Artikel zum Schlagwort ‘Hamburger SV’

Sonntagnachmittag gegen den HSV

Saison 2017/2018, 12. Spieltag: Schalke 04 – Hamburger SV
 
Glückauf königsblog. Sonntagnachmittag gegen den HSV. Schalke bislang mit 11 Punkte zuhause, das beste Heimteam kommt auf 13. Der HSV auswärts mit bislang nur einem Sieg und vier Niederlagen. Das Kräfteverhältnis sollte eigentlich klar sein. „Eigentlich“, da die Blauen eventuell ohne Leon Goretzka auskommen müssen, und da sie ganz sicher ohne Nabil Bentaleb antreten werden, der gerade bei einem Ausfall Goretzkas hätte in den Fokus rücken sollen. Bleibt doch wieder vor allem ein Ma’kucken, wie Domenico Tedesco diese Probleme zu lösen gedenkt.

Fühlt Euch eingeladen, alle Gedanken, Erwartungen, Meinungen und Bewertungen zu diesem Spiel unter diesen Beitrag zu schreiben.


Vor dem Spiel

Was wir in dieser Woche produziert haben hat nicht direkt mit dem Spiel gegen den HSV zu tun, wohl aber viel mit Schalkes Trainer Domenico Tedesco, auf den es natürlich auch am Sonntag wieder ankommen wird. Wir sind in diesem Fall Pepo, Karsten und ich.

Am Sonntag nahmen wir eine neue Folge unseres Podcasts Blauer Salon auf. Um ehrlich zu sein, ich war nach unserer Aufnahme etwas verstört, etwas unglücklich mit dem Produkt. Irgendwie hatten wir viel erzählt ohne was auszusagen, ich selbst empfand mich als schlecht vorbereitet. Wir blubberten die Sendung entlang. Aber letztlich wurde daraus das Programm. Pepo überschrieb die Folge mit „Klamauk mit Torsten, Pepo und Karsten“, ziemlich genial, meine Erachtens, weil er mit diesem Turn den Blick aufs Ganze in eine passende Richtung steuerte. Und tatsächlich haben wir für diese Folge bereits viel positives Feedback erhalten! Die Hörer fühlten sich offensichtlich ganz gut unterhalten, und das ist für einen Podcast eben ein großartiges Ergebnis.
 

 
Ein wesentlicher Bestandteil der besagte Podcast-Episode war die Erzählung Karstens zu seinem Treffen mit Domenico Tedesco. Karsten ist ja bekanntlich der Betreiber des Schalke Taktikblogs Halbfeldflanke. Es soll sich so zugetragen haben, dass Schalkes Trainer auf Taktikblogs angesprochen wurde und entgegnete, dass er spielverlagerung.de kennen würde. Die Frage, ob er denn auch wüsste, dass es ein Taktikblog gäbe, dass sich ausschließlich mit Schalke 04 beschäftigen würde, habe er verneint, woraufhin er aber interessiert war, den Kontakt herstellen ließ und Karsten einlud, ihn mal zu einem Kennenlernen zu besuchen. Aus diesem Treffen entstand ein Interview über des Trainers Blick auf die Taktik seines Teams, das Karsten in seinem Blog veröffentlichte: „Ich will den Gegner auf dem falschen Fuß erwischen!“ Karsten dutzt unseren Trainer nun übrigens. Im Interview beließ er es allerdings bei der Sie-Form. Er tut halt gerne seriös, der Podcastkumpel ;-)

Achte Niederlage beim Gruselkick in Hamburg

Schalke verliert sogar in Hamburg und schickt seine Fans mit der nächsten Enttäuschung in die Winterpause. In einer Partie auf niedrigstem Bundesliganiveau war Schalke noch ein bisschen schlechter als der HSV und verlor das Spiel verdient mit 2:1.

Welch ein Gerutsche. Welch ein Gestochere. Welch ein Gepöhle. Es war ein Spiel wie auf Schnee, nur ohne Schnee. Die Passquoten beider Teams waren katastrophal, Spielzüge gab es nicht im Ansatz. Der Ball flipperte über den Platz und beide Teams versuchten, ihn wie auch immer in die richtige Richtung zu bugsieren.

Bei der Verkündung der Startaufstellung war ich froh, dass Geis im Mittelfeld aufgestellt wurde. Gegen Freiburg spielte er in der Innenverteidigung und fehlte als Absicherung hinter Bentaleb und Goretzka. In meiner Theorie sollte er als absichernder 6er dem Duo Bentaleb/Goretzka mehr offensive Spielgestaltung ermöglichen. Allein es funktionierte nicht.

Niemals in diesen 90 Minuten gelang es Schalke, wirklich ein Spiel aufzuziehen. Immer war alles Stückwerk, und immer wieder führten Stockfehler zu Ballverlusten. Spannend war es nur, weil Hamburg auch nicht wirklich besser war. Letztlich machte aber Schalke mehr Fehler in der Rückwärtsbewegung, die dann vom HSV genutzt wurden.

Dies war die achte Niederlage der laufenden Saison. Schalke 04 hat tatsächlich die Hälfte seiner bisherigen Bundesligaspiele verloren. Nach 16 Spieltagen hat man lediglich 18 Punkte auf dem Konto. Man muss schon weit zurückblicken, um das zu unterbieten. Im Dezember 1998 standen für das Team der Blauen unter Huub Stevens lediglich 17 Punkte zu Buche. Fürchterlich schlecht. Und trotzdem hege ich kein Zweifel an Trainer Markus Weinzierl.

Nach dem missratenen Saisonstart haben wir eine Weile ziemlich guten Fußball sehen können. Es war zu erkennen, wie sich dieses Team entwickelt, wie es sich mehr und mehr aneinander gewöhnte und an Sicherheit gewann. Die Begegnung in Leipzig wurde ob des Tabellenplatzes Leipzigs und ob der Serie Schalkes als Spitzenspiel deklariert, was niemand wirklich als falsch empfand – das ist gerade 18 Tage her.

Dass Schalke nun mit zwei schwachen Leistungen in die Winterpausen schlitterte ist bitter. Andererseits gibt es wohl nicht viele Clubs in der Liga, welche den Ausfall von allen etablierten Stürmern und zwei Stamm-Innenverteidigern mit zwei Siegen hätten beantworten können. Die Pause kommt gerade recht. Im Januar gibt es den Neustart und der Marathon „Bundesligasaison“ ist noch nicht mal zur Hälfte gelaufen.

Ach ja: Als Schalke damals, 1998, mit Huub Stevens, nur auf 17 Punkte in 16 Spielen kam, spielte die Blauen zwei Jahre später ihre beste Bundesligasaison seit 1972, mit eben dem gleichen Trainer.

„Team Marktwert“

… oder: Diskussionswürdige Idee, aber chancenlos

Mitte letzter Woche sorgte eine Meldung für Aufsehen: Sechs Bundesligaclubs haben sich zu einer Gruppe formiert, die sich über eine Veränderung in der Verteilung der Gelder aus dem zukünftigen TV-Vertrag beraten will. Dabei soll das Geld nicht mehr nur nach dem Leistungsprinzip verteilt werden. Auch Faktoren wie Beliebtheit und Bekanntheit sollen als Faktoren geltend gemacht werden.

Die Gruppe gab sich den Namen „Team Marktwert“, und da es sich bei den sechs Clubs (Hertha BSC, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen) mehrheitlich um Bundesligisten handelt, die aktuell gegen den Abstieg kämpfen, waren die Häme-Kübel der social networks flott gefüllt. Diese Clubs suchten nach Geld, weil sie sportlich nichts mehr auf die Reihe bekämen, hieß es. Man hätte sich stattdessen lieber „Team Misswirtschaft“ nennen sollen. Diskutiert, oder auch nur auf die Pressemittelung der Clubs eingegangen, wurde kaum. Selbst ein Text bei Spiegel Online kommt zu einer Bewertung dieser Clubs als sportlich zu schlecht, ohne sich die Mühe zu machen auf Argumente für eine neue Gelderverteilung einzugehen. Schade, denn ein Blick darauf lohnt, meines Erachtens.
 
 
Was will „Team Marktwert“?

Die Gruppe will den Kriterien zur Verteilung der TV-Gelder eine dritte Komponente zufügen. Bislang werden zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Betrags gleichmäßig an die Clubs verteilt, ein Drittel wird auf Grund sportlicher Ergebnisse zugewiesen. Dem Namen entsprechend möchte „Team Marktwert“ zukünftig eine Wertung einbeziehen, in der dargestellt wird, welcher Club wieviel Anteil am Wert der Bundesliga hat. Wie genau diese Wertigkeit festgestellt werden soll, dazu wird man noch nicht konkret. Es wird aufgeführt, dass diese aus „objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“ errechnet werden könnte. Die Gruppe versteht sich als nun startendes Projekt. Ausdrücklich werden andere Clubs – auch Zweitligisten – eingeladen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Weiterhin weist die Gruppe darauf hin, dass es in „allen großen internationalen Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande)“ ähnliche Verteilungsmodelle gäbe, bei denen 25 bis 30 Prozent der Medienerlöse nach Marktwert-Kriterien ausgeschüttet würden.
 
 
Was man dagegen haben kann

Wer bislang gegen das Vorhaben des „Team Markwert“ argumentierte führte vor allem an, dass sportlichen Ergebnisse bei der Gelderverteilung weniger gewichtet würden. Auch Schalkes zukünftiger Manager Christian Heidel, ein stets meinungsstarker Mann, brachte sich als Gegner des „Team Marktwert“ in Position. Er würde Leistung lieber höher bewerten. Bei den Ideen der Gruppe würde man sich auf Tradition berufen, die 50 Jahre zurückliege, aber nichts mit der Leistung der Clubs heute zu tun habe. In der Berliner Morgenpost sieht Journalist Uwe Bremer das Vorhaben des „Team Marktwert“ als einen Schritt zur Bundesliga als geschlossene Gesellschaft. Die Pläne zielten gegen das Verständnis von Sport und würden den „Kleinen“ das Aufsteigen erschweren.
 
 
Wieso ich den Ansatz des „Team Marktwert“ für bedenkenswert halte

Zunächst ist festzuhalten: Das Wort „Tradition“ kommt in der Mitteilung des „Team Marktwert“ nicht vor. Um die von der Gruppe genannten Kriterien einfließen zu lassen braucht es handfeste Kennzahlen. Diese zu verhandeln, festzulegen, und zu vermitteln ist die zukünftige Aufgabe der Gruppe. Es muss gewährleistet sein, dass Clubs ihre Kennzahlen verbessern können.

Grundsätzlich halte ich es keineswegs für irgendwie unfair, dass Clubs, die einen größeren Teil zur Attraktivität der Liga beitragen, davon auch monetär profitieren. TV-Gelder sind kein ausgelobtes Preisgeld einer neutralen Instanz. TV-Gelder werden bezahlt, weil sich die Rechte gut weiterverkaufen lassen, weil Zuschauer dafür bezahlen.

Meines Erachtens wird die Liga aber beständig unattraktiver. Clubs mit weniger Fananhang, die weniger Zuschauerinteresse generieren, deren Storys weniger Zeitungen verkaufen und weniger Klicks generieren, lösen Clubs ab, die für eine „bunte Liga“ sorgen. Das liegt keineswegs ausschließlich an guter Arbeit hier und schlechter Arbeit dort. Bei den „Werksclubs“ aus Leverkusen und Wolfsburg, sowie bei Clubs wie Hoffenheim und Leipzig versagte die Politik der Liga in Form der 50+1 Regelung, die sich, wenn es hart auf hart kommt, rechtlich nicht durchsetzen lässt.

Sind wir doch mal ehrlich: Würde die TSG Hoffenheim ausschließlich für ihren Anteil an der Attraktivität der Liga entlohnt, bekäme sie von den TV-Geldern wohl gar nichts ab. Aber die von „Team Marktwert“ vorgeschlagenen Kriterien sollen das Leistungsprinzip nicht ablösen. Sie sollen als zusätzliche Faktoren dazukommen. Wieso dies zu einer „geschlosseneren“ Bundesliga als heute führen sollte, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Will man das Auf und Ab zwischen den beiden Profiligen fördern, muss man das Gefälle zwischen den beiden Ligen reduzieren und vielleicht die Relegation abschaffen. Das sind vollkommen andere Ansätze. Bislang ist nichts davon bekannt, dass das „Team Marktwert“ der zweiten Liga weniger Geld zukommen lassen will. Man will das Geld lediglich anders verteilen – auch im Liga-Unterhaus.

Meines Erachtens kann der Ansatz des „Team Marktwert“ für den deutschen Profifußball ein Instrument sein, auf rechtlich einwandfreiem Weg und transparent die für ein großes Publikum interessanten Clubs zu unterstützen und damit die Attraktivität der Liga bestmöglich zu bewahren.
 
 
Warum „Team Marktwert“ aber meines Erachtens keine Chance hat

Natürlich vertritt jeder Club seine eigenen Interessen. Solidarität gibt es in den Profiligen nur, solange dabei alle Geld verdienen. Es muss das Ziel von „Team Marktwert“ sein, auch die sportlich erfolgreichen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 von ihren Ideen zu überzeugen. Es ist aktuell aber davon auszugehen, dass diese Clubs mehr Geld bekommen, wenn es bei der stärkeren Gewichtung von sportlichen Erfolgen bliebe. Insofern fällt es Christian Heidel auch mit Blick auf seinen zukünftigen Job leicht, die Ideen des „Team Marktwert“ zu kritisieren. Den für alle gleichen Sockelbetrag zu reduzieren würde erst recht viele kleinere Clubs zu Widerstand aufrufen. Mir erscheint es fast unmöglich, dass der am Ende stehende Vorschlag des „Team Marktwert“ so vielen Clubs Vorteile gegenüber der aktuellen Regelung beschert, dass er Mehrheitsfähig sein kann.

Bedenkenswert ist er aber allemal. Diskussionswürdig sowieso.



Dieser Text wurde erstmals gestern bei Westline veröffentlicht. Weitere lesenswerte Blogtexte zum Thema „Team Marktwert“ wurden von Axel Goldmann und Andreas Riedl verfasst:

Der vierte Offizielle: Team Marktwert
Rosenau Gazette: Warum Team Marktwert nicht zu Ende denkt


Schalke siegt trotz Perl

Schalke gewinnt 3:2 gegen den HSV. Eine Leistung mit vielen Unzulänglichkeiten, trotzdem ein unterhaltsames Spiel und ein verdienter Sieg.

Das Gespann um Schiedsrichter Günter Perl hatte einen ganz schlechten Tag. Der Treffer Klaas-Jan Huntelaars hätte nicht zählen dürfen, er entstand aus einer Abseitsposition. Zuvor hatte Perl zwei klare Strafstöße für Schalke nicht gegeben und auch in anderen strittigen Situationen zeigten sich die Unparteiischen unsicher. Letztlich wurde Schalke durch die beiden ausgebliebenen Strafstöße benachteiligt. Sehr bitter für diese junge Mannschaft, die nach den Misserfolgen der letzten Spiele arg unter Druck stand.

Wie sehr sie unter Druck stand, konnte man an ihrem Spiel sehen. Schalke machte das Spiel, Schalke kam zu vielen Abschlüssen, Schalke zeigte den notwendigen Einsatz. Trotzdem war vieles holperig, wackelig. Der Aussetzer Roman Neustädters, der zum frühen Rückstand führte, trug seinen Teil dazu bei, dass es den Blauen nicht gelang, Souveränität in ihr Spiel zu bringen. Mit dem Ball am Fuß ging jedem Schalker Verteidiger immer wieder die Düse. In der ersten Hälfte war das Umschaltspiel nach Ballgewinnen furchtbar langsam, und das recht gelungene Pressing des HSV zeigte immer wieder Wirkung.

Nach dem Platzverweis gegen Johan Djourou wurde der HSV in der zweiten Halbzeit total passiv. Nun war es an Schalke, eine tiefstehende Abwehr auseinanderzuspielen, was eher schlecht als recht gelang. Abschlüsse resultierten eher aus Zufälligkeiten denn aus Spielzügen. Der Druck war da, auch der Einsatz, der Wille, die zündenden Ideen fehlten dennoch.

Zum Glück reichte es. Letztlich war es ein nie langweiliges Spiel. Ein wichtiger Sieg, weil Schalke den Erfolg brauchte, weil Schalke schon wieder kurz davor war, sich nach den Misserfolgen der letzten Zeit selbst runterzuziehen. Ein Sieg mit einem Gegentreffer in der Nachspielzeit, als das Stadion feierte, der als kleines Sternchen am Ergebnis taugt. Ein Sternchen das daran erinnert, dass dieser Sieg verdient, aber trotzdem nicht so „laut“ gut war, als dass man sich zufrieden zurücklehnen sollte. Ein Sieg der Moral. Spielerisch muss sich Schalke erheblich steigern, wenn die Saison ordentlich abgeschlossen werden soll.

Growin‘ Up

Schalke siegt schon wieder, 1:0 in Hamburg. 70 Minuten hatten die Blauen das Spiel vollkommen im Griff, erst in der Schlussphase geriet man leicht ins Schwimmen. Meines Erachtens der bislang „erwachsenste Sieg“ dieser jungen Mannschaft in der bisherigen Saison.

Max Meyer agierte als „echter 10er“ hinter der einzigen Spitze. Nach der verletzungsbedingten Umstellung in der 6. Minute gab Leon Goretzka den zentralen Mittelfeldspieler. Johannes Geis gab im Spielaufbau aus der Abwehr den „Quaterback“, rückte ballführend zwischen die beiden Innenverteidiger. Diese Rookie-Achse aus Geis (22), Goretzka (20) und Meyer (20) bestimmte Schalkes Spiel in Hamburg.

Gerade Max Meyer machte meines Erachtens ein viel besseres Spiel als noch gegen Frankfurt auf gleicher Position. Er verteilte die Bälle, gewann Zweikämpfe, machte fast aus jedem Ballbesitz „irgendwas“. Er weiter vorne, Goretzka und Geis weiter hinten: Das Mittelfeld hatte Schalke im Griff, und damit das Spiel, fast über die gesamte Spielzeit.

Hamburg war erst in der Schlussphase gefährlich. Und auch dabei „kreierte“ Schalke. Als Aogo in der 88. Minute eine Lasogga-Hereingabe unglücklich Richtung Tor abfälschte; als der Ball nach einem Hamburger Freistoß in der Nachspielzeit vor dem Tor zwischen Fährmann und Höwedes hin und her flipperte. Momente zum Durchatmen für Schalker, Chancen für den HSV – es wäre ein unverdiente Punkteteilung gewesen.

Denn über die gesamte Spielzeit war Schalke die klar bessere Mannschaft. Gerade die erste Halbzeit wäre „perfekt“ gewesen, wäre nur eine der guten Chancen zu einem Tor geworden, hätte der HSV einen anderen Torwart als Jaroslav Drobny im Kasten gehabt. So brauchte es wieder eine „besondere Situation“, welche von Goretzka geschaffen und Sané vollendet wurde. Aber diese Jungs habe eben auch das Talent dafür, es ist ein Vorzug für Schalke Fans, bei dieser Mannschaft auf sowas hoffen zu dürfen.

Vier Bundesligaspiele, fünf Pflichtspiele in Folge hat Schalke nun gewonnen. Die Juppeidie-Storys in den Zeitungen stehen an. Es wird uns erklärt werden, warum nun alles so viel besser ist als in der letzten Saison, warum diese Saison nun toll verlaufen wird. Es wird aufgebaut, damit man demnächst was zum Abbauen hat.
Im Oktober hat Schalke 7 Spiele mit dem schweren Doppel gegen Gladbach, das Ligaspiel auswärts, das Pokalspiel auf Schalke. Im November muss Schalke hintereinander gegen Dortmund, München und Leverkusen antreten. Da wird es Niederlagen geben. Da werden Teile der Schalke Nation das Meckern anfangen. Das wird sich nicht verhindern lassen. Deshalb gilt für Schalke jetzt, zu punkten, und für uns, uns des Erfolgs und der guten Stimmung allenthalben zu freuen.



Fotos: Steindy, Tomek Bo

Die Relegation: Dramatik als Qualität

Die Relegationsspiele zwischen dem Hamburger SV und dem Karlsruher SC boten viel schwachen Fußball, aber letztlich eben doch viel Dramatik. Davor, währenddessen und danach: Immer wieder höre oder lese ich, dass man die Relegation unbedingt abschaffen müsse, weil sie nicht fair sei. Ich kann das nicht verstehen. Fairness im Profiwettbewerb ist eine Illusion und der gestrige Showdown war ein Highlight, wenn nicht das Highlight der Saison! Davon lebt die Liga.

Die Bundesliga hat einen Meister für den die Schale nicht mehr als ein Trostpreis ist, für den die Bundesliga nur noch Trainingsbetrieb darstellt. Einen Kampf um den Titel gibt es nicht mehr, an ihrer Spitze ist die Liga gähnend langweilig. Der Pokalwettbewerb hat Charme, aber der diesjährige, vom Weltkonzern gepimpte Titelträger ist so sympathisch wie ein Furunkel am Hintern, und die Feier dieses Titelgewinns war kaum mehr als ein Betriebsausflug. Nichts, was dem Fußballfan irgendwelche Emotionen hätte bescheren können. Natürlich ist da für Vereinsfans noch der Kampf um die Plätze, aber dabei geht es eben nur um Zukunft. Emotionen müssen aber im Hier und Jetzt gelebt werden.

Im gestrigen Relegationsspiel konzentrierte sich eine Saison auf kaum mehr als eine Stunde. Etablierte Großkotze kurz vor dem Fall. Emporkömmlinge mit mehr Herz denn Plan. Ein Plot der sich zu der Geschichte „historischer Ligawechsel“ aufbaute, der dann durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters umgestoßen wurde; der dann auf ein Elfmeterschießen als dramatischste Variante zulief, aber auch von dieser Schiene gerissen wurde, durch die Entscheidung, kurz vor Schluss.

Das ist Bundesliga. An eine im April feststehende Meisterschaft mit 15 Punkten Vorsprung kann sich in zwei Jahren niemand mehr erinnern. Das gestrige Spiel wird ewig in Erinnerung bleiben. Bei HSV- und KSC-Fans, und bei allen diesen Freaks, für die der Fußball nicht nur aus Taktiktafeln besteht, für die Qualität nicht erst im Viertelfinale der Champions League beginnt, die eben auch Leidenschaft und Dramatik als Qualität erachten.

Der letzte Job

Da steht er nun. Die Mundharmonika spielt. Überall Staub.

Er hatte ein schlechtes Jahr. Probleme. Er wird mit ihnen nicht fertig, ist unorganisiert, lebt von der Hand in den Mund. Noch fühlt er seinen Stolz, ab man sieht ihn ihm nicht mehr an. Er wankt. Er versucht selbstsicher zu wirken, aber das nimmt ihm niemand mehr ab. Er ist froh, wenn er zur Ruhe kommen kann. Aber da ist noch ein letzter Job.

Da ist noch der Andere, den er zu erledigen hat.

Dem Anderen geht es noch schlechter. Vor 25 Jahren war der Andere noch eine große Nummer. Damals konnte er sich nicht mit ihm messen. Als er später selbst fast ganz oben war, hatte der Andere seinen Anteil daran, dass er doch wieder scheiterte. Doch danach ging es mit dem Anderen stetig bergab. Nun hat er ihn an der Kandare. Sie konnten sich noch nie leiden.

Der Andere darf ihm nicht entwischen. Das darf nicht auch noch passieren, jetzt, da sie eh schon alle auf ihn zeigen, über ihn reden. Er muss es schaffen, auch wenn er längst daran zweifelt, dass es ihm Genugtuung bringen wird. Letztlich sind sie sich doch arg ähnlich.

Überall Staub. Die Mundharmonika spielt. Da steht er nun. Und wankt.