Laut rein, leise raus

27. Januar 2010, Torsten Wieland

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Der HSV umjubelt Ruud van Nistelrooy und vergisst dabei Mehdi Madavikia. Während der große Holländer noch seine erste Spielminute für den HSV heil überstehen muss, hat der vergleichsweise kleine Iraner den HSV einst per Tiefflug gerettet – und verlässt nun leise die Liga.

Ruud van Nistelrooy hat eine eingebaute Torgarantie. 118 Tore in 186 Einsätzen in England und Spanien, eine bessere Quote lässt sich nicht einkaufen. Bliebe nur der Haken, dass es mit den Einsätzen zuletzt nicht so klappte. Zwei Spiele innerhalb eines Wochenrhythmus’ absolvierte er zuletzt im Oktober 2008. Aber jetzt soll er wieder ganz fit sein. Wir werden sehen.

Mehdi Madavikia war dagegen Mister Zuverlässig, gerade im Dienste des HSV. Und seine nachhaltigste Leistung war seine Schwalbe am 10. Februar 2007. Schon zur Winterpause der Saison 06/07 war Hamburg Letzter, und auch nach 20 Spieltagen stand der Club mit lediglich einem Sieg, 12 Unentschieden und sieben Niederlagen am Ende der Tabelle. Der Trainerwechsel alleine, Huub Stevens für Thomas Doll, reichte nicht, dem Dino lag der Schwanz auf Grundeis. Es brauchte den Anstoß des Mehdi. Oder besser den Abstoß desselbigen vom Boden, denn nachdem Mahdavikia in der 10. Minuten des Spiels gegen Borussia Dortmund am 21. Spieltag den Ball am BVB-Torwart Weidenfeller vorbei legte, hob er freien Willens, vielleicht gar einer höheren Eingebung folgend ab, und als er wieder aufkam, wurde alles gut.

Der HSV gewann das Spiel 3:0, holte fortan noch weitere 27 Punkte und schaffte es am Ende noch zur WM auf Platz 7. Gestern unterschrieb der mustergültige Profi bei seinem letzten Bundesligaclub Eintracht Frankfurt einen Auflösungsvertrag und verlässt die Liga Richtung iranische Heimat. Genau weiß man es nicht, aber wohlmöglich hätte es ohne Mehdi nie ’n Ruud in Hamburg gegeben.

„Der S04 ist wieder da!“

26. Oktober 2009, Torsten Wieland

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… hallte es in der zweiten Halbzeit zur Melodie von „When the Saints Go Marching In“ durchs Stadion. Im Sinne von „Die Mannschaft lebt wieder“ oder auch „ .. nimmt wieder am Fußball in seiner schönsten Form teil“ passte dieser Gesang wie die Faust aufs Auge. Das „Hier regiert der HSV!“, welches prompt nach jedem Hamburger Tor aus dem Gästefanblock zu hören war, wirkte hingegen etwas großspurig und neureich. Tatsächlich regierte in diesem grandiosen Spiel zu keiner Zeit irgendeine Mannschaft.

Zugegeben, zur Halbzeit brauchte man sich aus Schalker Sicht über die Hamburger Führung nicht zu beschweren. Da war es das hundertmal gesehene Spiel zwischen zwei engagierten Mannschaften die beide ihre Chancen hatten, in dem die besseren Einzelspieler die entscheidenden Aktionen entschieden. Dem Tempo eines Eljero Elia hat kein Schalker etwas entgegenzusetzen. Der Eleganz Zé Robertos erst recht nicht.
Und doch ist eben alles anders, neuerdings. Jetzt ist da eine Schalker Mannschaft auf dem Platz, die auch bei einem Stand von 0:2 nochmal alles versucht, und sei es nur, um den Leuten zu zeigen, dass sie es will. Und befeuert durch ein Tor wie aus heiterem Himmel zündet dann auch der nächste Schub, stehen 60.000 wieder zusammen und lassen den Abend wieder zu einem Erlebnis werden nach dem es einen dürstet, nach Jahren in denen einem erzählt wurde, dass es nichts besseres gäbe als Grottenkicks gegen Eintracht Frankfurt mit 1:0 für sich zu entscheiden, weil es schließlich nur um die Punkte gehe.

Ja, Manuel Neuer sah bei dem Trochowski-Freistoß zum 0:2 schlecht aus, und natürlich darf es nicht passieren, dass man sich in der eigenen Drangphase den erneuten Rückstand einfängt. Aber diese Mannschaft ist eben noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung, und es ist doch sympathisch, dass Felix Magath beim Stand von 2:2 den nächsten offensiven Spieler einwechselt, um das Spiel noch zu gewinnen.
Der HSV wirkte abgeklärter, durchaus spitzenteamartig, und als mir am Bahnhof ein Hamburger erklärte, dass man sich mit 3 Auswärtstoren doch wohl auch einen Sieg verdient gehabt hätte, blieb mir nur ein Ja, Aber. Denn genauso gut hätte eine Mannschaft den Sieg verdient gehabt, die zunächst dummerweise ihre Großchancen vergab, dann aber einen 0:2 und einen 2:3 Rückstand aufholte, und deren eingewechselter Stürmer kurz vor Schluss die Entscheidung auf dem Kopf hatte.

Ich bin, wie wohl alle Schalker die dieses Spiel über 90 Minuten verfolgten, mit dem Ergebnis zufrieden. Vor dem Spiel hatte ich auf einen Sieg gehofft. In der Halbzeit war jeglicher Mut dahin. Dann das Adrenalin, die Enttäuschung, die Erlösung: Am Ende fühlte es sich einfach toll an. Und der Punkteschnitt ist nach wie vor völlig ok.

„Der HSV kann auch auswärts das Spiel machen“

23. Oktober 2009, Torsten Wieland

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Sonntag geht’s gegen Hamburg. Schwer, keine Frage, und in den letzten 5 Jahren setzte es daheim gegen den HSV 4 Niederlagen bei einem Unentschieden. Trotzdem geht mein Wissen über den diesjährigen, neuen HSV kaum über das hinaus, was man aus Sportschau-Zusammenfassungen erfährt. Das ist wenig bis kaum was, also dachte ich mir, frage ich jemanden der Bescheid weiß.
Florian Neumann lebt in Hamburg und tourt als nedfuller schon lange durch die Blogosphäre. Seit Sommer schreibt er nun selbst ein Blog, eben NedsBlog, in dem er seine Sicht der Dinge zu seinem HSV zum Besten gibt. Sehr spontan, weil ich mal wieder nicht vorausschauend genug war, stand er für ein paar Fragen zur Verfügung. Für drei plus eine Frage, um genau zu sein.

Hallo Ned! Schön, dass es auch so kurzfristig geklappt hat. Erstmal Glückwunsch zum Sieg in Glasgow. Läuft alles rund beim HSV, in der Liga steht ihr ja auch gut da. Mittlerweile ist aber eine halbe Mannschaft verletzungsbedingt ausgefallen. Außerdem könnte man unken, dass Bruno Labbadias Mannschaften in der Regel „nach hinten raus“ Probleme kriegen. Wie ist bei Dir der Stand zwischen Hoffung und Sorge? Was erhoffst oder was befürchtest Du für den weiteren Saisonverlauf?

Hi Torsten. „Gut dastehen“ ist untertrieben: Wir haben noch nie nach 9 Spieltagen 21 Punkte auf unserem Konto gehabt. Nur zur Erinnerung, wir sind im 47. Jahr ununterbrochen in der Bundesliga und hatten mal Erfolge die Punkte zum Saisonbeginn benötigten: Wir waren dreimal Deutscher Meister. Daher bin ich bis zur Verletzung von Petric, gegen Hertha recht optimistisch gewesen, was den weiteren Saisonverlauf angeht. Mittlerweile hoffe ich allerdings auf jeden Punkt, verbuche sogar das Unentschieden gegen Leverkusen als Erfolg. Gegen die kleinen Vereine sollte es gerade zu Hause immer reichen mit dem Kader.
Zu unserem Trainer ist zu sagen, dass ich ihm von Anfang an sehr skeptisch gegenüber gewesen bin. Gerade die unterirdische Rückrunde bei Leverkusen mit nur 17 Punkten macht mir Sorgen. Diese Sorge gemischt mit meiner pessimistischen Grundhaltung und den Erfahrungen aus anderen Saisons mit einem Topkader lassen mich nicht gerade mit guten Gefühl in die Rückrunde gehen.
Mein Ziel ist der 4. Platz. Toll wäre die Champions League und vor dem Hertha-Spiel und der damit verbundenen Verletzung von Petric hätte ich das sogar offiziell als Ziel angenommen.

Konkret zum Spiel am Sonntag auf Schalke. Ich muss gestehen dass sich in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel des HSV über 90 Minuten gesehen habe. Wie agiert Eure Mannschaft in fremden Stadien? Haben wir einen dominanten Tabellenzweiten oder ein eher defensiv ausgerichtetes Auswärtsteam zu erwarten?

Unser Support ist immer erste Sahne, da können einige Heimmannschaften von lernen :) Gegen Wolfsburg haben wir gezeigt, dass wir Auswärts das Spiel machen können. Gegen Freiburg und Frankfurt haben wir dann nach unseren Toren aber aufgehört Fußball zu spielen. Diesen Fehler begehen wir gerade gegen kleinere Gegner gerne mal. Berlin nehme ich mal aus der Betrachtung raus. So wenig Fußballspielen wird nur gegen ganz wenige Gegner reichen.
Unsere Spielweise muss man jetzt sicherlich in vor und nach den Verletzungen unterscheiden. Petric und Guerrero haben die Qualität, aus wenigen Torchancen etwas zu machen. Das fehlt uns derzeit und wird wahrscheinlich auch in der Aufstellung gegen euch wieder zu finden sein. Ich erwarte, dass die Mannschaft etwas kompakter im Mittelfeld mit vielleicht nominell nur einem Stürmer spielen wird. Eine Aufstellungsprognose will ich aber lieber nicht abgeben.

Ok, lass uns mal zum Club als solchen kommen. Schalke 04 liefert sicher mehr Boulevardgeschichten, aber in Sachen Storys über Vereinspolitik ist der HSV auch weit vorne. Hoffmann als dominanter Vorstandsvorsitzender der Dukaten-Didi Beiersdorfer abgesäbelt hat, die Supporters als vereinspolitische Opposition, das langwierige Thema der Beiersdorfer-Nachfolge. Mittlerweile droht die Bildzeitung ja schon mit Berti Vogts. Was denkst Du, wann der Verein da mal zu Potte kommt? Oder bleibt es am Ende gar bei Labbadia in einer Doppelrolle?

Als der Name Vogts in der Bildzeitung genannt wurde, da habe ich schallend gelacht. Woher die immer die Namen aus dem Hut zaubern, köstlich. Vorab: Wir sind immer noch ein eingetragener Verein. Alleingänge wie in Schalke und Wolfsburg sind bei uns definitiv unmöglich. Im einzelnen:
Bernd Hoffmann kommt aus der Wirtschaft, führt ein mittelgroßes Unternehmen, was zu allem übel ein e.V. ist. Gescheitert ist sein Vorschlag, den Profifußball auszugliedern. Seitdem hat er sich damit abgefunden. Richtig, er ist der Vorstandsvorsitzende, hat also bei allen Entscheidungen das letzte Wort, vielmehr wird für alle Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen. Warum Beiersdorf nun gegangen ist, wird wohl niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Es gab bis zuletzt „Rettungsversuche“ seitens des Aufsichtsrates. Aber Didi hat wohl die Pistole auf die Brust gedrückt und gesagt: Entweder so, oder ich gehe. Bernd Hoffmann hat den Club konsolidiert. Wir sind schuldenfrei! Ausgenommen der Stadionkredit, aber das gehört uns dann auch. Das letzte mal Schuldenfrei waren wir irgendwann 50/51. Das ist ihm hoch anzurechnen. Ebenfalls gelingt es dem gesamten Vorstand den HSV in der Stadt Hamburg zu verwurzeln. Das war lange Jahre nicht so.
Der Supporters Club (SC) ist europaweit einmalig. Soviel Einfluss auf einen Verein in der ersten Liga hat meiner Meinung nach niemand. Das hat Vorteile: Der Vorstand wird immer wieder daran erinnert, dass wir ein Breitensportverein sind. Das hat Nachteile: Der SC will im Aufsichtsrat auch mehr Anteile haben.
Wir haben derzeit 3 Vorstände: Bernd Hoffmann, Katja Kraus (Marketing) und Oliver Scheel. Wer ist das, wirst du Fragen: Ehemaliger Abteilungsleiter der Supporters. Einer vom SC sitzt also im operativem Entscheidungsgremium. Und ein Ja-Sager ist er nicht. Im Aufsichtsrat sitzt auch immer fest ein Vertreter des SC. Also auch hier ist der Einfluss vorhanden. Zur letzten Mitgliederversammlung sollte dieser Einfluss nun erhöht werden. 8 Kandidaten wurden aus 20 gewählt, 4 davon sind aus dem Bereich SC. Die Mitgliederversammlung hat aber keinen zusätzlichen Kandidaten in den AR gewählt. Auch das ist ein Zeichen, wie weit der Einfluss derzeit gewünscht ist.
Sportdirektor: Wir brauchen einen, das ist Fakt. Es gab auch Kandidaten, die vom Personalrat zur Präsentation eingeladen worden sind. Genau, nicht der Vorstand stellt ein, der vom Aufsichtsrat bestellte Personalrat sucht und schlägt dem Aufsichtsrat die Kandidaten vor! Aber Oliver Kreuzer hat abgesagt, da wollte der Rat Roman Grill nicht als einzigen Kandidaten hören und die Entscheidung wurde vertagt. Bernd Hoffmann hat sich klar geäußert, dass er Grill favorisiert, aber Einfluss hat er dabei halt nicht. Wenn der Aufsichtsrat nicht bestellt, dann bestellt er nicht.

Zum Schluss noch mal zu meinem Club, bewusst offen gefragt: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?

Puh. Eigentlich war mir Schalke bisher egal. Gehasst habe ich S04 nicht, auch wenn ich in den 90ern dazu fast genötigt wurde, da es mal eine Fanfreundschaft mit eurem Lieblingsgegner gab, aber mehr als Wahrnehmung wollte sich nie einstellen. Ich habe mir euren Europapokalerfolg angesehen und die verpasste Meisterschaft 2001 wird immer in Erinnerung bleiben. Danach habt ihr sinnlos Spieler gekauft und mit Gehalt zugeschmissen, dass die Antipathie überwog.
Geändert hat sich meine Wahrnehmung in dieser Saison. Festzumachen ist das an einer Person: Felix Magath. Er ist der einzige gegnerische Trainer, der in Hamburg immer Applaus erhält. Völlig egal, bei wem er grad auf der Bank sitzt. Ich schaue nun doch einigermaßen gespannt auf die Entwicklung bei euch.
Eure Fans sehe ich sehr skeptisch. Warum? Weil ich euch nicht verstehe: In der letzten Saison spielte S04 in Hamburg, just nachdem Kuranyi sich von der Nationalmannschaft unentschuldigt entfernt hatte. Ein Fest für uns, wir konnten Ihn auslachen und mit Sprechchören verhöhnen. Die, sehr richtige, das sein angemerkt, Reaktion der Schalker Fans: Kuranyi Sprechchöre. Euer nächstes Heimspiel lief dann nicht gut (0:0 gegen Bielefeld) und gerade Kuranyi wurde von den eigenen Fans ausgepfiffen. Das fand ich dann lächerlich, zumal das Auspfeifen der eigenen Spieler so gar nicht mein Ding ist.

Vielen Dank!
Dir und Deinem Blog alles Gute, Deinem Club selbstverständlich alles Pech der Welt, vor allem Sonntag. Glück auf.




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Außerdem ist Ned im Sportblogger- und im Ballpodder-Netzwerk aktiv



HSV-Fans die gearschtesten

7. September 2009, Torsten Wieland

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Gearscht, gearschter, am gearschtesten. Wer seinen Club zu Auswärtsspielen begleiten will, freut sich über Samstagsspiele. Wer sich teure Bundesligatickets nebst Fahrkosten leistet, muss freitags noch arbeiten. Und Sonntagabend durch die Republik zu cruisen ist auch nur bedingt entspannend, wenn montags früh der Wecker klingelt.

Letzte Woche haben sich Fans der Borussia aus Mönchengladbach in einem offenen Brief an die DFL gewandt. Darin beschweren sie sich über eine ungerechte Verteilung in der Spielansetzung. Und in der Tat: Bis zum 10. Spieltag, bis zu dem für alle Vereine also 5 Auswärtsspiele auf dem Plan stehen, muss die Borussia viermal sonntags durch das Land reisen, während vier andere Clubs überhaupt nicht betroffen sind. Noch schlimmer trifft es nur die Fans des HSV.

Die Hamburger werden tatsächlich bis Ende Oktober überhaupt kein Auswärtsspiel an einem Samstag bestreiten. Alle fünf Spiele waren oder sind für sonntags angesetzt. Und die Gegner sind keinesfalls um die Ecke. Schon nach Gelsenkirchen sinds 350 km, nach Frankfurt knappe 500 km, und zum ersten Saisonspiel gings direkt mal nach Freiburg, wozu rund 750 km zurückgelegt werden mussten. Und weil man ja doch wieder nach Hause will, werden Hamburger Allesfahrer bis Ende Oktober die sonntägliche Ruhe unserer Republik mit ergoogleten 4.232 Autokilometern gestört haben.

[via @haeby]

Der ewige Kandidat?!

29. Mai 2009, Torsten Wieland

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Ein Jahr und 46 Tage ist es nun her, dass Mirko Slomka auf Schalke entlassen wurde. So lange ist er nun Job. Damit stellt er sicher keinen Rekord auf. Trotzdem ist es bemerkenswert, wie viele freie Trainerjobs in der Bundesliga seitdem neu besetzt wurden, wobei Mirko Slomka nach Pressemeldungen fast immer ein „heißer Kandidat“ gewesen sein soll, und am Ende doch den kürzeren zog.

Ob ihm das Bild des schwachen Trainers anhaftet, dem die Spieler angeblich auf der Nase herum tanzten? Ob es tatsächlich nachhallt, dass er öffentlich von Manuel Neuer, für viele allzu vertraut, einfach „der Mirko“ genannt wurde? Oder ob ihm vielleicht doch übel genommen wird, dass er der Presse von der wenig guten Abstimmung in Personalfragen mit Manager Müller erzählte?
Auf Bundesliganiveau war Mirko Slomka Anfänger und als solcher hat er Fehler gemacht. Vielleicht im Umgang mit Spielern. Mit Sicherheit bei seiner Mitsprache in Sachen Spielerverpflichtungen. Er hat auf Schalke – mit dem jeweiligen Personal – sehr guten und sehr unansehnlichen Fußball spielen lassen. Er hat entscheidende Spiele verloren, insgesamt aber doch viel gewonnen.

Ich würde keine Empfehlung aussprechen wollen. Ich denke, dass Mirko Slomka ein kluger Kopf ist, der aus Fehlern in der Vergangenheit die nötigen Schlüsse ziehen kann. Vor allem aber bin ich neugierig. Es würde mich schon sehr interessieren, ob bzw. wie erfolgreich Mirko Slomka bei einem anderen Bundesligisten sein kann. Harren wir also der Dinge …



Hörtipp: Ein ausführliches Radio-Interview mit Mirko Slomka, im Rahmen der SWR1-Sendung „Leute“, aus März diesen Jahres, ist nach wie vor abrufbar.

[Foto: Firutin]

Ma’ dateln

15. April 2009, Torsten Wieland

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Über Netzer wurde sich unterhalten, über dessen Klinsmann-Bashing, und dass der Kolumpräkai wohl gesagt hat „Günter, mach’ Du mal, ich will nicht schon wieder.“ Netzer war doch dereinst Manager des HSV. Doch wie lange? Von 1978 bis 1986, gute Güte, so lange, das hatte ich nicht in Erinnerung. Die starke Zeit des HSV. Als auch Kevin Keegan dort spielte. Wann war das nochmal? ’78 bis ’80, war ein riesen Ding damals, ich kann mich noch daran erinnern, dass es bei uns anne Bude Comics mit „Mighty Mouse“-Storys gegeben hat. In Duisburg, dessen Held eigentlich anders aussah.
Als der HSV in Athen den Landesmeisterpokal gewann war Keegan nicht mehr dabei. Aber Netzer als Manager. Und Horst Hrubesch, der den HSV danach aber verlies. Hrubesch, einer der beeindruckendsten Stürmer meiner Fußball-Kindheitserinnerungen. 136 Tore in 224 Bundesligaspielen. Bestimmt alle mit’m Kopp. Und in der 2. Bundesliga Nord, 1977/78, 42 Tore in 35 Spielen für Rot-Weiss Essen. 42 von 82 Essener Toren. Aufgestiegen sind die trotzdem nicht. Auch noch nicht 3 Jahre später, als Frank Mill in 38 Spielen 40 der insgesamt 99 Essener Tore erzielte. In dieser Saison und in dieser Liga schoss Hertha BSC in 42 Spielen 123 Tore – und stieg auch nicht auf. Unglaublich.

Ohne Fußball

23. März 2009, Torsten Wieland

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… und mit 61.672 Anderen im leisesten Stadion der Welt steht man da und begreift nicht wieso.

Es ist im wörtlichen Sinne erbärmlich was Schalke 04 zeigt. Eine Mannschaft ohne jegliches Selbstvertrauen, die keine Idee davon hat wie ihr Fußball aussehen soll. Mag die Defensivarbeit reflexartig noch einigermaßen funktionieren, hört die Mannschaft als solche bei Ballbesitz auf zu existieren. Jeder einzelne Spieler kann einem Leid tun, jeder einzelne läuft und versucht und scheitert immer wieder aufs Neue, weil jeder alleine einer Vielzahl von Gegnern gegenüber steht. Man mag über die technischen Unzulänglichkeiten des einen oder anderen Spielers schimpfen. Aber es gibt überall auf der Welt Mannschaften mit noch viel schlechteren Einzelspielern, die mit mehr Elan, mehr Ideen und mehr Zug zum Tor in der Lage sind, Spaß und Emotionen zu schaffen.

Emotionen gab es gestern auf Schalke nicht. Man mochte nicht mal mehr schimpfen oder pfeifen. Leiser kann es nicht werden, mit so vielen Menschen an einem Ort. Die mitgereisten Hamburger Fans erfreuten sich einer Weile ihrer wohl durchdringenden Sangeskraft, verloren dann aber offenbar auch die Lust. Zumal auch ihre Mannschaft kaum anregendes auf den Rasen brachte.

Und so starben dort zwei Mannschaften einem 0:0 entgegen, die eine konzeptlos und die andere kraftlos, und hätte Manuel Neuer nicht auch mal Lust darauf gehabt kopflos über den Platz zu irren, es wäre bis zum Abpfiff nicht mehr lauter geworden.
Natürlich wird das Schalker Spiel unter dem Druck eines Rückstandes erst recht nicht besser, aber offenbar erwartet auch kaum noch jemand auf den Rängen etwas anderes als solche Niederlagen. Nach dem zweiten Hamburger Tor wirkte der Anschlusstreffer durch Farfán fast störend. Man mag sich kaum noch der Hoffnung auf irgendwas hingeben, nicht mal der auf ein Unentschieden in einem Heimspiel gegen eine völlig platte Hamburger Mannschaft.

Was es da gestern auf Schalke zu sehen gab war gar nichts. Angesichts dessen braucht man sich der Kritik an Einzelspielern, oder einer Diskussionen um die Frage nach einem 4-4-2 oder einem 4-3-3, überhaupt nicht hinzugeben. Diese Mannschaft funktioniert so nicht, egal in welcher Formation sie auf dem Platz steht. Und andere Spieler hat Schalke nicht. Ob nun ein Rakitc oder ein Engelaar spielt, ob Kuranyi, Altintop oder Asamoah vorne keine Bindung zum Spiel hat, macht keinen Unterschied.

Noch 9 Spiele, noch 5 Heimspiele sind zu ertragen.
Und wir werden wieder alle da sein.
Bekloppt.

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