Artikel zum Schlagwort ‘Galatasaray SK’

Unterklassig in der Champions League

Mit einer absolut indiskutablen ersten Halbzeit bringt sich Schalke 04 eigenhändig um den Lohn einer ganzen Champions League-Saison, verliert am Ende sein Heimspiel gegen Galatasaray mit 2:3 und scheidet sang- und klanglos aus.

Da schaut man hin und kann es kaum glauben. Es ist Champions League und Schalke macht einfach nicht mit. Immer zu spät kommend und unsicher. Ängstlich. Schalke zeigte sich unterklassig. Wer so auftritt, wie Schalke 04 in dieser ersten Halbzeit, hat in der Champions League nichts verloren. Und mit Leistung in nur drei von vier Halbzeiten eines Hin- und Rückspiel-Duells kommt man nunmal nicht weiter.

Dabei war Galatasaray keineswegs ein besonders starker Gegner. Eine Gruppe guter Individualisten, keine gute Mannschaft im eigentlichen Sinn. Aber um das Spiel mit dem Rückenwind der beiden Auswärtstore über die Zeit zu bringen, reichte es dann eben doch. Ja, in der zweiten Halbzeit kämpfte Schalke. Ja, hätten sie so das ganze Spiel bestritten, hätte es zum Weiterkommen wohl gereicht. Aber wirklich gut war Schalke auch in dieser Hälfte nicht.

Unzählige Male wurde der Ball blindlings hoch in den Strafraum gedroschen, stets mit der Hoffnung, dass er irgendwie gen Tor flippern würde, aber einen kopfballstarken Stürmer hatte Schalke nicht auf dem Feld. Wiederholt wurden Ecken verschenkt, weil der entsprechende Ausführende nicht in der Lage war, den Ball höher als 80 cm über die Grasnarbe zu heben. Es wurde aus 30 Metern auf das Tor geschossen, und der Ball ging 15 Meter am Tor vorbei.
Schalke erarbeitete in dieser zweiten Halbzeit vielleicht vier oder fünf wirklich gefährliche Torszenen. Für eine solche Halbzeit, die fast ausnahmslos im Powerplay-Modus stattfand und in der sich Galatasaray mehr oder weniger auf ein sich in den Weg stellen beschränkte, war das erschreckend wenig.

Insgesamt halte ich es für absolut blamabel, wie Schalke 04 eine solch gute Chance auf den Einzug in ein Champions League-Viertelfinale eigenhändig weggeworfen hat. Aber wer derart spielt, gehört dort eben auch nicht hin.

Schalke steigert sich zur rechten Zeit

Schalke 04 erarbeitet sich ein 1:1 in Galatasarays „Hölle“. Ein gerechtes Ergebnis und eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 12. März, mehr aber auch noch nicht.

Am Ende war die Hölle doch recht leise. Die Fans Galatasarays hatten sich das anders vorgestellt. Sie hörten von Schalkes Abwehrschwäche, sahen Drogba im eigenen Trikot und hatten die entsprechende Erwartungshaltung. Ein gedankliches Bild, welches durchaus meiner Befürchtung entsprach.

Auf dem Platz war Schalkes Abwehrarbeit dann tatsächlich kurios. Mit unfassbaren Böcken lud man den Gegner geradezu ein. Abgesehen von diesen Aussetzern zeigte sich die Defensive aber richtig gut, zeitweise fast souverän. Schnell war klar, dass Schalke 04 dieses Spiel entscheiden würde. Die Frage war nur, ob für oder gegen sich.

Wie viele große Chancen Schalke in der ersten Halbzeit ungenutzt lies, war zum Haare raufen. Ebenso aber auch die Aussetzer zwischen defensivem Mittelfeld und Innenverteidigung. Ich fühlte mich ständig zwischen den Gedanken „jetzt sind wir aber klar die besseren“ und „ach Du scheiße“ hin und her geschubst. Dass legte sich in der zweiten Hälfte ein wenig, weil sich auch das Spielgeschehen etwas beruhigte. Ergebnisorientiert wohl die perfekte herangehensweise, das Spiel etwas kontrollierter zu gestalten und dann mittels Kontern den sich bietenden Platz nutzen. Wenn doch nur erstens diese Chancen besser ausgespielt worden wären, wenn nicht zweitens weiterhin stets ein Abwehr-Bock gedroht hätte und wenn man drittens nicht doch irgendwie das Gefühl gehabt hätte, mit etwas mehr Druck hätte man doch gewinnen können …

Nein, dieses Spiel war nicht hochklassig. Für neutrale Zuschauer mag die erste Hälfte unterhaltsam gewesen sein, die zweite war für sie wohl eher hartes Brot. Für mich als Mitzitternden war das Spiel hingegen sehr intensiv, und als „sehr intensiv“ würde ich auch die Leistung der Schalker beschreiben wollen. Es gab keine Unaufmerksamkeiten. Es wurde kaum mal gehadert, weder mit dem Schiedsrichter noch mit sich selbst. Man gönnte sich keine Pausen. Man trat selbstbewusst auf.

Angesichts der Krise in der Bundesliga hatte ich das so nicht für möglich gehalten, erst recht nicht nach dem frühen Rückstand. Vor diesem Hintergrund war die Leistung der Schalker eine enorme, eine plötzliche und eine überraschende Steigerung. Zum wichtigen Zeitpunkt. Schön!