Artikel zum Schlagwort ‘Europa League’

Die Knappen gegen die Bergarbeiter

In der Zwischenrunde aka dem Sechzehntelfinale der Europa League hat Schalke 04 gegen Schachtar Donezk anzutreten. Das Hinspiel ist am 18. Februar, das Rückspiel auf Schalke findet eine Woche drauf, am 25. Februar statt. Tickets dafür gibt es ab heute.

Schachtar kann seit über einem Jahr keine Spiele in seiner Heimatstadt austragen. In der Ostukraine herrscht nach wie vor Krieg, Die Stadt Donezk liegt gleich an der Front, der Verwaltungsbezirk Donezk wurde von pro-russischen Seperatisten zur Volksrepublik Donezk ernannt. Schachtar spielt deshalb in Lemberg (Lwiw), knapp 1.200 km von Donezk entfernt. Dass Schalke 04 dort mit der Werbung seines russischen und sehr politischen Hauptsponsors auf der Brust antreten wird ist furchtbar.

Jedenfalls bedeutet „Schachtar“ (Шахтар / Шахтёр) Bergarbeiter und der Club führt Schlägel und Eisen im Wappen. Schachtar Donezk ist exakt der Gegner, den ich mir vor der Auslosung am wenigsten gewünscht hatte. Ein Club, der so gar kein Europapokal-Jauchzen auslöst, der aber dennoch zu den stärksten der Runde gehört.

Aber nun gut. Mach’se nix dran. Et kommt wie et kommt. Ma’kucken.

Gruselige 2. Hälfte – aber Ralf reißt’s raus

Schalke gewinnt sein Heimspiel gegen APOEL Nikosia mit 1:0 und sichert sich damit das Weiterkommen in der Europa League. Ein Spiel das von ganz viel Pech bis ganz viel Glück reichte, und dass einen mit einem lächelnden Kopfschütteln zurückließ. Lächelnd vor allem, weil Schalke 04 in Ralf Fährmann einen großartigen Torhüter hat.

Keine Frage: Zur Halbzeit hätte Schalke 4:0 führen müssen. Das Spiel der Blauen war druckvoll und man erarbeitete sich Abschluss um Abschluss. Tatsächlich mehr „erarbeitet“ als „erspielt“ – viele Kopfbälle nach Flanken, kaum mal Raum nach Kombinationsspiel. Aber auch wenn Schalke als Favorit in die Partie ging, dies war ein Europapokal- und kein Kirmesspiel. Nikosia hielt mit seinen Mitteln das Zentrum beisammen und Schalke kam trotzdem zu ausreichend vielen und ausreichend guten Chancen. Alleine es fiel kein Tor. Mal blieb Nikosia-Torhüter Waterman Sieger, mal war‘s schlicht Pech.

Ralf Fährmann: Hielt die Null und ermöglichte so den letzlich glücklichen SiegGanz viel Glück hatte Schalke dafür in der zweiten Hälfte. Das Glück, dass doch noch ein Ball ins Tor fand, und das Glück, einen Ralf Fährmann im Tor zu haben, der zwei 100%ige Chancen Nikosias entschärfte als sei es ein Leichtes. Diese zweite Halbzeit war die schlechteste Hälfte, die es unter André Breitenreiter bislang zu sehen gab.
APOEL stand nun defensiv stabiler und Schalke fiel nichts ein. Von Minute zu Minute wurden die Blauen unsicherer, ging ihnen jede Leichtigkeit verloren. Mal ein versprungener Ball, mal ein Wegrutschen auf schlechtem Rasen, mal ein Fehlpass: Die Unzulänglichkeiten häuften sich. Und die Unzulänglichkeiten führte eben auch zu besten Chancen für den Gegner.

Bislang war die Schalke Nation zufrieden, trotz der schlechten Ergebnisse in den letzten Spielen. Man wusste zu differenzieren. Die Gegner waren stark, gegen Gladbach hatte man Pech, gegen Dortmund und München brachte Schalkes junges Team trotz der Niederlagen ordentliche Leistungen. Dieses Spiel gegen APOEL Nikosia sollte die Wende einläuten. Man wollte sich mit einer guten Leistung und einem überzeugenden Sieg Mut für den Rest der Hinrunde machen.
Das ging in die Hose. Statt nach oben zeigt die Formkurve nach diesem Spiel nach unten. Eine zweite Halbzeit die zeigt, dass es auch richtig schlecht laufen kann. Ein „bad flow“, wie man ihn von Schalker Mannschaften in der Vergangenheit immer wieder gesehen hatte, von dieser Mannschaft nun zum ersten Mal.

Aber es ist nichts passiert. Durch den Sieg blieb das Stadion letztlich ruhig, werden die Zeitungen ruhig bleiben. Schalke hat die Chance, den miesen letzten Eindruck gegen Leverkusen zu korrigieren. Ein schwieriges Spiel. Mit Spannung erwartet.



Foto: Tomek Bo

Zwischen Böhmen und Bonusspiel

Beim Europa League-Auswärtsspiel in Prag holt Schalke immerhin ein 1:1. In Abwesenheit von guter Form ein respektables Ergebnis für die Blauen. Ein Spiel das sich abnicken lässt, das einem aber keine Euphorieschübe mit Blick auf das anstehende Derby schenkte.

Nur ein Strafstoß im Fohlen-Stil reichte Schalke nicht. Es hätte noch ein unberechtigter Freistoß vor der Strafraumkante dazukommen müssen. Schalkes Offensivspiel war zwar unermüdlich, aber nicht gut. Letztlich war es deutlich zu wenig, was Schalke über 90 Minuten an Torchancen herausspielen konnte.

Dass Schalke in der zweiten Hälfte eine stark verbesserte Defensive auf den Platz brachte war das Beste an diesem Spiel. Nun gab es eine funktionierende Ordnung, nachdem die defensiven Mittelfeldspieler in der ersten Hälfte dem Geschehen hinterherrannten und die Innenverteidigung ein ums andere Mal ins Schwimmen geriet. Aber wenn verbessertes Defensivverhalten das Beste an einem Spiel ist, sagt das natürlich auch einiges über das Spiel aus.

Nun geht’s also zum Bonusspiel nach Dortmund, das nicht mehr so genannt werden darf. Ein Lehrstück deutschen Fußball-Medienschwachsinns.

Dass Borussia Dortmund sowohl bezüglich des Kaders, als auch bezüglich der Form haushoher Favorit im anstehenden Spiel ist, sollte jeder einigermaßen geradeaus Denkende erkennen können. Dass Punkte aus den Spielen gegen Dortmund und München nicht eingeplant werden können: Man muss hinter dem Mond leben um sich dessen zu verweigern. Töricht zu glauben, nur weil man den Status Quo richtig einschätzt würde man nicht alles versuchen um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

Trotzdem war es richtig, dass Breitenreiter auf der Pressekonferenz am Dienstag zurückruderte. Denn der Fußball, und gerade Schalke, lebt in einer Scheinwelt, in der Folklore den Wohlfühlstatus bestimmt, und somit wichtiger ist als eine öffentliche realistische Einschätzung der Lage. Die Leute verlangen, für dumm verkauft zu werden, die Zeitung wollen, dass entsprechend Dummes geliefert wird. Wer auf Schalke überleben will muss liefern was verlangt wird.

Wettanbieter berechnen die Situation realistisch und bieten eine Quote von 9.0 für einen Schalker Sieg im Derby. Ich habe mein gesamtes Wettkonto-Guthaben darauf gesetzt. Ich bin nun mal Schalker.

Walk Around Letná

Joel Matip hat ‘nen Hexenschuss, sein Mitwirken beim heutigen Spiel in Prag wird von Medien als unwahrscheinlich bezeichnet. Nach den Ausfällen von Matija Nastasic und Benedikt Höwedes bliebe lediglich Roman Neustädter als einigermaßen eingeübter Innenverteidiger zurück.

Im Mittelfeld wird Johannes Geis spielen. In der Europa League darf er das. Ihn draußen zu lassen, weil die nächsten Spiele auch ohne ihn bestritten werden müssen, war für André Breitenreiter kein Thema. Zum einen verzichtet ein Trainer eben nicht gerne auf seinen besten Passspieler, zum anderen wäre es auch töricht, den gerade im defensiven Bereich aktuell sehr dünn besetzten Kader freiwillig weiter zu reduzieren.

Also laufen gerade hunderte Schalker durch Prag und erfreuen sich an der schönen Stadt und den günstigen Preisen für Essen und Bier. Nachvollziehbar, von Herzen gegönnt und aus Duisburg zugeprostet, empfinde ich die Veranstaltung Europa League von hier aus aber weiterhin wenig spaßig. Falls Schalke nicht gewinnt, gewinnen sie halt nicht, für die Qualifikation zur nächsten Runde wird es trotzdem ziemlich sicher reichen. Und dass das Teilnehmerfeld später mit den nun heulenden Verlierern aus den Champions League-Gruppen durchgespült wird, würde die „UEL“ als Demütigung empfinden, könnte sie empfinden. Kann sie aber nicht, und die Protagonisten wollen es nicht. Es gilt so zu tun, als sei das alles trotzdem toll; professionell zu bleiben eben.

Was bleibt ist etwas Neugier auf Schalkes Leistung. Prag war im Hinspiel ein starker Gegner, in der zweiten Halbzeit war Sparta die bessere Mannschaft. Ma’kucken was Schalke daraus gelernt hat.

Und weil das Spiel ja erst um 21:05 Uhr angestoßen wird, ist noch genügend Zeit um günstiges Bier zu trinken und zumindest virtuell ein bisschen durch Prag zu latschen. Begonnen werden kann gleich hier, am Letná Stadion, das tatsächlich seit 1917 an gleicher Stelle steht und weiter so heißt, auch wenn Sponsoren seit 2003 nun schon den dritten Firmennamen drangepappt haben. Richtung Altstadt schlendert man von dort aus übrigens in südliche Richtung, über die Moldau.


Versöhnliches Ende nach mauer Leistung

Leroy Sané: Torschütze zum 2:2 Ausgleich2:2 endet das Europa League Heimspiel des FC Schalke 04 gegen Sparta Prag. Eine eher schwache Partie der Blauen, die ihren Gegner zum Mitmachen einluden, nach Fehlern zurücklagen aber eben trotzdem zurückkamen. Ein Ergebnis mit dem man leben kann.

Vieles lief nicht gut in diesem Spiel. Nach gutem Start und früher Führung verlor Schalke seine Linie. Das neu zusammengestellte Mittelfeld mit Kaan Ayhan und Pierre-Emile Höjbjerg hatte arge Abstimmungsprobleme und ließ in der Rückwärtsbewegung häufig viel Raum vor Schalkes Abwehrkette ungedeckt. Raum, den Prag ab der Hälfte der ersten Halbzeit zu nutzen begann und Schalke fortan unter Druck setzte.

Nach der Pause kam auch noch ein Offensivpressing Spartas dazu. Nun war Prag die eindeutig bessere Mannschaft. Zwar hatte Sparta zwei Querschläger in der Schalker Abwehr nötig, um Tore zu erzielen und das Spiel zu drehen. Trotzdem dachte ich nach dem zweiten Treffer, dass das Ding gelaufen sei – Schalke hatte einfach keinen guten Tag.

Aber die Blauen kamen eben doch wieder zurück. Durch die Klasse eines einzelnen – Leroy Sané, einmal mehr – aber auch weil man eben bis zum Schluss alles versuchte. Und das ist es, was mich letztlich mit dem Spiel versöhnte. Solange ich das Gefühl habe, dass die Mannschaft nicht kapituliert, dass sie gewinnen will, kann ich auch ganz gut damit leben, wenn die Dinge mal nicht allesamt wie gewünscht zusammenlaufen.



Foto: Tomek Bo

Verdienter Sieg nach Flankenfestival

Schalke schlägt Asteras Tripolis mit 4:0. Damit wurden die Blauen der Favoritenrolle in ihrer Europa League-Gruppe gerecht.

In der Anfangsphase machte Asterias einen gut organisierten Eindruck. Man stand tief, überließ Schalke den Ball und bot wenig Platz. In einigen Situationen konnte man erahnen, was an dieser Mannschaft gefährlich werden könnte: Als Schalke nach einer Ecke den Ball verlor spurteten plötzlich 4 Spieler in Gelb Richtung Schalker Tor. Letztlich gelang Tripolis solch ein Punch nie, Schalke war aufmerksam, unterband viele Pässe im Mittelfeld. Schalke gewann dieses Spiel letztlich souverän, weil man erkannt hatte, dass Asteras auf den Außenbahnen nicht gut verteidigte.

Schalke schlug in der ersten Halbzeit 21 Flanken, mehr als in allen bisherigen Saisonspielen über 90 Minuten. Das war nicht spektakulär und schuf auch nicht automatisch Torchancen. Aber es war die beste Möglichkeit, den stabilen Abwehrblock im Zentrum zu umspielen und um Situationen vor dem Tor Asteras zu kreieren. Diese Ausrichtung und ein bisschen Geduld reichte, nach dem 2:0 in der 37. Minute war das Spiel entschieden.

Schön, dass Franco di Santo traf, nach sieben Spielen ohne Treffer wird ihm das helfen. Schön, dass Kaan Ayhan mal wieder ran durfte, dass Sané mal für 90 Minuten auf dem Platz war, dass Benni Höwedes wieder von Beginn an dabei sein kann und dass Johannes Geis mal früher raus konnte. Schön vor allem auch der Pass von Leroy Sané, vor Klaas-Jan Huntelaars Treffer. Aber letztlich war die zweite Halbzeit ein Auslaufen.

4:0 klingt spektakulärer, als es letztlich war. Ein ordentlich herausgespielter Arbeitssieg. Vollkommen verdient, natürlich. Ein Sieg, den man so erstmal liefern muss, den man aber eben auch liefern muss – wenn ihr versteht, was ich meine.

Sonntag kommt Köln.

Sieg in Nikosia & #BILDnotwelcome

Schalke gewinnt seinen Europapokalauftakt auf Zypern mit 3:0 und die Fanszene stellt sich gegen die BILD. Es war ein guter Tag, dieser Donnerstag.

Wie schon gegen Mainz wirkte Schalkes Defensive wackelig, wenn der Gegner mit Tempo in Strafraumnähe kam. Wie schon gegen Mainz hat Schalke etliche Kontersituationen nicht gut ausgespielt. Aber der Rest war prima.

Der Spielaufbau aus der sich bei Ballbesitz formierenden 3er-Kette funktionierte gut. Mal spielte Geis seine langen Pässe mit erstaunlicher Präzision, mal stieß Matip vor und eröffnete das Mittelfeld-Passspiel. Mit Sané rechts, Goretzka zentral und Meyer links hatte Schalke über die gesamte Platzbreite hinweg Spieler die Chancen kreieren konnten. Diese drei bringen Tempo ins Spiel und sind alle drei sowohl selbst torgefährlich, als auch in der Lage die beiden Stürmer einzusetzen.

Vor allem spielte Schalke fast die ganze Spielzeit zügig Richtung Tor. Ja, das Zusammenspiel wirkt noch häufig zufällig und ist es wohl auch: Sané ist noch neu, Di Santo ist noch neu, Meyer spielt noch neu dort links. Aber man merkt, dass da ganz viel Talent auf dem Platz ist, und das der Trainer eine zu den Spielern passende Spielweise vorgibt.

Und dann ist da noch diese Aktion der BILD, die wir am kommenden Bundesligaspieltag beklatschen sollen. Der „Profifußball unterstützt Flüchtlinge“ und pappt sich deshalb am kommenden Spieltag einen Badge der BILD-Aktion „Wir helfen“ auf die Trikots.

Seit Jahren schürt gerade BILD die Ressentiments gegen alles was fremd erscheint. Mit ihrer Meinungsmache ist diese Zeitung für die Stimmung mitverantwortlich, welche die „besorgten Bürger“ vor die Flüchtlingsheime treibt. Das „der Profifußball“ nun gerade diese Aktion unterstützt ist ein Geschäft unter Werbepartnern und der Sache gegenüber zynisch.

Diese Erkenntnis hat sich so mittlerweile in den Fanszenen der einzelnen Clubs verbreitet. Verschieden Clubs aus der zweiten Liga sind hellhörig geworden und haben ihre Teilnahmen an der Aktion abgesagt. Auch die Fanszene des FC Schalke 04 fordert vom Club ein Nichtmitmachen. Auch ich würde es mir wünschen, ich halte er aber für ausgeschlossen.

Schalke verdient mit seiner Medienpräsenz viel Geld. Egal wie schlecht es sportlich auch manchmal läuft, in den Zeitungen und Zeitschriften ist Schalke stets mindestens die Nummer 3 im Land. Das Reden über den Club schafft Bekanntheit, und Bekanntheit ist die Grundlage für Werbeverträge. Für Schalke 04, als Club ohne Investoren, ist Werbung besonders wichtig.

Aus diesem Grund ist dem FC Schalke 04 das Gazprom-Geld wichtiger als die Moral. Aus diesem Grund war dem FC Schalke 04 das Katar-Trainingslager wichtiger als die Moral. Und aus diesem Grund wird es sich der FC Schalke 04 auch nicht mit dem auflagenstärksten Printmedium des Landes verscherzen. Wie übrigens auch die anderen großen Clubs nicht. Bislang hat kein Erstligist seine Teilnahme abgesagt.

Dass so viele Fans der heuchlerischen Aktion angewidert gegenüberstehen finde ich trotzdem gut … #BILDnotwelcome