Artikel zum Schlagwort ‘Energie Cottbus’

Ein PS zum Beitrag <<”Sander-Test” bestanden!>>

Ich will nicht über Cottbus herziehen. Cottbus darf so spielen wie es spielt. Cottbus spielt nicht mit, erzielt dennoch Tore, erzielt auf diese Art ordentliche Ergebnisse. Meine Meinung dazu sollte aus meinem Beitrag zum samstäglichen Spiel und aus dem Dialog mit Fred in den Kommentaren hervorgegangen sein.

Der Kommentar Petrick Sanders zum Spiel ist aber unbedingt noch das Festhalten als Nachtrag zu meinem Beitrag wert:

„Durch eine Standardsituation ist das 0:2 gefallen, damit war das Spiel eigentlich gegessen. Aber wir haben weiter nach vorne gespielt und hatten drei klarste Möglichkeiten.“

(Quelle des Zitats ist kicker.de, Hervorhebung durch mich)

“Sander-Test” bestanden!

Gewonnen.

Ich bleibe bei meiner vor dem Spiel gemachten Aussage: Cottbus wird wohl in der Liga bleiben und das ist eine große Leistung. Schön finden muss man das „wie“ dennoch nicht.

Wikipedia beschreibt den Begriff Taktik als das geschickte Nutzen einer gegebenen Lage. Die gegebene Lage, auf der die Taktik des Petrick Sander basiert, ist der beschränkte Fussball der Vereine in der Bundesliga.

Im Wissen dieser Beschränktheit hat Petrick Sander etwas entwickelt, was eher einer Prüfung für den Gegner gleicht, als dass es dazu dienen würde, ein Fussballspiel siegreich zu absolvieren.

Wenn Baumgart nach 1:30 Minuten einen Ball aus dem Mittelfeld ins Aus statt zum Mitspieler köpft und wenn Torwart Piplica ab der 5. Spielminute damit beginnt, auf Zeit zu spielen, testet dies die Nerven des Gegners. Wenn sich acht der zehn Cottbuser Feldspieler am eigenen Strafraum aufbauen, um dem Gegner immer ein Bein in den Weg zu stellen, den Ball wegzuschlagen, meist nur weg, ohne jegliches Ziel, ist das destruktiv. Vorallem aber ist es ein Test für die Technik und Taktik, für den Willen und die Beharrlichkeit, zusammengefasst: für die Fähigkeit des Gegners.

Ein schwerer Test, denn wenn der Gegner nicht aufpasst, verliert er das Spiel sogar. Fussballspielen können die Grellorangefarbenen durchaus, wenn sie denn mal in den Weg Richtung Tor finden. Finden sie aber selten, da sie ihn nicht suchen.

Auch Schalke hat gerade in der ersten Halbzeit nicht die Fähigkeiten an den Tag gelegt, die es braucht, um einen solch schweren Test zu bestehen. Schnelle und ballsichere Kombinationen waren kaum zu sehen. Sicher war Schalke bemüht, aber viel zu oft gingen die Schalker in 1:1-Situationen. Damit gibt es in der Enge des Cottbuser Dickichts nichts zu gewinnen.

In der zweiten Hälfte zahlte sich die Schalker Stärke im Fach Beharrlichkeit aus, auch wenn es Timo Rost war, der den Ball letztlich über die eigene Torlinie schob. Schalke spielte unaufhörlich nach vorne und bemühte sich, den Ball in den Strafraum zu bringen, Fehler der Cottbuser zu erzwingen. Bezeichnend, dass es Hamit Altintop war, der dem Ball zum Cottbuser Eigentor in den Fünfer schlug. Hamit spielte heute wirklich gut, trieb das Spiel an, machte es schnell.

Nach der Führung spielte Schalke konzentriert weiter. Mit dem 2:0 war der Test bestanden! Neuer hielt das zu Null, als Cottbus gegen Ende doch noch nach vorne kam.

Schalke war nicht besonders gut. Auch Schalke konnte Cottbus nicht spielerisch besiegen. In der anderen, besseren Welt, in welcher in der Bundesliga ausschliesslich technisch hochklassiger Tempofussball zelebriert wird, würde Cottbus ohne Punktgewinn absteigen.

In der realen Welt steht Cottbus auf Platz 8. In der realen Welt hat Schalke zweimal gegen Cottbus gewonnen und Bremen zweimal nur unentschieden gespielt. Wenns am Ende für Schalke reicht, dann auch wegen der Schalker Beharrlichkeit.

Weiter ist es Schalkes Magische Zahl. Nun ist es die 11! Nur noch 4 Spiele.

Das immer schwerste Spiel: Energie Cottbus

Energie Cottbus fällt dadurch auf, dass sie der einzige Erstligaclub aus dem Osten sind. Damit das nicht alles ist, haben sie ihren Spielern grellorangefarbene Trikots angezogen. Keine Frage, Energie strahlen die Dinger aus.

Christian vom Blog Bolzplatz hat Petrick Sander bereits zu seinem Trainer des Jahres ernannt. So sehr begeistert mich Cottbus nun nicht. Aber es bleibt festzustellen, dass Sander in der Winterpause das richtige Rezept für erfolgreiches Spiel mit diesem Kader gefunden hat. Und mit diesem Kader in der ersten Liga zu bestehen ist zweifelsfrei eine große Leistung!

Cottbus entnervt seine Gegner damit, dass sie alle 22 grellbestutzte Beine in der Zone ab 25 Meter vor dem eigenen Tor positionieren. Das Angriffsspiel übernehmen dann Munteanu und Radu, die dann und wann ausbüchsen und meist via langem Pass in Szene gesetzt werden. Nicht schön, aber effektiv, denn Munteanu und Radu weisen erstaunliche Trefferquoten auf: Beide haben 48 mal Richtung Tor geschossen. Bei beiden ging der Schuss 21 mal wirklich aufs Tor. Munteanu traf 11, Radu 12 mal. Quoten, die keine Vergleiche zu scheuen brauchen (Kuranyi: 72-37-13, Klose: 58-31-12, Gekas: 82-42-17).

Slomka hat, wie schon bei Mainz, schwächen des Gegners im Kopfballspiel ausgemacht. Kuranyis Stärke. Die Mannschaft wird wohl mit der gleichen Startformation wie in Mainz antreten. Ich bin vor allem darauf gespannt, wie sich Mesut Özil gegen die vielen Beine behaupten wird.

Hamit Altintop hat zuletzt wieder deutlich an Form gewonnen und wird vermutlich wieder neben den gesetzten Lincoln und Ernst das Mittelfeld komplettieren. Vielleicht endet die Story um den beleidigten Hamit auf Schalke ja doch noch gut.

Wenn man sieht, aus wie wenig Chancen Cottbus Tore macht, fallen einem natürlich die auch die Heimspiele gegen Leverkusen und Hamburg ein. Heute ist Schalke aber viel flexibler. Özil und Hamit haben zugelegt. Asamoah ist wieder dabei. Pander ist wieder dabei. Slomka hat mit Bajramovic, Kobiashvili, Halil und Rodriguez, vielleicht sogar mit Varela und Larsen wieder für jegliche Situation Alternativen auf der Bank. Auch was den Kopf angeht ist die Tatsache, die Krise als Tabellenführer überwunden zu haben, m. E. ein weiterer Schritt nach vorne.

Ich tippe ungerne, aber ich bin eigentlich von einem Sieg überzeugt. Noch 5 Spiele zu gehen. Schalkes Magische Zahl ist die 14!