Artikel zum Schlagwort ‘DFB-Pokal’

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Und das erste Gesetz lautet:

Erstrundenspiele gegen unterklassige Gegner sind immer kappes.

Immer? Nein.

Vor einem Jahr und 12 Tagen siegte Schalke 04 beim Zweitligisten MSV Duisburg mit 5:0 und sorgte für einen schönen Nachmittag. Ein Spiel als Ausnahme, das die Regel bestätigte. Julian Draxler gab eine Art Außenbahnspielmacher, Johannes Geis verwandelte einen Freistoß und Franco Di Santo traf auch. Das Spiel fühlte sich gut an, weil der MSV als eins der schwersten Lose der ersten Runde galt, weil man den Sieg deshalb nicht als selbstverständlich erachtete, und weil es außerdem ein Derby war, welches mit einer entsprechenden Stadionkulisse aufwarten konnte. Ein Spiel, das viele Hoffnungen schürte. Aber Julian Draxler flüchtete ins Exil, Johannes Geis verwandelte fortan keine Freistöße mehr, Franco Di Santo hatte eine Saison zum vergessen und der MSV Duisburg ist mittlerweile Drittligist.

Das diesjährige Erstrundenpokalspiel des FC Schalke 04, in Freiburg gegen den FC 08 Villingen, einem südbadener Verbandsligisten, war hingegen eines der regulären. Diese Spiele sind für die Fans der Erstligisten entweder langweilig oder furchtbar. Dabei ist „furchtbar“ dann keine rhetorische Übertreibung, wenn das Weiterkommen tatsächlich schwerfällt – man frage heute mal in Bremen, Bochum oder auch Berlin nach. Das samstägliche Spiel der Blauen mag der eine oder andere furchtbar genannt haben, tatsächlich war es das aber nicht, nur eben langweilig.

Langweilig sind die Siege der Erstligisten bei einem ungefährdeten Weiterkommen immer, denn mehr als den Erwartungen zu entsprechen ist für sie nicht zu erreichen. Schalke schaffte es nicht so recht, die Erwartungen zu erfüllen. Man sorgte für kein Chancenfeuerwerk, das Tempo war überschaubar und die Tore der ersten Halbzeit brauchten die Unterstützung schwerer Fehler Villinger Akteure. Gefährdet war das Weiterkommen aber nie. Zwar war es glanzlos, aber eben auch mühelos.

Letztlich fällt es leicht, Villingen für eine respektable Leistung zu gratulieren. Ihr Spiel wirkte weitestgehend professionell. Die Kritik an einzelnen Schalker Akteuren spare ich mir. Ich nehme die Begegnung wie ein Testspiel und hoffe auf mehr Dynamik zum Bundesligaauftakt in einer Woche.



Hat tip an Karsten Jahn, der mich an das MSV-Spiel erinnerte. Er selbst sah das Villingen-Spiel auch als Testspiel.

Selbst schuld

Schalke verliert das Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach mit 2:0 und verpasst den Einzug ins Achtelfinale. Dabei war man zwar die bessere Mannschaft, hat sich aber mit Unzulänglichkeiten um den Lohn gebracht.

Schalkes Torhüter Michael GspurningDiesmal war kein Schiedsrichter schuld, der Gegner war nicht böse und man braucht sich auch in keine anderen Verschwörungstheorien flüchten.

Egal wie viele Chancen man sich auch herausspielt: Wenn man nicht in der Lage ist, diese auch zu nutzen, ist man selbst schuld.

Wenn die ganze Mannschaft ständig ausrutscht, hat man selbst das falsche Schuhwerk gewählt. Wenn das gleiche nach der Halbzeitpause weiterhin geschieht kann man das auch als unprofessionell erachten.

Wenn sich der Torwart in den Lauf des Angreifers wirft, obwohl der mit Ball in Richtung Torauslinie unterwegs ist, wenn er damit eine Situation schafft, in der nach dem Falles des Angreifers in der Bundesliga stets auf Strafstoß entschieden wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn es einmal mehr genauso kommt.

Wenn man nach einem 0:2 Rückstand schwere Beine hat, weil die Mannschaft durch Ausfälle geschwächt und der Kader zu klein ist, dann hat auch das nichts mit Schicksal zu tun.

Schalke ist raus – selbstverschuldet – und erfüllt damit die im letzten Konzernlagebericht dargestellte Prognose vollends:

Im DFB-Pokal wird vorsichtshalber ein Ausscheiden in der zweiten Runde angenommen.

Immerhin.



Foto: Tomek Bo

Sieg mit Aussicht

Schalke 04 gewinnt 5:0 in Duisburg und erreicht souverän die 2. Pokalrunde. Ein Spiel das nicht überbewertet werden sollte, das aber Lust auf mehr machte.

Der MSV Duisburg ist mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet und musste einige Verletzungen wegstecken. Vor großer Kulisse waren sie redlich bemüht, aber letztlich in allen Belangen überfordert. Für Schalke ist nie ein Sieg selbstverständlich, Schalke kann sich prima auch selbst im Weg stehen. Trotzdem war die Rollenverteilung natürlich eindeutig, ein Schalke-Sieg war zu erwarten, ein MSV-Triumph wäre eine Sensation gewesen. Insofern war das „Dass“ flott abzunicken. Das „Wie“ machte aber Spaß.

Mir gefiel vor allem, dass die Mannschaft auch noch beim Stand von 4:0 in der 75. Minuten den Gegner mit Ball jagte. Über die Pflicht hinaus ging es darum, die neue Spielweise mit Pressing tief in des Gegners Hälfte und schnellem Umschalten zu etablieren. Das Offensivspiel insgesamt war variabel, die Innenverteidigung ließ nichts anbrennen. Julian Draxler war auf Außen ein die Offensive gestaltender Spieler, Johannes Geis war stets anspielbar und gab das Tempo vor. Gegen Werder Bremen wird dies alles viel schwieriger werden, aber man konnte sehen wie Schalke werden soll. Ein schöner Ausblick.

Und dann redeten allerdings alle über ein Transparent von ein paar Deppen. Sehr geschmacklos, natürlich. Abgesehen vom Geist der „Künstler“ selbst gab es dazu aber auch keine zwei Meinungen. MSV-Geschäftsführer Bernd Maas bat direkt nach dem Spiel um Entschuldigung, Rudi Assauer und seine Tochter nahmen an und gaben sofort verständnisvolle Worte zurück. Damit hätte es gut sein können.
Aber wenn die Empörungsmaschinerie erstmal anläuft, gibt es kein Stoppen mehr. Schalke-Fans krakelten gegen „die Duisburger“, MSV-Fans wetterten gegen „die Idioten in der Kurve“, Zeitungen und Onlineportale produzierte gesonderte Berichte. So wurde ein Zwischenfall zur eigenen Story. Zuviel Aufmerksamkeit, zuviel Ablenkung vom Wesentlichen. Auch davon, dass bei diesem „Hochsicherheitsspiel“ letztlich nichts wirklich schlimmes passierte. Oder davon, dass die Duisburger Zuschauer ihre Mannschaft am Ende trotz Niederlage feierten und damit zeigten, dass sie das Geschehen richtig einordnen konnten. Schade.

90 Minuten Saison – und schon den Papp auf

Schalke blamiert sich in Dresden, verliert 1:2 und verabschiedet sich bereits nach der ersten Runde aus dem Pokalwettbewerb.

Die Beispielszene, stellvertretend für den FC Schalke 04 der ersten 70 Minuten in diesem Spiel, ereignete sich kurz vor der Halbzeit. Es stand bereits 1:0 für Dresden, Schalke erhielt einen Freistoß, knapp 30 Meter vor dem gegnerischen Tor. Die kopfballstarken Spieler postierten sich in der Nähe der Mauer. Klaas-Jan Huntelaar legte sich den Ball zurecht. Er läuft an und schießt den Ball lasch und flach in die Mauer, einem Passspiel gleich. Die Spieler trotteten in ihre Positionen zurück.

Klaas-Jan Huntelaar ist zweifellos ein Siegertyp, einer der vorangeht, der stets viel läuft. Einer, auf den ich nichts kommen lasse. Und doch war die Lethargie in dieser Szene bezeichnend. Schalke war das Gegenteil von heiß. Schalke nahm dieses Spiel nicht ernst. Schalke agierte im Testspiel-Modus, auch dann noch, als Dresden 2:0 führte. Man probierte sich aus, spielte den Ball bald hier, bald dort herum, oft wieder zum Passgeber zurück, wollte das Spiel ruhig halten. Ruhig, während Dresden rannte so schnell man konnte. Kompliziert, während Dresden einfach spielte: Lang nach vorne, auf den Stoßstürmer, nur mit wenigen Spielern nachrückend.

Für den FC Schalke 04 an diesem Abend reichte es. Das Innenverteidiger-Paar Joel Matip und Felipe Santana machte da weiter, wo man im Testspiel gegen Tottenham aufhörte. Sie offenbarten große Lücken in ihrer Raumaufteilung und halfen durch individuelle Fehler bei den Gegentoren. Alleine schuldig waren sie indes nicht. Natürlich ließ auch Höger vor dem zweiten Tor seinen Gegner laufen. Natürlich brachte Prince kaum Präsenz auf den Platz. Natürlich konnte Lückenschließer Neustädter kaum Lücken schließen. Natürlich lief das Spiel nahezu komplett an Klaas-Jan Huntelaar vorbei und Max Meyer spielte Pässe in der Regel zurück statt nach vorne. Julian Draxler wusste zu gefallen, Christian Clemens und Eric Maxim Choupo-Moting waren bemüht – das wars aber auch schon. Und das reicht eben nicht. Nicht mal gegen einen Drittligisten, nicht mal in einem Testspiel. Nie.

70 Minuten machte Schalke den Eindruck, als habe man schlicht keinen Bock sich anzustrengen. Als Schalke das Tempo erhöhte hatte sich Dresden den Sieg längst verdient. Sehr ärgerlich.

Druck in Dresden

Es sei mit Sicherheit ein Vorteil für einen unterklassigen Club im Pokal, schon länger im Pflichtspielbetrieb zu sein, sagte Peter Neururer. Er glaube, dass es ein kleiner Vorteil sei, aber kein großer, sagte Armin Veh. Ein kleiner habe auch gereicht, antwortete Peter Neururer.

Seine Schalke-Twitter-Timeline mache sich vor Dresden in die Buchse, wunderte sich Herr Winzler. Bei allem Respekt, dritte Liga, da dürfe man sich keine Blöße geben, schrieb ich. Schalke müsse mehr an die eigene Stärke glauben, Schalke solle sich nicht immer kleiner machen als man sei, sagte Horst Heldt. Eben, dachte ich.

Der aktuelle sei Schalkes bester Kader der Neuzeit, schrieb ich. Ja, aber geht das Ding in Dresden in die Hose, brennt der Baum, schrieb derwahrebaresi.

Ohne Zweifel, Druck ist ab heute.

Glückauf!

DFB-Pokal: Schalke in Dresden

Die erste Runde des DFB-Pokals der Saison 2014/2015 wurde ausgelost, Horst Hrubesch und Fernanda Brandao – der Schöne und das Biest – waren zugegen. Heraus kam, dass Schalke 04 bei Dynamo Dresden antreten muss.

Für seine Fans ist Dynamo sowohl berühmt als auch berüchtigt, für seine Leistungen beides nicht mehr. Gerade vier Heimspiele konnten die Sachsen in ihrer vergangen Zweitligasaison gewinnen, mit nur 32 Punkten stiegen sie am Ende in die dritte Liga ab. Ein Selbstläufer ist für Schalke 04 überhaupt nie ein Spiel, ich selbst bin mir jedenfalls nie eines Sieges per se sicher. Trotzdem dürfen sich die Blauen in Dresden keine Blöße geben. Dort ist der Einzug in die nächste Runde für Schalke 04 Pflicht.

Und wenn man ansonsten noch ein bisschen Zeit hat: Der Meidericher Spielverein aus Duisburg gegen den Club aus Nürnberg, oder der VfL Bochum gegen den VfB Stuttgart, sind auch nette Partien, und gleich umme Ecke.

Zum Abwinken schlecht

Schalke 04 verliert im eigenen Stadion gegen die TSG Hoffenheim mit 1:3 und verabschiedet sich damit aus dem Pokalwettbewerb.

In den bisherigen 24 Pflichtspielen dieser Saison hat Jens Kellers Mannschaft nun bereits neunmal 3 oder mehr Gegentore in einem Spiel zugelassen. Neun.


9 aus 24!



Da ist es vollkommen überflüssig, noch über irgendwas anderes zu diskutieren. Wenn eine Mannschaft derart regelmäßig gegen unterschiedlichste Gegner derart albern verteidigt, fehlt jede Grundlage für guten und erfolgreichen Fußball. Offensichtlich fehlt es in Schalkes Spiel an Grundsätzlichem. Normal ist das jedenfalls nicht.

Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Leuten mittlerweile die Kraft fehlt, sich darüber noch aufzuregen. Mir geht es so. Mittlerweile schaut man weg, schließt die Augen, schüttelt leicht den Kopf und winkt ab.

Aufregen bringt ja nix.