Artikel zum Schlagwort ‘FC St. Pauli’

Zahlenschnickschnack & ein Adventskalendertipp

Nach Schalkes Sieg gegen Wolfsburg wies ich darauf hin, dass die Blauen mit 4 Siegen, 2 Unentschieden und 5 Niederlagen immer noch eine negative Bilanz aufwiesen, noch „unter Pari“ seien, auch wenn die Serie von damals 10 ungeschlagen Pflichtspielen bereits ein gänzlich anders Gefühl vermittelte. Mittlerweile steht Schalke pari (5 Siege, 2 Unentschieden, 5 Niederlagen) und steht ganz nah am Äquator der Tabelle, auf Rang 8, mit 17 von 36 möglichen Punkten. Nur Mainz 05 ist noch ein bisschen mehr Mitte, mit einer Tordifferenz von 0. Schalke hat dort plus 4 vorzuweisen.

Noch mehr Ordnung sieht man, wenn man die Ergebnisse der Blauen den jeweiligen Gegnern in der Tabelle zuordnet, worauf mich Kommentator RJonathan hinwies. Tatsächlich lassen sich Schalkes Ergebnisse eindeutig auf Tabellendrittel aufteilen. Gegen die Clubs des unteren Tabellendrittels (Platz 13 bis 18) hat Schalke alle bisherigen Spiele gewonnen. Gegen die Clubs des oberen Tabellendrittels (Platz 1 bis 6) hat Schalke alle bisherigen Spiele verloren. Gegen die Clubs der Tabellenmitte (Platz 7 bis 12) spielte Schalke bislang dreimal. Ihr Heimspiel gewannen die Blauen, zwei Auswärtsspiele endeten beide Remis.

Das ist natürlich vollkommen unwichtig und egal. Und mir wäre es auch lieber, mein Verein würde mit zur Tabelle krumm angeordneten Ergebnisse auf Platz 1 stehen. Aber ich bin von Berufs wegen Excel-Mensch, Zahlenschnulli. Ich kann mich nicht dagegen wehren, dass mir solch ein Schnickschnack die Mundwinkel zumindest ganz leicht lupft.

Schalkes morgiger Gegner aus Leipzig hat übrigens seine zwei Partien gegen Teams aus dem oberen Drittel auch nicht gewonnen; beide gingen unentschieden aus.



Ein Adventskalendertipp

Im Advent (Adventus Domini) bereiten sich die Christen auf die Ankunft des Herrn vor, welche an Weihnachten gefeiert wird. Eigentlich eine Fastenzeit. Seit Herr Zeitgeist den Teufel als Gegenspieler zum Himmelsverein abgelöst hat ist es üblich, eben die christlichen Bräuche, die einem am besten gefallen, zu verweltlichen. Deshalb stehen heute in den Zimmern meiner Kinder „Drei Fragezeichen“- oder „Ninja Turtles“-Adventskalender. Ich selbst hatte im letzten Jahr noch einen Bier-Adventskalender. Saufen bis zur Ankunft des Herrn, Hallelujah!

Im Blog zum St. Pauli Fanzine „Übersteiger“ gibt es gerade einen Adventskalender Fußballlieder. Eine großartige Idee, geschenkt, das Fußballfangefühl anregend und ohne Dickwerden!

Dabei erscheint morgens um 7 Uhr ein kurzer Text, der ein Fußballlied beschreibt. Entsprechend dem Knibbeln an herkömmlichen Kalendern darf nun geraten werden, um welchen Song, vielleicht zu welchem Club, es sich handelt. Die Lösung gibt es an gleicher Stelle gegen Mittag. Der gestrige Rätseltext lautete …

Der heutige Vereinssong kommt von einem Verein, der vom NDR als “Nordklub” bezeichnet wird, sportlich aber schon bessere Zeiten gesehen hat. Wobei, aktuell ist es auch nicht ganz so dramatisch schlecht.
Der aktuelle Trainer hatte einst einen riesigen Stein im Brett der Braun-Weißen Fanszene, inzwischen aber will er für nur noch für die Fans in der Ostkurve kämpfen und schreien.
Wenn der Ball das Netz küsst, grüßt er sie in ihrer doch recht seltenen Trikotfarbe.

… und enthielt als Lösung das Lied „Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück“.

Der heutige Hinweis lautet …

Wir befinden uns im gleichen Bundesland wie gestern, ein leichter Techno-Beat wird eingangs mit fröhlichem Pfeifton unterstützt und die eigenen Farben werden besungen.
Auch dieser Verein (bzw. seine Vorgänger) hat schon bessere Tage gesehen, immerhin sind alle Gegner hier immer an der…
Nee, jetzt hätte ich es fast zu einfach gemacht.

Eine tolle Idee, ein schöner Spaß. Zum Miträtseln und Fußballlächeln bis zum heiligen Abend, hier entlang.

Ewald Lienens Meinung zur EM

Hörma': Herr Pepo und „Schweinchen Schlau“

In der Podcastshow „Schlusskonferenz“ des Fußballpodcasts Rasenfunk sprechen wechselnde Gäste jeweils montags über den vergangenen Bundesligaspieltag. In dieser Wochen war Herr Pepo, der Babo unseres Schalke-Podcasts Glückauf Pils, einer der Gäste.

Absolut tiefenentspannt stellt er dabei die aktuelle Situation der Blauen vom Berger Feld dar, trotz der derzeit ausbleibenden Punkte. Sein Part steht gleich am Anfang der zweidreiviertel Stunden dauernden Sendung. Da mit Kai Pahl alias dogfood von allesaussersport und Klaas Reese – Macher von Fokus Fußball, Collinas Erben und Reeses Sportkultur – auch die anderen Gäste Hochkaräter sind, lohnt sich das Hören auch über den Schalke-Part hinaus.

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(2:43 Std)
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Anfang der Woche kam der FC St. Pauli mit einem bemerkenswerten Antrag zur DFL-Mitgliederversammlung am 2. Dezember um die Ecke. Clubs, welche von Ausnahmen zur 50+1 Regel profitieren, sollten in Zukunft ohne Einnahmen aus der Liga-Gesamtvermarktung auskommen müssen. Seitdem wird gekeift, gegen St. Pauli und gegen deren Geschäftsführer Andreas Rettig. Von Bild bis FAZ schreibt man gegen Rettig an und Nureinrudi Völler, von oben herab wie eh und je, nannte Rettig „Schweinchen Schlau“, was er wohl nie mehr loswerden wird.

In der Sendung „Sport Aktuell“ des Deutschlandfunks bespricht Daniel Theweleit den Antrag unaufgeregt (ab 01:52). Auch der Rest der zehnminütigen Sendung ist hörenswert. Christian Fuchs kommt auch drin vor.

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(10:04 Min)
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Besagter Andreas Rettig war just vor gut 2 Wochen in die WDR 5-Sendung „Neugier genügt – Redezeit“ zu Gast. In dem knapp 25 minütigen Interview wird sein Werdegang und sein jetziges Tun dargestellt. Beim Hören kann man durchaus warm werden mit diesem Mann, der einem zwar schon eine kleine Ewigkeit ein Begriff ist, der aber nie zu den ganz lauten gehörte und zu dem man -, zudem ich mir nie so recht eine Meinung gebildet hatte.

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(24:51 Min)
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Die Trainer seit Schaaf

Otto Rehhagel ist neuer Trainer bei Hertha BSC. Sein letzter Bundesligajob liegt schon einen Weile zurück, von 1996 bis 2001 trainierte er den 1. FC Kaiserslautern. In diese Zeit fiel es, dass in „seinem Club“, dem SV Werder Bremen, nach vier Jahren des Orientierungslosigkeit, Thomas Schaaf den Trainerposten übernahm.

Am 11.05.1999 saß Schaaf erstmals als Cheftrainer auf der Bremer Bank. Er gewann 1:0, gegen Schalke 04, gegen Huub Stevens. Außer Huub Stevens sah Schalkes Trainerbank seitdem 11 andere Verantwortliche. Seit Schaaf in Bremen das Sagen hat, warteten 30 andere Bundesligaclubs mit insgesamt 192 Trainern auf.

Für Hertha ist Otto Rehhagel nun der 13. Verantwortliche in 13 Jahren Erstligazugehörigkeit seit Schaaf. Der HSV kam in 14 Spielzeiten auch auf 13 Trainer seit Schaaf. Leverkusen mag weniger als „heißes Pflaster“ gelten, trotzdem waren es auch da 10 Trainer in 14 Jahren seit Schaaf. In Gladbach waren es 11 Trainer in 11 Jahren erste Liga seit Schaaf, und Köln kommt sogar in nur 9 Erstligajahren auf 12 verschiedene Gesichter auf der Trainerbank, seit Schaaf.

Thomas Schaaf wird Otto Rehhagels Amtszeit in Bremen überdauern. Bis dahin wird die Liste noch länger werden, aber auch bis heute ist sie schon imposant. Alle Erstligatrainer, seit Thomas Schaaf:







Foto: Bejamin Radzun

Zurückgedacht, nach vorne gewünscht

Erst versemmelte er einen Elfer, dann traf Teemu Pukki noch dreimal. Damit war er erfolgreichster Torschütze der Schalker Mannschaft, die zu einem 6:0 Sieg über Charleroi im Rahmen des „European Talents Tournament“ vom 35-Jährigen Hans Sarpei auf den Platz geführt wurde.

Denke ich an „Talents“, komme ich auf „Nachwuchsarbeit“, und weil gerade der richtige Kalender in der Nähe lag, fiel mir auf, dass Helmut Schulte gestern Geburtstag hatte. Über 10 Jahre war er Schalkes Sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung. Das Ende kam abrupt, für mich undurchsichtig, für Schulte nach eigenen Aussagen ebenfalls überraschend.

Denke ich an Schulte, komme ich auf Kyrill. So hieß der Orkan, der im Januar 2007 in weiten Teilen Europas für Verwüstung sorgte. In Essen ließ er einen Baum umstürzen, der Helmut Schulte, in seinem Auto sitzend, unter sich bergrub.

Denke ich an diesen Unfall, komme ich darauf, dass Kyrill am gleichen Tag ganz in meiner Nähe auch einen Baum umkippen lies. Auch dieser fiel auf ein Auto. Diese Fahrerin überlebte den Unfall nicht.

Und dann fällt mir wieder ein, dass ich damals schon darüber schrieb. Und dass der Baumstumpf noch lange, sehr lange, wieso auch immer, so an dieser Stelle zu finden war. Jetzt ist da ein zu langes Stück ohne Baum. Viereinhalb Jahre ist das nun schon her. Eine lange Zeit.

Alles Gute nachträglich, Helmut Schulte. An Teemu Pukki natürlich auch.

Ein Tag in königsblau

Marco Höger freut sich auf Schalke während Jermaine Jones die längste Zeit auf Schalke gewesen sein möchte. Um Carlos Zambrano und dessen plötzlich komischen Vertrag gibt es Streiterei. Und der nächste Karriereschritt von Ur-Schalker Toni Tapalovic bedingt möglicherweise Ralf Fährmanns Entwicklung. Es ist viel los, auch ganz ohne Lehmann-Homestory. Im einzelnen:

Marco Höger ist so ungefähr seit Ralf Rangnicks Ankunft auf Schalke im Gespräch. Mit dem Spieler, dessen Vertrag noch bis 2012 gelaufen wäre, war man sich schnell einig, der Rest war Verhandlungssache. Ich habe Marco Höger noch nie bewusst spielen sehen, aber betrachtet man die Daten und was man sonst noch so in Erfahrung bringen kann, klingt die Verpflichtung nach einem guten Deal für Schalke.
Höger ist 21 Jahre jung, agierte in Aachen zuletzt im defensiven Mittelfeld und brachte doch Offensivqualität ein. Er schoß Tore, bereitete Treffer vor und wurde von kicker über die gesamte Saison mit den zweitbesten Noten aller Spieler seiner Position bewertet. Höger wird eine gute Spieleröffnung nachgesagt und scheint ziemlich gut zu dem Fußball zu passen, den man Ralf Rangnick als bevorzugte Form ebenfalls nachsagt.

Mit der Spieleröffnung hatte es Jermaine Jones nie so recht. Dafür ist er ein herausragender Defensivspieler. Er war an die Blackburn Rovers ausgeliehen. Blackburn möchte ihn gerne behalten. Gestern gab es in der englischen The Sun eine Meldung, nach der er auch gerne in Blackburn bleiben möchte.
Jones wäre in Schalkes Kader der defensiv beste defensive Mittelfeldspieler, aber er ist doch recht eindimensional und wäre noch dazu vermutlich der teuerste Spieler der DM-Gang. Ich denke, dass die Clubs über kurz oder lang ins Geschäft kommen werden.

Dass Schalke 04, der FC St. Pauli, die TSG Hoffenheim und „eine Schweizer AG“ noch ins Geschäft kommen, ist so gut wie ausgeschlossen. Man streitet sich um Carlos Zambrano und unsereins wundert sich, was da seit Montag alles auf den Tisch gekommen ist. Blicken wir kurz zurück:

Carlos Zambrano kam als 16 Jähriger nach Schalke, spielte in der Jungend und erhielt im Mai 2008 einen Profivertrag mit Laufzeit bis 2012. Im Juli letzten Jahres wurde er für 2 Spielzeiten an den FC St. Pauli ausgeliehen. In der entsprechenden Meldung auf der Vereinsseite hieß es, dass er „für die Zeit danach weiter an den FC Schalke 04 gebunden“ worden wäre, von einer Kaufoption für die Hamburger war dort nicht die Rede. Dies meldete allerdings kicker noch am gleichen Tag. Nun, nach dem Abstieg St. Paulis und dem Wechsel von Trainer Stanislawski nach Hoffenheim wollte die TSG Zambrano verpflichten, und erstmals bekam man zu lesen, dass Teile der Transferrechte Zambranos bei einer Schweizer Firma liegen würden. In der Print-Ausgabe des kicker von Montag wurde das thematisiert, diese liegt mir allerdings nicht vor. Bild schrieb, 70% der Rechte lägen bei den Schweizern, nur 30% bei Schalke, welche per besagter Kaufoption von St. Pauli erworben werden könnte, die dann ihrerseits Zambrano an Schalke 04 vorbei nach Hoffenheim transferieren könnten. Jetzt haut Schalke auf die Brause. Heldt wirft Hoffenheim vor, gegen die Lizenzordnung der DFL verstoßen zu haben. Die TSG hatte offensichtlich mit Zambrano verhandelt und ihn sogar zum Medizin-Check eingeladen, obwohl das erst ein halbes Jahr vor Ablauf des Vertrags des Spielers erlaubt gewesen wäre. St. Pauli will davon ebenfalls nichts gewusst haben. Schalke erwägt ein juristisches Vorgehen, und wie das Leben so spielt fiel Zambrano doch glatt beim Hoffenheimer Medizin-Check durch und die TSG nahm Abstand von seiner Verpflichtung.

Die offene Frage wäre, wie lange Transferrechte Zambranos bereits bei der ominösen „Schweizer AG“ liegen. War das schon immer so – bei Südamerikanischen Spielern sind aufgeteilte Transferrechte nicht unüblich – oder wurden irgendwann im Laufe der Zeit bereits Transferrechte zu Geld gemacht? Die Pointe der Geschichte ist der Verweis Heldts auf den besagte Passus der Lizenzordnung, nachdem Hoffenheim Zambrano nicht hätte ansprechen dürfen. Ziemlich offensichtlich ging auch der FC Bayern Müchen im Fall Neuer so vor, was aber aus Schalker Sicht mit dem Verhandlungserfolg in einer Größenordnung von über 20 Millionen Euro vermutlich als erledigt betrachtet wurde.

Zu eben diesem Neuer bei eben diesem FC Bayern München gesellt sich nun der Ur-Schalker Toni Tapalovic als Torwarttrainer hinzu. Ein beachtlicher Karriereschritt für den in Gelsenkirchen geborenen Toni, der zuletzt als zweiter Torwart in der zweiten Mannschaft des FSV Mainz 05 sein Geld verdiente.

Diese Meldung dürfte gleichzeitig bedeuten, dass Bernd Dreher Torwarttrainer beim FC Schalke 04 bleibt. Dreher verließ München einst im Unfrieden, nachdem er nach seinem Karriereende als zweiter Torwart hinter Kahn auf den Torwarttrainerposten hoffte, der Club sich aber für Walter Junghans entschied. Trotzdem gab es Spekulationen, dass Manuel Neuer ihn mit nach München nehmen wollte.

Ich bin kein Experte in Sachen Torwartspiel, aber meines Erachtens hat Bernd Dreher in den letzten zwei Jahren einen sehr guten Job gemacht und den damals schon guten Manuel Neuer noch mal ein ganzes Stück verbessert. In der Beherrschung des Strafraums in der Luft, bei Flanken und Ecken, hatte Neuer früher Probleme, welche unter Dreher abgestellt werden konnten. Ich denke, dass Ralf Fährmann von Bernd Dreher als Torwarttrainer profitieren kann.

Alles in allem läuft gerade ziemlich viel zu meiner Zufriedenheit.

Glück auf.

Sieg bei Marke Freudenhaus

Schalke 04 gewann gegen den FC St. Pauli in einem lange Zeit tollen Spiel, das wegen eines treffenden Becherwurfs aus den Statistiken gestrichen wurde. Nach Begeisterung, Bammel und Wut bin ich heute mit den Dingen aus Schalker Sicht zufrieden.

Zweimal zappelte König Fußball in diesem Spiel auf der Kante der Entscheidung. Einmal überlegte er es sich anders, beim zweiten Mal hüpfte er ins aus Schalker Sicht richtige Feld. Gleich zu Anfang war es für beide Seiten wahlweise noch mal gut oder unglücklich verlaufen, als erst Alexander Baumjohann von Fabian Boll strafstoßreif umgegrätscht wurde, der Pfiff aber ausblieb, und Sekunden später Charles Takyi vor Schalkes Tor nur Zentimeter an der Hereingabe von Gerald Asamoah vorbeirutschte. Nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit waren es wieder nur Sekunden, von dem Pfiff Aytekins, der Fabian Bolls Aktion vor der Nase Neuers nach Kruse-Freistoß als aktiven Spieleingriff erkannte, bis zu Julian Draxlers langer Fußspitze, die den Ball nach Farfán-Vorarbeit zur Entscheidung über die Linie drückte.

Auf solche Sekunden, auch auf Zufall, reduziert sich der Fußball dann plötzlich, nachdem zuvor Tage lang studiert und geübt wurde. Was Rangnick anders machen will war in der ersten Halbzeit schon recht häufig zu sehen. Schalke attackierte die ballführenden Paulianer schon sehr tief in deren eigenen Hälfte. Schalke gewann Bälle und war danach sehr fix Richtung Tor unterwegs. Raúl, etwas zurückgezogen, als ständig ballsichere Anspielstation. Farfán mit viel Spaß am eigenen Tempo. Überhaupt alle irgendwie offensiv aussehend … So kam man zwangsläufig zu Chancen, hielt den Gegner weitestgehend vom eigenen Tor fern und führte zur Halbzeit verdient, mit 1:0 eigentlich zu knapp.

So ging es in der zweiten Hälfte leider nicht weiter. Schalke stand tiefer, überlies St. Pauli zuviel Raum ohne Kampf und zuviel Zeit ohne Druck. Rund eine Viertelstunde war St. Pauli mit viel Einsatz die überlegene Mannschaft. Eine Offensive, die in einem Abseitstor gipfelte und – wie oben beschrieben – im Gegenzug ein jähes Ende fand, wie später auch das ganze Spiel, nachdem Aytekin abbrach.

Anfangs war ich richtig wütend, das hat sich gelegt. Es lag wohl an der Fallhöhe, an der Erwartung die man ob des dollen Ruf St. Paulis hat. Die so tollen, kreativen Fans feiern plötzlich Borussia Dortmund, eine Peinlichkeit die ich ähnlich zuletzt vor vier Jahren von Bielefeld-Fans erlebt habe. Das Freudenhaus der Liga schmeißt mit Feuerzeugen, Münzen und Bierbechern, bis ein voller trifft, und darüber hinaus. Offensichtlich sind die Fans weder besonders kreativ noch das Publikum besonders freudenhausig. Vielleicht ist das aber auch einfach normal.
Vielleicht ist der FC St. Pauli als Marke „Freudenhaus“ einfach nur das Che Guevara-T-Shirt unter den Fußballclubs. Manch ein Träger verbindet damit eine Aussage, aber für viele ist es doch nur ein Stück zum coolen Outfit, das abends in Muttis Wäschekorb wandert bevor man mit Schlafanzug ins Bett geht. Es ist irgendwie jung, irgendwie anders und zwischen den ganzen Oberhemdenclubs der Liga auch irgendwie aufregend, aber alleine für sich nur ein billiges Kleidungsstück im Versandkatalog Bundesliga.

Schalke muss nun noch auf den Zuspruch der drei Punkte für dieses Spiel warten und wird dann 8 Punkte vor Platz 16 stehen. So lässt es sich relativ entspannt in die Partie gegen Magaths VfL Wolfsburg gehen, ein Spiel bei dem auch Pauli-Fans Schalke die Daumen drücken werden. Deren Restprogramm ist heftig. Aber immerhin wird Borussia Dortmund vermutlich Meister.



Foto: Rebecca Morgan