Artikel zum Schlagwort ‘Hamburger SV’

Der letzte Job

Da steht er nun. Die Mundharmonika spielt. Überall Staub.

Er hatte ein schlechtes Jahr. Probleme. Er wird mit ihnen nicht fertig, ist unorganisiert, lebt von der Hand in den Mund. Noch fühlt er seinen Stolz, ab man sieht ihn ihm nicht mehr an. Er wankt. Er versucht selbstsicher zu wirken, aber das nimmt ihm niemand mehr ab. Er ist froh, wenn er zur Ruhe kommen kann. Aber da ist noch ein letzter Job.

Da ist noch der Andere, den er zu erledigen hat.

Dem Anderen geht es noch schlechter. Vor 25 Jahren war der Andere noch eine große Nummer. Damals konnte er sich nicht mit ihm messen. Als er später selbst fast ganz oben war, hatte der Andere seinen Anteil daran, dass er doch wieder scheiterte. Doch danach ging es mit dem Anderen stetig bergab. Nun hat er ihn an der Kandare. Sie konnten sich noch nie leiden.

Der Andere darf ihm nicht entwischen. Das darf nicht auch noch passieren, jetzt, da sie eh schon alle auf ihn zeigen, über ihn reden. Er muss es schaffen, auch wenn er längst daran zweifelt, dass es ihm Genugtuung bringen wird. Letztlich sind sie sich doch arg ähnlich.

Überall Staub. Die Mundharmonika spielt. Da steht er nun. Und wankt.

0:0 im Alles-Drin-Spiel

Schalke kommt im letzten Spiel des Jahres 2014 gegen den HSV über ein 0:0 nicht hinaus; oder hält ein 0:0, je nach Sichtweise. Die Blauen überwintern auf Platz 5, punktgleich mit Platz 4 und einen Punkt hinter Platz 3.

Für neutrale Zuschauer muss es ein großartiges Spiel gewesen sein. Hielt man zu den Blauen, litt man eher mit, als dass man hätte genießen können. Zunächst litt man ob der vergebenen Chancen. Dann litt man ob des aus der Hand gleitenden Spiels. Man litt mit den sich quälenden, kraftlosen Spielern. Man litt ob der Angst, dass die sich häufenden Chancen des HSV doch noch zum Rückstand führen könnten. Zum Schluss litt man nochmal unter dem Pech, dass eben nur einen Pfostenschuss und nicht den entscheidenden Treffer bedeutete.

Tatsächlich empfand ich den Spielverlauf ähnlich wie im Spiel gegen den 1. FC Köln: Eine Halbzeit lang war Schalke die klar bessere Mannschaft, ohne ein Tor erzielen zu können. In der zweiten Hälfte fehlte letztlich die Kraft. Umgekehrt wirkte Hamburg anfangs schwach, in der zweiten Hälfte stießen sie aber gut in die sich auftuenden Lücken. So wurde es ein Spiel, in dem beide Teams zu sehr guten Torchancen kamen, das beide hätten gewinnen können und das deshalb mit einem Unentschieden ein wohl gerechtes Ergebnis fand; auch wenn das Spiel eher 3:3 hätte enden sollen.

Da gleichzeitig Gladbach verlor und Leverkusen gegen Frankfurt zwei Punkte liegen ließ sagen Pessimisten, Schalke habe die Chance zum Sprung auf Platz 3 verschenkt. Optimisten sagen, trotz ausbleibendem Sieg gegen den HSV ist in der Tabelle nichts Schlimmes passiert. Wie man es sieht, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Bedenken aus Erfahrung

Am Ende einer Saison läuft Schalke „auf der letzten Rille“, wird es immer nochmal spannend, verliert man in Stuttgart. Ohne Drama ist Schalke nicht denkbar. Obwohl der FC Schalke 04 der Neuzeit ein überaus erfolgreicher Bundesligaclub ist, käme man doch nie auf die Idee, ihn als „souverän“ zu bezeichnen. Das sind keine Vorurteile, sondern Erfahrungswerte. In der Schlussphase der Saison fällt Schalkes Punkteschnitt deutlich ab.

Für mich beginnt die „Neuzeit“ mit der Saison 2000/2001. Eben mit dem bis heute nachhallenden, tragischen Ende einer insgesamt großartigen Saison. Mit dem Abschied aus dem Parkstadion und den Bezug der Arena. Seit dieser Saison und bis heute haben 8 Clubs stets in der ersten Liga gespielt: Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, der VfL Wolfsburg und Schalke 04. In diesem Zeitraum war Schalke nach Punkten, hinter Bayern München und Borussia Dortmund, der drittbeste Club. Betrachtet man allerdings ausschließlich die letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten, holte lediglich der Hamburger SV noch weniger Punkte als Schalke 04.

Mit Beginn der Saison 2000/2001 und bis heute haben die genannten Clubs jeweils 473 Bundesligaspiele bestritten. Schalkes Schnitt liegt bei 1,71 Punkten pro Spiel. Nur auf die jeweils letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten bezogen fällt der Schalker Punkteschnitt auf 1,40. Das ist die größte Verschlechterung aller 8 Dauerbundesligisten in dieser Zeit.

Der Punkteschnitt des HSV an den letzten 4 Spieltagen liegt bei 1,21 Punkten. Allerdings kommen die Hamburger auch insgesamt nur auf einen Wert von 1,42. Die Werte aller sechs anderen genannten Clubs steigen an den letzten 4 Spieltagen, zu lasten der nicht dauerhaft in der ersten Liga verbliebenen Clubs; und eben zu Lasten des HSV und Schalkes. Fast wie zu erwarten steigert sich der Schnitt Bayern Münchens am deutlichsten, vom ehedem besten Gesamtschnitt (2,13) auf einen noch besseren Schnitt in der Saisonschlussphase (2,36).

In der Balkengrafik oben sind Schalkes erreichte Punkte an den jeweils letzten 4 Spieltagen seit 2001 dargestellt. Tröstlich ist, dass es natürlich stets nur um das Erreichen eines bestimmten Zieles geht, und dass dazu kaum die volle Punktzahl aus diesen Spielen benötigt wird. Wie gesagt, der FC Schalke 04 der Neuzeit ist ein erfolgreicher Club, fast immer international vertreten. Der Unterschied des Punkteschnitts der Schlussphase im Vergleich zur Gesamtsaison ist dennoch bemerkenswert und durchaus ein Argument, vielleicht ein Grund, für die allerorts anzufindenden, knusseligen Schalker Dauerpessimisten; auch wenn mir das nicht gefällt.

Gelungener Auftakt gegen schwache Hamburger

Schalke 04 gewinnt 3:0 in Hamburg. Ein verdienter Sieg, der vor allem im defensiven Mittelfeld erarbeitet wurde. Die Höhe des Ergebnisses täuscht ein wenig darüber hinweg, dass Schalke offensiv deutlich weniger überlegen agierte. Der HSV war aber ein dankbarer Gegner, so dass dieses Spiel für die Blauen zu einem rundum gelungenen Abend wurde.

Nach dem missratenen Testspiel in Köln verzichtete Jens Keller gleich wieder auf die im arabischen Trainingslager eingeübte 4-1-4-1-Formation. Er stellte Prince neben Roman Neustädter und machte damit alles richtig, gewann damit das Spiel. Diese Doppelsechs und die solide agierende Innenverteidigung mit Joel Matip und Felipe Santana sorgten dafür, dass Schalke 70 der 90 Spielminuten kontrollierte.

Prince‘ Präsenz stach dabei heraus, er hatte die auffälligen Aktionen, während Roman Neustädter fleißig Hamburger Passwege zustellte. In der Innenverteidigung gab Felipe Santana den „Prince“ und Joel Matip den „Neustädter“. Das wirkte nicht immer absolut souverän, war aber effektiv. Durch das Zentrum kam Hamburg kaum vors Schalker Tor. Wenn überhaupt wurde der HSV über Standardsituationen oder über die Außenpositionen gefährlich, wo der eingewechselte Ola John ein für Atsuto Uchida zu schneller Spieler war. In den kurzen Druckphasen des HSV, in den 10 Minuten vor der Pause und nach Wiederanpfiff, wusste Ralf Fährmann zu überzeugen.

Schalke brachte den Ball aus der Abwehr zügig nach vorne, auch weil der HSV nur sehr selten Druck auf den eröffnenden Spieler ausübte. Ab 30 Meter vor dem Tor tat sich Schalke dennoch schwer, durch die Hamburger Abwehr zu finden. Bis zur 1:0 Führung durch Huntelaar, nach ungestörter Farfán-Flanke in der 34. Minute, hatte Schalke nur wenige, harmlose Abschlüsse zu verzeichnen, eine echte Chance war nicht darunter.
Offensiv agierte Schalke recht statisch. Christian Fuchs war auf seiner Position ein guter Defensivspieler, konnte offensiv aber keine Akzente setzen. Max Meyer wusste als 10er die Bälle zwar zu verteilen, gleichzeitig verlor er aber auch viele Zweikämpfe. Pässe hinter die Abwehrreihe, auf den sich viel bewegenden Klaas-Jan Huntelaar, gelangen gar nicht. Mit Prince weiter hinten fehlte es weiter vorne auch an dessen Dynamik. Wenn er unterstützend vorstieß wurde das Angriffsspiel gefährlicher, aber dass ein Spieler überall gleichzeitig dominiert funktioniert eben nicht.

Doch der HSV machte Fehler und Schalke wusste diese zu nutzen. Der in der 53. Minute, zwischen Marcell Jansen und Jaroslav Drobny, lies Jefferson Farfán jubeln und entschied dieses Spiel früh. Ein „typischer Schalke-Konter“ setzte noch einen drauf und trug zur guten Laune bei. Der Rest war Auslaufen.

Ein Spiel, das Schalker Helden hatte, und doch vor allem defensiv im Kollektiv gewonnen wurde. Ein Sieg, der keine Wünsche offen lies, dessen Schwierigkeitsgrad gegen eine wackeligen HSV aber auch nicht allzu hoch war. Dafür kann auf Schalke jedoch niemand etwas, insofern sollte uns das an dieser Stelle egal sein.

Der nächste Heldt’sche Hoffnungstransfer: Dennis Aogo

Schalke 04 hat Dennis Aogo vom Hamburger SV verpflichtet. Ein Spieler für die richtigen Positionen, ein Spieler mit Potential. Allerdings auch keine sichere Verstärkung, eher wieder ein Transfer der zu Hoffen nötigt. Ein typischer Horst Heldt-Hoffnungstransfer.

Dennis Aogo kann die Position des linken Verteidigers spielen. Sead Kolasinac ist verletzt, Christian Fuchs ist gesperrt. Aogo bringt mehr Kadertiefe und Konkurrenz für diese Position. Später ermöglicht er eventuell, dass ein genesener Sead Kolasinac auf seiner in der Jugend ursprünglich gelernten Position des Innenverteidigers eingesetzt wird.
Dennis Aogo kann auf der linken Seite auch offensiv eingesetzt werden. Michel Bastos ist weg, Julian Draxler soll zentral spielen, Tranquillo Barnetta soll überhaupt nicht spielen. Auch für diese Position bringt Dennis Aogo Kadertiefe und Konkurrenz.

Aber bringt er auch einen Qualitätsschub?

In Hamburg war er zuletzt schlecht. Aus dem ehemaligen jungen Nationalspieler ist ein Mitläufer geworden. Einer, dessen Leistungen sein Gehalt nicht mehr rechtfertigte, den man eben abgeben konnte. Andererseits ist sein Potential groß, ein Spieler, der heute für einen überschaubaren finanziellen Einsatz zu bekommen ist, und der in der Vergangenheit schon bewiesen hat, was er zu leisten imstande sein kann. Diese „Hoffnungstransfers“ ziehen sich wie ein roter Faden durch die Amtszeit Horst Heldts auf Schalke.

Obasi, Barnetta, auch Raffael und Bastos waren alle irgendwann mal Spitzenkräfte ihrer Clubs und zum Zeitpunkt des Transfers zu den Blauen aus verschiedenen Gründen relativ günstig zu haben. Tranquillo Barnettas war ablösefrei zu bekommen, nachdem er zuvor 25 von 34 Spieltage verletzt war.
Raffael kam in der Ukraine nicht zurecht, wollte unbedingt zurück in die Bundesliga. Er konnte als Leihspieler geholt werden. Horst Heldt hätte ihn gerne als solchen weiterhin behalten. Dass er jemals ernsthaft in Erwägung zog, für Raffael eine Kaufoption zu 7 Millionen Euro zu ziehen, hat nie jemand geglaubt.
Michel Bastos war der Aogo Olympique Lyons. Irgendwann mal richtig gut, zuletzt stagnierten seine Leistungen und er war Lyon zu teuer geworden. Horst Heldt bekam ihn geliehen, weil Lyon schon froh war das Gehalt zu sparen, wenn man ihn schon nicht verkaufen konnte. Er bekam ihn wieder abgenommen, als Lyon von einem anderen Club eine Ablöse für Bastos erzielen konnte. Auch in diesem Fall war von Beginn an klar, dass Michel Bastos schon sehr stark hätte aufspielen müssen, damit Horst Heldt für ihn in eine Kaufoption investiert.

Alle drei Spieler kosteten Host Heldt ein überschaubares Budget. Raffael war eine Bereicherung, Michel Bastos so lala, Barnettas Verpflichtung war ein Fehlgriff. Obasis Verpflichtung war auch ein Fehlgriff und kostete sogar einige Millionen an Ablösesumme. Sein Gehalt wurde aber bislang vermutlich zu 95% von Versicherungen bezahlt.

Muss man Horst Heldt für dieses Vorgehen mit überschaubarem Erfolg kritisieren?

Ich bin mir sicher, dass Schalkes Manager gerne mehr Geld für vermeintlich sichere Verstärkungen ausgeben würde. Aber er muss haushalten und er hat den Auftrag, einerseits Talente zu fördern und andererseits kurzfristigen Erfolg zu ermöglichen. Dieser Spagat ist wahnsinnig schwierig, eigentlich ein Unding. Ich denke, dass Spieler wie Höger, Fuchs, Neustädter oder nun auch Szalai, Goretzka und Clemens gute Verpflichtungen waren und sind; und es gehört auch zur in Heldts Verantwortung liegenden Personalpolitik, im Kader Platz für Spieler wie Kolasinac oder Meyer geschaffen zu haben. Heldts „Hoffnungstransfers“ sind nur ein Teil seiner Transferaktivitäten. Gerade die Leihspieler erhalten ihm eine gewisse Flexibilität. Man muss das nicht mögen, aber ich halte dieses Tun für nachvollziehbar.

Nun also Dennis Aogo. Hoffen wir das Beste.



Bild: Steindy

Strukturarm und altbacken gegen Hamburg

Schalke 04 kommt beim Saisonauftakt im eigenen Stadion gegen den Hamburger SV über ein Unentschieden nicht hinaus. Erkämpft mit viel Kraft in der zweiten Halbzeit. Die schwache fußballerische Leistung hätte auch zu einer Niederlage führen können, wäre dem HSV am Ende – wieso auch immer – nicht die Luft ausgegangen.

Die jungen wilden Schalker rocken die Liga, so die Phantasie in der Sommerpause. Von „Young Guns“ war in englischsprachigen Texten über Schalkes „neue Mannschaft“ die Rede. Tatsächlich gab es gestern gegen den HSV keine neue Mannschaft. Tatsächlich war dies das pomadige Schalke der letzten Saison.

Leon Goretzka saß zu Beginn auf der Ersatzbank und Max Mayer stand nicht im Kader, ein Fehler, wie sich herausstellte. Raffael sei bewusst nicht verpflichtet worden, man vertraue Max Meyer wenn Julian Draxler ausfalle, so hieß es zur Begründung. Als dies nach 20 Minuten eintraf war Max Meyer nicht da, Leon Goretzka kam. Der war ursprünglich für die Position des 8ers vorgesehen. Als Einwechselspieler eben dafür stand er aber nicht mehr zur Verfügung, als mal Roman Neustädter und mal Jermaine Jones am Spielaufbau scheiterten.

Christian Clemens war der einzige Neue in der Startaufstellung und abgesehen davon war nicht nur das Personal, sondern waren auch die Probleme die gleichen wie in der letzten Saison. Hamburg deckte Jones und Neustädter eng, das reichte um das Schalker Aufbauspiel im eigenen Saft schmoren zu lassen. Pässe auf die offensiven Außen kamen nicht an. Den Innenverteidigern blieb nur das Spiel auf die Außenverteidiger oder den Torwart. In der Regel verlor nach drei Pässen irgendeiner die Nerven, pöhlte nach vorne und schenkte den Ball damit ab.

Schalke schaffte im Mittelfeld über lange Strecken kein Überzahlspiel. Man stand zu weit auseinander, unterstützte sich nicht, niemand wollte Verantwortung übernehmen, alle schienen froh, wenn der Ball flott wieder an einem anderen Fuß war. Joel Matip wirkte nach dem verursachten Elfmeter völlig verunsichert, obwohl ein Handspiel unabsichtlicher- und ein Elfmeter deshalb unberechtigter nicht sein kann. War der Ball bei Atsuto Uchida, war er auch bald wieder weg. Christian Fuchs spielte eine hanebüchene Defensive und von Jefferson Farfan war auch kaum was zu sehen.

Christian Fuchs zeigte in der 45. Minute kurz, weshalb Jens Keller in aufgestellt hatte, als er seine Flanke zum 2:2 auf Klaas Jan Huntelaars Kopf segeln ließ; derart flankt im Kader sonst eben niemand. In der letzten halben Stunde stellte Hamburg das Pressing ein und konnte plötzlich nicht mehr gegenhalten. Schalke drängte und schaffte es, den Ball nun weitestgehend in der Hamburger Hälfte zu halten, nachdem man sich zuvor meist in der eigenen Hälfte sah. Bei allen Defiziten verdienten sich Jermaine Jones und Christan Clemens einige Fleißpunkte. In der zweiten Halbzeit trieben sie das Spiel immer wieder an. Schön natürlich, dass Huntelaar und Szalai trafen. Doch das Positive entstand hauptsächlich aus Kraft- und Einzelleistungen, mit einem strukturierten Spiel hatte das wenig zu tun. Insgesamt wusste Schalke nicht, wie man gegen einen lange Zeit hoch verteidigenden Gegner zu seinem Spiel findet.

Man habe nun Alternativen für alle Positionen, hieß es. Ob Trainer Jens Keller diese zu nutzen gewillt ist, wird man sehen. Auch, ob er es schafft, seiner Mannschaft demnächst ein Rezept mit auf den Weg zu geben. Mag sein, dass Schalke in der Sommerpause den Kader mit Talenten für die Zukunft aufgepumpt hat. Das Schalker Spiel von gestern war jedenfalls wie das von Vorgestern.

Huntelaar verwirrt alle, nur mein Bier nicht

Schalke gewinnt verdient mit 4:1 gegen den Hamburger SV und kann sich im Kampf um Platz 4 ein bisschen Luft verschaffen. Mann des Tages war Klaas-Jan Huntelaar und nicht Dennis Erdmann.

„Der Hunter macht heute 3 Buden“ sagte ich zu Freundin Kerstin, als ich kurz nach 17:00 Uhr zu meinem Platz in Block S5 kam. Ob ich was Falsches getrunken hätte fragte sie, und war kurz drauf ebenso erstaunt wie ich selbst, als wir uns die Präsentation der Startelf auf dem Videowürfel anschauten. Entgegen aller über diverse Kanäle veröffentlichten Meldungen wurde da plötzlich Dennis Erdmann präsentiert.
Der 22 Jährige Innenverteidiger aus Schalkes zweiter Mannschaft saß gegen Leverkusen bereits mal auf der Bank. Nun in der Startformation? Für wen? Klaas-Jan Huntelaar wurde nicht mal als auf der Ersatzbank sitzend genannt! Als ich just in diesem Moment den Niederländer vom Platz in die Kabine wetzen sah, war ich verwirrt.

Noch verwirrter als ich war wohl die Stadionregie, das alles war Kokolores, von Dennis Erdmann war nichts zu sehen. Aber auch der HSV schien verwirrt, denn Klaas-Jan Huntelaar bekamen sie über 90 Minuten nie in den Griff. Nach der Vorlage zum Ausgleich und nach drei Treffern ist es klar, dass er der Mann des Tages war, gewonnen wurde das Spiel aber vor allem im Mittelfeld.

5 Minuten und ein Gegentor brauchte es, dann war Schalkes zentrales Mittelfeld mit Jermaine Jones, Roman Neustädter und Raffael den Hamburger Kollegen klar überlegen. Raffael machte meines Erachtens ein überragendes Spiel. Was er mit Ball machte hatte Hand und Fuß, aber auch ohne Ball war er eine wichtige Unterstützung für seine beiden eher defensiven Kollegen Jones und Neustädter. Die drei standen sehr eng, konnten viele Bälle gewinnen und brachten sie in der Regel sehr schnell wieder nach vorne.

Schön war, dass Schalke bis zuletzt versuchte, dass Tempo hoch zu halten. Das Ergebnis hätte auch noch höher ausfallen können und es ist abseits von Arroganz tatsächlich schade, dass das nicht gelang. Sollte Schalke noch mal verlieren käme es im Kampf um Platz 4 am Ende eventuell aufs Torverhältnis an.

Im Kampf um ein fünftes Tor zeigte sich Michel Bastos gegen René Adler wohl etwas übermotiviert. Das wurde mir allerdings erst nach Ansicht der Fernsehbilder klar, im Stadion war ich davon überzeugt, dass René Adler der einzige zu verurteilende Protagonist war, was mir wie tausenden Anderen eine gewisse Aufregung bescherte. Zur späteren Aufregung um Schalkes Trainerfrage, durch eine Meldung der Bild, mache ich mir übrigens bis auf Weiteres keine ausführlicheren Gedanken.

Jedenfalls hatte ich recht, vor dem Spiel, gegenüber Freundin Kerstin. Nein, es war kein Pfeifen im Walde, wenngleich natürlich auch kein ernsthafter Tipp. Ich wollte nur meinen Optimismus zum Ausdruck bringen, nachdem ich um mich herum in den letzten Tagen viel Skepsis bezüglich dieses Spiels mitbekommen hatte. Mein Getränk war übrigens ein Maisel’s Weisse (sic!). Gibt’s am Stadionkiosk hinter Block T.