Artikel zum Schlagwort ‘EM 2008’

Während in Villariba noch gefeiert wird …

Vor einer Woche hat Trainer Baade schlecht geschlafen. 15 Minuten nach dem Anpfiff wurde eigentlich jedem klar, dass die Deutsche Nationalmannschaft nicht in dieses Finale gehörte. Und nur die, die eine Europameisterschaft des Feierns wegen erleben, und die, die trotz des üblem Ausgangs mitfeiern musste, weil es eben so viele gibt, die eine Europameisterschaft nur des Feierns wegen erleben, feierten trotzdem.

Abgehakt. Und Abgeflaggt. Odonkor hat sich wieder hingelegt, Metzelder wird es ihm bald nachtun; ihr Einsatz ist erst in zwei Jahren wieder gefragt. Podolski ist nun wieder kein Star mehr, Gomez aber vermutlich wieder ein guter Stürmer. Frau Merkel muss nicht mehr zum Fußball jetten. Und die Tribünenblondinen stecken wieder in Bunte oder Gala.

Erst eine Woche ist vergangen. Es könnte kaum weiter weg sein.

Eine erste Reaktion

Die UEFA und die Zensur: Allmachts-Phantasien alter Männer

Das TV-Bild fällt aus, Lahm spielt 89 Minuten schwach und schießt in der 90. Minute dennoch das entscheidende Tor. Während sich Deutschland ins Finale rumpelt wirft die Fußballwelt unverhofft einen Blick auf die Schattenseite der Euro 2008. Als in Wien das „offizielle“ TV-Bild der UEFA (dank Petrus) ausfällt, erhält der deutsche Zuschauer (mit Hilfe von ganz oben, sozusagen) einen Blick auf das wirkliche Geschehen in Basel. Das ZDF schleift das (nicht-zensierte) Bild des Schweizer Fernsehen durch und es dauert nur wenige Minuten, da ist der erste Flitzer der Euro 2008 in deutschen Wohnzimmern. Der erste Flitzer der Euro?

Ganz sicher ist der Flitzer nicht der erste aufmerksamkeit-suchende „Fan“. Aber die wenigen Minuten dieser Notübertragung stellen die unterdrückte Kritik an der Zensur der UEFA ins Rampenlicht. Scheinbar nur in der Schweiz wird ernsthaft schon vor Beginn der Meisterschaft über die Aushebelung der Pressefreiheit diskutiert (siehe nachfolgende Links). Bilder von Ultras, von Rauchbomben, von Ausschreitungen werden systematisch unterdrückt, Kritik wird nicht geduldet. So sind es kleine Regionalzeitungen und YouTube die öffentlich machen, was keiner sehen darf: Wo Licht ist, ist auch Schatten.

All das ist nicht neu. Auch 2006 wurde viel gemutmaßt, was Hinter den Kulissen abging. So erzählte uns ein Bundeswehrsoldat, den wir zufällig in der U-Bahn trafen, von seinem Einsatz beim Endspiel. Auf die Nachfrage, wie es sein kann, dass er als Bundeswehrsoldat beim Endspiel eingesetzt wurde, antwortete er: es wäre besser, die Öffentlichkeit würde nicht wissen, was dort im Hintergrund gelaufen ist.
Ein Spinner? Interessanterweise gibt ausgerechnet das Sommermärchen einen Ausblick auf die Wahrheit, dort ist er (und seine Kameraden) nämlich zu sehen, dem deutschen Mannschaftsbus zuwinkend. Ein Freizeitausflug einer Bundeswehrbrigade in Uniform?

Ein Blick ins Internet lohnt, um sich die gestohlenen Informationen zurückzuholen, zum Beispiel hier:

[Ein Gastbeitrag der Familie Butz]

O – GS – SCH – SG – Ü

Ordentlich, grottenschlecht, schwach, sehr gut, übel.

Es kommt eben nicht darauf an, immer gut zu spielen. Sondern darauf, in den richtigen Spielen nicht das Quäntchen zu schlecht zu sein.

Bisschen peinlich, aber wahr.

Piep, Piep, Piep

Weil das Thema gerade so aktuell ist und weil mir gerade diese Fahne begegnete: Ich halte zu denen mit den schwarzen Hosen.

Russland

… hatte ich im Tippspiel unter Freunden vor dem Turnier als Finalteilnehmer eingestuft. Neben Deutschland. Ma’kucken.

Gewünscht hätte ich mir allerdings ein Finale unsere Nationalmannschaft gegen die Niederlande. Ich mag dieses anders komplexbeladene Seefahrervölkchen mit der sympathischen Sprache, den vielen Fahrrädern und den hübschen Frauen, das soviel zu leisten im Stande ist. Gerade auch im Fußball. Das dabei aber meistens (wieder) zu Hause ist, wenns drauf ankommt. Jammer.

Das (hoffentlich letzte Rum-)Hupen

„Wir werden nun die ganze Nacht rumfeiern!“

… sprach die junge Deutsche mit Migrationshintergrund dem ARD-Reporter vor Ort ins Mikrofon, nach dem Sieg der Türkei gegen Kroatien.

Den nebenanstehenden, jungen Kroaten fragte der gleiche Reporter, ob er sich nun zwecks weiterer Abendgestaltung den türkischstämmigen Mitbürgern anschließen wolle.

„Nicht wirklich. Ich geh‘ jetzt mit meiner Freundin ‚n bisschen trauern.“

Ich wünsche ihnen, dass morgen alle wieder wohlauf sind, und niemand ungewollt schwanger wird.