Artikel zum Schlagwort ‘Eintracht Frankfurt’

Feiern gegen Frankfurt

Saison 2017/2018, 34. Spieltag: Schalke 04 – Eintracht Frankfurt
 
Glückauf königsblog. Ich würde mich schon nochmal sehr über einen Sieg freuen, gegen Eintracht Frankfurt. Aber egal wie das Spiel läuft, Schalke wird die Vizemeisterschaft feiern. Der dazu geeignete Chant ist auch schon gefunden.

Wir brauchen keine Schale,
scheißen auf Pokale …
Deutscher Vizemeister: S04!



Und kurz vor Anpfiff gab es noch diese Meldung:

Die besagte Ausstiegsklausel soll, laut anderer Medien, bei 10,5 Millionen Euro liegen.



Fühlt Euch eingeladen, alle Gedanken, Meinungen und Bewertungen zum Spiel unten in das Kommentarfeld zu schreiben.



Seit neuestem möchte ich die Spiele der Blauen in diesem Blog nicht mehr so regelmäßig begleiten wie ich es die letzten 10 Jahre tat, siehe hier und hier.

Schalke schwach, die Schiedsrichter auch

Schalke verliert das Halbfinale des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt. 0:1 hieß es nach 96 Minuten und am Ende stand für alle Blauen viel Ärger. Über die eigene Leistung und über den Schiedsrichter und seine Assistenten. Einmal mehr konnte der „Videoassistent“ nicht für Gerechtigkeit sorgen. Unter diesen Rahmenbedingungen halte ich das Projekt „VAR“ für absurd.

Es war ein furchtbares Fußballspiel. Nach dem Spiel sagten tatsächlich beide Trainer über die Leistung ihrer Mannschaften, man habe „es taktisch gut gemacht“, man habe kaum was „zugelassen“. Als wäre Taktik nur dazu da, den Spielfluss des Gegners zu zerstören. Als ginge es nicht auch darum, einen eigenen Spielfluss zu kreieren. Beide Teams haben nur die Hälfte des Fußballs „gut gemacht“. Die schönere Hälfte, das Fußballspiel mit dem Ball, haben beide sehr schlecht gemacht. Und wenn man so spielt, verliert man eben schon mal, auch wenn der Gegner nicht besser spielt. Enttäuschend.

Aber dann war da noch die Rolle des Schiedsrichterteams bei den entscheidenden Szenen dieser Begegnung, beim Frankfurter Treffer und beim angeblichen Handspiel Di Santos in der 94. Minute.

Dem Eckball zur Frankfurter Führung ging ein im TV leicht zu erkennendes Foul an Benjamin Stambouli voraus, welches vom Schiedsrichter Robert Hartmann übersehen oder nicht als Foulspiel bewertet wurde. In der Nachspielzeit sah er Franco Di Santos Ballannahme mit der Brust als Handspiel und pfiff die Szene ab, während Di Santos Schuss auf dem Weg ins Tor war. Laut Christian Heidel entschuldigte sich der Schiedsrichter nach dem Spiel für seinen Fehler.

Sofort brannten überall Diskussionen um den Schiedsrichter und dessen Videoassistenten auf, auch bei Twitter. Schnell war klar, dass der Videoassistent keinen Fehler gemacht hat. Da der Schiedsrichter die Szene sofort abgepfiffen hatte und somit auch der ins Tor einschlagende Ball von Di Santo „tot“ und eben kein Treffer war, gab es nichts zu „reviewen“. Einige Schiedsrichterverteidiger verstiegen sich gar zu der Aussage, deshalb habe die ganze Szene nichts mit dem Thema „Videoassistent“ zu tun.

Ich finde das falsch. Die Frage, wann eine Szene bewertet werden kann und wann nicht, unter welchen Umständen des Schiedsrichters Fehler korrigiert werden kann und wann nicht, gehört zu den Rahmenbedingungen, in denen der Videoassistent tätig ist. Aktuell entscheiden Sekunden oder Meter darüber, ob Szenen in Ruhe – und dann vermeintlich korrekt – bewertet oder vom Schiedsrichter ad hoc und unrevidierbar entschieden werden.

Hätte Schiedsrichter Hartmann mit seinem Pfiff eine Sekunde gewartet, hätte die Szene korrekt bewertet werden können und er hätte sich später nicht entschuldigen brauchen. Wir haben in dieser Saison erlebt, dass gepfiffene Strafstöße zurückgenommen wurden, weil Sekunden zuvor an einer ganz anderen Stelle des Platzes ein Foul stattfand. Das Foul vor dem Eckball, der zum Frankfurter Tor führte, wurde hingegen nicht bewertet – offenbar, weil es durch den Eckball nicht mehr zur Torszene gehörte, wenn ich das richtig verstanden habe.

Immer wieder machen die Rahmenbedingungen um den Videoassistenten das Spiel nicht gerechter, sondern nur anders ungerecht. Die aktuelle Handhabung ist offensichtlich nicht dazu geeignet, alle spielentscheidenden Fehlentscheidungen zu vermeiden. Wenn solche Zufälligkeiten wie ein Pfiff eine Sekunde vorher oder nachher, eine zeitnahe Spielunterbrechung, ein Schiedsrichterfuß auf oder neben dem Rasen, ein Ball im Toraus oder noch im Spiel bestimmen, ob sicher schiedsgerichtet werden darf oder nicht, dann sollte man die ganze Sache meines Erachtens nach sein lassen. Dann ist das alles nicht fairer als die Fehlentscheidungen vor Einführung des Videoassistenten. Dafür müssen alle Beteiligten mit den Unklarheiten und Verzögerungen der VAR-Handhabung leben. Meines Erachtens ein schlechter Deal.

Das Pokalhalbfinale gegen die Eintracht

Saison 2017/2018, DFB-Pokal Halbfinale: Schalke 04 – Eintracht Frankfurt
 
Glückauf königsblog. Die Blauen stehen im Halbfinale des DFB-Pokals und empfangen heute Abend Eintracht Frankfurt auf dem Berger Feld. Man kämpft um den Einzug in ein Finale gegen Bayern München, das kicker nach deren gestrigen 6:2 gegen Leverkusen für „nicht schlagbar“ hält.

Sowohl Frankfurt, als auch Schalke, so ehrlich sollte man sein, hatten es auf dem Weg in dieses Halbfinale nicht besonders schwer. An erstklassigen Gegnern empfing Frankfurt lediglich Mainz im eigenen Stadion, die Blauen mussten zwei Heimspiele gegen Köln und Wolfsburg bewältigen.

Nun also dieses Saisonhighlight auf Schalke. Gegen eine Eintracht, die immer noch das fünftbeste Auswärtsteam der Bundesliga stellt, obwohl sie ihre letzten vier Spiele auf des Gegners Platz verlor. Die bislang eine zum Jubilieren würdige Saison spielt, bei der diese aber gerade von Trainer Nico Kovac‘ bevorstehendem Wechsel zu Bayern München überschattet wird.

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Herbstmeisterschaftstabellenverfestigung in Frankfurt

Saison 2017/2018, 17. Spieltag: Eintracht Frankfurt – Schalke 04
 
Glückauf königsblog. Das letzte Ligaspiel in diesem Jahr bestimmt das Tabellenbild bis Mitte Januar. Schalke wird mindestens auf Platz 04 überwintern, mit einem Sieg winkt die „Herbstvizemeisterschaft“. Fühlt Euch eingeladen, alle Gedanken, Erwartungen, Meinungen und Bewertungen zum Spiel unten in das Kommentarfeld zu schreiben.



Seit neuestem möchte ich die Spiele der Blauen in diesem Blog nicht mehr so regelmäßig begleiten wie ich es die letzten 10 Jahre tat, siehe hier und hier.

Schalke enttäuscht weiter

Schalke 04 verliert zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Eintracht Frankfurt mit 0:1. Zum zweiten Mal erzielt Alex Meier für Frankfurt den Siegtreffer. Zum wiederholten Mal kassiert Schalke einen Gegentreffer, den der Schiedsrichter nicht hätte anerkennen dürfen. Aber vor allem zeigte Schalke 04 zum zigsten Mal in den letzten Jahren Fußball zum Abgewöhnen.

Wieder kam Schalke gegen einen ordentlich defensiv agierenden Gegner zu keinem geeigneten Offensivspiel. Wieder reichte es einem Gegner, ein Irgendwie-Tor zu erzielen und dann Fußball zu verhindern. Wieder kam Schalke dagegen nicht an, kam Schalke kaum zu Chancen. Wieder musste das Stadion 90 Minuten Verzweiflung ertragen.

Das alles gab es in dem letzten Jahren so wieder und wieder. Ich mag gar nicht mehr detailliert auf das Spiel eingehen, viel zu häufig habe ich solche Texte schon geschrieben. Das Spiel gegen Ingolstadt war ja kaum besser, auch wenn es mehr oder weniger zufällig ein glückliches Ende nahm. Auch unter André Breitenreiter, Roberto Di Matteo und Jens Keller mussten wir immer wieder solch schlechten Fußball ertragen. Nichts, was einen ins Stadion zöge, außer fragwürdige Hoffnung auf Besserung oder das Treffen von Freunden und Bekannten, die mittlerweile auch keine rechte Lust mehr haben und ihrerseits eben auch nur noch wegen ihrer Freunde und Bekannte kommen.

Noch ein bisschen mehr als das schlechte Spiel der Blauen nerven mich nur die immer gleichen Beißreflexe bei Zuschauern, Fans und Medien. Trainer Markus Weinzierl konnte die Frage nach dem fehlenden Spielerischen seiner Mannschaft sachlich beantworten. Nein, man habe nicht mit langen Bällen operieren wollen. Das sei anders besprochen worden. Aber die Mannschaft habe nicht den Mut und die Geduld gehabt, nach Rückstand und auf dem schweren Platz flach zu spielen, habe zu viel und zu schnell lange Bälle vorne reingespielt. Doch wenn der Erfolg fehlt, wird Sachlichkeit nicht mehr geschätzt. Dann werden die Plattitüden von dem die Mannschaft nicht mehr erreichenden Trainer rausgeholt. Dann wird unsachlich reagiert. Dann wird alles, was man halbwegs negativ sehen und kritisieren kann, offen oder auch nur mit Ironie und Zynismus, zusammengekehrt, durchgerührt und wieder ausgeschüttet. Dann war alles das, was früher den gleichen Tullus hervorrief, in den Augen vieler auf ganz zauberhafte Weise plötzlich doch viel besser.

Stets derselbe Mist. Auf dem Platz und drum herum.



Foto: Gerd Altmann

Ernüchternder Saisonstart in Frankfurt

Schalke 04 verliert das Saisonauftaktspiel in Frankfurt mit 0:1. In einem schwachen Fußballspiel war das Team der Eintracht kämpferisch stärker und gewann am Ende verdient.

Schalke bot eine enttäuschende Leistung. Die ersten 15 Minuten waren defensiv katastrophal, die weiteren 75 Minuten immer noch nicht gut. In der Anfangsphase störte Frankfurt den Schalker Spielaufbau schon an der Strafraumgrenze und nahm die Anspielstationen im Mittelfeld in Manndeckung. Ein aggressives Vorgehen dieser Art hatte man sich eigentlich von Schalke erhofft. Stattdessen wirkten die Blauen hilflos und unsicher, kein bisschen anders als in schwachen Spielen der vergangenen Spielzeit. Und gerade Naldo, der einzige Neuzugang in der Startformation, hatte einen fürchterlichen Tag erwischt.

Schalkes Offensivspiel war zu langsam und in den entscheidenden Szenen zu schlampig. Frankfurt wirkte wacher, schneller. Trotzdem kam es immer wieder zu Gelegenheiten, aus denen Schalke mit einem geeigneten Zuspiel Chancen hätte erarbeiten können. Sead Kolasinac und später Baba links, als auch Junior Caicara rechts kamen immer wieder in 1:1 Situationen auf den Außen. Aber wenn sie sich dabei gegen den Gegner durchsetzen konnten waren die Zuspiele so schlecht, dass daraus keine Abschlüsse werden konnten.

Das Spiel war insgesamt nicht gut. Auch Frankfurt konnte nach dem starken Beginn nicht nachlegen. Es waren kaum Spielzüge zu sehen, viel Stückwerk auf beiden Seiten, nur dass Frankfurt bei einer Führung damit einverstanden sein konnte.
Bis zur 80. Minute, als Klaas-Jan Huntelaar, durch einen Geis-Freistoß freigespielt, freistehend den Ball nicht an Frankfurts Keeper Lukas Hradecky vorbeibekam und damit die große Chance zum Ausgleich vergab, war Schalke nie gefährlich. Das so sehen zu müssen war ernüchternd nach der guten Stimmung und den Hoffnungen aus der Vorbereitung. Andererseits hätte klar sein können, dass auch Markus Weinzierl nicht zaubern kann. Nach Jahren mit einem vergleichsweise langsamen Spielaufbau und ohne Gegenpressing ist ein Team nicht in einer Vorbereitung umzuerziehen. Mut macht, dass sowohl Christian Heidel, als auch Markus Weinzierl die Probleme nach dem Spiel offen ansprachen, und dass alle drei eingewechselten Neuzugänge eine Verbesserung auf dem Platz bedeuteten. Insbesondere Nabil Bentaleb war ab seiner Einwechslung in der 74. Minuten sofort sehr präsent im Spielfeldzentrum und spielte einige tolle Pässe.

Aus der großen Trommel mit den passenden Sprüchen fischte ich für Euch „Eine Saison ist ein Marathon, kein Sprint.“ Gegen den ersten Gegner im heimischen Stadion wird es nicht unbedingt leichter. Aber nun ist ja erst noch Länderspielpause. Recht angenehm. Ohne Fußball ist es auf Schalke viel harmonischer.

„Team Marktwert“

… oder: Diskussionswürdige Idee, aber chancenlos

Mitte letzter Woche sorgte eine Meldung für Aufsehen: Sechs Bundesligaclubs haben sich zu einer Gruppe formiert, die sich über eine Veränderung in der Verteilung der Gelder aus dem zukünftigen TV-Vertrag beraten will. Dabei soll das Geld nicht mehr nur nach dem Leistungsprinzip verteilt werden. Auch Faktoren wie Beliebtheit und Bekanntheit sollen als Faktoren geltend gemacht werden.

Die Gruppe gab sich den Namen „Team Marktwert“, und da es sich bei den sechs Clubs (Hertha BSC, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen) mehrheitlich um Bundesligisten handelt, die aktuell gegen den Abstieg kämpfen, waren die Häme-Kübel der social networks flott gefüllt. Diese Clubs suchten nach Geld, weil sie sportlich nichts mehr auf die Reihe bekämen, hieß es. Man hätte sich stattdessen lieber „Team Misswirtschaft“ nennen sollen. Diskutiert, oder auch nur auf die Pressemittelung der Clubs eingegangen, wurde kaum. Selbst ein Text bei Spiegel Online kommt zu einer Bewertung dieser Clubs als sportlich zu schlecht, ohne sich die Mühe zu machen auf Argumente für eine neue Gelderverteilung einzugehen. Schade, denn ein Blick darauf lohnt, meines Erachtens.
 
 
Was will „Team Marktwert“?

Die Gruppe will den Kriterien zur Verteilung der TV-Gelder eine dritte Komponente zufügen. Bislang werden zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Betrags gleichmäßig an die Clubs verteilt, ein Drittel wird auf Grund sportlicher Ergebnisse zugewiesen. Dem Namen entsprechend möchte „Team Marktwert“ zukünftig eine Wertung einbeziehen, in der dargestellt wird, welcher Club wieviel Anteil am Wert der Bundesliga hat. Wie genau diese Wertigkeit festgestellt werden soll, dazu wird man noch nicht konkret. Es wird aufgeführt, dass diese aus „objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“ errechnet werden könnte. Die Gruppe versteht sich als nun startendes Projekt. Ausdrücklich werden andere Clubs – auch Zweitligisten – eingeladen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Weiterhin weist die Gruppe darauf hin, dass es in „allen großen internationalen Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande)“ ähnliche Verteilungsmodelle gäbe, bei denen 25 bis 30 Prozent der Medienerlöse nach Marktwert-Kriterien ausgeschüttet würden.
 
 
Was man dagegen haben kann

Wer bislang gegen das Vorhaben des „Team Markwert“ argumentierte führte vor allem an, dass sportlichen Ergebnisse bei der Gelderverteilung weniger gewichtet würden. Auch Schalkes zukünftiger Manager Christian Heidel, ein stets meinungsstarker Mann, brachte sich als Gegner des „Team Marktwert“ in Position. Er würde Leistung lieber höher bewerten. Bei den Ideen der Gruppe würde man sich auf Tradition berufen, die 50 Jahre zurückliege, aber nichts mit der Leistung der Clubs heute zu tun habe. In der Berliner Morgenpost sieht Journalist Uwe Bremer das Vorhaben des „Team Marktwert“ als einen Schritt zur Bundesliga als geschlossene Gesellschaft. Die Pläne zielten gegen das Verständnis von Sport und würden den „Kleinen“ das Aufsteigen erschweren.
 
 
Wieso ich den Ansatz des „Team Marktwert“ für bedenkenswert halte

Zunächst ist festzuhalten: Das Wort „Tradition“ kommt in der Mitteilung des „Team Marktwert“ nicht vor. Um die von der Gruppe genannten Kriterien einfließen zu lassen braucht es handfeste Kennzahlen. Diese zu verhandeln, festzulegen, und zu vermitteln ist die zukünftige Aufgabe der Gruppe. Es muss gewährleistet sein, dass Clubs ihre Kennzahlen verbessern können.

Grundsätzlich halte ich es keineswegs für irgendwie unfair, dass Clubs, die einen größeren Teil zur Attraktivität der Liga beitragen, davon auch monetär profitieren. TV-Gelder sind kein ausgelobtes Preisgeld einer neutralen Instanz. TV-Gelder werden bezahlt, weil sich die Rechte gut weiterverkaufen lassen, weil Zuschauer dafür bezahlen.

Meines Erachtens wird die Liga aber beständig unattraktiver. Clubs mit weniger Fananhang, die weniger Zuschauerinteresse generieren, deren Storys weniger Zeitungen verkaufen und weniger Klicks generieren, lösen Clubs ab, die für eine „bunte Liga“ sorgen. Das liegt keineswegs ausschließlich an guter Arbeit hier und schlechter Arbeit dort. Bei den „Werksclubs“ aus Leverkusen und Wolfsburg, sowie bei Clubs wie Hoffenheim und Leipzig versagte die Politik der Liga in Form der 50+1 Regelung, die sich, wenn es hart auf hart kommt, rechtlich nicht durchsetzen lässt.

Sind wir doch mal ehrlich: Würde die TSG Hoffenheim ausschließlich für ihren Anteil an der Attraktivität der Liga entlohnt, bekäme sie von den TV-Geldern wohl gar nichts ab. Aber die von „Team Marktwert“ vorgeschlagenen Kriterien sollen das Leistungsprinzip nicht ablösen. Sie sollen als zusätzliche Faktoren dazukommen. Wieso dies zu einer „geschlosseneren“ Bundesliga als heute führen sollte, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Will man das Auf und Ab zwischen den beiden Profiligen fördern, muss man das Gefälle zwischen den beiden Ligen reduzieren und vielleicht die Relegation abschaffen. Das sind vollkommen andere Ansätze. Bislang ist nichts davon bekannt, dass das „Team Marktwert“ der zweiten Liga weniger Geld zukommen lassen will. Man will das Geld lediglich anders verteilen – auch im Liga-Unterhaus.

Meines Erachtens kann der Ansatz des „Team Marktwert“ für den deutschen Profifußball ein Instrument sein, auf rechtlich einwandfreiem Weg und transparent die für ein großes Publikum interessanten Clubs zu unterstützen und damit die Attraktivität der Liga bestmöglich zu bewahren.
 
 
Warum „Team Marktwert“ aber meines Erachtens keine Chance hat

Natürlich vertritt jeder Club seine eigenen Interessen. Solidarität gibt es in den Profiligen nur, solange dabei alle Geld verdienen. Es muss das Ziel von „Team Marktwert“ sein, auch die sportlich erfolgreichen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 von ihren Ideen zu überzeugen. Es ist aktuell aber davon auszugehen, dass diese Clubs mehr Geld bekommen, wenn es bei der stärkeren Gewichtung von sportlichen Erfolgen bliebe. Insofern fällt es Christian Heidel auch mit Blick auf seinen zukünftigen Job leicht, die Ideen des „Team Marktwert“ zu kritisieren. Den für alle gleichen Sockelbetrag zu reduzieren würde erst recht viele kleinere Clubs zu Widerstand aufrufen. Mir erscheint es fast unmöglich, dass der am Ende stehende Vorschlag des „Team Marktwert“ so vielen Clubs Vorteile gegenüber der aktuellen Regelung beschert, dass er Mehrheitsfähig sein kann.

Bedenkenswert ist er aber allemal. Diskussionswürdig sowieso.



Dieser Text wurde erstmals gestern bei Westline veröffentlicht. Weitere lesenswerte Blogtexte zum Thema „Team Marktwert“ wurden von Axel Goldmann und Andreas Riedl verfasst:

Der vierte Offizielle: Team Marktwert
Rosenau Gazette: Warum Team Marktwert nicht zu Ende denkt