Artikel zum Schlagwort ‘Hannover 96’

Schalke siegt und wahrt die Chance

Schalke gewinnt 3:1 in Hannover und wahrt damit seine letzte Chance auf Platz 4. In einem für diese Saison recht typischen Schalke-Spiel entschied die diesmal großartige Chancenauswertung zu Gunsten der Blauen.

  • Mit Ball in der Offensive spielt Schalke gefällig.
  • Trotz gefälligem Spiel kommt Schalke nur zu wenigen Großchancen.
  • Spielt der Gegner schnell, ist Schalkes Abwehr wackelig.
  • Gegentore ziehen das Team derart runter, dass in den folgenden Minuten überhaupt nichts funktioniert.

Vier Aussagen, mit denen man das Spiel in Hannover umschreiben kann. Vier Aussagen, mit denen man die meisten Spiele des FC Schalke in dieser Rückrunde umschreiben kann.

Insgesamt war es ein Spiel, das neutralen Zuschauern Spaß gemacht haben dürfte. Fair und flott, beide Teams im Vorwärtsgang. Über weite Strecken zeigte Hannover eine gradlinigere Spielanlage. Hannover lief mehr, lief schneller, schoss häufiger aufs Tor, hatte entsprechend mehr und die besseren Chancen … aber Schalke machte drei schöne Tore, und das reichte.

Auch die Treffer von Eric Maxim Choupo-Moting und Klaas-Jan Huntelaar waren prima herausgespielt. Aber das dritte Tor – Matips Treffer, auch wenn Alessandro Schöpf den Ball über die Linie schob – war das Highlight des Spiels. Weil der eine Innenverteidiger Roman Neustädter die Übersicht behielt und weil der andere Innenverteidiger Joel Matip mit dem Ball tanzte, wie es kein Stürmer schöner hätte tun können. In seinem drittletzten Auftritt für die Blauen tanzte ein bisschen Wehmut mit.

Hannover 96 ist bereits abgestiegen. Kämpften sie noch um den Ligaverbleibt, sie hätten einem fast leidtun müssen. So aber nicken wir ab, sagen Hannover Tschüss und freuen uns über die gewahrte Chance auf Platz 4.

Dass ein Team, das nicht mal beim Tabellenletzten überzeugend und klar verdient gewinnen kann, zwei Spieltage vor Saisonschluss noch Chancen auf eine Champions League-Teilnahme hat, lässt so machen Fan zweifeln. Tatsächlich war es seit einer kleinen Ewigkeit nicht mehr so einfach, sich für die „Königsklasse“ zu qualifizieren. Seit Einführung der 3-Punkte-Regelung kam der Viertplazierte nach 32 Spieltagen im Schnitt auf 55 Punkte. Heute steht da Borussia Mönchengladbach, mit nur 49 Zählern. Dass ein Club mit 49 Punkten so spät in der Saison so hoch platziert war, ist 18 Jahre her.

Man kann das Niveau dieser Mannschaften kritisieren – und eben auch das der eigenen Mannschaft. Eine Diskussion darum, ob man oder wer wann eine Champions League-Qualifikation „verdient“ habe, halte ich aber für Quatsch. Wenn man am Ende auf Platz 4 steht, haben die Clubs auf den Rängen 5 bis sonst wo die Qualifikation eben nachweisbar weniger verdient.



Foto: Tomek Bo

Happy Weekend (6)

Happy Weekend heißt eben Happy Weekend. Aber wenn diese Zeilen nun nicht ein Teil dieser neuen Ausgabe wären, sondern ein eigenständiger Text, ich hätte sie mit „3 Siege für ein Hallelujah“ betitelt. Mein Fan-Ich pendelt stets zwischen Optimist und Realist. Realist bin ich nach Abpfiff. Optimist bin ich, wenn es auf das nächste Spiel zugeht.

Nein, Schalke spielt keine gute Saison. Und trotzdem sind sie drei Spiele vor Saisonschluss noch immer in Reichweite des vierten Platzes, in Reichweite der Champions League-Qualifikation. Hertha BSC liegt 4 Punkte und 5 Tore vor Schalke. Gladbach hat 3 Punkte und 17 Tore Vorsprung. Mainz ist nach Punkten mit den Blauen gleichauf, sie sind lediglich 5 Tore voraus. Zwar sind nur noch drei Spieltage zu absolvieren, aber sollte Schalke 3 Siege einfahren und am Ende auf 54 Punkte kommen wäre es nicht völlig abwegig, dass dies für den vierten Platz reicht, denn die Konkurrenz hat im Schlussspurt die schwierigeren Aufgaben zu absolvieren.

Hertha konnte keins seiner letzten 5 Spiele gewinnen. Morgen spielen sie in Leverkusen, nächste Woche gegen Darmstadt, am letzten Spieltag gegen Mainz. Gladbach hat in den sieben Auswärtsspielen der Rückrunde erste einen Punkt geholt und muss noch zweimal auswärts antreten. Morgen spielen sie in München, am letzten Spieltag in Darmstadt, dazwischen liegt ein Heimspiel gegen Leverkusen. Mainz hat seine letzten beiden Spiele gegen Köln und Frankfurt verloren. Nun empfangen sie den HSV, kommende Woche treten sie in Stuttgart an und am letzten Spieltag müssen sie nach Berlin – siehe oben.

Aber längst rutscht der geneigte Leser unruhig hin und her. Was nutzt es, auf die anderen zu schauen, höre ich ihn sagen, wenn doch die Blauen eh nicht drei Spiele in Folge gewinnen können?!

Ich sage nicht, dass sie es schaffen. Ich sage, dass es machbar ist. Stets wird auf Schalke um das Ausrufen von Zielen ein großes Palaver veranstaltet. Wer wann was fordert, darüber könnte man Abhandlungen verfassen, schließlich ist das Schalke, da sind sich Protagonisten nie einig. Aber hier und jetzt haben wir hier eine sehr geeignete Ausgangslage für ein realistisches Ziel: Gewinne gegen Hannover 96, den FC Augsburg und die TSG Hoffenheim. Drei Spiele die – mit ein bisschen Glück – die Saison retten können.

Jetzt gilt es. Jetzt muss Schalke liefern.
 
 
Gegen Hannover, auf’m Platz

Gegen Leverkusen wurden Leon Goretzka und Benni Höwedes eingewechselt. Mit einer Woche mehr Training könnten beide eine Option für die Startelf sein. In der Pressekonferenz zum Spiel dämpfte Trainer Breitenreiter die Erwartungen in Richtung Höwedes, die in Richtung Goretzka aber nicht. Zumal ausgerechnet Leon Goretzka unter André Breitenreiter stets gespielt hat, sobald er nur geradeaus laufen konnten. Aktuell ist die Personallage bei den Blauen jedenfalls so entspannt wie lange nicht mehr. Breitenreiter hat auf nahezu allen Positionen die Wahl zwischen verschiedenen Optionen.

Bei Hannover 96 fand Ex-Schalker Adam Szalai sein Glück auch nicht. In 10 Einsätzen gelang ihm kein Treffer. Immerhin spielte er aber gegen Ingolstadt die vollen 90 Minuten durch und wurde von Interims-Trainer Daniel Stendel sogar gelobt. Gut möglich, dass er gegen Schalke in der Startformation steht.
 
 
Daten und Drumherum

André Breitenreiter wurde in Langenhagen geboren. Ohne den Langenhagenern zu nahe treten zu wollen, aber das ist quasi Hannover. Über Borussia Hannover und den Hannoverschen SC kam er mit 13 Jahren zu den 96ern und wurde dort Fußballprofi.

Als Trainer trat André Breitenreiter bislang dreimal gegen Hannover 96 an, zweimal mit Paderborn und in der Hinrunde mit Schalke 04. Alle drei Spiele hat er gewonnen.

Die jüngere Bilanz zwischen Hannover und Schalke spricht allerdings nicht für einen Sieg der Blauen. Von 2011 datiert der letzte Auswärtssieg in den Begegnungen zwischen diesen beiden Clubs. In den folgenden 9 Begegnungen gewann sieben Mal das Heimteam, zwei Spiele endeten unentschieden.

Bei Schalke 04 sind gleich 6 Spieler von Sperrungen bedroht: Aogo, Geis, Goretzka, Meyer, Neustädter und Sanè. Bei Hannover sind es nur zwei.

Bei den Wettanbietern ist Schalke Favorit. Für einen Sieg der Blauen gibt es nur 1,85 für 1, die Quote zu einem Sieg Hannovers liegt bei 4,2 für 1.

Schiedsrichter der Partie ist Günter Perl.

Gleich sieben Schalker haben an diesem Wochenende Geburtstag. Heute wird Helmut Papst 65 Jahre alt, von 1971 bis 1974 Schalkes Nummer 2 hinter Norbert Nigbur. Morgen wird Heinz Kuzniewski 85 Jahre alt, von 1951 bis 1953 Stürmer der Blauen. Außerdem hat morgen der Manager Geburtstag, seinen 72., wir hoffen er fühlt sich gut. Am Sonntag folgt dann der Geburtstag des sechsmaligen Deutschen Meisters Rudi Gellesch, der mit Szepan und Kuzorra den Schalker Kreisel prägte und 1990 verstarb. Willi Kraus war in den 60ern Schalker und Bankräuber und wäre Sonntag 73 Jahre alt geworden. Rainer Budde spielte 1968 beim MSV Duisburg unter Trainer Gyula Lóránt mit Heinz van Haaren und Erwin Kostedde zusammen und wusste als Stürmer zu überzeugen. Nach dem Wechsel zu Schalke 1972 klappte es weniger. Er wird Sonntag 68 Jahre alt. Und Olaf Thon ist und bleibt Olaf Thon, ab Sonntag dann fünfzigjährig.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes Regionalliga-Team bestreitet am Samstag ein Nachholspiel gegen Rot-Weiß Ahlen. Anstoß ist um 14 Uhr in der Mondpalast Arena in Wanne-Eickel.

Norbert Elgerts U19 empfängt am Sonntag um 11 Uhr auf der Sportanlage der Gesamtschule Ückendorf den Wuppertaler SV.

Schalkes B-Jugend hat an diesem Wochenende kein Spiel.
 
 
Und sonst?

Gestern fand in der NFL, der National (American) Football League der Draft der Saison 2017 statt. Bei dieser „Ziehung“ werden die anstehenden Talente auf ihre Clubs verteilt. Da sich das jeweils schwächste Team das beste Talent aussuchen darf, hält sich die Liga weitestgehend ausgeglichen.

American Football kann man gut finden, oder auch nicht, da bin ich vollkommen offen. Trotzdem fand ich die folgende Debatte interessant. Ein sachlicher Austausch zu den verschiedenen Sichtweisen auf die Dinge …

So. Schönet Wochenende bis Montach.

Spaß bis auf’m Klo: Toller Abend auf Schalke

Tolle Choreografie, toller Abend auf Schalke

Schalke besiegt Hannover 96 mit 3:1, der erste Sieg seit dem 17. Oktober. Vor dem Spiel gab es eine bemerkenswerte Choreografie auf den Rängen, nach dem Spiel ausgelassenen Jubel, dazwischen ein überzeugendes Spiel der Blauen.

„… damit vereitelt Zieler nun schon die 18. Großchance!“ scholl es aus den Lautsprechern. Marcel Reif sprach zu uns, der, der oben sitzt und mitzählt. Zu uns, die wir hier gerade pinkelnd nebeneinander standen, in der Herrentoilette vor Block S5, die letzten Sekunden bis zum Halbzeitpfiff nutzend, bevor der große Andrang den eigenen Drang verlängert hätte. Überraschtes, erleichtertes und durchaus fröhliches Gelächter schwoll an. „Wat hat der denn für ein Spiel gesehen?“ kam aus der einen Ecke und die anderer antwortete „Uns auf’m Klo kannze ja allet erzählen.“

Das Großchancen-Feuerwerk der ersten Halbzeit war mir entgangen. Ich sah eine Schalker Mannschaft die eine Weile brauchte um in dieses Spiel zu finden. 15 Minuten war es ein ausgeglichenes Gegen-den-Ball-Arbeiten, bis Schalke mehr und mehr die Oberhand gewann und Druck zu erzeugen begann. Ab dann spielte nur noch Schalke, zunächst allerdings ohne zu ganz klare Chancen zu kommen.

Schalke hat Spieler, die mit dem Ball umgehen können. Nicht auszudenken wie hübsch dieses Spiel hätte anzusehen sein können, wenn es auf einem Bundesligarasen stattgefunden hätte. Auf dem Acker vom Berger Feld blieb es an Taktik und Dynamik, für Schalke den Unterschied zu machen. Schalke gewann im Mittefeld Ball und Ball und spielte sofort nach vorne, auf den unermüdlich startenden Leroy Sané, auf Max Meyer, auf Eric Maxim Choupo-Moting. Die schnelle Führung nach der Pause befreite. Schalke erarbeitete sich gute Situationen am laufenden Band. Schalke spielte auch nach der Führung weiter nach vorne, wollte das Spiel entscheiden, nicht verwalten. Das alles lies einen zufrieden sein, fühlte sich gut an.

Hannover war kein starker Gegner. Schalkes Spiel war gut, aber nicht außergewöhnlich. Der „laute“ Jubel nach dem Spiel, im Stadion, in den sozialen Netzwerken, um die in der Nordkurve tanzende Mannschaft herum, war mehr Ausdruck des miteinander im Reinen Seins als situativ. Auf Hannover gepfiffen, man mag diese neue Schalker Mannschaft. Man fühlt sich wieder wohl.
Diese Stimmung war ein Statement, wie schon die außergewöhnliche Choreografie vor dem Anpfiff ein Statement war. Dabei war die Aussage nicht nur „Wir sind sowieso die Geilsten!“. Die Stimmung zeigte vor allem, dass die Zuschauer die Situation um Schalke 04 verstehen. Dass die ordentlichen Leistungen gegen die starken Gegner der letzten Wochen trotz fehlender Punkteausbeute respektiert wurden. Dass diese Mannschaft eben nicht in der Krise, sondern durchaus im Soll ist.

Bis Weihnachten gilt es für Schalke nun, die Hinrunde zu einem guten Ende zu bringen. Ich hatte mir in meinem letzten Text 7 Punkte und damit eine 28 Punkte-Hinrunde gewünscht. Noch 04.

Spielmacher Fuchs

Schalke gewinnt den Rückrundenauftakt gegen Hannover 96 mit 1:0. Es hätte auch unentschieden ausgehen, man hätte auch verlieren können. Ähnlich wie am letzten Spieltag der Hinrunde bekam man viel zu sehen, diesmal stimmte aus Blauer Sicht aber auch das Ergebnis. Bester Schalker war dabei ein Österreicher, dessen Vertrag in knapp 5 Monaten ausläuft.

„Kippelig“ steht sogar im Duden. Ich dachte es wäre ein Wort aus der Gegend, aber offensichtlich wackelts bundesweit ab und an auf solche Weise. Auf Schalke gestern gleich dreimal ganz arg. Als es Benny Höwedes irgendwie schaffte, Joselu auf dem Weg zum Ausgleich den Ball durch die Beine wegzuspitzeln. Als der gleiche Joselu im Alleingang erst an Fabian Giefer scheiterte. Und vor allem, als eine von Matija Nastasic Richtung Tor abgefälschte Hereingabe beim letzten Aufsetzen plötzlich die Richtung änderte, eben nicht ins Netz, sondern wie von Geisterhand geführt, plötzlich gen Seitenlinie flog. Eine Zauberszene die es wert gewesen wäre, mehr als nur ein normales Bundesligaspiel zu entscheiden.

Trotzdem war es letztlich kein nur glücklicher Sieg, denn auch die Blauen hatten viele Torchancen. Schalkes Spielmacher war dabei Christian Fuchs, der so ziemlich jede gefährliche Situation vorbereitet hat. Gegen Hannover gab es leider keinen Mix an Offensive. Meyer konnte sich kaum durchsetzen, Uchida blieb blass, der Spielaufbau durchs Zentrum, über Neustädter und Höger, wurde von Hannover geeignet verteidigt. So war es eben an Fuchs, Chancen zu kreieren. Es wirkt immer etwas zufällig, Flanken gelten als profan. Aber das ist eben nur gefühlt. Spiele über die Außen zu gewinnen ist ein erlaubtes Mittel, und diese Hereingaben sind Fuchs‘ Stärke.

Ein Sieg der individuellen Qualität, eben der von Fuchs, Höwedes und Giefer, die man gelöst hätte beklatschen können, hätte sich Klaas-Jan Huntelaar nich noch zum Tieffliegen hinreißen lassen. Ob was vorgefallen war zwischen ihm und Schmiedebach? Ob es der Frust war, weil ihm selbst in diesem Spiel so wenig gelungen ist? Ich weiß es nicht. Aber ich fand des Princen Auftreten bei seinem Kurzeinsatz gut. Vielleicht ist ja gerade der Termin in München die passende Gelegenheit für einen von Prince unterstützen Choupo-Moting im Sturmzentrum. Ma’kucken.



Foto: Tomek Bo

Schwache Schalker starten fehl

Nach dem Aus im DFB-Pokal misslingt auch der Ligaauftakt: Schalke verliert in Hannover 1:2. Danach war ein Sündenbock flott gefunden. Ihn alleine anzuprangern, greift aber zu kurz.

Benedikt Höwedes ist Kapitän und neuerdings eben auch Weltmeister. Sein Wort hat nun noch mehr Gewicht, und auch an Klarheit ließ es nach dem Spiel nicht zu wünschen übrig: Prince war schuld. In der Szene vor dem Ausgleich der Hannoveraner hätte er Leonardo Bittencourt gleich an der Mittellinie foulen müssen. Jens Keller sagte dasselbe. Horst Heldt prangerte Klaas-Jan Huntelaar an, der zuvor den Ball verlor. Individuelle Fehler jedenfalls, die dazu führten, dass Hannover das Spiel drehte, das Schalke zu dem Zeitpunkt ja so gut im Griff hatte.

Tatsächlich war Schalke nach der Pause am Drücker, zeigte sich engagiert und spielte den Konter, der zum 1:0 wurde, toll aus. Von der 45. bis zur 67. Minute wirkte Schalke ehrgeizig und zielstrebig. Sicher war es auch des Princen Bock, der zum Ausgleich führte. Trotzdem kann man auch der Meinung sein, dass es die Chancen auf einen Erfolg erhöht hätte, wenn Schalke in der ersten Halbzeit und nach dem Ausgleich ordentlich Fußball gespielt hätte. Die besagten Schlüsselszenen wurden nur deshalb zu eben solchen, weil in 71 von 93 Spielminuten bei den Blauen nichts zusammen lief.

Nur auf grafischen Darstellungen läuft Schalke weiterhin in der bekannten 4-2-3-1-Formation auf. Tatsächlich agierte Sidney Sam in Hannover, wie schon in Dresden, auf einer Mittelfeld Halbposition, wie man ihn aus dem Leverkusener „Tannenbaum-System“ (4-3-2-1) der letzten Saison kannte. Auf dem Flügel ward er nie gesehen. Eric Maxim Choupo-Moting wich zwar ab und an auf den Flügel aus, agierte aber ebenso häufig im Zentrum oder als Stürmer neben Klaas-Jan Huntelaar. Julian Draxler war als „10er“ aufgeboten, spurtete aber häufig auch durch das linke Mittelfeld, eben wenn Choupo-Moting wieder anderswo umher lief. Was möglicherweise irgendwann mit der nötigen Abstimmung und Präzision als tolles Rochieren gefeiert werden könnte, wirkte in Hannover wie pures Chaos.

Mal stand man sich im Weg, mal waren riesige Räume gänzlich verweist. Fast immer wurden selbst einfache Pässe schlampig gespielt, die Rückwärtsbewegung der Offensivkräfte nach Ballverlust war ein ständiges Problem: Schalkes drei kreative Spieler hinter Klaas-Jan Huntelaar waren in der Summe schwach, egal wieviel Talent sie einzeln auch auf den Platz brachten. Abgesehen von der einen Kontersituation, die zum 1:0 führte, sind sie an ihrer Aufgabe, Klaas-Jan Huntelaar mit verwertbaren Bällen zu füttern, kläglich gescheitert.

Es ist an Jens Keller, den drei sich fremden Spielern hinter Klaas-Jan Huntelaar aufzuzeigen, wie sie den Ball gemeinsam zu Schalkes Torjäger bringen können. Fehler passieren immer. Schlecht ist, wenn man so wenig zu erzwingen in der Lage ist, dass man zu 100% von Fehlerfreiheit abhängig ist.

Schalke vor Hannover … und vor China

Schalke 04 steht vor seinem Bundesliga-Saisonauftakt in Hannover. Prince und Klaas-Jan Huntelaar sind einsatzbereit, Jan Kirchhoff, Dennis Aogo und Atsuto Uchida sind mitterweile zwar wieder im Training, für Samstag sind sie aber noch keine Option.

Veränderungen in der Aufstellung wird es auf Grund der jetzigen Einsatzbereitschaft der Nationalspieler Julian Draxler und Benedikt Höwedes geben. Änderungen als Konsequenz aus der Enttäuschung von Dresden sind nicht geplant. Man wolle nun nicht alles schlechtreden.

Jens Keller geht davon aus, dass bei Hannover 96, abgesehen von einem Einsatz von Stürmer Joselu, alles beim Alten bleibt, und die Mannschaft mit der des Vorjahres vergleichbar ist.

In der Personalie Christian Fuchs, der weiterhin als möglicher Abgang gilt, gibt es nichts Neues. Nachbesserungen des Kaders wird es nicht mehr geben, man ist davon überzeugt, dass man mit diesem Kader die Ziele in den verbleibenden Wettbewerben erreichen kann.

Marketingvorstand Alexander Jobst gab unter der Woche in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland bekannt, dass Russland kurz und mittelfristig als Ziel der Schalker „Internationalisierungsstrategie“ auf Eis liege. Auch wenn man Sport und Politk streng voneinander trennen wolle, führten doch die politischen Ereignisse zu diesem Schritt. Ein aktives Marketing in Russland würde Schalkes Werten und Grundsätzen widersprechen. Das Sponsoring Gazproms habe mit diesen Entscheidungen zu den Eigeninitiativen des Clubs nichts zu tun, betonte Jobst.

Auch weil Schalke mit Hisense und Huawei gerade zwei asiatische Großkonzerne als Sponsoren gewinnen konnte, sieht Jobst nun Japan und China als erste Ziele der besagten Internationalisierungsstrategie. Möglicherweise wird der Elektronikhersteller Hisense seine Geräte demnächst mit Schalke-TV-App ausliefern. Huawei dränge hingegen in den europäischen Markt und will in naher Zukunft für ordentlichen Internet-Empfang in Schalkes Arena sorgen.

Für die Saison 2014/15 geht Alexander Jobst von einem Marketingumsatz zwischen 80 und 82 Millionen Euro aus. Selbstverständlich erzeuge das auch sportlichen Druck, gibt Jobst zu. Firmen wie Hisense und Huawei gingen selbstverständlich davon aus, mit Schalke 04 einen Champions League-Teilnehmer als Sponsoring-Partner gewonnen zu haben.

Parallel dazu beobachtete Tobias Jochheim für Die Zeit, wie normal und damit erfolgreich „Partner Gazprom“ auf Schalke geworden ist.

Ein Sieg ohne offene Fragen

Schalke gewinnt gegen Hannover 96 mit 2:0 und liefert dabei die beste Rückrundenleistung. Über die gesamte Spielzeit hatte man den Gegner im Griff. Blöd nur, dass sich dabei Roman Neustädter und Atsuto Uchida verletzten.

Schlüssel zum Erfolg war, wie schon gegen Hamburg und Wolfsburg, die Defensivarbeit. Bis Schalke das erste Mal auf Ron Robert Zielers Tor schoss, schafften die Gäste keine drei Pässe in Folge. Bis Hannover das erste Mal auf Ralf Fährmanns Tor schoss, waren 66 Spielminuten vergangen.
Es gab kein Defensivloch im blauen Gefüge. Kein Hannoveraner, der in 1:1 Situationen grundsätzlich überlegen gewesen wäre. Kein Schalker, der sich nicht an der „Arbeit“ beteiligt hätte, das Feld ohne Ball eng zu machen. Vor allem die Außen Chinedu Obasi und Jefferson Farfan leisten dahingehend derzeit mehr als Schalkes Außen in der Hinrunde. Dadurch werden die Außenverteidiger entlastet und sind momentan nicht mehr die Schwachstelle, die sie vor einiger Zeit noch waren.

Schalke brauchte eine Weile, bis man zu wirklich klaren Chancen kam. Es fehlte hier und da am letzten Pass. Vorgabe war, das Spiel breit zu machen, über die Flügel zu kommen. Grundsätzlich gelang das. Ab und an wurde aber auch dann noch nach außen gespielt, wenn mit Tempo durch die Mitte Platz gewesen wäre. Somit entwickelte sich ein Offensivspiel, bei dem Schalke zwar den Ball gut laufen lies, Hannover aber doch lange die Zone um das eigenen Tor gut verteidigen konnte.

Irgendwann wurde der Druck für Hannover aber zu groß. Über einige sehenswerte Kombinationen kam Schalke zu Abschlüssen. Durch einen gewonnen Zweikampf kam Schalke zur Führung. Nach einem tollen Spielzug erzielte man den vorentscheidenden zweiten Treffer. Nichts, was die Laune getrübt hätte, wären da nicht die Verletzungen gewesen.

Vor dem Spiel wurde bekannt, dass Benedikt Höwedes noch 2 bis 3 Wochen ausfallen wird. Atsuto Uchida wird an einem Muskelfaserriss ähnlich lange laborieren. Roman Neustädter hatte zwar das Glück, nicht schwerwiegend verletzt worden zu sein, aber wieviel er in dieser Woche vom Training mitbekommen und ob er gegen Leverkusen voll einsatzfähig sein wird, bleibt auch abzuwarten.
Immerhin kann sich Jens Keller auf Schalkes Nachwuchs verlassen. Kaan Ayhan ist 19 Jahre jung, wurde in Gelsenkirchen geboren, hat mit 5 Jahren beim FC Schalke 04 das Kicken begonnen und agierte gegen Hannover über 70 Minuten mit der Selbstverständlichkeit eines langjährigen Bundesligaprofis. Eine tolle Geschichte; die nächste dieser Art.

Diesmal gab es keine Phase, in der das Spiel zu kippen drohte, wie noch gegen Wolfsburg. In diesem Spiel schloss Schalke den Glück/Pech-Faktor bestmöglich aus und gewann so verdient wie nur möglich. Bei allem Respekt vor der Leistung und den Gegnern muss man aber sagen dürfen: Will man in die Champions League-Ränge, sind Spiele gegen Hamburg, Hannover, und auch ein Heimspiel gegen Wolfsburg, Begegnungen, die man gewinnen „sollte“. Die Gegner, für die das so nicht uneingeschränkt gilt, folgen in den nächsten Wochen. Der Unterschied zu vor drei Wochen ist: Jetzt freut man sich darauf.