Artikel zum Schlagwort ‘Hannover 96’

Ein schlechter Tag

Heute vor 121 Tagen erlebte Schalke eine bemerkenswerte Niederlage. Mit fast einer Stunde durchgehenden Applaus bedankte sich ein Stadion voller Schalker für eine tolle Saison und lies Felix Magath als den Regisseur eines tollen Films hochleben. 119 Tage freute ich mich auf das erste Heimspiel der neuen Saison. Und dann folgte dieses üble Erlebnis.
Schalke war hinten schlecht, vorne schlecht und in der Mitte schlecht. Die Mannschaft zeigte eine desolate Leistung, hätte noch mehr Gegentore kassieren können und hat selbst kaum Chancen erspielt. Und als sei das alles nicht schlimm genug, zeigte sich Schalke auch auf den Rängen von seiner schlechten Seite.

Alexander Baumjohann durfte im linken Mittelfeld starten. Ivan Rakitic, der diese Position noch gegen Hamburg spielte, sollte neben Jermaine Jones im defensiven Mittelfeld agieren. Dazu Farfán rechts, Raúl im Sturm: Sieht man von dem mir noch gänzlich unbekannten Neuzugang Ciprian Deac ab, bot Felix Magath alle Spieler seines Kaders auf, denen ein gewisses Potenzial an Kreativität nachgesagt wird. Das Ergebnis war erbärmlich.
Ivan Rakitic spielte in der ersten halben Stunde einige öffnende Pässe. Später gelang ihm das nicht mehr. Jefferson Farfán erwischte einen schlechten Tag. Alexander Baumjohann, von vielen Fans immer wieder gefordert, kämpfte unermüdlich. Doch das, was man sich von ihm wünscht, einen Pass durch die Abwehrreihe, das Bedienen der Stürmer, das eine oder andere erfolgreiche Dribbling, war von ihm abermals nicht zu sehen. Raúl bekam kaum einen Ball, wurde nicht angespielt, fand nicht statt.

Die Verteidigung macht mittlerweile jedem Schalker angst. Neuzugang Hans Sarpei war nie in der Lage, sich am Spielaufbau zu beteiligen, wusste aber seine defensiven Aufgaben weitestgehend zu erfüllen. Damit war er schon der effektivste Schalker Feldspieler auf dem Platz. Atsuto Uchida wirkte abermals recht aufgedreht, vergaß dabei aber ab und an den Ball, bot eine wenig seriöse Vorstellung.
Joel Matip stand für den gesperrten Benni Höwedes neben Christoph Metzelder in der Innenverteidigung. Anfangs sah das ganz gut aus. Nachdem er sich allerdings vor dem ersten Gegentor locker überlaufen lies wirkte alles weitere unsicher. Unsicher wirkt Christoph Metzelder nie. Er verliert seine Zweikämpfe mit bemerkenswerter Coolness und vertändelt Bälle mit einem Ausdruck höchster Gelassenheit. Der neue Anchorman der Schalker Defensive hat bislang noch in keinem Spiel überzeugen können, ist zu langsam, schätzt Situationen falsch ein, wirkt als wäre er 52 Jahre alt.

Er ist also gerade nicht gut und man muss ihn nicht mögen, und doch trägt er nun das königsblaue Trikot, was viele Fans nicht davon abhielt, ihn bereits vor dem Anstoß auszupfeifen. Ein Transparent „Feind bleibt Feind“ war zu sehen und nach wiederholten Fehlern steigerten sich die Pfiffe in wüste Beschimpfungen.
Generell war die Stimmung schlecht. Von einem wirklichen Antreiben der Mannschaft konnte nicht die Rede sein, stattdessen waren immer wieder laute Unmutsäußerungen nach misslungen Aktionen zu vernehmen. Schon vor dem Anpfiff lies Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann eine Bemerkung zur gedämpften Stimmung fallen. Was die Ursache der schlechten „Gundstimmung“ ist darüber wird viel diskutiert (z. B. ab hier ff).

Erst Donnerstag veröffentlichte die „Kleine Gruppe“ eine Bekanntmachung, in der zur „ganzen und bedingungslosen Unterstützung“ aufgerufen wurde. Das scheint nicht bei allen angekommen zu sein. Wäre auch dieser Aufruf von allen 310(!) Fangruppen verinnerlicht worden, die vor zwei Wochen für die Ziele der „Kleinen Gruppe“ unterschrieben, hätte es diese schlechte Stimmung nicht geben können. So toll ich die Solidarität für die wichtigen Ziele der Gruppe finde, umso erschreckender ist es, dass sich Schalke-Fans offensichtlich nicht darüber einig sind, dass sie während des Spiels ein für die Mannschaft destruktives Verhalten zu unterlassen haben.

Nun hat es gestern ein Gespräch zwischen Fanvertretern und Verein gegeben. Im Anschluss veröffentlichten beide Seiten dieselbe nichtssagende Meldung. Bleibt zu hoffen, dass dabei wirklich Zweifel ausgeräumt werden konnten. Dass sich das Stadion demnächst wieder einig ist. Dass Magath die Mannschaft noch verstärken und sie bis in zwei Wochen zu Bundesligatauglichkeit bringen kann. Bleibt zu hoffen, dass noch alles irgendwie gut wird. Ist ja noch früh in der Saison.

„Erleichterung ist kaum in Worte zu fassen“

Hannover 96 gewann gegen Schalke 04, spielt nun in München und danach in Leverkusen. Für sie geht es um den Klassenerhalt, und Hannovers weitere Ergebnisse könnten Schalkes Tabellenstand beeinflussen. Zur aktuellen Gefühlslage eines 96igers befragte ich Nils Warmboldt von der 96-Fanseite „Das Fanmagazin“.

Hallo Nils. Kaum sehe ich Mirko Slomka am Rand stehen, spielt Schalke wieder schlechten Fußball! Aber ich nehme an, Du wirst mit Deinen Roten zufrieden gewesen sein. Erzähl mal, wie fühlte es sich für Dich an?

Vor allem der Treffer zum 3:2 und dann natürlich auch das entscheidende 4:2 waren für mich mit Abstand die schönsten Augenblicke der Saison. Eine Saison, in der uns bislang die Scheiße förmlich am Fuß klebte. Diese Erleichterung ist kaum in Worte zu fassen. Um das nachvollziehen zu können, muss man sich die gesamte Lage und vor allem auch das bisherige Auftreten der Mannschaft in dieser Saison vor Augen halten. Denn bislang war es so, dass die Mannschaft meistens spätestens nach Gegentreffern auseinanderbrach. Und dafür war die Situation nach dem schnellen Ausgleich innerhalb von wenigen zu Beginn der zweiten Halbzeit eigentlich prädestiniert. Niemand hätte mehr einen Pfifferling auf 96 gesetzt und es hätte wohl auch niemanden auch nur ein bisschen gewundert, wenn das Spiel 2:4 oder noch höher gegen uns ausgegangen wäre. Es hätte gepasst. Wohl jeder 96er im Stadion empfand es als erstaunlich, dass 96 weiterhin viel vom Spiel hatte und dann auch sogar noch traf. Dazu auch noch durch so ein vergleichsweise spektakuläres Tor. Das war für den Moment mehr als nur Erleichterung. Ich war richtiggehend euphorisch, obwohl dafür eigentlich den reinen Fakten nach kein Anlass besteht. Denn so unwahrscheinlich ein Sieg auch war, so war er doch fast schon Pflicht, um noch realistische Chancen auf den direkten Klassenerhalt zu haben.

Da Nürnberg, Bochum, Freiburg und Berlin allesamt verloren haben, sieht die Tabelle für Euch gleich viel freundlicher aus. Aber ihr spielt nun in München und gleich danach in Leverkusen. Glaubst Du an Punkte oder muss Freiburg zweimal verlieren?

Der Spieltag ist in der Tat ganz hervorragend für Hannover 96 gelaufen; besser ging es nicht. Mein Verstand sagt, dass sowohl in München als auch in Leverkusen nichts drin sein wird. Doch das dachte ich auch vor dem Schalke-Spiel. Der große Vorteil für 96 ist, dass sie – trotz der prekären Lage – ohne großen Druck aufspielen können, denn niemand rechnet mit Punkten. Vor allem die Bayern aber stehen ihrerseits unter erheblichem Druck, da ihr ihnen glücklicherweise im Nacken hängt. Zudem hoffe ich darauf, dass unser Sieg gegen euch eine neue Euphorie freigesetzt hat, die für die letzten Spieltage ungeahnte Kräfte mobilisiert. Wenn man sich einmal ansieht, wie auch auf der Ersatzbank von Reservisten auf dem Abstellgleis über die Treffer gejubelt wurde, dann sieht man, dass derzeit alle am gleichen Strang ziehen. Bisher konnte manchmal der Eindruck enstetehen, dass dies in dieser Saison nicht immer so war. Wirklich glauben tue ich an einen Erfolg aber ehrlich gesagt trotzdem nicht. Daher ist 96 vermutlich schon auf Freiburger Niederlagen angewiesen. Übrigens dürfen zudem sowohl Nürnberg als auch Bochum gerne verlieren, denn die Chancen, einen von beiden noch zu überholen bestehen durchaus. Zumal es am allerletzten Spieltag möglicherweise zu einem echten Endspiel kommen kann. Dann nämlich spielt 96 in Bochum.

Hältst Du Mirko Slomka eigentlich für den richtigen Mann? Wie sollte sich der Club Deiner Meinung nach zukünftig ausrichten? Denkst Du, dass die Mannschaft gerade unter Wert da unten steht oder braucht es eine Umkehr, und wenn ja wohin?

Die Mannschaft steht auf jeden Fall unter Wert da unten. Das hat mir das Spiel gegen euch klar gemacht. Vorher war ich da wirklich skeptisch. Über Mirko Slomka kann ich kein wirkliches Urteil fällen. Nach meinem persönlichem Empfinden – das eher ein diffuses, intuitives Gefühl als eine fundierte Meinung ist – ist er weder ein über- noch ein unterdurchschnittlicher Bundesliga-Trainer – er passt also bestens zur Mannschaft. Das einzige, was mich etwas stört, ist, dass ich manchmal den Eindruck habe, dass er kein Feuer entfachen kann. Ich kann es mir zumindest nur schwer vorstellen, wie er eine leidenschaftliche, aufrüttelnde und motivierende Ansprache hält, was nach meinem Empfinden bei Trainern wie zum Beispiel Ewald Lienen oder auch Felix Magath eher der Fall ist. Die Verantwortung für die schlechten Ergebnisse der letzten Wochen und Monate würde ich Slomka aber jedenfalls nicht geben. Die Ursache sehe ich da in erster Linie im Bereich der Psyche, woran sicherlich der Suizid von Robert Enke auch einen Anteil hat. Aber nicht nur. Möglicherweise war er der Auslöser. Irgendwie ist die Mannschaft jedenfalls in eine ganz merkwürdige psychische Abwärtsspirale geraten, die meist spätestens nach einem Gegentreffer alle Dämme brechen ließ. Die Spieler haben selbst nicht daran geglaubt, dass sie gewinnen können und das haben sie auch ausgestrahlt. Das ganze wurde dann zu einer Art selbtserfüllenden Prophezeihung. Folgerichtig hat 96 dann ja auch einen Sportpsychologen verpflichtet.

Was anderes: Wie steht man eigentlich als 96er Fußballfan zu Martin Kinds fußballpolitischem Programm?

Ich habe vor eineinhalb Jahren mal eine Umfrage zum Thema 50+1 gestartet und bin davon ausgegangen, dass es ein klares Votum für den Erhalt von 50+1 geben würde. Das Ergebnis war dann aber ein völlig unerwartetes: die Umfrage fiel knapp für die Abschaffung von 50+1 aus. In Diskussionen erscheint es aber so, als ob eine deutlichere Mehrheit gegen die Planungen von Martin Kind bestehen würde. Was im übrigen auch meiner persönlichen Meinung entspricht. Denn letztendlich würde eine Abschaffung der Regel nicht dazu führen, dass die kleinen Mannschaften davon profitieren, sondern in erster Linie eher die großen oder aber im Extremfall alle Mannschaften. Denn nicht nur Hannover 96 hätte die Möglichkeiten, Investoren ins Boot zu holen, sondern natürlich alle anderen Clubs auch. Im Endeffekt würde das entweder zu einem Fahrstuhleffekt führen, der alle finanziell oben bringt oder aber es würden sich in erster Linie für die größeren Clubs Investoren finden, während die Kleinen auf der Strecke bleiben. Aber eigentlich bin ich in der Materie zu wenig drin, um wirklich ein fundiertes Urteil dazu abgeben zu können. Die Kritik, die Martin Kind an der derzeitigen Praxis übt, ist ja sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen, wenn er seine Argumentation darauf aufbaut, dass hinter Mannschaften wie Leverkusen und Wolfsburg große Unternehmen stehen, was durchaus wettbewerbsverzerrende Züge hat. Da ist schon was dran.

Vielen Dank für diesen Einblick in Deine Gefühlswelt. Nicht ganz selbstlos wünsche ich Deinem Team alles Gute in den nächsten zwei Spielen! Glück auf.



Nils ist Betreiber der Seite „Das Fanmagazin“, einer Fanpage mit Forum zu Hannover 96.


Gebrauchter Tag

Als Schalker ist man sein Leben lang damit beschäftigt, sich die Tabelle schönzurechnen.

… sagte Freundin Kerstin. Schalke hatte gerade 2:4 in Hannover verloren. Glücklicherweise hatte auch Dortmund verloren, von dort wurde der Druck also nicht größer. Nun stand das Spiel zwischen Leverkusen und München bevor, und wird überlegten, welches Ergebnis unseren Tag am wenigsten noch schlechter machen würde.

Ziemlich schlecht war er schon, nach diesem Spiel unserer Königsblauen. Eine ganz schwache Halbzeit mit zwei Quasi-Eigentoren. Das Aufbäumen, der Glaube nun zu gewinnen. Das dann wieder Schwächerwerden. Das Zweifeln, als zwar weiter die Abwehr entblößt blieb, es sich aber nicht auszahlte. Das entmutigte Zurückfallen, als Hannover seine Chance nutze, als entgültig klar war, dass Schalke dieses Spiel nicht gewinnen würde.

Solch ein Unfall wie das Eigentor von Westermann kann immer passieren. Und auch das zweite Tor, dass klar auf Manuel Neuers Kappe ging, ärgerte mich nicht allzu sehr. In fast jedem Spiel entschärft Manuel Neuer generische Chancen bevor sie entstehen, indem er weit vor dem Tor mitspielt, früher rausläuft als andere Keeper. Diesmal entschied sich falsch, in dieser Situation war Lukas Schmitz noch nah genug am Gegner, er hätte ihn noch entscheidend stören können. Dumm gelaufen.
Viel mehr ärgerte mich das Spiel nach vorne, die vielen Fehlpässe im Spielaufbau, der fehlende Druck. Hannover hielt Schalke erfolgreich vom Tor weg, machte das gut, Schalke machte es Hannover aber auch nicht allzu schwer. Wegen einer Grippe spielte Rafinha nicht von Beginn an, und er fehlte sehr, weil sein Ersatz Carlos Zambrano einen ganz schwarzen Tag erwischte. Egal ob über Außen oder durch die Mitte, Schalke konnte sich nie wirklich durchsetzen, und die Standardsituationen wurde allesamt hergeschenkt als spielte man einen Freundschaftskick auf der Mettnau bei Radolfzell am Bodensee.

Also hoffte ganz Schalke auf die Halbzeitansprache Magaths. 7 Minuten nach Wiederanpfiff stand es 2:2. Egal wie schlecht ein Tag begann, wie die Form ist, wenn man zurückkommt, wenn man so schnell aufholt, dann ist man am Drücker, und wenn man dann noch 40 Minuten Zeit hat, dann muss man so ein Spiel gewinnen!
Schalke stürmte. Der eingewechselte Edu machte seinen Job neben Kuranyi ordentlich. Hao gelang in der ersten Halbzeit auf der linken Seite nichts, rechts spielte er in der zweiten Hälfte richtig stark. Schalke rannte und kämpfte. Aber es war mehr ein wütendes Anrennen als ein guter Sturmlauf. Gegen Leverkusen oder Dortmund entwickelte Schalke starken Druck und behielt dabei dennoch die Ordnung. Samstag verlor Schalke die Ordnung immer wieder und eröffnete Hannover reichlich Chancen. Schalke war nicht gut, Hannover wusste das zu nutzen und gewann das Spiel deshalb verdient.

Leverkusen und München trennten sich 1:1. Vier Punkte Vorsprung auf Platz 3, das ist nach zwei Niederlagen in Folge und vier Spiele vor Saisonende grandios, purer Luxus. Dahin, und nur in diese Richtung, will ich nach solch einem Tag schauen. Dann gehts.

Wichtig für’n Kopp

Jedes Spiel ist wichtig. Hätte Schalke am 4. Spieltag nicht gegen Freiburg verloren, stünde der Club jetzt nicht hinter Bayern München. Aber Fußball ist ein so unklares Spiel, vieles wird von Kleinigkeiten, gar von Zufällen entschieden, da macht die Sicht auf die Dinge eben einen Unterschied. Nach einer Niederlage am 4. Spieltag fühlt man, dass das „übers Jahr noch ausgeglichen“ werden kann. Jetzt, gegen Ende der Saison, geht es darum, einzufahren, was bis hierhin vorbereitet wurde. Und wenn man das so fühlt, dann ist es auch so.

Das Spiel gegen Hannover ist so gesehen besonders wichtig. Bei einer Niederlage steigt der Druck der nachfolgenden Teams gehörig. Bayer Leverkusen könnte auf zwei, Borussia auf drei Punkte an Schalke heranrücken. Sie stünden „in Schlagdistanz“ zu einer Schalker Mannschaft, die „ausgerechnet jetzt“, am Ende der Saison, noch „ins Straucheln gerät“, wie zu lesen sein würde. Bei einem Sieg hingegen schiene die Sonne: Entweder würde Leverkusen den Königsblauen die erneute Tabellenführung bescheren oder der FC Bayern würde Schalke den ärgsten Verfolger vom Hals halten. In der aktuellen Saison hat Schalke 04 nach jeder Niederlage das folgende Spiel gewonnen. Hoffen wir, dass diese Serie hält.
 
 
Was unser Einwechselspieler-Raten angeht: Ich glaube ja, dass Alexander Baumjohann in der Startelf stehen wird, nachdem er von Felix Magath unter der Woche öffentlich kritisiert wurde. Also tippe ich auf …

Edu …
Moritz …
und Ibraimi!

Ma’kucken.
 
 
Auswärtslesetipp:
Zu meiner Sicht der Dinge – zu Mirko Slomka und Felix Magath, zur meinem Blick auf das Tabellenende und zu Schalke 04 als „Kult-Club“ – wurde ich von Nils Warmboldt befragt. Nils betreibt die Seite „Das Fanmagazin“, eine Fanpage, die einem Google gleich als 6 Treffer liefert, wenn man nach Hannover 96 sucht.
Das Interview gibt es HIER zu lesen.
 

Mirko Slomka: Zweite Chance nach 646 Tagen

Sechshundersechundvierzig Tage nachdem Mirko Slomka den Job bei Schalke 04 quittieren musste hat er einen neuen Trainerposten gefunden. Als Nachfolger von Andreas Bergmann übernimmt er Hannover 96. Ein schwerer Job, in der besonderen Situation des Clubs nach Robert Enkes Tod. Aber überhaupt ein Job, eine Chance, in einem Club den er gut kennt. Ich freue mich darüber und wünsche ihm viel Glück.

Ich bin ein neugieriger Mensch und tatsächlich ärgert es mich, dass ich so viele Dinge um Mirko Slomka, um dessen Vergangenheit auf Schalke, um dessen Rolle im Tandem mit Andreas Müller, nicht einzuschätzen weiß.
Unter Mirko Slomka hatte Schalke 04 in der Saison 2006/2007 eine Weile hervorragenden Fußball gespielt. Dann folgte Fehleinschätzung auf Fehleinschätzung, fast jeder Transfer, Abgänge wie Zugänge, schwächten das Team. Bis am Ende seines Engagements eine Schalker Mannschaft auf dem Platz stand der es augenscheinlich nur noch darum ging, zu Null zu spielen und durch eine Standardsituation ein Tor zu erzielen. Fußballerische Armseeligkeit, furchtbar anzuschauen.

Andreas Müller und Mirko Slomka gaben lange das „moderne Doppel“, augescheinlich als Team funktionierende Trainer und Manager. Wie groß war der Anteil Mirko Slomkas an den katastrophalen Transferentscheidungen? Er bezeichnete Ivan Rakitc bei dessen Verpflichtung als einen pfeilschnellen Spieler, der offensiv überall einzusetzen sei. Wie konnte ein Trainer derart fehlinformiert sein? Er freute sich über die Verpflichtung Albert Streits. Wieso stellte er ihn danach so selten auf? Er galt als smart im Umgang mit den Medien und war doch bei den Journalisten nicht sonderlich beliebt. Er wurde für seine „zu weiche Art“ den Spielern gegenüber kritisiert, holte aber trotz schlechten Fußballs viele Punkte. Fußballdeutschland schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als er auf Platz 3 stehend bei Schalke entlassen wurde; und doch wollte ihn 646 Tage kein anderer Club haben.

Wir werden seine Rolle auf Schalke nicht mehr klären, aber wir werden ihn zukünftig als Trainer besser einschätzen können. Ich denke er ist flexibel genug, um aus Fehlern gelernt zu haben. Wie der Fußball sein wird, den er spielen lässt, wie er Führen wird: Ma’kucken, mich interessiert’s.

Unpräzise

Es war die richtige Stimmung. Zunächst zurückhaltend, angemessen. Später normal bezüglich der Spielsituationen, betont unaggressiv gegenüber dem Gegner, auch angemessen. Und es entwickelte sich ein tatsächlich normales Bundesligaspiel, so wie man es sich erhofft hatte. Lange war der Ausgang völlig offen. Am Ende gewann Schalke aber doch verdient.

Meines Erachtens ist „Unpräzise“ das entscheidende Wort bei der Beschreibung des Auftritts der Königsblauen gegen Hannover. Schalke spielte nicht verhalten und die Spieler wussten auch wie’s gehen würde. Ihnen gelang aber die Ausführung nicht.
Bereits in der ersten Halbzeit wurde einige Male eine Lücke in Hannovers Abwehrreihe erkannt. Wahlweise Kevin Kuranyi oder Jefferson Farfan stieß hinein, ein Mittelfeldjungspund spielte den Steilpass. An einem glücklicheren Tag hätte sich der Sportschau-Kommentator später vor Hingabe zerrissen. An diesem Tag blieb von den Aktionen nichts übrig, weil mal der Pass zu ungenau war, mal der Stürmer den Ball nicht unter Kontrolle bekam oder direkt zu früh startete und längst im Abseits stand. Festzuhalten bleibt: An „fehlender Kreativität“, dem Default-Vorwurf gegen Schalke nach Spielen mit nicht allzu vielen Chancen, lag es an diesem Samstag nicht.

„Unpräzise“ passte auch auf bemerkenswert viele Aktionen in der Defensive. Mal war ein Querpass zu kurz, mal behinderte man sich gegenseitig. Dann wussten Didier Ya Konan oder Jiri Stajner ihren unerwarteten Platz zu nutzen und kamen zu guten Chancen, bei denen Manuel Neuer arg gefordert wurde. Schalke spielte nicht wirklich gut. In dieser Saison heißt das aber nicht automatisch, dass man unzufrieden sein müsste.

Mit 5 Bundesliganeulingen in der Startaufstellung darf es an Präzision fehlen. Der Ausgleich besteht im offenbar unerschütterlichen Glauben an sich selbst, gepaart mit Dynamik und Ausdauer. Wenn Lukas Schmitz auf seine Schusstechnik setzt und aus „Flankenposition“ einfach draufhält, ist das fast schon „frech wie Basler“. Wenn Joel Matip – 18, zweites Spiel – keine Anspielstation findet und zu Solo ansetzt, wenn er immer näher an den Strafraum kommt, wenn ihm der Ball beim Schuss dann doch über den Spann rutscht und im Oberrang landet, dann bekommt er trotzdem Applaus, für den Willen und den Mut. In der vergangen Saison hätte Orlando Engelaar mit der gleichen Aktion für ein enttäuschtes Aufstöhnen gesorgt. In diesem Jahr ist alles anders, besser.

In der 69. Minute erzielte Jefferson Farfan nach einer Rafinha-Ecke das 1:0 und ab dann wurde das Spiel einseitiger. Schalke spielte weiter, rannte vor allem auch weiter. Die Mannschaft erspielte sich noch weitere Chancen und verdiente sich Trainerlob. Ich kann mich alleine an drei Szenen erinnern, in denen der in der 50 Minute eingewechselte Ivan Rakitic dem Gegner den Ball abnahm. Rakitic! Und zum Schluss kam noch der sechste Bundesliganeuling Jan Moravek und erzielte mit seiner ersten Ballberührung in der Nachspielzeit das 2:0.

Also steht Schalke mit 25 Punkten aus 13 Spielen auf Platz 3 der Tabelle. Drei Punkte und 7 Tore vor Mainz auf Platz 6. Ein grandioses Ergebnis bis hierhin, mit viel Spaß in den vergangenen Spielen und viel Hoffnung in die junge Mannschaft. Nächsten Samstag geht’s nach Gladbach. Ma’kucken.

Robert Enke ist tot

Ich erfuhr es via Twitter. Hannovers Präsident Martin Kind ließ die Bildzeitung wissen, dass er gegen 19:35 Uhr durch die Polizei erfahren habe, dass Robert Enke tot sei. Nach Informationen der WELT hat sich Enke in Neustadt am Rübenberge vor einen Zug geworfen.

Robert Enkes Tochter Lara wurde 2004 geboren, wie mein Sohn. Als ich die Geschichte von Laras Herzfehler las bewunderte ich Robert Enke für seine Stärke. Als Lara 2006 starb nahm mich das mit wie es einen Vater mitnehmen kann, dem nichts auf der Welt wichtiger ist als seine Kinder.

Ohne zu wissen was Robert Enke zu diesem Schritt bewegte: Das ein kluger Mann, jünger als ich, keinen anderen Weg sieht, erschüttert mich zutiefst. Erneut nimmt mich eine Nachricht um Robert Enke sehr mit.