Artikel zum Schlagwort ‘Gastbeiträge’

Energieleistung gegen den Tabellenzweiten

Am 30. Spieltag kam der Tabellenzweite, seines Zeichens Werbeabteilung eines Brauseunternehmens, in die Veltins Arena. Das erklärte Ziel sollte es sein, die bisher relativ erfolgreich verlaufene Kaltakquise-Tournee in der Bundesliga mit einem Sieg gegen den Krisenclub Schalke 04, den Europapokal-Halbfinalisten der Herzen, fortzusetzen. Die Voraussetzungen dafür konnten gar nicht besser sein: RB reiste ausgeruht und mit voller Kapelle nach einem 4:0-Heimsieg gegen den Europacup-Aspiranten Freiburg an. Schalke hatte, wir erinnern uns, 120 intensive Minuten gegen Ajax Amsterdam in den Beinen. Von Darmstadt sprechen wir lieber gar nicht, und von einem einzigen Verletzen im Lazarett und der „Qual der Wahl bei der Aufstellung“ (Hasenhüttl) bekäme Markus Weinzierl wohl feuchte Träume.

Schalke legte erstmal so los wie zu befürchten war: Oft einen Schritt zu langsam, fast alle Aktionen einfach zu unpräzise. Durchaus so, als hätte man sich am Donnerstag noch 120 Minuten lang „zerrissen“, was ja das neue Modewort im deutschen Fußballsprech zu sein scheint. Ab Minute 10 wurde der ein oder andere Pass an den Mann gebracht, Schalke schien sich langsam den Muskelkater rauszulaufen und Guido Burgstaller verzeichnete sogar einen ersten Abschluss. Kopfballduelle konnten jedoch weiterhin keine gewonnen werden. Vielleicht war dieses Faktum kurz darauf Benedikt Höwedes‘ Motivation gegen Publikumsliebling Timo Werner, ein solches erst gar nicht zu führen und stattdessen nur zu klammern. Vielleicht wollte er stattdessen aber auch dem „Die Mannschaft“-Kollegen Timo endlich mal zu einem verdienten Elfer verhelfen und Ralf Fährmann die Gelegenheit, sich ein weiteres Mal als Elfmeterkiller auszuzeichnen – wir werden es wohl nie erfahren. So oder so ging Leipzig mit diesem verloren Duell in Führung.

Kurz danach hätte Leipzig gar auf 2:0 erhöhen können, aber Emil Forsberg war wohl selbst überrascht, dass er nicht im Abseits stand. Wohl in Gedanken bei der Frage, ob der mitgelaufene Timo Werner sich nun im passiven oder im aktiven Abseits befand, und um sich und uns allen die Diskussion darum zu ersparen, entschied er sich für die einzig richtige Möglichkeit: Er setzte einfach den Ball neben das Tor und entschuldigte sich brav.

Auch danach war RB das bessere Fußballteam, Schalke ließ aber nicht wirklich was anbrennen. Erwähnenswert vielleicht noch Minute 36, in der man kurz denken konnte, Ralf Fährmann wär in der Zwischenzeit gegen Manuel Neuer ausgewechselt worden, als er ungefähr auf Höhe des gegnerischen Strafraums den Ball vor dem freien RB-Mann weggrätscht. Wenig später, während ich noch grübelte ob Neuer sich nicht kürzlich den Fuß gebrochen hat und sowieso sein Brot inzwischen ganz woanders verdient (ebenfalls Werbebranche), bereinigte Fährmann die Verwirrung höchst selbst, indem er einen Abstoß ins Aus schlug, fast als wolle er damit sagen: „He, ich bin‘s noch, der Ralf!“

In der zweiten Hälfte dann der Auftritt des Hunters. Klaas-Jan Huntelaar bewies, dass er es immer noch kann, wie damals, 2011: Mutterseelenallein, aus 7 Metern mit dem Kopf. Es war wohl Abseits, aber den Videobeweis, den sich auch Markus Weinzierl kürzlich noch gewünscht hatte, gibt es ja zum Glück noch nicht. Schalke zeigte sich fortan verbessert, durchaus auch mit Chancen, ohne sich jedoch absolute Hochkaräter zu erspielen. Die hochgelobte RB-Offensive hatte Schalke nun weitestgehend gut im Griff und die ganz gut getimte Abseitsfalle verhinderte Schlimmeres. So blieb es am Ende bei einem leistungsgerechten Remis.
 
 
Nur solide, aber in Summe ebenbürtig

An sich war es ein in keinerlei Hinsicht besonderes Fußballspiel. Eine bessere Leipziger Mannschaft in Durchgang eins, verbesserte Schalker in der zweiten Hälfte. Solides Handwerk von beiden Teams, einige vernünftige Spielzüge, insgesamt aber zu wenig Torraumszenen um den unbeteiligten Zuschauer mitzureißen. Letzteres übrigens nur eine Vermutung meinerseits, da ich nicht gerade unbeteiligt war und unbedingt auf Satisfaktion für das Hinspiel gehofft hatte.

Nein, besonders wurde es eher durch die eingangs genannten Umstände. Dass Schalke drei Tage nach dem bitteren Viertelfinal-Aus Leipzig in Summe absolut ebenbürtig begegnet, in der Laufstatistik sogar ein leichtes Plus erlief, ist keinesfalls selbstverständlich und verdient Anerkennung.

Auch spielerisch sah es nicht nur nach Stückwerk aus. Nabil Bentaleb gefällt mir in der Rolle als Chef im tiefen Mittelfeld einfach extrem gut, mit Coke hat man endlich wieder einen Rechtsverteidiger der mehr als eine solide Notlösung ist, Sead Kolasinac vermisse ich jetzt schon und für Klaas-Jan Huntelaar freut mich, dass er endlich wieder traf – vielleicht zum letzten Mal für S04?

Lobend erwähnen könnte ich jetzt noch Benjamin Stambouli und Ralf Fährmann. Den Witz oben konnte ich mir nicht verkneifen, seine langen Bälle sind immer noch schwach. Aber geschenkt, denn wie er mittlerweile ins tiefe Kombinationsspiel eingebunden ist und auch in brenzligen Situationen spielerische Lösungen findet, verdient absolute Hochachtung. Ich denke das hätten ihm in dieser Form die wenigsten von uns zu Beginn der Saison zugetraut.

Für den Rest der Saison wünsche ich mir jetzt noch ein paar gute Spiele und dann sollen alle Beteiligten erstmal ordentlich Urlaub machen.

Habt eine gute Woche und vertragt euch,
Florian

Niederlage nach „Unlucky Punch“

Schalke verliert 0:1 gegen Leverkusen. Wie schon gegen Leipzig hieß es erneut: Schock am Anfang, keine Punkte und Diskussionen nach Abpfiff. Eine frustrierende Niederlage, war Schalke doch über fast die gesamte Spielzeit die eindeutig bessere und gefährlichere Mannschaft. Allein: Man war nicht in der Lage eine der zahlreichen guten Konterchancen in ein Tor umzumünzen.

Trotz Unterzahl ab der vierten Minute hatte Schalke das Spiel bis in die Schlussphase durchgängig fest im Griff. Dank einer erstaunlich sicheren Defensiv-Ordnung rund um die provisorische Innenverteidigung mit Thilo Kehrer, Johannes Geis und Sead Kolasinac – und dank pfeilschnellem und trickreichem Umschaltspiel von der gesamten Offensive. Immer wieder gelangen erstaunliche Kabinettstückchen und dynamische Tempoläufe. Ein großer Spaß für den Zuschauer. Jedoch war bei den meisten Kontern spätestens an der Strafraumkante Schluss. Der berühmte letzte Pass wollte mal wieder nicht gelingen.

In dieser Konstellation war es klar, dass das Spiel am Ende zum Kraftakt werden würde. Schalke investierte mehr als der Gegner und dementsprechend schlichen sich gegen Ende der Partie zunehmend Ungenauigkeiten und Nachlässigkeiten ein. Folgerichtig kassierte man dann trotz aller Überlegenheit eben doch noch den „Unlucky Punch“.

Nach dem Spiel regte sich Christian Heidel bei Sky über den Pfiff auf, der zum Freistoß und in der Folge zum Gegentor führte. Ob zu Recht oder nicht, darüber gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen. Aber anstatt schon wieder mit dem Schiedsrichter zu hadern, sollte man sich vielleicht mit einem anderen Thema auseinandersetzen: Wie schon gegen Leipzig verlor man das Spiel nicht durch eine Fehlentscheidung sondern durch einen indirekten Freistoß.

Das „Todesspiel“

Morgen spielt Schalke 04 in Lviv, in der Ukraine, einem Land im Krieg. Vor 74 Jahren, während eines anderen Krieges, gab es in der Ukraine ebenfalls ein Fußballspiel zwischen einer deutschen und einer einhei- mischen Mannschaft. Es gelangte später zu trauriger Berühmtheit.

Damals, am 9. August 1942, spielte die sogenannte „Flakelf“, eine Mannschaft aus Mitgliedern der deutschen Flugabwehr, gegen den FC Start aus Kiew. Dieses Team war die Betriebsmannschaft einer Brotfabrik, in der größtenteils ehemalige Spieler von Dynamo Kiew spielten. Der FC Start gewann das Spiel auf eigenem Gelände mit 5:3. Nach dem Krieg wurde in der Sowjetunion verbreitet, die Spieler des FC Start seien von der SS erschossen worden, da sie mit ihrem Sieg die deutschen Besatzer bloßgestellt hätten. Seit etwa 1990 wurde diese Darstellung zunehmend als Propaganda entlarvt. Mehrere Spieler des FC Start wurden nachweislich ermordet, allerdings nicht wegen des von den Sowjets zum „Todesspiel“ stilisierten Fußballspiels im August 1942.

Die Gründe für die Inhaftierung und Ermordung der Spieler des FC Start liegen teilweise noch im Dunkeln. Vermutlich spielten innerukrainische Auseinandersetzungen eine Rolle. Neun frühere Dynamo-Spieler in Diensten des FC Start wurden als heimliche Mitarbeiter der sowjetischen Staatssicherheit denunziert. Sie landeten im KZ Syrez im Norden von Kiew, einem Nebenlager des KZ Sachsenhausen. Drei der Spieler wurden ein halbes Jahr nach ihrer Verhaftung, am 23. oder 24. Februar 1943, mit einer Gruppe anderer Häftlinge auf dem Gelände des KZ Syrez erschossen. Zum Anlass der Ermordung machten Zeitzeugen unterschiedliche Angaben. Einer Aussage zufolge sollen die Fußballspieler beobachten haben, wie der Hund des cholerischen Lagerleiters Paul Radomski Wurst aus der Küche stahl, woraufhin sie ihn mit einer Schaufel geschlagen und vertrieben hätten. Ein SS-Mann, der einschreiten wollte, sei von einem der Spieler angegriffen worden. Der Lagerleiter Radomski habe daraufhin ihre Exekution angeordnet.

Nahezu jeder in der Ukraine kennt die Geschichte dieses „Todesspiels“. Es ist Schulstoff – wobei sich die Akzente der Geschichte im Laufe der Jahrzehnte erheblich verändert haben.
 
 
Das Start-Stadion heute, im Norden von Kiew.
Das Start-Stadion heute, im Norden von Kiew.

Das Start-Stadion heute, im Norden von Kiew.

Das Start-Stadion heute, im Norden von Kiew.
 
 
Neben das allbekannte „ACAB“ tritt hier eine Huldigung der Helden und Patrioten des aktuellen Krieges in der östlichen Ukraine.
Neben das allbekannte „ACAB“ tritt hier eine Huldigung der Helden und Patrioten des aktuellen Krieges in der östlichen Ukraine.
 
 
Eingang des Start-Stadions.
Eingang des Start-Stadions.
 
 
Ein Mahnmal erinnert an das „Todesspiel“, wobei der Adler offenbar Deutschland symbolisiert und hier niedergedrückt wird, von den Knien eines starken Athleten. Dessen Armbewegung weckt Assoziationen; die Friedenstaube auf dem Kopf kam zufällig auf das Bild.
Ein Mahnmal erinnert an das „Todesspiel“, wobei der Adler offenbar Deutschland symbolisiert und hier niedergedrückt wird, von den Knien eines starken Athleten. Dessen Armbewegung weckt Assoziationen; die Friedenstaube auf dem Kopf kam zufällig auf das Bild.
 
 
Kinder haben einige Banden verschönert. Die „Sendung mit der Maus“ ist auch hier beliebt.
Kinder haben einige Banden verschöner. Die „Sendung mit der Maus“ ist auch hier beliebt.
 
 
Dieses vernachlässigte Mahnmal ist das einzige Gedenken an das KZ Syrez.
Dieses vernachlässigte Mahnmal ist das einzige Gedenken an das KZ Syrez.
 
 
Einige Kilometer nördlich des Start-Stadions, fast versteckt inmitten einer Wohnanlage, gibt es ein Mahnmal eigens für die ermordeten Fußballspieler. Wohlgemerkt nicht auf dem Gelände des FC Start.
Einige Kilometer nördlich des Start-Stadions, fast versteckt inmitten einer Wohnanlage, gibt es ein Mahnmal eigens für die ermordeten Fußballspieler. Wohlgemerkt nicht auf dem Gelände des FC Start.
 
 
Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer von Babyn Jar. – In der sog. „Weiberschlucht“ (ukrainisch: Babyn Jar) wurden die exekutierten Fußballspieler in Massengräbern verscharrt. Babyn Jar, unweit des Start-Stadions, ist vor allem der Ort des größten Kriegsmassakers an Juden vor dem Beginn ihrer industrialisierten Ermordung in den Vernichtungslagern. Die Juden von Kiew wurden unter dem Vorwand der „Evakuierung“ in die Weiberschlucht gelockt. Hier wurden an einem einzigen Tag, Ende September 1941, fast 34.000 Menschen erschossen. Maßgeblich beteiligt war die Wehrmacht.
Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer von Babyn Jar. - In der sog. „Weiberschlucht“ (ukrainisch: Babyn Jar) wurden die exekutierten Fußballspieler in Massengräbern verscharrt. Babyn Jar, unweit des Start-Stadions, ist vor allem der Ort des größten Kriegsmassakers an Juden vor dem Beginn ihrer industrialisierten Ermordung in den Vernichtungslagern. Die Juden von Kiew wurden unter dem Vorwand der „Evakuierung“ in die Weiberschlucht gelockt. Hier wurden an einem einzigen Tag, Ende September 1941, fast 34.000 Menschen erschossen. Maßgeblich beteiligt war die Wehrmacht.
 
 
Ein Teil der Weiberschlucht (Babyn Jar) heute. Babyn Jar ist inzwischen ein Park auf Kiewer Stadtgebiet.
Ein Teil der Weiberschlucht (Babyn Jar) heute. Babyn Jar ist inzwischen ein Park auf Kiewer Stadtgebiet.
 
 
Mahnmal zur Erinnerung an den 60. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar. – Ein Museum, ein Dokumentationszentrum oder wenigstens einen zentralen Informationsort zum Komplex FC Start, Syrez, Babyn Jar gibt es bis heute nicht.
Mahnmal zur Erinnerung an den 60. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar. - Ein Museum, ein Dokumentationszentrum oder wenigstens einen zentralen Informationsort zum Komplex FC Start, Syrez, Babyn Jar gibt es bis heute nicht.



Alle Fotos: Uwe Englert | Infotexte zu den Fotos: Uwe Englert | Text: Uwe Englert, Torsten Wieland
Die im Infokästchen oben erwähnte „Annan-Story“ findest Du hier.

Schalke macht den nächsten Schritt

Obwohl unser Trainer Jens Keller vor dem Spiel nicht weniger als elf Ausfälle verkraften und seine Mannschaft dementsprechend umbauen musste, konnte Schalke 04 mit einer jugendlichen Mannschaft gegen „die alte Dame“ Hertha BSC mit 2:0 den nächsten Heimsieg einfahren.

Vor dem Spiel suchte ich im Regelwerk des DFL schon mal danach, wie viele Spieler noch ausfallen müssten, damit Schalke eine Spielverlegung beantragen kann. Kaan Ayhan, seines Zeichens Nachwuchsspieler mit der Erfahrung zweier Bundesligastartelfeinsätze, konnte aber eben doch auflaufen. Das Verrückte daran ist wohl eher, dass Schalke-Fans in ganz Deutschland ein erleichternder Seufzer über die Lippen ging, als man davon erfuhr. So rückte lediglich Chinedu Obasi in die Startelf und Leon Goretzka konnte zum ersten Mal in einem funktionierenden Team auf seiner Paradeposition im zentralen Mittelfeld spielen.

Die ersten Minuten zeigten direkt, an welche Leistung die „Schalker Rasselbande“ (© Jens Keller) anknüpfen wollte und auch anknüpfte. Wie zuvor im Revierderby presste man aggressiv nach vorne und drückte den Gegner weit in dessen Hälfte. Im Unterschied zum Derby konnte der Gegner allerdings kein Mittel dagegen finden und wurde im Pressing mehr oder weniger erdrückt. Schalke schob dazu weit vorne bereits auf die Gegenspieler. Obasi und Draxler zum Beispiel verfolgten die Außenverteidiger Berlins bis weit in deren Hälfte, auch Hoogland und Kolasinac kannten keine Grenze bei der sie stoppten und deckten ihre Gegenspieler eng. Der entscheidende Punkt war jedoch die Laufbereitschaft aller Beteiligten. Nach jedem Hertha-Pass verschob sich unser Team mit intensiven Läufen um den Ballführenden um seine direkten Anspielstationen unter Druck zu setzen. Insbesondere die offensiven Spieler waren sich nicht zu schade, den Herthanern hinterherzugehen und aus einer weiteren Richtung Druck zu machen. Weil Goretzka und Neustädter zudem eine traumwandlerische Sicherheit bei der Besetzung von kritischen Räumen zeigten, konnten viele Zweikämpfe scheinbar einfach gewonnen und zahlreiche Fehlpässe erzwungen werden.

Leider schien es zunächst so zu sein, als sei man vor lauter Einübung des Pressings noch nicht dazu gekommen, was man mit einer Balleroberung in der gegnerischen Hälfte so anfängt. Man fühlte sich ein wenig an die Anfangsphase der Saison erinnert, wenn man sah wie hilflos das Zusammenspiel vorgetragen wurde. Da wurden Bälle zu lange gehalten, sich zielsicher an die Seitenlinie kombiniert oder der Klassiker „Einer hat den Ball, alle rennen weg“ aufgeführt. Es schien fast so, als spiele die Hälfte der Mannschaft im Kopf einen Konter aus und die andere einen normalen Spielaufbau. Besonders Huntelaar und Meyer schienen den Ball lieber erst noch zwei bis drei Sekunden am Fuß behalten zu wollen bevor sie ihn wieder abgaben. Die Hertha nutzte diese Zeit dagegen um ihre zwei Viererketten wieder aufzubauen. Stand der Gegner erstmal sicher, fiel unserer Mannschaft auch recht wenig ein. Positionswechsel, um den Gegner mal aus der Ordnung zu bringen, wie wir sie gegen Braunschweig noch einige Male gesehen haben, gab es keine.

Aus den zahlreichen Balleroberungen konnte man also in der ersten Halbzeit keinen Profit schlagen, zum Glück gelang dies beim Spiel von hinten heraus in der 16. Minute. Zu dem Zeitpunkt hatte sich Kaan Ayhan bereits einen dicken Bock geleistet als er, Joel Matip und Ralf Fährmann das Spiel von hinten aufbauen wollten. Im Gegensatz zu Timo Hildebrand nach seinem Chelsea-Fauxpas behielten die nun Beteiligten jedoch die Nerven und nutzten fortan eben nicht die „sichere“ Variante des Nach-vorne-Bolzens. Ayhan spielte den Ball sauber zu Ralf Fährmann zurück, dieser umspielte Ramos mit einem Pass auf Matip (ermöglicht dadurch, dass Joel diesen Ball auch haben wollte und sich entsprechend freilief). Zu diesem Standpunkt formierte sich Schalke in der Offensive sehr weit gestreckt und schuf so im Zentrum weite Räume. Die Außenverteidiger agierten enorm hoch und breit, die offensiven Spieler drückten die gegnerische Abwehr weit nach hinten. Die Folge war ein fast schon verwaistes Zentrum in das Joel Matip ungehindert bis zur Mittellinie vorstoßen konnte. Nachdem er deutlich sichtbar mehrere Varianten evaluierte entschied er sich für die öffnende Seitenverlagerung auf Chinedu Obasi. Der nutzte die Unkonzentriertheit der Herthaner dann eiskalt aus und markiert das 1:0.

Leider ließ neben der Intensität des Pressing auch das Aufbauspiel zunehmend nach. Mehr und mehr ließ man die Bälle einfach von Ayhan oder Fährmann nach vorne schlagen und positionierte sich nicht mehr für das Aufbauspiel. Das Spiel verflachte dadurch immer mehr, zusätzlich wurden sehr viele Fouls gespielt, was den Spielfluss vollends zum erliegen brachte. Nachvollziehbar war für mich dabei, dass man diese Form des Pressings nicht über 90 Minuten würde durchhalten können. Weniger nachvollziehbar war, wieso man darauf verzichtete geordnet aufzubauen. Mit Ayhan und Matip standen zwei sehr sichere Passspieler auf dem Feld und auch unser Mittelfeld war offensichtlich in guter Verfassung. Dies gilt umso mehr, da sich die Hertha gut eingestellt zeigte was lange Bälle anging, und es dann schaffte, den Ball auch selbst über mehrere Stationen zu kontrollieren. Folgerichtig hatte Schalke nach dem Tor keinen gefährlichen Abschluss mehr in Halbzeit Eins.

Die Gäste hingegen entschieden sich, wenn sie die Zeit dazu hatten, meist für lange Bälle auf ihre Stürmer. Nachdem Ramos gegen Matip keinen Stich machte (und auch nicht mehr machen sollte) visierten die Berliner zunehmend das Pärchen Ayhan-Wagner an. Dadurch konnte Berlin wenigstens ab und an gefährliche Szenen kreieren, teilweise auch, weil Kolasinac in Strafraumnähe die Bissigkeit, die er beim Pressing an der Mittellinie noch eindrucksvoll unter Beweis stellte, komplett abging, und gar zu passiv zuschaute wie geflankt bzw. geschossen wurde.

Zum Glück schien Jens Keller in der 15-minütigen Halbzeitpause noch eine Sonderlektion „Umschaltspiel nach Ballgewinn“ eingeschoben zu haben. Krankte das Spiel davor noch an zu wenig Direktheit, zeigte man sich danach sehr viel zielstrebiger. Balleroberungen wurden dementsprechend wie Konter gespielt: Ball erobern, Ball behaupten und weiterleiten, Steilpass, Abschluss. So war es bereits nach nicht einmal einer Minute zu sehen: Wieder zog man das Pressing auf, in der Intensität wie zu Beginn des Spiels. Auch wenn Kaan Ayhan den Ball letztendlich erobert, indem er den Gegner bis in die eigene Hälfte verfolgt, hatte doch Leon Goretzka großen Anteil daran, der sich in den Sekunden davor geschickt bewegte, Räume verknappte. Dadurch zwang er die Hertha in die enge Situation, welche die Balleroberung ermöglichte. Danach war er direkt anspielbar und leitet den Ball vertikal auf Chiedu Obasi weiter (und spielt z.B. nicht den überflüssigen Seitenwechsel ganz links raus). Obasi zeigt gutes Timing beim Steilpass, und Huntelaar weiß eben wie man Tore schießt.

Nach dem Treffer spielte Berlin etwas offensiver, was den Schalker Kontern mehr Raum und Zeit gab. Aus taktischer Sicht wurden die Konter richtig gespielt: Das Spiel wurde beschleunigt, Querpässe vermieden und der riskante Steilpass gesucht, um trotz Unterzahl in gefährliche Situationen kommen zu können. Leider versuchten es Max Meyer und Julian Draxler einige Male gar zu offensichtlich, die Gasse zwischen Innen- und Außenverteidiger zu finden.

Individuell schien Obasi neue Batterien eingesetzt bekommen zu haben. Waren seine Dribblings in Hälfte Eins oft noch pomadig anzusehen, zeigte er in Hälfte Zwei wieso wir uns freuen können ihn im Kader zu haben, und wieso er von seinen Fähigkeiten eher auf die Rechtsaußen-Position gehört als Leon Goretzka.

Der Hertha dagegen gelang aus dem Spiel heraus kaum etwas. Bis circa zur 70. Minute gingen die Gäste im Pressing unter, dann ließen die Kräft bei den Königsblauen merklich nach. Das einzige Kapital, was Hertha daraus schlagen konnte, war jedoch der Versuch Standards schon aber der Mittelinie zu „ziehen“. Ohne Vertrauen in den eigenen Spielaufbau wurden lange Bälle in den Strafraum geschlagen, immer auf den „Lucky Punch“ hoffend, der dieses Spiel nochmal hätte spannend werden lassen können. Ironischerweise gelang dies sogar noch. Ich weiß immer noch nicht, was der Schiedsrichter abgepfiffen hat, als er Herthas Treffer in der 81. Minuten die Anerkennung verweigerte. So aber blieb es beim 2:0.

Auch wenn Hertha danach noch einen Abschluss von Ramos verzeichnen konnten, waren die spielerischen Offensivbemühungen der Berliner ähnlich harmlos wie die der Braunschweiger. Obwohl Schalke sichtlich erschöpft war und um jeden Meter kämpfen musste, hatte man doch irgendwie das Gefühl, das Spiel klinge in den letzten Minuten so langsam aus. Martin Max als Co-Kommentator war hörbar aufgeregt als sein Filius eingewechselt wurde, und die Mannschaft musste nach dem Abpfiff erstmal mehrere Minuten verschnaufen, bevor man sich zur Nordkurve schleppen konnte.

Eine ganz hervorragende Leistung zeigte für mich Leon Goretzka. Zum ersten Mal konnte ich nachvollziehen, warum um ihn ein solches Tohuwabohu veranstaltet wurde. Im zentralen Mittelfeld verband er ein kluges Stellungsspiel mit aggressiver Zweikampfführung. Obwohl er so erstmals mit Roman Neustädter zusammenspielte, profitierten beide voneinander, dominierten das Zentrum und präsentierten sich in der Abstimmung so stark, als spielten sie seit der U16 zusammen. Nach vorne zeigte er ein gutes Auge für den zu bespielenden Raum und ein paar starke Dribblings. Besonders an den Dribblings stach heraus, wieso er ein zentraler und kein Flügelspieler ist. In Jefferson Farfans Lieblingssituation namens „Wir wissen beide, dass ich gleich ein Dribbling starte“ kommt Leon nicht am Gegenspieler vorbei. Hat er dagegen im Mittelfeld die Option, auch den Pass zu spielen, kann er die die Gegner durch sein Vorbeiziehen überraschen.
Joel Matip spielte Ramos schlicht an die Wand! Gefühlsmäßig waren die einzigen verlorenen Zweikämpfe jene, die der Schiedsrichter unverständlicherweise als Foul abpfiff. Aber da solche Leistungen eher Regel als Ausnahme bei ihm sind, überrascht das ja niemanden mehr.

Alles in allem spielte Schalke ein starkes Pressing, so stark wie ich es bei unserer Mannschaft selten bis nie gesehen habe. Bereits gegen Braunschweig und Dortmund konnte man sich dahingehend verbessert und gut zeigen, ich würde dieses Spiel gegen Hertha allerdings als die definitive Etablierung ansehen. Dabei ist es klar, dass ein solches Pressing nicht über 90 Minuten aufrecht erhalten werden kann. Letztendlich zeigte man in beiden Hälften ein Drittel hochintensives, ein Drittel mittelstarkes und ein Drittel wenig Pressing. Wie man mit den vielen eroberten Bällen denn nun umgehen soll wusste man dagegen (zu) lange nicht. Erst nach der Halbzeit schienen alle Spieler der gleichen Marschroute zu folgen. Dadurch verlor das Spiel zwischendurch immer mal den Faden, und es tat sich längere Zeit nichts in den Strafräumen. Vergleicht man diese Leistung mit dem, was wir in der Hinrunde ansehen (des Öfteren auch ‚ertragen‘) mussten, ist der spielerische und mannschaftstaktische Fortschritt sehr deutlich zu erkennen, und ein großes Lob geht an dieser Stelle an das Trainerteam um Jens Keller. Letztendlich macht Schalke also sowohl auf der taktischen Ebene als auch im Kampf um die Champions League Plätze genau einen, wenn auch großen, Schritt nach vorne. Deshalb bin ich auch guter Dinge, dass bis zum Saisonende die nötige Menge an weiteren Schritten auch noch stattfindet.



PS: Wenn man sich anschaut, welche Spieler von Schalke für die neue Saison als interessant erachtet wurden oder werden (Sam, Firminho, Hahn), fällt auf, dass dies genau solche Hochtempospieler sind, welche in vielen Szenen des Spiels gegen Hertha BSC ihre Stärken hätten ausspielen können …

Beinahe souverän

Schalke 04 siegt nach Rückstand mit 3:1 gegen Werder Bremen. Trotz einer sehr engagierten Leistung der Bremer war es ein vollkommen verdienter Sieg, aufgrund der besseren Chancen und mehr Spielanteilen im zweiten Durchgang. Nach drei Punkten gegen Hertha unterstreicht Schalke gegen eine weitere Mannschaft im Formhoch den Anspruch, trotz Doppelbelastung um Platz 4 mitspielen zu können, wenn individuelle Fehler und Nervosität abgestellt werden.

In der ersten Halbzeit agierten die Bremer außerordentlich lauf- und zweikampfstark. Insbesondere setzten sie Schalkes defensives Mittelfeld mit aggressivem Pressing unter Druck. Schalke brauchte ungefähr 15 unansehnliche Minuten mit vielen Fehlpässen, um sich auf diese Spielweise einzustellen. Immerhin konnte man dank einer starken Innenverteidigung das Entstehen nennenswerter Chancen weitgehend verhindern. Zunehmend bekam Schalke dann auch den Ball unter Kontrolle und erspielte sich gute Chancen. Julian Draxler hätte nach schöner Vorarbeit von Adam Szalai das erste Tor erzielen müssen.
Kurz darauf warf dann aber erneut ein individueller Fehler die Schalker inmitten einer überlegenen Spielphase zurück. Wieder presste Bremen im Zentrum, Roman Neustädter wurde überrascht und verschenkte den Ball kurz vor dem eigenen Strafraum, Felix Kroos netzte kaltschnäuzig ein. Schalke reagierte zunächst verunsichert, erspielte sich dann aber durch schnelles Kombinationsspiel über die außen weitere gute Gelegenheiten vor der Pause.

Zum Seitenwechsel reagierte Jens Keller auf die schwache Leistung Neustädters. Dennis Aogo rückte von links ins zentrale Mittelfeld, Christian Fuchs kam für die linke Verteidigung. Die Maßnahme hatte Erfolg. Trotz des Pressings auf Jones und Aogo gab es nun deutlich mehr Ballsicherheit im Schalker Spiel, und Bremen zog sich in der Folge zurück. Dennoch folgte die wohl schwächste Phase des Spiels. Schalke schien Kraft und Ideen zu fehlen, um aus der neuen Überlegenheit Kapital schlagen zu können. Das Spiel plätscherte vor sich hin. Nach einem Patzer durch Timo Hildebrand, bei einem Rückpass in der 60. Minute, der Gott sei Dank folgenlos blieb, lagen die Nerven bei den Fans vollends blank. Die Erlösung kam kurz darauf aus dem Nichts.

Ballverteiler Dennis Aogo legte links auf Julian Draxler: Flanke, Kopfball Boateng, Ausgleich! Doch die Geduldsübung war noch nicht vorbei. Mit dem Schwung des Treffers im Rücken beherrschte Schalke das Spiel nun besser, zu echten Chancen kam man aber nach wie vor kaum. Erst in der 84. Minute klappte es mit einer Kopie des ersten Tores: Christian Fuchs flankte, Boateng köpfte –  2:1! Damit war die Luft bei Werder endgültig raus. Jefferson Farfan erhöhte nach Draxler-Vorarbeit in der Nachspielzeit auf den Endstand.

Trotz hohem kämpferischen Einsatz erspielte sich Bremen aus eigener Kraft nur sehr wenige Chancen gegen eine kompakte Schalker Hintermannschaft. Jens Keller fand in der zweiten Halbzeit durch die Umstellung im Mittelfeld die richtige Antwort gegen das Bremer Mittelfeld-Pressing. Nur die schlechte Chancenverwertung im ersten Durchgang, die zwischenzeitigen Tiefschlaf-Viertelstunden am Anfang jeder Halbzeit, sowie die zwei kapitalen Böcke von Roman Neustädter und Timo Hildebrand machten das Spiel am Ende doch zu einer kniffligen Aufgabe für die Mannschaft und die Nerven der Fans.

Erwähnenswert waren, neben Boatengs Vollstreckerqualitäten und dem quirligen Max Meyer, vor allem die Ballsicherheit und das Aufbauspiel von Dennis Aogo im Zentrum, und die neue, weniger draufgängerische Rolle von Jermaine Jones. Negativ fiel die mangelnde Chancenverwertung von Adam Szalai auf. Er kann zwar toll den Ball mit dem Rücken zum Tor behaupten und zusammen mit den Mittelfeldspielern kombinieren, aber im Abschluss wird er derzeit zu selten gefährlich.

Post an Frau Kraft

Liebe Frau Kraft,

Sie unterstützen und befürworten also das Verhalten Ihres Innenministers, dem Verein FC Schalke 04 rechtswidrig anzudrohen, keine Polizei mehr zum Schutz ins Stadion zu lassen, sofern er nicht seine wahrheitsgemäßen Aussagen widerruft, der Einsatz der Polizei wäre unangemessen, unbegründet und überzogen gewesen, obwohl dies durch führende Polizeiwissenschaftler bestätigt wird. Sie unterstützen also eine – wie Ihnen führende Polizeiwissenschaftler bestätigen – rechtswidrige Androhung, die einer Erpressung nahekommt, um im Wahlkampf vorläufig Ruhe zu haben.

Sie erwarten also ebenfalls vom Verein, dass er seine Hausordnung gegen die eigenen Mitglieder durchsetzt, die nichts Schlimmeres getan haben, als zum dokumentiert wiederholten Male eine legale Fahne eines befreundeten Fanclubs (Komiti Düsseldorf, nicht Nord-Mazedonien, wie Ihr Innenminister schwadroniert) zu zeigen. Auch reicht Ihnen dies als immerhin dritte nachgereichte Begründung für einen wohl einmaligen Polizeieinsatz, nachdem ja der Tatbestand der Volksverhetzung erkennbar an den Haaren herbeigezogen war und der drohende Platzsturm der Gästefans mittlerweile, mangels beweiskräftiger Videos und zahlreicher Zeugenaussagen, mangels anschließender Blocksperre, mangels erkennbarem Bestreben der Polizei die Gästefans in den Griff zu bekommen (die übrigens faschistoide Parolen im Block ausgehängt haben) nicht mehr tragfähig war.

Sie befürworten also die Anwendung körperlicher Gewalt, die Sperrung der Ausgänge mit dem Potenzial einer Massenpanik, die offensive Anwendung chemischer Waffen, um zum anschließenden Blocksturm Platz zu haben, die verbale Kriminalisierung einer ganzen Fankurve, inklusive Frauen, Kindern, Rentnern und Familienvätern durch Herrn Jäger („11.500 Gewalttäter in der Nordkurve“), wie sie selbst Ihrer ZIS (Zentrale Desinformationsstelle Sport) mittlerweile rechtskräftig durch das Oberverwaltungsgericht NRW verboten wurde und mindestens 87 Verletzte (das sind ja nur die vom Deutschen Roten Kreuz Behandelten …), wegen einer Fahne eines von der UNO und der BRD anerkannten Staates und dem Zusatz „Komiti Düsseldorf“?

Es ist eine Ironie, nein, es ist der blanke Hohn, dass Herr Jäger nun vom Verein erwartet, genug Ordner abzustellen, um einen drohenden Platzsturm von Gästefans zu verhindern, zu dem sich gegen Saloniki drei Hundertschaften der Polizei in Vollmontur, chemisch bewaffnet und mit lockerem „Einsatzmehrzweckstock“ nach eigener Aussage nicht in der Lage sahen!

Es ist erbärmlich, wie die mangelnde Fehlerkultur der Polizei nun durch massiven Druck und illegale Einschüchterungsversuche durch Herrn Jäger gegenüber meinem Verein vertuscht werden soll. Es ist aber ebenso entlarvend, wie die hysterischen Erklärungs- und Rechfertigungsversuche der Polizeilobby durch Sie und Herrn Jäger auch noch gefördert werden.

Frau Kraft, Herr Jäger, Sie tanzen auf dem Grab der Ideale, für die Ihre Partei 150 Jahre gestanden hat: Menschenrechte, Demokratie, freie Meinungsäußerung, Solidarität. Da Sie beide höhere Ambitionen haben, ist dies kein Problem, das sich nur auf NRW beschränkt. Jeder Fußballfan sollte in sich gehen und entscheiden, ob Ihre Partei wählbar ist, vor dem Hintergrund, dass Herr Jäger demnächst als Innenminister einer großen Koalition seine totalitär-stalinistischen Law-And-Order Allmachtsphantasien bundesweit ausleben darf und seine Privatarmee „Polizei NRW“ auch noch durch Geheimdienste und Bundespolizei erweitert wird. Lassen Sie doch endlich die Hose runter. „Das WIR entscheidet“ ist der Wahlkampfslogan Ihrer Partei. „WIR entscheiden und ihr nehmt das kritiklos hin“ ist aber das, was Sie daraus machen. Es sind schon Bundespräsidenten wegen (noch nicht nachgewiesener) Vorteilsnahme in Höhe von 700 Euro zurückgetreten. Warum bleibt Herr Jäger dann im Amt, wenn er die Menschenrechte (körperliche Unversehrtheit, Meinungsfreiheit) so sehr mit Füßen tritt?



Link: Webseite Supporters Club

viagogo: Deine persönlichen Nachteile

Liebes Mitglied des FC Schalke 04,
lieber leidenschaftlicher Anhänger des FC Schalke 04,

 
die Initiative ViaNOgo, getragen von engagierten Vereinsmitgliedern, hat in den zurückliegenden Wochen viele tausend von Mitgliedern unterschriebene Anträge für eine außerordentliche Mitgliederversammlung erhalten. Wir möchten dem Vorstand unseres Vereins deutlich machen: Alle Unterzeichner lehnen die mit dem umstrittenen Ticket-Weiterverkäufer Viagogo ab 01.07.2013 getroffenen Vereinbarungen ab und empfinden diese als eine Verletzung der Werte unseres Vereins. Dies soll die Verantwortlichen zum Umdenken veranlassen.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
Leider benötigen wir nach wie vor die Unterstützung noch weiterer Teile der volljährigen Vereinsmitglieder, die mit uns einer Meinung sind, in Form einer simplen geleisteten Unterschrift.

Sehr viele Mitglieder – vielleicht sogar du – stehen Viagogo zwar prinzipiell eher ablehnend gegenüber, konnten sich bisher jedoch noch nicht zu einer klaren Stellungnahme durchringen. Dies ist ja auch nicht leicht, wenn es scheinbar gegen den eigenen Verein geht.
 
Neben denen, die hinter ViaNOgo stehen, gibt es noch zwei weitere Gruppen, um die es jetzt gleich geht:

Die Egoisten: Unter der gewaltigen Zahl der Mitglieder gibt es beim FC Schalke – wie in jeder größeren Gruppe – die, denen der eigene Vorteil wichtiger ist als eine für alle möglichst faire Lösung. Sie sehen im Vertrag mit Viagogo eine Möglichkeit zur persönlichen Bereicherung. Diese Leute wird ViaNOgo nicht erreichen können.

Die, denen das alles nicht so wichtig ist: Man hat eine Dauerkarte oder hat keine, ist aber vielleicht ganz gut vernetzt und hat sich irgendwie kuschelig in der Vereinsfamilie eingerichtet. Irgendwoher kommt immer eine Karte, wenn man mal auf Schalke möchte.

Erkennst du dich in dieser letzten Gruppe? Dann ist das hier dein Text und deine Chance.
 
Es liegt in der Natur des Menschen, erst dann wach zu werden, wenn die ganz persönlichen Konsequenzen erkennbar sind, leider ist es dann aber oft zu spät. So mag folgende Aufstellung als Motivationshilfe gelten, um vom bequemen Vereinssofa herunterzukommen.
 
Das kann sich für dich persönlich schon bald durch Viagogo ändern:

Für dich als Mitglied:

  • Jedes Mitglied hat ein Vorkaufsrecht auf ein festgelegtes Kartenkontingent. Die Beschaffung dieser Karten stellt sich schon jetzt als mühsam dar: Website überlastet, Hotline überlastet. Nicht wenige Mitglieder verzichten daher auf die Wahrnehmung dieses Vorkaufsrechts.
  • Durch den zukünftig offiziell genehmigten Weiterverkauf mit Zugewinn (max.100% abzüglich Verkaufsprovision) ist es naheliegend, dass ein noch größerer Teil der Tickets von Mitgliedern ausschließlich zum Zwecke des Weiterverkaufs erworben wird. Über Viagogo ist dies dann legal und die letzten Skrupel werden nach und nach verschwinden.
  • Noch mehr Mitglieder als bisher werden bei der Verteilung leer ausgehen, da nichts mehr da ist, wenn man im Netz oder an der Hotline endlich durchgekommen ist. Die Weiterverkäufer haben immer die größere Ausdauer.
  • In ganz gewagten Phantasien erscheint es sogar wirtschaftlich, nur zum Zwecke von Erwerb und Weiterveräußerung der Tickets für Bundesliga und internationale Spiele in den Verein einzutreten.
  • Du wirst zukünftig weniger Karten bekommen können.

Für dich als Dauerkarten-Inhaber:

  • Für dich ändert sich wenig. Wer als Dauerkarten-Inhaber nicht zum Spiel möchte, darf die Karte zukünftig mit erheblichem Gewinn weiterverkaufen, muss das aber mit seinem Gewissen vereinbaren.
  • Als Inhaber einer Stehplatzdauerkarte konntest du bisher mit relativ wenig Aufwand bei Vorhandensein eines Einzeltickets Freunde und Verwandte
    mitnehmen. Durch die freie Blockwahl in der Nordkurve konntest du gemeinsam mit ihnen das Spiel erleben. Dies wird zukünftig schwerer möglich sein, zumindest aber deutlich teurer.
  • Durch die Möglichkeit des erheblichen Zugewinns steigt bei vielen die Bereitschaft, bei eher unattraktiven Spielen oder bei schlechtem Wetter bzw. unattraktiven Anstoßzeiten die eigene Dauerkarte mit Gewinn an anonyme Käufer zu veräußern, anstatt sich letztlich doch noch zu überwinden, selbst hinzugehen. Als Inhaber von Sitzplatzdauerkarten wirst du also zukünftig immer häufiger neben völlig fremden Leuten sitzen, die ebenso häufig auch vom gegnerischen Verein stammen können. Vorher bist du schlimmstenfalls auf die immer gleichen zwei oder drei Kumpels deines Sitzplatznachbarn getroffen.
  • Du wirst oft denken, dass es früher um dich herum netter war.

Für dich als Dauerkarten-Anwärter:

  • Wer es bisher zu einer gewissen Anzahl von Spielen pro Saison nicht in die Arena schaffen konnte, immer wieder mal auch keinen Abnehmer für seine Karte fand, überlegte sich spätestens im zweiten Jahr, ob ihm die Dauerkarte, die oft ungenutzt bleibt und die er eigentlich nicht wirklich benötigt, nicht zu teuer wird.
  • Nun kann die teure Dauerkarte durch den Verkauf von 50% aller Spiele auf dieser Karte vollständig gegenfinanziert werden. Dadurch wird die Anzahl der Dauerkarten, die zum Saisonbeginn regelmäßig neu verteilt werden, stark sinken. Als Anwärter auf eine Dauerkarte wirst du mit frustrierend langen Wartezeiten rechnen müssen.
  • Die Anzahl der Personen, die eine Dauerkarte nur zum Zwecke des gewinnorientierten Weiterverkaufs erwerben möchten, wird wie bei den Einzeltickets steigen.
  • Du kannst noch lange warten, und zwar ganz lange …..

Für dich als Gelegenheitsbesucher, der gern häufiger ins Stadion gehen würde:

  • Reguläre Einzeltickets selbst für die „vermeintlich unattraktiven“ Gegner werden nach Abschluss des Mitglieder-Vorverkaufs wie oben erläutert für dich kaum noch verfügbar sein.
  • Der Weiterverkauf mit Gewinn wird allgemein akzeptiert werden und zum Normalfall, vermutlich auch außerhalb von Viagogo.
  • Die Preise für dann reichlich verfügbare Eintrittskarten werden – vorausgesetzt die Verkäufer nutzen die 100%-Aufschlag Option – erheblich steigen. Es macht hier keinen Sinn, nur die Spitzenspiele zur Betrachtung heranzuziehen; was zählt, ist der Bundesliga-Alltag. Allein der Preis für ein reguläres Nordkurven-Stehplatz-Ticket zu einem durchschnittlichen Bundesligaspiel, welches aktuell (Saison 2012/13) 15,50€ kostet, steigt durch Viagogo inklusive Versand auf 46,48€*. Das ist für den Käufer der Karte eine Verdreifachung des ursprünglichen Preises. Wobei allerdings berücksichtigt werden muss, dass auch das regulär erworbene oder das vom Kollegen zum Normalpreis übernommene Ticket eventuell mit der Post versandt werden muss – jedoch zu geringeren Portokosten.
  • Solche Beträge werden sich nur wenige regelmäßig leisten können oder wollen. Die Hoffnung, häufiger ein Spiel seines Vereins in der Arena oder auch auswärts – wo die max. 100% Regel im Übrigen nicht gilt – sehen zu können, geht wohl nur für die in Erfüllung, bei denen Geld keine besondere Rolle spielt.
  • Du wirst nicht häufiger ins Stadion gehen, sondern seltener.

Für dich als Besucher internationaler Spiele:

  • Viele Dauerkarten-Inhaber mit weiter Anreise verzichten auf das Schalke-Total-Abo, da sie Spiele in der Woche häufig nicht sehen können. So war es für dich in der Vergangenheit vergleichsweise einfach, zumindest an Karten für internationale Spiele zu kommen.
  • Mit der Möglichkeit des erheblichen Zugewinns „rechnet sich“ ein Schalke-Total-Abo bis zum Achtelfinale bereits, wenn man nur zwei Vorrundenspiele über Viagogo weiterverkauft.
  • Es gelangen so erneut weniger Karten in den freien Verkauf.
  • Diese wenigen Karten werden zudem – wie bei den Bundesliga-Karten – noch häufiger nur zum Zweck des Weiterverkaufs erworben werden.
  • Du wirst deinen Verein auch international kaum noch im Stadion sehen können.

Für uns alle in der Arena:

  • Immer häufiger werden freie Plätze von „Einmal-Besuchern“ besetzt werden, die sich das Spiel für teures Geld leisten, für dieses Geld aber auch eine ordentliche Stimmung erwarten, ohne zu ahnen, dass sie selbst ein Teil dieser Stimmung sein müssten.
  • Immer häufiger werden wir auf dem Platz neben uns Anhänger des gegnerischen Vereins erleben.
  • Überteuerte Tickets zuhause oder auswärts werden nach und nach akzeptiert, das wirkt sich auch auf den „Verkauf unter Kollegen“ aus.
  • Wir werden erleben, dass 1000 Freunde halt nicht zusammenstehen, weil sich 50 von ihnen zu Lasten der anderen 950 die Taschen vollmachen.

 
Wenn dich als volljähriges Mitglied nun eines oder mehrere dieser Szenarien wachgerüttelt haben und du denkst: „Hey, das betrifft ja mich“, dann steh jetzt auf, wenn du Schalker bist, druck dir auf www.vianogo.de diesen Zettel mit dem Antrag aus und steck ihn unterschrieben in den Briefkasten.
Nicht morgen, heute.

Wenn du kein Mitglied oder als Mitglied noch unter 18 Jahren bist und dasselbe denkst: Sprich mit so vielen Schalkern wie möglich, suche Kontakt zu anderen Mitgliedern, besonders zu denen, die nur wenig Zugang zum Internet haben und kaum über Informationen verfügen. Bitte diese um ihre Unterstützung. Habe dazu Anträge und Kuli dabei.

Mach das, steh auf, es ist dein Verein!



*) Hier noch das Rechenbeispiel für den oben erwähnten durchschnittlichen Stehplatz bei einem ganz normalen Spiel in der Nordkurve, wie es ab 01.07.2013 aussehen wird, wenn du jetzt nichts tust:

Stehplatz Einzelverkauf (Preis der Saison 2012/2013): 15,50 €
auf +100% begrenzter Aufschlag durch den Verkäufer: 15,50 €
+15% Buchungsgebühr auf den Gesamtpreis an Viagogo: 4,65 €
MwSt. auf die Buchungsgebühr 19%: 0,88 €
Versandkosten (übliche Summe auf Viagogo): 9,95€
Das macht für dich als Käufer: 46,48€