Artikel zum Schlagwort ‘FC Barcelona’

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Schalkes U19 hat gestern Abend das Halbfinal-Hinspiel zur Deutschen Meisterschaft gegen die TSG Hoffenheim mit 0:1 verloren. Ich konnte nur noch die zweite Hälfte verfolgen, da lagen Norbert Elgerts Jungs bereits zurück. Ich sah sehr engagierte Blaue, denen es aber an Präzision fehlte. Mehr Kampf als Spiel. Hoffenheim spielte klarer. Mit der Führung im Rücken war die TSG vor allem auf eine gute Defensivstaffelung bedacht. Wenn sich die Chance bot, kamen sie allerdings mit wenigen Pässen vor das Schalker Tor, und hatten trotz weniger Spielanteile die höherwertigen Chancen.

Natürlich hat Schalkes U19 die Qualität, ein Rückspiel gewinnen zu können. Und überhaupt, ist der sportliche Aspekt, den Titel gewinnen zu wollen, auch wichtig und richtig, geht es in der Karriere der einzelnen Spieler auf der Stufe der U19 doch noch mehr um das Weiterkommen. Einige Akteure werden demnächst von Jens Keller in Bundesligaspielen ausprobiert. Ma’kucken.

Als 19-Jähriger auf Schalke in der Bundesliga ausprobiert wurde auch Ivan Rakitic. Heute Abend wird er mit der Nationalmannschaft Kroatiens gegen Brasilien die WM 2014 eröffnen. Gestern hat er gegenüber den Medien bestätigt, dass er nach der WM zum FC Barcelona wechseln wird. Ein Star vor dem Schritt zum Superstar.

Für Schalke hat Ivan Rakitic einige richtig gute Spiele gemacht. In der Mehrzahl seiner Einsätze wirkte er aber arg unfertig. Einer, der zweifellos stets das Gespür für Spielsituationen hatte, der aber aus Mangel an Tempo und Engagement zu wenig daraus machte. Noch heute spricht man auf Schalke von einer „Rakitic-Ecke“, wenn ein Schalker den Ball halbhoch und unadressiert zentral vor das Tor pöhlt.

Aber Ivan war eben erst 19 als er kam, und kurz darauf meinten Trainer Mirko Slomka und Manager Andreas Müller, sich für Ivan oder Mesut als kreativen Jungspund entscheiden zu müssen. Ivan bekam die 10 auf den Rücken, Mesut forcierte seinen Abschied. Letztlich haben beide, gemessen an ihrem Talent, Schalke 04 deutlich zu wenig eingebracht; sowohl an Leistung, als auch an Ablöse.

Vergebene Chancen für Schalke 04. Ich bin mir sicher, unter Horst Heldt und Jens Keller wäre das so nicht passiert.

Day of the Schalker Jugendarbeit

Schalkes U19 steht im Halbfinale der „UEFA Youth League“, der Jugend-Champions League, und trifft heute Abend in Nyon auf den FC Barcelona. Kaum zwei Stunden später spielt Schalkes erste Mannschaft ihre Bundesligapartie gegen Eintracht Frankfurt. Dabei werden, mit Ralf Fährmann, Tim Hoogland, Kaan Ayhan, Joel Matip, Sead Kolasinac, Julian Draxler und Max Meyer, sieben Spieler aus der eigenen Jugend in der Startaufstellung erwartet; eventuell sitzen noch ein oder zwei weitere auf der Bank. Mehr eigener Nachwuchs, für den eigenen Verein, auf derart hohem Niveau, gab es wohl noch nie!

Anschauen und staunen.

Die erste Mannschaft gibt’s, wie gehabt, im Stadion, über Sky auf der Couch oder in der Kneipe des Vertrauens. Das Spiel der U19 ist live bei Eurosport zu sehen, Anstoß ist um 16:30 Uhr. Dabei ist Schalkes U19 Außenseiter, Trainer Norbert Elgert hält Barcelona für das derzeit beste Jugendteam überhaupt. Aber Außenseiter war man in den vorherigen Runden auch gegen Real Sociedad und Chelsea, trotzdem steht man nun im Halbfinale.

Zur Einstimmung gibt es bei S04.tv einen kurzen Vorbericht zum U19-Spiel und die Pressekonferenz zum Spiel gegen Eintracht Frankfurt zu sehen. Beides gratis, auch für Nicht-Abonnenten. Bitte hier entlang …
 
 




PS: Ja, ich kann auch doofe Titel. Aber die UEFA hat schließlich angefangen.

Schalkes Nachwuchs darf sich mit Barca messen

Schalkes U19 wird im Halbfinale der „UEFA Youth League“, der Jugend-Champions League, auf den FC Barcelona treffen. Die Katalanen setzten sich gegen Arsenal durch, Schalke besiegte zuvor Chelsea. Dass die Mannschaft von Norbert Elgert zu diesem Kreis gehört, ist ein beachtlicher sportlicher Erfolg. Es ist auch ein Indiz für die gute Arbeit, die auf Schalke im Jugendbereich geleistet wird. Etwas, dass jedem Fan ein gutes Gefühl bescheren muss.

Sead Kolasinac, Max Meyer und Kaan Ayhan sind die bislang letzten Spieler aus der eigenen Jugend, die in Schalkes Bundesligamannschaft gestoßen sind. Alle drei konnten schon zeigen, dass sie dort hingehören. Derweil bereitet Meister Elgert die nächste Lore Grubengold vor. Stürmer Donis Avdijaj, Mittelfeldspieler Pascal Itter und Verteidiger Marvin Friedrich werden sich als die Nächsten beweisen dürfen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Dazu braucht es selbstverständlich mehr als nur den herausragenden Jugendtrainer Norbert Elgert. Eine ordentliche Jugendarbeit leistete Schalke schon immer. Seit Horst Heldt auf Schalke das Sagen hat wurde daraus aber mehr. Gleich bei seinem ersten Auftritt als Sportchef bei einer Jahreshauptversammlung kündigte er an, sich um die Scouting- und Jugendabteilung kümmern zu wollen. In beiden Bereichen gab es danach personelle Veränderungen und es wurden Verantwortlichkeiten umorganisiert. Heute ist das, was nun „Knappenschmiede“ genannt wird, eine Vorzeigeabteilung mit direktem Anschluss an den Profikader.

Mit diesem Konzept der höchstmöglichen Durchlässigkeit von der Jugend zum Profikader schafft Schalke mehr Identität als mit einem ominösen „Leitbild“, gegen welches schon so häufig im Kleinen wie im Großen verstoßen wurde. Außerdem schafft Schalke damit Werte. Egal ob man „nur“ das Geld für Zugänge aus der Fremde spart oder ob man gelegentlich ganz große Talente für Millionen an noch größere Clubs verkauft: Für den FC Schalke 04 als einem Club mit nach wie vor hohem Schuldenstand, der seine Einnahmen aus Werbung und Ticketverkäufen nicht mehr signifikant steigern kann, ist dieses Produzieren von Fußballqualität auch ein Weg zu einer finanziell besseren Zukunft.

Schalkes Halbfinale gegen Barcelona wird im Rahmen eines Endrundenturniers im schweizer Nyon ausgetragen. Beide Halbfinale finden am 11. April statt, das Endspiel folgt drei Tage später. Rückspiele oder ein Spiel um Platz 3 gibt es nicht.



Lesetipp: Interview mit Horst Heldt zum gleichen Thema

Zwischen aktuellem und ewigem Ruf

Lionel Messi ist zum dritten Mal in Folge zum „Weltfußballer des Jahres“ gewählt worden. Der Beste ist er in nationalen Wettbewerben und der Champions League, bei zwei WM-Turnieren war er es bislang nicht. Dennoch werden heute schon Rufer laut, die ihn als „Besten Fußballer aller Zeiten“ nennen möchten. Den Ruf als solchen bringt aber erst die Zeit.

Die Champions League ist das Non plus ultra des Clubfußballs. Mit ihrer Gestaltung ist der UEFA, allen einstigen Kritiken zum Trotz, der große Wurf gelungen. Die Leistungen in der Champions League sind der stets zu betrachtende Maßstab für die Entwicklung des Fußballs. Lionel Messis Dominanz in diesem Wettbewerb führt zu seiner Dominanz bei der Wahl zum Weltfußballer.

Größer als der Clubfußball sind aber die Weltmeisterschaften. Vielleicht ändert sich das, die FIFA geht die Gefahr ein, den Status zu verhökert, bislang ist es aber noch so. Diese Turniere sind die großen Messen des Fußballs, was in der Champions League entwickelt wurde, wird bei den Weltmeisterschaften dargestellt. Bei der WM wurde Pelé zu Pelé, Beckenbauer zu Beckenbauer und Maradona zu Maradona. Bei allen Titeln oder Auszeichnungen, die diese Spieler gewonnen haben, stehen doch die Triumphe bei den Weltmeisterschaften stets im Vordergrund.

Auch Alfredo Di Stéfano oder George Best werden von manch einem genannt, wenn es um die Frage nach dem „Besten Fußballer aller Zeiten“ geht. Beide haben nie an an einer WM-Endrunde teilgenommen, habe weder glänzen, noch versagen können. Lionel Messi könnte der „Beste Fußballer aller Zeiten, der bei Weltmeisterschaften enttäuschte“ werden. Er wird im Juni 25 Jahre alt. Eine, vielleicht zwei Gelegenheiten werden sich ihm noch bieten, das zu verhindern.

Vielen Dank!

(Zum Spiel FC Barcelona – FC Schalke 04)

Da sitz ich heute in der Kneipe und gefühlte 200 Menschen lästern mich aus. Na klar, der doofe Deutsche gibt ja genug Angriffsfläche mit seinen Schalkern. Hat er wieder seine beschmierte Mütze auf oder nur sein Trikot an?

„Alle 20 Minuten die Barca KEIN Tor macht, zahl ich dir ein Bier …“ sagt einer. Kein Problem. „Und wenn Schalke keins macht, zahl ich eins, Du Arsch!“ Natürlich auf Deutsch; ich will ja niemanden beleidigen.

Schalke legt los … auffällig für die Neutralen, die nur darauf warten mich wieder anzählen zu können. Nach 10 Minuten kommt ohne Fragen das erste Bier.
Ma stai zito … mi stanno su cazzo … Aber bleib ruhig … die gehen wirklich auf die Eier.
Meine Mannschaft spielt Barca in die Ecke.

Nach 12 Minuten … „Stai ….. a dosso!“ … „Du ….. dich an vor Glück!“

Manuel Neuer pariert sensationell gegen Xavi.
„Wie alt ist der?“
„21.“
„Du lügst!“

Noch mal zehn Minuten später bestelle ich das zweite Bier. „Das bezahlt der Juventu dort am Ende vom Tresen.“ Der Wirt schaut mich an, schaut zum anderen, lacht und gibt mir mein Bier. Der Zettel landet am Ende des Tresens.

Ich nehm’ ja nichts mehr wahr außer die 200 x 180 cm – doch auf einmal Unruhe aus der Ecke der Italiener: Elfmeter, de Rossi haut den Ball auf die Tribüne und plötzlich … Roma interessiert niemanden mehr! „Wer ist denn der mit dem komischen Bart … der Kleine in der Abwehr … Wie lange könnt ihr den Torwart wohl noch halten?“

Das Spiel ist zunächst mal für mich gelaufen, ich muss erklären wer wir sind. Die kleinen Schalker machen den Champions League & UEFA-Cup verwöhnten Pizzaessern Spaß. Zwei Biere stehen vor mir, wenn man von dem angetrunkenen absieht. Man hört aus allen Ecken: „Buaah …. Ma come … su cazzo …“ Und ich hab Spaß in den Backen.

Minute 43, Yaya Touré. Der Ball prallt nach Flanke von Bojan irgendwie an Marcelo Bordon ab, Mladen Krstajic kann den Ball zwar noch von der Linie köpfen, jedoch genau vor die Füße von … eben … Yaya irgendwer. Und der netzt ein. Ein lautes Noooooooo aus hundert Kehlen ist die Folge, und mir schießen die Tränen in die Augen.

Pause. Ich nehme den ersten und vorerst letzen Zug von einer Zigarette nach vier Jahren. Alle stehen draußen, Raucher und Nichtraucher, in Fussballdiskussionen vertieft. „Hätte ich nicht gedacht … Die spielen gut …. Du wirst sehen, am Ende 2:1 für euch!“ Ich bin stolz!

Das Spiel geht weiter, Schalke kann aber nicht an das Spiel vor der Pause anknüpfen. Wenn ich als ‚Unbeteiligter’ schon so einen Nackenschlag bekommen habe, wie geht es dem mit dem komischen Bart, dem Kleinen, dem Torhüter?
Klar, Barca kommt besser ins Spiel.

Mitte der zweiten Halbzeit kommt noch mal Hoffnung auf. Die Zuschauer schwenken weiße Taschentücher. Und ja, es stimmt: „Meine Schalker sind besser als die Katalanen.“ OK, es passiert nix mehr – aber wir waren nahe dran. Der Abpfiff besiegelt meine Niederlage. Aber war es auch eine?

Wir stehen draußen und alle bemitleiden mich.
„Ihr wart gut, eurer Spiel war besser, sensationell wie der Neuer gefischt hat. Hier, rauch erstmal eine.“
„Ich rauche nicht!“
„Was singt ihr denn so?“
„Ein Leben lang …“
„Heißt?“
„Per tutto la vita, blu e bianco, per tutto la vita.“
„Und wie singt man das?“

Und dann haben sechs bekloppte Itaker und ein Beschmierter gesungen.

Danke Schalke.

(Frank wohnt in Tenero, einem kleinen Ort bei Locarno, im italienischen Sprachraum der Schweiz. Dort erlebte er, der Kraut, in seiner Eckkneipe das Spiel gegen Barcelona, inmitten seiner Itaker.)

Und überall ist Schalke

Das Bundesliga-Gefühl ist ein anderes als das Champions League-Gefühl. Das Hinspiel-Gefühl ein anderes als das Rückspiel-Gefühl. Schalke steht unter Druck, weil es gewinnen muss, gab es bei Spiegel Online zu lesen. Ich freue mich drauf, bin gespannt. Aber ich stehe nicht unter Druck, nicht so wie in Spielen gegen Hannover oder Frankfurt.

Irgendwie fühlt es sich leicht an, irgendwie kann Schalke doch nurnoch gewinnen. Wenige habe daran geglaubt, dass Schalke eine Gruppe mit Gegnern wie Chelsea und Valencia überlebt. Kaum einer hat daran geglaubt, dass Schalke gegen Porto weiterkommt. Und die wenigsten gaben ihnen gegen Barcelona eine Chance. Diese Champions League-Saison ist für Schalke nun schon ein Erfolg.

Als ich gerade ein paar Mal auf ‚nächstes Blog lesen’ klickte, kam ich prompt zu Frl. Wunder, die mich an Ibos Schalke-Song erinnerte; Schalke als die Königin mit Schrammen im Gesicht. Ich bin kein Schlager-Fan, aber ich mag dieses Bild. Nicht hübsch, sich zu nichts zu Schade sein, aber doch von ganz oben zu sein, dazugehörig, kein Niemand zu sein. Schalke zu sein.

Feiertag. Gleich geht’s los.
Tikka Masala ist bestellt, ein Stück Regenwald gerettet.
Glück auf.

Wenn der Ruf nicht nur voraus eilt, sondern auch nachhallt

(Zur Darstellung des Spiels FC Schalke 04 – FC Barcelona)

Du hast es gesehen, das gestrige Spiel des FC Schalke 04 in der Champions League? Gut. Ja, ich weiß wer der Gegner war, die Überirdischen, die, dessen Vereinsname per se für Zauberfußball steht. Aber vergiss das mal kurz. Stelle Dir vor, der Gegner wäre nur ein als halb so überirdisch geltender Verein gewesen, am Besten nicht aus den großen Ligen, vielleicht sogar nur aus Deutschland – sagen wir Bayern München …

Ich denke nicht, dass sich die Berichterstattung derart auf eine Halbzeit beschränkt hätte.

Man hätte von einem tollen Pass gelesen, der das frühe Tor der Gäste einleitete, dass das Tor aber erst durch den Fehler Neuers möglich wurde. Man hätte von technisch deutlich überlegenen Gästen gelesen, und davon, dass Schalke nicht ins Spiel kam, es wäre aber sicher zumindest erwähnt worden, dass sich die Gäste in ihrem Ballbesitz genügten, dass sie sich kaum weitere Chancen erspielen konnten oder wollten.

Vielleicht hätte man sogar lesen können, dass Schalke zu ängstlich war. Dass Schalke es kaum mal schaffte im Mittelfeld in Überzahl zu gelangen, weil immer gerade der Schalker, der in der Mitte hätte nachrücken müssen, hinten blieb, um im Defensivverbund keine Räume zu eröffnen, obwohl Fußball in Unterzahl nicht funktioniert.

Aber selbst wenn in Bezug auf die erste Hälfte nur auf die Stärke der Gäste eingegangen worden wäre: Bei einem irdischen Bundesligaduell wäre wohl kein Journalist auf die Idee gekommen, derart über die Ballbehandlung einer Mannschaft in Verzückung zu geraten, dass er für die Mehrzahl an Chancen des Gastgebers in der zweiten Hälfte kein Platz mehr gehabt hätte. Es wäre von Schalker Pech oder Schalker Abschlussschwäche geschrieben worden, oder von Gästen, die sich über die Zeit gerettet hätten. Jedenfalls hätte kein renommierter Schreiber dem Gästetrainer ohne Süffisanz erlaubt, den Leistungsabfall seiner Mannschaft mit fehlender Kraft zu erklären.

Aber es war eben Barca.

Und bei solchen Gegnern will man das Schöne sehen, will man an die stete Überlegenheit glauben, daran, dass die Mannschaft immer noch zulegen könnte, wenn sie denn müsste. Selbst wenn es keine vernünftige Erklärung dafür gibt, weshalb eine Mannschaft Torchancen zulässt.

(Dieser Beitrag bezieht sich insbesondere auf die Texte von Stefan Osterhaus, siehe hier und hier. Das Phänomen tritt allerdings auch in anderen Artikeln zum gestrigen Spiel auf.)