Als Schalker ist man sein Leben lang damit beschäftigt, sich die Tabelle schönzurechnen.
… sagte Freundin Kerstin. Schalke hatte gerade 2:4 in Hannover verloren. Glücklicherweise hatte auch Dortmund verloren, von dort wurde der Druck also nicht größer. Nun stand das Spiel zwischen Leverkusen und München bevor, und wird überlegten, welches Ergebnis unseren Tag am wenigsten noch schlechter machen würde.
Ziemlich schlecht war er schon, nach diesem Spiel unserer Königsblauen. Eine ganz schwache Halbzeit mit zwei Quasi-Eigentoren. Das Aufbäumen, der Glaube nun zu gewinnen. Das dann wieder Schwächerwerden. Das Zweifeln, als zwar weiter die Abwehr entblößt blieb, es sich aber nicht auszahlte. Das entmutigte Zurückfallen, als Hannover seine Chance nutze, als entgültig klar war, dass Schalke dieses Spiel nicht gewinnen würde.
Solch ein Unfall wie das Eigentor von Westermann kann immer passieren. Und auch das zweite Tor, dass klar auf Manuel Neuers Kappe ging, ärgerte mich nicht allzu sehr. In fast jedem Spiel entschärft Manuel Neuer generische Chancen bevor sie entstehen, indem er weit vor dem Tor mitspielt, früher rausläuft als andere Keeper. Diesmal entschied sich falsch, in dieser Situation war Lukas Schmitz noch nah genug am Gegner, er hätte ihn noch entscheidend stören können. Dumm gelaufen.
Viel mehr ärgerte mich das Spiel nach vorne, die vielen Fehlpässe im Spielaufbau, der fehlende Druck. Hannover hielt Schalke erfolgreich vom Tor weg, machte das gut, Schalke machte es Hannover aber auch nicht allzu schwer. Wegen einer Grippe spielte Rafinha nicht von Beginn an, und er fehlte sehr, weil sein Ersatz Carlos Zambrano einen ganz schwarzen Tag erwischte. Egal ob über Außen oder durch die Mitte, Schalke konnte sich nie wirklich durchsetzen, und die Standardsituationen wurde allesamt hergeschenkt als spielte man einen Freundschaftskick auf der Mettnau bei Radolfzell am Bodensee.
Also hoffte ganz Schalke auf die Halbzeitansprache Magaths. 7 Minuten nach Wiederanpfiff stand es 2:2. Egal wie schlecht ein Tag begann, wie die Form ist, wenn man zurückkommt, wenn man so schnell aufholt, dann ist man am Drücker, und wenn man dann noch 40 Minuten Zeit hat, dann muss man so ein Spiel gewinnen!
Schalke stürmte. Der eingewechselte Edu machte seinen Job neben Kuranyi ordentlich. Hao gelang in der ersten Halbzeit auf der linken Seite nichts, rechts spielte er in der zweiten Hälfte richtig stark. Schalke rannte und kämpfte. Aber es war mehr ein wütendes Anrennen als ein guter Sturmlauf. Gegen Leverkusen oder Dortmund entwickelte Schalke starken Druck und behielt dabei dennoch die Ordnung. Samstag verlor Schalke die Ordnung immer wieder und eröffnete Hannover reichlich Chancen. Schalke war nicht gut, Hannover wusste das zu nutzen und gewann das Spiel deshalb verdient.
Leverkusen und München trennten sich 1:1. Vier Punkte Vorsprung auf Platz 3, das ist nach zwei Niederlagen in Folge und vier Spiele vor Saisonende grandios, purer Luxus. Dahin, und nur in diese Richtung, will ich nach solch einem Tag schauen. Dann gehts.






