Artikel zum Schlagwort ‘DFB-Pokal’

Zum Abwinken schlecht

Schalke 04 verliert im eigenen Stadion gegen die TSG Hoffenheim mit 1:3 und verabschiedet sich damit aus dem Pokalwettbewerb.

In den bisherigen 24 Pflichtspielen dieser Saison hat Jens Kellers Mannschaft nun bereits neunmal 3 oder mehr Gegentore in einem Spiel zugelassen. Neun.


9 aus 24!



Da ist es vollkommen überflüssig, noch über irgendwas anderes zu diskutieren. Wenn eine Mannschaft derart regelmäßig gegen unterschiedlichste Gegner derart albern verteidigt, fehlt jede Grundlage für guten und erfolgreichen Fußball. Offensichtlich fehlt es in Schalkes Spiel an Grundsätzlichem. Normal ist das jedenfalls nicht.

Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Leuten mittlerweile die Kraft fehlt, sich darüber noch aufzuregen. Mir geht es so. Mittlerweile schaut man weg, schließt die Augen, schüttelt leicht den Kopf und winkt ab.

Aufregen bringt ja nix.

Höwedes sorgt für Schalkes Achtelfinaleinzug

Am Ende steht ein 3:1. Schalke 04 kämpft sich gegen Darmstadt 98 ins Pokal-Achtelfinale. Benni Höwedes war der Held, der Sieg letztendlich verdient, trotzdem war die Leistung das Gegenteil von souverän.

Schalkes Anfangsphase war stark. Bevor sich Darmstadt sortiert hatte ging Schalke hohes Tempo und kam zu Chancen. Nach rund 20 Minuten verebbte das Tempo allerdings, Darmstadt fand zur Ordnung und Schalke tat sich zunehmend schwerer.

Gefühlte 264 Mal wurde der Ball zwischen Joel Matip und Benni Höwedes hin und her gespielt. Zwischenzeitlich missriet ein Pass und ein forsch nach vorne rennender Darmstädter musste gefoult werden. Der einzige gelungene Spielzug nach der 20. Minute führte zum Foul an Farfán und dem entsprechenden Elfer. Blöd nur, dass man eine Minute später den Ausgleich kassierte, weil Darmstadt Standardsituationen in der Regel sehr gut, und Schalke Standardsituationen in der Regel sehr schlecht beherrscht.

Es sei ein echter Drittligakampf, sagte Beckmann zu Scholl in der Halbzeitpause. Er wollte damit Darmstadts Aggressivität loben. Tatsächlich kritisierte er damit auch Schalke 04 überaus passend, denn Schalke lies sich auf einen eben solchen ein, statt seine fußballerische Überlegenheit auszuspielen.

Max Meyer machte ein ordentliches Spiel, und doch wurde er zu wenig einbezogen. Kontrollierte Spielzüge Richtung Darmstädter Tor waren Mangelware, auch in der zweiten Hälfte stockte Schalkes Spiel mehr als es lief. Haarsträubende Fehler, wie der in den Boden tretende Timo Hildebrand, setzten noch Schlaglichter auf das eh nicht gute Gesamtbild. Zum Glück konnte Darmstadt auch nicht recht, hoffte auf hohe Bälle, am liebsten aus Freistößen oder Ecken. Benni Höwedes war es letztlich, der Schalke den Sieg bescherte. Nicht nur durch seinen tollen Kopfball zum 2:1, vor allem durch große Präsenz im Abwehrzentrum, als der Ball doch noch quer durch Timo Hildebrands Strafraum flog.

Schalke hatte viel Ballbesitz und war bemüht, Darmstadt hoffte nur auf Standards. Ein fraglos verdienter Sieg, allerdings auf ganz schwachem fußballerischen Niveau. Jaja, der Pokal hat seine eigenen Gesetze, ich weiß. Ich frage mich trotzdem, weshalb eine auf jeder Position besser besetzte Mannschaft, unterstützt durch ein Trainerteam inklusive dem „Mastermind“ des letztjährigen Triple-Siegers, nicht mal kacknüchtern einen Drittligisten beherrschen und Spielzüge aus sich heraus generieren kann, die zu einem langweiligen 3:0-Erfolg führen. Auch gegen Darmstadt 98 brauchte Schalke Helden.

Danke, Benni.



Bildvorlage: Michael Kranewitter

Bitterer Ausklang

Schalke verliert auch gegen Mainz 05 und scheidet aus dem DFB-Pokalwettbewerb aus. Dabei gab es durchaus Hoffnung schürende Aspekte. Als einzig wirklich positive Erkenntnis bleibt am Ende aber doch nur, dass nun Pause ist, dass der Spielbetrieb, der ganze Absturz endlich unterbrochen wird.

Schalke hat nicht toll gespielt. Schalke hat aber weder moralisch aufgegeben, noch im Anrennen jegliche Form verloren. Das war durchaus mehr, als man zuletzt erleben musste. Jens Keller hat die Mannschaft umformiert und damit durchaus Mut bewiesen. Der Einsatz Metzelders für Matip erwies sich als ok, Ciprian Marica machte ein sehr gutes Spiel und erwies sich als guter Griff. Tranquillo Barnetta erwischte es hingegen hart. Als Rechtsverteidiger eingesetzt war er ab und an nicht auf der Höhe, vor allem bei beiden Gegentoren.

Atsuto Uchida ist verletzt. Nach langer Verletzungspause und mit frischem Jochbeibruch kam Marco Höger offensichtlich auch nicht in Frage, und dass Benedikt Höwedes in der Innenverteidigung gebraucht wird, das ist einer der ganz wenigen Punkte, über die auf Schalke Einigkeit herrscht. Keller stand für den Rechtsverteidiger-Posten schlicht keine gute Alternative zur Verfügung.

So platt es auch klingt, Schalke hat über den Kampf in dieses Spiel gefunden und sich Chancen erarbeitet. Man hatte nicht wirklich den Eindruck, die Mannschaft hätte einen geeigneten Plan, wie man Mainz’ Abwehr auseinander nehmen könne. Aber der Drang war da, mit hoher Laufbereitschaft wurden verloren gegangene Bälle zurück geholt und erneut nach vorne getragen. Es reichte nicht. Neben allem, was berechtigt kritisiert werden kann, hat Schalke eben auch noch „Scheiße am Hacken“. Da hüpft der letzte Pass vom Schuh, da klatscht der Fernschuss nur an die Latte, und gleichzeitig fühlt es sich an, als sei jeder Schuss des Gegners ein Treffer.

Welch ein bitterer Abschluss. Unfassbar, wie sich dieser Verein innerhalb von nur viereinhalb Wochen und ohne Fremdeinwirkung selbst in die Grube rammen kann. Schalke 04 ist eben ein besonderer Verein. In jeder Hinsicht.

Gewonnen

Ich habe mich geschont. Für den gestrigen Tag standen viele Termine in meinem Kalender. Mit dem entsprechenden Aufwand hätte ich diese verschieben und den Stadionbesuch einrichten können. Für ein Champions League-Spiel gegen Arsenal hätte ich es sicher getan. Gegen den SV Sandhausen gab ich mir aber eine Pause und anderen Zuschauern die Einsatzzeiten. Ich habe schließlich in dieser Saison schon so viele Spiel auf dem Puckel.

Via Sky statt vor Ort und mit Altenmünster Weißbier statt Veltins verfolgte ich das Spiel aber natürlich trotzdem. Ich sah das schicke Tor von Ciprigol Marica und erinnerte mich daran, dass Klaas-Jan Huntelaar in der Eredivisie der Bicycle Kick-King war, an ein Fallrückzieher-Tor von ihm für Schalke erinnerte ich mich aber nicht. Ich sah einen gut aufgelegten Julian Draxler, Schalker die spielen wollten und das auch über weite Strecken taten. Ich sah allerdings auch Nachlässigkeit, in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit, aber der SV Sandhausen war, bei allem Respekt, einfach nicht gut genug, um daraus Kapital schlagen zu können.

Ein Pflichtsieg im Pflichtspiel gegen einen Zweitligisten. Nicht schlecht. Kein überstrahlender Glanz. Gewonnen eben, souverän, nicht glücklich, nicht blamiert. Mehr als das und den daraus resultierenden Einzug in die nächste Runde kann ein Erstligist in dieser Konstellation eigentlich nicht erreichen.

Sandhausens Pokalgeschichte

… ist mit diesen 5 Minuten und 49 Sekunden selbstverständlich nicht komplett abgehandelt. Der erzählenswerteste Teil aber schon. Hässliche Trikots, komische Frisuren, 1995 – und viele Elfmeter.
Sehr viele.




via Der Libero
Link: Die Geschichte des SV Sandhausen

Buyo sehen

Gestern hatte Mike Büskens Geburtstag, er wurde 44 Jahre alt. Heute setzt er mit seiner Spielvereinigung Greuter Fürth zur Saisonkür im Pokalhalbfinale gegen Meister Borussia Dortmund an. Irgendwann soll er einmal Schalkes Trainer werden, jedenfalls wünschen sich das viele königsblaue Fans. Dazu habe ich noch keine Meinung, aber ich freue mich auf das heutige Spiel.

Seine Mannschaft, und auch er selbst, hat heute nichts zu verlieren. Alles andere als eine Niederlage wäre eine Sensation, und anderes ist auch wichtiger, nämlich endlich den Aufstieg in die erste Liga zu schaffen. Seit nunmehr 12 Jahren war Fürth immer wieder oben dabei und schaffte es am Ende doch nicht. Auf Schalke gönnen es ihnen nun viele, obwohl die Spielvereinigung der natürliche Derby-Gegner der fanfreundschaftsbefreundeten Clubberer aus Nürnberg ist. Auch wegen Gerald Asamoah, vor allem aber wegen Mike Buyo Büskens.

Beliebt war er schon immer, seit er in Fürth erfolgreich arbeitet ist er auch begehrt. Der FC St. Pauli wollte ihn als Nachfolger Stanislawskis haben, und als Ralf Rangnick überraschend zurück trat, wurde auch im Schalker Umfeld vielfach sein Name gerufen. Mike Büskens stand nicht zur Verfügung, er wolle keinen Vertrag brechen, gab er sich so wie man ihn schätzt, ohne einen Hehl daraus zu machen, dass er Schalke als seinen Verein sieht, und dass es vielleicht irgendwann mal passen könnte.
Spätestens seit dieser Zeit des Rangnick Rücktritts und Büskens Aussagen sehen viele Fans Mike Büskens als natürlichen Erben Huub Stevens’, der gleich zu Beginn seines aktuellen Engagements auf Schalke bemerkte, dass er seine Karriere nicht mehr allzu lange fortsetzen wolle, dass er „nur noch zwei, drei Jahre plane“.

So sehr ich Mike Büskens als Spieler und Mensch, als „Typ“ schätze, so wenig kann ich ihn als Trainer einschätzen. Dazu fehlt mir einfach die Grundlage, ich habe bislang viel zu wenig von dem gesehen, was seine Arbeit in Fürth bewirkte. Eigentlich nur die Tabelle. Auch deshalb freue ich mich auf das Spiel heute Abend. Nicht, weil ich mir die Arbeit des nächsten Trainers des FC Schalke 04 ansehen will, sondern weil ich dann die Arbeit eines immer noch irgendwie Schalkers vielleicht ein bisschen besser beurteilen kann, wenn er gemeinsam mit Gerald Asamoah einen Underdog-Kampf gegen den Erzrivalen kämpft. Ma’kucken.

Holstein Kiel verspottet selbsternannte Tugendwächter

Mittwoch, der 21.12.2011. Für Schalke 04 ein schlechter Tag. Für Holstein Kiel ein Tag zum Jubeln. Zunächst schaffte der Regionalligist die Pokalsensation gegen Mainz 05, dann bekam er für das Viertelfinale auch noch den Deutschen Meister Borussia Dortmund zugelost. Freuden-, und vielleicht nicht nur, trunken, versehentlich noch live auf Sendung, stimmten die Kieler Kicker den alten Gassenhauer an, der die dem BVB-Zugehörigen der Abstammung von professionellen Liebensdienst leisterinnen bezichtigt.

Nicht fein, aber auch nicht wirklich schlimm. Ein in fast ganz Deutschland verbreiteter Chor. Nichts, was einen Schwarzgelben noch aufregen oder gar überraschen würde, eben wie das Lederhosen-Lied den Bayern längst an der Krachledernen vorbei geht.

Aber doch zuviel Emotion für die Herren des DFB. Wegen „unsportlicher Gesänge“ wurde der Regionalligist zu einer Zahlung von 12.000 Euro verurteilt. Und weil man sich auch gegen die absurdesten Urteile des DFB nicht wirklich wehren kann, hilft in solchen Fällen nur beißender Spott.

Also produzierte Holstein Kiel ein „Entschuldigung-Video“, in dem die Konsequenz aus dem Urteil, die unbedingte „politische Korrektheit“, der Kuschelumgang mit dem Gegner, derart überzeichnet wird, dass die Funktionäre in Frankfurt sicherlich vor Wut kochen.

Wie da eine pisselige Autofensterfahne am letzten Eckchen mit den Fingerkuppen gehalten wird … wie der sprechende Kicker sein Grinsen unterdrückt, darauf bedacht bleibt, am Ende des Satzes mit der Stimme runterzugehen, betroffen zu sein … wie formuliert wurde, dass „die Pferde durchgegangen“ seien, dass man nun ein „gemeinsames, sportliches Event“ wolle … wie sie sich am Schluss hinstellen, einige mit Schals, alberner Weise auch zwei sich einen teilend, wie dann ein überdimensioniertes gelbes Band nebst BVB-Wappen über die Szene geblendet wird, wie dann im Chor „Sorry BVB“ gesagt wird: Das alles ist großartig gemacht und gibt auf herrlich subtile Art sowohl das Urteil, als auch alle diejenigen, die aus dem Vorfall unbedingt einen „Skandal“ formen musste, der Lächerlichkeit preis.


Falls Holstein Kiel das Filmchen allerdings doch ernst gemeint haben sollte, muss ich vor lauter Fremdscham mindest 24 Stunden den Kopf unter einem Kissen verstecken. Ich nehme an, auch normalen BVB-Fans ginge es nicht anders.