Artikel zum Schlagwort ‘Hertha BSC’

Raffael Caetano de Araújo

Schalke 04 hat Raffael Caetano de Araújo verpflichtet. Dadurch wird der Kader zweifellos stärker, auch wenn die offizielle Begründung zur Notwendigkeit dieses Transfers in die Irre führt.

Das Verletzungspech, vor allem der Ausfall Ibrahim Afellays, habe Horst Heldt dazu gebracht, zu handeln, heißt es allenthalben. Nun ist es aber so, dass Afellay auf Schalke, trotz anderer, damaliger Ankündigungen, stets auf der Außenposition eingesetzt wurde. Raffael hingegen ward dort in seiner bisherigen Karriere kaum gesehen. Er gibt in der Regel eine hängende Spitze oder den klassischen 10er.
Insofern ist man doch geneigt aufzuhorchen, bezüglich aktueller Gerüchte, nach denen Lewis Holtby angeblich doch noch kurzfristig nach London wechseln könnte und sich Horst Heldt noch um einen Außenstürmer bemühen wolle. Damit würde die Puzzlestücke in ihre natürlichen Positionen fallen. Bezüglich Tranquillo Barnetta und Chinedu Obasi wäre es jedoch eine Heldt’sche Selbstbezichtigung.

Wie sich die anderen Personalien auch darstellen werden, es ist meines Erachtens durchaus vorstellbar, dass Raffael gut zu Klaas-Jan Huntelaar passt.

Raffael spielt gerne hinter der einzigen Spitze, bedient diese oder nutzt selbst den sich bietenden Platz. Unter Lucien Favre hatte er bei Hertha BSC gelernt, wie erfolgreich sich eine Beteiligung an Defensivarbeit auswirken kann. Mit 27 Jahren steht er „voll im Saft“ und zeigte sich in seiner Bundesligazeit wenig verletzungsanfällig. In den letzten vier Spielzeiten kam er jeweils auf mindestens 30 Ligaeinsätze.

Raffael soll in Kiew 4 Millionen Euro verdient haben, Kiew hatte für ihn 8 Millionen Euro an Hertha BSC überwiesen. Dieser Spieler ist sicher kein Schnäppchen-To-Go für Schalke 04 und man kann nur hoffen, dass mit Schalkes Führung grade nicht mal wieder die Gäule durchgehen, was die Finanzierung der Saisonrettung angeht. Um das wirklich beurteilen zu können, fehlt es uns aber an Informationen. Auf den sportlichen Mehrwert durch diesen Transfer dürfen wir deutlich unbeschwerter hoffen. Dieses Ergebnis werden wir sehen und am Ende auch bewerten können.

Ma’kucken.



Bild: Steindy

Die Trainer seit Schaaf

Otto Rehhagel ist neuer Trainer bei Hertha BSC. Sein letzter Bundesligajob liegt schon einen Weile zurück, von 1996 bis 2001 trainierte er den 1. FC Kaiserslautern. In diese Zeit fiel es, dass in „seinem Club“, dem SV Werder Bremen, nach vier Jahren des Orientierungslosigkeit, Thomas Schaaf den Trainerposten übernahm.

Am 11.05.1999 saß Schaaf erstmals als Cheftrainer auf der Bremer Bank. Er gewann 1:0, gegen Schalke 04, gegen Huub Stevens. Außer Huub Stevens sah Schalkes Trainerbank seitdem 11 andere Verantwortliche. Seit Schaaf in Bremen das Sagen hat, warteten 30 andere Bundesligaclubs mit insgesamt 192 Trainern auf.

Für Hertha ist Otto Rehhagel nun der 13. Verantwortliche in 13 Jahren Erstligazugehörigkeit seit Schaaf. Der HSV kam in 14 Spielzeiten auch auf 13 Trainer seit Schaaf. Leverkusen mag weniger als „heißes Pflaster“ gelten, trotzdem waren es auch da 10 Trainer in 14 Jahren seit Schaaf. In Gladbach waren es 11 Trainer in 11 Jahren erste Liga seit Schaaf, und Köln kommt sogar in nur 9 Erstligajahren auf 12 verschiedene Gesichter auf der Trainerbank, seit Schaaf.

Thomas Schaaf wird Otto Rehhagels Amtszeit in Bremen überdauern. Bis dahin wird die Liste noch länger werden, aber auch bis heute ist sie schon imposant. Alle Erstligatrainer, seit Thomas Schaaf:







Foto: Bejamin Radzun

Nichts von dem, was schönen Fußball ausmacht

Schalke 04 gewinnt bei Hertha BSC Berlin mit 2:1. Dies ist ebenso ein Grund zur Freude wie die Tatsache, dass Schalke 04 mit 31 Punkten nach 16 Spieltagen in Schlagdistanz zu Spitzenreiter Bayern München auf Platz 3 der Tabelle steht. Alles bestens also könnte man meinen. Schalke ist in der Spur. Aber der kritiklose „Alles Super“-Beitrag war letzte Woche.

Huub Stevens sagte nach den ersten beiden Spielen seiner zweiten Schalke Amtszeit: „Wir haben so viel Potential in der Offensive, diese Stärken müssen wir ausnutzen.“ Diese Aussage ist knapp 8 Wochen alt. Seitdem hat Huub Stevens Jermaine Jones wieder in die Mannschaft eingebaut. Fast niemand würde behaupten, dass dies eine falsche Entscheidung gewesen wäre. Defensiv ist Schalke um einiges stabiler geworden und daran hat Jones einen enormen Anteil. Außerdem hat er den langjährigen Innenverteidiger Benedikt Höwedes als rechten Verteidiger installiert. Auch dies hat der Schalker Defensive wohl eher gut getan denn geschadet.

Aber sonst: Schön, dass wir uns Herthas Schwäche in der Spielgestaltung zu Nutze gemacht haben, indem vor allem in der zweiten Hälfte Schalke den passiven Part übernahm, erst 40 Meter vor dem Tor angriff und Hertha quasi keine Torchance mehr erlaubte. Ein zum wiederholten Mal beobachtetes Phänomen gegen einen eigentlich unterlegenen Gegner. Das alles mit Schalkes, einstmals auch vom Trainer gerühmten, Offensivpotential. Huntelaar, Pukki, Holtby, Raul, Draxler, Farfan. Eine Legende, weitere klingende Namen, hoffnungsvolle Talente, da ist doch alles dabei was ein Offensivfeuerwerk braucht. Statt dieses Potential auszunutzen, richtet man sich nach einem, im Vergleich, qualitativ wesentlich schlechter besetzten Gegner. Es wird der eigene Sechszehnmeterraum abgeriegelt und die Pille lang nach vorn geholzt, auf Fehler des Gegners gewartet und auf Standardsituationen gesetzt. Wie in besten Zeiten des Rumpelfussballs in den 90ern oder dem Ende von Mirko Slomkas Schalker Karriere. Das ist also der neue Anspruch.

Es gibt unter Huub Stevens quasi nichts von dem, was ein Fussballfan unter attraktivem Fussballspiel versteht, es gibt kein Vorwärtsverteidigen, kein Doppeln, kein Rochieren, keine einstudiert wirkenden Spielzüge, kaum Direktpassspiel, kaum überraschende Dribblings, kaum schnelle, überfallartige Angriffe. Und damit quasi nichts von dem, was Ralf Rangnick in den Verein und die Mannschaft integrieren wollte, quasi nichts von dem, was ich als Schalke- und Fußballfan auch gerne von meinem Verein sehen würde und quasi nichts von dem, was schönen Fußball ausmacht. Ich rede nicht von Spielen gegen Leverkusen, Dortmund oder München. Spiele in denen man nicht per se die besser besetzte Mannschaft stellt, Spiele in denen man vorsichtiger auftreten kann. Sondern von den Kicks gegen Augsburg, Freiburg, Bukarest, Larnaka oder eben jetzt Berlin. Von Spielen, in denen man die richtige Richtung einschlagen könnte, um dann auch in Zukunft gegen gleichwertige Gegner das eigene offensive Spiel durchdrücken zu können. So man denn wollen würde. So man denn auf ein offensives Spiel aus wäre.

Huub Stevens Weg mag bislang erfolgreich sein und natürlich ist sein Weg legitim. Er ist nur leider das Gegenteil von der einstigen Vorgabe. Momentan habe ich keinen Spaß an Schalkes Fußballspiel. Ich kann mich maximal am Ergebnis erfreuen. Und das reicht mir nicht.

Tag des Wiedersehens

Morgen spielt Schalke bei Hertha BSC, und es ist ein Termin des Wiedersehens.

Zunächst mal werden wir Benedikt Höwedes wiedersehen. Ob bereits in der Startformation bleibt abzuwarten, sein Einsatz würde Schalke aber sicherlich verstärken. Im Umkehrschluss ist dies auch ein schlechtes Urteil über Atsuto Uchida. Er bekam zwei Spiele über 90 Minuten, gegen Nürnberg und gegen Dortmund, er wusste sie nicht zu nutzen.

Es ist für Schalke ein Wiedersehen mit den Freitagsterminen. Tatsächlich ist es der erste in dieser Saison. In der vergangenen Saison waren es 04: Ein Auswärtssieg Eine Auswärtsniederlage in Hoffenheim, ein Heimsieg gegen St. Pauli, das 0:0 in Dortmund und das Becherwurf-2:0 im Rückspiel gegen St. Pauli.

Das Wiedersehen mit Hertha BSC ist für die Berliner vermutlich aufregender als für uns, als für mich jedenfalls. Dort lebt man diese merkwürdige, einseitige Erzrivalität, die auch Huub Stevens als Trainer in Berlin zu spüren bekam. Für mich ist Hertha nur einer der eher farblosen Clubs der Liga.

Aber das Wiedersehen Schalkes mit dem Olympiastadion ist natürlich nett und ich denke, wir werden am Wochenende wieder mal ein paar Bilder vom letzten Auftritt dort zu sehen bekommen. Schalkes Pokalsieg gegen den MSV war gestern genau 200 Tage her, morgen werden es 202 Tage sein, die Quersumme ist dann 04: Da braucht es keinen Semiotiker um zu erkennen, dass das für Schalke nur gut ausgehen kann …

Schlecht! Egal!

Fußball ist ein Spiel des Zufalls. Gerade noch schreit man Zeter und Mordio, im nächsten Moment ist man seelig. Heute war es genau so: In 28 Minuten starb ich 1000 Tode, war ich zutiefst enttäuscht, bis sich mit einem Schuss alles löste und durch ein befreites, lockeres, glückliches Gefühl ersetzt wurde. Schalke 04 hat sich für die Teilnahme an der Champions League qualifiziert. Unglaublich. Schalke 04 ist zwei Spieltage vor Schluss punktgleich mit dem Tabellenführer. Wunderbar.

In der ersten Hälfte war Schalke nicht mehr als nur bemüht. Aus einem Mittelfeld mit Westermann, Kluge und Rakitic kamen kaum gute Anspiele in die Spitze, vor allem weil Rakitic sehr häufig auf die linke Außenbahn auswich und Kluge als Mann im zentralen, offensiven Mittelfeld übrig blieb. Diese Position kann Peer Kluge noch weniger ausfüllen als Rakitic oder Westermann. Die Außenverteidiger Schmitz und Rafinha konnten sich offensiv ebenfalls nicht in Szene setzten, ließen ihre Vorderleute Hao und Farfan weitestgehend alleine. So blieb der der Spielaufbau zumeist Stückwerk.
Drei gute Chancen hatte Schalke trotzdem. Einmal Köpfte Kuranyi knapp vorbei. Einmal fragte man sich, wieso Jefferson Farfan aus bester Schussposition noch in die Mitte zu Kuranyi passte. Und einmal hätte es Strafstoss geben müssen, als Herthas Steve von Bergen Kevin Kuranyi kurz vor dessen Schuss das Standbein wegtrat. Gab es aber nicht.

In der zweiten Hälfte begann Schalke mit mehr Tempo und drückte auf die Führung. Zwar spielten die gleichen Spieler in der gleichen Weise, aber man gewann mehr Zweikämpfe, alles war etwas dynamischer, alles war näher am Tor der Hertha. Dann kam die Nachricht aus Gladbach, dass Bayern München zurückläge, es war 16:48 Uhr und es war als senkte sich ein Schleier der schlechten Tradition über die Mannschaft des FC Schalke 04 …

Vielleicht war das alles nicht real, vielleicht habe ich es nur so empfunden. Aber plötzlich geschah alles im schlechten Lichte. Nichts, was den Knappen noch gelungen wäre, einfachste Pässe kamen nicht an, überall, vorne wie hinten, wurden Zweikämpfe verloren, man hatte den Eindruck, als würde jeder einzelne Spieler im schwarz-blauen Trikot des S04 unter dem Erwartungsdruck ächtzen. Es war furchtbar! Ich sah Gekas, ich sah Drobny, ich dachte an den 27.04.2007. Die Zeit verrann. Ich fluchte. Warum nur änderte Felix Magath nichts? Er, der schon drei Spieler auf einmal wechselte, der Spieler ein und wieder auswechselte wenn sie nicht funktionierten; er sah tatenlos zu wie sich seine Mannschaft auflöste! Hertha profitierte davon. In der 66. Minuten konnte Marcelo Bordon den Ball gerade noch vor der Linie klären, eine Minute später rettete Neuer in höchster Not und kurz darauf stand auch Gekas noch frei vor dem Tor. Gekas vergab.
Erst um 17:07 Uhr sah Felix Magath die Notwendigkeit zu wechseln. Er brachte Moritz für Kluge, was auf das Offensivspiel kaum Einfluss hatte. Aber 10 Minuten später staubte Heiko Westermann ab, und alles war hell!

Schalke 04 hat ein entscheidendes Spiel glücklich gewonnen: Wenn das mal nichts Besonders ist! Schalke gewann kein „Ding“, nicht die Tabellenführung, aber das große Geld. Einen Preis, von dem vor der Saison niemand zu träumen wagte. Mögen andere reicher, schöner und moderner sein, Schalke hat jetzt schon 19 Spiele gewonnen und spielt die drittbeste Saison in 42 Jahren Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga!

Noch zwei Siege. Ich will, dass es nun nicht mehr an Schalke liegt. Ich will, dass der Job gemacht wird, wie auch immer, gerne auch unverdient und glücklich, andere wissen auch wie das ist. Wenn der FC Bayern den Test besteht gratuliere ich höflich. Zunächst sind wir aber weiterhin der Stachel in ihrem Arsch.

Hertha steht im Weg

An Hertha BSC am Tabellenende hat man sich gewöhnt. Anfangs wurde gewitzelt, Hertha mit Tasmania verglichen. Jetzt wird nicht mal mehr gewitzelt. Trotzdem ist es nach wie vor unglaublich schwer zu verstehen: Innerhalb weniger Wochen tut sich ein Loch auf und ein ganzer Fußballclub fällt rein. Trainer, Spieler, Erfolgstaktik, ein Boss, die Fassung vieler Fans, der gesunde Menschenverstand einiger Fans, die Contenance.

Ende letzter Saison war Schalke 04 ein Stolperstein für Hertha BSC. Das Spiel fand am vorletzten Spieltag statt. Hertha stand auf Platz 3, einen Punkt hinter dem Tabellenführer. Für Schalke war die Saison gelaufen, nachdem man gerade die letzte Chance auf eine Teilnahme an der Europa-Liga verspielt hatte. Nach einen 0:0 war Berlins Traum von einer Meisterschaft endgültig dahin und Hertha fiel aus den Champions League-Rängen.

Nun steht Hertha dem FC Schalke 04 im Weg. Stolpert Schalke, könnte der Traum von einer Meisterschaft dahin sein. Angenehmerweise hat Schalke einen 7-Punkte-Sicherheitsabstand auf Platz 3. Schalke könnte in diesem Spiel also einen Traum, aber zunächst mal keine Zukunft verlieren.
Positiv ausgedrückt: Für Schalke gibt es viel zu gewinnen. Ein Sieg würden die sichere Qualifikation zur Champions League bedeuten! Für Hertha geht’s darum, nicht alles zu verlieren. Ich denke es wird ein sehr spannendes Spiel.

Und ich denke Magath überrascht mit Mario Gavranovic für Edu in der Startformation. Später kommen dann …

Baumjohann
Schmitz
… und nochmal Asamoah, der olle Zeitdieb.

Ma’kucken.



[Weitere Ausführungen zum „Einwechselspieler-Raten“ gibt es hier]

Böses Erdulden

Der FC Bayern München hat beste Chancen Deutscher Meister zu werden. Hertha BSC ist Tabellenletzter und damit erster Kandidat für den Abstieg. Samstag, 08. Mai 2010, gegen 17:15 im Olympiastadion zu Berlin: Der letzte Pfiff der Saison setzt für tausende Berliner einen endgültige Schlussstrich. Aus Wut ist längst Resignation geworden. Die Traum vom eigenen Titel, nur wenig älter als ein Jahr, erscheint wie aus einer anderen Welt. Jeder Fan für sich mag sich bereits damit abgefunden haben. Doch jetzt ist es soweit. Jetzt gehört der Berliner Sport-Club nicht mehr zur 1. Liga.
Und dann werden die Konfettikanonen reingeschoben. Die von enttäuschten Herthanern verweisten Plätze wurden längst von Auswärtsmitfeierbayern eingenommen, die nun jubeln. Im Schatten eines Abstiegs wird das Unspontane eines Triumphs in einem festgelegten Ablauf offenbar: Auf der Bühne die Schale hochrecken. Dabei hüpfen. „We are the Champions“. Die T-Shirts. Sich mit den Medaillen und der Schale zum Mannschaftsfoto gruppieren, hinter dem Schild, auf dem Titel und Jahr vermerkt sind, damit’s auch jeder versteht. Einer liegt. Das Bier des Sponsors, aus einem überdimensionalen Glas, für den Schopf des Trainers, der überrascht tut. Die Wechselsachen liegen schon bereit. Die Ehrenrunde. Die Interviews. Berlin hat nichts zu feiern.

In der Geschichte der Bundesliga mussten bislang dreimal feststehende Absteiger die Meisterfeier im eigenen Stadion erdulden. 1978 mussten sich die Fans des FC St. Pauli den 1. FC Köln ertragen. 1983 und 1988 musste man solches auf Schalke erleben. Überhaupt sind die Fans des FC Schalke 04 die Top-Meistererdulder. Bereits sechsmal war Königsblau am letzten Spieltag der Gegner des neuen Meisters. In dieser Saison nicht, soviel steht fest.

Hier eine Liste aller „Meistergegner“ seit 1964: