Artikel zum Schlagwort ‘Hannover 96’

Wörtlich: Dr. Christos Papadopoulos

Mirko Slomka hat fortgesetzt, was Ralf Rangnick begonnen hat und die Mannschaft im Europapokal etabliert. Dadurch hat im Verein eine Evolution stattgefunden. Man hat sich mit den Großen gemessen. Nach Mirko war der Club in der Lage, wirtschaftlich und sportlich mit der Spitze der Liga mitzuhalten.

Eine Aussage, über die ich erstmal nachdenken muss. Bislang habe ich das völlig anders gesehen.

Dr. Christos Papadopoulos war von 2000 bis zur Verpflichtung Felix Magaths und dessen Trainerstab Konditions- und Reha-Trainer auf Schalke. Heute arbeitet er beim VfB Stuttgart und wurde anlässlich des Spiels zwischen Schalke und den Schwaben von der Stuttgarter Zeitung zu einigen „Schalker Typen“ befragt.

Pukki ist Rock ’n’ Roll und Schalke verdient sich einen Punkt

Puki ist Rock ‘n’ Roll und Schalke verdient sich einen Punkt | Hannover 96 – Schalke 04 2:2

Erst dachte ich, dass Schalke dieses Spiel gewinnen würde, dann sah es so aus, als würde Schalke dieses Spiel verdient verlieren, und am Ende hätte sich Schalke den Sieg beinahe doch noch erkämpft: Das erste Unentschieden in dieser Saison war ein gerechtes, war ein tolles Bundesligaspiel und hatte als erstes Spiel seinen Helden in Teemu Pukki. Endlich!

Nein, so ganz ernst ist die abgedrehte Verehrung des Neuen aus der No-Name-Liga als Kultkicker nicht zu nehmen. Noch bevor er je einen graden Ball für die Königsblauen spielte hallten Pukki-Rufe durch Schalkes Arena, als sei dort nach Raúl ein weiterer Weltstar angekommen. Wenn dann eben nicht nur ein paar Fans, sondern tausende Zuschauer auf allen Tribünen in Jubel verfallen, haben sie vor allem Spaß an sich selbst, daran, eine skurrile Geschichte zu leben, etwas Beklopptes, aber eben auch Positives zu tun, risikofrei, weil als einzige Gefahr besteht, dass Herr Pukki nicht einschlägt, dass es beim Spaß an sich selbst bleibt.

Jetzt hat er getroffen, zweimal, wunderbar. Jetzt geht der Hype erst richig los, jetzt ist Pukki Rock ’n’ Roll. Auch wenn es natürlich trotzdem dabei bleibt, dass er vor allem ein 21-jähriges Talent ist, das sich erst noch durchsetzten muss, hat er mit diesem Spiel ein größeres Ausrufezeichen gesetzt als so viele Ab und An-Spieler in den letzten beiden Jahren, und als Ciprian Marica sowieso. Bleibt zu hoffen, dass Huub Stevens für ihn auch dann hin und wieder ein Plätzchen findet, wenn des Torjägers Nr. 1 Nase gerichtet ist.

Aber dieses Spiel war noch mehr als nur die Geschichte um Teemu Pukki, dieses Spiel war hoch spannend, aufregend und abwechslungsreich. In der ersten Halbzeit war ich guter Dinge. Das Eigentor war Pech, so was kann passieren. Zuvor hatte Schalke kaum Chancen zugelassen und auch wenn das eigene Angriffsspiel nicht entscheidend durchgebracht werden konnte, durfte man doch immer auf eine gute Situation hoffen; wie eben die zum 1:0, oder den Pass auf Julian Draxler in der 34. Minuten, der zu unrecht zurückgepfiffen wurde. Kurz vor der Halbzeit war Schalke dann aber mit Schiedsrichter Starks Entscheidungen gut bedient, als Jones bei seinem Notbremsenfoul nur Gelb sah und Papadopoulos’ Ungeschick im Strafraum keinen Elfer nach sich zog.

Die erste halbe Stunde der zweiten Hälfte spielte Hannover beeindruckend. Neben Raúl, an dem dieses Spiel völlig vorbei lief, war spätestens jetzt auch Lewis Holtby abgemeldet. Wenn Schalke den Ball auf die Flügel brachte waren die Spieler dort fast stets isoliert. Draxler rieb sich in 1 gegen 3 Situation auf, Farfán lies sich weit zurückfallen und zog in die Mitte, um am Spiel teilzunehmen. Umgekehrt schaffte es Hannover, im Angriff stets Anspielstationen zu haben, selbst bei schnellen Vorstößen. Immer wieder stürmten drei oder vier Hannoveraner fast auf einer Höhe nach vorne. Abdellaoue, Schlaudraff, Ya Konan, dazu mal Stindl, mal Pander. Meistens wurde der Ball zentral bis in die Mitte der gegnerischen Hälfte gebracht, dann nach Außen gespielt und von dort flach in die Zentrale zurückgegeben. Durch die Geschwindigkeit dieser zweifellos einstudierten Spielzüge entstand regelmäßig Konfusion in Schalkes in der Rückwärtsbewegung befindlichen Abwehrreihe. Das war richtig gut, was Hannover da zeigte, meines Erachtens war die Führung der 96er durch Abdellaoue in der 59. Minute verdient.

Umso großartiger ist es, dass Schalke es schaffte, erneut zurückzukommen. Anfangs war es bemüht aber eigentlich nicht so richtig gut. Trotzdem fiel das Tor, und danach wurden die Königsblauen noch mal richtig stark. Schade, dass nicht eine der beiden Holtby-Chancen drin war. Schalke war am Drücker, es wäre so schön gewesen.
Dennoch fühlte es sich für mich am Ende ok an. Hannover ist eine gute Mannschaft, hatte zu Hause bis dato nur zwei Punkte abgegeben, nun hat auch Schalke dort einen Punkt geholt. Nun steht Schalke zwar nur noch auf Platz 5, aber eben doch lediglich einen Punkt hinter Platz 2. Eine nach wie vor gute Ausgangsposition, vor allem falls man es schaffen würde, sich den gewonnen Punkt im nächsten Heimspiel gegen Nürnberg zu vergolden. Aber bis dahin ist es ja noch etwas Zeit …

Heldt auf Partnersuche: Ein Trainer reicht nicht

Schalke 04 sucht einen neuen Trainer, das ist bekannt. Eine offene Frage ist, wie viel Konzept, wie viele Ideen und wie viel Marktwissen ersetzt werden müssen. In der Regel bleibt im Dunkel, wer in einem bundesligaüblichen Trainer/Manager-Tandem den innovativen Part inne hat. Wie schief es laufen kann hat Schalke 04 erst in der jüngeren Vergangenheit erlebt, mit einem Mann, der aktuell als Trainer wieder zu glänzen weiß. Mirko Slomka.

Wer entdeckte Marco Höger für Schalke 04? Wer entschied die Personalie Ciprian Marica und wer kam auf die Idee, Bernhard Trares als Trainer für Schalkes zweite Mannschaft zu verpflichten? Würde man Horst Heldt fragen bekäme man die Antwort, dass er mit Ralf Rangnick eng zusammen gearbeitet habe und alle Entscheidungen gemeinsam beschlossen worden seien. Als Außenstehender kann man zwar die formalen Verantwortlichkeiten abgrenzen, wer aber was leistet lässt sich kaum bestimmen.

Dass Ralf Rangnick auf Schalke mehr als nur trainieren und die Taktik festlegen sollte wurde früh klar. Schon bei seiner Verpflichtung betonte Heldt des Trainers Arbeit bezüglich der Nachwuchsabteilung in Stuttgart, von der er selbst später als Manager profitiert hätte. Schalke wollte das Rangnick-Gesamtkonzept verpflichten und es ist mehr als fraglich, ob die grundsätzlichen Ideen umgesetzt werden können, wenn ein anderer Cheftrainer mit eigener Philosophie ins Ruder greift. Dass „nur guter Trainer“ nicht reicht, wenn im Tandem mit dem Manager die guten Ideen fehlen, wurde auf Schalke unter Manger Andreas Müller und Trainer Mirko Slomka mehr als deutlich.

Als Mirko Slomka zum Cheftrainer wurde übernahm er einen noch gut aufgestellten Kader. Anfangs ließ er guten Fußball spielen. Während seiner ganzen Cheftrainerzeit auf Schalke hatte er das Talent zu punkten. Gegen Ende seiner Amtszeit ließ er gnadenlos ergebnisorientiert spielen, zur Not machte er hinten dicht und hoffte vorne auf die Chance durch Standardsituationen, die Schalke zur damaligen Zeit regelmäßig zu nutzen wusste. Trotz ordentlicher Ergebnisse wurde der Fußball immer schlechter, miese Transfers sorgten dafür, dass die Mannschaft an Talent einbüßte, dass sie „ausblutete“.

Ob das nun hauptsächlich Müllers oder Slomkas Schuld war, ließ sich nie bestimmen. Dass Mirko Slomka seinen Anteil daran hatte kann aber wohl niemand bestreiten. All die Grossmüllers, Sanchez’ und Streits werden nicht einfach unbedarft in seine Mannschaft gepurzelt sein. Er lies sie als Zugänge zu und wusste sie dann nicht einzusetzen. In Hannover weiß er nun wieder als Trainer zu glänzen. Ein Umbruch war noch nicht nötig. Sieben der zehn Feldspieler in Hannovers Startaufstellung am letzten Samstag waren bereits vor Slomkas Engagement bei den 96ern. Ob er gemeinsam mit Jörg Schmadtke bei Zeiten die Mannschaft wird umbauen können, bleibt abzuwarten.

Bei allem berechtigten Lob für Horst Heldt bisherige Arbeit möchte ich nicht, dass er sich die Zukunft komplett alleine denken muss. Er sucht deshalb völlig zu Recht nicht nur einen neuen Trainer, er sucht einen neuen Partner zur Leitung der sportlichen Belange des FC Schalke 04. Man kann nur hoffen, dass er findet und bekommt.

Christian Pander

… verlängert seinen Vertrag auf Schalke nicht und schließt sich Hannover 96 an. Das meldet heute die Recklinghäuser Zeitung.

Laut vorherigen Medienberichten hätte noch ein Gespräch zwischen Christian Pander und Horst Heldt folgen sollen. Ob dieses Gespräch schon stattgefunden hat, ob Pander einem ausbleibenden Angebot zuvorgekommen ist, ob Pander drauf gepfiffen und sich kurzentschlossen für ein gutes Angebot aus Hannover entschieden hat: Eigentlich ist es egal.

Es war ein andauerndes Ärgernis, dass ein Verantwortlicher nach dem anderen die schlecht besetzte Linksverteidigerposition mit der Ausrede erklärte, man habe ja noch Christan Pander. Christan Pander hat auf Schalke seit Jahren nicht mehr stattgefunden. Das kann man Christian Panders nicht vorwerfen, aber darum geht es auch nicht. Bei Verträgen geht es um Geld und darum, was man dafür bekommt.

Der ganze bisherige Profikarriereverlauf Christian Panders ist ein Jammer, und es reizt jeden Schalker immer wieder sich auszumalen, wie es hätte sein können, wenn es dieses Talent zur vollen Blüte gebracht hätte! Hat es aber nicht.

Jetzt ist auch die letzte Hoffnung dahin. Schade, einerseits. Andererseits aber auch irgendwie befreiend.

Ostern

Papa, will Manuel Neuer weg oder muss er weg?

Ein knappes „Oh“ war die Reaktion meines Sohnes, nachdem ich seine Frage beantwortet hatte. Neben ihm war ich in diesem Moment enttäuschter, als ich es alleine, zuvor, in der ganzen Zeit des Neuer’schen Wechselpalavers, je war.

Nun ist Ostern aber gerade das Fest des ewigen Neuanfangs, der Erkenntnis, dass es sich stets lohnt, auf ein Danach zu hoffen. Auch mein Sohn fängt stets neu an zu mögen. Kuranyi war früher. Asamoah ist in der Sportschau nur noch ab und an. Neuer hängt als Poster noch an der Wand, Farfán auch. Jetzt steht aber gerade Raúl ganz hoch im Kurs.

Dabei schätzt mein Sohn offenbar weniger Raúls Zauberfuß als viel mehr dessen unermüdlichen Einsatz. Kuranyi ließ er einst noch malerisch gegen Hannover 96 ein Tor mit der Hacke erzielen – das Bild hängt bei mir im Büro – Raúl stellt er hingegen mit wilden Haaren dar, und mit nassem Gesicht („das Blaue, Papa, weil der immer so schwitzt“).




SsdnN

Ron-Robert Zieler von Hannover 96 und Oliver Baumann vom SC Freiburg könnten in den Kandidatenkreis der Neuer-Nachfolgerschaft geraten. Weil ich in der Regel nur die Schalke-Spiele über 90 Minuten schaue und mir keine Urteile auf Grund von Sportschau-Zusammenschnitten bilden mag, stand ich bis dato ziemlich nackt da wenn mich jemand fragte, wen ich in der kommenden Saison gerne auf Schalke im Tor sehen möchte. Gestern nutze ich die Gelegenheit und schaute mir mit der Partie Freiburg-Hannover gleich zwei junge Torhüter an. Bei Twitter nannte ich das großspurig und RTLlike „SsdnN“ (Schalker suchen den neuen Neuer).

Für Baumann lief es nicht gut, Zieler lieferte hingegen eine starke Leistung ab. Ähnlich wie Manuel Neuer positionierte er sich häufig als letzter Verteidiger. Der Ball am Fuß war bei ihm sicher, allerdings wusste er nicht allzu viel damit anzufangen, er initiierte nicht. Dafür waren Reaktion, Stellungsspiel und Lufthoheit sehr stark. Nur ein Spiel, sicher, aber dieses Casting hat er deutlich gewonnen.



Einwechselspieler-Raten

Karfreitag ist es still. Deshalb ohne viel Brimborium zu einem Spiel, dessen spannendste Frage lediglich aus der Reaktion des Publikums gegenüber Manuel Neuer besteht …

Escudero
Jurado
Karimi

Hier geht’s Dienstag weiter. Ich wünschen nur den Schalkern unter uns einen Sieg, ansonsten aber allen Lesern und Fans jeder Couleur frohe Feiertage! Danke fürs mitmachen.



Was ist Einwechelspieler-Raten?
Tippabgabe bis Samstag, 14:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.

Ein schlechter Tag

Heute vor 121 Tagen erlebte Schalke eine bemerkenswerte Niederlage. Mit fast einer Stunde durchgehenden Applaus bedankte sich ein Stadion voller Schalker für eine tolle Saison und lies Felix Magath als den Regisseur eines tollen Films hochleben. 119 Tage freute ich mich auf das erste Heimspiel der neuen Saison. Und dann folgte dieses üble Erlebnis.
Schalke war hinten schlecht, vorne schlecht und in der Mitte schlecht. Die Mannschaft zeigte eine desolate Leistung, hätte noch mehr Gegentore kassieren können und hat selbst kaum Chancen erspielt. Und als sei das alles nicht schlimm genug, zeigte sich Schalke auch auf den Rängen von seiner schlechten Seite.

Alexander Baumjohann durfte im linken Mittelfeld starten. Ivan Rakitic, der diese Position noch gegen Hamburg spielte, sollte neben Jermaine Jones im defensiven Mittelfeld agieren. Dazu Farfán rechts, Raúl im Sturm: Sieht man von dem mir noch gänzlich unbekannten Neuzugang Ciprian Deac ab, bot Felix Magath alle Spieler seines Kaders auf, denen ein gewisses Potenzial an Kreativität nachgesagt wird. Das Ergebnis war erbärmlich.
Ivan Rakitic spielte in der ersten halben Stunde einige öffnende Pässe. Später gelang ihm das nicht mehr. Jefferson Farfán erwischte einen schlechten Tag. Alexander Baumjohann, von vielen Fans immer wieder gefordert, kämpfte unermüdlich. Doch das, was man sich von ihm wünscht, einen Pass durch die Abwehrreihe, das Bedienen der Stürmer, das eine oder andere erfolgreiche Dribbling, war von ihm abermals nicht zu sehen. Raúl bekam kaum einen Ball, wurde nicht angespielt, fand nicht statt.

Die Verteidigung macht mittlerweile jedem Schalker angst. Neuzugang Hans Sarpei war nie in der Lage, sich am Spielaufbau zu beteiligen, wusste aber seine defensiven Aufgaben weitestgehend zu erfüllen. Damit war er schon der effektivste Schalker Feldspieler auf dem Platz. Atsuto Uchida wirkte abermals recht aufgedreht, vergaß dabei aber ab und an den Ball, bot eine wenig seriöse Vorstellung.
Joel Matip stand für den gesperrten Benni Höwedes neben Christoph Metzelder in der Innenverteidigung. Anfangs sah das ganz gut aus. Nachdem er sich allerdings vor dem ersten Gegentor locker überlaufen lies wirkte alles weitere unsicher. Unsicher wirkt Christoph Metzelder nie. Er verliert seine Zweikämpfe mit bemerkenswerter Coolness und vertändelt Bälle mit einem Ausdruck höchster Gelassenheit. Der neue Anchorman der Schalker Defensive hat bislang noch in keinem Spiel überzeugen können, ist zu langsam, schätzt Situationen falsch ein, wirkt als wäre er 52 Jahre alt.

Er ist also gerade nicht gut und man muss ihn nicht mögen, und doch trägt er nun das königsblaue Trikot, was viele Fans nicht davon abhielt, ihn bereits vor dem Anstoß auszupfeifen. Ein Transparent „Feind bleibt Feind“ war zu sehen und nach wiederholten Fehlern steigerten sich die Pfiffe in wüste Beschimpfungen.
Generell war die Stimmung schlecht. Von einem wirklichen Antreiben der Mannschaft konnte nicht die Rede sein, stattdessen waren immer wieder laute Unmutsäußerungen nach misslungen Aktionen zu vernehmen. Schon vor dem Anpfiff lies Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann eine Bemerkung zur gedämpften Stimmung fallen. Was die Ursache der schlechten „Gundstimmung“ ist darüber wird viel diskutiert (z. B. ab hier ff).

Erst Donnerstag veröffentlichte die „Kleine Gruppe“ eine Bekanntmachung, in der zur „ganzen und bedingungslosen Unterstützung“ aufgerufen wurde. Das scheint nicht bei allen angekommen zu sein. Wäre auch dieser Aufruf von allen 310(!) Fangruppen verinnerlicht worden, die vor zwei Wochen für die Ziele der „Kleinen Gruppe“ unterschrieben, hätte es diese schlechte Stimmung nicht geben können. So toll ich die Solidarität für die wichtigen Ziele der Gruppe finde, umso erschreckender ist es, dass sich Schalke-Fans offensichtlich nicht darüber einig sind, dass sie während des Spiels ein für die Mannschaft destruktives Verhalten zu unterlassen haben.

Nun hat es gestern ein Gespräch zwischen Fanvertretern und Verein gegeben. Im Anschluss veröffentlichten beide Seiten dieselbe nichtssagende Meldung. Bleibt zu hoffen, dass dabei wirklich Zweifel ausgeräumt werden konnten. Dass sich das Stadion demnächst wieder einig ist. Dass Magath die Mannschaft noch verstärken und sie bis in zwei Wochen zu Bundesligatauglichkeit bringen kann. Bleibt zu hoffen, dass noch alles irgendwie gut wird. Ist ja noch früh in der Saison.

„Erleichterung ist kaum in Worte zu fassen“

Hannover 96 gewann gegen Schalke 04, spielt nun in München und danach in Leverkusen. Für sie geht es um den Klassenerhalt, und Hannovers weitere Ergebnisse könnten Schalkes Tabellenstand beeinflussen. Zur aktuellen Gefühlslage eines 96igers befragte ich Nils Warmboldt von der 96-Fanseite „Das Fanmagazin“.

Hallo Nils. Kaum sehe ich Mirko Slomka am Rand stehen, spielt Schalke wieder schlechten Fußball! Aber ich nehme an, Du wirst mit Deinen Roten zufrieden gewesen sein. Erzähl mal, wie fühlte es sich für Dich an?

Vor allem der Treffer zum 3:2 und dann natürlich auch das entscheidende 4:2 waren für mich mit Abstand die schönsten Augenblicke der Saison. Eine Saison, in der uns bislang die Scheiße förmlich am Fuß klebte. Diese Erleichterung ist kaum in Worte zu fassen. Um das nachvollziehen zu können, muss man sich die gesamte Lage und vor allem auch das bisherige Auftreten der Mannschaft in dieser Saison vor Augen halten. Denn bislang war es so, dass die Mannschaft meistens spätestens nach Gegentreffern auseinanderbrach. Und dafür war die Situation nach dem schnellen Ausgleich innerhalb von wenigen zu Beginn der zweiten Halbzeit eigentlich prädestiniert. Niemand hätte mehr einen Pfifferling auf 96 gesetzt und es hätte wohl auch niemanden auch nur ein bisschen gewundert, wenn das Spiel 2:4 oder noch höher gegen uns ausgegangen wäre. Es hätte gepasst. Wohl jeder 96er im Stadion empfand es als erstaunlich, dass 96 weiterhin viel vom Spiel hatte und dann auch sogar noch traf. Dazu auch noch durch so ein vergleichsweise spektakuläres Tor. Das war für den Moment mehr als nur Erleichterung. Ich war richtiggehend euphorisch, obwohl dafür eigentlich den reinen Fakten nach kein Anlass besteht. Denn so unwahrscheinlich ein Sieg auch war, so war er doch fast schon Pflicht, um noch realistische Chancen auf den direkten Klassenerhalt zu haben.

Da Nürnberg, Bochum, Freiburg und Berlin allesamt verloren haben, sieht die Tabelle für Euch gleich viel freundlicher aus. Aber ihr spielt nun in München und gleich danach in Leverkusen. Glaubst Du an Punkte oder muss Freiburg zweimal verlieren?

Der Spieltag ist in der Tat ganz hervorragend für Hannover 96 gelaufen; besser ging es nicht. Mein Verstand sagt, dass sowohl in München als auch in Leverkusen nichts drin sein wird. Doch das dachte ich auch vor dem Schalke-Spiel. Der große Vorteil für 96 ist, dass sie – trotz der prekären Lage – ohne großen Druck aufspielen können, denn niemand rechnet mit Punkten. Vor allem die Bayern aber stehen ihrerseits unter erheblichem Druck, da ihr ihnen glücklicherweise im Nacken hängt. Zudem hoffe ich darauf, dass unser Sieg gegen euch eine neue Euphorie freigesetzt hat, die für die letzten Spieltage ungeahnte Kräfte mobilisiert. Wenn man sich einmal ansieht, wie auch auf der Ersatzbank von Reservisten auf dem Abstellgleis über die Treffer gejubelt wurde, dann sieht man, dass derzeit alle am gleichen Strang ziehen. Bisher konnte manchmal der Eindruck enstetehen, dass dies in dieser Saison nicht immer so war. Wirklich glauben tue ich an einen Erfolg aber ehrlich gesagt trotzdem nicht. Daher ist 96 vermutlich schon auf Freiburger Niederlagen angewiesen. Übrigens dürfen zudem sowohl Nürnberg als auch Bochum gerne verlieren, denn die Chancen, einen von beiden noch zu überholen bestehen durchaus. Zumal es am allerletzten Spieltag möglicherweise zu einem echten Endspiel kommen kann. Dann nämlich spielt 96 in Bochum.

Hältst Du Mirko Slomka eigentlich für den richtigen Mann? Wie sollte sich der Club Deiner Meinung nach zukünftig ausrichten? Denkst Du, dass die Mannschaft gerade unter Wert da unten steht oder braucht es eine Umkehr, und wenn ja wohin?

Die Mannschaft steht auf jeden Fall unter Wert da unten. Das hat mir das Spiel gegen euch klar gemacht. Vorher war ich da wirklich skeptisch. Über Mirko Slomka kann ich kein wirkliches Urteil fällen. Nach meinem persönlichem Empfinden – das eher ein diffuses, intuitives Gefühl als eine fundierte Meinung ist – ist er weder ein über- noch ein unterdurchschnittlicher Bundesliga-Trainer – er passt also bestens zur Mannschaft. Das einzige, was mich etwas stört, ist, dass ich manchmal den Eindruck habe, dass er kein Feuer entfachen kann. Ich kann es mir zumindest nur schwer vorstellen, wie er eine leidenschaftliche, aufrüttelnde und motivierende Ansprache hält, was nach meinem Empfinden bei Trainern wie zum Beispiel Ewald Lienen oder auch Felix Magath eher der Fall ist. Die Verantwortung für die schlechten Ergebnisse der letzten Wochen und Monate würde ich Slomka aber jedenfalls nicht geben. Die Ursache sehe ich da in erster Linie im Bereich der Psyche, woran sicherlich der Suizid von Robert Enke auch einen Anteil hat. Aber nicht nur. Möglicherweise war er der Auslöser. Irgendwie ist die Mannschaft jedenfalls in eine ganz merkwürdige psychische Abwärtsspirale geraten, die meist spätestens nach einem Gegentreffer alle Dämme brechen ließ. Die Spieler haben selbst nicht daran geglaubt, dass sie gewinnen können und das haben sie auch ausgestrahlt. Das ganze wurde dann zu einer Art selbtserfüllenden Prophezeihung. Folgerichtig hat 96 dann ja auch einen Sportpsychologen verpflichtet.

Was anderes: Wie steht man eigentlich als 96er Fußballfan zu Martin Kinds fußballpolitischem Programm?

Ich habe vor eineinhalb Jahren mal eine Umfrage zum Thema 50+1 gestartet und bin davon ausgegangen, dass es ein klares Votum für den Erhalt von 50+1 geben würde. Das Ergebnis war dann aber ein völlig unerwartetes: die Umfrage fiel knapp für die Abschaffung von 50+1 aus. In Diskussionen erscheint es aber so, als ob eine deutlichere Mehrheit gegen die Planungen von Martin Kind bestehen würde. Was im übrigen auch meiner persönlichen Meinung entspricht. Denn letztendlich würde eine Abschaffung der Regel nicht dazu führen, dass die kleinen Mannschaften davon profitieren, sondern in erster Linie eher die großen oder aber im Extremfall alle Mannschaften. Denn nicht nur Hannover 96 hätte die Möglichkeiten, Investoren ins Boot zu holen, sondern natürlich alle anderen Clubs auch. Im Endeffekt würde das entweder zu einem Fahrstuhleffekt führen, der alle finanziell oben bringt oder aber es würden sich in erster Linie für die größeren Clubs Investoren finden, während die Kleinen auf der Strecke bleiben. Aber eigentlich bin ich in der Materie zu wenig drin, um wirklich ein fundiertes Urteil dazu abgeben zu können. Die Kritik, die Martin Kind an der derzeitigen Praxis übt, ist ja sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen, wenn er seine Argumentation darauf aufbaut, dass hinter Mannschaften wie Leverkusen und Wolfsburg große Unternehmen stehen, was durchaus wettbewerbsverzerrende Züge hat. Da ist schon was dran.

Vielen Dank für diesen Einblick in Deine Gefühlswelt. Nicht ganz selbstlos wünsche ich Deinem Team alles Gute in den nächsten zwei Spielen! Glück auf.



Nils ist Betreiber der Seite „Das Fanmagazin“, einer Fanpage mit Forum zu Hannover 96.