Artikel zum Schlagwort ‘Hertha BSC’

„Team Marktwert“

… oder: Diskussionswürdige Idee, aber chancenlos

Mitte letzter Woche sorgte eine Meldung für Aufsehen: Sechs Bundesligaclubs haben sich zu einer Gruppe formiert, die sich über eine Veränderung in der Verteilung der Gelder aus dem zukünftigen TV-Vertrag beraten will. Dabei soll das Geld nicht mehr nur nach dem Leistungsprinzip verteilt werden. Auch Faktoren wie Beliebtheit und Bekanntheit sollen als Faktoren geltend gemacht werden.

Die Gruppe gab sich den Namen „Team Marktwert“, und da es sich bei den sechs Clubs (Hertha BSC, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen) mehrheitlich um Bundesligisten handelt, die aktuell gegen den Abstieg kämpfen, waren die Häme-Kübel der social networks flott gefüllt. Diese Clubs suchten nach Geld, weil sie sportlich nichts mehr auf die Reihe bekämen, hieß es. Man hätte sich stattdessen lieber „Team Misswirtschaft“ nennen sollen. Diskutiert, oder auch nur auf die Pressemittelung der Clubs eingegangen, wurde kaum. Selbst ein Text bei Spiegel Online kommt zu einer Bewertung dieser Clubs als sportlich zu schlecht, ohne sich die Mühe zu machen auf Argumente für eine neue Gelderverteilung einzugehen. Schade, denn ein Blick darauf lohnt, meines Erachtens.
 
 
Was will „Team Marktwert“?

Die Gruppe will den Kriterien zur Verteilung der TV-Gelder eine dritte Komponente zufügen. Bislang werden zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Betrags gleichmäßig an die Clubs verteilt, ein Drittel wird auf Grund sportlicher Ergebnisse zugewiesen. Dem Namen entsprechend möchte „Team Marktwert“ zukünftig eine Wertung einbeziehen, in der dargestellt wird, welcher Club wieviel Anteil am Wert der Bundesliga hat. Wie genau diese Wertigkeit festgestellt werden soll, dazu wird man noch nicht konkret. Es wird aufgeführt, dass diese aus „objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“ errechnet werden könnte. Die Gruppe versteht sich als nun startendes Projekt. Ausdrücklich werden andere Clubs – auch Zweitligisten – eingeladen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Weiterhin weist die Gruppe darauf hin, dass es in „allen großen internationalen Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande)“ ähnliche Verteilungsmodelle gäbe, bei denen 25 bis 30 Prozent der Medienerlöse nach Marktwert-Kriterien ausgeschüttet würden.
 
 
Was man dagegen haben kann

Wer bislang gegen das Vorhaben des „Team Markwert“ argumentierte führte vor allem an, dass sportlichen Ergebnisse bei der Gelderverteilung weniger gewichtet würden. Auch Schalkes zukünftiger Manager Christian Heidel, ein stets meinungsstarker Mann, brachte sich als Gegner des „Team Marktwert“ in Position. Er würde Leistung lieber höher bewerten. Bei den Ideen der Gruppe würde man sich auf Tradition berufen, die 50 Jahre zurückliege, aber nichts mit der Leistung der Clubs heute zu tun habe. In der Berliner Morgenpost sieht Journalist Uwe Bremer das Vorhaben des „Team Marktwert“ als einen Schritt zur Bundesliga als geschlossene Gesellschaft. Die Pläne zielten gegen das Verständnis von Sport und würden den „Kleinen“ das Aufsteigen erschweren.
 
 
Wieso ich den Ansatz des „Team Marktwert“ für bedenkenswert halte

Zunächst ist festzuhalten: Das Wort „Tradition“ kommt in der Mitteilung des „Team Marktwert“ nicht vor. Um die von der Gruppe genannten Kriterien einfließen zu lassen braucht es handfeste Kennzahlen. Diese zu verhandeln, festzulegen, und zu vermitteln ist die zukünftige Aufgabe der Gruppe. Es muss gewährleistet sein, dass Clubs ihre Kennzahlen verbessern können.

Grundsätzlich halte ich es keineswegs für irgendwie unfair, dass Clubs, die einen größeren Teil zur Attraktivität der Liga beitragen, davon auch monetär profitieren. TV-Gelder sind kein ausgelobtes Preisgeld einer neutralen Instanz. TV-Gelder werden bezahlt, weil sich die Rechte gut weiterverkaufen lassen, weil Zuschauer dafür bezahlen.

Meines Erachtens wird die Liga aber beständig unattraktiver. Clubs mit weniger Fananhang, die weniger Zuschauerinteresse generieren, deren Storys weniger Zeitungen verkaufen und weniger Klicks generieren, lösen Clubs ab, die für eine „bunte Liga“ sorgen. Das liegt keineswegs ausschließlich an guter Arbeit hier und schlechter Arbeit dort. Bei den „Werksclubs“ aus Leverkusen und Wolfsburg, sowie bei Clubs wie Hoffenheim und Leipzig versagte die Politik der Liga in Form der 50+1 Regelung, die sich, wenn es hart auf hart kommt, rechtlich nicht durchsetzen lässt.

Sind wir doch mal ehrlich: Würde die TSG Hoffenheim ausschließlich für ihren Anteil an der Attraktivität der Liga entlohnt, bekäme sie von den TV-Geldern wohl gar nichts ab. Aber die von „Team Marktwert“ vorgeschlagenen Kriterien sollen das Leistungsprinzip nicht ablösen. Sie sollen als zusätzliche Faktoren dazukommen. Wieso dies zu einer „geschlosseneren“ Bundesliga als heute führen sollte, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Will man das Auf und Ab zwischen den beiden Profiligen fördern, muss man das Gefälle zwischen den beiden Ligen reduzieren und vielleicht die Relegation abschaffen. Das sind vollkommen andere Ansätze. Bislang ist nichts davon bekannt, dass das „Team Marktwert“ der zweiten Liga weniger Geld zukommen lassen will. Man will das Geld lediglich anders verteilen – auch im Liga-Unterhaus.

Meines Erachtens kann der Ansatz des „Team Marktwert“ für den deutschen Profifußball ein Instrument sein, auf rechtlich einwandfreiem Weg und transparent die für ein großes Publikum interessanten Clubs zu unterstützen und damit die Attraktivität der Liga bestmöglich zu bewahren.
 
 
Warum „Team Marktwert“ aber meines Erachtens keine Chance hat

Natürlich vertritt jeder Club seine eigenen Interessen. Solidarität gibt es in den Profiligen nur, solange dabei alle Geld verdienen. Es muss das Ziel von „Team Marktwert“ sein, auch die sportlich erfolgreichen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 von ihren Ideen zu überzeugen. Es ist aktuell aber davon auszugehen, dass diese Clubs mehr Geld bekommen, wenn es bei der stärkeren Gewichtung von sportlichen Erfolgen bliebe. Insofern fällt es Christian Heidel auch mit Blick auf seinen zukünftigen Job leicht, die Ideen des „Team Marktwert“ zu kritisieren. Den für alle gleichen Sockelbetrag zu reduzieren würde erst recht viele kleinere Clubs zu Widerstand aufrufen. Mir erscheint es fast unmöglich, dass der am Ende stehende Vorschlag des „Team Marktwert“ so vielen Clubs Vorteile gegenüber der aktuellen Regelung beschert, dass er Mehrheitsfähig sein kann.

Bedenkenswert ist er aber allemal. Diskussionswürdig sowieso.



Dieser Text wurde erstmals gestern bei Westline veröffentlicht. Weitere lesenswerte Blogtexte zum Thema „Team Marktwert“ wurden von Axel Goldmann und Andreas Riedl verfasst:

Der vierte Offizielle: Team Marktwert
Rosenau Gazette: Warum Team Marktwert nicht zu Ende denkt


Schneckenrennen

Seit der Winterpause spielte die Konkurrenz wiederholt „für Schalke“. Wiederholt wussten die Blauen das nicht zu nutzen, ließen Punkte liegen, die sie gegen die gleichen Gegner in der Hinrunde noch gewannen. Dennoch liegt Schalke weiterhin nur einen Punkt hinter Platz 4. Ein „Schneckenrennen“ sei das, ist immer wieder zu hören und zu lesen. Ein Ausdruck, der darauf schließen lässt, dass viele Clubs hinter ihren Erwartungen zurückbleiben.

Nun lassen sich Erwartungen schlecht vergleichen, Punktestände aber schon. Also habe ich mal die Punktestände der Tabellenplätze 3 bis 8 nach dem 26. Spieltag mit denen der letzten sechs Jahre verglichen:

Demnach sind Schalkes 41 Punkte nach 26 Spieltagen ein sehr normaler Wert für den auf Platz 5 geführten Club. Auch die 40 Punkte des FSV Mainz 05 liegen exakt auf dem Durchschnitt aller Sechstplazierten, die Punktekonten Leverkusens und Wolfsburgs sind ebenfalls ziemlich „normal“.

Die Punktestände der Clubs auf Platz 3 und 4 liegen allerdings tatsächlich unter dem Durchschnitt. Letztlich ist es das, was das Gefühl des Schneckenrennens auslöst: Nicht etwa, dass alle „herumschnecken“ würden, aber vorne setzt sich im Kampf um Platz 3 und 4 niemand so recht ab. Bezogen auf den Kampf um Platz 4 gab es so wenig „Favoritentum“ zuletzt 2013. Damals reichte Schalke unter Jens Keller am Ende 55 Punkte zur Qualifikation zur CL-Qualifikationsrunde, ein Wert der geringer nie war, seit sich im Jahr 2000 der TSV 1860 München mit nur 53 für die „Königsklasse“ empfahl.

Zum Vergleich, hier noch die Punktestände der Tabellenplätze 3 bis 8 der letzten sechs Jahr nach Saisonschluss:

S04 gegen Berlin: Das verlorene Spiel um Platz 3

Schalke verliert bei der Hertha in Berlin 2:0. Eine verdiente Niederlage, die am Ende durchaus höher hätte ausfallen können. Nach ordentlichem Beginn fehlten Schalke die Mittel, um gegen eine sich steigernde Hertha bestehen zu können.

Nach dem Spiel war man sauer auf Dennis Aogo. Schalkes Rechtsverteidiger hatte die größte Torchance kläglich vergeben. Als er in der 55. Minute eher zufällig frei vor Hertha-Torhüter Rune Jarstein zum Schuss kam, hätte das der Ausgleich sein können. Dass man darauf angewiesen war, dass man auf ihn schimpfte, und nicht auf das insgesamt überaus unproduktive Offensivspiel der Mannschaft, war bezeichnend für das Spiel und die Schalker Mode, bei öffentlichen Statements mit Umständen zu hadern und alles irgendwie bemüht positiv zu sehen.

Neben Dennis Aogo vergab Klaas-Jan Huntelaar eine große Torchance. In der 21. Minuten kam er frei zum Kopfball, nachdem Junior Caicara den Ball von der Gundlinie in den Strafraum flankte. Eine Situation, wie für ihn gemacht, die gleichsam als Gegenstück zu dem stand, wie Schalke seinen alleinigen Stürmer ansonsten einzusetzen versuchte. Vor allem in der ersten Halbzeit agierte Schalke lange nicht schlecht, das Pressing funktionierte, man versuchte schnell auf Offensive umzuschalten. Aber alle Angriffsversuche stockten immer wieder, weil Klaas-Jan Huntelaar daran scheiterte, Steilpässe vernünftig anzunehmen und zu verwerten, oder weil die Pässe zuvor bereits schlampig gespielt wurden.

Während Schalke sich immer wieder an sich selbst versuchte, konnte sich Hertha BSC im Spielverlauf steigern. Ab Mitte der ersten Halbzeit waren die Gastgeber die bessere Mannschaft. Bis zur Halbzeit konnte man den Spielverlauf aus Schalker Sicht als unglücklich erachten. Auch Berlin hatte bis dahin nicht viele Chancen, Schalke machte eben den einen Fehler, der Hertha zur Führung reichte. Aber Schalke spielte nach der Pause gleichförmig weiter, als stünde es noch 0:0. Hertha hingegen wurde immer souveräner. Die Chance Dennis Aogos war ein „Fehler im System“, ansonsten hatte die Hertha das Spiel im Griff. Defensiv ließ man nichts anbrennen, offensiv suchte und fand man immer wieder Lücken im Schalker Mittelfeld. Hertha vergab einige beste Chancen und ließ den immer wieder in höchster Not rettenden Roman Neustädter zu Schalkes bestem Spieler werden.

Auf Schalke spricht man häufig von „konstanten Leistungen“ und meint doch eigentlich nur konstante Ergebnisse. Gewinnt man zweimal in Folge wird dies als was erachtet worauf „aufzubauen“ sei, unabhängig davon, wie sich die Spiele und die präsentierten Spielweisen darstellten. Pal Dardai hat hingegen tatsächlich aus seiner Mannschaft ein konstant spielendes Team geschaffen. Eine gut funktionierende Defensive ist die Grundlage für ein Spiel, das sich keinesfalls auf diese Defensive beschränkt, sondern das in der Offensive den Fähigkeiten seiner Protagonisten entspricht und deshalb erfolgreicher ist, als es die ganze Liga erwartet hat. Die Hertha ist vollkommen klar in ihrem Tun, hat eine für sich passenden Spielstil entwickelt, auf den sich tatsächlich aufbauen lässt.

Dem hinkt Schalke 04 hinterher. Schalke liefert jede Woche unterschiedliche Leistungen ab, häufig genug auch unterschiedliche Herangehensweisen. Auf Schalke passt die Spielausrichtung keineswegs immer zu den Stärken der Protagonisten, und letztlich hat man auch keine so guten Stürmer wie Salomon Kalou und Vedad Ibisevic. Wenn dieses Spiel der Kampf um Platz 3 war, wie die Begegnung vor dem Anpfiff medial verkauft wurde, bleibt zu konstatieren: Den hat Schalke verloren.



Foto: Tomek Bo

Happy Weekend (4)

Nach dem Sieg gegen den 1. FC Köln war es in dieser Woche recht ruhig auf Schalke. Als Schalker ist man das nicht gewohnt, fast fehlt einem da was, also suchte ich nach Tullus in anderen Clubs, las und hörte quer, und fand überraschend viel Schalkewunsch bei Krisenclubs.

In Frankfurt zum Beispiel, wo man vergangenen Sonntag Armin Veh entließ und recht zügig mit Nico Kovac einen Nachfolger präsentierte. Nicht zügig genug, als dass nicht zuvor ordentlich diskutiert worden wäre. Dabei galt Ex-Schalke-Trainer Jens Keller zunächst als Top-Kandidat. Keller war Spieler in Frankfurt und es hieß, er könne mit dem derzeitigen Eintracht-U19 Trainer Alexander Schur als Assistenten eine Lösung für die Zukunft sein. Dienstagfrüh bemerkte aber die FAZ, dass eine Lösung mit Jens Keller eine gewisse Tücke beinhalte: Die Eintracht wolle schließlich zum 1. Juli den Posten des Sportvorstands neu besetzten. Nachdem Christian Nerlinger und Christoph Metzelder abgesagt haben, schiene es so, als sei Horst Heldt „der einzige (Bundesliga-)Kandidat von Rang und Namen, den die Aufgabe am Main reizt“. Und der habe Keller schließlich gerade erst entlassen.

Ein anderer Krisenclub, wenngleich zugegebenermaßen auf höherem Niveau, ist Bayer Leverkusen. Dort wird Trainer Roger Schmidt angezählt, von immer mehr Leuten, immer lauter. Mit 36 Punkten steht Leverkusen auf Rang 8, fünf Punkte hinter Schalke. Zuletzt war eine 1:4 Niederlage gegen Werder Bremen hinzunehmen, es folgte nur ein Punkt in Augsburg, gestern eine Niederlage in der Europa League: Wenn man am Sonntag auch gegen den HSV verliert, könnte es das für Roger Schmidt gewesen sein, meint Kevin Scheuren im Interview bei „Mein Sportradio“.
Die Situation mit Roger Schmidt sei verquer, und ein Grund, warum es mit Trainern in Leverkusen immer wieder nicht klappe, sei Rudi Völler. Völler installiere und deinstalliere die Trainer. Vielleicht müsse man da Grundsätzliches ändern, auf Schalke würde das ja auch gemacht, so Scheuren. Er sieht Leverkusen und Schalke auf Augenhöhe, er glaubt, dass Christian Heidel auf Schalke funktionieren wird und er befürchtet, dass Leverkusen dann gegenüber Schalke ins Hintertreffen gerät. Nebenbei würde sich Scheuren als einen möglichen zukünftigen Leverkusen-Trainer den Ex-Schalker Mirko Slomka wünschen. Auch hier also ganz schön viel Königsblau.

Die heutigen und wahren Königsblauen spielen aber in Berlin. Kommen wir zum Spiel.
 
 
In Berlin, auf’m Platz

Schalke spielt in Berlin auf neuem Rasen. Erst gestern wurden die Arbeiten daran abgeschlossen, erst heute wird er mit Linien versehen. Vergangenen Sonntag hatte Hertha in Hamburg verloren. Danach sprach man davon, dass die Mannschaft den Dreitagerhythmus einer „englischen Woche“ nicht gewohnt sei. Tatsächlich verlor Hertha BSC auch die Bundesligapartie, nachdem man zuletzt unter der Woche im Pokal antreten musste. Ohne „englische Woche“ verlor Hertha letztmalig am 28. November 2015. Auswärts, bei Bayern München. Auf das heutige Spiel gegen Schalke konnten sich die Berliner fünf Tage vorbereiten.

Schalke hatte einen Tag mehr zur Regeneration. Der Kader stellt sich unverändert dar, Eric Maxim Choupo-Moting wird weiterhin nicht zur Verfügung stehen, Leon Goretzka sowieso nicht.
Es gibt also eigentlich nichts Neues zu Schalke zu erzählen, die Pressekonferenz der Blauen zum Spiel gegen Hertha BSC möchte ich dennoch empfehlen. Trainer André Breitenreiter war gut aufgelegt und hat meines Erachtens einige Dinge so gesagt, wie man sie sich als Fan nur wünschen kann. Dabei stellte er dar, was er als den „nächsten Schritt“ in der Entwicklung seiner Mannschaft erachtet. Dass ihm die „Art und Weise“ des Fußballs seiner Mannschaft wichtig sei. Dass er will, dass die Mannschaft nun nachlegt. Dass „Nachlegen“ dabei nicht ergebnisbezogen gemeint sei, klar will man das, aber er fordere, dass die Mannschaft aktiv und präsent sei, dass man presse, dass man mutig spielt, dass man keinen Schritt weniger mache. Eine Hoffnung spendende Rede. Sehenswert.
 
 
Daten und Drumherum

Schalke macht das Olympiastadion in Berlin nicht mehr voll. Es werden über 50.000 Zuschauer erwartet. Das ist nicht schlecht, bei den Heimspielen gegen Wolfsburg oder Mainz waren es jeweils gerade 40.000 Zuschauer, trotz attraktiverer 15:30 Uhr Anstoßzeiten. Aber es passen eben über 74.000 Zuschauer rein. Das füllen nur noch Borussia Dortmund und Bayern München.

Von den letzten 14 Begegnungen mit Hertha BSC hat Schalke 12 gewonnen, zweimal ging’s unentschieden aus.

Dies wird für Schalke 04 das dritte Freitagabend-Auswärtsspiel der Saison sein. Die beiden vorherigen gingen verloren, in Mainz (1:2) und in Wolfsburg (0:3).

Bei Wettanbietern wird die Partie ausgeglichen gesehen. Einer Quote von 2,6 für einen Heimsieg steht eine 2,8 für einen Sieg Schalkes gegenüber, für ein Remis steht die Quote bei 3,2.

Zum Anpfiff soll es in Berlin laut Google 4° C haben. Es wird ziemlich sicher trocken dabei sein (Niederschlagswahrscheinlichkeit: 5%)

Beim letzten Spiel in Köln sah kein Schalker die Gelbe Karte. Entsprechend ändert sich an den von einer Sperre zum nächsten Spiel gefährdeten Spielern nichts: Dennis Aogo, Junior Caicara und Johannes Geis sind mit je 4 Gelben Karten vorbelastet.
Bei Hertha BSC haben Marvin Plattenhardt und Genki Haraguchi bereits 4 Gelbe Karten auf dem Konto.

Als Schiedsrichter der Partie wurde Tobias Welz aus Wiesbaden angesetzt. Welz gab 2010 sein Bundesligadebüt, ist seit 2013 FIFA-Schiedsrichter, und hat doch erst 5 Spiele des FC Schalke 04 geleitet. Das letzte ist allerdings noch gut in Erinnerung, das war erst vor einem Monat, bei 3:0 Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg.

Sechs Schalker haben an diesem Wochenende Geburtstag. Heute vor 103 Jahren wurde Otto Faist geboren. Der überzeugte Nazi war Trainer der Schalker Meistermannschaften von 1939, 1940 und 1942. Er kam 1946 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft ums Leben. Am morgigen Samstag haben Erwin Kolbe, Harald Klose, Dieter Eckstein und Timo Kunert ihren Ehrentag. Am Sonntag wäre Helmut „Jaggel“ Jagielski 82 Jahre alt geworden. Von 1952 bis 1962 spielte er 156 Mal für Schalke 04, ausgerechnet zur Endrunde um die Meisterschaft 1958 fiel er allerdings verletzt aus. 1961 wechselte er zu Werder Bremen und gewann mit seinem neuen Club die Deutscher Meisterschaft und den DFB-Pokal. Jagielski blieb Werder nach der Karriere treu und führte einige Jahre die Vereinsgastätte Werders. Er verstarb 2002, im Alter von nur 68 Jahren.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes Regionalliga-Team spielt ebenfalls heute Abend, um 19:30 Uhr, bei der Zweitvertretung des 1. FC Köln. Zuletzt wurden drei Spiele in Folge abgesagt. Nach bislang nur 21 Spielen – Tabellenführer Gladbach spielte bereits 26 Mal – sieht die Tabelle erst mal nicht so gut aus.

Schalkes A- und B-Jugend spielen beide am Sonntag um 11 Uhr. Norbert Elgerts A-Jugend in Ückendorf gegen Bayer Leverkusen, die B-Jugend auswärts, auf der Bezirkssportanlage Oststadt in Essen, gegen RWE. In beiden Staffeln führt Borussia Dortmund die Tabellen an. In der A-Jugend ist Schalke auf Platz 2, nur einen Punkt zurück, in der B-Jugend liegen die Blauen 7 Punkte zurück, haben aber noch ein Spiel nachzuholen.
 
 
Und sonst?

Und sonst ist da ja noch diese einseitige Feindschaft, die Hertha-Fans pflegen und von denen auf Schalke die Meisten nichts wissen. Mittlerweile wird allerdings so häufig erwähnt, dass Schalke-Fans davon nichts wissen, dass eigentlich kaum noch einer nicht weiß, dass man davon eigentlich nichts weiß. Seit Jahren verlinke ich zu jeder Begegnung mit Hertha BSC, deren Fans sich übrigens regelmäßig herrlich echauffieren wenn irgendjemand „Hertha BSC Berlin“ sagt, weil das ja falsch ist, und weil das ja irgendwie total wichtig ist, dass man das nicht falsch sagt, weil man ja auch nicht Arsenal London sagen darf, und eigentlich auch nicht Sporting Lissabon, was aber deutlich weniger wissen und deshalb da viel weniger rumechauffieren – aber ich schweife ab … jedenfalls verlinke ich seit Jahren einen Tagesspiegel-Artikel von 2009, der den Sachverhalt erklärt. Heute letztmalig, irgendwann wird’s ja auch zu blöd:
„Warum Herthas Fans die Schalker nicht mögen – und denen das egal ist“

Erstmalig verlinke ich nun hingegen das Interview Roman Neustädters mit Doc Karsten alias Karstenzio, dem Blogger- und Podcast-Kumpel. In den social networks ging das schon rund und auch hier in den Kommentaren wurde es schon verlinkt, Karstens Server soff zwischenzeitlich sogar ab. Weil es aber wirklich toll ist und weil ich finde, dass das jeder Schalker lesen sollte, weil vielleicht mancher nicht so oft bei Twitter oder Facebook unterwegs ist, sich aber stets auf die neuste Ausgabe Happy Weekend freut, hier die unbedingte Leseempfehlung:
„Mit Roman Neustädter an der Taktiktafel – Von Positionen und Räumen“
 
 
So, mehr hab‘ ich nicht. Schönet Wochenende, bis Montach.

Schalke liefert wieder

Auf dem Platz schlägt Schalke die Hertha aus Berlin mit 2:1 und macht dabei seine Fans glücklich. Abseits des Platzes sorgten Indiskretionen mal wieder dafür, dass eine wichtige Personalentscheidung von der Öffentlichkeit durchgekaut wird.

Die Schalker lassen sich abfeiern als wären sie Weltmeister geworden, obwohl sie 75 Minuten in Überzahl spielen und am Ende nur durch einen Konter im eigenen Stadion glücklich gewinnen.

… sagte Alexander Baumjohann nach dem Spiel. Enttäuscht, direkt nach Abpfiff, nichts was man ihm übel nehmen sollte. Tatsächlich weist er damit aber den Unterschied der aktuellen Schalker Phase zu vielen früheren hin, eben auch zu denen mit Alex Baumjohann in Blau: Das Stadion donnert wieder, man „feiert ab“, es macht wieder Spaß.

Diese Schalker Mannschaft stellt sich nach einer Führung nicht hinten rein und hofft auf Platz zum Kontern. Sie spielt nach vorne. Mal besser, mal schlechter, aber stetig. Natürlich hatte Schalke Glück, in diesem Spiel. Aber wieviel Glück hätte es für Hertha bedeutet, bei diesem Mehr an Torchancen für Schalke auch noch Punkte nach Berlin mitzunehmen?

Diese Schalker Mannschaft des André Breitenreiter liefert. Sie lieferte nun schon 9 Siege in 12 Pflichtspielen. Sie liefert aber vor allem das Gefühl, dass sie immer alles gibt, selbst wenn sie zwischendurch auch mal verdient verliert.

Außerdem liefert Schalke Gesprächsstoff und damit viel Tullus um Entscheidungsträger des FC Schalke 04 und des FSV Mainz 05. Vor 5 Tagen war zu lesen, dass Schalke den Vertrag mit Horst Heldt wohl nicht verlängern wolle und an Christian Heidel als Nachfolger interessiert sei. 5 Tage in der eine relativ kurze Meldung in Kombination mit ausbleibenden Dementi dazu auswuchs, dass Horst Heldt nun geneigt ist sein Gesicht zu retten, indem er einem offiziellen „nicht mehr gewollt sein“ mit einem „nicht mehr zur Verfügung stehen“ zuvorkommt.

5 Tage die auch Christian Heidel und Mainz 05 unter Druck setzten. Heidel ist seit 23 Jahren in Mainz. Er wird keinen Wechsel „durchdrücken“, das hat er klar gesagt, man kann Heidel getrost glauben. Der öffentliche Druck erschwert einen geordneten Abgang.

Schalke wird auch nach Horst Heldt einen Verantwortlichen fürs Sportliche haben, keine Frage. Die laute Öffentlichkeit macht den Club auch attraktiv. Doch gerade bei solchen Personalentscheidungen würde ich mir ein smarteres Vorgehen meines Clubs wüschen. Aber Smart ist nunmal das Gegenteil von Schalke.

Schalkes Torwartpech

Schalke kommt in Berlin nicht über ein 2:2 hinaus und verspielt damit weitere wichtige Punkte beim Kampf um die Champions League-Plätze. Punktverluste, die letztlich Schalkes Torwartpech zuzuschreiben sind. Eine unglückliche Geschichte.

Die Bewertung eines Fußballspiels ist ja immer eine recht subjektive Angelegenheit. Benni Höwedes fand das Spiel der Blauen gut. Schalke hatte ein deutliches Mehr an Ballbesitz und kaum Torchancen des Gegners zugelassen. Schalke hat durchaus nach vorne gespielt, war die aktivere Mannschaft. Das alles kann man zweifellos als Überlegenheit werten. Solch eine Überlegenheit ist aber meines Erachtens wenig wert, wenn man sich dadurch kein klares Chancenplus erspielen kann. Vor dem eigenen Tor hielt Hertha dicht, bis in den Strafraum reichte Schalkes Dominanz nicht. Deshalb war es am Ende eben doch nur ein Spiel auf des Messers Schneide. Eins, dass Schalke auf Grund der größeren individuellen Klasse hätte gewinnen können, dass auf Grund von Torwartpech aber doch nicht gewonnen wurde.

Schalke 04 hat in Ralf Fährmann eine sehr starke Nummer 1. Schalke verpflichtete mit Fabian Giefer eine Nummer 2, die in der Bundesliga bereits großartige Leistungen gezeigt hat. Dass beide gleichzeitig wochenlang verletzungsbedingt ausfallen, ist Schalker Torwartpech.

Die Verletzung Giefers spülte Timon Wellenreuther ins Schalker Tor. 19 Jahre jung, erst im Sommer 2013 vom Karlsruher SC in Schalkes U19 gewechselt. Dass er seinen Job versteht hat er bereits gezeigt. Er blieb in 1:1 Situationen Sieger und zeigte auf der Linie großartige Reaktionen. Gerade im Derby hielt er seine Mannschaft lange im Spiel, war 86 Minuten bester Schalker. Bis ihm ein Fauxpas unterlief, als er Marco Reus anschoss und sich den Ball damit quasi selbst ins Tor legte.

Es war nicht das erste Missgeschick. Bereits in München, nach seiner Einwechslung, flutschte ihm der Ball unglücklich durch die Beine. Nur auf Grund einer Abseitssituation eines Bayern-Spielers fiel dies nicht ins Gewicht. Am 0:1 in Frankfurt und am Ausgleich in letzter Minute gegen Werder Bremen trug er eine Mitschuld. Das Tor in Dortmund reihte sich ein, nun folgten die beiden Gegentore in Berlin.

Natürlich gingen jeweils Fehler anderer Spieler voraus. Ja, man gewinnt und man verliert gemeinsam. Aber es ist eben der Job des Torhüters, zu reparieren, wenn Fehler im Spiel zu gegnerischen Chancen führen. Nach Timon Wellenreuthers Auftritt gegen Hertha BSC stellt sich die Frage, ob er, bei allem Talent, dem auf ihm lastenden Druck standhalten kann. Es stellt sich die Frage, ob sich Schalke das Erfahrung Sammeln des jungen Keepers leisten kann, ob Christian Wetklo nicht die bessere Alternative wäre, und falls das auszuschließen ist, wieso man Wetklo überhaupt verpflichtet hat.

Manuel Neuer war in der Saison 2010/2011 der letzte Schalker Torhüter, der eine ganze Saison durchspielen konnte. Schober, Unnerstall, Hildebrand, Fährmann, Giefer und nun Wellenreuther: Sie alle wurden durch Verletzungen ins oder aus dem Schalker Tor gespült. Schalkes Ohnmacht in der Entscheidung für Qualität im Tor, Schalkes Torwartpech, kostet Punkte. Aktuell gefährdet es die Champions League-Qualifikation für die kommende Saison.



Foto: Tomek Bo

Auswärts beim langweiligsten Club der Liga

Bei der Leistung Schalkes gegen Real ging es weniger um Weiterkommen oder nicht Weiterkommen, als vielmehr darum, was die Leistung für die kommenden Wochen erhoffen lässt. So beschrieb es krambuli in einem Kommentar, und machte mich damit schmunzelnd. Er brachte die aufblühende Euphorie auf den Punkt. Gegen Hoffenheim hatte Schalke ordentlich gespielt, in Madrid folgte der Hurra-Stil, und schon wachsen die Bäume in den Himmel.

Vor zwei Wochen stand Schalke für Betonfußball und man sprach seinem Trainer jegliche Idee zur Spielgestaltung ab. Nun sieht man Schalke im Geiste nur noch Richtung Gegnertor fliegen. Schalke beherrsche keinen guten Spielaufbau hieß es zuletzt, im defensiven Mittelfeld hätte niemand die gebotene Qualität. Nun reckt man Kreuze gen Himmel, auf dass der Kelch einer Khedira-Verpflichtung an dem Club vorbeiziehen möge, solch einen brauche man doch nicht, dafür solle man kein Geld ausgeben.

Schalke überdreht gerne und flott, in alle Richtungen. Die Gemüter zu beruhigen, dazu bekommt man diesmal aber Unterstützung vom Spielplan. Kaum etwas könnte einen besser runterbringen als Gedanken an Hertha BSC, dem langweiligsten Club der Fußball-Bundesliga.

„Interessanter als Wolfsburg“ höre ich gleich den ersten Rufer! Aber Wolfsburg spielt immerhin erfolgreich. Hertha schwoll unter Lucien Favre kurz an und fiel dann gleich wieder in sich zusammen. Das ist nun aber auch schon wieder fünfeinhalb Jahre her; bzw. zwei Ab- und Aufstiege. Egal ob sportliche Erfolge, Spielstil, öffentlicher Auftritt von Trainer oder Spieler, egal ob Fans oder Vereinspolitik: Hertha steht für nichts mehr, als dass das Stadion einen blau eingefärbten Laufkringel um die Rasenfläche aufweist. Herthas Bild ist, dass es kein Bild abgibt. In Berlin selbst mag sich das vielleicht noch anders anfühlen – das wünsche ich dem Club zumindest. Außerhalb Berlins interessiert sich kein Mensch für diesen Club.

Und doch muss auch Schalke 04 dort antreten. Unsereins hofft auf den Erfolg der losgelassen und befreit Aufspielenden. Aber vielleicht hält Herr Di Matteo gegen Hertha auch (wieder) eine andere Herangehensweise für erfolgsversprechender. Oder vielleicht haben auch diejenigen Recht, die schon während des Wunderversuchs der Blauen in Madrid prophezeiten, dass der Aufwand im Estadio Santiago Bernabéu fürs folgende Wochenende nur schwere Beine übrig lassen würde.

Erahnen lässt sich eh nichts. Schalke ist stets alles zuzutrauen. Ma’kucken.