Artikel zum Schlagwort ‘FC Chelsea’

Ganz wichtige Heimspiele – Teil 2 von 3

(Das immer schwerste Spiel: FC Chelsea)

Schalke hat zuletzt selbst in der Bundesliga schwach gespielt.
In den Champions League-Begegnungen gegen Valencia und Chelsea war zu sehen, dass die Schalke Spieler ihren Gegnern an individueller Klasse unterlegen waren; zumindest gegen Chelsea auch in allen anderen Belangen.
Der Trainer steht unter Beschuß.
Wegen Verletzungen fehlen heute Varela, Kuranyi, Pander, Altintop, Kobiashvili und Rodriguez – bei Ernst und Asamoah ist der Einsatz gefährdet.
Und was die Form angeht: Chelsea hat seine letzten 7 Pflichtspiele gewonnen.

Angesichts der Umstände ist die Lage klar: Schalke muss eigentlich gewinnen, es spricht aber ebenfalls eigentlich nichts für einen Erfolg. Insofern werde ich mich heute Abend mit einer fatalistisch-fröhlichen Einstellung auf Schalke begeben und der Dinge harren, die da kommen werden. Von einer Initialzündung in eine doch noch bessere Saison, bis zur Implosion die die Stimmung bei Fans und im Umfeld entgültig umschlagen lässt, ist alles drin. Ma’kucken.

[Was beim letzten mal danach wa(h)r: „Na wat denn getz? Unklarheiten auf und um Schalke“]

Na wat denn getz? Unklarheiten auf und um Schalke

(Nach dem Spiel FC Chelsea – FC Schalke 04)

Wer dieses Spiel nicht gesehen hat wird es schwer haben, sich ein Bild davon zu machen. Die Einschätzungen weisen erhebliche Unterschiede auf. Der Spiegel sah Schalke chancenlos. Der kicker sah Schalke hoffnungslos überfordert.
Eine ganze Reihe von Texten reduzieren die Niederlage auf Neuers Fehler. Laut Herrn sid konnte aber gerade dieser frühe Rückstand die Schalker nicht schocken: Ihm zufolge spielte Schalke „munter mit“ und Fabian Ernst wird mit seiner Meinung zitiert, dass die Mannschaft „ganz gut“ gespielt hätte. Zitiert wurde auch Mirko Slomka, und zwar im oben erwähnten Spiegel-Text, der damit überschrieben ist, dass Schalke chancenlos gewesen sei. Slomka sagte, dass Schalke „gute Chancen“ gehabt hätte …

Ähnlich durcheinander erscheint die Führung der Schalker dieser Tage. Plötzlich muss alles anders sein, alles geändert werden, in der Hoffnung auf Besserung in einer sich unkomfortabel anfühlenden, unsicheren Situation.

Nach einem Wischiwaschi-Start schien eine stabile Formation gefunden. Rakitic spielte hinter einer Doppelspitze, Jones, Ernst und Bajramovic verschoben sich im Mittelfeld bei Bedarf zu einer Dreierreihe vor der Abwehrkette. Doch nun, nach nur einem Punkt gegen die beiden Aufsteiger und schon 9 Punkte Rückstand auf München, bei gleichzeitig mauen Aussichten, in der Champions League die Vorrunde zu überstehen, beginnen die Verantwortlichen zu rotieren.

Trainer Slomka erkor Großmüller zum Heilsbringer. War er vorher auch nie für mehr als 16 Spielminuten gut genug, spielte er gegen Rostock auf der Position des zentralen offensiven Mittelfeldspielers für Rakitic über die vollen Spielzeit. Trotz nur durchschnittlicher Leitung sollte er es auch gegen Chelsea richten. Es verlief genauso erfolglos.
Außerdem sollte beim FC Chelsea das „Heil in der Offensive“ gesucht werden. So offen proklamiert ist auch das einigermaßen neu, wo doch der FC Schalke 04 in der jüngeren Vergangenheit vor allem für eine stabile Defensive stand. Und so wurde für den dritten Stürmer im 4-3-3 System Bajramovic geopfert, was sich schnell als fatal erwies. Gegen die leichtfüßig agierenden Londoner fehlte der dritte Mann vor der Abwehr an allen Ecken und Enden.

Rafinha beispielsweise stand viel zu oft in 1:1 Situationen. Gegen die meist größeren und technisch besseren Angreifer sah er häufig schlecht aus. Einen rabenschwarzen Tag hatte auch Bordon. Der gesamte Schalker Defensivverbund verlor sofort jegliche Ordnung, sobald Chelsea über zwei, drei Stationen schnell spielte, den Ball mit nur einer Berührung weiterleitete. Und das Heil fand man in der Offensive dennoch nicht.

Auch Müller bricht aktuell mit den Ansichten, die er vor wenigen Wochen noch vertrat. Nach Lincolns Verkauf wollte man von der einen Starken 10 Abstand nehmen. Rakitic wurde nicht als Spielmacher angesehen, sollte wuseln, das Mittelfeld torgefährlicher machen. Man wollte nicht mehr von einem zentralen Spieler abhängig sein, der zudem noch wie im Fall Lincolns launisch und divenhaft war.
Nun soll plötzlich José (Zé) Roberto de Oliveira verpflichtet werden, möglichst schon zur Winterpause. Ein 26-jähriger Brasilianer der Kategorie Starke 10. Einer, dem der Ruf vorauseilt zwar hochtalentiert aber schwierig zu sein, Probleme mit der Disziplin zu haben.

Zu allem Überfluss wird aus dem ehemalig stillen Zahlmeister Schnusenberg mehr und mehr ein Präsident, der glaubt zu allem was sagen zu müssen. Aktuell kündigt er schon mal an, Slomka unter Umständen demnächst kritisieren zu wollen … In den vier Monaten seiner Regentschaft hat der Mann vermutlich schon mehr Interviews gegeben als Herr Rehberg in den 13 Jahren zuvor.

Dies alles erscheint eher wie Aktionismus denn bedachtem Handeln. Wenn derart schnell das eigene Tun in Frage gestellt wird, kann es nicht weit her sein mit dem zuvor vermutetem Konzept hinter all den Verpflichtungen und Aussagen vor Saisonstart. Das ist etwas, das mir viel mehr Sorgen macht, als nur ein Punkt aus zwei Spielen gegen Aufsteiger.