Artikel zum Schlagwort ‘Funktionäre’

Andreas Müller taucht auf

Auf dem Level, bei einem Klub mit dem Druck und der Tradition, wäre man gut beraten, jemanden im Amt zu haben, der schon ein paar Schlachten geschlagen hat. Schalke war für mich in seiner Größe und mit der Erwartungshaltung, gepaart mit der fehlenden Rückendeckung, als wir sportlich in einer kniffligen Lage waren, schwer zu kontrollieren.

Gestern Früh zerrte Henning mit einem Kommentar einen Beitrag zu Andreas Müller aus den Tiefen des Archivs dieses Blogs hervor. Keine 3 Stunden später erschien ein Interview mit Andreas Müller bei goal.com. Ein bisschen gespenstisch.

Lesenswert ist es trotzdem. In dem Interview gibt er sich selbstkritisch, was seine Zeit auf Schalke angeht, und meinungsstark, was das aktuelle Geschehen bei den Blauen betrifft. Fred Rutten und Rudi Assauer kommen dabei vor, aber eben auch Horst Heldt und Clemens Tönnies.

Stevens wieder da, Geis erstmal weg, Museum fies finanziert

Wenn die TSG Hoffenheim den Trainer austauscht ist mir das grundsätzlich ziemlich egal. Diesmal engagiert die TSG aber Schalkes zweifachen Ex- und Jahrhunderttrainer, der zudem Schalkes und auch seinen eigenen ehemaligen Co-Trainer beerbt. Das macht es schon besonders. Besonders auch deshalb, weil der Freistellung Stevens‘ auf Schalke im Dezember 2012 nachhallte, dass es zwischen ihm und Markus Gisdol arge Probleme gegeben haben soll, dass die Mannschaft zwischen diesen beiden Trainern gespalten gewesen sei, und dass eben deshalb auch Gisdol nicht als Nachfolger infrage kam, dass es deshalb einen ganz neuen Mann brauchte. Jens Keller eben.

Huub Stevens wird die TSG retten, natürlich. Ein spannenderer Club wird die TSG durch ihn aber nicht werden. Und Stevens‘ Beraterfunktion auf Schalke, der JHV-Coup des Clemens Tönnies, liegt damit auch ab sofort auf Eis. Aber das hatte Huub Stevens ja bereits zeitig angekündigt.
 

Johannes Geis wurde nach seinem Foul an André Hahn vom DFB für 5 Spiele gesperrt, wettbewerbsübergreifend. Da ich am Abend zuvor von den Erben Collinas erfuhr, dass eine wettbewerbsübergreifende Sperre nur in extrem schwerwiegenden Fällen ausgesprochen würde, und da ich das Foul weiterhin für sehr übel aber unabsichtlich erachte, fühlte sich das Strafmaß für mich zunächst ungerecht an. Nach einem ersten sacken lassen halte ich es für weise.
Ich zweifle nicht daran, dass André Breitenreiter die Wahrheit sagte als er beschrieb, dass Johannes Geis nach dem Spiel selbst „völlig fertig“ in der Kabine gesessen habe. Sowas beschäftigt einen Spieler. Es wäre nicht gut gewesen, wenn Geis nur 3 Tage später gegen den gleichen Club aufgelaufen wäre, und ich hätte André Breitenreiter auch zugetraut von sich aus auf Geis zu verzichten, um den Spieler zu schützen.

Ich halte 5 Spiele Sperre für ein dem Foul angemessenes Strafmaß. Ich finde gut, dass die Sperre sofort beginnt und dass sie Johannes Geis die nötige Auszeit aufdrückt. Dass durch den wettbewerbsübergreifenden Status die Partie gegen Gladbach gleich ein Spiel vom Konto nimmt, ist so gesehen ein eher positiver Umstand.
 

Am vergangenen Freitag wurde in Dortmund das „Deutsche Fußballmuseum“ eröffnet. Obwohl darin die Sponsoren des DFB omnipräsent sind, muss der Besucher 17 Euro berappen. Obwohl der DFB als reichster Einzelsportverband der Welt erachtet wird, belastete der Bau des Museums die Steuerzahler erheblich. Für das ZDF Magazin WISO beleuchteten Thomas Münten diese Umstände. Sehr sehenswerte 9 Minuten, die für 7 Tage in der ZDF Mediathek nachzuschauen sind.
 

Mit VfB und SVW läuft was schief, S04 wär‘ mal wieder dran

In 04 Tagen veröffentlicht die DFL den Spielplan zur 51. Bundesligasaison. Die Veröffentlichung wird Vorfreude schüren. Je nach Programm für den Club des Herzens wird man über einen vermeintlich schweren oder leichten Start debattieren. Man wird überlegen, ob der dann feststehende Gegner dem eigenen Club ein besonders schweres oder „machbares“ Finale beschert. Ich jedenfalls schaue zu allererst auf die Begegnungen am ersten und am letzten Spieltag. Für beide erhoffe ich mir Heimspiele, meiner Ungeduld zu Saisonbeginn und des statistischen Vorteils im letzten Spiel wegen.

Schaut man sich die bisherigen Bundesliga-Spielpläne an ist festzustellen, dass die Verantwortlichen die meisten Clubs* mit einer gerechten Quote an Heimvorteilen für eben diese ersten und letzten Spiele bedenkt: Außer den VfB Stuttgart und Werder Bremen.
 

 
Auch wenn Schalke 04 bislang insgesamt exakt mit einer 50% Quote bedacht wurde, fühlt sich die Forderung nach Auftakt- und Final-Heimspielen für die kommende Saison gerechtfertigt an. Die Serie würde sonst doch zu lang …
 




*: In der Tabelle sind nur die aktuellen Erstligisten aufgeführt. Auch unter den hier nicht aufgeführten Clubs gibt es keine, die bei angemessener Anzahl an Bundesliga-Jahren die Quoten von Stuttgart und Bremen über- bzw. untertreffen.

Eine Frage der Toleranz

Die FIFA hat sich dazu entschlossen eine Technik einzuführen, die dem Schiedsrichter die Entscheidung abnehmen soll, ob ein Ball die Torlinie vollständig überquert hat oder nicht. Bei der Entwicklung einer solchen Technik lässt die FIFA eine Toleranz von drei Zentimetern zu.

Der Ball als solcher hat üblicherweise einen Durchmesser von rund 22 Zentimetern. Die geduldete Toleranz entspricht also immerhin ca. 14% einer „Balllänge“. Mal länger, mal kürzer, je nachdem ob es an des Schiedsrichters Uhr piepst oder nicht.

Natürlich wird diese Technik „sehr genau“ sein. Vor allem die Szenen, in denen bereits die TV-Kameras ausreichen um eine Aussage zu treffen, werden damit in der Regel souverän entschieden werden können. Doch fehlerfreie Technik gibt es nicht, das kann jeder von uns in verschiedenen Lebensbereichen täglich erfahren. Es wird zu Fehlern kommen und es wird Szenen geben, in denen vermeintliche Fehler von TV-Kameras „bewiesen“ werden. Der Schiedsrichter ist dabei dann aus dem Schneider, für ihn wird sich die Situation verbessern. Ob es aber Spielern und Fans leichter fällt, Fehler einer solchen Installation zu akzeptieren, statt menschliches Versagen zu verzeihen, bleibt abzuwarten.

„Bastos ist in der Champions League nicht spielberechtigt“

Oder doch?!

Schalke 04 soll an einer Verpflichtung Michel Bastos’ von Olympique Lyon interessiert sein. Der Transfer soll gar kurz vor dem Abschluss stehen.

„Im Gegensatz zu Raffael wäre Michel Bastos auch in der Champions League spielberechtigt.“

So steht es geschrieben, eigentlich überall, jedenfalls in allen großen Zeitungen und Webportalen. Ich habe es ungeprüft geglaubt, war dankbar, dass das geklärt wurde, denn die Beschäftigung mit den UEFA-Statuten zum Thema ist kein lustiger Zeitvertreib.

Nun war ich aber gestern Abend zu Gast im 90elf-Fußballradio, und sowohl die Moderatoren, als auch der zweite Gast, Heiko Buschmann von RevierSport, waren anderer Meinung. Michel Bastos sei für Schalke in der Champions League nicht spielberechtigt, da er für Lyon in der Gruppenphase der Europa League gespielt hat, erklärte man mir. Wesley Sneijder hingegen sei für Istanbul durchaus spielberechtigt, da er von seinem vorherigen Club Inter Mailand lediglich in der Qualifikations-Runde der Europa League eingesetzt wurde. Ich nahm das erst mal hin, schließlich wusste ich es nicht besser.

Nach der Sendung schaute ich dann aber doch noch in die Statuten …
Das Thema wird im „Reglement der UEFA Champions League“ unter Punkt 18.07 behandelt. Im entsprechenden Abschnitt steht:

In der Regel ist ein Spieler innerhalb derselben Spielzeit in einem UEFA Klubwettbewerb (UEFA Champions League und UEFA Europa League, nicht aber UEFA-Superpokal) nur für einen Verein spielberechtigt. Ein Spieler, der in der ersten, zweiten oder dritten Qualifikationsrunde bzw. in den Playoffs der UEFA Champions League oder der UEFA Europa League eingesetzt wurde, ist jedoch ab der Gruppenphase der UEFA Champions League oder der UEFA Europa League für einen anderen Verein spielberechtigt; ausserdem kann ein Spieler ab dem Achtelfinale gemäss den Bestimmungen in Absätzen 18.18 bis 18.21 unten nachgemeldet werden.

Wie gesagt, Michel Bastos spielte nicht etwa in Qualifikations- oder Playoff-Spielen der Europa League, er wurde am Nikolaustag im Gruppenspiel gegen H.I.K. Shmona eingesetzt. Verfolgen wir aber auch noch den Hinweisen nach „außerdem“ und schauen und die Punkte 18.18 bis 18.20 an, finden wir dort …

Für alle Spiele ab dem Achtelfinale darf ein Verein höchstens drei neue spielberechtigte Spieler […] nachmelden. […] Einer der drei Spieler des oben genannten Kontingents kann ausnahmsweise nachgemeldet werden, auch wenn er bereits in einem Spiel der Gruppenphase eines UEFA-Klubwettbewerbs von einem anderen Verein in der aktuellen Saison eingesetzt wurde. Voraussetzung hierfür ist, dass er nicht

a) für einen anderen Verein im selben Wettbewerb eingesetzt wurde; oder
b) für einen anderen Verein eingesetzt wurde, der derzeit im selben Wettbewerb vertreten ist.

Ich denke, dass dies der entscheidende Punkt ist. Bastos könnte, sofern Schalke 04 ihn verpflichtet, „ausnahmsweise nachgemeldet werden“. Mich würde interessieren, ob die Formulierung „auch wenn er bereits in einem Spiel der Gruppenphase“ meint, dass er zuvor tatsächlich nur in einem(!) Spiel eingesetzt werden durfte, ob die Ausnahmeregel also mit einem zweiten Einsatz wegfällt. Im Fall Bastos ist das aber egal, er war tatsächlich nur in einem Gruppenspiel aktiv.

Ich hoffe ich habe es nun richtig verstanden.

Meinungsbildung: Auf die Formulierung kommt es an

Vor seinem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag verwendete der FC Bayern München zwei Zelte, um „verstärkte Einlasskontrollen“ durchführen zu können. Schnell war von „Ganzkörperkontrollen“ die Rede, sehr viele Fans jedweder Couleur protestierten auf ihre Weise.
Das vermeintliche Ergebnis dieser verschärften Kontrollen wurden gestern Früh publik.

Bayern-Sprecher Markus Hörwick verteidigt die Maßnahme: „30 bis 40 Anhänger wurden strenger kontrolliert, mussten maximal ihre Jacken ausziehen.“ Dabei wurden laut Polizei 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden.

… war bei bild.de zu lesen. Ähnliches wurde von nahezu allen relevanten deutschen Nachrichten-Webseiten gemeldet. Die Süddeutsche schrieb beispielsweise unter dem Titel „FC Bayern verteidigt Sonderkontrollen vor Frankfurt-Spiel“…

… extra zwei Zelte aufgebaut … wurden darin stichprobenartig Frankfurter Fans kontrolliert. Dabei wurden sichergestellt: 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und Pfefferspray, außerdem Kokain.

Der erste Eindruck beim Lesern dieser Zeilen: Dann war die Maßnahme wohl richtig, offensichtlich hat man die richtigen erwischt. Stellvertretend für diese Wahrnehmung sei hier der keineswegs als cholerisch bekannte Moritz Hoffmann aufgeführt, der gegen 9:45 Uhr twitterte:

22 Messer bei Frankfurtern gefunden? Na danke ihr Vollidioten, jetzt rechtfertigt ihr alle Übergriffe von Sicherheitspersonal. Arschlöcher.

Es wurden also 30 bis 40 Anhänger strenger kontrolliert, und dabei wurde das Waffenarsenal von 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und Pfefferspray sichergestellt? Stefan Krieger, Journalist und Schreiber des Eintracht-Blogs der Frankfurter Rundschau „Blog-G“, kam das merkwürdig vor. Also fragte er nach:

Fast die gesamte Medienlandschaft übernimmt ungeprüft eine schlampig formulierte PM der Bayern. Und so wundert sich keiner, dass bei 30-40 überprüften Fans angeblich 22 Messer gefunden worden sein sollen. Ein einziger Anruf bei der Polizei München klärt auf: Es wurden 22 Messer bei allen Kontrollen aller 71000 Zuschauer gefunden. Eine Quote, die in der S-Bahn höher sein dürfte.
Quelle: 1 + 2 + 3

„Schlampig formuliert“?
In der auf der Webseite des FC Bayern veröffentlichten Pressemeldung steht wörtlich:

Bei diesen Kontrollen handelte es sich weder um sogenannte „Nackt-Scanner“, noch um Untersuchungen, bei denen sich Personen „ausziehen“ mussten. Von insgesamt rund 6.600 Frankfurter Fans wurden ca. 30 bis 40 Personen gebeten, ihre Jacken abzulegen und teilweise ihre Taschen überprüfen zu lassen.

Dies sieht der FC Bayern als seine Aufgabe an, um z.B. verbotene Pyrotechnick und Gewalt im Stadion zu verhindern und um damit die Sicherheit von rund 71.000 Zuschauern in der Allianz Arena zu gewährleisten.

Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen von der Polizei und dem Ordnungsdienst u.a. 20 Messer, 2 Schlagstöcke, 1 Schlagring, 1 Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain sichergestellt.

„Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen …“ ist keineswegs dasselbe wie „Bei den Überprüfungen der Frankfurter Fans …“ oder „In diesen Zelten wurden …“ oder auch nur „Bei diesen Überprüfungen …“.

Da kann man Absicht unterstellen

meint Stefan Krieger. Dem stimme ich zu.

Holstein Kiel verspottet selbsternannte Tugendwächter

Mittwoch, der 21.12.2011. Für Schalke 04 ein schlechter Tag. Für Holstein Kiel ein Tag zum Jubeln. Zunächst schaffte der Regionalligist die Pokalsensation gegen Mainz 05, dann bekam er für das Viertelfinale auch noch den Deutschen Meister Borussia Dortmund zugelost. Freuden-, und vielleicht nicht nur, trunken, versehentlich noch live auf Sendung, stimmten die Kieler Kicker den alten Gassenhauer an, der die dem BVB-Zugehörigen der Abstammung von professionellen Liebensdienst leisterinnen bezichtigt.

Nicht fein, aber auch nicht wirklich schlimm. Ein in fast ganz Deutschland verbreiteter Chor. Nichts, was einen Schwarzgelben noch aufregen oder gar überraschen würde, eben wie das Lederhosen-Lied den Bayern längst an der Krachledernen vorbei geht.

Aber doch zuviel Emotion für die Herren des DFB. Wegen „unsportlicher Gesänge“ wurde der Regionalligist zu einer Zahlung von 12.000 Euro verurteilt. Und weil man sich auch gegen die absurdesten Urteile des DFB nicht wirklich wehren kann, hilft in solchen Fällen nur beißender Spott.

Also produzierte Holstein Kiel ein „Entschuldigung-Video“, in dem die Konsequenz aus dem Urteil, die unbedingte „politische Korrektheit“, der Kuschelumgang mit dem Gegner, derart überzeichnet wird, dass die Funktionäre in Frankfurt sicherlich vor Wut kochen.

Wie da eine pisselige Autofensterfahne am letzten Eckchen mit den Fingerkuppen gehalten wird … wie der sprechende Kicker sein Grinsen unterdrückt, darauf bedacht bleibt, am Ende des Satzes mit der Stimme runterzugehen, betroffen zu sein … wie formuliert wurde, dass „die Pferde durchgegangen“ seien, dass man nun ein „gemeinsames, sportliches Event“ wolle … wie sie sich am Schluss hinstellen, einige mit Schals, alberner Weise auch zwei sich einen teilend, wie dann ein überdimensioniertes gelbes Band nebst BVB-Wappen über die Szene geblendet wird, wie dann im Chor „Sorry BVB“ gesagt wird: Das alles ist großartig gemacht und gibt auf herrlich subtile Art sowohl das Urteil, als auch alle diejenigen, die aus dem Vorfall unbedingt einen „Skandal“ formen musste, der Lächerlichkeit preis.


Falls Holstein Kiel das Filmchen allerdings doch ernst gemeint haben sollte, muss ich vor lauter Fremdscham mindest 24 Stunden den Kopf unter einem Kissen verstecken. Ich nehme an, auch normalen BVB-Fans ginge es nicht anders.