Artikel zum Schlagwort ‘Interviews’

Das 11 Freunde-Stöckchen

Gestern erschien die neue Ausgabe von 11 Freunde. Die als Bundesliga-Sonderheft getarnte Nummer, wie vor jeder Saison. Wie seit immerhin 5 Jahren wird dieses Helft durch ein Begleitbüchlein verstärkt, in dem sich Fans oder Blogger oder bloggende Fans eines jeden Clubs um Antworten zu verschiedensten Themen mühen. Ich auch.

3 Hefte zu gewinnen

Meine Antworten gibt’s unten. Das ganze Heft nebst Begleitbuch gibt’s zu gewinnen. In der Verlosung sind 3 Exemplare, die an Kommentatoren dieses Blogs gehen sollen. Wer gewinnen möchte, schreibe bitte bis heute, 19:04 Uhr, einen Kommentar unter diesen Beitrag. Voraussetzung ist, dass unter dem angegebenen Namen und der angegebenen Mailadresse in der Vergangenheit bereits ein Kommentar in diesem Blog geschrieben wurde. Die Sieger werden von mir ausgelost und per Mail angeschrieben.


Die neue Saison wird unvergesslich, weil …
es ohne den Verbalblogger Frank „Ich und meine andere Meinung“ Rost allzu ruhig in der Bundesliga werden wird. Wahrscheinlich war er auch der letzte echte Typ und Straßenfußballer.

An die alte Saison werde ich mich lange erinnern. Warum? Darum:
Wegen des Toptransfers Ali Karimi. Asiens einstiger Fußballer des Jahres konnte ablösefrei geholt werden, bekam die 10 des Spielmachers und spielte eine fehlerfreie Saison. Am Ende trug auch sein Transfer dazu bei, dass Horst Heldt nun was zu sagen hat und Ralf Rangnick zurückkehren durfte. Ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis.

Drei Wünsche frei:
Presse raus! Funktionierendes Mobilnetz in der Arena! Bier 2 Euro!
Vielleicht sollte ich auf der nächsten Jahreshauptversammlung kandidieren …

Dein größter Albtraum:
Dass der Rasen mal nicht mehr in die Arena gefahren werden kann, weil die Stadtwerke den Strom abgestellt haben. Aber – ein Hurra auf die Verbindungen zur öffentlichen Hand! – wir werden es zu verhindern wissen.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Zwei Silben, als mächtiges Grollen intoniert: Reals Legende und Schalkes Held.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Julian Draxler. Zugegeben, der hat noch nicht so wahnsinnig viel erreicht. Aber es geht um alle Zeiten.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
„Gegen Schalke, kann man mal verlier’n“ … Mailand, 05. April 2011

Das schau ich mir nicht mehr an! Was müsste passieren, damit Du nicht mehr ins Stadion gehst?
Ich dulde bereits jegliches Gebimmel und Geflimmer aus Lautsprechern und von der Anzeigetafel, bei Fouls, Ecken oder Gelben Karten. Ich dulde Ultra-Singsang statt spielbezogener Stimmung und ich dulde vom Sponsor zugepflastete Trommelträger. Mich kann nichts mehr schocken, aber denkbar wäre natürlich, dass ich mir den Ärger wegen zu hoher Ticketpreise irgendwann nicht mehr leisten will.

Auf dieses Auswärtsspiel freue ich mich besonders, weil:
Besonders freue ich mich auf die Auswärtsspiele in Duisburg und Bochum. Ruhrpott-Stadtteilderbys gegen die anderen, die eigentlich so gleich, nur ‘n paar weniger sind. Doof, dass ich darauf noch eine Weile warten muss.

Unser aktuelles Trikot …
gibts als Ausweichvariante in einem Lila-Rosa-Irgendwas-Ton, der als Pokalsiegerfarbe mittlerweile voll akzeptiert ist.

Als Nachfolger für Udo Lattek schlage ich aus meinem Verein vor:
Der perfekte Job für Rudi Assauer. Verbal abledern, dabei ‘n paar Pilsken, großartig! In der ersten Sendung dem Wontorra eine ordentliche Breitseite verpassen, dann ist die Sache von damals geklärt und Sport1 hat ein Traumpaar für die nächsten 10 Jahre.

Was unserem Stadion fehlt ist …
Wie, fehlt?! Da fehlt nix. Selbst mit Löchern im Dach ist alles bestens, dann wird eben der Sternenhimmel bewundert, auch dann ist es auf Schalker noch ultimativ, weil es eben Schalke ist.

Meister wird diesmal …
wieder Bayern München, weil sie eben in jedem zweiten Jahr dran sind.

Oder vielleicht doch …
… nicht, weil sie einen Torwart haben, der „Meister“ nicht kann.



Die „Stöckchen“ der letzten Jahre: 2010 | 2009 | 2008 | 2007

„Eberl ist im Grunde nicht mehr tragbar“

Borussia Mönchengladbach ist Schalkes nächster Gegner. Pünktlich zu diesem Spiel wurde am Niederrhein den Trainer gewechselt. Lucien Favre, der als Trainer der Hertha in Berlin zwischen Überflieger und Prügelknabe alles darstellte, soll Gladbach retten, oder, falls ihm das nicht gelingt, wieder zurück in die erste Liga führen. Mich hat interessiert, wie die Situation in Gladbach abseits der offiziellen Seite gesehen wird. Deshalb habe ich mich mit Jannik Sorgatz unterhalten, der seit Jahren in seinem Blog Entscheidend is aufm Platz über den VfL Borussia Mönchengladbach schreibt.



Jannik, Borussia hat Michael Frontzeck entlassen und Lucien Favre engagiert. Zu spät würde ich meinen, bei allem Respekt vor Michael Frontzeck. Wie siehst Du das und bist Du zufrieden mit der Wahl Favres?

Da gebe ich dir auf jeden Fall Recht. „Im Nachhinein“, hat Max Eberl gesagt, habe es sich als falsch herausgestellt, Frontzeck nicht nach dem 17. Spieltag zu entlassen. Ich habe es aber schon im Winter für die einzige Option gehalten – zumal wir im Abstiegsjahr 2007 denselben Fehler gemacht und uns erst nach dem 19. Spieltag von Jupp Heynckes getrennt haben. Die Mannschaft hat gegen Hamburg und Hoffenheim zwei absolut trostlose Auftritte hingelegt, das fünfte und sechste Pflichtspiel in Folge verloren – ohne große Böcke, ohne Pech, einfach rundum schlecht.
Jetzt hat Favre eine ziemlich aussichtslose Situation von Frontzeck übernommen. Ohne die Möglichkeit, sich im Winter die zwei bis vier Spieler zu holen, die er für seine Arbeit gebraucht hätte. Unter dem Gesichtspunkt darf man von Favre keine Wunderdinge erwarten. Entweder es klappt oder es klappt nicht. Wenn er uns rettet ist er der Held. Ich halte es zumindest wieder für weniger unwahrscheinlich als mit Frontzeck. Jeder weiß, dass die Rettung jetzt so ein Wunder wäre, dass später Gladbach-Fans sagen werden: „Weißt du noch, als …“
Favre ist zweifellos ein guter Trainer. Man muss nur bezweifeln, dass er das richtige Spielermaterial für seine Ideen hat. Schon der Kumpeltyp Frontzeck hat diese extrovertierten, einfach gestrickten Typen zuletzt anscheinend nicht mehr erreicht. Da kann man zumindest bezweifeln, dass es dem Konzepttrainer Favre gelingen wird. Ich wünsche es ihm natürlich erst Recht zu meinem eigenen Nutzen.

Wenn ich das richtig gesehen habe ist es für Favre das erste Mal, dass er eine Mannschaft in akuter Abstiegsgefahr übernimmt. Favres Vertrag gilt auch für die zweite Liga, er soll im Fall der Fälle Gladbach neu aufbauen und wieder nach oben führen. Aber ist es nicht verkehrt, jetzt schon vorauszuplanen? Gilt es nicht eher, alles daran zu setzten die Liga zu erhalten? In der zweiten Liga brechen die Einnahmen weg und es droht eine Zweitligarallye gegen potenziell starke Clubs wie Bochum, Duisburg, vielleicht Stuttgart, vielleicht Wolfsburg oder gar Werder? Ein Horrorszenario für ein Ziel Wiederaufstieg.

Erstmal bin ich der Meinung, dass es den einzig wahren Rettertrainer sowieso nicht auf dem Markt gegeben hätte, vielleicht gibt es ihn nirgendwo. Egal ob Meyer, Gross, Funkel, Neururer, Matthäus (nicht die Namen zu ernst nehmen) – jeder hätte das Potential gehabt, es zu schaffen, oder es zu versauen. Ich auch. Meine Mutter. Maskottchen Jünter.
Und für den weitaus wahrscheinlicheren Fall, dass der Zug abgefahren ist, hat man schon einmal einen Trainer für den Neuanfang geholt. Soweit ich das gehört habe, hat Favre zum Beispiel mit Yverdon unter den Voraussetzungen, die du beschreibst, den Aufstieg in die erste Schweizer Liga geschafft.

Tatsächlich? Siehste, man sollte sich zur Meinungsbildung nicht auf fussballdaten.de verlassen … aber was anderes: Wie siehst Du die Rolle von Max Eberl? Ist er ein Kadermacher oder einer, der Trainerwünsche nach Möglichkeit erfüllt?

Das Wort „Charaktertest“ hat in der Eberl’schen Liste der Unwörter auf jeden Fall einen Spitzenplatz inne. Bobadilla, Arango, Idrissou, de Camargo – die sollen den Test angeblich alle bestanden haben. Vermute schon, Eberl hat aus Versehen den Bloß-nicht-kaufen-Zettel genommen und da seine Häkchen gemacht. Er hat Dante geholt: Großartig! Bei Bailly schien man das auch lange sagen zu können, so sicher bin ich mir da nicht mehr. Es wäre gut, wenn nach dem Trainerwechsel etwas mehr Ruhe einkehren würde und sich alle wieder auf den Klassenerhalt konzentrieren. Im Grunde ist er aber nicht mehr tragbar.
Montag ist er auf seine eigene Aussage angesprochen worden, auch sein Kopf hänge am Job von Michael Frontzeck. Das wurde ihm bei der JHV 2009 halbwegs in den Mund gelegt. Jetzt kritisiert er das Umfeld, dass es Frontzeck schon damals nicht mit offenen Armen empfangen hat, von Vetternwirtschaft die Rede war. Es wäre mir andersrum lieber: Aber die Fans hatten 2009 im Sommer bereits den richtigen Riecher.
Man muss den Sportdirektor nicht entlassen, wenn der Trainer geht. Wer aber nach außen so eng miteinander verbunden war, der ist jetzt nicht zu trennen. Bin gespannt, wie sich das entwickelt. Ohne polemisch zu sein: Ich fürchte einfach, dass Eberl an seinem Stuhl klebt, weil er ahnt, dass er woanders womöglich so schnell nichts kriegt. Oder bräuchte Horst Heldt vielleicht einen HiWi?

Böse Zungen behaupten, er sei selbst ein solcher. Kann ich nicht beurteilen. Aber zurück zu Deinem Club. Gibt es noch „Schläfer“ im Kader, talentierte Spieler, die unter Frontzeck nicht zum Zug kamen und die von einem Trainerwechsel profitieren könnten?

Ich hätte schon lange mehr auf die Jungen gesetzt. Man kann keine U23 spielen lassen, aber insgesamt stehen zu viele minderbemittelte Leute in der ersten Elf. Ich denke da an Filip Daems, Tobias Levels oder Thorben Marx. Wir haben zum Beispiel mit Tony Jantschke einen 20-Jährigen, der alle Nationalmannschaften durchlaufen hat, der technisch und taktisch bestens ausgebildet ist, dem es allerhöchstens an Erfahrung mangelt. Unterm Strich hätte er als Außenverteidiger oder Sechser – vielseitig er auch noch – jeweils bessere Voraussetzungen als die genannten Kandidaten. Er war verletzt, ist aber lange wieder fit – eine Chance hat er unter Frontzeck nie bekommen.

Ich nehme an er wird sich auf Favre freuen. Gibt’s sonst noch Potential für eine neue „Fohlenelf“?

Wie ausführlich darf ich antworten? Da gäbe es noch genügend Beispiele. Marc-André ter Stegen ist das größte deutsche Torwarttalent. Gut, 18 Jahre sind wohl wirklich zu wenig. Aber spätestens nächste Saison gehört ein dann 19-Jähriger ins Tor. Was das bewirken kann, muss ich dir als Schalker ja nicht erzählen.
Mein vorerst letztes Beispiel ist Fabian Bäcker, Stürmer, auch Jugendnationalspieler. Der macht im Januar 2010 sein erstes Bundesligaspiel, schießt sofort ein Tor, spielt danach in zwölf Monaten noch ein einziges Mal in der Liga – zwölf Minuten lang. Ein einziges Mal! Auf der Bank sitzt er aber dauernd, trifft in der zweiten Mannschaft ganz ordentlich. Dafür gibt es einfach keine rationalen Gründe. Wenn die Wahrheit wäre, dass er nicht gut genug ist für die Bundesliga, dann frage ich mich: Warum ist er dann überhaupt im Kader?

Frontzeck können wir nicht mehr fragen. Vielleicht bekommst Du von Favre demnächst die Antwort. Aber wo wir doch vorhin schon kurz über Horst Heldt sprachen fällt mir ein: Was macht Rainer Bonhof eigentlich, wenn er sich nicht gerade mit Günter Netzer zofft?

Er repräsentiert. Oder so. In Sachen Frontzeck kann ich mir kaum vorstellen, dass sich Eberl, Bonhof und die Geschäftsführung alle auf einmal einig waren, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Wenn man Eberl am Samstag gehört hat, klang das so gar nicht nach Trennung. Vermutlich musste er überredet werden. Meinetwegen könnte sich Bonhof mehr einmischen. Ich bin mir nur nicht mehr sicher, was genau seine Standpunkte sind. Die kommen ja nur ans Tageslicht, wenn Günter Netzer bei Sky sitzt.

Jannik, mit Tippabgaben will ich nicht nerven. Mit neuem Trainer ist Gladbach im ersten Spiel ’ne Wundertüte. Ich hätte mir gewünscht dass Frontzeck noch eine Niederlage mitnimmt. Nun wünsche ich Favre eine gruseligen Einstieg und danach alles Gute, denn eigentlich kann ich sowohl Lucien Favre als auch Borussia ganz gut leiden.

Ich sag’ nur so viel dazu: Als Schalker hätte ich auch lieber letzte Woche gegen Gladbach gespielt. Zumal die letzten beiden Jahre schon keine schönen Angelegenheiten für euch im Borussia-Park waren. Ich erwarte nichts. Und ich erwarte alles.

Ein fast philosophischer Schluss. Und ich sachma: Ma’kucken. Danke für das Interview!



Links:
Janniks Blog
… dessen Page bei Facebook
Jannik bei Twitter




Foto: Marcel Meier

Das 11 Freunde-Stöckchen

Stuart Sutcliffe und Sir Robert Peel! Nicht dass ich es hier keinem zutrauen würde. Leider stammt die Idee aber vom Blog-G-Stefan, und ich will nicht klauen, auch wenn das wirklich grandiose Cover des neuen 11 Freunde „Sonderheftes“ geradezu danach schreit.

Cover hin oder her, trotzdem gilt stets dem kleinen Begleitbüchlein mein erster Blick. Seit nunmehr vier Jahren gibt es darin ein 11 Freunde-Frage und Antwortspielchen, die Print-Version eines Blog-
Stöckchens
, sozusagen. Bevor ich die Antworten der Menschen nicht gelesen habe, deren Blogs in meiner Blogroll zu finden sind und die ich zum Teil bereits persönlich kennenlernen durfte, rühre ich das große Heft nicht an. Man lebt ja doch in seiner eigenen kleinen Welt.

Ich durfte auch mitmachen. Hier meine Antworten.


Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Schalke 04 schreibt Geschichte: Erstmals setzt ein Club in jedem Spiel einen Debütanten ein. Gerüchten zu Folge wurden mit Hannover 96 und dem FC St. Pauli bereits Ausleih-Flatrates vereinbart.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben …
Dass ein Sitzplatz auf Schalke für unter 20 Euro zu bekommen war. Die nächste Generation wird ob dieser Erinnerung halb ungläubig, halb belustigt den Kopf schütteln. „Jaja, die alten Zeiten.“

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Einstand nach Maß für Neururer: BVB rückt auf Relegationsplatz vor!

Drei Wünsche frei:
Ich wünsche mir die Gelassenheit, Herrn Hopp und Red Bull Leipzig zu ertragen. Ich wünsche Ivan Rakitic, dass er plötzlich Ecken schießen kann. Und Oliver Kahn als TV-Kommentator an der Seite Katrin Müller-Hohensteins zu ersetzen, wäre mir auch ein innerer Reichsparteitag.

Dein größter Albtraum:
Bei einem Spiel gegen Bayern München neben dem Platz von Marcel Reif angekettet zu sein.

Lieblingspieler im aktuellen Team:
Das kann ich noch nicht sagen. Da kommen ja bis Transferschluss sicher noch 10 bis 15 dazu.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Die Larifari-Typen, die glauben mir erzählen zu müssen, dass die bessere Mannschaft doch gewinnen möge. Die verstehen meine Leidenschaft nicht.

Lustigster Spruch der letzten Saison:
„Schade, dass es noch 0:0 steht, nä Papa?!“ Mein Sohn (5) nach 3 torlosen Spielminuten, bei seinem ersten Stadionbesuch.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Im Oberrang, direkt auf der Naht zwischen Gegengrade und Südkurve. Weil meine Karte das so vorgibt und weil man sich das auf Schalke nicht unbedingt aussuchen kann. Man sieht da aber prima.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Ich entschuldige mich beim Service und setze Rolf Töpperwien und Rudi Assauer neben Udo Lattek. Als Vertreter des Hauses Axel Springer hätte ich gerne Franz Beckenbauer, der überbrückt gekonnt die Zeiten zwischen den Werbeinseln. Ich unterhalte mich derweil nett mit Rudi Brückner. Wenn da Wontorra sitzt, komme ich nicht.

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Ich habe überhaupt keine Ahnung.


Tatsächlich habe ich auch noch 3 Ausgaben des Heftes unter die Leute zu bringen. Weil ich dabei aus Frankfurts Schatten nicht heraus kommen kann, klaue ich doch noch, und zwar die Kurz und Schmerzlos-Variante des Catenaccio-Jens:
Die ersten drei Kommentatoren sichern sich je ein Exemplar.


Erik Jendrisek: Wie Klose in seinen Anfangsjahren

Erik Jendrisek wird bald für Schalke 04 spielen. Erik Jendrisek wird eigentlich Jendrišek geschrieben. Er ist 1.70 Meter klein, 23 Jahre jung und in der Slowakei geboren. Für den 1. FC Kaiserslautern hat er in der abgelaufenen Saison 15 Tore erzielt und somit gehörigen Anteil am Aufstieg der Pfälzer. Von Lauterer Fans wird er „Erich“ genannt. Das klingt alles ganz gut und „Erich“ passt wie Arsch auf Eimer nach Gelsenkirchen. Aber ob Jendrisek auch passt muss man abwarten, und da ich ihn nie bewusst habe spielen sehen, kann ich mir keine Prognose erlauben. Also habe ich mal Leute gefragt, die ihn bestens kennen.

Philip und Sebastian bloggen im FCK-Blog täglich über den 1. FC Kaiserslautern.



Hallo Philip, Hallo Sebastian. Bei der Bekanntgabe seiner Verpflichtung bezeichnete Felix Magath Erik Jendrisek als schnell und technisch beschlagen. Als ich nach seiner Verpflichtung in Fan-Foren stöberte fand ich gegenteilige Beschreibungen. Taten ihm enttäuschte Fans unrecht oder liegt unser Trainer falsch?

Sebastian: Ja, Erik Jendrisek konnte vor allem mit seiner ausgezeichneten Technik in der 2. Liga überzeugen. Man wird sehen ob er sich auch in der 1. Liga so gegen seine Gegenspieler durchsetzen kann. Er hat in Kaiserslautern eine gute Entwicklung genommen, allerdings glaube ich nicht, dass er sich jetzt schon bei Schalke 04 im Sturm durchsetzen wird. Eher eine Verpflichtung, die für die Zukunft Sinn macht.

Philip: Ich denke, dass Erik Jendrisek ein Spieler mit Ecken und Kanten ist. Doch er hat sich sehr zum Positive entwickelt. Man kann immer wieder sehen, dass er kämpft und alles gibt den Ball zu bekommen. Zwar konnte man ihm Anfangs eine gewisse Ballverliebtheit nicht absprechen, doch nach und nach entwickelte er sich zu einem kaltschneutzigen Stürmer, der schnell und technisch versiert ist. Für uns ein wahrer Gewinn und nun ein wahrer Verlust.

Mit welchem bekannteren Stürmer wäre er denn von seiner Spielweise her vergleichbar?

Philip: Ich würde ihn mit Miro Klose in seinen Anfangsjahren beim FCK vergleichen. Er hat Spaß am Spiel und ist immer da wo auch der Ball auftauchen kann.

Jendrisek konnte sich vor vier Jahren bei Hannover 96 nicht durchsetzen. Glaubt ihr dass er nun das Zeug zum Erstligastürmer hat?

Philip: Er hat auf jeden Fall eine gute Entwicklung genommen. Als er damals aus Hannover kam war er zum einen sehr jung und zum anderen wussten wir FCK-Fans auch nichts über ihn. Nach und nach wusste er sich durchzusetzen, wurde Nationalspieler der Slowakei und ich denke, dass er seinen Weg auch in der 1. Bundelsiga machen wird.

Sebastian: Beim FCK würde er wohl in Liga 1 Stammspieler sein. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er erst mal Zeit braucht, bis er bei Schalke 04 angekommen ist. Jendrisek ist aber auch erst 23 und auf jeden Fall ein Spieler, der Schalke weiterhelfen kann.

Erik Jendrisek werden Probleme mit der Disziplin nachgesagt. Wenn ich das richtig mitbekommen habe ist er unter Trainer Milan Sasic bei einer Videoanalyse eingeschlafen, wurde suspendiert und wollte die veranschlagte Strafe nicht zahlen. Ist er ein Hallodri, ein Problemfall, gab es noch mehr Zwischenfälle?

Philip: Klar, dieser Zwischenfall war für uns auch sehr schwer zu verstehen. Nach ein paar Wochen kam es zu Aussprache mit Trainer und Mannschaft. Danach gab Jendirsek die Antwort auf dem Platz. Wie schon gesagt, er ist ein Spieler mit Ecken und Kanten, aber ich denke auch, dass ein Trainer wie Felix Magath, diese Ecken und Kanten schleifen kann.

Sebastian: Man weiß ja nie was da wirklich abgelaufen ist. Auf jeden Fall galt Milan Sasic immer als sehr streng und wollte mit der Suspendierung vielleicht auch nur ein Exempel statuieren.

Als Fazit euer Tipp: Wird Jendrisek für Schalke ein Gewinn werden, wie groß wird die Rolle werden, die er unter Magath spielt?

Philip: Ich denke, dass er auf jeden Fall ein Gewinn sein kann. Bleibt allerdings abzuwarten wie sich die Stürmerlage weiter bei Schalke enwtickelt, und was er für eine Rolle in diesem neuen Team hat. Eine faire Chance hat er sowohl von den Fans, als auch vom Trainerteam verdient. Ich schätze Felix Magath aber auch so ein, dass er genau weiß, was er an einem solchen Stürmer wie Erik Jendrisek hat.

Sebastian: In der ersten Saison wird er wahrscheinlich keine so große Rolle spielen. Aber wenn er an seiner Effizienz arbeitet und sich auf seine Stärken in der Technik und Schnelligkeit, vor allem bei Kontern, besinnt, traue ich ihm einen Stammplatz zu.

Vielen Dank für diese Einschätzungen. Wir werden sehen, Jendrisek auf Schalke und den FCK in der Liga. Ich freu’ mich drauf! Glück auf.



Link:
FCK-Blog – „Alles rund um den 1. FC Kaiserslautern – Von Fans für Fans“



„Erleichterung ist kaum in Worte zu fassen“

Hannover 96 gewann gegen Schalke 04, spielt nun in München und danach in Leverkusen. Für sie geht es um den Klassenerhalt, und Hannovers weitere Ergebnisse könnten Schalkes Tabellenstand beeinflussen. Zur aktuellen Gefühlslage eines 96igers befragte ich Nils Warmboldt von der 96-Fanseite „Das Fanmagazin“.

Hallo Nils. Kaum sehe ich Mirko Slomka am Rand stehen, spielt Schalke wieder schlechten Fußball! Aber ich nehme an, Du wirst mit Deinen Roten zufrieden gewesen sein. Erzähl mal, wie fühlte es sich für Dich an?

Vor allem der Treffer zum 3:2 und dann natürlich auch das entscheidende 4:2 waren für mich mit Abstand die schönsten Augenblicke der Saison. Eine Saison, in der uns bislang die Scheiße förmlich am Fuß klebte. Diese Erleichterung ist kaum in Worte zu fassen. Um das nachvollziehen zu können, muss man sich die gesamte Lage und vor allem auch das bisherige Auftreten der Mannschaft in dieser Saison vor Augen halten. Denn bislang war es so, dass die Mannschaft meistens spätestens nach Gegentreffern auseinanderbrach. Und dafür war die Situation nach dem schnellen Ausgleich innerhalb von wenigen zu Beginn der zweiten Halbzeit eigentlich prädestiniert. Niemand hätte mehr einen Pfifferling auf 96 gesetzt und es hätte wohl auch niemanden auch nur ein bisschen gewundert, wenn das Spiel 2:4 oder noch höher gegen uns ausgegangen wäre. Es hätte gepasst. Wohl jeder 96er im Stadion empfand es als erstaunlich, dass 96 weiterhin viel vom Spiel hatte und dann auch sogar noch traf. Dazu auch noch durch so ein vergleichsweise spektakuläres Tor. Das war für den Moment mehr als nur Erleichterung. Ich war richtiggehend euphorisch, obwohl dafür eigentlich den reinen Fakten nach kein Anlass besteht. Denn so unwahrscheinlich ein Sieg auch war, so war er doch fast schon Pflicht, um noch realistische Chancen auf den direkten Klassenerhalt zu haben.

Da Nürnberg, Bochum, Freiburg und Berlin allesamt verloren haben, sieht die Tabelle für Euch gleich viel freundlicher aus. Aber ihr spielt nun in München und gleich danach in Leverkusen. Glaubst Du an Punkte oder muss Freiburg zweimal verlieren?

Der Spieltag ist in der Tat ganz hervorragend für Hannover 96 gelaufen; besser ging es nicht. Mein Verstand sagt, dass sowohl in München als auch in Leverkusen nichts drin sein wird. Doch das dachte ich auch vor dem Schalke-Spiel. Der große Vorteil für 96 ist, dass sie – trotz der prekären Lage – ohne großen Druck aufspielen können, denn niemand rechnet mit Punkten. Vor allem die Bayern aber stehen ihrerseits unter erheblichem Druck, da ihr ihnen glücklicherweise im Nacken hängt. Zudem hoffe ich darauf, dass unser Sieg gegen euch eine neue Euphorie freigesetzt hat, die für die letzten Spieltage ungeahnte Kräfte mobilisiert. Wenn man sich einmal ansieht, wie auch auf der Ersatzbank von Reservisten auf dem Abstellgleis über die Treffer gejubelt wurde, dann sieht man, dass derzeit alle am gleichen Strang ziehen. Bisher konnte manchmal der Eindruck enstetehen, dass dies in dieser Saison nicht immer so war. Wirklich glauben tue ich an einen Erfolg aber ehrlich gesagt trotzdem nicht. Daher ist 96 vermutlich schon auf Freiburger Niederlagen angewiesen. Übrigens dürfen zudem sowohl Nürnberg als auch Bochum gerne verlieren, denn die Chancen, einen von beiden noch zu überholen bestehen durchaus. Zumal es am allerletzten Spieltag möglicherweise zu einem echten Endspiel kommen kann. Dann nämlich spielt 96 in Bochum.

Hältst Du Mirko Slomka eigentlich für den richtigen Mann? Wie sollte sich der Club Deiner Meinung nach zukünftig ausrichten? Denkst Du, dass die Mannschaft gerade unter Wert da unten steht oder braucht es eine Umkehr, und wenn ja wohin?

Die Mannschaft steht auf jeden Fall unter Wert da unten. Das hat mir das Spiel gegen euch klar gemacht. Vorher war ich da wirklich skeptisch. Über Mirko Slomka kann ich kein wirkliches Urteil fällen. Nach meinem persönlichem Empfinden – das eher ein diffuses, intuitives Gefühl als eine fundierte Meinung ist – ist er weder ein über- noch ein unterdurchschnittlicher Bundesliga-Trainer – er passt also bestens zur Mannschaft. Das einzige, was mich etwas stört, ist, dass ich manchmal den Eindruck habe, dass er kein Feuer entfachen kann. Ich kann es mir zumindest nur schwer vorstellen, wie er eine leidenschaftliche, aufrüttelnde und motivierende Ansprache hält, was nach meinem Empfinden bei Trainern wie zum Beispiel Ewald Lienen oder auch Felix Magath eher der Fall ist. Die Verantwortung für die schlechten Ergebnisse der letzten Wochen und Monate würde ich Slomka aber jedenfalls nicht geben. Die Ursache sehe ich da in erster Linie im Bereich der Psyche, woran sicherlich der Suizid von Robert Enke auch einen Anteil hat. Aber nicht nur. Möglicherweise war er der Auslöser. Irgendwie ist die Mannschaft jedenfalls in eine ganz merkwürdige psychische Abwärtsspirale geraten, die meist spätestens nach einem Gegentreffer alle Dämme brechen ließ. Die Spieler haben selbst nicht daran geglaubt, dass sie gewinnen können und das haben sie auch ausgestrahlt. Das ganze wurde dann zu einer Art selbtserfüllenden Prophezeihung. Folgerichtig hat 96 dann ja auch einen Sportpsychologen verpflichtet.

Was anderes: Wie steht man eigentlich als 96er Fußballfan zu Martin Kinds fußballpolitischem Programm?

Ich habe vor eineinhalb Jahren mal eine Umfrage zum Thema 50+1 gestartet und bin davon ausgegangen, dass es ein klares Votum für den Erhalt von 50+1 geben würde. Das Ergebnis war dann aber ein völlig unerwartetes: die Umfrage fiel knapp für die Abschaffung von 50+1 aus. In Diskussionen erscheint es aber so, als ob eine deutlichere Mehrheit gegen die Planungen von Martin Kind bestehen würde. Was im übrigen auch meiner persönlichen Meinung entspricht. Denn letztendlich würde eine Abschaffung der Regel nicht dazu führen, dass die kleinen Mannschaften davon profitieren, sondern in erster Linie eher die großen oder aber im Extremfall alle Mannschaften. Denn nicht nur Hannover 96 hätte die Möglichkeiten, Investoren ins Boot zu holen, sondern natürlich alle anderen Clubs auch. Im Endeffekt würde das entweder zu einem Fahrstuhleffekt führen, der alle finanziell oben bringt oder aber es würden sich in erster Linie für die größeren Clubs Investoren finden, während die Kleinen auf der Strecke bleiben. Aber eigentlich bin ich in der Materie zu wenig drin, um wirklich ein fundiertes Urteil dazu abgeben zu können. Die Kritik, die Martin Kind an der derzeitigen Praxis übt, ist ja sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen, wenn er seine Argumentation darauf aufbaut, dass hinter Mannschaften wie Leverkusen und Wolfsburg große Unternehmen stehen, was durchaus wettbewerbsverzerrende Züge hat. Da ist schon was dran.

Vielen Dank für diesen Einblick in Deine Gefühlswelt. Nicht ganz selbstlos wünsche ich Deinem Team alles Gute in den nächsten zwei Spielen! Glück auf.



Nils ist Betreiber der Seite „Das Fanmagazin“, einer Fanpage mit Forum zu Hannover 96.


„Hecking bedient die Volksseele“

Sonntag geht’s endlich wieder los. Zeit, sich mit dem Gegner, mit dem Club aus Nürnberg zu beschäftigen. Ein neuer Trainer, Gerüchte um Makaay, zwei neue Spieler und der Abgang eines „Häuptlings“: Sieht man von Magaths Entscheidungsfreudigkeit ab ist in Nürnberg noch am meisten passiert. Wie das alles einzuschätzen ist habe ich Alexander Endl gefragt. Alexander macht irgendwie alles und ist irgendwie überall. Ich kenne ihn von Clubfans United, dem besten Blog zum Club.



Es hat sich ja einiges getan, beim Club in der Winterpause. Mit Breno und Ottl wurden zwei Spieler vom FC Bayern ausgeliehen, die man in der Startelf erwarten darf. Dafür ging mit Kluge allerdings auch ein Leistungsträger. Vor allem aber gibt’s mit Dieter Hecking einen neuen Trainer. Was hältst Du von den Verpflichtungen, wie siehst Du Hecking? Was hat er Oenning mehr voraus als nur Erfahrung? Woran machst Du Deine Hoffnungen fest?

Wie sagte das Mario Basler in seiner Hauspostille gerade erst so schön: „bevor die zwei Zivildienstleistenden vom FC Bayern deinen Karren aus dem Dreck ziehen, demonstriert der Schumi für einen auto-freien Sonntag“. Ganz so krass sehe ich das nicht, schließlich traue ich das Schumi zu, aber ich müsste lügen wenn ich behaupte, dass ich diesen Tausch – Ottl gegen Kluge – so er nicht zwingend finanziell notwendig war, wirklich verstehe. Kluge war sicher kein Überflieger, aber einer der wenigen echten Stützen. Dass er gehen wollte verstehe ich sogar, aber dann nicht für die kolportierte niedrige Ablöse – und als Ersatz eine Leihgabe. Und Breno muss sich ja auch erst mal beweisen, was ihm bei den Bayern offenbar bislang nicht gelang. Zudem kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Leihspieler, vor allem Kurzarbeiter mit nur einem halben Jahr Laufzeit, die nötigen 110% anbieten können, die man braucht um rauszukommen. Warum auch? Klappt’s nicht, war halt die Mannschaft zu schlecht und man geht wieder heim ins Nest. Zudem – aber ich will’s auch nicht zu oft noch mal wiederholen – hat sich Ottl mit seiner Aussage vor Saisonbeginn, als der Club schon mal bei ihm anfragte, dass Nürnberg nicht sein Anspruch sei, keinen einfachen Start verschafft …

Hecking sah ich anfangs sehr kritisch, seine Vita, als er meiner Kenntnis nach schon zwei seiner Vereinen selbst verließ um woanders anzuheuern, gefiel mir nicht sonderlich – auch überzeugte mich die Entwicklung in Hannover nicht wirklich. Aber sein Einstand und die ersten Eindrücke waren doch positiv. Was er sagt, klingt gut. Er trifft im Ton eine gute Mischung aus Realismus und Optimismus. Er bedient dabei auch die, die einfach Worte wie „Gras brennen“ und „Kampf bis umfallen“ brauchen, vermittelt aber auch denen, die die Stereotypen nicht mehr hören können, mit vernünftigen Konzepten.

Um ihn mit Oenning zu vergleichen – bzw. was Hecking anders macht oder machen muss – müsste man ausholen. Oenning hatte die richtige Idee, doch die scheiterte am Ende an den Ergebnissen und vielleicht auch an der Mannschaft. Vielleicht geht das Bader/Oenning-Konzept auch gar nicht in einer Zeit, die schnell Erfolge will und vor allem Rückschläge nicht verzeiht. Man wollte ja kein Jugendkonzept nur um der Jugend willen, er hatte die Idee der Schaffung einer strukturellen Änderung im Verein, die unter anderem auf einen guten Unterbau mit eigenen Talenten setzt. Dazu muss man aber auch der Jugend vermitteln, dass der Club eine gute Adresse ist und dies geht am besten, wenn junge Talente in der Bundesliga am Platz stehen. – Hecking will das fortsetzen und das stimmt mich positiv.
Vielleicht hat er einfach ein glücklicheres Händchen oder kann aus seiner längeren Erfahrung die richtigen Schlüsse ziehen. Die Umstellung auf zwei 6er zur Stabilisierung der Defensive klingt Erfolg versprechend. Bringt aber auch nichts, wenn man vorne nicht trifft, ein chronisches Club-Problem seit mindestens 2007.
Was Hecking jetzt schon Oenning voraus hat? Er bedient die Volksseele. Denke, das hat Oenning unterschätzt. Seine ruhige, sachliche Art gefiel mir gut, aber viele Fans wurden fast wahnsinnig darüber, warum man nach einer Klatsche noch sachlich die positiven Seiten referiert. So baute sich im Misserfolg eine Stimmung bei einem Teil der Fans gegen ihn auf – und ich denke auch in der Mannschaft.

Was Hoffnung macht? Dass die anderen auch nur mit Wasser kochen und ich weiter mindestens 8 Mannschaften sehe, die am Ende bedroht sind. Bei einer so geringen Punktausbeute in der zweiten Tabellenhälfte – bis Platz 12 hat man ja noch keine 20 Punkte! – können 2-3 Siege das Bild schnell verändern.

Es wurde ja auch über eine Verpflichtung Roy Makaays spekuliert. Meines Erachtens wäre das für Nürnberg ein riesen Ding gewesen, erstaunlicherweise habe ich in Blogs und Foren von Club-Fans sehr viel Kritik an diesem Vorhaben gelesen. Wenn nicht ein Knipser wie Makaay, wer könnte dem Club sonst helfen? Wenn Du das Sagen und 5 Millionen übrig hättest, wie würdest Du die Mannschaft verstärken?

Ich war zugegeben ein Freund der Idee – aber heulte jetzt auch nicht ins Kissen als es sich als Ente entpuppte. Makaay hätte in jeden Fall mal einen Respektsbonus beschert und einen Schub gegeben. Aber wir hatten das ja schon probiert auf die Art mit einem Koller vor dem letzten Abstieg … Schlägt Makaay nämlich nicht gleich ein, hat man erst Recht ein Problem und noch mehr Unzufriedene im Kader. Und eine Garantie für Makaay gibt es eben nicht – er war sicher mal herausragend, aber das zeigte er auch zuletzt in Rotterdam nicht.

Wenn ich mal Manager mit 5 Millionen spielen dürfte und mal ganz davon abgesehen, dass man einen Spieler dann auch noch bekommen müsste, dann würde ich in der Tat auch noch nach einem 6er Ausschau halten, der dann aber verpflichtet werden müsste. Auch die Idee einen Innenverteidiger zu holen fand ich nicht schlecht, aber eine solide Verpflichtung statt Jungstar-Ausleihe (Breno) wäre mir lieber gewesen. Die Skibbe-Idee, einen Lincoln nach Frankfurt zu holen, also einen wirklich exponierten kreativen Künstler, fand ich gut, wäre aber ein ganz anderer Weg gewesen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass 5 Millionen zwar viel Geld sind, im Fußball aber nichts Gravierendes ändern können. Die Mannschaft muss insgesamt und strukturell auf ein höheres Level geführt werden, also packt man das Geld am besten in die Nachwuchsarbeit und versucht jetzt erst mal mit dem vorhandenen Material auszukommen. Man hat doch viel Talent im Kader, wie Gündogan, Diekmeier, Bunjaku oder Frantz, und es braucht eben Arbeit und Geduld um das zu entwickeln und ein Team zu formen.

In einen Interview sagte Dieter Hecking, die Mannschaft hätte viele Kontertore kassiert nachdem sie zu weit aufgerückt war. Er sprach davon, die Defensive stärken zu wollen, von einem System mit Doppel-6. Ob er sich wohl in die Liga festmauern will? „Nurnoch“ reagieren statt zu agieren? Wie glaubst Du wird der Club auf Schalke auftreten?

Hecking sagte aber auch, dass defensiv stehen keine Spiele gewinnt und man vor allem schneller Umschalten muss nach Balleroberung. Ich teile die Ansicht, dass wir vor allem mal erstmal defensiv stabiler werden müssen und konzentrierter spielen. Nach dem Versuch am Anfang der Saison die Bundesliga im Sturm zu erobern, hat der Gegner bspw. auf der Diekmeier-Seite einfach die Lücke erkannt und ausgenutzt. Diese Balance zwischen Offensivdrang und Defensiv-Absicherung wurde nicht gefunden und wenn man dann mal 2 Buden kassiert hat und paar Niederlagen im Gepäck, verlor die Mannschaft vollends Konzept und Glauben. Apropos Glauben: Fußball ist eben auch sehr Kopfsache und Hecking sagte zu Recht, dass man selbst und der Gegner wieder das Gefühl bekommen muss, dem Club reicht ein Tor zum Sieg. Die Auswirkungen wären wichtig, denn das verunsichert auch den Gegner. So hatte bspw. Dutt mit Freiburg trotz größter Personalsorgen einfach mal stürmisch begonnen – frei nach dem Motto: Falls wir ins Messer laufen und einen kriegen, was soll’s, es geht bestimmt noch was. Nach dem Tor stellten sich die Freiburger dann hinten rein und dachten sich: Bevor die ein Tor machen, schießen wir eher das zweite. Das muss bei uns insgesamt anderes werden.

Auf Schalke wird der Club defensiv beginnen und genau das versuchen umzusetzen, was Hecking vorgab. Also eher weniger Ballbesitz, sondern nach Balleroberung mit wenigen Pässen schnell über die Außen nach vorne. Und bei Ballbesitz Schalke abwarten und die Räume zustellen, aufrücken lassen und dann auskontern. Witzigerweise hat Magath uns irgendwie genau so den Saisonstart versaut.

Von wegen Magath, zum Schluss noch zu meinem Club. Wie siehst Du derzeit Schalke 04? Und wie erlebst Du die Fanfreundschaft, erlebst Du sie überhaupt?

Vorweg: Chapeau! Ich ziehe meinen Hut vor Magath. Was der zur Zeit anfasst klappt einfach – und es ist kein Zufall, sondern Arbeit mit Konzept. Aber ein Teil seines Konzepts ist auch die Mannschaft nach seinem Willen komplett umzustellen. Dass er das parallel zum aktuellen Erfolg wagt und angeht, ist riskant und das macht man nur, wenn man vor Selbstbewusstsein strotzt. Ob es gut geht, wird man erst am Ende der Saison wissen.

Aber ich muss auch schon kritisch sagen, dass Schalke durch den Sponsoren-Einfluss ganz viel Charme verloren hat. Die Wahrnehmung als russischer Werbeträger ist ein hoher Preis für den Erfolg. Zudem – ohne davon Ahnung zu haben – reiben wir uns schon in Nürnberg die Augen, warum ein angeblich derart hochverschuldeter Verein dem Club die Spieler wegholen kann. Diese Finanzakrobatik ist bei uns in Nürnberg trotz easy-credit-Stadion noch nicht angekommen.

Die Fanfreundschaft ist davon weitgehend unberührt, denn da geht es nur um die Menschen, die Fans. Hier sah ich bis vor 2 Jahren noch das Ende kommen, einfach weil solche Fanfreundschaften irgendwie nicht mehr in die Zeit passen und sich verlieren. Aber der Zufall wollte es, dass ich das letzte Spiel der Abstiegssaison, als wir einen Sieg gegen Schalke brauchten um nicht abzusteigen, in meinem Nürnberg im Schalker Gästeblock erlebte. Die ganze Atmosphäre dort, der gegenseitige Respekt, die fast familiäre Liebe zum Fußball und seinen Verein verbindet doch ungemein. Sicher ein Kontrastprogramm zum modernen Erfolgs-Fan oder mit schwarzer Kapuzenjacke vor Megafon, eher wie ein großes Zeltlager unter Freunden und Bekannten. Da wusste ich, dass die Fanfreundschaft Schalke und FCN noch lange nicht am Ende ist – zumindest bei den ganz normalen Fans.

Vielen Dank für den Einblick! Ich denke auch, dass die Fanfreundschaft weiterhin bestand haben wird. Ungeachtet alberner Stimmungsmache in Fan-Foren hat dieses Heimspiel doch einen eigenen, friedlicheren und offenen Charakter. Das einzige Heimspiel, in dem man auch im Unterrang der Arena die ganze Runde laufen kann, weil nichts abgesperrt werden muss.
Ich wünsche Dir und dem Club also alles Gute, bin aber egoistisch genug als dass ich hoffe, dass der sportliche Aufschwung Nürnbergs erst am 19. Spieltag beginnt.
Glück auf.




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Warten auf die Wundertüten

Hertha BSC berührt mich nicht. In der letzten Saison gingen sie mir einen Weile auf den Sack, heute sind sie mir so egal wie zuvor. Mag es auch schräg anmuten, was mein „Leben in der Blogosphäre“ angeht spielt Hertha eine wichtige Rolle. Enno Aljets Blog Welt Hertha Linke habe ich ungefähr während seiner gesamten Laufzeit verfolgt, heute besuche ich das Hertha BSC Blog täglich.
Enno Aljets ist einer der wenigen Blogger-Kollegen, die ich bereits persönlich kennenlernen durfte. Seit Jahren schreibt er regelmäßig über seine Hertha, eben so wie ich über Schalke 04, und ich schätze seine zumeist sehr nüchterne Meinung zu den Dingen sehr. Und komme ich mal an Hertha nicht vorbei, so wie jetzt vor dem Spiel am Sonntag, liegt nichts näher als ihn zu befragen.

Hallo Enno. Ich stelle mir vor dass diese Saison für Dich einem Albtraum gleichen muss. Am 2. April diesen Jahres war Hertha BSC Tabellenführer, mit dem offenbar perfekt passenden Trainer, der das genau richtige System für diese Mannschaft gefunden hatte. Dann machte es irgendwie pffffft, und alles ist weg: Ol’ Dieter, der Trainer, das Konzept, Schwung, Erfolg, Punkte und Hoffnung. Ich kann mich nicht erinnern, so was auch nur annähernd in dieser Form und vor allem diesem Tempo schon mal mitbekommen zu haben. Da will man doch sicher nicht mehr hinschauen, oder?! Womit macht man sich da Mut? Gibt es in solch einer Situation irgendwas, das noch Freude macht, von wegen „schönste Nebensache der Welt“?

Diese Saison ist sicher nur etwas für ganz hartgesottene Masochisten. Und selbst die härtesten Jungs habe ich schon mit bitteren Tränen in den Augen aus dem Stadion trotten sehen. Hertha tut derzeit weh und bietet wenig bis gar nichts, mit dem man sich Mut machen könnte. Es ist die typische Negativspirale, sich wechselseitig verstärkende Kleinigkeiten, die alles immer schlimmer und schlimmer machen. Das fängt schon am Ende der vergangenen Saison an, als Hertha sich mit zwei katastrophalen Auftritte gegen Schalke und Karlsruhe nicht nur von der Meisterschaft verabschiedete, sondern erste Brüche innerhalb der Mannschaft öffentlich sichtbar wurden. Dann gab es Pläne, mit Favre zu verlängern, man konnte sich finanziell jedoch nicht einigen. Die Transferpolitik stand unter der Prämisse eines radikalen Sparkurses und misslang auf ganzer Linie. Als wäre das nicht genug, verabschiedete man sich nebenbei noch von Dieter Hoeneß. Da kann ein Fehlstart sehr schnell zu einer negativen Spirale werden, ohne dass man einzelne Gründe konkret isolieren könnte. Bei mir hat sich nach der Niederlage gegen Frankfurt ein kindisch-naiver Trotz eingestellt: Jetzt erst recht! Egal, was kommt.

Ist ja bald Weihnachten. Ob so was in dieser Situation als ein Wunsch durchgeht lasse ich mal dahingestellt, aber stellen wir uns vor: Michael Preetz wird rausgeschmissen und rechtzeitig zur Wintertransferperiode wird Enno Aljets zum neuen Sportdirektor ernannt. Die Sponsoren haben noch knapp 4 Millionen Euro zusammengekratzt. Du hast freie Hand in restlos allen sportlichen Fragen, ist ja eh schon alles egal … Mach doch mal …

Am besten nehme ich das Geld und verdrücke mich auf ein karibisches Insel-Exil. Es wäre eine hoffnungslose Aufgabe. Lucien Favre sagte auf seiner ominösen Pressekonferenz zu Recht, dass Hertha im Winter mindestens 10 Millionen investieren müsste, um den Abstieg zu vermeiden. Es fehlen zwei konkurrenzfähige Außenverteidiger und ein Stürmer mit „Torgarantie“. Jeder allein würde mindestens 4 Millionen kosten. Ich würde im Gegensatz zu Funkel und Preetz auf keinen Fall einen Innenverteidiger verpflichten. Im Kader stehen bereits fünf Innenverteidiger. Ich wüsste nicht, was ein sechster Mittelmäßiger bringen sollte.

Wie wär’s mit Albert Streit? Unter Funkel hat’s bei ihm mit den Scorerpunkten schonmal ganz gut geklappt. Ich denke er wäre relativ günstig zu bekommen …

Ja, der Albert hat mal ’ne halbe Saison ganz gut gespielt unter Funkel. Aber ansonsten ist er doch nur als Stinkstiefel auffällig geworden, schon in Frankfurt, auf Schalke und auch in Hamburg. Er mag ein klasse Fußballer sein, aber menschlich gesehen wäre er wohl besser beim Skispringen, Kugelstoßen oder Sprint aufgehoben. Also irgendein Individualsport, wo er auf seine Teamkollegen keine Rücksicht nehmen bräuchte. Klassischer Fall von „Beruf verfehlt“.
Wäre ich in verantwortungsvoller Position und dürfte tatsächlich entscheiden, würde ich drei äußerst unpopuläre Maßnahmen vornehmen: Ein Verkauf von Patrick Ebert und Gojko Kacar würde das nötige Geld bringen, um den Kader auf eine neue Grundlage zu stellen. Dann hätte man insgesamt vielleicht 15 bis 20 Millionen zur Verfügung. Und ich würde Arne Friedrich nahe legen, seine Karriere in Dubai ausklingen zu lassen. Ich kann den einfach nicht mehr sehen. Wie man einen Kader sinnvoll zusammen stellt, ist dann aber eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Das Einkaufen müsste jemand anderes übernehmen …

Lass uns zum Sonntag kommen. Bei allem Respekt, bei der aktuellen Konstellation wird Felix Magath die Favoritenrolle nicht so leicht ablehnen können. Trotzdem kann ich Dir aus der bisherigen Erfahrung sagen, dass das „neue Schalke“ eine echte Wundertüte ist, von erfrischend flott und gefährlich bis ideenlos träge kann immer alles passieren. Was glaubst Du, wie wird Funkel Eure Mannschaft einstellen, worin sieht er seine Chance und was für ein Spiel erwartest Du?

Traditionell bieten die Spiele zwischen Hertha und Schalke nicht viel mehr als Fußball zum Abgewöhnen. Es wird ein defensives, aber kampfbetontes Spiel, das mit maximal einem Tor auskommen wird. Wahrscheinlich wird es für Schalke fallen, weil Hertha derzeit einfach nur Pech hat. Auf der anderen Seite ist in der vergangenen Saison im Spiel gegen Schalke das Pendel zu Herthas Ungunsten ausgeschlagen. Vielleicht könnte dieses Spiel wieder eine Wende werden und Hertha gewinnt, weil Schalke es zulässt. Funkel wird eine äußerst defensiv und destruktiv agierende Mannschaft auf den Platz stellen. Nach dem Frankfurt-Spiel wurden vom Präsident Konsequenzen angekündigt. Inwiefern sich der Kader noch verändern wird, ist bisher nicht durchgedrungen. Wir werden also mit Spannung auf zwei Wundertüte warten müssen.

Zum Schluss noch mal zu meinem Club, bewusst offen gefragt: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?

Dubios. Dieses ganze Finanzgeschiebe ist mir suspekt. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass Clubs wie Schalke, Dortmund, Kaiserslautern oder Köln endlich mal finanziell richtig abstürzen. Diese Clubs leben immer wieder massiv über ihren Verhältnissen, verprassen sinnfrei Geld und werden dann wieder von Kommune, Land oder anderen öffentlichen „Sponsoren“ aufgefangen. Hertha dagegen saniert sich derzeit gezwungenermaßen zu Tode und muss das mit sportlichem Niedergang bezahlen. Das ist alles andere als fairer, sportlicher Wettbewerb. Von Modellen wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Leverkusen ganz zu schweigen. Lizenzentzug und Zwangsabstieg schweben mir vor Augen. Dann hört auch endlich das Gerede von der geringen Berliner Stadionauslastung auf, weil klar werden würde, dass die „Leistung“ der Publikumsmagneten eben in erster Linie auf Finanzschieberei beruht. Das wird in diesen Diskussionen halt nie berücksichtigt. Ich könnte mich bei diesem Thema um Kopf und Kragen schreiben …
Sportlich wage ich derzeit noch zu bezweifeln, ob der „Magath-Effekt“ mit den ganzen jungen „Nonames“ über die gesamte Saison tragen wird. Manchmal kommt das so rüber, als hätte Magath aus einem Trümmerhaufen, der nicht kann, nichts wert ist und kein Potential hat, eine Wundermannschaft geschaffen. Wenn ich mir allerdings anschaue, wer da alles regelmäßig spielt: Neuer, Werstermann, Bordon, Farfan, Kuranyi usw. usf. Das sind teure und gute Kicker, ohne die es sicherlich nicht gehen würde. Das allerdings spricht dafür, dass der Erfolg noch ein wenig länger auf Schalke bleiben wird.

Enno, vielen Dank für Deine Meinung. Gerade Dir wünsche ich nichts Schlechtes, aber wie Du weißt ist Hertha nicht gerade mein Lieblingsclub. Wie auch immer das Spiel am Sonntag ausgehen mag, ich hoffe Du und Deine Kollegen, ihr bloggt in Fall der Fälle auch für einen Zweitligaclub weiter. Glück auf.



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