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Fabian Giefer

Helmut Schulte ist mittlerweile Sportvorstand bei Fortuna Düsseldorf. Als solcher tat er gestern kund, dass Fabian Giefer zum FC Schalke 04 wechseln würde. Kurz danach revidierte er die Aussage, meinte, Giefer verließe Fortuna auf jeden Fall, Schalke habe er aber nur erwähnt weil Giefer eben zuletzt öffentlich mit den Blauen in Verbindung gebracht worden sei. Ob fix oder noch nicht fix: Die Idee einer Verpflichtung Fabian Giefers durch Schalke 04 war prima als sie aufkam. Mittlerweile wurde diese Zukunftsidee aber vom Jetzt überholt.

Seit Ende November steht bei Schalke Ralf Fährmann im Tor. Die ersten Auftritte waren solide. Die nächsten waren besser. Nach der Winterpause wurde er zu einem der besten Torhüter der Liga, lieferte einige überragende Spiele ab, war ein wichtiger – wenn nicht der wichtigste Faktor für die erfolgreiche Rückrunde des FC Schalke 04, und verlängerte vor wenigen Tagen seinen Vertrag bis 2019.

Als Fabian Giefer erstmals mit Schalke 04 in Verbindung gebracht wurde, war Ralf Fährmanns Status bei Schalkes Trainern der eines aussortierten Torhüters.

Schon 2012 gab es Gerüchte um eine Verpflichtung Fabian Giefers. Ralf Fährmann hatte sich am 15.10.2011 das Kreuzband gerissen. Er bestritt in der Saison 2011/2012 kein weiteres Spiel und kam auch in der kompletten Folgesaison 2012/2013 zu keinem Einsatz. Obwohl längst wieder fit, war noch kurz vor der aktuellen Saison 2013/2014 nicht vollkommen klar, ob er wenigstens die Nummer 2 vor Lars Unnerstall sein würde; die Nummer 1 hatte Trainer Jens Keller fest an Timo Hildebrand vergeben. Trotz nur durchschnittlichen Leistungen Hildebrands brauchte es das Doppel-Vorkommnis aus dem Fauxpas gegen Eto’o inklusive öffentlicher Diskussion und einer Hüftprellung vor dem Champions League-Spiel in Bukarest, um Ralf Fährmann eine echte Chance zu liefern.

Anfang 2013 – mit Ralf Fährmann unter den Radaren allen Trainer, mit dem als nicht gut genug erachteten Lars Unnerstall und mit dem damals schon 33-Jährigen Timo Hildebrand als Nummer 1 – war die Idee einer Verpflichtung des ablösefrei zu habenden Fabian Giefers meiner Ansicht nach gut. Giefer hat in der Bundesliga-Saison 2012/2013 alle 34 Spiele absolviert. In der Hinrunde zeigte er herausragende Leistungen. Trotz schwächerer Rückrunde hatte er bewiesen, dass sein Limit doch sehr hoch anzusetzen ist, dass er ein sehr guter Bundesligatorwart sein kann. Das war deutlich mehr gute Aussicht, als Schalke bis Ende November letzten Jahres hatte.

Seit Ralf Fährmanns aber hält, wie er jetzt hält, stellt sich die Personallage grundsätzlich anders dar. Findet Fabian Giefers Wechsel auf Schalke tatsächlich statt, haben die Blauen in der kommenden Saison zwei ähnlich alte Torhüter, die beide noch eine gute Karriere vor sich wähnen. Beide haben dann jeweils eine grandiose Bundesliga-Halbserie vorzuweisen. Für Schalke 04 mag das, im Vergleich zur Situation vor einem Jahr, eine Verbesserung sein. Vielleicht ist es sogar ratsam, einen starken Torhüter in petto zu haben, Ralf Fährmann wurde in seiner Karriere schließlich immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen.
Aber wünscht man sich keine einigermaßen zufriedenen Spieler? In den meisten Clubs haben die konkurrierenden Torhüter schon auf Grund von Altersunterschieden unterschiedliche Karriereaussichten. Ein Torhüter-Doppel Fährmann/Giefer würde sich meines Erachtens nach „einer zuviel“ anfühlen.

Dieters Erstes Mal

Dieter Nuhr wuchs in Düsseldorf auf und ist Fortuna-Fan. In einem seiner für WDR 2 produzierten Shorties erzählt er eine nette Anekdote zu seinem ersten Stadionbesuch. Knappe 3 Minuten nette Unterbrechung der Wartezeit bis zum nächsten Wichtigen.


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(2:43 Min)
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Nicht mehr Spiel, aber endlich mehr Sieg

Schalke 04 gewinnt mit 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf und allenthalben wird ein Aufatmen beschrieben. Dabei war dieses Spiel ganz sicher kein „Befreiungsschlag“, dafür war die Leistung nicht gut genug. Ein Spiel wie so viele in der letzten Zeit, nur dass am Ende eben ein Sieg stand. Vielleicht sollte man aber sogar grade deshalb besonders laut jubeln.

Schalke hatte in der ersten halben Stunde 80% Ballbesitz. Der Ball lief recht flüssig in den eigenen Reihen. War er mal beim Gegner, wurde er flott zurückerobert. Schalke wollte Druck machen, das war zu sehen. Düsseldorf wollte zunächst mal den eigenen Strafraum verteidigen, auch das war offensichtlich.

Aus derart viel „Ballzeit“ machte Schalke allerdings erschreckend wenig. Es war nicht so, dass das 1:0 ständig in der Luft lag, dass es quasi nur eine Frage der Zeit war, was man meinen konnte, wenn man nach dem Spiel die Verantwortlichen und auch viele Fans von dieser ersten Halbzeit schwärmen hörte. Schalke war doch sehr häufig nach Ballgewinnen zu langsam, verhedderte sich wieder und wieder in Einzelaktionen.

Natürlich war das 1:0 hochverdient, und hätte Schalke so weitergespielt wie zu Beginn, man hätte wohl wirklich von einer Steigerung gegenüber den letzten Spielen reden können. Doch ziemlich genau mit dem Führungstreffer war’s auch schon vorbei. Fortan spielte Schalke wieder so wie zuletzt. Eben nur bemüht.

Nach wie vor passte einfach sehr vieles nicht zusammen, bei den Blauen. Jermaine Jones überzeugte mit Kampfkraft und „Machergeist“, zu häufig war er allerdings Roman Neustädter keine Hilfe, und der ist seit geraumer Zeit neben der Spur. Die einzige Alternative für diese Position ist Marco Höger, der derzeit den Rechtsverteidiger geben muss. Das macht er ganz gut, ebenso wie Sead Kolasinac einen ordentlichen Linksverteidiger abgibt. Gegen Düsseldorf schafften es aber beide nicht so recht, ihre offensiven Vorderleute Bastos und Farfán geeignet zu unterstützen.

Schalke wirkt defensiv weiterhin anfällig. Wenn der Gegner zielstrebig durch die Mitte nach vorne spielt, hat ganz Schalke Bammel. Nicht nur die Mannschaft, auch die Fans, vermutlich auch der Trainer und der Manager, ich denke das geht rauf bis zu Herrn Tönnies’ Platz auf der Tribüne. Zum Glück suchte Düsseldorf sein Heil nicht allzu couragiert in der Offensive und zum Glück hatte auch Benni Höwedes wieder einen besseren Tag als zuletzt in Istanbul.

Schalke spielte nicht toll, aber der Wille zum Sieg war da, trotz schwindender Kräfte nach dem Champions League-Spiel unter der Woche. Auf dem Rasen hatte es später kaum Auswirkungen, aber die Einwechslung des offensiven Max Meyer für den defensiven Roman Neustädter war doch ein gutes Zeichen. Es wurde nicht erspielt, es war vielmehr ein verunglückter Abschlussversuch von Michel Bastos, der den Ball zu Joel Matip brachte, aber es war eben doch das goldene Tor des Tages.

Solche Spiele machen am Saisonende den Unterschied. Diese Schalker Mannschaft ist nicht stark genug, um sich viele Siege durch dominantes Spiel zu „sichern“, das war auch in der Saisonstartrekordphase zu Saisonbeginn nicht so. Schalke spielt viele Spiele, in denen am Ende eine geglückte Szene, ein entscheidender Zweikampf, manchmal der größere Wille und manchmal auch nur ein bisschen Massel über Sieg und Niederlage entscheiden. In diesem Bewusstsein gilt es meines Erachtens, einen solchen Sieg besonders laut zu bejubeln, nachdem man jüngst erfuhr, wir häufig so was auch schiefgehen kann.

Eine Sache der Einstellung

Beim 2:2 in Düsseldorf kassiert Schalke 04 eine moralische Niederlage. Dass man nach einer sehr souveränen ersten Halbzeit derart abbaute und am Schluss gegen einen schwachen Gegner beinahe noch verlor, kann nur mit einer miserablen Einstellung erklärt werden. Horst Heldt hatte recht, gleich zweimal.

Zur Halbzeit war ich selbst auch noch völlig zufrieden. Schalke führte 2:0. Schalke begann bereits weit in der gegnerischen Hälfte zu verteidigen, man gewann viele Bälle und führte die Zweikämpfe kompromisslos. Es sah nach Klassenunterschied aus, und dass Schalke dieses Spiel nicht gewinnen würde, hielt ich nach 45 Minuten für unmöglich.

Horst Heldt hingegen merkte in der Pause an, dass es ihm nicht gefallen habe, dass die Mannschaft nicht auf das dritte Tor gespielt hat. Ein Anspruch, den man sich als normaler Fan kaum noch zu artikulieren traut. Was man denn bitteschön noch wolle, es stehe doch schon 2:0, höre ich die imaginär Umstehenden zurückkeifen. Ein Nörgler sei man, stets unzufrieden. Man schaue gefälligst mal auf die Tabelle, schließlich ist man punktgleich mit Borussia. Wenn man sich selbst an einer 2:0 Führung nicht einfach nur erfreuen kann, habe man eh einen an der Waffel.

Bullshit, Horst Heldt hatte vollkommen recht! Dem Offensivspiel dieser Schalke-Mannschaft fehlt der unbedingte Zug zum Tor, dramatischer formuliert die „Gier“. Nicht nur im Spiel in Düsseldorf, aber auch, und dort auch in beiden Halbzeiten. Zu häufig wird aus bester Schussposition doch wieder nur abgespielt, zu häufig wird das Tempo gedrosselt, wenn doch bei einer Erhöhung eine Überzahl vor dem gegnerischen Tor möglich wäre. Manchmal könnte man glauben man beobachte ein Trainingsspiel, bei dem kein Abschluss erfolgen darf, bevor nicht einer der Außen den Ball in Nähe der Seitenlinie führte. Weitermachen, nach dem zweiten das dritte und das vierte Tor erzielen wollen, aus eigener Kraft, nicht nur auf Fehler des Gegners in der Schlussphase zum Sack zumachen warten, da hat Heldt recht, der olle Nörgler, so sollte das eigentlich sein.

Nach dem Spiel bemerkte Schalkes Manager, dass bis zum Busfahrer ganz Schalke versagt hätte. Während hier und da nun „humorvollerweise“ für den Busfahrer in die Bresche gesprungen wird, interpretierte blues, Kommentator in diesem Blog, die Erweiterung über die Mannschaft hinaus als Kritik am Trainerstab. Ob das so gemeint war weiß ich nicht, aber zumindest eine allumfassende Kritik an allen Mannschaftsteilen ist nachzuvollziehen. Dass die Offensive die weiterhin gegebenen Chancen zum dritten Tor fahrlässig vergab, dass sowohl Joel Matip als auch Kyriakos Papadopoulos vor einem Gegentor einen entscheidendes Kopfballduell verloren, und dass Schalkes Außen – in diesem Fall sind die Außenverteidiger in ihren Defensivdreiecken mit den passenden defensiven Mittelfeldspielern gemeint – den Fortunen reihenweise hohe Bälle in die Mitte aus dem Halbfeld erlaubten, trug alles entscheidend zu diesen Punktverlusten bei. Das alles wurde potenziert durch den Mangel an Wettkampfintensität, mit dem die Blauen zu dieser zweiten Hälfte auf den Platz kamen.

Es war, als hätte die Mannschaft in der Halbzeit in den Benefitzspiel-Modus geschaltet, als wäre man überrascht gewesen, dass es doch ein Erstligaspiel war. Schalke ermöglichte der Fortuna das Aufbäumen und fand nicht mehr zurück zum Spiel der ersten Hälfte. Die Blauen ließen es auf einen Schlagabtausch ankommen. Gewiss, dieser hätte auch noch 3:2 oder 4:3 gewonnen werden können, vielfach hätte es dann Lobeshymnen für das Spiel zu lesen gegeben. Aber gut hätte man die Leistung der Schalker nach dieser zweiten Halbzeit bei keinem Ergebnis ehrlicherweise nennen können.

Die Einstellung in dieser zweiten Hälfte war vollkommen unprofessionell. Aber ein grundsätzliches Problem ist das bislang zum Glück nicht. An eine solche Überheblichkeit kann ich mich bezogen auf die jüngere Vergangenheit nicht erinnern, und ansonsten bietet einem die Moral der Mannschaft eher die Gelegenheit, auch bei Rückständen noch auf ein Comeback hoffen zu können. Somit sind diese Punktverluste auch nicht mit anderen vergleichbar. Trotzdem sind es die Punkte 3 und 4, nach den Punktverlusten am ersten Spieltag in Hannover, die sich Schalke 04 meines Erachtens vollkommen selbstverschuldet zugefügt hat. Ein Jammer.