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Europacup KO-Runden: Nur gefühlte Heimvorteile

Nach jeder Europacup-Auslosung wird gerätselt, ob es denn nun ein Vor- oder ein Nachteil ist, zunächst auswärts oder daheim anzutreten. Ist es ein Vorteil, das zweite Spiel eines Europacup KO-Runden-Duells im eigenen Stadion austragen zu können? Allgemein wird das angenommen, wie Zitate nach Auslosungen stets wieder- und wie auch die Ziehungsmodalitäten als solche zeigen. Wenn man sich die Ergebnisse der letzten 10 Jahre anschaut lässt sich das allerdings nicht belegen. Der Vorteil scheint nur gefühlt zu sein.

Eine entsprechende Statistik habe ich nicht finden können, deshalb habe ich mich selbst darum bemüht, der Sache auf die Spur zu kommen. Dazu habe ich die Hinspiel-Rückspiel-Duelle der Champions League und des UEFA-Cups/Europa League der letzten 10 Spielzeiten plus der laufenden Saison zusammengestellt.

In der Champions League gab es in dieser Zeit 144 KO-Runden-Duelle, in Europa League/UEFA-Cup waren es 672. Betrachtet man alle diese Begegnungen gemeinsam, haben sich die Clubs, die zuerst auswärts antraten und das zweite Spiel im eigenen Stadion austrugen durften, zu 54% durchgesetzt. Betrachtet man nur die Duelle der Champions League, konnten sich die „zuerst Auswärtsclubs“ in 60,4% der Fälle durchsetzten.

Über 60% mag man vielleicht schon als relevant erachten. Allerdings ist es so, dass die „zuerst Auswärtsposition“ durch die Auslosungsmodalitäten zum Achtelfinale der Champions League bevorteilt wird. Für das Achtelfinale werden den Gruppensiegern die Gruppenzweiten zugelost und die Gruppensieger genießen das „zuerst Auswärts“-Recht. Dies sollten demnach die grundsätzlich stärkeren Clubs sein. Damit könnte man den relativ hohen Anteil an siegreichen „zuerst Auswärtsclubs“ in dieser Runde erklären (67,5%).

Lässt man diese Runde außen vor und betrachtet für beide Wettbewerbe nur die 128 Duelle in den Viertel- und Halbfinalrunden kommt man auf glatte 50%.

Vielleicht müsste man die Sache anders betrachtet. Vielleicht müsste man die Spielstärke der einzelnen Clubs in die Betrachtung mit einbeziehen. Wie das allerdings gehen könnte, darauf bin ich bislang nicht gekommen. Vielleicht ist es auch einfach so, dass Fußball auf diesem Niveau von Kleinigkeiten, wohlmöglich Zufällen abhängt, dass sich solche Gewinn-Niederlagen-Statistiken am Ende immer gen 50-50 auspendeln.

Einen Vor- oder Nachteil bezüglich eines ersten Auswärts- oder Heimspiels im Europacup braucht man sich aber jedenfalls nicht einzureden.

Die knappe Wahrheit

Schalke 04 war zu schwach, um gegen Athletic Bilbao die nächste Europa League-Runde zu erreichen.

Im Hinspiel war man eine Phase lang besser als der Gegner. Eine Phase lang. So zu tun, als sei die Hinspielniederlage ein Unfall gewesen, ist hanebüchen. Im Rückspiel trat man engagiert auf, zu mehr als einem „offenen Spiel“ hat es nicht gereicht. Zwei zu ihrer Zeit überraschende Tore aus der Distanz, noch zwei oder drei Schüsse von außerhalb des Strafraums. Diesmal keine Phase einer drückenden Überlegenheit, nie war es so, dass man dachte, jetzt würde es doch was werden. Immer hing man nur an dem Gedanken, dass es noch werden könnte, wenn …

In der Halbzeit sagte Horst Heldt, man müsse der Mannschaft ein Kompliment machen. Nach dem Spiel las ich bei Twitter, Schalke sei „erhobenen Hauptes“ ausgeschieden. Nein, und noch mal Nein. Ich bin dagegen, sich die Unterlegenheit schönzureden.

In beiden Spielen konnte Schalke den Gegner weder taktisch überraschen, noch konnten die Einzelspieler die Duelle ausschlaggebend für sich entscheiden. Im Gegenteil: Auf Schalker Seite konnten nur Raúl und Huntelaar dagegenhalten, Spieler wie Holtby, Obasi, Draxler, Jurado oder Marica bekamen in diesen Begegnungen kein Bein auf die Erde.

Atletico Madrid, in der spanischen Liga 36 Punkte hinter Real Madrid, setzt sich gegen Hannover 96 durch. Athletic Bilbao, in der spanischen Liga 40 Punkte hinter Real Madrid, setzt sich gegen Schalke 04 durch.

Spanien, zwei. Deutschland, null. Danke. Bitte. Scheiße.

Leider nicht gut genug

Welch Intensität! Der frühe Dämpfer. Die ersten Zweifel. Der Schock, den nächsten Torhüter verloren zu haben. Das Aufbäumen. Die wiederkehrende Hoffnung. Eine kurze Zeit der Euphorie. Der erneute Rückschlag. Am Ende das Entsetzen. 2:4. Schalke war einfach nicht gut genug.

Ja, die Offensive ist Schalkes Prunkstück. In den 20 Minuten der zweiten Halbzeit, von der 55. bis zur 75. Minute, als man es schaffte, mit viel Kraftaufwand den Ball in des Gegners Hälfte zu halten, als man selbst agierte und den Abschluss suchte, da vergaß man auf den Rängen die vorherigen Fehler. Da lies man sich berauschen und dachte, es ginge nun immer so weiter. Aber so konnte es nicht weiter gehen.

Schalke hat kein wirkliches Offensiv-Pressing im Repertoire. Raúl, Huntelaar, Farfán, auch Jones oder Uchida hetzten den Gegner an und setzten ihn unter Druck. Aber das alles war nicht planvoll genug. Immer gab es noch einen freien Mann in Rot-Weiß. Die Spanier haben die Technik, den einen freien Mann auch unter Druck anzuspielen. Und so verkam das vermeintliche Pressing zu einer letztlich ermüdenden Jagd, bei der die Blauen meistens zu spät kamen.

Schalkes Defensivordnung sieht vor, den Gegner an der Mittellinie zu erwarten, dicht gestaffelt zu stehen und keine Freiräume zu bieten. Das funktionierte gegen Bilbao überhaupt nicht. Von Beginn an hatte man den Eindruck, als könne Athletic die Schalker Defensive jederzeit mit zwei Doppelpässen aus den Angeln heben. Sie taten es ein ums andere Mal.

Für Schalkes Angriffsspiel sind die offensiven Außenverteidiger sehr wichtig. Häufig sind sie am Ende die Spieler mit den meisten Ballkontakten. In diesem Spiel war jeder Ausflug eine potenzielle Gefahr, denn fast immer startete nach Balleroberung ein Spanier in den freien Raum hinter den aufgerückten Außenverteidiger. Ganz gezielt wurden die Angriffe über die jeweils entblößte Seite gefahren. Ein Innenverteidiger musste ausrücken, in der Mitte fehlte Schalke daraufhin die Überzahl und häufig fand der Pass in die Mitte den Rot-Weißen Stürmer. Bilbaos Angriffe waren stets gefährlich. Über die gesamten 90 Minuten stand Schalkes Defensive eigentlich nie wirklich sicher.

Auch weil Marco Höger und Jermaine Jones keinen guten Tag erwischten. Höger fand nie so recht ins Spiel und Jermaine Jones fehlte es in der Defensive an Präsenz. Er fiel fast schon mehr durch Offensivaktionen auf, wenn er Raúl im Mittelfeld unterstützte. Das ist gut, ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass diese Verschiebung in Jones’ Spiel wirklich beabsichtigt und in Huub Stevens’ Interesse war.

Nein Schalke war wirklich nicht gut genug, aber es ist trotzdem unsäglich, dass es gleich immer so dicke kommen muss. Dass dann beste Chancen nicht reingehen. Dass gleich mehrere Spieler schwache Tage erwischen. Dass Schalke dann plötzlich die Nerven verliert und am Ende nahezu auseinanderfällt. Dass sich tatsächlich auch noch der dritte Torwart verletzt. Andere Clubs spielen mit einen Torwart zwei Jahre durch. Auf Schalke ist alles extrem …

Das war erst die erste Hälfte. Jetzt muss Schalke in Bilbao ein perfektes Spiel liefern. Gegen eine „bedingungslose Offensive“ erzielt Athletic Bilbao noch mal vier Treffer. Die wissen wie das geht. Es sieht schlecht aus. Aber spielen sollten wir das Spiel schon noch.

Die Comebacker vom Berger Feld

Schalke gerät in Rückstand und besiegt den FC Twente dann doch. Einfach geht es eben nicht, auf Schalke. Erstmal „Geduld haben“, ein Gegentor kassieren und mit dem Rücken zur Wand stehen, bevor es los geht! Die erste Halbzeit war wirklich nicht gut und mit dem Handelfmeter hatte man auch Massel. Handspiel muss absichtlich erfolgen, damit es strafbar ist, und das war aus dieser Distanz wohl kaum möglich. Aber sei’s drum, lasst es uns ausgleichende Gerechtigkeit nennen.

Mit dem Sturm und Drang der zweiten Hälfte überzeugten die Blauen und verdienten sich den Einzug in die nächste Runde ohne wenn und aber! Natürlich war Klaas-Jan Huntelaar mit seinen drei Treffern der Held des Abends. Aber Jermaine Jones, Julian Draxler und Jefferson Farfan waren das Schwungrad dieses Königsblauen Kolbens, der Schub um Schub Richtung Twentes Tor drang, Druck machte und Zündungen ermöglichte. Das alles war nicht mal originell, über Außen in die Mitte, mal flach mal hoch, ablegen, drauf. Keine Kunst, aber durch die Wucht effektiv. Keine Pausen für Twente, immer folgte gleich die nächste Welle, imme ging es weiter, zum Glück auch nach dem dritten Tor.

Schalke dreht Spiele, und es ist schön, dass es aus dieser Erfahrung heraus nie wirklich hoffnungslos ist. Man kann sich ärgern über das was ist, aber man kann gleichzeitig immer hoffen, dass es doch noch alles gut wird. Viertelfinale, weiter geht’s!

Rückspieltach!

Schalke gegen Twente. Jeder weiß worum es geht, jeder kennt das Reglement und die Schwierigkeiten, die sich aus dem Hinspielergebnis ergeben. Alles wurde bereits irgendwo gesagt, vielleicht wurde sogar schon alles gedacht. Ich habe nichts hinzuzufügen.

Es ist ein wichtiges Spiel, und ich bin nervös. Das wird keinesfalls dadurch abgemildert, dass ich nicht im Stadion sein werde, eher im Gegenteil. Ich kann noch nicht mal mit Bestimmtheit sagen, wie viel ich von der TV-Übertragung zu sehen bekomme. Das ist schade, natürlich, aber ab und an gibt es Dinge, die noch wichtiger sind als wichtige Fußballspiele. Wie auch immer, wenn Schalke weiter kommt ist alles gut. Glück auf!

Schalke halbschwach, der Schiedsrichterassistent schwächer

Schalke verliert das Europa League-Hinspiel in Enschede mit 0:1. Das Gegentor resultierte aus einer Fehlentscheidung, die Defensive stand relativ sicher, die Offensive präsentierte sich äußerst schwach. Am Ende steht ein schwieriges Resultat für einen FC Schalke 04, der nur sehr selten zu Null spielt.

Kontrolle ist ein Wort, welches Huub Stevens häufig benutzt. Um Kontrolle ging es ihm in diesem Spiel, und seine Mannschaft machte das nicht schlecht. Schalke stand dem Gegner mit guter Raumaufteilung gegenüber, Schalke verschob gut. Immer wieder schob Twente den Ball quer, weil sich im Schalker Dickicht kein Anspiel finden ließ. Zwischendurch übernahm auch Schalke mal den aktiveren Part, kontrollierte dann seinerseits den Ball, allerdings ebenfalls ohne das Anspiel zwischen der gegnerischen Abwehrreihe finden zu können. Und so zerrann die Zeit, und es hätte wohl ein 0:0 werden sollen.

Das wurde es nicht, weil ein Linienrichter fehl entschied. Für Schiedsrichter Craig Thompson war die Szene schwierig. Sicherlich war es kein absichtliches Foul von Joel Matip, aber vermutlich hat er mit seinem Knie eben doch De Jong an der Sohle getroffen und damit diesen zum Stolpern gebracht. Sicher bin ich mir nicht, nicht mal nach der zwölften Zeitlupe. In solchen unklaren Fällen mag ich Schiedsrichter nicht verurteilen.
Verurteilenswert war aber die Entscheidung des Linienrichters. Er war auf der Höhe des Geschehens, er muss(!) gesehen haben, dass sich die Szene vor dem Strafraum abgespielt hat! Foul? Vielleicht. Rot? Wenn der Schiedsrichter auf Foul entscheidet muss die Karte kommen. Aber einen Strafstoß hätte es nicht geben dürfen, an dieser Fehlentscheidung trägt Schalke 04 schwer.

Verurteilenswert war allerdings auch das Offensivspiel des FC Schalke 04. Die Bezeichnung „Offensivspiel“ ist eigentlich schon Hochstapelei. Die Grundformation mit Raúl hinter den beiden Spitzen Ciprian Marica und Chinedu Obasi machte mir Hoffnung, aber wie sich diese drei präsentierten war furchtbar anzuschauen. Raúl nahm erneut kaum am Spiel teil, Obasi gelang nichts, Marica noch ein bisschen weniger. Die Pässe waren unpräzise und lasch, der Einsatz mager, ein Zug zum Tor nicht zu erkennen, irgendeine besondere Marschroute auch nicht. Ein Jammer, denn wenn man das Ziel eines Auswärtstores derart missachtet, muss man nach einem solchen Gegentor-Unfall nicht ganz unverschuldet mit einem schwierigen Ergebnis leben.

Ein Gegentor, nächste Woche auf Schalke, wäre richtig übel. Gegentorlos spielte Schalke in diesem Jahr in 10 Versuchen erst einmal. Joel Matip ist dann gesperrt, Höwedes und Metzelder aller Voraussicht nach noch nicht wieder fit. Huub Stevens wird wieder umstellen müssen. Die Hoffnung ist, dass er das auch in der Offensive tun kann, wenn Klaas-Jan Huntelaar bis dahin wieder fit ist.

Gegen Twente

Fußball ist Kopfsache. Nicht nur für die Spieler oder die Trainer. Auch für alle außen herum, Journalisten, Zuschauer, Fans, selbst für Blogger. Das Erlebte prägt den Blickwinkel, jüngere Ereignisse mehr als länger zurück liegende. Ich bin stets bemüht diese Effekte so klein wie möglich zu halten, versuche mehr als nur den Moment zu sehen und nüchtern zu urteilen. Aber häufig genug funktioniert das nicht. Es ist tatsächlich ziemlich schwierig.

Am 16.12.2011 fühlte sich Schalkes heutiger Gegner noch ziemlich gut an. Es war ein Freitag, in Nyon wurde ausgelost dass Schalke 04 zunächst gegen Pilsen, und im Erfolgsfall gegen den Sieger der Begegnung Steaua Bukarest – FC Twente anzutreten hat.
Unter Schalkern lief die Hormonproduktion grade auf Hochtouren. Die Blauen hatten viermal in Folge gewonnen, neun der letzten 12 Spiele. Nicht immer gut kickend, aber am Ende doch sehr souverän gewann man auch seine Europa League-Gruppe und in der Liga stand man punktgleich mit dem BVB nur drei Punkte hinter den Bayern. Erst Pilsen, dann Bukarest oder Twente, das waren prima Lose.

83 Tage später, heute, fühlt sich der FC Twente irgendwie größer an. Schalke tut sich grade schwer, nicht nur gegen Bayern, Gladbach oder Pilsen, auch gegen Köln oder Freiburg, vielleicht sogar noch mehr mit sich selbst als gegen andere. Plötzlich erscheint alles schwieriger, die Verletztenliste trägt seinen Teil dazu bei. Und Twente gibt sich grade richtig dicke …

Vor vier Tagen gewann Twente 6:2 in Eindhoven, die Zusammenfassung beeindruckt. Das Taktik-Blog Spielverlagerung hat sich dieses Spiel vorgenommen und analysiert. Bezüglich Twente sind dort Dinge zu lesen, die aufhorchen lassen. Insbesondere, dass als ein Schlüssel zum Sieg Twentes Stärke auf den Außenbahnen benannt wurde, macht mir Sorgen …

Aber ma’kucken. Europapokal! Schalke mit dem Vorteil, das Rückspiel zu Hause zu haben. Dem Gegner das eigene Spiel aufzwängen, Twentes Offensive in die Mitte kanalisieren. Jones kann spielen, Matip und Papadopoulos erwischen hoffentlich einen guten Tag. Mehr laufen als die Anderen, intensiv sein, eines großen Abends entsprechend. Ein gutes Ergebnis erzielen, egal wie. Wir sind der FC Schalke 04! Da geht noch was.

Glück auf!



Foto: webted