Artikel zum Schlagwort ‘Eintracht Frankfurt’

Herbstmeisterschaftstabellenverfestigung in Frankfurt

Saison 2017/2018, 17. Spieltag: Eintracht Frankfurt – Schalke 04
 
Glückauf königsblog. Das letzte Ligaspiel in diesem Jahr bestimmt das Tabellenbild bis Mitte Januar. Schalke wird mindestens auf Platz 04 überwintern, mit einem Sieg winkt die „Herbstvizemeisterschaft“. Fühlt Euch eingeladen, alle Gedanken, Erwartungen, Meinungen und Bewertungen zum Spiel unten in das Kommentarfeld zu schreiben.



Seit neuestem möchte ich die Spiele der Blauen in diesem Blog nicht mehr so regelmäßig begleiten wie ich es die letzten 10 Jahre tat, siehe hier und hier.

Schalke enttäuscht weiter

Schalke 04 verliert zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Eintracht Frankfurt mit 0:1. Zum zweiten Mal erzielt Alex Meier für Frankfurt den Siegtreffer. Zum wiederholten Mal kassiert Schalke einen Gegentreffer, den der Schiedsrichter nicht hätte anerkennen dürfen. Aber vor allem zeigte Schalke 04 zum zigsten Mal in den letzten Jahren Fußball zum Abgewöhnen.

Wieder kam Schalke gegen einen ordentlich defensiv agierenden Gegner zu keinem geeigneten Offensivspiel. Wieder reichte es einem Gegner, ein Irgendwie-Tor zu erzielen und dann Fußball zu verhindern. Wieder kam Schalke dagegen nicht an, kam Schalke kaum zu Chancen. Wieder musste das Stadion 90 Minuten Verzweiflung ertragen.

Das alles gab es in dem letzten Jahren so wieder und wieder. Ich mag gar nicht mehr detailliert auf das Spiel eingehen, viel zu häufig habe ich solche Texte schon geschrieben. Das Spiel gegen Ingolstadt war ja kaum besser, auch wenn es mehr oder weniger zufällig ein glückliches Ende nahm. Auch unter André Breitenreiter, Roberto Di Matteo und Jens Keller mussten wir immer wieder solch schlechten Fußball ertragen. Nichts, was einen ins Stadion zöge, außer fragwürdige Hoffnung auf Besserung oder das Treffen von Freunden und Bekannten, die mittlerweile auch keine rechte Lust mehr haben und ihrerseits eben auch nur noch wegen ihrer Freunde und Bekannte kommen.

Noch ein bisschen mehr als das schlechte Spiel der Blauen nerven mich nur die immer gleichen Beißreflexe bei Zuschauern, Fans und Medien. Trainer Markus Weinzierl konnte die Frage nach dem fehlenden Spielerischen seiner Mannschaft sachlich beantworten. Nein, man habe nicht mit langen Bällen operieren wollen. Das sei anders besprochen worden. Aber die Mannschaft habe nicht den Mut und die Geduld gehabt, nach Rückstand und auf dem schweren Platz flach zu spielen, habe zu viel und zu schnell lange Bälle vorne reingespielt. Doch wenn der Erfolg fehlt, wird Sachlichkeit nicht mehr geschätzt. Dann werden die Plattitüden von dem die Mannschaft nicht mehr erreichenden Trainer rausgeholt. Dann wird unsachlich reagiert. Dann wird alles, was man halbwegs negativ sehen und kritisieren kann, offen oder auch nur mit Ironie und Zynismus, zusammengekehrt, durchgerührt und wieder ausgeschüttet. Dann war alles das, was früher den gleichen Tullus hervorrief, in den Augen vieler auf ganz zauberhafte Weise plötzlich doch viel besser.

Stets derselbe Mist. Auf dem Platz und drum herum.



Foto: Gerd Altmann

Ernüchternder Saisonstart in Frankfurt

Schalke 04 verliert das Saisonauftaktspiel in Frankfurt mit 0:1. In einem schwachen Fußballspiel war das Team der Eintracht kämpferisch stärker und gewann am Ende verdient.

Schalke bot eine enttäuschende Leistung. Die ersten 15 Minuten waren defensiv katastrophal, die weiteren 75 Minuten immer noch nicht gut. In der Anfangsphase störte Frankfurt den Schalker Spielaufbau schon an der Strafraumgrenze und nahm die Anspielstationen im Mittelfeld in Manndeckung. Ein aggressives Vorgehen dieser Art hatte man sich eigentlich von Schalke erhofft. Stattdessen wirkten die Blauen hilflos und unsicher, kein bisschen anders als in schwachen Spielen der vergangenen Spielzeit. Und gerade Naldo, der einzige Neuzugang in der Startformation, hatte einen fürchterlichen Tag erwischt.

Schalkes Offensivspiel war zu langsam und in den entscheidenden Szenen zu schlampig. Frankfurt wirkte wacher, schneller. Trotzdem kam es immer wieder zu Gelegenheiten, aus denen Schalke mit einem geeigneten Zuspiel Chancen hätte erarbeiten können. Sead Kolasinac und später Baba links, als auch Junior Caicara rechts kamen immer wieder in 1:1 Situationen auf den Außen. Aber wenn sie sich dabei gegen den Gegner durchsetzen konnten waren die Zuspiele so schlecht, dass daraus keine Abschlüsse werden konnten.

Das Spiel war insgesamt nicht gut. Auch Frankfurt konnte nach dem starken Beginn nicht nachlegen. Es waren kaum Spielzüge zu sehen, viel Stückwerk auf beiden Seiten, nur dass Frankfurt bei einer Führung damit einverstanden sein konnte.
Bis zur 80. Minute, als Klaas-Jan Huntelaar, durch einen Geis-Freistoß freigespielt, freistehend den Ball nicht an Frankfurts Keeper Lukas Hradecky vorbeibekam und damit die große Chance zum Ausgleich vergab, war Schalke nie gefährlich. Das so sehen zu müssen war ernüchternd nach der guten Stimmung und den Hoffnungen aus der Vorbereitung. Andererseits hätte klar sein können, dass auch Markus Weinzierl nicht zaubern kann. Nach Jahren mit einem vergleichsweise langsamen Spielaufbau und ohne Gegenpressing ist ein Team nicht in einer Vorbereitung umzuerziehen. Mut macht, dass sowohl Christian Heidel, als auch Markus Weinzierl die Probleme nach dem Spiel offen ansprachen, und dass alle drei eingewechselten Neuzugänge eine Verbesserung auf dem Platz bedeuteten. Insbesondere Nabil Bentaleb war ab seiner Einwechslung in der 74. Minuten sofort sehr präsent im Spielfeldzentrum und spielte einige tolle Pässe.

Aus der großen Trommel mit den passenden Sprüchen fischte ich für Euch „Eine Saison ist ein Marathon, kein Sprint.“ Gegen den ersten Gegner im heimischen Stadion wird es nicht unbedingt leichter. Aber nun ist ja erst noch Länderspielpause. Recht angenehm. Ohne Fußball ist es auf Schalke viel harmonischer.

„Team Marktwert“

… oder: Diskussionswürdige Idee, aber chancenlos

Mitte letzter Woche sorgte eine Meldung für Aufsehen: Sechs Bundesligaclubs haben sich zu einer Gruppe formiert, die sich über eine Veränderung in der Verteilung der Gelder aus dem zukünftigen TV-Vertrag beraten will. Dabei soll das Geld nicht mehr nur nach dem Leistungsprinzip verteilt werden. Auch Faktoren wie Beliebtheit und Bekanntheit sollen als Faktoren geltend gemacht werden.

Die Gruppe gab sich den Namen „Team Marktwert“, und da es sich bei den sechs Clubs (Hertha BSC, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen) mehrheitlich um Bundesligisten handelt, die aktuell gegen den Abstieg kämpfen, waren die Häme-Kübel der social networks flott gefüllt. Diese Clubs suchten nach Geld, weil sie sportlich nichts mehr auf die Reihe bekämen, hieß es. Man hätte sich stattdessen lieber „Team Misswirtschaft“ nennen sollen. Diskutiert, oder auch nur auf die Pressemittelung der Clubs eingegangen, wurde kaum. Selbst ein Text bei Spiegel Online kommt zu einer Bewertung dieser Clubs als sportlich zu schlecht, ohne sich die Mühe zu machen auf Argumente für eine neue Gelderverteilung einzugehen. Schade, denn ein Blick darauf lohnt, meines Erachtens.
 
 
Was will „Team Marktwert“?

Die Gruppe will den Kriterien zur Verteilung der TV-Gelder eine dritte Komponente zufügen. Bislang werden zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Betrags gleichmäßig an die Clubs verteilt, ein Drittel wird auf Grund sportlicher Ergebnisse zugewiesen. Dem Namen entsprechend möchte „Team Marktwert“ zukünftig eine Wertung einbeziehen, in der dargestellt wird, welcher Club wieviel Anteil am Wert der Bundesliga hat. Wie genau diese Wertigkeit festgestellt werden soll, dazu wird man noch nicht konkret. Es wird aufgeführt, dass diese aus „objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“ errechnet werden könnte. Die Gruppe versteht sich als nun startendes Projekt. Ausdrücklich werden andere Clubs – auch Zweitligisten – eingeladen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Weiterhin weist die Gruppe darauf hin, dass es in „allen großen internationalen Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande)“ ähnliche Verteilungsmodelle gäbe, bei denen 25 bis 30 Prozent der Medienerlöse nach Marktwert-Kriterien ausgeschüttet würden.
 
 
Was man dagegen haben kann

Wer bislang gegen das Vorhaben des „Team Markwert“ argumentierte führte vor allem an, dass sportlichen Ergebnisse bei der Gelderverteilung weniger gewichtet würden. Auch Schalkes zukünftiger Manager Christian Heidel, ein stets meinungsstarker Mann, brachte sich als Gegner des „Team Marktwert“ in Position. Er würde Leistung lieber höher bewerten. Bei den Ideen der Gruppe würde man sich auf Tradition berufen, die 50 Jahre zurückliege, aber nichts mit der Leistung der Clubs heute zu tun habe. In der Berliner Morgenpost sieht Journalist Uwe Bremer das Vorhaben des „Team Marktwert“ als einen Schritt zur Bundesliga als geschlossene Gesellschaft. Die Pläne zielten gegen das Verständnis von Sport und würden den „Kleinen“ das Aufsteigen erschweren.
 
 
Wieso ich den Ansatz des „Team Marktwert“ für bedenkenswert halte

Zunächst ist festzuhalten: Das Wort „Tradition“ kommt in der Mitteilung des „Team Marktwert“ nicht vor. Um die von der Gruppe genannten Kriterien einfließen zu lassen braucht es handfeste Kennzahlen. Diese zu verhandeln, festzulegen, und zu vermitteln ist die zukünftige Aufgabe der Gruppe. Es muss gewährleistet sein, dass Clubs ihre Kennzahlen verbessern können.

Grundsätzlich halte ich es keineswegs für irgendwie unfair, dass Clubs, die einen größeren Teil zur Attraktivität der Liga beitragen, davon auch monetär profitieren. TV-Gelder sind kein ausgelobtes Preisgeld einer neutralen Instanz. TV-Gelder werden bezahlt, weil sich die Rechte gut weiterverkaufen lassen, weil Zuschauer dafür bezahlen.

Meines Erachtens wird die Liga aber beständig unattraktiver. Clubs mit weniger Fananhang, die weniger Zuschauerinteresse generieren, deren Storys weniger Zeitungen verkaufen und weniger Klicks generieren, lösen Clubs ab, die für eine „bunte Liga“ sorgen. Das liegt keineswegs ausschließlich an guter Arbeit hier und schlechter Arbeit dort. Bei den „Werksclubs“ aus Leverkusen und Wolfsburg, sowie bei Clubs wie Hoffenheim und Leipzig versagte die Politik der Liga in Form der 50+1 Regelung, die sich, wenn es hart auf hart kommt, rechtlich nicht durchsetzen lässt.

Sind wir doch mal ehrlich: Würde die TSG Hoffenheim ausschließlich für ihren Anteil an der Attraktivität der Liga entlohnt, bekäme sie von den TV-Geldern wohl gar nichts ab. Aber die von „Team Marktwert“ vorgeschlagenen Kriterien sollen das Leistungsprinzip nicht ablösen. Sie sollen als zusätzliche Faktoren dazukommen. Wieso dies zu einer „geschlosseneren“ Bundesliga als heute führen sollte, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Will man das Auf und Ab zwischen den beiden Profiligen fördern, muss man das Gefälle zwischen den beiden Ligen reduzieren und vielleicht die Relegation abschaffen. Das sind vollkommen andere Ansätze. Bislang ist nichts davon bekannt, dass das „Team Marktwert“ der zweiten Liga weniger Geld zukommen lassen will. Man will das Geld lediglich anders verteilen – auch im Liga-Unterhaus.

Meines Erachtens kann der Ansatz des „Team Marktwert“ für den deutschen Profifußball ein Instrument sein, auf rechtlich einwandfreiem Weg und transparent die für ein großes Publikum interessanten Clubs zu unterstützen und damit die Attraktivität der Liga bestmöglich zu bewahren.
 
 
Warum „Team Marktwert“ aber meines Erachtens keine Chance hat

Natürlich vertritt jeder Club seine eigenen Interessen. Solidarität gibt es in den Profiligen nur, solange dabei alle Geld verdienen. Es muss das Ziel von „Team Marktwert“ sein, auch die sportlich erfolgreichen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 von ihren Ideen zu überzeugen. Es ist aktuell aber davon auszugehen, dass diese Clubs mehr Geld bekommen, wenn es bei der stärkeren Gewichtung von sportlichen Erfolgen bliebe. Insofern fällt es Christian Heidel auch mit Blick auf seinen zukünftigen Job leicht, die Ideen des „Team Marktwert“ zu kritisieren. Den für alle gleichen Sockelbetrag zu reduzieren würde erst recht viele kleinere Clubs zu Widerstand aufrufen. Mir erscheint es fast unmöglich, dass der am Ende stehende Vorschlag des „Team Marktwert“ so vielen Clubs Vorteile gegenüber der aktuellen Regelung beschert, dass er Mehrheitsfähig sein kann.

Bedenkenswert ist er aber allemal. Diskussionswürdig sowieso.



Dieser Text wurde erstmals gestern bei Westline veröffentlicht. Weitere lesenswerte Blogtexte zum Thema „Team Marktwert“ wurden von Axel Goldmann und Andreas Riedl verfasst:

Der vierte Offizielle: Team Marktwert
Rosenau Gazette: Warum Team Marktwert nicht zu Ende denkt


Happy Weekend (4)

Nach dem Sieg gegen den 1. FC Köln war es in dieser Woche recht ruhig auf Schalke. Als Schalker ist man das nicht gewohnt, fast fehlt einem da was, also suchte ich nach Tullus in anderen Clubs, las und hörte quer, und fand überraschend viel Schalkewunsch bei Krisenclubs.

In Frankfurt zum Beispiel, wo man vergangenen Sonntag Armin Veh entließ und recht zügig mit Nico Kovac einen Nachfolger präsentierte. Nicht zügig genug, als dass nicht zuvor ordentlich diskutiert worden wäre. Dabei galt Ex-Schalke-Trainer Jens Keller zunächst als Top-Kandidat. Keller war Spieler in Frankfurt und es hieß, er könne mit dem derzeitigen Eintracht-U19 Trainer Alexander Schur als Assistenten eine Lösung für die Zukunft sein. Dienstagfrüh bemerkte aber die FAZ, dass eine Lösung mit Jens Keller eine gewisse Tücke beinhalte: Die Eintracht wolle schließlich zum 1. Juli den Posten des Sportvorstands neu besetzten. Nachdem Christian Nerlinger und Christoph Metzelder abgesagt haben, schiene es so, als sei Horst Heldt „der einzige (Bundesliga-)Kandidat von Rang und Namen, den die Aufgabe am Main reizt“. Und der habe Keller schließlich gerade erst entlassen.

Ein anderer Krisenclub, wenngleich zugegebenermaßen auf höherem Niveau, ist Bayer Leverkusen. Dort wird Trainer Roger Schmidt angezählt, von immer mehr Leuten, immer lauter. Mit 36 Punkten steht Leverkusen auf Rang 8, fünf Punkte hinter Schalke. Zuletzt war eine 1:4 Niederlage gegen Werder Bremen hinzunehmen, es folgte nur ein Punkt in Augsburg, gestern eine Niederlage in der Europa League: Wenn man am Sonntag auch gegen den HSV verliert, könnte es das für Roger Schmidt gewesen sein, meint Kevin Scheuren im Interview bei „Mein Sportradio“.
Die Situation mit Roger Schmidt sei verquer, und ein Grund, warum es mit Trainern in Leverkusen immer wieder nicht klappe, sei Rudi Völler. Völler installiere und deinstalliere die Trainer. Vielleicht müsse man da Grundsätzliches ändern, auf Schalke würde das ja auch gemacht, so Scheuren. Er sieht Leverkusen und Schalke auf Augenhöhe, er glaubt, dass Christian Heidel auf Schalke funktionieren wird und er befürchtet, dass Leverkusen dann gegenüber Schalke ins Hintertreffen gerät. Nebenbei würde sich Scheuren als einen möglichen zukünftigen Leverkusen-Trainer den Ex-Schalker Mirko Slomka wünschen. Auch hier also ganz schön viel Königsblau.

Die heutigen und wahren Königsblauen spielen aber in Berlin. Kommen wir zum Spiel.
 
 
In Berlin, auf’m Platz

Schalke spielt in Berlin auf neuem Rasen. Erst gestern wurden die Arbeiten daran abgeschlossen, erst heute wird er mit Linien versehen. Vergangenen Sonntag hatte Hertha in Hamburg verloren. Danach sprach man davon, dass die Mannschaft den Dreitagerhythmus einer „englischen Woche“ nicht gewohnt sei. Tatsächlich verlor Hertha BSC auch die Bundesligapartie, nachdem man zuletzt unter der Woche im Pokal antreten musste. Ohne „englische Woche“ verlor Hertha letztmalig am 28. November 2015. Auswärts, bei Bayern München. Auf das heutige Spiel gegen Schalke konnten sich die Berliner fünf Tage vorbereiten.

Schalke hatte einen Tag mehr zur Regeneration. Der Kader stellt sich unverändert dar, Eric Maxim Choupo-Moting wird weiterhin nicht zur Verfügung stehen, Leon Goretzka sowieso nicht.
Es gibt also eigentlich nichts Neues zu Schalke zu erzählen, die Pressekonferenz der Blauen zum Spiel gegen Hertha BSC möchte ich dennoch empfehlen. Trainer André Breitenreiter war gut aufgelegt und hat meines Erachtens einige Dinge so gesagt, wie man sie sich als Fan nur wünschen kann. Dabei stellte er dar, was er als den „nächsten Schritt“ in der Entwicklung seiner Mannschaft erachtet. Dass ihm die „Art und Weise“ des Fußballs seiner Mannschaft wichtig sei. Dass er will, dass die Mannschaft nun nachlegt. Dass „Nachlegen“ dabei nicht ergebnisbezogen gemeint sei, klar will man das, aber er fordere, dass die Mannschaft aktiv und präsent sei, dass man presse, dass man mutig spielt, dass man keinen Schritt weniger mache. Eine Hoffnung spendende Rede. Sehenswert.
 
 
Daten und Drumherum

Schalke macht das Olympiastadion in Berlin nicht mehr voll. Es werden über 50.000 Zuschauer erwartet. Das ist nicht schlecht, bei den Heimspielen gegen Wolfsburg oder Mainz waren es jeweils gerade 40.000 Zuschauer, trotz attraktiverer 15:30 Uhr Anstoßzeiten. Aber es passen eben über 74.000 Zuschauer rein. Das füllen nur noch Borussia Dortmund und Bayern München.

Von den letzten 14 Begegnungen mit Hertha BSC hat Schalke 12 gewonnen, zweimal ging’s unentschieden aus.

Dies wird für Schalke 04 das dritte Freitagabend-Auswärtsspiel der Saison sein. Die beiden vorherigen gingen verloren, in Mainz (1:2) und in Wolfsburg (0:3).

Bei Wettanbietern wird die Partie ausgeglichen gesehen. Einer Quote von 2,6 für einen Heimsieg steht eine 2,8 für einen Sieg Schalkes gegenüber, für ein Remis steht die Quote bei 3,2.

Zum Anpfiff soll es in Berlin laut Google 4° C haben. Es wird ziemlich sicher trocken dabei sein (Niederschlagswahrscheinlichkeit: 5%)

Beim letzten Spiel in Köln sah kein Schalker die Gelbe Karte. Entsprechend ändert sich an den von einer Sperre zum nächsten Spiel gefährdeten Spielern nichts: Dennis Aogo, Junior Caicara und Johannes Geis sind mit je 4 Gelben Karten vorbelastet.
Bei Hertha BSC haben Marvin Plattenhardt und Genki Haraguchi bereits 4 Gelbe Karten auf dem Konto.

Als Schiedsrichter der Partie wurde Tobias Welz aus Wiesbaden angesetzt. Welz gab 2010 sein Bundesligadebüt, ist seit 2013 FIFA-Schiedsrichter, und hat doch erst 5 Spiele des FC Schalke 04 geleitet. Das letzte ist allerdings noch gut in Erinnerung, das war erst vor einem Monat, bei 3:0 Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg.

Sechs Schalker haben an diesem Wochenende Geburtstag. Heute vor 103 Jahren wurde Otto Faist geboren. Der überzeugte Nazi war Trainer der Schalker Meistermannschaften von 1939, 1940 und 1942. Er kam 1946 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft ums Leben. Am morgigen Samstag haben Erwin Kolbe, Harald Klose, Dieter Eckstein und Timo Kunert ihren Ehrentag. Am Sonntag wäre Helmut „Jaggel“ Jagielski 82 Jahre alt geworden. Von 1952 bis 1962 spielte er 156 Mal für Schalke 04, ausgerechnet zur Endrunde um die Meisterschaft 1958 fiel er allerdings verletzt aus. 1961 wechselte er zu Werder Bremen und gewann mit seinem neuen Club die Deutscher Meisterschaft und den DFB-Pokal. Jagielski blieb Werder nach der Karriere treu und führte einige Jahre die Vereinsgastätte Werders. Er verstarb 2002, im Alter von nur 68 Jahren.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes Regionalliga-Team spielt ebenfalls heute Abend, um 19:30 Uhr, bei der Zweitvertretung des 1. FC Köln. Zuletzt wurden drei Spiele in Folge abgesagt. Nach bislang nur 21 Spielen – Tabellenführer Gladbach spielte bereits 26 Mal – sieht die Tabelle erst mal nicht so gut aus.

Schalkes A- und B-Jugend spielen beide am Sonntag um 11 Uhr. Norbert Elgerts A-Jugend in Ückendorf gegen Bayer Leverkusen, die B-Jugend auswärts, auf der Bezirkssportanlage Oststadt in Essen, gegen RWE. In beiden Staffeln führt Borussia Dortmund die Tabellen an. In der A-Jugend ist Schalke auf Platz 2, nur einen Punkt zurück, in der B-Jugend liegen die Blauen 7 Punkte zurück, haben aber noch ein Spiel nachzuholen.
 
 
Und sonst?

Und sonst ist da ja noch diese einseitige Feindschaft, die Hertha-Fans pflegen und von denen auf Schalke die Meisten nichts wissen. Mittlerweile wird allerdings so häufig erwähnt, dass Schalke-Fans davon nichts wissen, dass eigentlich kaum noch einer nicht weiß, dass man davon eigentlich nichts weiß. Seit Jahren verlinke ich zu jeder Begegnung mit Hertha BSC, deren Fans sich übrigens regelmäßig herrlich echauffieren wenn irgendjemand „Hertha BSC Berlin“ sagt, weil das ja falsch ist, und weil das ja irgendwie total wichtig ist, dass man das nicht falsch sagt, weil man ja auch nicht Arsenal London sagen darf, und eigentlich auch nicht Sporting Lissabon, was aber deutlich weniger wissen und deshalb da viel weniger rumechauffieren – aber ich schweife ab … jedenfalls verlinke ich seit Jahren einen Tagesspiegel-Artikel von 2009, der den Sachverhalt erklärt. Heute letztmalig, irgendwann wird’s ja auch zu blöd:
„Warum Herthas Fans die Schalker nicht mögen – und denen das egal ist“

Erstmalig verlinke ich nun hingegen das Interview Roman Neustädters mit Doc Karsten alias Karstenzio, dem Blogger- und Podcast-Kumpel. In den social networks ging das schon rund und auch hier in den Kommentaren wurde es schon verlinkt, Karstens Server soff zwischenzeitlich sogar ab. Weil es aber wirklich toll ist und weil ich finde, dass das jeder Schalker lesen sollte, weil vielleicht mancher nicht so oft bei Twitter oder Facebook unterwegs ist, sich aber stets auf die neuste Ausgabe Happy Weekend freut, hier die unbedingte Leseempfehlung:
„Mit Roman Neustädter an der Taktiktafel – Von Positionen und Räumen“
 
 
So, mehr hab‘ ich nicht. Schönet Wochenende, bis Montach.

0 Offensivspiel beim 0:0 in Frankfurt

Eintracht Frankfurt und Schalke 04 bieten den Zuschauern ein 0:0, dass viel nulliger nicht hätte sein können. Trainer André Breitenreiter hat dabei eine „Reaktion“ seiner Mannschaft gesehen und gab sich nicht unzufrieden. Unsereins sieht auf die Tabelle und kann gar nicht fassen, dass Schalke weiterhin so gut dasteht. Tatsächlich aber ist Schalke Ligamittelmaß.

Welch ein furchtbares Fußballspiel dies war. Man hätte es zwischen möglichst vielen anderen Spielen verstecken sollen. Stattdessen war es ein Einzelspiel, eins, das dem übertragenden Sender Exklusivrechte bescherte. Man kann nur hoffen dass da, wohin dieses Spiel übertragen wurde, möglichst wenige Fußballfans eingeschaltet haben. Wer sich für die Bundesliga interessiert und solch ein Spiel präsentiert bekommt, dem vergeht der Spaß ganz flott.

Ein albernes Gestochere und Gezerre, ein Geschubse und Gezetere. Ein Spiel, in dem Schalke entgegen der Aussage des Trainers überhaupt keine „Reaktion“ zeigte. Nein, man stand nicht sicher. Bei Flanken war man so unaufmerksam wie eh und je. Frankfurt hatte zwar nicht viele, aber doch sehr gute Chancen, und es war letztlich Massel, dass keine davon zu einem Tor wurde.

Und das, obwohl André Breitenreiter das komplette verfügbare Defensivpersonal auf den Platz schickte. Selbst in der Angriffsreihe, wo Sead Kolasinac häufiger mit dem Ball am Fuß im Strafraum auftauchte als der nominelle Stürmer. Klaas Jan Huntelaars Anwesenheit machte einmal mehr keinen Unterschied, er ist nicht eingebunden in das Schalker Spiel. Er steht nur so häufig bei Anpfiff auf dem Platz, weil Top-Transfer Franco Di Santo noch viel weniger eingebunden ist und noch viel ungefährlicher agiert. Schalke hatte in diesem Spiel keine einzige echte Torchance. Man kam über 90 Minuten lediglich auf zwei Schüsse aufs Tor, beide waren vollkommen ungefährlich. Und – ohne despektierlich wirken zu wollen – das war nur Frankfurt.

Es ist erst 11 Tage her, dass Schalke bei einem 0:0 ein gutes Spiel bot. Seitdem hat man sich dreimal schlecht präsentiert. Das ist tragisch, denn Schalkes Spielplan sieht vor, dass man jetzt punktet, dass später die schweren Gegner folgen.
So wie in der Hinrunde, als Schalke nach neun Spieltagen 19 Punkte gesammelt hatte, und in den weiteren acht Spielen bis zur Winterpausen nur noch 8 Punkte dazukamen. In den nunmehr sechs Spielen der Rückrunde holte Schalke 8 Zähler. Gegen die gleichen Gegner sammelte man in der Hinrunde noch 13 Punkte.

Mit 35 Punkten steht Schalke nun auf Tabellenplatz 7 und bleibt damit in Reichweite des Champions League-Qualifikationsplatzes. Um zu hohen Erwartungshaltungen vorzubeugen möchte in an dieser Stelle aber darauf hinweisen, dass der Punkteabstand zu Platz 2 größer ist als der Punkteabstand zum Tabellenletzten. Und wer sich gestern das Duell mit dem Tabellenfünfzehnten Eintracht Frankfurt angesehen hat ahnt, dass der Fußball in der unteren Tabellenregion eher dem derzeitigen Spielvermögen der Blauen entspricht als das, was man gemeinhin mit Champions League-Fußball verbindet.

3 Punkte aus’m Fifty Fifty-Spiel

Schalke siegt schon wieder, 2:0 gegen Frankfurt. Schon wieder bricht ein Matip-Kopfball das Unentschieden. Schon wieder zeigt sich Leroy Sané unglaublich abgewichst. Ein Spiel, das auch anders hätte ausgehen können. Ging es aber nicht. Schön.

In der ersten Hälfte war Schalke besser, in der zweiten Frankfurt. 51% Ballbesitz für die Blauen, 51% gewonnene Zweikämpfe für die Eintracht. Ein ausgeglichenes Spiel, in dem – wie es so schön heißt – die kleinen Dinge die Entscheidung brachten. Eine Standardsituation eben, welche, wie man weiß, Schalke ganz gut beherrscht.

Will man die Leistung der Blauen genauer betrachten stößt man auf viele Aber, was die Sache schwierig macht. Goretzka beispielsweise hing häufig in der Luft, konnte sich nicht so recht einbringen. Aber man hätte ihn sich schon in den Offensivsituationen gewünscht, in die Höger immer wieder geriet. Dieser konnte mit seinem Platz zu wenig anfangen, aber bei gegnerischem Ballbesitz war Höger sehr wertvoll und ein Aktivposten im defensiven Mittelfeld. Wie auch Eric Maxim Choupo-Moting viele Zweikämpfe bestritt und im Mittelfeld wichtig war, aber im Spiel nach vorne nicht zielstrebig genug agierte.

Mich freute, dass Sead Kolasinac ein sehr ordentliches Spiel ablieferte, nachdem er bei seinem letzten Auftritt in Wolfsburg doch arge Probleme hatte. Auch sein Counterpart Sascha Riether spielte gut, geradezu souverän. Mich freut, wie die Mannschaft letztlich dagegenhielt, als es die Führung zu verteidigen galt.

Schalke war nicht unbedingt die bessere Mannschaft, aber man war auch keinesfalls die schlechtere Mannschaft. Im vierten Spiel in elf Tagen der vierte Sieg: Darüber mag ich mich gerade einfach nur freuen.

Samstag dann gegen Hamburg. Ma’kucken.