Artikel zum Schlagwort ‘Hamburger SV’

Die Trainer seit Schaaf

Otto Rehhagel ist neuer Trainer bei Hertha BSC. Sein letzter Bundesligajob liegt schon einen Weile zurück, von 1996 bis 2001 trainierte er den 1. FC Kaiserslautern. In diese Zeit fiel es, dass in „seinem Club“, dem SV Werder Bremen, nach vier Jahren des Orientierungslosigkeit, Thomas Schaaf den Trainerposten übernahm.

Am 11.05.1999 saß Schaaf erstmals als Cheftrainer auf der Bremer Bank. Er gewann 1:0, gegen Schalke 04, gegen Huub Stevens. Außer Huub Stevens sah Schalkes Trainerbank seitdem 11 andere Verantwortliche. Seit Schaaf in Bremen das Sagen hat, warteten 30 andere Bundesligaclubs mit insgesamt 192 Trainern auf.

Für Hertha ist Otto Rehhagel nun der 13. Verantwortliche in 13 Jahren Erstligazugehörigkeit seit Schaaf. Der HSV kam in 14 Spielzeiten auch auf 13 Trainer seit Schaaf. Leverkusen mag weniger als „heißes Pflaster“ gelten, trotzdem waren es auch da 10 Trainer in 14 Jahren seit Schaaf. In Gladbach waren es 11 Trainer in 11 Jahren erste Liga seit Schaaf, und Köln kommt sogar in nur 9 Erstligajahren auf 12 verschiedene Gesichter auf der Trainerbank, seit Schaaf.

Thomas Schaaf wird Otto Rehhagels Amtszeit in Bremen überdauern. Bis dahin wird die Liste noch länger werden, aber auch bis heute ist sie schon imposant. Alle Erstligatrainer, seit Thomas Schaaf:







Foto: Bejamin Radzun

Wörtlich: Rafael Buschmann

Es grenzt schon an Scheinheiligkeit, wenn man sich erst in der Öffentlichkeit derart darüber beschwert, dass ein Trainer mehrgleisig fährt, dann aber wenige Wochen später einen Coach aus seinem laufenden Vertrag für rund eine Million Euro herauskauft.

… bei Spiegel Online in einem Text zu HSV-Sportchef Arnesen.

Huub – Version 2.0

Huub Stevens’ Rückkehr an die Schalker Seitenlinie bescherte mir vor dem Gastspiel in Hamburg Gefühle wie auf der Fahrt zu einem Klassentreffen. Eine seltsame Mischung aus kribbeliger Wiedersehensfreude und doch ernsthaften Zweifeln, ob die guten alten Zeiten nicht dann immer am schönsten strahlen, wenn man sie einfach ruhen lässt. Schließlich hat sich Hubertus Jozef Margaretha Stevens ja so gar nicht verändert. Wer in Interviews seiner eigenwilligen Sprachmelodie folgt und dabei die Augen schließt, sieht sie alle wieder vor sich: Die Klasse von 1997. Und wenn man die Augen wieder öffnet, steht da immer noch der Mann, für den der zu weit sitzende Trainingsanzug erfunden wurde. Und selbst sein Friseur lebt noch.

Zum Glück liegt die Wahrheit nicht nur an der Seitenlinie. Und auf dem Platz hat sich Stevens mit dem 1-2 Auswärtssieg erstmal genug Rückendeckung verschafft, um ohne den schalkeüblichen Druck an der Update-Version seiner bisherigen Spielphilosophie – oder was das Klischee dafür hält – arbeiten zu können.

In Hamburg begann Stevens zunächst als treuer Verwalter des geerbten Rangnick-Nachlasses. Schalke verteidigte hochstehend wie es in der ersten Ära Stevens unverzüglich unter Strafe gestellt worden wäre, nahm Petric und Guerrero schon kurz hinter der Mittellinie in Empfang, während sich Holtby in der gegnerischen Hälfte gekonnt in der Kunst des Abgrätschens übte. Gefahr entstand so nur, wenn der HSV das hohe Risiko mit Pässen in die Schnittstelle zu bestrafen versuchte. Zweimal mussten so Metzelder, der erneut am Stammplatz schnuppern durfte, und Fährmann retten. Der Schalke-Keeper hatte allerdings während der gesamten Partie sein Nervenkostüm in der Umkleide hängen lassen, was im Schalker Block die Zahl der tief sitzenden Stirnfalten zeitwillig bedenklich in die Höhe schnellen ließ.

Mit zunehmender Spieldauer verlagerte sich das HSV-Spiel nahezu ausschließlich auf die rechte Angriffseite, wo sich Fuchs wiederholt Petric und Töre gegenüber sah, zumal Jurado mit sturer Beharrlichkeit seinen Sicherheitsabstand zu jeglicher Abwehrarbeit einhielt und sein Zusammenspiel mit Fuchs nur Stückwerk blieb. Zwangsläufig kam Schalke in der Folgezeit vermehrt über rechts zu Offensivaktionen. Högers unbedrängt geschlagene präzise Flanke verwertete Huntelaar mit einem sehenswerten Kopfball zum 1:0, begünstigt allerdings auch durch die verspätete Rückkehr der Hamburger Innenverteidigung vom Sonntagsspaziergang.

Erst nach einer halben Stunde geriet die bis dahin überzeugende Schalker Ballkontrolle unvermittelt ins Stocken. Die Spielverlagerung auf die Außenbahnen gestaltete sich schwieriger, Abstimmungsprobleme zwischen Holtby, Papadopoulos und Höwedes wurden auch auf dem Platz eifrig ausdiskutiert. Schließlich ermöglichte Höwedes an der Mittellinie im Stolpermodus Petric das Kontertor.

Für die zweite Hälfte hatten beide Trainer kräftig an der Taktik gefeilt. So entstand nun fast eine spiegelverkehrte Drehung des Spielverlaufs. Der HSV zog den unermüdlichen Töre auf die brachliegende linke Seite und verlagerte so sein Spiel, während Draxler unerwartet nicht Jurado, sondern Farfan auf rechts ersetzte. Gänzlich gedreht wurde die Partie jedoch, als Stevens kurz nach der Pause Jones als echten zweiten Sechser für Holtby ins Spiel brachte. Mit überraschenden Folgen: Ohne den Ballverteiler im Mittelfeld wurde nun der bis dahin inexistente Jurado immer häufiger gesucht und die in Durchgang eins kaum geprüfte rechte HSV-Abwehrseite geriet gegen Jurado und Fuchs wiederholt ins Hintertreffen – wie auch beim sehenswerten Siegtreffer durch Huntelaar. Mehr war nicht drin, vor allem weil das Schalker Konterspiel in der Schlussphase gleich mehrfach den Tatbestand der groben Fahrlässigkeit erfüllte.

Das Klassentreffen mit Huub hat mein Gemüt jedenfalls erst einmal beruhigt: Auf dem Rasen ist er taktisch noch nicht wieder der Alte. Und das macht mir Hoffnung.



An dieser Stelle mein Dank an Torsten für die Einladung zum Gastbeitrag. Auch wenn mich im Volkspark jeglichem Hüpfsingsang entsagen musste, um das Spiel nicht aus dem Augen zu verlieren. Argwöhnende Blicke der Umstehenden inklusive.



Foto: Mark Henckel

Haifa, HSV & Huubs ESR plus X-Premiere


Haifa | HSV | ESR plus X

Schalke 04 gewinnt im ersten Europa League Heimspiel in dieser Saison gegen Maccabi Haifa mit 3:1. Erst spielten sie gut, dann schlecht, am Ende wars nicht souverän aber völlig verdient.
In diesem ersten Spiel unter Huub Stevens war die Grundformation keine neue. Vor der Abwehrkette agierte mit Joel Matip ein echter- und mit Lewis Holtby ein falscher 6er, der bei gegnerischen Ballbesitz neben Matip rückte und sich bei eigenem Ballbesitz löste. Raúl als hängende Spitze mal neben, meist hinter Huntelaar, Draxler und Farfán auf den Außenpositionen; alles schon gehabt.

Im Unterschied zu den letzten Spielen blieben Draxler und Farfán konsequenter auf den Flügeln. Sie zogen weniger häufig früh in die Mitte, sondern orientierten sich in Richtung Grundlinie, bevor sie nachgerückte Mitspieler bedienten oder flankten. Huub Stevens hatte offensichtlich Schwächen auf den Außenverteidigerpositionen Maccabis ausgemacht. Die Vorgabe ging auf, in der ersten Hälfte hatten Julian Draxler und Fuchs starke Szenen auf der linken Außenbahn, rechts setzte sich Farfán immer wieder durch, in der zweiten Hälfte wurde José Manuel Jurado auf der linken Außenbahn gut, nachdem er sich zuvor im zentralen Mittelfeld deutlich schwerer tat.

Schalke hatte die besseren Einzelspieler, hatte auch die passenden Vorgaben mit auf den Weg bekommen, tat sich aber doch lange schwer mit diesem Spiel. Dabei hatte ich nicht den Eindruck dass es an Maccabi gelegen hätte. Schalke spiele in vielen Szenen einfach unsauber, nicht genau genug, und zeigte sich vom Ausgleich in der 35. Minute deutlich überrascht.
Der Gegentreffer geht klar auf die Kappe von Ralf Fährmann, der einen Distanzschuss einfach anders klären muss als ihn dem Gegner vor die Füße fallen zu lassen – eigentlich der Fährmann-Fehler, wenn ihm ein Tor anzukreiden ist, dann meistens nach eben diesem Muster. Joel Matip erwischte eine arg gebrauchten Tag und wurde von Huub Stevens fast zu spät ausgewechselt. Lewis Holtby leistete sich ebenfalls viele Ungenauigkeiten. Und weil auch Raúl kaum richtige Bindung zum Spiel fand, blieb in der Zentrale eben kein Spieler übrig, der eine Variation zum Flügelspiel initiieren konnte.

Gegen Hamburg wird sich Schalke sicherlich steigern müssen, es wird weniger Raum geben, das Spiel wird schneller sein. Aber das ist dann wieder ein anderes Spiel. Gestern sprang der Hengst Schalke eben so hoch er musste, und weil Bukarest gegen Larnaka nicht über ein Unentschieden hinaus kam, steht Schalke nun mit 4 Punkten auf Rang 1 der Europa-League-Gruppe J.

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Ein Selbstläufer für Journalisten. Heute vor einer Woche waren sich der HSV und Huub Stevens über eine Zusammenarbeit quasi einig, jetzt kommt Stevens als Schalke-Trainer nach Hamburg und will beweisen, dass der Trainer-Rookie Cardoso ihm nicht das Wasser reichen kann.

Es war schon eine komische Geschichte, die da zwischen dem HSV und Huub Stevens abgelaufen ist. Der HSV habe von einer Verpflichtung abgesehen, weil Stevens mit Schalke verhandelte und weil man einen Trainer wolle, der sich voll und ganz zum HSV bekennt. Das klingt so naiv und unprofessionell, dass es eigentlich nur eine fadenscheinige Ausrede gewesen sein kann. In Zeitungen war immer wieder zu lesen, dass sich Vorstand Arnesen und der Aufsichtsrat des Clubs angeblich nicht auf einen Kandidaten einigen konnten. Vielleicht war die Absage an Stevens nur ein Stich in den Machtspielchen des Vereins. Vielleicht war es aber auch so, wie ich es von einem HSV-Fan in einem Forum las, dass der HSV eh keine Chance mehr hatte, nachdem sich Schalke bei Stevens meldete.

Anlässlich der Begegnung wurde ich vom HSV-Fanblock eingeladen, einen Gastbeitrag zu schreiben. Also stieg ich in die Bütt, und weil mir nicht nach kuscheln war, schrieb ich ehrlich, wie ich den HSV sehe, auch wenn das vielleicht dem einen oder anderen Fan der Rothosen nicht gefällt. Den Beitrag gibt es hier zu lesen:

Gut, dass es den HSV gibt

Ich möchte noch kurz drauf hinweisen, dass ich dort, im Gastbeitrag, das Wort zwar benutze, es aber nicht in einem erklärendem Kontext gebrauchte, sondern mich stattdessen „per Anführungsstriche über die scheinbare Allgemeingültigkeit des Begriffs lustig machte“. Oder so. Also bitte ;-)

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Jetzt aber!
Runde 7 fiel unter den Tisch. Nach dem Rangnick-Rücktritt war ich zu enttäuscht, als dass ich auf ein Spielchen dieser Art Lust gehabt hätte. Aber jetzt ist Huub Stevens da, jetzt ist schon wieder alles anders, und erneut darf man sich fragen, ob das Spiel auch bei diesem Trainer funktioniert. Wir werden sehen. Jetzt kommt Runde 8!

Nachdem in den Kommentaren dieses Blogs einige Tage kontrovers über die Verpflichtung Huub Stevens diskutiert wurde, tat ich mich mit der Auswahl einer X Frage tatsächlich ein bisschen schwer. Dem einen oder anderen scheine ich als Stevens-Gegner zu gelten, und ich wollte den „Stevens-Jüngern“ nicht mit einer provokanten Aufgabenstellung vor den Kopf stoßen. Aber da ich mir in Zukunft noch jede Menge X Fragen ausdenken muss, dachte ich mir letztlich: Pfeif drauf. Zumal das Ergebnis ja völlig offen ist …

X Frage
Am Ende des Spiels gegen Freiburg wiesen die 11 Blauen auf dem Rasen ein Durchschnittsalter von 24,9 Jahren auf. Wie wird unter Huub Stevens das Durchschnittsalter am Ende des Spiels in Hamburg sein?

Wer auf +/- 0,2 richtig liegt, erhält den Punkt. Es werden nur die vollen Jahreszahlen der Spieler zur Ermittlung herangezogen, der Durchschnitt wird auf eine Stelle hinter dem Komma berechnet.
Es sei an dieser Stelle noch darauf hingewiesen, dass Ralf Fährmann vor drei Tagen Geburtstag hatte. Gegen Freiburg war er noch 22, gegen den HSV zählt er 23 Jahre.

Naja, und die Einwechselspieler zu raten ist unter Huub eben auch neu. Ich habe keinen Schimmer und tippe einfach mal auf …

Jones
Jurado
Pukki
X 26,0

Am Tag der Deutschen Einheit ist in diesem Blog auch „Dienstruhe“. Den Text zum Spiel in Hamburg gibt’s Dienstagfrüh, kurz davor erscheint die Auswertung zu dieser ESR plus X-Runde. Bis dahin wünsche ich ein grandioses langes Wochenende, viel Erfolg für unsere Blauen und Glück auf!

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Was ist Einwechelspieler-Raten und was ist eine X Frage?
Tippabgabe bis Sonntag, 16:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen und die Antwort auf die X Frage im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Mache dabei bitte die X Antwort mit einem vorangestellten „X“ kenntlich. Für „echte Kommentare“ unter den Tipps bin ich wie immer dankbar. | Fotos: holeymoon, Mark Henckel

Einstellung der Ermittlungen gegen Diego: Recht so.

Gestern meldete der DFB die Einstellung der Ermittlungen gegen Wolfsburgs Diego. Das hat bei vielen Fans Unverständnis und Ärger hervorgerufen. Ich denke, dass die Entscheidung richtig und nachhaltig gut ist. Dumm ist nur die Inkonsequenz des DFB in der Regelauslegung.

Am Montag nahm der DFB Ermittlungen gegen Diego auf, nachdem dieser im Spiel Wolfsburg gegen Frankfurt seinem Gegner Patrick Ochs offensichtlich mit Absicht auf dessen Ferse getreten ist. Schiedsrichter Kinhöfer hatte diesen Tritt nicht gesehen, wohl aber hatte er die Situation als solche mitbekommen. Als Ochs am Boden hockte und sich an die Ferse griff bedeutete Kinhöfer ihm, er solle aufstehen und weiterspielen. Offensichtlich ging der Schiedsrichter von einem versuchten Zeitspiel aus.

Eben das erachtete der DFB nun als Bewertung der Situation, wodurch eine Tatsachenentscheidung vorliegt, die den Regeln entsprechend im Nachhinein nicht angetastet werden kann. Wohlgemerkt: Diego wurde nicht freigesprochen! Es ist lediglich so, dass auf Grund der Umstände die Beweise nicht herangezogen werden dürfen.

Man mag nun „Paragraphenreiter“ oder „Bürokratenspinner“ rufen, man mag anführen, dass das nicht im Sinne der Gerechtigkeit sein kann. Das kann ich nachvollziehen. Ich denke aber, dass es im Sinne des Spiels ist, die „Tatsachenentscheidung“ als oberstes Gebot unangetastet gelten zu lassen.

Der DFB hat mit diesem Fall bestätigt, dass das, was der Schiedsrichter sehen kann(!), was sich also in seinem Blickfeld abspielt, im Nachhinein nicht umgedeutet werden darf, selbst wenn der Schiedsrichter sagt, dass er ein Vergehen nicht gesehen hat. Wäre dem nicht so, könnte nach schlichtweg jeder Fehlentscheidung der Ruf nach Regulierung folgen, Schiedsrichter sehen ständig irgendwas nicht, sonst gäbe es keine Fehlentscheidungen. Diesen Grundsatz würde ich gut finden, wenn es denn ein Grundsatz wäre. Leider gibt es Beispiele, in denen der DFB andere Vorraussetzungen für das Argument „Tatsachenentscheidung“ festlegte.

Die Möller-Schwalbe natürlich, oder die Flugeinlage, mit der Mehdi Madavikia im Verbund mit Schiedsrichter Lutz Wagner im Jahr 2007 für den HSV die Saison umbog. Damals war es so, dass es kein Ermittlungsverfahren gegen Mahdavikia gab, weil Lutz Wagner trotz eindeutigster TV-Bilder seinen Fehler nicht zugeben wollte und bei der Behauptung blieb, es habe ein Foul gegeben. Ich – damals junger Blogger, temperamentvoll – hatte mich über dieses Gegenteil von Fairness fürchterlich aufgeregt. Hätte damals der Grundsatz wie im Fall Diego gegolten, hätte Wagner nicht beharren müssen, denn dass eine Strafstoßentscheidung stets im Blickfeld des Schiedsrichters liegt, ist klar.

Ich bin grundsätzlich gegen Videobeweise, Chips oder Torkameras, meines Erachtens sollte das Spiel bleiben wie es ist. Ich fände es gut, wenn der DFB generell die Entscheidungen und Fehler der Schiedsrichter nicht antasten würde. Es ist die Unstetigkeit des DFB, die es so kompliziert macht.



Foto: Michael Thurm

Missratenes Experimentieren

Nachdem Sergio Escudero und Atsuto Uchida beim Pokalspiel in Ahlen nicht überzeugen konnten, probierte Felix Magath was Neues und spielte ohne Außenverteidiger. Deshalb, weil außerdem Christoph Metzelder hoffentlich immer noch nicht auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit ist, und weil Benedikt Höwedes mit Gelb / Rot vom Platz flog, konnte Schalke beim Spiel gegen den HSV am Ende froh sein, nicht noch höher verloren zu haben.

Offensiv gelang Schalke kaum etwas. Die Anzahl der Fehlpässe war atemberaubend. Eine toller Pass von Farfán auf Edu, der an Frank Rost scheiterte, ein paar Distanzschüsse, das war es auch schon. Raúl war ohne jede Bindung zum Spiel und hinter den Spitzen klaffte stets ein 20 Meter tiefes Loch, dass jedes Kombinationsspiel unmöglich machte. Weshalb der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer durch Farfán fast zwangsläufig aus einer Standardsituation entstehen musste.

Bis zur Halbzeit war ich noch hoffnungsvoll. Das Spiel war von beiden Mannschaften nicht gut aber es war spannend und von recht hohem Tempo. Der HSV tat sich zunächst auch nicht leicht, das Spiel zu gestalten und ließ sich zwischenzeitlich zu weit zurückfallen. Vor der Pause hatte Schalke noch das nötige Glück. Nach der Pause half Glück dann auch nichts mehr. Dann trat zu Tage, dass man mit experimentell eingesetzten Ersatzaußenverteidigern gegen eine Mannschaft, welche als beste Waffe das Spiel über Außen hat, zu schlecht aufgestellt ist.

Pitroipa und Elia waren für Hao und Matip zu gut. Hao machte in der letzten Saison im Mittelfeld ein paar ordentliche Spiele, Matip wusste auf der Sechserposition und als Innenverteidiger zu überzeugen. Beide sind keine Außenverteidiger. Hinzu kam, dass der Rest des Defensivblocks ebenfalls nicht harmonierte. Christoph Metzelder kam häufig einen Schritt zu spät, die Leistung Kyriakos Papadopoulos’ kann bestenfalls als „bemüht“ eingestuft werden und Jermaine Jones wusste vor lauter Löcher nicht mehr, wohin er zuerst laufen sollte. Als Benedikt Höwedes vom Platz musste spielte Schalke quasi ohne Verteidiger. Was man bei der Draufsicht im TV während der Rückwärtsbewegung zu sehen bekam, konnte man getrost als „Hühnerhaufen“ bezeichnen.

Felix Magath hat mit seinen Aufstellungen immer wieder experimentiert und häufig hat er dabei gewonnen. Diesmal ist es in die Hose gegangen. Schalke ist auf diesen Saisonstart nicht gut vorbereitet. Felix Magath will noch neue Spieler holen und dem Kader eine neue Spielweise einimpfen. Aktuell hat die Mannschaft weder eine neue, noch eine alte Spielweise, aktuell fehlt es ihr an Identität. Es sieht aus, als stünde dieser Mannschaft noch ein langer Weg der Veränderung bevor. 90 von 3060 Minuten sind gespielt.

Von fehlenden Fitzelchen und nötigem Umdenken

Ein Punkt in Hamburg! Nur ein Punkt aus Hamburg. Ein Punkt nach Rückstand zur Halbzeit. Nach Führung noch 2 Punkte verloren. Es war ein Spiel, dass jeder sehen kann wie er will. Alle haben recht.

Aus der Erfahrung, dass Schalke schon so häufig eine bessere zweite Hälfte gespielt hat, habe ich gelernt, mit einem 0:0 zur Halbzeit zufrieden zu sein. Gestern war in der ersten Halbzeit aber alles irgendwie falschrum. Schalke lieferte ein ansprechendes Spiel und der HSV glänzte durch Effektivität. Nachdem Van Nistelrooy mit dem zweiten Schuss auf Neuers Tor die Führung erzielte, ärgerte mich doch sehr, dass die Blauen aus viel Ballbesitz und genügend Raum nichts zählbares schaffen konnten.

Aus Erfahrung habe ich auch gelernt, dass sich Schalke seit Felix Magath durch einen Rückstand nicht entmutigen lässt, sich eher angespornt zeigt, und darauf kann man sich auch weiterhin verlassen. Die erwartete Einwechslung Baumjohanns brachte Schwung, der Wechsel Edu für Matip noch mehr Offensive, und so entwickelte sich der Schlagabtausch, der mir gleichzeitig Spaß und graue Haare bescherte. Druckvoll ging es nach vorne, das „Die wissen nicht wie-Gefühl“ der letzten Jahre gibt es längst nicht mehr, diese Mannschaft ist immer gefährlich. Aber hinten, herrje, kam immer wieder jemand durch, gab es immer wieder Freistöße in der gefährlichen Zone.

Ich hätte mir nach der Führung den zweiten Magath’schen „Standardwechsel“ gewünscht. Farfan opfern, Christoph Moritz auf den Platz, mit zwei Stürmern und Raute dahinter über Platzbreite defensiv besser stehen. Felix Magath sah und sieht das anders. Seiner Ansicht nach hat sich seine Mannschaft nach der Führung zu weit zurückgezogen. Felix Magath ist Meister und Chef. Ich werde anders denken lernen müssen.

Ärgere ich mich nun also über das fehlende Fitzelchen, als Rincon noch so eben die Schädeldecke in Position bringen konnte oder Mathijsen den Ball von der Linie kratzte, oder ärgere ich mich über die Tatsache, dass Pitroipa tun und lassen konnte was er wollte und Trochowski stets freie Fahrt durch Mittelfeld hatte?
Vielleicht lasse ich das mit dem Ärgern ausnahmsweise und freue mich stattdessen über einen Punkt aus einem spannenden Spiel, dem zweiten Spiel von fünf der erklärten „Wochen der Wahrheit“ – der vierte Punkt. Sieben Punkte vor Platz 4, elf Punkte vor Platz 6, das fühlt sich gut an. Da kratzt mich die „verpasste Tabellenführung“ nach 27 Spieltagen nicht die Bohne.



PS: Bruno Labbadia sagte nach dem Spiel, dass seine Mannschaft das Spiel gut im Griff gehabt und kaum Chancen zugelassen hätte. Meines Erachtens muss er in den letzten Tagen arg wenig Schlaf bekommen haben. Oder er übt sich in Van Gaal’scher Provokation.