Fußball ist ein Spiel des Zufalls. Gerade noch schreit man Zeter und Mordio, im nächsten Moment ist man seelig. Heute war es genau so: In 28 Minuten starb ich 1000 Tode, war ich zutiefst enttäuscht, bis sich mit einem Schuss alles löste und durch ein befreites, lockeres, glückliches Gefühl ersetzt wurde. Schalke 04 hat sich für die Teilnahme an der Champions League qualifiziert. Unglaublich. Schalke 04 ist zwei Spieltage vor Schluss punktgleich mit dem Tabellenführer. Wunderbar.
In der ersten Hälfte war Schalke nicht mehr als nur bemüht. Aus einem Mittelfeld mit Westermann, Kluge und Rakitic kamen kaum gute Anspiele in die Spitze, vor allem weil Rakitic sehr häufig auf die linke Außenbahn auswich und Kluge als Mann im zentralen, offensiven Mittelfeld übrig blieb. Diese Position kann Peer Kluge noch weniger ausfüllen als Rakitic oder Westermann. Die Außenverteidiger Schmitz und Rafinha konnten sich offensiv ebenfalls nicht in Szene setzten, ließen ihre Vorderleute Hao und Farfan weitestgehend alleine. So blieb der der Spielaufbau zumeist Stückwerk.
Drei gute Chancen hatte Schalke trotzdem. Einmal Köpfte Kuranyi knapp vorbei. Einmal fragte man sich, wieso Jefferson Farfan aus bester Schussposition noch in die Mitte zu Kuranyi passte. Und einmal hätte es Strafstoss geben müssen, als Herthas Steve von Bergen Kevin Kuranyi kurz vor dessen Schuss das Standbein wegtrat. Gab es aber nicht.
In der zweiten Hälfte begann Schalke mit mehr Tempo und drückte auf die Führung. Zwar spielten die gleichen Spieler in der gleichen Weise, aber man gewann mehr Zweikämpfe, alles war etwas dynamischer, alles war näher am Tor der Hertha. Dann kam die Nachricht aus Gladbach, dass Bayern München zurückläge, es war 16:48 Uhr und es war als senkte sich ein Schleier der schlechten Tradition über die Mannschaft des FC Schalke 04 …
Vielleicht war das alles nicht real, vielleicht habe ich es nur so empfunden. Aber plötzlich geschah alles im schlechten Lichte. Nichts, was den Knappen noch gelungen wäre, einfachste Pässe kamen nicht an, überall, vorne wie hinten, wurden Zweikämpfe verloren, man hatte den Eindruck, als würde jeder einzelne Spieler im schwarz-blauen Trikot des S04 unter dem Erwartungsdruck ächtzen. Es war furchtbar! Ich sah Gekas, ich sah Drobny, ich dachte an den 27.04.2007. Die Zeit verrann. Ich fluchte. Warum nur änderte Felix Magath nichts? Er, der schon drei Spieler auf einmal wechselte, der Spieler ein und wieder auswechselte wenn sie nicht funktionierten; er sah tatenlos zu wie sich seine Mannschaft auflöste! Hertha profitierte davon. In der 66. Minuten konnte Marcelo Bordon den Ball gerade noch vor der Linie klären, eine Minute später rettete Neuer in höchster Not und kurz darauf stand auch Gekas noch frei vor dem Tor. Gekas vergab.
Erst um 17:07 Uhr sah Felix Magath die Notwendigkeit zu wechseln. Er brachte Moritz für Kluge, was auf das Offensivspiel kaum Einfluss hatte. Aber 10 Minuten später staubte Heiko Westermann ab, und alles war hell!
Schalke 04 hat ein entscheidendes Spiel glücklich gewonnen: Wenn das mal nichts Besonders ist! Schalke gewann kein „Ding“, nicht die Tabellenführung, aber das große Geld. Einen Preis, von dem vor der Saison niemand zu träumen wagte. Mögen andere reicher, schöner und moderner sein, Schalke hat jetzt schon 19 Spiele gewonnen und spielt die drittbeste Saison in 42 Jahren Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga!
Noch zwei Siege. Ich will, dass es nun nicht mehr an Schalke liegt. Ich will, dass der Job gemacht wird, wie auch immer, gerne auch unverdient und glücklich, andere wissen auch wie das ist. Wenn der FC Bayern den Test besteht gratuliere ich höflich. Zunächst sind wir aber weiterhin der Stachel in ihrem Arsch.