Artikel zum Schlagwort ‘Funktionäre’

Zensursula lässt Grüßen

Wir habe doch heute die technische Möglichkeiten. Eine Torkamera macht absolut Sinn, und es geht ja auch nur um solche Entscheidungen. Abseits, Elfmeter, alles andere soll ja so bleiben wie es ist.

So hat es Rudi Völler gesagt, und er ist damit weiß Gott nicht alleine. Nach jeder strittigen Torszene branden Diskussionen um eine Torkamera auf. Dass man dabei nicht das Spiel verändern wolle, dass man aber doch die technischen Möglichkeiten nutzen müsse, wird dabei von nahezu jedem Befürworter erwähnt.

Meines Erachtens sind die Parallelen zur Diskussion um das „Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie im Internet“ unverkennbar. Niemand will Kinderpornografie bewahren, sondern es geht darum die Ausweitung und die Willkür im Umgang mit Internetsperren zu verhindern. Niemand will, dass korrekt erzielte Tore aberkannt werden oder Phantom-Tore zählen, sondern es geht um die Bewahrung des Spiels als solches, mit seinen unmittelbaren Entscheidungen und dem menschlichen Schiedsrichter als höchste Instanz.

Kaum war von Gesetzes wegen die Nutzung der „technischen Möglichkeiten“ in Sachen Internet-Sperren erlaubt, gab es Forderungen diese auch für andere Zwecke einzusetzen. Falls im Fußball die Entscheidung Tor oder kein Tor per Videobeweis hinterfragt werden dürfte: Gibt es tatsächlich wache Geister die bezweifeln, dass in Folge der nächsten strittigen und entscheidenden Frage nach einem Strafstoß nicht wieder nach der Nutzung der technischen Möglichkeiten geschrien würde?

Bezüglich der Internet-Sperren wurde die Öffentlichkeit dank einer wachen Minderheit dazu sensibilisiert, dem Gesetzgeber auf die Finger zu schauen. Wie erfolgreich das sein wird, wird man sehen. Gegenüber Politik, Gesellschaft, Leben ist Fußball vergleichsweise unwichtig, den Granden des Fußballs gibt niemand Kontra. Es fühlt sich schlecht an, aber alles was bleibt ist auf die Starrköpfigkeit der alten Männer der FIFA zu vertrauen. Sie scheinen Geld dafür zu bekommen, das Spiel zu erhalten, anders ist ihr Verhalten gegenüber sonstigen Gepflogenheiten nicht zu erklären.
Ich gönn’s ihnen.

Afrikas Rhythmus und Leidenschaft

Vuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuup! Vuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu
uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuup!



[via Sepp Blatter]

Gespielter Patriotismus

Man kann nur ablehnen, was einem angeboten wird. Und wenn einem etwas entzogen wird, muss man sich nur darüber ärgern, wenn man es auch haben wollte.

Jermaine Jones wurde von Bundestrainer Löw längst aussortiert. Er war nicht mal mehr das fünfte Rad am Wagen, durfte nicht mal dabei sein, als kaum noch jemand zur Verfügung stand. Deshalb ist es Mumpitz, Jones’ Umorientierung einen „Rücktritt“ zu nennen. Und deshalb war das kühle und knappe Statement des Bundestrainers völlig angemessen. Was Jermaine Jones tut oder lässt, kann ihm völlig egal sein.

Aber es gibt da ja noch einen, der knapp nicht kann, der dazu da ist, was darzustellen. Oliver Bierhoff.

„Wir haben mehrfach betont, wie sehr wir uns darüber freuen, dass wir mehrere Spieler mit Migrationshintergrund in den Reihen der deutschen Nationalmannschaft haben. Dies entspricht der gesellschaftlichen Entwicklung in unserem Land, und das spiegelt auch unsere Nationalmannschaft wider. Wir haben aber immer wieder darauf hingewiesen, dass jemand, der das DFB-Trikot trägt, sich klar zur Nationalmannschaft und Deutschland bekennt. Wenn ein Spieler das nicht so sieht, ist das seine Entscheidung, die wir respektieren.“

Aufgeteilt in zwei Teile kommt der Kommentar des Oliver Bierhoff falsch und verspätet, irgendwie „falschrum“ daher.

Zunächst sei festgestellt, dass Jermaine Jones keinen Migrationshintergrund hat. Sein Vater war als Soldat in Deutschland stationiert. Heute lebt er wieder in den USA, ein Immigrant war er nie. Lukas Podolski hat Mirgrationshintergund und möchte vermutlich gar nicht, dass sich Bierhoff darüber freut, selbst wenn er es wissen sollte. Sicher reicht ihm, wenn man sich an seinen Toren freut. Auch Claudemir Jeronimo Barreto (genannt Cacau – selbst eingewandert, mit völlig normalem Hintergrund) will bestimmt nur einer unter Guten sein, und nicht der Farbtupfer zu Bierhoffs Anspruch an Vielseitigkeit.

Der zweite Teil Bierhoffs Aussagen erweckt den Anschein, verspätet zu erscheinen. Hat sich Jermaine Jones etwa als deutscher Nationalspieler nicht zum DFB-Trikot bekannt? Hat er zuvor schon Zweifel geäußert, ist dies der wahre Grund für seine Nichtnominierung?
Nein. Die Idee ist Jones erst gekommen, als man ihn nicht mitspielen ließ. Trotz Bekenntnis zum DFB-Trikot. Trotz guter Leistungen. Trotz Migrationshintergrund nach Bierhoff.

Meines Erachtens dürfte ein Wechsel zwischen Verbandsauswahlmannschaften nicht erlaubt sein. Wer irgendwann, egal in welchem Alter, einmal für eine Verbandsauswahl gespielt hat, sollte niemals mehr für eine andere Verbandsauswahl spielen dürfen. Der junge Mann, der mit zwei Staatsangehörigkeiten geboren wurde und dessen Eltern zu Zeiten seiner jungen Jahre die Entscheidung fürs „falsche Land“ getroffen haben, hat eben Pech. Hier geht es nicht um Wahlmöglichkeiten. Pech hat schließlich auch der talentierte Junge, der ohne doppelte Staatsbürgerschaft auf Malta geboren wurde.

Aber nach mir geht es nicht. Die FIFA hat die Wechselmöglichkeit erfunden, da kann ich Jermaine Jones nicht übel nehmen, wenn er diese Möglichkeit nutzt. Mit Bierhoff als Moralapostel tue ich mich in dieser Situation schwer. Mag sein, dass er nicht um des dabei Seins willen den Verband wechseln würde. Aber falls die Firma Nike glauben würde, zum Aufbau eines schlagkräftigen „Team USA“ bräuchte man unbedingt Oliver Bierhoff; ich würde nicht drauf wetten.

Blatter will Stehplätze abschaffen

… weil es dann so angenehm ruhig wird.

Die Zäune könnten Stück für Stück entfernt werden. Der Wegfall von Stehtribünen soll helfen. Blatter: „Sitzende Menschen sind ruhig.“

Bemerkenswert, dass bislang restlos alle Medien Überschriften verwenden, die an der eigentlichen Nachricht vorbei gehen.

Kumpel bleibt Kumpel

Fritz Eckenga ist ja leider nicht nur Dichter und Kabarettist, sondern auch Borusse. Versaut hat ihn das zum Glück noch nicht, und weil es in der Kunst Typen braucht, gibt er in seiner WDR2-Radio-Kolumne lieber den Zigarre rauchenden Chef vom Stadion.

Heute kommentierte er als solcher den Wechsel von Oliver Wittke zum MSV Hellmich. Hörenswert.


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(3:04 Min)
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Endlich ist’s wieder sportlich: Für die Relegation!

16 Jahre lang musste der Drittplatzierte der zweiten Bundesliga aufsteigen, obwohl er zumeist nicht reif dazu war. Nun ist endlich Schluss damit, endlich wurde der Fehler der Abschaffung der Relegationsspiele revidiert.

In der Saison 1981/1982 startete die eingleisige 2. Bundesliga. Es gab zwei direkte Aufsteiger, der Tabellendritte musste sich mit dem Drittletzten der 1. Liga auseinandersetzen. Spannend war das fast immer, nur im ersten Jahr gewann eine Mannschaft beide Spiele. Dreimal musste ein drittes Spiel die Entscheidung bringen. Ein echter Höhepunkt zum Saisonabschluss. Meistens war der Zweitligist allerdings am Ende nicht stark genug. In sieben von zehn Fällen gewann der Erstligist das Kräftemessen.

In der Saison 1991/1992 kamen die Vereine der neuen Bundesländer dazu. Ein Jahr lang spielte die erste Liga mit 20 Mannschaften, darunter Dynamo Dresden und Hansa Rostock. Rostock stieg sofort ab und aus der in diesem Jahr zweigeteilten 2. Liga schaffte es keiner der 6 Ostvereinen, sich für das Oberhaus zu qualifizieren. Fortan gab es je drei direkte Auf- und Absteiger. Mit dem erleichterten Aufstieg ohne Relegation, war wohl auch die Hoffnung des DFB verbunden, der eine oder andere Verein aus den neuen Bundesländern möge in Zukunft das Ungleichgewicht zwischen Ost und West in der 1. Liga mildern.

Direkt in der nächsten Saison stieg der VfB Leipzig als erster Drittplazierter ohne Relegation in die erste Liga auf. Was folgte waren die Aufstiege einer ganzen Reihe von Vereinen, die für die 1. Liga zu schwach waren. 10 von 16 Clubs stiegen spätestens im dritten Jahr wieder ab, sechs umgehend. Auch Leipzig hielt sich nur eine Saison.

Nun soll sich der Drittplazierte wieder mit dem Drittletzten der 1. Liga messen. Zugegeben, für die 2. Liga mag das ein Nachteil sein. Bislang lebte die 2. Liga davon, dass fast jeder Club über kurz oder lang um den Aufstieg mitspielen konnte. Die Liga war durchlässig wie ein Schweizer Käse, was gut war, den welcher Club will schon in der 2. Liga stranden?!
Dennoch ist der Fußballkalender wieder um eine Attraktivität reicher. Das bringt Geld, und daran kann ich nichts schlechtes finden, solange der Sport nicht darunter leidet. Und das tut er hierbei nicht.

Nur zwei Spiele, die über eine Saison entscheiden, sind unfair? Sicher kann es dabei Unglück geben. Falsche Schiedsrichterentscheidungen. Plötzliche Verletzungen wichtiger Spieler, ausgerechnet jetzt. Sicher wäre es fairer, wenn es mehr Spiele zu dieser Entscheidung hätte. Vielleicht eine „Best Of Seven“-Serie nach amerikanischem Vorbild, bei der eine Mannschaft viermal gewinnen muss? Eine entsprechende Ente bei kicker.de würde ich mir wünschen, nur des Aufschreis wegen …

Ich bin mit zwei Spielen zufrieden. Die Fehlentscheidungen, die Verletzen, das Unglück, alles das gibt es auch am letzten Spieltag. Dadurch entstehen die Geschichten, die auch in 20 Jahren noch erzählt werden. Die Historie vieler Vereine erzählt davon, nicht nur die des Clubs, welchem dieses Blog gewidmet ist. Wieso sich Fehlentscheidungen und Zufälle insbesondere in Relegationsspielen auswirken sollen, kann ich nicht nachvollziehen.

Ich halte die Relegationsspiele für fair. Der Zweitligist muss eben besser sein als der Erstligist. Und damit beweisen, dass er an seiner statt in Liga 1 gehört. So ist Sport.

[Dieser Beitrag erschien erstmals im Oktober 2007 bei Drei Ecken, ein Elfer. Heute hier, der Aktualität wegen.]

Netto statt Brutto?

Vor knapp 3 Wochen haben wir hier darüber diskutiert, wie man im Fußball mit den vielen Verletzungsunterbrechungen gegen Ende eines Spiels so umgehen kann, dass sie den Spielfluss möglichst wenig beeinträchtigen. Vor zwei Tagen wurde bei Spiegel Online ein Text von Jens Jeep veröffentlicht, in dem es um genau dasselbe geht. Unter der Überschrift „Per Stoppuhr gegen Zeitschinder“ schlägt Jens Jeep folgende Regel vor:

Die letzte Viertelstunde des Spiels ist eine Netto-Spielzeit. Jede Unterbrechung führt zum Anhalten der Zeitmessung. Das Spiel endet mit Ablauf der 90 Minuten.

Damit soll die Nachspielzeit im herkömmlichen Sinne abgeschafft werden. Stattdessen erfolgt in den letzten 15 Minuten des Spiels – und nur in diesen – eine Zeitmessung wie beispielsweise im Eishockey.

Ganz instinktiv reagiere ich ablehnend auf eine solch schwerwiegende Änderung. Ein Spiel dauert 90 Minuten und die Uhr läuft fort, so war es immer und das Spiel ist gut. Ich bin für den Erhalt dieser grundsätzlichen Regeln, ich will auch nicht, dass die Größe der Tore geändert wird weil irgendeinem Funktionär zu wenige Treffer fallen, und ich will auch nicht, dass beliebig oft fliegend gewechselt werden kann, weil Fußball eben 11 gegen 11 und nicht 30 gegen 27 gespielt wird. Ich muss mein Gewissen auch nicht verbiegen, um trotzdem eine Veränderung bei der Ausführung des Schiedsrichter-Balls oder die Einführung der Rückpassregel für gut zu erachten. Solche Kleinigkeiten verändern das Spiel zwar auch, aber eben in seiner Ausführung und nicht in seiner Art.

Doch wenn ich länger über die Idee von Jens Jeep nachdenke, wenn ich den VfB Stuttgart am 13.05.09 in Gelsenkirchen ertragen muss, wenn man sich eben gerade über die perfekte Ausführung dieser offiziell zu duldenden Spielzerstörung ärgert (übrigens nutz Spiegel Online für Jeeps Beitrag ein Symbolbild mit Mario Gomez und Trainer Babbel …), dann gewinnt diese Regel an Charme. Ein Spiel dauert heute nicht mehr 90 Minuten, nicht mal grundsätzlich! Grundsätzlich dauert ein Spiel heute 93 Minuten, und so gut wie nie passen diese 3 Minuten mit der „verlorengegangenen Zeit“ überein.
Jens Jeep trifft mit den Argumenten ins Schwarze, mit denen er seinen Regelvorschlag anpreist:

Der Torhüter könnte sich beim Abstoß Zeit lassen, aber dies würde ihm nichts nützen, weil die Zeit noch gar nicht liefe. Wo kein Foul ist, müsste man auch nicht mehr umfallen.
In den ersten 75 Minuten hingegen gibt es normalerweise für keine Mannschaft einen Grund zum Zeitspiel – und wenn doch, dann gehört der Schuldige verwarnt.
Zugleich verhindert eine Beschränkung auf die letzten 15 Minuten, dass die Spiele unplanbar lang werden.

Andererseits entstehen Spielunterbrechungen natürlich nicht nur durch absichtliches Zeitschinden. Passiert etwas Unvorhergesehenes, beispielsweise ein Unfall nach welchem ein Spieler ausdauernd behandelt werden muss, wäre diese Zeit unter der neuen Regel verloren. Und wenn Herr Jeep in seinem Text bereits das „laute Herunterzählen des Countdowns“ durch die Fans beschreibt, bilden sich Pusteln auf meiner Haut und im Hals beginnt’s zu kratzen.

Ich bin hin und her gerissen. Der Nachdenker in mir sieht in diesem Vorschlag tatsächlich die Lösung einiger Probleme, die seit langem lästig sind und denen schwer Herr zu werden ist. Der Traditionalist in mir findet den Nachdenker schon im Ansatz scheiße, immer in der Angst, dass da was einreißen würde was nie mehr zu flicken wäre. Er sieht vor seinem geistigen Auge bereits die Werbespots in den Zeitunterbrechungen und argumentiert, dass man das wohl erfolgreichste Spiel der Erde nicht in seinen Grundfesten erschüttern darf.

Ich beschäftige mich also noch eine Weile mit mir selbst.
Input ist sehr willkommen.

[Foto: William Warby]