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Schalke macht den nächsten Schritt

Obwohl unser Trainer Jens Keller vor dem Spiel nicht weniger als elf Ausfälle verkraften und seine Mannschaft dementsprechend umbauen musste, konnte Schalke 04 mit einer jugendlichen Mannschaft gegen „die alte Dame“ Hertha BSC mit 2:0 den nächsten Heimsieg einfahren.

Vor dem Spiel suchte ich im Regelwerk des DFL schon mal danach, wie viele Spieler noch ausfallen müssten, damit Schalke eine Spielverlegung beantragen kann. Kaan Ayhan, seines Zeichens Nachwuchsspieler mit der Erfahrung zweier Bundesligastartelfeinsätze, konnte aber eben doch auflaufen. Das Verrückte daran ist wohl eher, dass Schalke-Fans in ganz Deutschland ein erleichternder Seufzer über die Lippen ging, als man davon erfuhr. So rückte lediglich Chinedu Obasi in die Startelf und Leon Goretzka konnte zum ersten Mal in einem funktionierenden Team auf seiner Paradeposition im zentralen Mittelfeld spielen.

Die ersten Minuten zeigten direkt, an welche Leistung die „Schalker Rasselbande“ (© Jens Keller) anknüpfen wollte und auch anknüpfte. Wie zuvor im Revierderby presste man aggressiv nach vorne und drückte den Gegner weit in dessen Hälfte. Im Unterschied zum Derby konnte der Gegner allerdings kein Mittel dagegen finden und wurde im Pressing mehr oder weniger erdrückt. Schalke schob dazu weit vorne bereits auf die Gegenspieler. Obasi und Draxler zum Beispiel verfolgten die Außenverteidiger Berlins bis weit in deren Hälfte, auch Hoogland und Kolasinac kannten keine Grenze bei der sie stoppten und deckten ihre Gegenspieler eng. Der entscheidende Punkt war jedoch die Laufbereitschaft aller Beteiligten. Nach jedem Hertha-Pass verschob sich unser Team mit intensiven Läufen um den Ballführenden um seine direkten Anspielstationen unter Druck zu setzen. Insbesondere die offensiven Spieler waren sich nicht zu schade, den Herthanern hinterherzugehen und aus einer weiteren Richtung Druck zu machen. Weil Goretzka und Neustädter zudem eine traumwandlerische Sicherheit bei der Besetzung von kritischen Räumen zeigten, konnten viele Zweikämpfe scheinbar einfach gewonnen und zahlreiche Fehlpässe erzwungen werden.

Leider schien es zunächst so zu sein, als sei man vor lauter Einübung des Pressings noch nicht dazu gekommen, was man mit einer Balleroberung in der gegnerischen Hälfte so anfängt. Man fühlte sich ein wenig an die Anfangsphase der Saison erinnert, wenn man sah wie hilflos das Zusammenspiel vorgetragen wurde. Da wurden Bälle zu lange gehalten, sich zielsicher an die Seitenlinie kombiniert oder der Klassiker „Einer hat den Ball, alle rennen weg“ aufgeführt. Es schien fast so, als spiele die Hälfte der Mannschaft im Kopf einen Konter aus und die andere einen normalen Spielaufbau. Besonders Huntelaar und Meyer schienen den Ball lieber erst noch zwei bis drei Sekunden am Fuß behalten zu wollen bevor sie ihn wieder abgaben. Die Hertha nutzte diese Zeit dagegen um ihre zwei Viererketten wieder aufzubauen. Stand der Gegner erstmal sicher, fiel unserer Mannschaft auch recht wenig ein. Positionswechsel, um den Gegner mal aus der Ordnung zu bringen, wie wir sie gegen Braunschweig noch einige Male gesehen haben, gab es keine.

Aus den zahlreichen Balleroberungen konnte man also in der ersten Halbzeit keinen Profit schlagen, zum Glück gelang dies beim Spiel von hinten heraus in der 16. Minute. Zu dem Zeitpunkt hatte sich Kaan Ayhan bereits einen dicken Bock geleistet als er, Joel Matip und Ralf Fährmann das Spiel von hinten aufbauen wollten. Im Gegensatz zu Timo Hildebrand nach seinem Chelsea-Fauxpas behielten die nun Beteiligten jedoch die Nerven und nutzten fortan eben nicht die „sichere“ Variante des Nach-vorne-Bolzens. Ayhan spielte den Ball sauber zu Ralf Fährmann zurück, dieser umspielte Ramos mit einem Pass auf Matip (ermöglicht dadurch, dass Joel diesen Ball auch haben wollte und sich entsprechend freilief). Zu diesem Standpunkt formierte sich Schalke in der Offensive sehr weit gestreckt und schuf so im Zentrum weite Räume. Die Außenverteidiger agierten enorm hoch und breit, die offensiven Spieler drückten die gegnerische Abwehr weit nach hinten. Die Folge war ein fast schon verwaistes Zentrum in das Joel Matip ungehindert bis zur Mittellinie vorstoßen konnte. Nachdem er deutlich sichtbar mehrere Varianten evaluierte entschied er sich für die öffnende Seitenverlagerung auf Chinedu Obasi. Der nutzte die Unkonzentriertheit der Herthaner dann eiskalt aus und markiert das 1:0.

Leider ließ neben der Intensität des Pressing auch das Aufbauspiel zunehmend nach. Mehr und mehr ließ man die Bälle einfach von Ayhan oder Fährmann nach vorne schlagen und positionierte sich nicht mehr für das Aufbauspiel. Das Spiel verflachte dadurch immer mehr, zusätzlich wurden sehr viele Fouls gespielt, was den Spielfluss vollends zum erliegen brachte. Nachvollziehbar war für mich dabei, dass man diese Form des Pressings nicht über 90 Minuten würde durchhalten können. Weniger nachvollziehbar war, wieso man darauf verzichtete geordnet aufzubauen. Mit Ayhan und Matip standen zwei sehr sichere Passspieler auf dem Feld und auch unser Mittelfeld war offensichtlich in guter Verfassung. Dies gilt umso mehr, da sich die Hertha gut eingestellt zeigte was lange Bälle anging, und es dann schaffte, den Ball auch selbst über mehrere Stationen zu kontrollieren. Folgerichtig hatte Schalke nach dem Tor keinen gefährlichen Abschluss mehr in Halbzeit Eins.

Die Gäste hingegen entschieden sich, wenn sie die Zeit dazu hatten, meist für lange Bälle auf ihre Stürmer. Nachdem Ramos gegen Matip keinen Stich machte (und auch nicht mehr machen sollte) visierten die Berliner zunehmend das Pärchen Ayhan-Wagner an. Dadurch konnte Berlin wenigstens ab und an gefährliche Szenen kreieren, teilweise auch, weil Kolasinac in Strafraumnähe die Bissigkeit, die er beim Pressing an der Mittellinie noch eindrucksvoll unter Beweis stellte, komplett abging, und gar zu passiv zuschaute wie geflankt bzw. geschossen wurde.

Zum Glück schien Jens Keller in der 15-minütigen Halbzeitpause noch eine Sonderlektion „Umschaltspiel nach Ballgewinn“ eingeschoben zu haben. Krankte das Spiel davor noch an zu wenig Direktheit, zeigte man sich danach sehr viel zielstrebiger. Balleroberungen wurden dementsprechend wie Konter gespielt: Ball erobern, Ball behaupten und weiterleiten, Steilpass, Abschluss. So war es bereits nach nicht einmal einer Minute zu sehen: Wieder zog man das Pressing auf, in der Intensität wie zu Beginn des Spiels. Auch wenn Kaan Ayhan den Ball letztendlich erobert, indem er den Gegner bis in die eigene Hälfte verfolgt, hatte doch Leon Goretzka großen Anteil daran, der sich in den Sekunden davor geschickt bewegte, Räume verknappte. Dadurch zwang er die Hertha in die enge Situation, welche die Balleroberung ermöglichte. Danach war er direkt anspielbar und leitet den Ball vertikal auf Chiedu Obasi weiter (und spielt z.B. nicht den überflüssigen Seitenwechsel ganz links raus). Obasi zeigt gutes Timing beim Steilpass, und Huntelaar weiß eben wie man Tore schießt.

Nach dem Treffer spielte Berlin etwas offensiver, was den Schalker Kontern mehr Raum und Zeit gab. Aus taktischer Sicht wurden die Konter richtig gespielt: Das Spiel wurde beschleunigt, Querpässe vermieden und der riskante Steilpass gesucht, um trotz Unterzahl in gefährliche Situationen kommen zu können. Leider versuchten es Max Meyer und Julian Draxler einige Male gar zu offensichtlich, die Gasse zwischen Innen- und Außenverteidiger zu finden.

Individuell schien Obasi neue Batterien eingesetzt bekommen zu haben. Waren seine Dribblings in Hälfte Eins oft noch pomadig anzusehen, zeigte er in Hälfte Zwei wieso wir uns freuen können ihn im Kader zu haben, und wieso er von seinen Fähigkeiten eher auf die Rechtsaußen-Position gehört als Leon Goretzka.

Der Hertha dagegen gelang aus dem Spiel heraus kaum etwas. Bis circa zur 70. Minute gingen die Gäste im Pressing unter, dann ließen die Kräft bei den Königsblauen merklich nach. Das einzige Kapital, was Hertha daraus schlagen konnte, war jedoch der Versuch Standards schon aber der Mittelinie zu „ziehen“. Ohne Vertrauen in den eigenen Spielaufbau wurden lange Bälle in den Strafraum geschlagen, immer auf den „Lucky Punch“ hoffend, der dieses Spiel nochmal hätte spannend werden lassen können. Ironischerweise gelang dies sogar noch. Ich weiß immer noch nicht, was der Schiedsrichter abgepfiffen hat, als er Herthas Treffer in der 81. Minuten die Anerkennung verweigerte. So aber blieb es beim 2:0.

Auch wenn Hertha danach noch einen Abschluss von Ramos verzeichnen konnten, waren die spielerischen Offensivbemühungen der Berliner ähnlich harmlos wie die der Braunschweiger. Obwohl Schalke sichtlich erschöpft war und um jeden Meter kämpfen musste, hatte man doch irgendwie das Gefühl, das Spiel klinge in den letzten Minuten so langsam aus. Martin Max als Co-Kommentator war hörbar aufgeregt als sein Filius eingewechselt wurde, und die Mannschaft musste nach dem Abpfiff erstmal mehrere Minuten verschnaufen, bevor man sich zur Nordkurve schleppen konnte.

Eine ganz hervorragende Leistung zeigte für mich Leon Goretzka. Zum ersten Mal konnte ich nachvollziehen, warum um ihn ein solches Tohuwabohu veranstaltet wurde. Im zentralen Mittelfeld verband er ein kluges Stellungsspiel mit aggressiver Zweikampfführung. Obwohl er so erstmals mit Roman Neustädter zusammenspielte, profitierten beide voneinander, dominierten das Zentrum und präsentierten sich in der Abstimmung so stark, als spielten sie seit der U16 zusammen. Nach vorne zeigte er ein gutes Auge für den zu bespielenden Raum und ein paar starke Dribblings. Besonders an den Dribblings stach heraus, wieso er ein zentraler und kein Flügelspieler ist. In Jefferson Farfans Lieblingssituation namens „Wir wissen beide, dass ich gleich ein Dribbling starte“ kommt Leon nicht am Gegenspieler vorbei. Hat er dagegen im Mittelfeld die Option, auch den Pass zu spielen, kann er die die Gegner durch sein Vorbeiziehen überraschen.
Joel Matip spielte Ramos schlicht an die Wand! Gefühlsmäßig waren die einzigen verlorenen Zweikämpfe jene, die der Schiedsrichter unverständlicherweise als Foul abpfiff. Aber da solche Leistungen eher Regel als Ausnahme bei ihm sind, überrascht das ja niemanden mehr.

Alles in allem spielte Schalke ein starkes Pressing, so stark wie ich es bei unserer Mannschaft selten bis nie gesehen habe. Bereits gegen Braunschweig und Dortmund konnte man sich dahingehend verbessert und gut zeigen, ich würde dieses Spiel gegen Hertha allerdings als die definitive Etablierung ansehen. Dabei ist es klar, dass ein solches Pressing nicht über 90 Minuten aufrecht erhalten werden kann. Letztendlich zeigte man in beiden Hälften ein Drittel hochintensives, ein Drittel mittelstarkes und ein Drittel wenig Pressing. Wie man mit den vielen eroberten Bällen denn nun umgehen soll wusste man dagegen (zu) lange nicht. Erst nach der Halbzeit schienen alle Spieler der gleichen Marschroute zu folgen. Dadurch verlor das Spiel zwischendurch immer mal den Faden, und es tat sich längere Zeit nichts in den Strafräumen. Vergleicht man diese Leistung mit dem, was wir in der Hinrunde ansehen (des Öfteren auch ‚ertragen‘) mussten, ist der spielerische und mannschaftstaktische Fortschritt sehr deutlich zu erkennen, und ein großes Lob geht an dieser Stelle an das Trainerteam um Jens Keller. Letztendlich macht Schalke also sowohl auf der taktischen Ebene als auch im Kampf um die Champions League Plätze genau einen, wenn auch großen, Schritt nach vorne. Deshalb bin ich auch guter Dinge, dass bis zum Saisonende die nötige Menge an weiteren Schritten auch noch stattfindet.



PS: Wenn man sich anschaut, welche Spieler von Schalke für die neue Saison als interessant erachtet wurden oder werden (Sam, Firminho, Hahn), fällt auf, dass dies genau solche Hochtempospieler sind, welche in vielen Szenen des Spiels gegen Hertha BSC ihre Stärken hätten ausspielen können …

Mit Kampf und Timo Hildebrand

Schalke 04 gewinnt in Berlin gegen Hertha BSC mit 2:0. Ein wichtiger Erfolg im Kampf um Platz 4. Ein spannendes Spiel. Ein erkämpfter Sieg.

Die Anfangsphase war aus Schalker Sicht gruselig. Mit und ohne Ball konnte Hertha das Spiel in der Schalker Hälfte halten. Ein gutes Offensivpressing und ein schnelles Ausschwärmen der Offensivkräfte nach Ballgewinn ließ für die eher bedächtig agierende Schalker Mannschaft nichts Gutes erahnen. Berlin glänzte als Mannschaft, Schalke nur durch Einzelaktionen. So ging das bis zum Tor durch Adam Szalai, nach einem Eckball. Dieses Tor stellte für das Spiel eine Zäsur dar.

Schalkes Defensive war fortan sicherer und Berlins Pressing lies nach. Jetzt war es ein ausgeglichenes Spiel. Ein Spiel auf Augenhöhe, mit Chancen auf beiden Seiten. Ein packendes Spiel mit ordentlichem Tempo, das sicherlich auch neutralen Zuschauern gefallen konnte.

Dennis Aogo machte seine Sache im defensiven Mittelfeld meines Erachtens ordentlich. Prince fehlte es auf der rechten Seite an Präsenz. Julian Draxler zeigte sich sehr engagiert, war aber auf links eher schwach und wusste immer dann zu glänzen, wenn er in die Zentrale zog. Christian Fuchs agierte ab der zweiten Spielminute defensiv sehr diszipliniert, nur kurz nach Anpfiff lies er sich einmal allzu leicht überspielen. Atsuto Uchida spielt meiner Meinung nach bislang seine beste Saison, ich drohe zum Fan zu werden. Am Ende war aber Timo Hildebrand Schalkes Spieler des Spiels.

Schon häufig wurde ihm eine solide Leistung attestiert. „Solide“ hat dabei aber stets etwas abwertendes, solide ist eben nicht besonders. Samstag „gewann er das Spiel“ für Schalke, holte mehrere Bälle raus, die gegen einen weniger guten Torhüter Treffer hätten sein können. Das freut mich sehr für ihn, für Schalke sowieso.

Wenn also der Torwart das Spiel gewann, war es dann ein glücklicher, ein unverdienter Sieg?

Glücklich schon, denn ohne Frage war Berlin mehr als gleichwertig. Hertha machte vieles richtig und kam auch in der zweiten Hälfte zu guten Chancen. Ich kann verstehen, dass Herthaner nach dem Spiel haderten. Unverdient war der Erfolg für Schalke dennoch nicht, Schalke hat sich den Sieg erkämpft.
Im Offensivspiel fehlte es an Struktur – zumindest vermochte ich keine zu erkennen – das Spiel war recht fahrig. Aber Schalke warf sich rein, war einsatzbereit, unermüdlich. Schalkes Spiel reichte, um die Partie offen zu halten, mit etwas Massel hätte Max Meyers schöner Schuss die vorzeitige Erlösung bedeuten können. So aber blieb es bis zu Draxlers Schlusspunkt mit dem Abpfiff spannend und es war an Timo Hildebrand, zum Held des Spiels zu werden.

Ein wichtiger Sieg im Kampf um Ligaplatz 4, in dem Schalke 04 eigentlich als Favorit gelten sollte. Mittwoch in London, im Kampf ums Champions League-Weiterkommen, hat Schalke die Gelegenheit, als Außenseiter zu überraschen. Ma’kucken.

Übrigens: Karfreitag

… wurde in der Geschichte der Bundesliga ein einziges Spiel ausgetragen. Am 27.03.1964 empfing Hertha BSC vor 35.000 Zuschauern den Meidericher SV und gewann mit 5:2.

Die Duisburger waren damals der große Favorit. Am Ende dieser ersten Bundesliga-Saison wurde man Vizemeister, etwas, das die Zebras bislang nie wiederholen konnten. Im besagte Karfreitagspiel lag man allerdings bereits nach 4 Minuten mit 0:2 zurück. Für Berlin stand übrigens auch Otto Rehhagel auf dem Platz.

Mehr zum Spiel gibt es hier zu lesen.

Raffael Caetano de Araújo

Schalke 04 hat Raffael Caetano de Araújo verpflichtet. Dadurch wird der Kader zweifellos stärker, auch wenn die offizielle Begründung zur Notwendigkeit dieses Transfers in die Irre führt.

Das Verletzungspech, vor allem der Ausfall Ibrahim Afellays, habe Horst Heldt dazu gebracht, zu handeln, heißt es allenthalben. Nun ist es aber so, dass Afellay auf Schalke, trotz anderer, damaliger Ankündigungen, stets auf der Außenposition eingesetzt wurde. Raffael hingegen ward dort in seiner bisherigen Karriere kaum gesehen. Er gibt in der Regel eine hängende Spitze oder den klassischen 10er.
Insofern ist man doch geneigt aufzuhorchen, bezüglich aktueller Gerüchte, nach denen Lewis Holtby angeblich doch noch kurzfristig nach London wechseln könnte und sich Horst Heldt noch um einen Außenstürmer bemühen wolle. Damit würde die Puzzlestücke in ihre natürlichen Positionen fallen. Bezüglich Tranquillo Barnetta und Chinedu Obasi wäre es jedoch eine Heldt’sche Selbstbezichtigung.

Wie sich die anderen Personalien auch darstellen werden, es ist meines Erachtens durchaus vorstellbar, dass Raffael gut zu Klaas-Jan Huntelaar passt.

Raffael spielt gerne hinter der einzigen Spitze, bedient diese oder nutzt selbst den sich bietenden Platz. Unter Lucien Favre hatte er bei Hertha BSC gelernt, wie erfolgreich sich eine Beteiligung an Defensivarbeit auswirken kann. Mit 27 Jahren steht er „voll im Saft“ und zeigte sich in seiner Bundesligazeit wenig verletzungsanfällig. In den letzten vier Spielzeiten kam er jeweils auf mindestens 30 Ligaeinsätze.

Raffael soll in Kiew 4 Millionen Euro verdient haben, Kiew hatte für ihn 8 Millionen Euro an Hertha BSC überwiesen. Dieser Spieler ist sicher kein Schnäppchen-To-Go für Schalke 04 und man kann nur hoffen, dass mit Schalkes Führung grade nicht mal wieder die Gäule durchgehen, was die Finanzierung der Saisonrettung angeht. Um das wirklich beurteilen zu können, fehlt es uns aber an Informationen. Auf den sportlichen Mehrwert durch diesen Transfer dürfen wir deutlich unbeschwerter hoffen. Dieses Ergebnis werden wir sehen und am Ende auch bewerten können.

Ma’kucken.



Bild: Steindy

Die Trainer seit Schaaf

Otto Rehhagel ist neuer Trainer bei Hertha BSC. Sein letzter Bundesligajob liegt schon einen Weile zurück, von 1996 bis 2001 trainierte er den 1. FC Kaiserslautern. In diese Zeit fiel es, dass in „seinem Club“, dem SV Werder Bremen, nach vier Jahren des Orientierungslosigkeit, Thomas Schaaf den Trainerposten übernahm.

Am 11.05.1999 saß Schaaf erstmals als Cheftrainer auf der Bremer Bank. Er gewann 1:0, gegen Schalke 04, gegen Huub Stevens. Außer Huub Stevens sah Schalkes Trainerbank seitdem 11 andere Verantwortliche. Seit Schaaf in Bremen das Sagen hat, warteten 30 andere Bundesligaclubs mit insgesamt 192 Trainern auf.

Für Hertha ist Otto Rehhagel nun der 13. Verantwortliche in 13 Jahren Erstligazugehörigkeit seit Schaaf. Der HSV kam in 14 Spielzeiten auch auf 13 Trainer seit Schaaf. Leverkusen mag weniger als „heißes Pflaster“ gelten, trotzdem waren es auch da 10 Trainer in 14 Jahren seit Schaaf. In Gladbach waren es 11 Trainer in 11 Jahren erste Liga seit Schaaf, und Köln kommt sogar in nur 9 Erstligajahren auf 12 verschiedene Gesichter auf der Trainerbank, seit Schaaf.

Thomas Schaaf wird Otto Rehhagels Amtszeit in Bremen überdauern. Bis dahin wird die Liste noch länger werden, aber auch bis heute ist sie schon imposant. Alle Erstligatrainer, seit Thomas Schaaf:







Foto: Bejamin Radzun

Nichts von dem, was schönen Fußball ausmacht

Schalke 04 gewinnt bei Hertha BSC Berlin mit 2:1. Dies ist ebenso ein Grund zur Freude wie die Tatsache, dass Schalke 04 mit 31 Punkten nach 16 Spieltagen in Schlagdistanz zu Spitzenreiter Bayern München auf Platz 3 der Tabelle steht. Alles bestens also könnte man meinen. Schalke ist in der Spur. Aber der kritiklose „Alles Super“-Beitrag war letzte Woche.

Huub Stevens sagte nach den ersten beiden Spielen seiner zweiten Schalke Amtszeit: „Wir haben so viel Potential in der Offensive, diese Stärken müssen wir ausnutzen.“ Diese Aussage ist knapp 8 Wochen alt. Seitdem hat Huub Stevens Jermaine Jones wieder in die Mannschaft eingebaut. Fast niemand würde behaupten, dass dies eine falsche Entscheidung gewesen wäre. Defensiv ist Schalke um einiges stabiler geworden und daran hat Jones einen enormen Anteil. Außerdem hat er den langjährigen Innenverteidiger Benedikt Höwedes als rechten Verteidiger installiert. Auch dies hat der Schalker Defensive wohl eher gut getan denn geschadet.

Aber sonst: Schön, dass wir uns Herthas Schwäche in der Spielgestaltung zu Nutze gemacht haben, indem vor allem in der zweiten Hälfte Schalke den passiven Part übernahm, erst 40 Meter vor dem Tor angriff und Hertha quasi keine Torchance mehr erlaubte. Ein zum wiederholten Mal beobachtetes Phänomen gegen einen eigentlich unterlegenen Gegner. Das alles mit Schalkes, einstmals auch vom Trainer gerühmten, Offensivpotential. Huntelaar, Pukki, Holtby, Raul, Draxler, Farfan. Eine Legende, weitere klingende Namen, hoffnungsvolle Talente, da ist doch alles dabei was ein Offensivfeuerwerk braucht. Statt dieses Potential auszunutzen, richtet man sich nach einem, im Vergleich, qualitativ wesentlich schlechter besetzten Gegner. Es wird der eigene Sechszehnmeterraum abgeriegelt und die Pille lang nach vorn geholzt, auf Fehler des Gegners gewartet und auf Standardsituationen gesetzt. Wie in besten Zeiten des Rumpelfussballs in den 90ern oder dem Ende von Mirko Slomkas Schalker Karriere. Das ist also der neue Anspruch.

Es gibt unter Huub Stevens quasi nichts von dem, was ein Fussballfan unter attraktivem Fussballspiel versteht, es gibt kein Vorwärtsverteidigen, kein Doppeln, kein Rochieren, keine einstudiert wirkenden Spielzüge, kaum Direktpassspiel, kaum überraschende Dribblings, kaum schnelle, überfallartige Angriffe. Und damit quasi nichts von dem, was Ralf Rangnick in den Verein und die Mannschaft integrieren wollte, quasi nichts von dem, was ich als Schalke- und Fußballfan auch gerne von meinem Verein sehen würde und quasi nichts von dem, was schönen Fußball ausmacht. Ich rede nicht von Spielen gegen Leverkusen, Dortmund oder München. Spiele in denen man nicht per se die besser besetzte Mannschaft stellt, Spiele in denen man vorsichtiger auftreten kann. Sondern von den Kicks gegen Augsburg, Freiburg, Bukarest, Larnaka oder eben jetzt Berlin. Von Spielen, in denen man die richtige Richtung einschlagen könnte, um dann auch in Zukunft gegen gleichwertige Gegner das eigene offensive Spiel durchdrücken zu können. So man denn wollen würde. So man denn auf ein offensives Spiel aus wäre.

Huub Stevens Weg mag bislang erfolgreich sein und natürlich ist sein Weg legitim. Er ist nur leider das Gegenteil von der einstigen Vorgabe. Momentan habe ich keinen Spaß an Schalkes Fußballspiel. Ich kann mich maximal am Ergebnis erfreuen. Und das reicht mir nicht.

Tag des Wiedersehens

Morgen spielt Schalke bei Hertha BSC, und es ist ein Termin des Wiedersehens.

Zunächst mal werden wir Benedikt Höwedes wiedersehen. Ob bereits in der Startformation bleibt abzuwarten, sein Einsatz würde Schalke aber sicherlich verstärken. Im Umkehrschluss ist dies auch ein schlechtes Urteil über Atsuto Uchida. Er bekam zwei Spiele über 90 Minuten, gegen Nürnberg und gegen Dortmund, er wusste sie nicht zu nutzen.

Es ist für Schalke ein Wiedersehen mit den Freitagsterminen. Tatsächlich ist es der erste in dieser Saison. In der vergangenen Saison waren es 04: Ein Auswärtssieg Eine Auswärtsniederlage in Hoffenheim, ein Heimsieg gegen St. Pauli, das 0:0 in Dortmund und das Becherwurf-2:0 im Rückspiel gegen St. Pauli.

Das Wiedersehen mit Hertha BSC ist für die Berliner vermutlich aufregender als für uns, als für mich jedenfalls. Dort lebt man diese merkwürdige, einseitige Erzrivalität, die auch Huub Stevens als Trainer in Berlin zu spüren bekam. Für mich ist Hertha nur einer der eher farblosen Clubs der Liga.

Aber das Wiedersehen Schalkes mit dem Olympiastadion ist natürlich nett und ich denke, wir werden am Wochenende wieder mal ein paar Bilder vom letzten Auftritt dort zu sehen bekommen. Schalkes Pokalsieg gegen den MSV war gestern genau 200 Tage her, morgen werden es 202 Tage sein, die Quersumme ist dann 04: Da braucht es keinen Semiotiker um zu erkennen, dass das für Schalke nur gut ausgehen kann …