Zeit des Rangnick Rücktritts und Büskens Aussagen sehen viele Fans Mike Büskens als natürlichen Erben Huub Stevens’, der gleich zu Beginn seines aktuellen Engagements auf Schalke bemerkte, dass er seine Karriere nicht mehr allzu lange fortsetzen wolle, dass er „nur noch zwei, drei Jahre plane“.

So sehr ich Mike Büskens als Spieler und Mensch, als „Typ“ schätze, so wenig kann ich ihn als Trainer einschätzen. Dazu fehlt mir einfach die Grundlage, ich habe bislang viel zu wenig von dem gesehen, was seine Arbeit in Fürth bewirkte. Eigentlich nur die Tabelle. Auch deshalb freue ich mich auf das Spiel heute Abend. Nicht, weil ich mir die Arbeit des nächsten Trainers des FC Schalke 04 ansehen will, sondern weil ich dann die Arbeit eines immer noch irgendwie Schalkers vielleicht ein bisschen besser beurteilen kann, wenn er gemeinsam mit Gerald Asamoah einen Underdog-Kampf gegen den Erzrivalen kämpft. Ma’kucken.

Holstein Kiel verspottet selbsternannte Tugendwächter

Mittwoch, der 21.12.2011. Für Schalke 04 ein schlechter Tag. Für Holstein Kiel ein Tag zum Jubeln. Zunächst schaffte der Regionalligist die Pokalsensation gegen Mainz 05, dann bekam er für das Viertelfinale auch noch den Deutschen Meister Borussia Dortmund zugelost. Freuden-, und vielleicht nicht nur, trunken, versehentlich noch live auf Sendung, stimmten die Kieler Kicker den alten Gassenhauer an, der die dem BVB-Zugehörigen der Abstammung von professionellen Liebensdienst leisterinnen bezichtigt.

Nicht fein, aber auch nicht wirklich schlimm. Ein in fast ganz Deutschland verbreiteter Chor. Nichts, was einen Schwarzgelben noch aufregen oder gar überraschen würde, eben wie das Lederhosen-Lied den Bayern längst an der Krachledernen vorbei geht.

Aber doch zuviel Emotion für die Herren des DFB. Wegen „unsportlicher Gesänge“ wurde der Regionalligist zu einer Zahlung von 12.000 Euro verurteilt. Und weil man sich auch gegen die absurdesten Urteile des DFB nicht wirklich wehren kann, hilft in solchen Fällen nur beißender Spott.

Also produzierte Holstein Kiel ein „Entschuldigung-Video“, in dem die Konsequenz aus dem Urteil, die unbedingte „politische Korrektheit“, der Kuschelumgang mit dem Gegner, derart überzeichnet wird, dass die Funktionäre in Frankfurt sicherlich vor Wut kochen.

Wie da eine pisselige Autofensterfahne am letzten Eckchen mit den Fingerkuppen gehalten wird … wie der sprechende Kicker sein Grinsen unterdrückt, darauf bedacht bleibt, am Ende des Satzes mit der Stimme runterzugehen, betroffen zu sein … wie formuliert wurde, dass „die Pferde durchgegangen“ seien, dass man nun ein „gemeinsames, sportliches Event“ wolle … wie sie sich am Schluss hinstellen, einige mit Schals, alberner Weise auch zwei sich einen teilend, wie dann ein überdimensioniertes gelbes Band nebst BVB-Wappen über die Szene geblendet wird, wie dann im Chor „Sorry BVB“ gesagt wird: Das alles ist großartig gemacht und gibt auf herrlich subtile Art sowohl das Urteil, als auch alle diejenigen, die aus dem Vorfall unbedingt einen „Skandal“ formen musste, der Lächerlichkeit preis.


Falls Holstein Kiel das Filmchen allerdings doch ernst gemeint haben sollte, muss ich vor lauter Fremdscham mindest 24 Stunden den Kopf unter einem Kissen verstecken. Ich nehme an, auch normalen BVB-Fans ginge es nicht anders.

Taktik, Stark, Unnerstall

So habe ichs meinem Sohn beigebracht. Für ihn war das Spiel zu spät. Ich versprach, einen Zettel zu schreiben, damit er heute Früh direkt Bescheid wüsste.

Schalke verliert in Gladbach mit 1:3 und mich hat das Spiel von vorne bis hinten angekotzt. Die taktische Unterlegenheit in der ersten Halbzeit, der Schiedsrichter, die Gegentore. Schalke hatte sich einen Sieg keinesfalls verdient, aber wie die Niederlage zustande kam war dennoch zum schreien.

Ich kann nicht genau sagen, was die Stärken und Schwächen von Gladbach sind, dazu kenne ich sie nicht gut genug. Aber das sie Stärken haben ist klar.

… sagte Huub Stevens auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, und genau so sah die erste Halbzeit auch aus. Offensichtlich völlig überrascht davon, dass Gladbach ein adäquates Pressing bereits 30 Meter vor dem Schalker Tor ausübte, kam eine Halbzeit lang kein Schalker Spielaufbau zustande. Unter Druck pöhlten Jones, Matip und Papadopoulos den Ball ein ums andere Mal nach vorne, und in der Regel landete er dabei beim Gegner. Das an individuellen Schwächen dieser Spieler festzumachen wäre meines Erachtens zu simpel. Es fehlte an einem Rezept, wie diese Nachteile auszugleichen sind, und eine ewige Halbzeit lang änderte sich daran auch nichts.
Schalke ließ keine Chancen zu, aber das eine Tor fiel eben dennoch, nach einem für Gladbach glücklichen Querschläger. Wenn so etwas passiert und man keine Reaktion zeigt, weil man nicht in der Lage ist die eigene Offensive ins Spiel zu bringen, gibt es nichts zu beschönigen. Es war ein bis dahin einseitiges Spiel und eine verdiente Führung für Gladbach.

Nach der Halbzeit drückte Schiedsrichter Wolfgang Stark dem Spiel seinen Stempel auf. Natürlich: Klaas-Jan Huntelaar zeigte erst eine Vogel und klatschte dann noch höhnisch Beifall. Regelrechtlich gesehen kann das getrennt geahndet werden und Stark handelte korrekt. Aber mit Verlaub, dieses Handeln war an dem, was Spieltag für Spieltag in der Bundeliga praktiziert wird, meilenweit vorbei und völlig überzogen.
Der ganzen Situation lag ein einzelner Aufreger zu Grunde. Huntelaar war zuvor nicht negativ aufgefallen, gefühlt war er 45 Minuten nicht mal in Ballnähe. Ein souveräner Schiedsrichter wäre hingelaufen, hätte sich vor seinen Assistenten gestellt, sich den Spieler geholt, die Situation beruhigt, den Spieler zurechtgewiesen und ihm die Gelbe Karte gezeigt; fertig. Herr Stark war eine halbe Platzlänge weit entfernt, lies sich vermutlich via Headset informieren und entschied während des Spurts in die Ecke, dass er nun ganz konsequent handeln müsse. Damit beeinflusste er den weiteren Verlauf des Spiels entscheidend.

Den Rest gab mir dann Lars Unnerstall. Natürlich hätte diese 1:1 Situation „Matip:Reus“ gar nicht entstehen dürfen, meinetwegen hätte Matip auch 50 cm weiter links stehen müssen, um die kurze Ecke abzudecken. Aber Reus war wirklich weit weg. Und der Schuss war wirklich sehr langsam … Man konnte förmlich sehen, wie Lars Unnerstall mit dem Schicksal haderte, statt sich zu bewegen. Ein junger Torwart, in der Liga zuvor fast fehlerfrei, man muss nun nicht den Stab über ihm brechen. Aber diese Situation in diesem KO-Spiel war dann eben doch ein Schlag in die Magengrube im falschesten aller Momente.

Das war’s im Prinzip. Schalke gab noch mal alles und kämpfte, ja. Gladbach hatte plötzlich den Faden verloren. Man kann noch über das dritte Tor Gladbachs diskutieren, oder über Jones Platzverweis, aber das war alles „obenauf“. Es waren doofe Situationen die das Spiel entschieden und Schalke schaffte es über 90 Minuten kaum, sich echte Torchancen zu erspielen. Das ist es, was bleibt.

Und der Pokalwettbewerb ohne Schalke 04.

Bevor der Vorhang fällt

Heute in Gladbach also. Eine wahrlich schwere Aufgabe. Die letzte Heimniederlage des VfL Borussia datiert vom 18. März. Ohne daran was zu ändern kann es für Schalke heute nicht gut ausgehen, so die simple Botschaft des Pokalmodus’.

Andererseits hätte ein leichteres Los auch nicht zum letzten Kapitel des Jahres gepasst. Zwischen tollen Champions League-Abenden, realen Abstiegsplatzbedrohungen, dem Pokal-Triumph und Trainerwelchseln ging es stetig auf und ab, schalkig eben, der Club des großen Theaters.
Jetzt geht es um einen guten Abgang. Ein versauter Schluss macht nicht alles schlecht, aber im Theater wie im Fußball ist der letzte Eindruck das, worüber später zuerst gesprochen wird. Es geht um die Länge des Schlussapplauses. Möge uns unser Ensemble noch einen lautes Ende ermöglichen. Leise ist es danach ja lange genug.