„I am the Maskottchen of Schalke 04”

11. November 2008, Torsten Wieland

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Charly Neumann ist tot.

Der immer da war. Der die aufgebrachteste Meute beruhigen konnte, weil er auch in den wildesten Zeiten immer irgendwie auf beide Seiten des Zauns gehörte. Eine Art Symbol, dass „wir“ Schalke sind. Es ist bezeichnend, dass es mit dem stetigen leiser werden um Charly Neumann einher ging, dass der Verein immer steriler wurde, dass es immer mehr „der Verein“ ist, nicht mehr „wir“ sind.

Einen wie Charly Neumann wird es nicht mehr geben. Die Zeit ist nicht mehr so.
Traurig.

Das Experiment

28. Oktober 2008, Torsten Wieland

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Diego Armando Maradona ist der neue Nationaltrainer Argentiniens!

Nun wird sich zeigen, ob ein Genie immer gleichzeitig auch das große Ganze versteht. Meine erste Reaktion bezieht sich auf das Bild, das Diego Armando Maradona nach seiner aktiven Zeit in der Öffentlichkeit abgegeben hat: Unzuverlässig, nicht gerade Clever, kein Analytiker, zu sehr von Emotionen gesteuert. Das Gegenteil von dem, wie man sich den idealen Trainer vorstellt.

Aber er ist Diego Armando Maradona, der, der seiner Zeit immer voraus war, der Beste den die Fußballrasen dieser Welt bislang haben spüren dürfen. Wie einst Babe Ruth im Baseball wollte Maradona einen solchen Job, den Posten des Trainers, auf der höchsten Ebene seines Sports. Anders als das Baseballgenie hat das Fußballgenie seinen Willen bekommen.

Nun wird sich zeigen, ob ein Genie immer gleichzeitig auch das große Ganze versteht.

[Foto: Diego Silvestre]

Leben gegen Krageninschrift

26. September 2008, Torsten Wieland

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„Ich bin … !“ Hier setze man den Namen eines aktuellen Fußballprofis ein. Gab es je ein fußballspielendes Kind, dass so was nie gesagt hat?
Profi sein, dabei sein auf der großen Bühne Bundesliga. Mal nur so dahingesagt, mal als Traum ernsthaft verfolgt, ein toller Gedanke allemal. Das Trikot des FC Schalke 04 zu tragen, vor tausenden von Zuschauern, eben nicht als Fan. Nur wenige schaffen das. Und für manche währt das Glück nur kurz.

Ralf Fährmann absolviert heute Abend vermutlich sein drittes Bundesligaspiel für Schalke 04, hinzu kamen je ein Einsatz im DFB-Pokal und im UEFA-Cup. Bislang hat er einen sehr guten Job gemacht, hat keine Nervosität erkennen und sich nichts zu Schulden kommen lassen. Und trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er heute Abend sein letztes Bundesligaspiel für Schalke bestreitet.

Kommende Woche wird Manuel Neuer wieder das Schalker Tor hüten. Es ist sein Stammplatz, er hat das Talent und die Jugend, diesen Platz die nächsten Jahre zu verteidigen. Mathias Schober wurde als Nummer 2 geholt und hat ebenfalls gezeigt, dass man sich auf ihn verlassen kann. Sein Vertrag gilt noch bis 2011.

So lange wird Ralf Fährmann nicht warten wollen. Es gab Spieler, die nach ihrem kurzem Leben als Königsblaue eine beachtliche Karriere folgen ließen. Christian Herrmann zum Beispiel, der es noch auf 215 Spiele brachte, oder Dieter Burdenski natürlich, des großen Herberts Sohn.
Und es gab Spieler, von denen nach wenigen Spielminuten als Schalker im Profifußball nichts mehr zu sehen war. Auch sie sind Helden, keine Frage, gehören zu der Elite an Fußballern die es überhaupt bis dort geschafft haben. Trotzdem: Wünschen wir Ralf Fährmann, das er in Zukunft zur ersten Gruppe gehören möge.



Es folgt eine Liste aller Spieler mit drei oder weniger Bundesligaeinsätzen für Schalke 04.

Drei Bundesligaeinsätze für Schalke 04 hatten:
Volker Abramczik, Markus Anfang, Dieter Burdenski, Andreas Gaber, Frôde Grodås, Jörg Mielers, Günther Schubert

Zwei Bundesligaeinsätze für Schalke 04 hatten:
Jörg Albracht, Manfred Bär, Alexander Baumjohann, Rainer Borgmeier, Simon Cziommer, Dieter Heimen, Hans-Peter Kirchwehm, Fabijan Komljenovic, Roland Kosien, Karl-Heinz Kuzmierz, Hans-Dieter Mangold, Mike Möllensiep, Dragan Mutibaric, Rudolf Schonhoff, Ulrich Schröder, Ludger Winkel

Lediglich einen Bundesligaeinsatz für Schalke 04 hatten:
Mathias Abel, Til Bettensteadt, Kai Bruckmann, Arnold Dybek, Peter Endrulat, Christian Erwig, Siegfried Grams, Christian Herrmann, Markus Kaya, Timo Kunert, Hans-Georg Lambert, Joseph Laumann, Reinhard Pfeiffer, Andreas Sandt, Kriszitian Szollar

Aus dem aktuellen Kader sind Markus Heppke (1) und Weihnachtstraum Zé Roberto (3) gefährdet.

Hilf Dir selbst, Ailton

20. August 2008, Torsten Wieland

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Nein, ich weiß auch nicht mehr. Ich kenne ihn auch nicht näher, kenne auch nur all die Schlagzeilen über Aílton Gonçalves da Silva. Die Ailton musse mache Tor-Sprüche, das Bild vom Torhamster.

Und dann ist da noch die Geschichte, die Christoph Biermann in seinem Buch ‚Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen’ erzählt. Er sollte ein Interview mit dem Stürmer führen, und es graute ihm davor. Ihm schien es unmöglich, genug kluge Sachen über Fußball aus Ailton herauszupressen, um die geforderten Zeilen zu füllen.

Und dann ließ er ihn über Brasilien reden. Und Ailton erzählte vom Rodeo, wie man einen Kuhschwanz zu packen hat, und von Heimweh, wie ihn seine Mutter wieder zu dem Profis schickte, nachdem er nach zwei Tagen nach Hause gekommen war. Biermann entdeckte den Unterschied zwischen dem von ihm als Dummkopf eingestuften Profi und Aílton Gonçalves da Silva.

Immer mehr vergaß er, während er so sprach, seine übliche Aufführung „Fußballstar Ailton“. Denn nicht nur sein Stummel-Deutsch lässt ihn sonst so beschränkt erscheinen, mehr noch sind es seine abgeschauten Posen eines coolen Stars. Vielleicht glaubt Ailton, dass er auf diese Weise die Erwartungen des Publikums bedient, vielleicht sind es aber auch nur seine eigenen.
Nun aber, einen Moment lang selbstvergessen, erkannte man den netten Kerl, weshalb ich Ailton, wenn er mal wieder irgendwo seine schlechte Aufführung vom Fußballstar Ailton macht, im Geiste die Kuh am Schwanz ziehen lasse.

Ich weiß nicht, ob er das Geld so nötig hat oder weshalb es ihn treibt, weiterzuspielen. Ich wünsche ihm Glück, habe das schon bei seinem Engagement in Duisburg getan, wohin er aber wohl nicht geholt wurde weil der Trainer ihn wollte, sondern weil sich der Präsident gerne mit Größen des Sports ablichten lässt. Ich hoffe Ailton schafft bald den Absprung. Und dass es endlich aufhört, unwürdig zu sein.

Lesen:
‚Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen’ von Ch. Biermann

Nix zu hören?! Der blonde Blitz erinnert sich

8. August 2008, Torsten Wieland

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Der AC Mailand oder der FC Chelsea dürften mit 11 deutschen Spielern antreten, wenn sie wollten. Das sie es nicht tun liegt nicht an den Gehaltsvorstellungen der Herren Schweinsteiger, Frings oder Kuranyi. Die deutschen Spieler sind einfach zu schlecht.

Es gab Zeiten, da waren pro Mannschaft lediglich zwei ausländische Spieler erlaubt. Spieler wie Günter Netzer, Bernd Schuster oder Paul Breitner genossen aber derart viel Ansehen, dass Clubs wie Real Madrid oder der FC Barcelona ihre wertvollen Kaderplätze an diese Spieler vergaben. Einer der ersten deutschen Spieler im Ausland war Helmut Haller.

1962 verdiente Haller beim BC Augsburg 160 Mark pro Monat. Für ein Handgeld von 300.000 Mark und ein Jahresgehalt von 200.000 Mark wechselte er nach Italien. Mit dem AC Bologna wurde er Meister und als erster Ausländer überhaupt wurde er zum Spieler des Jahres in der Serie A gewählt.
Bei der WM in England schoss er 6 Tore. Er klaute den Finalball. Er wechselte zu Juventus Turin. Er wurde noch zweimal italienischer Meister. Um nach seiner Heimkehr nach Deutschland nicht etwa bei den Bayern in der Bundesliga, sondern wieder in Augsburg zu spielen.

Das alles und noch ein bisschen mehr erzählte Helmut Haller bei einem Interview bei Bayern 2, in der Sendung ‚Eins zu Eins’. Leider fand es am 30.06. statt, einen Tag nach dem EM-Finale, und so gehen die ersten 15 Minuten des knapp 34-minütigen Podcasts für ein Gespräch über das Finale drauf, dessen Inhalt wir überall sonst auch schon gehört haben und das wir so auch selbst hätten führen können. Für die restlichen 19 Minuten lohnt sich der Download meines Erachtens aber dennoch.

Wie so viele Ehemalige ist auch Helmut Haller kein großer Redner. Zu seiner Zeit haben die Spielern noch keine Kurse bei Speech-Coaches oder Journalisten belegt. Helmut Haller spricht vorsichtig, zurückhaltend. Trotzdem ist es charmant, wie er einerseits nicht aneckt oder arrogant wirkt, anderseits aber schon durchblicken lässt, dass er sich bewusst ist, einer der richtig Guten gewesen zu sein.

Hören:

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