
Schalke 04 gewinnt bei Hertha BSC Berlin mit 2:1. Dies ist ebenso ein Grund zur Freude wie die Tatsache, dass Schalke 04 mit 31 Punkten nach 16 Spieltagen in Schlagdistanz zu Spitzenreiter Bayern München auf Platz 3 der Tabelle steht. Alles bestens also könnte man meinen. Schalke ist in der Spur. Aber der kritiklose „Alles Super“-Beitrag war letzte Woche.
Huub Stevens sagte nach den ersten beiden Spielen seiner zweiten Schalke Amtszeit: „Wir haben so viel Potential in der Offensive, diese Stärken müssen wir ausnutzen.“ Diese Aussage ist knapp 8 Wochen alt. Seitdem hat Huub Stevens Jermaine Jones wieder in die Mannschaft eingebaut. Fast niemand würde behaupten, dass dies eine falsche Entscheidung gewesen wäre. Defensiv ist Schalke um einiges stabiler geworden und daran hat Jones einen enormen Anteil. Außerdem hat er den langjährigen Innenverteidiger Benedikt Höwedes als rechten Verteidiger installiert. Auch dies hat der Schalker Defensive wohl eher gut getan denn geschadet.
Aber sonst: Schön, dass wir uns Herthas Schwäche in der Spielgestaltung zu Nutze gemacht haben, indem vor allem in der zweiten Hälfte Schalke den passiven Part übernahm, erst 40 Meter vor dem Tor angriff und Hertha quasi keine Torchance mehr erlaubte. Ein zum wiederholten Mal beobachtetes Phänomen gegen einen eigentlich unterlegenen Gegner. Das alles mit Schalkes, einstmals auch vom Trainer gerühmten, Offensivpotential. Huntelaar, Pukki, Holtby, Raul, Draxler, Farfan. Eine Legende, weitere klingende Namen, hoffnungsvolle Talente, da ist doch alles dabei was ein Offensivfeuerwerk braucht. Statt dieses Potential auszunutzen, richtet man sich nach einem, im Vergleich, qualitativ wesentlich schlechter besetzten Gegner. Es wird der eigene Sechszehnmeterraum abgeriegelt und die Pille lang nach vorn geholzt, auf Fehler des Gegners gewartet und auf Standardsituationen gesetzt. Wie in besten Zeiten des Rumpelfussballs in den 90ern oder dem Ende von Mirko Slomkas Schalker Karriere. Das ist also der neue Anspruch.
Es gibt unter Huub Stevens quasi nichts von dem, was ein Fussballfan unter attraktivem Fussballspiel versteht, es gibt kein Vorwärtsverteidigen, kein Doppeln, kein Rochieren, keine einstudiert wirkenden Spielzüge, kaum Direktpassspiel, kaum überraschende Dribblings, kaum schnelle, überfallartige Angriffe. Und damit quasi nichts von dem, was Ralf Rangnick in den Verein und die Mannschaft integrieren wollte, quasi nichts von dem, was ich als Schalke- und Fußballfan auch gerne von meinem Verein sehen würde und quasi nichts von dem, was schönen Fußball ausmacht. Ich rede nicht von Spielen gegen Leverkusen, Dortmund oder München. Spiele in denen man nicht per se die besser besetzte Mannschaft stellt, Spiele in denen man vorsichtiger auftreten kann. Sondern von den Kicks gegen Augsburg, Freiburg, Bukarest, Larnaka oder eben jetzt Berlin. Von Spielen, in denen man die richtige Richtung einschlagen könnte, um dann auch in Zukunft gegen gleichwertige Gegner das eigene offensive Spiel durchdrücken zu können. So man denn wollen würde. So man denn auf ein offensives Spiel aus wäre.
Huub Stevens Weg mag bislang erfolgreich sein und natürlich ist sein Weg legitim. Er ist nur leider das Gegenteil von der einstigen Vorgabe. Momentan habe ich keinen Spaß an Schalkes Fußballspiel. Ich kann mich maximal am Ergebnis erfreuen. Und das reicht mir nicht.








