Halils Schnitt

9. März 2010, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

Für Schalke:  96 Bundesligaeinsätze, 16 Tore.  0,17 Tore pro Einsatz.
Für Eintracht:   6 Bundesligaeinsätze, 1 Tor.       0,17 Tore pro Einsatz.


In Frankfurt gewonnen: Noch nichts erreicht

8. März 2010, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

Mit Zweifel durchzogene Erwartung. Frühe Erleichterung. Wiederkehrende Sorge. Erlösung. Ein Spiel, das mit einem guten Schiedsrichter deutlich mehr Spaß hätte machen können.

Ich begegne einem Spiel des FC Schalke 04 nie sorgenlos. Nicht dass ich nicht optimistisch sein könnte. Aber ein „Die hau’n wir weg“-Gefühl kenne ich nicht, egal wie die Tabelle ausschaut und wer der Gegner ist. Mein Trost ist, dass es in der Bundesliga derzeit wohl auch keinen anderen Club gibt, der Schalke auf die leichte Schulter nimmt.

Zwei Tore in den ersten 15 Minuten für die Blauen: Das gab es in dieser Saison noch nicht. Da lehnt man sich zurück und seufzt zufrieden. Man ahnt das es so nicht weitergehen würde, hofft es trotzdem, verzeiht der Mannschaft wenn sie einen Gang zurückschaltet, erwartet aber Souveränität.

Ab und zu sehe ich sie nicht, diese Souveränität. Dann sehe ich Heiko Westermann storchenähnlich übers Grün schreiten oder Zambrano ungestüm agieren. Aber dann geht es gut aus, der Kommentator sagt was von bester Abwehr weil Schalke die wenigsten Gegentreffer kassiert hat, und die, die um mich herum sind, sehen in mir einen Frevler. Als der Ball dann aber in der zweiten Hälfte durch die Reihe flipperte, ein Pressschlag dummerweise zum falschen Spieler kam, es nurnoch 2:1 stand und Schalke eine ganze Weile brauchte, wieder die Ordnung zu finden, gab es um mich herum plötzlich mehrere sorgenvolle Gesichter.

Magaths Wechsel kam zum richtigen Zeitpunkt. Carlos Zambrano hatte sich aufgerieben, wirkte ausgepumpt, nachdem Frankfurt in ihm offenbar einen Schwachpunkt ausgemacht hatte und immer wieder über links angriff. Mit Rafinhas Seitenwechsel, dem Rückzug von Lukas Schmitz auf die Linksverteidigerposition und den Rückzug von Ivan Rakitic gewann Schalke wieder an Stabilität. Mit Rakitic’ Tor, von Kuranyi und vor allem Edu herrlich herausgespielt, war das Spiel endgültig gewonnen. Kuranyis Tor, ebenfalls nach tollem Zuspiel, diesmal von Christoph Moritz – ob nun einen Millimeter Abseits oder nicht – setzte einen angenehmen Schlusspunkt.

Es bleibt ein schönes Gefühl. Schönere 90 Minuten hätte man erleben können, hätte Schiedsrichter Guido Winkmann nicht jeglichen Spielfluss zerpfiffen. Zupfer: Pfiff. Ein langer Arm: Pfiff. Zweikampf verloren? Unterschenkel nach hinten klappen und die Chancen auf einen Pfiff standen nicht schlecht. Die Spieler merkten das schnell und nutzen es aus. Fürchterlich.
Eigentlich war es ein Spiel ohne grobe Härten. In der 54. Minute erwischte Zambrano einen Gegner mit der Hand im Gesicht. Zu ungestüm, der „Stiff Arm“ sollte wohl eher die Brust treffen. Eine berechtigte Gelbe Karte und die härteste Szene des Spiels. Trotzdem pfiff Schiedsrichter Winkmann 53 mal! Dreiundfünfzig Foul-Pfiffe in 90 Minuten Spielzeit, dazu 9 Ecken und ungezählte Einwürfe, da bleibt nicht viel Zeit für Fußball. In den anderen 8 Partien des Spieltags gab es durchschnittlich 34 Unterbrechungen durch den Schiedsrichter. Es war erst das zweite Spiel des FC Schalke 04 unter Winkmanns Leitung, das erste liegt bereits anderthalb Jahre zurück. Ich hoffe es dauert mindestens wieder so lange bis zum nächsten Aufeinandertreffen.

Jetzt ist Schalke dank Leverkusens Niederlage tatsächlich Zweiter und schon wird ein Vergleich mit dem VfL Wolfsburg der vergangenen Saison gezogen. Das ist allemal schöner als müsse man sich mit dem FC Schalke 04 der letzten Saison vergleichen, ist aber trotzdem daneben. Wolfsburg war mit Misimovic und seinem Stürmer-Duo in Topform offensiv eine Klasse stärker. Felix Magath mag das Understatement beherrschen, in diesem Falle ist er meiner Meinung nach aber vor allem Realist. Jetzt kommt Stuttgart, dann geht’s nach Hamburg. Es folgt das DFB-Halbfinale auf Schalke gegen die Bayern, das Auswärtsspiel in Leverkusen und das Ligaheimspiel gegen die Bayern an Karsamstag. Ein heftigeres Programm könnte man sich kaum ausdenken. Dann, danach, nach dem Lichtfest, nach dem Ende der Fastenzeit, wenn Christen an Ostern der Auferstehung Jesu gedenken, kann man sich nebenbei in feiertäglicher Ruhe lange genug überlegen, mit wem der FC Schalke 04 der Saison 2009/2010 wohl am besten verglichen werden kann. Bis dahin empfehle ich Demut.

Den Vogel abschießen

5. März 2010, Torsten Wieland

Stichwörter: , ,

Morgen geht’s für den FC Schalke 04 zur Eintracht nach Frankfurt. Zu Halil Altintop, der dort, bei Michael Skibbe, das Vertrauen zu genießen scheint, dass er auf Schalke vermisst hat. Das freut mich für ihn und ich wünsche ihm alles Gute. Nur eben nicht für morgen, da möge er die Knoten in den Beinen haben, die Spötter bei ihm in den letzten Jahren des öfteren gesehen haben wollen.

Alles weitere zum Spiel sagte gestern bereits unser Cheftrainermanageröffentlichkeits- arbeiterfanbefriedermedienkritikerverteidigerdesglaubens. Nur die Einwechselungen von morgen, die wusste ich schon vor ihm. Als da wären …

… Matip,
… Moritz
und Gavranovic.

Tja, wer hätte das gedacht!?
Glück auf!
 



[Einwechselspieler-Raten: Ein ausschließlich der Ehre halber zu treibender Zeitvertreib, bei dem jeder mitmachen kann, der bis eine Stunde vor Anpfiff die Namen der zu erwartenden Schalker Einwechselspieler in einem Kommentar hinterlässt. Sollte der Initiator dieses Spielchens mit seinen getätigten Aussagen falsch liegen, tritt er trotzdem nicht zurück. Der Gebrauch von Insiderinformationen oder Bestechungsgeldern darf von Dritten nicht nachgewiesen werden können. Die Tippabgabe unter Einfluss von Dopingmitteln ist offiziell verboten, es besteht ein Stillschweigegebot. Bewusstseinserweiternde Drogen werden vom Blogger persönlich abgelehnt und bei anderen Tippern nur geduldet, solange sie sich nicht negativ auf den Kommentareintrag auswirken. Zuwiderhandlungen führen zum Ausschluss. Akteneinsicht wird grundsätzlich nicht gewährt.]

Halil Altintop

28. Januar 2010, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

Halil Altintop spielt fortan für Eintracht Frankfurt. Als er vor dreieinhalb Jahren nach Schalke kam war er 23 Jahre jung und hatte gerade eine Saison mit 20 Treffern hinter sich. Da durfte man sich Hoffnungen machen. Hoffnungen, die Halil Altintop letztlich nie erfüllte.

Während seiner ganzen Zeit auf Schalke gab es immer wieder diese Momente. Szenen in denen zu sehen war, dass er ordentlich mit dem Ball umgehen kann, besser als Kevin Kuranyi allemal. Es gab diese „Jetzt aber-Spiele“, in denen er traf, die die Hoffung schürten, dass es noch was wird, mit dem Torjäger Halil auf Schalke.
Aber irgendwas kam dann immer dazwischen. Ab und an kleinere Verletzungen. Oder er musste mal wieder die Position wechseln. Oder er war einfach 90 Minuten nicht zu sehen. Und wenn es dann nicht lief, konnte mich seine Ruhe, seine an Lethargie grenzende Gelassenheit und seine schluffige Körpersprache fast in den Wahnsinn treiben.

Meines Erachtens gehört Halil Altintop in die zentrale Stürmerposition und braucht die Gewissheit, dass er auch dann noch des Trainers Mann ist, wenn er mal keinen guten Tag hatte. Auf Schalke war stets und auch zurecht Kevin Kuranyi des Trainers Mann. Halil war der Stürmer der auf der freien Position spielte, die das jeweilige System gerade hergab, und der als erster ausgewechselt wurde, wenn es nicht lief. Er hat sich aber eben auch viel zu selten aufgedrängt.

Nun ist aus dem 20-Tore-Stürmer ein 6-Tore-Irgendwo-Offensivspieler geworden, dessen wohl lukrativster Vertrag seiner Karriere gerade ausläuft. Vielleicht läuft es in Frankfurt besser für ihn, vielleicht wird er dort „der“ Stürmer der Eintracht. Wir werden es mitbekommen. Viel Glück, Halil Altintop!



Foto: Tomek Bo

Laut rein, leise raus

27. Januar 2010, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

Der HSV umjubelt Ruud van Nistelrooy und vergisst dabei Mehdi Madavikia. Während der große Holländer noch seine erste Spielminute für den HSV heil überstehen muss, hat der vergleichsweise kleine Iraner den HSV einst per Tiefflug gerettet – und verlässt nun leise die Liga.

Ruud van Nistelrooy hat eine eingebaute Torgarantie. 118 Tore in 186 Einsätzen in England und Spanien, eine bessere Quote lässt sich nicht einkaufen. Bliebe nur der Haken, dass es mit den Einsätzen zuletzt nicht so klappte. Zwei Spiele innerhalb eines Wochenrhythmus’ absolvierte er zuletzt im Oktober 2008. Aber jetzt soll er wieder ganz fit sein. Wir werden sehen.

Mehdi Madavikia war dagegen Mister Zuverlässig, gerade im Dienste des HSV. Und seine nachhaltigste Leistung war seine Schwalbe am 10. Februar 2007. Schon zur Winterpause der Saison 06/07 war Hamburg Letzter, und auch nach 20 Spieltagen stand der Club mit lediglich einem Sieg, 12 Unentschieden und sieben Niederlagen am Ende der Tabelle. Der Trainerwechsel alleine, Huub Stevens für Thomas Doll, reichte nicht, dem Dino lag der Schwanz auf Grundeis. Es brauchte den Anstoß des Mehdi. Oder besser den Abstoß desselbigen vom Boden, denn nachdem Mahdavikia in der 10. Minuten des Spiels gegen Borussia Dortmund am 21. Spieltag den Ball am BVB-Torwart Weidenfeller vorbei legte, hob er freien Willens, vielleicht gar einer höheren Eingebung folgend ab, und als er wieder aufkam, wurde alles gut.

Der HSV gewann das Spiel 3:0, holte fortan noch weitere 27 Punkte und schaffte es am Ende noch zur WM auf Platz 7. Gestern unterschrieb der mustergültige Profi bei seinem letzten Bundesligaclub Eintracht Frankfurt einen Auflösungsvertrag und verlässt die Liga Richtung iranische Heimat. Genau weiß man es nicht, aber wohlmöglich hätte es ohne Mehdi nie ’n Ruud in Hamburg gegeben.

Mund abputzen, vorwärtsfreuen!

5. Oktober 2009, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

Schalke siegt zum dritten Mal in Folge. Dabei gab es gegen Eintracht Frankfurt eine Halbzeit kaum was zu sehen. In der zweiten Hälfte erhöhte Schalke die Schlagzahl, rang Frankfurt nieder und gewann letztlich verdient. Wichtige drei Punkte vor dem schwersten Teil des Spielplans.

Schalke tut sich nach wie vor schwer „das Spiel zu machen“ und Eintracht Frankfurt gefällt sich auch defensiv. Michael Skibbe sprach später jedenfalls von einem guten Spiel seiner Mannschaft, ohne dass die Eintracht Manuel Neuer auch nur ein einziges Mal zu mehr genötigt hätte, als sich den Knicker von Balljungen zum Abschlag zuwerfen zu lassen.

Umso tragischer, dass Schalke derart lange brauchte, um seinerseits zu Chancen zu kommen. Erst als nach der Pause eine Schippe draufgelegt wurde, als durch erhöhten Druck auf die ballführenden Frankfurter mehr Ballbesitz erarbeitet wurde, als es mehr Bewegung und mehr Tempo gab, kam es zu Chancen für Königsblau.

Erstaunlich bleibt, dass in Magaths Kindergarten keineswegs die jungen Spieler die Fragen aufwerfen. Gegen Frankfurt waren 5 Spieler aus der Schalker Startformation jünger als der gerade 23-Jährige Manuel Neuer. Trotzdem bildet sich ein Stamm, eine Gruppe von Kids mit einem gewissen Niveau, die einen zumindest gegen Dortmund und Frankfurt auf etwas mehr als Augenhöhe hieven. Es ist die Position im Sturm, neben Jefferson Farfan, auf der sich noch am wenigsten ein Spieler durchsetzen konnte.

Gegen Frankfurt stand Kevin Kuranyi in der Startformation, und auch er hat mehr als unglücklich agiert. Nicht, dass er sich nicht bemüht hätte, Kuranyi läuft stets soweit die Füße tragen. Und trotzdem lief das Spiel an ihm vorbei. Entweder lief er nicht in die Gasse, in die der Ball gespielt wurde, oder er hatte eine Idee, ließ einen Ball nur kurz abtropfen, wollte einen Mitspieler in Szene setzen, aber dieser startete nicht. Letztendlich war der Ball fast immer weg, sobald Kuranyi irgendwie beteiligt war.
Halil Altintop ist da noch, dessen lethargisches Auftreten einen zur Weißglut treiben kann, und eben Gerald Asamoah, der diesmal das entscheidende Ding machte. Der Vorzeigenschalker in seiner 11. Saison. Niemand, der es ihm nicht gönnen würde, und trotzdem eher nicht die Zukunft.

Nun spielt Schalke in Stuttgart, gegen Hamburg, Leverkusen und in München! Schweineschwer, aber auch schweineinteressant! Mit dieser Mannschaft darf man sich als Außenseiter fühlen. Mit diesem Trainer darf man sich dennoch Hoffnung machen. Immerhin, das Spiel gegen Frankfurt haben wir schon mal hinter uns.

Foto: TomaszBo

Köhler auf Schalke

2. Oktober 2009, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

Nicht Horst, nicht Gildo. Benjamin! Dass der Bundespräsident im Rahmen seiner „traditionellen Informations- und Begegnungsreise“ Lust hatte, durch Duisburgs Hafen zu schippern und sich durch unser Stadion führen zu lassen, ist mir völlig egal. Genauso wenig juckt es mich, wenn Spieler in neue Anzüge gesteckt werden oder Chinas Wissenschaftsminister Wu Zhong Ze via Stippvisite was über Verkehrsanbindungen erfahren will. Heute kommt Eintracht Frankfurt, und ich habe Lust auf Fußball.

Ohne wirklich nachgezählt zu haben, gefühlt gab es in dieser noch jungen Saison schon mehr wirklich spaßmachende Spiele als in der kompletten Saison 08/09. Jaja, schon zwei Heimspiele verloren, noch immer keinen Rückstand aufgeholt, gewisse Probleme gleichzeitig die defensive Ordnung zu halten und das Spiel zu dominieren. Aber es ist eben nicht eingefahren! Zwei Jahre lang wusste man sehr genau wer spielt, wie gespielt wird und was passieren muss, damit Schalke gewinnt. Jetzt ist schon das Vorlesen der Mannschaftsaufstellung ein Spannungsmoment. Jetzt orientiert man sich in den ersten Minuten erstmal, wer wirklich wo spielt, in welcher Zone der Gegner attackiert wird und ob die Stürmer vorzugsweise ins Zentrum oder auf die Flügel streben. Mal spielt Schalke verhalten, mal drängt die Mannschaft nach vorne, immer als Resultat eines Gemischs aus Taktik und Form. Es wird ausprobiert und man freut sich wenn’s gelingt. Und wenn nicht lässt sich Magath schon was einfallen.

Derart frohgemut schaut man auf ein Spiel gegen Eintracht Frankfurt und glaubt das Ding schon schaukeln zu können, was beim näheren Hinsehen ein schwieriger Job werden kann. Dass ein Club, bei dem auch gerne mal die Kuh fliegt, einen so langweiligen Trainer wie Friedhelm Funkel durch einen so langweiligen Trainer wie Michael Skibbe ersetzt, beweist unendlichen Glauben in Fachkompetenz: Alle anderen Argumente fallen flach. Und Frankfurt hat 10 Punkte, versucht mehr als nur defensiv gut zu stehen und ist auswärts ungeschlagen. Langweilig aber sicher kein schlechter Trainer, der Herr Skibbe.

Auf die Gefahr hin, dass alle Szenarien vorstellbar sind, werde ich mich heute Abend unter Nutzung des ÖPNV auf den Weg nach Gelsenkirchen machen. Herr Wu Zhong Ze könnte die tolle Anbindung live erfahren, würde er mich begleiten, und auch Herr Köhler könnte Reisekosten sparen, würde er mich einfach anrufen. Über den Duisburger Hafen und unser Stadion könnte ich stundenlang mit ihm plaudern. Aber einen Anzug ziehe ich heute Abend definitiv nicht an.

Nächste Seite »