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„Hecking bedient die Volksseele“

Sonntag geht’s endlich wieder los. Zeit, sich mit dem Gegner, mit dem Club aus Nürnberg zu beschäftigen. Ein neuer Trainer, Gerüchte um Makaay, zwei neue Spieler und der Abgang eines „Häuptlings“: Sieht man von Magaths Entscheidungsfreudigkeit ab ist in Nürnberg noch am meisten passiert. Wie das alles einzuschätzen ist habe ich Alexander Endl gefragt. Alexander macht irgendwie alles und ist irgendwie überall. Ich kenne ihn von Clubfans United, dem besten Blog zum Club.



Es hat sich ja einiges getan, beim Club in der Winterpause. Mit Breno und Ottl wurden zwei Spieler vom FC Bayern ausgeliehen, die man in der Startelf erwarten darf. Dafür ging mit Kluge allerdings auch ein Leistungsträger. Vor allem aber gibt’s mit Dieter Hecking einen neuen Trainer. Was hältst Du von den Verpflichtungen, wie siehst Du Hecking? Was hat er Oenning mehr voraus als nur Erfahrung? Woran machst Du Deine Hoffnungen fest?

Wie sagte das Mario Basler in seiner Hauspostille gerade erst so schön: „bevor die zwei Zivildienstleistenden vom FC Bayern deinen Karren aus dem Dreck ziehen, demonstriert der Schumi für einen auto-freien Sonntag“. Ganz so krass sehe ich das nicht, schließlich traue ich das Schumi zu, aber ich müsste lügen wenn ich behaupte, dass ich diesen Tausch – Ottl gegen Kluge – so er nicht zwingend finanziell notwendig war, wirklich verstehe. Kluge war sicher kein Überflieger, aber einer der wenigen echten Stützen. Dass er gehen wollte verstehe ich sogar, aber dann nicht für die kolportierte niedrige Ablöse – und als Ersatz eine Leihgabe. Und Breno muss sich ja auch erst mal beweisen, was ihm bei den Bayern offenbar bislang nicht gelang. Zudem kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Leihspieler, vor allem Kurzarbeiter mit nur einem halben Jahr Laufzeit, die nötigen 110% anbieten können, die man braucht um rauszukommen. Warum auch? Klappt’s nicht, war halt die Mannschaft zu schlecht und man geht wieder heim ins Nest. Zudem – aber ich will’s auch nicht zu oft noch mal wiederholen – hat sich Ottl mit seiner Aussage vor Saisonbeginn, als der Club schon mal bei ihm anfragte, dass Nürnberg nicht sein Anspruch sei, keinen einfachen Start verschafft …

Hecking sah ich anfangs sehr kritisch, seine Vita, als er meiner Kenntnis nach schon zwei seiner Vereinen selbst verließ um woanders anzuheuern, gefiel mir nicht sonderlich – auch überzeugte mich die Entwicklung in Hannover nicht wirklich. Aber sein Einstand und die ersten Eindrücke waren doch positiv. Was er sagt, klingt gut. Er trifft im Ton eine gute Mischung aus Realismus und Optimismus. Er bedient dabei auch die, die einfach Worte wie „Gras brennen“ und „Kampf bis umfallen“ brauchen, vermittelt aber auch denen, die die Stereotypen nicht mehr hören können, mit vernünftigen Konzepten.

Um ihn mit Oenning zu vergleichen – bzw. was Hecking anders macht oder machen muss – müsste man ausholen. Oenning hatte die richtige Idee, doch die scheiterte am Ende an den Ergebnissen und vielleicht auch an der Mannschaft. Vielleicht geht das Bader/Oenning-Konzept auch gar nicht in einer Zeit, die schnell Erfolge will und vor allem Rückschläge nicht verzeiht. Man wollte ja kein Jugendkonzept nur um der Jugend willen, er hatte die Idee der Schaffung einer strukturellen Änderung im Verein, die unter anderem auf einen guten Unterbau mit eigenen Talenten setzt. Dazu muss man aber auch der Jugend vermitteln, dass der Club eine gute Adresse ist und dies geht am besten, wenn junge Talente in der Bundesliga am Platz stehen. – Hecking will das fortsetzen und das stimmt mich positiv.
Vielleicht hat er einfach ein glücklicheres Händchen oder kann aus seiner längeren Erfahrung die richtigen Schlüsse ziehen. Die Umstellung auf zwei 6er zur Stabilisierung der Defensive klingt Erfolg versprechend. Bringt aber auch nichts, wenn man vorne nicht trifft, ein chronisches Club-Problem seit mindestens 2007.
Was Hecking jetzt schon Oenning voraus hat? Er bedient die Volksseele. Denke, das hat Oenning unterschätzt. Seine ruhige, sachliche Art gefiel mir gut, aber viele Fans wurden fast wahnsinnig darüber, warum man nach einer Klatsche noch sachlich die positiven Seiten referiert. So baute sich im Misserfolg eine Stimmung bei einem Teil der Fans gegen ihn auf – und ich denke auch in der Mannschaft.

Was Hoffnung macht? Dass die anderen auch nur mit Wasser kochen und ich weiter mindestens 8 Mannschaften sehe, die am Ende bedroht sind. Bei einer so geringen Punktausbeute in der zweiten Tabellenhälfte – bis Platz 12 hat man ja noch keine 20 Punkte! – können 2-3 Siege das Bild schnell verändern.

Es wurde ja auch über eine Verpflichtung Roy Makaays spekuliert. Meines Erachtens wäre das für Nürnberg ein riesen Ding gewesen, erstaunlicherweise habe ich in Blogs und Foren von Club-Fans sehr viel Kritik an diesem Vorhaben gelesen. Wenn nicht ein Knipser wie Makaay, wer könnte dem Club sonst helfen? Wenn Du das Sagen und 5 Millionen übrig hättest, wie würdest Du die Mannschaft verstärken?

Ich war zugegeben ein Freund der Idee – aber heulte jetzt auch nicht ins Kissen als es sich als Ente entpuppte. Makaay hätte in jeden Fall mal einen Respektsbonus beschert und einen Schub gegeben. Aber wir hatten das ja schon probiert auf die Art mit einem Koller vor dem letzten Abstieg … Schlägt Makaay nämlich nicht gleich ein, hat man erst Recht ein Problem und noch mehr Unzufriedene im Kader. Und eine Garantie für Makaay gibt es eben nicht – er war sicher mal herausragend, aber das zeigte er auch zuletzt in Rotterdam nicht.

Wenn ich mal Manager mit 5 Millionen spielen dürfte und mal ganz davon abgesehen, dass man einen Spieler dann auch noch bekommen müsste, dann würde ich in der Tat auch noch nach einem 6er Ausschau halten, der dann aber verpflichtet werden müsste. Auch die Idee einen Innenverteidiger zu holen fand ich nicht schlecht, aber eine solide Verpflichtung statt Jungstar-Ausleihe (Breno) wäre mir lieber gewesen. Die Skibbe-Idee, einen Lincoln nach Frankfurt zu holen, also einen wirklich exponierten kreativen Künstler, fand ich gut, wäre aber ein ganz anderer Weg gewesen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass 5 Millionen zwar viel Geld sind, im Fußball aber nichts Gravierendes ändern können. Die Mannschaft muss insgesamt und strukturell auf ein höheres Level geführt werden, also packt man das Geld am besten in die Nachwuchsarbeit und versucht jetzt erst mal mit dem vorhandenen Material auszukommen. Man hat doch viel Talent im Kader, wie Gündogan, Diekmeier, Bunjaku oder Frantz, und es braucht eben Arbeit und Geduld um das zu entwickeln und ein Team zu formen.

In einen Interview sagte Dieter Hecking, die Mannschaft hätte viele Kontertore kassiert nachdem sie zu weit aufgerückt war. Er sprach davon, die Defensive stärken zu wollen, von einem System mit Doppel-6. Ob er sich wohl in die Liga festmauern will? „Nurnoch“ reagieren statt zu agieren? Wie glaubst Du wird der Club auf Schalke auftreten?

Hecking sagte aber auch, dass defensiv stehen keine Spiele gewinnt und man vor allem schneller Umschalten muss nach Balleroberung. Ich teile die Ansicht, dass wir vor allem mal erstmal defensiv stabiler werden müssen und konzentrierter spielen. Nach dem Versuch am Anfang der Saison die Bundesliga im Sturm zu erobern, hat der Gegner bspw. auf der Diekmeier-Seite einfach die Lücke erkannt und ausgenutzt. Diese Balance zwischen Offensivdrang und Defensiv-Absicherung wurde nicht gefunden und wenn man dann mal 2 Buden kassiert hat und paar Niederlagen im Gepäck, verlor die Mannschaft vollends Konzept und Glauben. Apropos Glauben: Fußball ist eben auch sehr Kopfsache und Hecking sagte zu Recht, dass man selbst und der Gegner wieder das Gefühl bekommen muss, dem Club reicht ein Tor zum Sieg. Die Auswirkungen wären wichtig, denn das verunsichert auch den Gegner. So hatte bspw. Dutt mit Freiburg trotz größter Personalsorgen einfach mal stürmisch begonnen – frei nach dem Motto: Falls wir ins Messer laufen und einen kriegen, was soll’s, es geht bestimmt noch was. Nach dem Tor stellten sich die Freiburger dann hinten rein und dachten sich: Bevor die ein Tor machen, schießen wir eher das zweite. Das muss bei uns insgesamt anderes werden.

Auf Schalke wird der Club defensiv beginnen und genau das versuchen umzusetzen, was Hecking vorgab. Also eher weniger Ballbesitz, sondern nach Balleroberung mit wenigen Pässen schnell über die Außen nach vorne. Und bei Ballbesitz Schalke abwarten und die Räume zustellen, aufrücken lassen und dann auskontern. Witzigerweise hat Magath uns irgendwie genau so den Saisonstart versaut.

Von wegen Magath, zum Schluss noch zu meinem Club. Wie siehst Du derzeit Schalke 04? Und wie erlebst Du die Fanfreundschaft, erlebst Du sie überhaupt?

Vorweg: Chapeau! Ich ziehe meinen Hut vor Magath. Was der zur Zeit anfasst klappt einfach – und es ist kein Zufall, sondern Arbeit mit Konzept. Aber ein Teil seines Konzepts ist auch die Mannschaft nach seinem Willen komplett umzustellen. Dass er das parallel zum aktuellen Erfolg wagt und angeht, ist riskant und das macht man nur, wenn man vor Selbstbewusstsein strotzt. Ob es gut geht, wird man erst am Ende der Saison wissen.

Aber ich muss auch schon kritisch sagen, dass Schalke durch den Sponsoren-Einfluss ganz viel Charme verloren hat. Die Wahrnehmung als russischer Werbeträger ist ein hoher Preis für den Erfolg. Zudem – ohne davon Ahnung zu haben – reiben wir uns schon in Nürnberg die Augen, warum ein angeblich derart hochverschuldeter Verein dem Club die Spieler wegholen kann. Diese Finanzakrobatik ist bei uns in Nürnberg trotz easy-credit-Stadion noch nicht angekommen.

Die Fanfreundschaft ist davon weitgehend unberührt, denn da geht es nur um die Menschen, die Fans. Hier sah ich bis vor 2 Jahren noch das Ende kommen, einfach weil solche Fanfreundschaften irgendwie nicht mehr in die Zeit passen und sich verlieren. Aber der Zufall wollte es, dass ich das letzte Spiel der Abstiegssaison, als wir einen Sieg gegen Schalke brauchten um nicht abzusteigen, in meinem Nürnberg im Schalker Gästeblock erlebte. Die ganze Atmosphäre dort, der gegenseitige Respekt, die fast familiäre Liebe zum Fußball und seinen Verein verbindet doch ungemein. Sicher ein Kontrastprogramm zum modernen Erfolgs-Fan oder mit schwarzer Kapuzenjacke vor Megafon, eher wie ein großes Zeltlager unter Freunden und Bekannten. Da wusste ich, dass die Fanfreundschaft Schalke und FCN noch lange nicht am Ende ist – zumindest bei den ganz normalen Fans.

Vielen Dank für den Einblick! Ich denke auch, dass die Fanfreundschaft weiterhin bestand haben wird. Ungeachtet alberner Stimmungsmache in Fan-Foren hat dieses Heimspiel doch einen eigenen, friedlicheren und offenen Charakter. Das einzige Heimspiel, in dem man auch im Unterrang der Arena die ganze Runde laufen kann, weil nichts abgesperrt werden muss.
Ich wünsche Dir und dem Club also alles Gute, bin aber egoistisch genug als dass ich hoffe, dass der sportliche Aufschwung Nürnbergs erst am 19. Spieltag beginnt.
Glück auf.




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Warten auf die Wundertüten

Hertha BSC berührt mich nicht. In der letzten Saison gingen sie mir einen Weile auf den Sack, heute sind sie mir so egal wie zuvor. Mag es auch schräg anmuten, was mein „Leben in der Blogosphäre“ angeht spielt Hertha eine wichtige Rolle. Enno Aljets Blog Welt Hertha Linke habe ich ungefähr während seiner gesamten Laufzeit verfolgt, heute besuche ich das Hertha BSC Blog täglich.
Enno Aljets ist einer der wenigen Blogger-Kollegen, die ich bereits persönlich kennenlernen durfte. Seit Jahren schreibt er regelmäßig über seine Hertha, eben so wie ich über Schalke 04, und ich schätze seine zumeist sehr nüchterne Meinung zu den Dingen sehr. Und komme ich mal an Hertha nicht vorbei, so wie jetzt vor dem Spiel am Sonntag, liegt nichts näher als ihn zu befragen.

Hallo Enno. Ich stelle mir vor dass diese Saison für Dich einem Albtraum gleichen muss. Am 2. April diesen Jahres war Hertha BSC Tabellenführer, mit dem offenbar perfekt passenden Trainer, der das genau richtige System für diese Mannschaft gefunden hatte. Dann machte es irgendwie pffffft, und alles ist weg: Ol’ Dieter, der Trainer, das Konzept, Schwung, Erfolg, Punkte und Hoffnung. Ich kann mich nicht erinnern, so was auch nur annähernd in dieser Form und vor allem diesem Tempo schon mal mitbekommen zu haben. Da will man doch sicher nicht mehr hinschauen, oder?! Womit macht man sich da Mut? Gibt es in solch einer Situation irgendwas, das noch Freude macht, von wegen „schönste Nebensache der Welt“?

Diese Saison ist sicher nur etwas für ganz hartgesottene Masochisten. Und selbst die härtesten Jungs habe ich schon mit bitteren Tränen in den Augen aus dem Stadion trotten sehen. Hertha tut derzeit weh und bietet wenig bis gar nichts, mit dem man sich Mut machen könnte. Es ist die typische Negativspirale, sich wechselseitig verstärkende Kleinigkeiten, die alles immer schlimmer und schlimmer machen. Das fängt schon am Ende der vergangenen Saison an, als Hertha sich mit zwei katastrophalen Auftritte gegen Schalke und Karlsruhe nicht nur von der Meisterschaft verabschiedete, sondern erste Brüche innerhalb der Mannschaft öffentlich sichtbar wurden. Dann gab es Pläne, mit Favre zu verlängern, man konnte sich finanziell jedoch nicht einigen. Die Transferpolitik stand unter der Prämisse eines radikalen Sparkurses und misslang auf ganzer Linie. Als wäre das nicht genug, verabschiedete man sich nebenbei noch von Dieter Hoeneß. Da kann ein Fehlstart sehr schnell zu einer negativen Spirale werden, ohne dass man einzelne Gründe konkret isolieren könnte. Bei mir hat sich nach der Niederlage gegen Frankfurt ein kindisch-naiver Trotz eingestellt: Jetzt erst recht! Egal, was kommt.

Ist ja bald Weihnachten. Ob so was in dieser Situation als ein Wunsch durchgeht lasse ich mal dahingestellt, aber stellen wir uns vor: Michael Preetz wird rausgeschmissen und rechtzeitig zur Wintertransferperiode wird Enno Aljets zum neuen Sportdirektor ernannt. Die Sponsoren haben noch knapp 4 Millionen Euro zusammengekratzt. Du hast freie Hand in restlos allen sportlichen Fragen, ist ja eh schon alles egal … Mach doch mal …

Am besten nehme ich das Geld und verdrücke mich auf ein karibisches Insel-Exil. Es wäre eine hoffnungslose Aufgabe. Lucien Favre sagte auf seiner ominösen Pressekonferenz zu Recht, dass Hertha im Winter mindestens 10 Millionen investieren müsste, um den Abstieg zu vermeiden. Es fehlen zwei konkurrenzfähige Außenverteidiger und ein Stürmer mit „Torgarantie“. Jeder allein würde mindestens 4 Millionen kosten. Ich würde im Gegensatz zu Funkel und Preetz auf keinen Fall einen Innenverteidiger verpflichten. Im Kader stehen bereits fünf Innenverteidiger. Ich wüsste nicht, was ein sechster Mittelmäßiger bringen sollte.

Wie wär’s mit Albert Streit? Unter Funkel hat’s bei ihm mit den Scorerpunkten schonmal ganz gut geklappt. Ich denke er wäre relativ günstig zu bekommen …

Ja, der Albert hat mal ’ne halbe Saison ganz gut gespielt unter Funkel. Aber ansonsten ist er doch nur als Stinkstiefel auffällig geworden, schon in Frankfurt, auf Schalke und auch in Hamburg. Er mag ein klasse Fußballer sein, aber menschlich gesehen wäre er wohl besser beim Skispringen, Kugelstoßen oder Sprint aufgehoben. Also irgendein Individualsport, wo er auf seine Teamkollegen keine Rücksicht nehmen bräuchte. Klassischer Fall von „Beruf verfehlt“.
Wäre ich in verantwortungsvoller Position und dürfte tatsächlich entscheiden, würde ich drei äußerst unpopuläre Maßnahmen vornehmen: Ein Verkauf von Patrick Ebert und Gojko Kacar würde das nötige Geld bringen, um den Kader auf eine neue Grundlage zu stellen. Dann hätte man insgesamt vielleicht 15 bis 20 Millionen zur Verfügung. Und ich würde Arne Friedrich nahe legen, seine Karriere in Dubai ausklingen zu lassen. Ich kann den einfach nicht mehr sehen. Wie man einen Kader sinnvoll zusammen stellt, ist dann aber eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Das Einkaufen müsste jemand anderes übernehmen …

Lass uns zum Sonntag kommen. Bei allem Respekt, bei der aktuellen Konstellation wird Felix Magath die Favoritenrolle nicht so leicht ablehnen können. Trotzdem kann ich Dir aus der bisherigen Erfahrung sagen, dass das „neue Schalke“ eine echte Wundertüte ist, von erfrischend flott und gefährlich bis ideenlos träge kann immer alles passieren. Was glaubst Du, wie wird Funkel Eure Mannschaft einstellen, worin sieht er seine Chance und was für ein Spiel erwartest Du?

Traditionell bieten die Spiele zwischen Hertha und Schalke nicht viel mehr als Fußball zum Abgewöhnen. Es wird ein defensives, aber kampfbetontes Spiel, das mit maximal einem Tor auskommen wird. Wahrscheinlich wird es für Schalke fallen, weil Hertha derzeit einfach nur Pech hat. Auf der anderen Seite ist in der vergangenen Saison im Spiel gegen Schalke das Pendel zu Herthas Ungunsten ausgeschlagen. Vielleicht könnte dieses Spiel wieder eine Wende werden und Hertha gewinnt, weil Schalke es zulässt. Funkel wird eine äußerst defensiv und destruktiv agierende Mannschaft auf den Platz stellen. Nach dem Frankfurt-Spiel wurden vom Präsident Konsequenzen angekündigt. Inwiefern sich der Kader noch verändern wird, ist bisher nicht durchgedrungen. Wir werden also mit Spannung auf zwei Wundertüte warten müssen.

Zum Schluss noch mal zu meinem Club, bewusst offen gefragt: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?

Dubios. Dieses ganze Finanzgeschiebe ist mir suspekt. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass Clubs wie Schalke, Dortmund, Kaiserslautern oder Köln endlich mal finanziell richtig abstürzen. Diese Clubs leben immer wieder massiv über ihren Verhältnissen, verprassen sinnfrei Geld und werden dann wieder von Kommune, Land oder anderen öffentlichen „Sponsoren“ aufgefangen. Hertha dagegen saniert sich derzeit gezwungenermaßen zu Tode und muss das mit sportlichem Niedergang bezahlen. Das ist alles andere als fairer, sportlicher Wettbewerb. Von Modellen wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Leverkusen ganz zu schweigen. Lizenzentzug und Zwangsabstieg schweben mir vor Augen. Dann hört auch endlich das Gerede von der geringen Berliner Stadionauslastung auf, weil klar werden würde, dass die „Leistung“ der Publikumsmagneten eben in erster Linie auf Finanzschieberei beruht. Das wird in diesen Diskussionen halt nie berücksichtigt. Ich könnte mich bei diesem Thema um Kopf und Kragen schreiben …
Sportlich wage ich derzeit noch zu bezweifeln, ob der „Magath-Effekt“ mit den ganzen jungen „Nonames“ über die gesamte Saison tragen wird. Manchmal kommt das so rüber, als hätte Magath aus einem Trümmerhaufen, der nicht kann, nichts wert ist und kein Potential hat, eine Wundermannschaft geschaffen. Wenn ich mir allerdings anschaue, wer da alles regelmäßig spielt: Neuer, Werstermann, Bordon, Farfan, Kuranyi usw. usf. Das sind teure und gute Kicker, ohne die es sicherlich nicht gehen würde. Das allerdings spricht dafür, dass der Erfolg noch ein wenig länger auf Schalke bleiben wird.

Enno, vielen Dank für Deine Meinung. Gerade Dir wünsche ich nichts Schlechtes, aber wie Du weißt ist Hertha nicht gerade mein Lieblingsclub. Wie auch immer das Spiel am Sonntag ausgehen mag, ich hoffe Du und Deine Kollegen, ihr bloggt in Fall der Fälle auch für einen Zweitligaclub weiter. Glück auf.



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„Hoeneß, Daum oder Calli gehen auf den Senkel“

Jens Peters ist Fan von Bayer 04 Leverkusen und bloggt darüber bei Catenaccio. Dienstag war hier im Königsblog schon mal die Rede von ihm, er lieferte mit seinem „Die Null muss stehen Countdown“ die Inspiration zu meinem Statistikkram-Beitrag „Zu Null Fußball“. Aus welcher Sicht auch immer: Bayer 04 Leverkusen kommt mit der erfolgreichsten Defensive der Liga nach Gelsenkirchen. Eine echte Prüfung für das neue Schalke. Zum Spiel und zu noch ein bisschen mehr habe ich Jens ein paar Fragen gestellt.

Hallo Jens. Dein Verein ist nach wie vor ungeschlagen und Tabellenführer. Die Defensive steht stabil, Adler hat aus der erwarteten Wackelphase wieder herausgefunden, Hyypiä bringt die Erfahrung ein, das bisherige Ergebnis sind 6 zu Null-Spiele in 10 Partien. Die Offensive ist jung und schnell, Eren Derdiyok ist gut eingeschlagen und mit Patrick Helmes stößt der eigentliche Top-Knipser noch dazu. Mal abgesehen von einem eingebauten Misstrauen, das alle Fans von Bayer Leverkusen und Schalke 04 haben sollten: Gibt es sachliche Argumente gegen solche Lobhudelei? Wo sind die Schwachstellen und was könnte Jupp Heynckes vielleicht noch versauen?

Gibt es sachliche Argumente im Fußball? Ich entdecke selten welche, noch nicht einmal in den „Qualitätsmedien“ – aber das ist eine andere Geschichte. Als Fan, fällt es ja immer schwer, objektiv die Lage einzuschätzen. Zunächst einmal würde ich in die Lobhudelei mit einstimmen, aber wie du schon sagst, ist man als Anhänger des Vereins Leverkusen immer skeptisch und ich werde es vermutlich auch bis zum 34. Spieltag bleiben, selbst wenn die Werkself Erster ist und Hertha BSC Berlin als letzten Gegner im Programm hätten.
Ich bin zunächst einmal froh, dass man an Problemen der letzten Saison arbeitet. So ist, wie du schon sagtest, die Defensive um Sami Hyypiä bereichert . Aber was ist, wenn er mal ausfällt? Und die taktische Eindimensionalität, Powerpressing mit Offensivpowerfußball, ist behoben worden. Trotzdem gibt es noch Baustellen, die zwischendurch immer wieder aufblitzen, wie zum Beispiel fehlender Biss in bestimmten Situationen, mangelnde Kreativität im Offensivspiel, taktische Unzulänglichkeiten auf einzelnen Positionen und fehlende Knipsermentalität im Sturm.

Dein Club hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert. Zu Calmunds Zeiten hatte ich den Eindruck, als wollte man unbedingt Farbe in einen grauen Verein holen. Dazu passten Trainer wie Stepanovic, Daum oder Toppmöller, und Calmund selbst war natürlich auch ein schwerer Springinsfeld. Heute ist das anders. Jetzt wird mit dem Werksclub-Image gespielt. Holzhäuser tritt selten in Erscheinung. Rudi Völler gibt dem Club sein Gesicht, haut aber auch selten auf die Brause. Auf der Trainerbank saßen zwischendurch Skibbe und Labbadia, ein in sich Ruhender und ein Aufstrebender. Wie siehst Du diesen Wandel? Wird der Club nicht automatisch sterbenslangweilig, sobald es auf dem Rasen mal keinen tollen Fußball gibt?

Ich finde den Wandel vollkommen in Ordnung. Letztlich ist ja entscheidend was unten auf dem Platz passiert und nicht auf der Trainerbank, beim Manager oder im Vorstand. Geschichten oder besser gesagt Personen wie zum Beispiel Uli Hoeneß, damals Christoph Daum, Calli oder andere gehen mir eher auf den Senkel, da sie vom Team ablenken und sich selbst gerne reden hören. Ich habe das Gefühl, dass Bayer einen Plan für die Kaderzusammenstellung hat, einen Plan, was man in der Liga erreichen möchte und einen Plan, wie man das realisiert. Das ist gut so, wenn man dann noch schönen Fußball auf dem Platz zu sehen bekommt, dann passt das schon. Ich glaube die Gefahr, dass man seinen Lieblingsverein irgendwann langweilig findet, ist nicht besonders groß, oder ist dir das schon mal passiert?

Nein, mir nicht, aber der Club Schalke 04 ist ja auch bekloppt genug, damit auch an spielfreien Tagen die Nachrichtenticker fliegen. Das ist oft, aber nicht immer schön, zugegeben. Kommen wir aber zu Spiel: Leverkusen war auf Schalke zuletzt ja sehr erfolgreich. René Adler hat in unserer Arena stets hervorragend gehalten und die agile Offensive war für Schalke jeweils ein- bis zweimal pro Spiel zu fix, was dann schon reichte. Man kann das als cool oder abgeklärt bezeichnen, aus anderem Blickwinkel hat Leverkusen dabei hauptsächlich von Schalkes Unfähigkeiten profitiert. Wie hat sich der Spielstil Eurer Mannschaft unter Heynckes entwickelt, wie werden die Auswärtsspiele angegangen? Was glaubst Du, welches Spiel sich gegen Schalke entwickeln wird?

Ganz schwer zu sagen. Bayer hat ja schon ganz unterschiedlich gegen die „großen“ Mannschaften gespielt. Da war beispielsweise ein sehr offenes Spiel in Wolfsburg, was man gewinnen konnte, dann wiederum ein sehr defensives Spiel gegen Hamburg, dass dann auch 0:0 endete. Im Moment macht mir ehrlich gesagt die Offensivabteilung ein bisschen Sorge, aber die beiden letzten Spiele waren hoffentlich Gegenwind genug, dass die Mannschaft sich wieder auf ihre Stärken konzentriert, mit denen man sicherlich auch auf Schalke bestehen kann. Solide Defensivarbeit und dann immer wieder Spitzen setzen. Wenn die Effektivität stimmt, können drei Punkte rausspringen. Mit einem Remis bin ich aber auch zufrieden.

Zuletzt noch die „offene Feedback-Frage“: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?

Ich bin ganz schön erstaunt, was die Schalker angeht. So weit oben hätte ich die Knappen nicht erwartet, aber da kommt sicherlich der Einfluss von Magath zum Vorschein. Wichtig ist sicherlich, dass er einige unerfahrene Spieler mit integriert hat, mal in der Mannschaft aufgeräumt hat und ihnen viel Stärke eingeredet hat. Fraglich ist, wie das aussieht, wenn Schalke mal 3-4 Spiele nicht so erfolgreich spielt. Wie lange funktioniert dann so ein Mannschaftsgebilde, wie es das auf Schalke gibt. Schalke hat ja immer den Hang dazu, sehr spezielle, eigene Spielertypen in ihren Reihen zu haben. Diese zu bändigen, ist sicherlich eine von Magaths größten Aufgaben. Einen Meisterkandidaten sehe ich jetzt nicht direkt, aber der internationale Wettbewerb ist sicherlich zu packen.

Vielen Dank, Jens.
Mögest Du Samstagabend gegen halb Neun möglichst unzufrieden mit Deinem Club sein, Dir aber davon nicht vollends das Wochenende versauen lassen.




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Jens Peters bloggt bei Catenaccio über Bayer 04 Leverkusen.
Außerdem ist Jens im Sportblogger– und im Ballpodder-Netzwerk aktiv.



„Der HSV kann auch auswärts das Spiel machen“

Sonntag geht’s gegen Hamburg. Schwer, keine Frage, und in den letzten 5 Jahren setzte es daheim gegen den HSV 4 Niederlagen bei einem Unentschieden. Trotzdem geht mein Wissen über den diesjährigen, neuen HSV kaum über das hinaus, was man aus Sportschau-Zusammenfassungen erfährt. Das ist wenig bis kaum was, also dachte ich mir, frage ich jemanden der Bescheid weiß.
Florian Neumann lebt in Hamburg und tourt als nedfuller schon lange durch die Blogosphäre. Seit Sommer schreibt er nun selbst ein Blog, eben NedsBlog, in dem er seine Sicht der Dinge zu seinem HSV zum Besten gibt. Sehr spontan, weil ich mal wieder nicht vorausschauend genug war, stand er für ein paar Fragen zur Verfügung. Für drei plus eine Frage, um genau zu sein.

Hallo Ned! Schön, dass es auch so kurzfristig geklappt hat. Erstmal Glückwunsch zum Sieg in Glasgow. Läuft alles rund beim HSV, in der Liga steht ihr ja auch gut da. Mittlerweile ist aber eine halbe Mannschaft verletzungsbedingt ausgefallen. Außerdem könnte man unken, dass Bruno Labbadias Mannschaften in der Regel „nach hinten raus“ Probleme kriegen. Wie ist bei Dir der Stand zwischen Hoffung und Sorge? Was erhoffst oder was befürchtest Du für den weiteren Saisonverlauf?

Hi Torsten. „Gut dastehen“ ist untertrieben: Wir haben noch nie nach 9 Spieltagen 21 Punkte auf unserem Konto gehabt. Nur zur Erinnerung, wir sind im 47. Jahr ununterbrochen in der Bundesliga und hatten mal Erfolge die Punkte zum Saisonbeginn benötigten: Wir waren dreimal Deutscher Meister. Daher bin ich bis zur Verletzung von Petric, gegen Hertha recht optimistisch gewesen, was den weiteren Saisonverlauf angeht. Mittlerweile hoffe ich allerdings auf jeden Punkt, verbuche sogar das Unentschieden gegen Leverkusen als Erfolg. Gegen die kleinen Vereine sollte es gerade zu Hause immer reichen mit dem Kader.
Zu unserem Trainer ist zu sagen, dass ich ihm von Anfang an sehr skeptisch gegenüber gewesen bin. Gerade die unterirdische Rückrunde bei Leverkusen mit nur 17 Punkten macht mir Sorgen. Diese Sorge gemischt mit meiner pessimistischen Grundhaltung und den Erfahrungen aus anderen Saisons mit einem Topkader lassen mich nicht gerade mit guten Gefühl in die Rückrunde gehen.
Mein Ziel ist der 4. Platz. Toll wäre die Champions League und vor dem Hertha-Spiel und der damit verbundenen Verletzung von Petric hätte ich das sogar offiziell als Ziel angenommen.

Konkret zum Spiel am Sonntag auf Schalke. Ich muss gestehen dass sich in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel des HSV über 90 Minuten gesehen habe. Wie agiert Eure Mannschaft in fremden Stadien? Haben wir einen dominanten Tabellenzweiten oder ein eher defensiv ausgerichtetes Auswärtsteam zu erwarten?

Unser Support ist immer erste Sahne, da können einige Heimmannschaften von lernen :) Gegen Wolfsburg haben wir gezeigt, dass wir Auswärts das Spiel machen können. Gegen Freiburg und Frankfurt haben wir dann nach unseren Toren aber aufgehört Fußball zu spielen. Diesen Fehler begehen wir gerade gegen kleinere Gegner gerne mal. Berlin nehme ich mal aus der Betrachtung raus. So wenig Fußballspielen wird nur gegen ganz wenige Gegner reichen.
Unsere Spielweise muss man jetzt sicherlich in vor und nach den Verletzungen unterscheiden. Petric und Guerrero haben die Qualität, aus wenigen Torchancen etwas zu machen. Das fehlt uns derzeit und wird wahrscheinlich auch in der Aufstellung gegen euch wieder zu finden sein. Ich erwarte, dass die Mannschaft etwas kompakter im Mittelfeld mit vielleicht nominell nur einem Stürmer spielen wird. Eine Aufstellungsprognose will ich aber lieber nicht abgeben.

Ok, lass uns mal zum Club als solchen kommen. Schalke 04 liefert sicher mehr Boulevardgeschichten, aber in Sachen Storys über Vereinspolitik ist der HSV auch weit vorne. Hoffmann als dominanter Vorstandsvorsitzender der Dukaten-Didi Beiersdorfer abgesäbelt hat, die Supporters als vereinspolitische Opposition, das langwierige Thema der Beiersdorfer-Nachfolge. Mittlerweile droht die Bildzeitung ja schon mit Berti Vogts. Was denkst Du, wann der Verein da mal zu Potte kommt? Oder bleibt es am Ende gar bei Labbadia in einer Doppelrolle?

Als der Name Vogts in der Bildzeitung genannt wurde, da habe ich schallend gelacht. Woher die immer die Namen aus dem Hut zaubern, köstlich. Vorab: Wir sind immer noch ein eingetragener Verein. Alleingänge wie in Schalke und Wolfsburg sind bei uns definitiv unmöglich. Im einzelnen:
Bernd Hoffmann kommt aus der Wirtschaft, führt ein mittelgroßes Unternehmen, was zu allem übel ein e.V. ist. Gescheitert ist sein Vorschlag, den Profifußball auszugliedern. Seitdem hat er sich damit abgefunden. Richtig, er ist der Vorstandsvorsitzende, hat also bei allen Entscheidungen das letzte Wort, vielmehr wird für alle Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen. Warum Beiersdorf nun gegangen ist, wird wohl niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Es gab bis zuletzt „Rettungsversuche“ seitens des Aufsichtsrates. Aber Didi hat wohl die Pistole auf die Brust gedrückt und gesagt: Entweder so, oder ich gehe. Bernd Hoffmann hat den Club konsolidiert. Wir sind schuldenfrei! Ausgenommen der Stadionkredit, aber das gehört uns dann auch. Das letzte mal Schuldenfrei waren wir irgendwann 50/51. Das ist ihm hoch anzurechnen. Ebenfalls gelingt es dem gesamten Vorstand den HSV in der Stadt Hamburg zu verwurzeln. Das war lange Jahre nicht so.
Der Supporters Club (SC) ist europaweit einmalig. Soviel Einfluss auf einen Verein in der ersten Liga hat meiner Meinung nach niemand. Das hat Vorteile: Der Vorstand wird immer wieder daran erinnert, dass wir ein Breitensportverein sind. Das hat Nachteile: Der SC will im Aufsichtsrat auch mehr Anteile haben.
Wir haben derzeit 3 Vorstände: Bernd Hoffmann, Katja Kraus (Marketing) und Oliver Scheel. Wer ist das, wirst du Fragen: Ehemaliger Abteilungsleiter der Supporters. Einer vom SC sitzt also im operativem Entscheidungsgremium. Und ein Ja-Sager ist er nicht. Im Aufsichtsrat sitzt auch immer fest ein Vertreter des SC. Also auch hier ist der Einfluss vorhanden. Zur letzten Mitgliederversammlung sollte dieser Einfluss nun erhöht werden. 8 Kandidaten wurden aus 20 gewählt, 4 davon sind aus dem Bereich SC. Die Mitgliederversammlung hat aber keinen zusätzlichen Kandidaten in den AR gewählt. Auch das ist ein Zeichen, wie weit der Einfluss derzeit gewünscht ist.
Sportdirektor: Wir brauchen einen, das ist Fakt. Es gab auch Kandidaten, die vom Personalrat zur Präsentation eingeladen worden sind. Genau, nicht der Vorstand stellt ein, der vom Aufsichtsrat bestellte Personalrat sucht und schlägt dem Aufsichtsrat die Kandidaten vor! Aber Oliver Kreuzer hat abgesagt, da wollte der Rat Roman Grill nicht als einzigen Kandidaten hören und die Entscheidung wurde vertagt. Bernd Hoffmann hat sich klar geäußert, dass er Grill favorisiert, aber Einfluss hat er dabei halt nicht. Wenn der Aufsichtsrat nicht bestellt, dann bestellt er nicht.

Zum Schluss noch mal zu meinem Club, bewusst offen gefragt: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?

Puh. Eigentlich war mir Schalke bisher egal. Gehasst habe ich S04 nicht, auch wenn ich in den 90ern dazu fast genötigt wurde, da es mal eine Fanfreundschaft mit eurem Lieblingsgegner gab, aber mehr als Wahrnehmung wollte sich nie einstellen. Ich habe mir euren Europapokalerfolg angesehen und die verpasste Meisterschaft 2001 wird immer in Erinnerung bleiben. Danach habt ihr sinnlos Spieler gekauft und mit Gehalt zugeschmissen, dass die Antipathie überwog.
Geändert hat sich meine Wahrnehmung in dieser Saison. Festzumachen ist das an einer Person: Felix Magath. Er ist der einzige gegnerische Trainer, der in Hamburg immer Applaus erhält. Völlig egal, bei wem er grad auf der Bank sitzt. Ich schaue nun doch einigermaßen gespannt auf die Entwicklung bei euch.
Eure Fans sehe ich sehr skeptisch. Warum? Weil ich euch nicht verstehe: In der letzten Saison spielte S04 in Hamburg, just nachdem Kuranyi sich von der Nationalmannschaft unentschuldigt entfernt hatte. Ein Fest für uns, wir konnten Ihn auslachen und mit Sprechchören verhöhnen. Die, sehr richtige, das sein angemerkt, Reaktion der Schalker Fans: Kuranyi Sprechchöre. Euer nächstes Heimspiel lief dann nicht gut (0:0 gegen Bielefeld) und gerade Kuranyi wurde von den eigenen Fans ausgepfiffen. Das fand ich dann lächerlich, zumal das Auspfeifen der eigenen Spieler so gar nicht mein Ding ist.

Vielen Dank!
Dir und Deinem Blog alles Gute, Deinem Club selbstverständlich alles Pech der Welt, vor allem Sonntag. Glück auf.




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Mal auswärts die Welle machen

„La Ola“, die Welle, schwappte einst durch ein mexikanisches Tennisstadion. Boris Becker und die Vergessenen hatten dort im Davis-Cup anzutreten, und diese Stimmung war etwas Besonderes. Wenn diese Welle heutzutage durch Fußballstadien rollt, mag das der Stimmung von ansonsten gelangweilten Sitzplatzbesetzern zuträglich sein. Wer interessiert und gespannt ein Spiel verfolgt, wer wert auf spielbezogene Emotionen legt, der hat eigentlich keinen Bedarf für solche Hampelei im Halbminutentakt.

Trotzdem ist der Ausdruck „La Ola“ natürlich positiv besetzt, kombiniert mir Deutschlandfarben erinnert er an den Sommer 2006, an gute Laune, Spaß – und eben Fußball. So präsentiert sich mylaola.de, die „Community für Fussball-Fans und Profispieler“, bei der Schalke 04 in der Rangliste der beliebtesten Vereine den ersten Platz belegt! Dort wurden nun „Schalke-Wochen“ ausgerufen, es wurde ein Exklusiv-Interview mit Manuel Neuer angekündigt und gleich zu Beginn wurde ein Interview mit … nunja, mir … veröffentlicht.

Dabei ging es natürlich um Schalke 04, aber auch um dieses Blog. Das Interview erschien in der Reihe „Fussi-Blog des Monats“, in der bereits schöne Interviews mit Trainer Baade und Jens Peters von Catenaccio geführt wurden.

Hat viel Spaß gemacht!
Zu meinem Auswärtsspiel: Bitte hier entlang …

Die Anderen hören, mich lesen

Guten Morgen!
Samstag, Fußball, Schalker Heimspiel gegen Freiburg.

Gibt’s ein Blog zum SC Freiburg? Gibt’s ein Forum? Was ist ein Blog?
Tatsächlich bietet die offizielle Seite des SC Freiburg kein Forum, aber es gibt eine andere interessante Seite, eine – Zitat – „unabhängige Fanseite über den SC Freiburg“, nämlich http://scfreiburg1904.de.
Es ist kein Blog aber es bietet ein Forum, und auch was die Quantität und Qualität der Texte angeht ist diese Seite der offiziellen Clubseite überlegen. Paul, einer der Betreiber dieser Seite schrieb mich letzte Woche an, ob ich zu einem Kurzinterview zur Verfügung stehen würde. Gerne mache ich sowas, also gibt es heute ein bisschen was von meiner Meinung zu den Dingen ebendort zu lesen.

Frischen Hörstoff produzieren seit neustem einige Bloggerkollegen.
Der werte Probek, Bayern-Fan aber trotzdem erfrischend in Ordnung, kam auf die Idee, schuf ein Forum und ist bis heute eine treibende Kraft. Als erklärter Podcast-Fan fühlte ich mich auch angesprochen, habe mich im Forum gelegentlich beteiligt, musste aber feststellen, dass mein Zeitkontingent für solcherlei Dinge mit dem Schreiben fürs Königsblog weitestgehend erschöpft ist. Leider kam ich kaum noch nach, die Diskussionen um die Entwicklung dieses Podcasts zu verfolgen, geschweige denn mich weiter einzubringen. Was ich wirklich bedauere.

Mittlerweile gibt’s das dritte Hörstück. Weiter eine „Testausgabe“ wie Probek es nennt, aufbereitet und geschnitten von dogfood aber auch für Non-Freaks sehr hörbar. Und weiterhin unter dem unsäglichen Namen „Ballpod“. Aber auf die Inhalte kommt es an.


Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


(58:02 Min)
mp3-Datei

Auch mein Blog wieder im Heft zum Heft oder Das 11 Freunde-Stöckchen

„Ein passender Spitzname für Deinen Klub?“ empfand ich als die bekloppteste Frage, von den Zwölfen, die ich vor der letzten Saison für die Saisonbeilage zur 11 Freunde-Augustausgabe zu Beantworten mich mühte. Auf wessen Mist diese Frage denn gewachsen sei, fragte ich per Mail. Mumpitz sei Chefsache, bekam ich zur Antwort.

Dieses Jahr kam die Anfrage direkt von Philipp Köster. 16 zu vervollständigende Pünktchensätze, eine Frage. Hier meine Antworten. Zu dem was war und dem was kommt, zu Kahn und Daum, über Monica Lierhaus und sonstiges vorhergesehenes Unvorhersehbares. Da gedruckt, hier für lau.

Das Sommerloch habe ich überstanden, mit Hilfe von …
Sex, Drogen und EM.

Meine größte Hoffnung für die kommende Saison ist …
natürlich, dass Schalke Deutscher Meister wird.

Den ersten Spieltag verfolge ich in …
Gelsenkirchen oder der Kneipe meines Vertrauens. Je nach Spielplan.

Meister wird nicht Bayern, weil …
Ribery, Toni und Podolski bis zum Transferschluß längst bei Hoffenheim angeheuert haben.

Sicherer Absteiger in die 2. Liga ist …
Der FC aus Köln. Tief im Inneren wollen die es auch nicht anders.

Die Liga wird überrascht von …
Jorge, Javier, José oder wie die ganzen Klinsmann-Trainer heißen.

Der schönste Augenblick der vergangenen Spielzeit war …
als Manuel Neuer in Porto als Held auf dem Zaun stand.

Und der schlimmste …
schlich durch die gesamte Saison und offenbarte sich immer dann, wenn grottenschlechter Fußball als „aber erfolgreich“ verkauft wurde.

Die aktuelle Saison läuft deutlich besser als die letzte weil …
sich Königblau seiner erfolgreichen, niederländischen Phase erinnert.

Mein Angstgegner ist …
Peter Peters, der das Mitglieder-Kartenlimit sicher noch auf 1 reduziert.

Auf die Auswärtsfahrt nach …
Dortmund wird geschissen.

Tod und Hass (zumindest aber Abneigung) dem …
*möööp! Suggestivfrage.

Premiere, Sportschau oder Stadion?
Stadion. Aber Monika Lierhaus darf trotzdem gerne vorbei kommen.

Christoph Daum outet sich in der Winterpause als …
fairer Verlierer. Dauerhaft verbiestert ginge auch nicht, sagt er, und niest.

Oliver Kahn macht Schlagzeilen, weil er …
nach 2 Monaten abgemagert mit 2 Eimern Wasser auf dem Bayern-Clubhaus aufgefunden wird. Ribery parkte derweil in der neuen Tiefgarage.

Folgendes Talent meines Klubs kommt ganz groß raus …
Carlos Augusto Zambrano Ochandarte

Dass die TSG Hoffenheim aufgestiegen ist, finde ich …
noch nicht so schlimm. Dass sie allerdings die nächsten 15 Jahre Deutschland in der Champions League repräsentieren werden, finde ich nicht so sympathisch.