Artikel zum Schlagwort ‘FSV Mainz 05’

Die Blauen empfangen Mainz 05

Saison 2017/2018, 9. Spieltag: Schalke 04 – Mainz 05
 
In meinem letzten Beitrag habe ich dargestellt, warum im königsblog derzeit so wenig los ist, und dass es auch nicht mehr werden wird, wie es zuvor mal war. In den Kommentaren und auch abseits des Blogs wurde ich darauf angesprochen, ob es nicht möglich sein, zumindest zu jedem Spiel einen Beitrag zu veröffentlichen, damit darunter die Diskussionen geführt werden können, die hier schon immer geführt wurden. Ja, das probiere ich mal aus.

Vielleicht gibt es hier oben häufiger einen Part „Vor dem Spiel“, so wie heute. Vielleicht gibt es auch mal einen Part „Nach dem Spiel“, wenn ich was loswerden will, es aber nicht zu einem ausgewachsenen Beitrag taugt. Möglicherweise bleibt das hier oben aber auch mal gänzlich leer.

Das königsblog war noch nie eine Ein-Mann-Veranstaltung, es lebte immer von der Interaktion zwischen Lesern, Kommentatoren und mir, und die Diskussionen unter meinen Beiträgen waren ein wichtiger Teil. Umgekehrt denke ich, dass meine Beiträge immer wichtig dafür waren, einen gewissen Ton vorzugeben und indirekt eine gewisse Sachlichkeit einzufordern. Wenn meine Texte fehlen sind die Kommentare eben keine Kommentare zu irgendwas von mir mehr, sondern wie Forum-Beiträge. Und mein Bloggen begann vor 10 Jahren auch deshalb, weil ich mit Foren unzufrieden war, weil ich Blogs als die bessere Form angesehen habe. Deshalb bin ich mir noch nicht so sicher, ob diese neue Form der „Spieltagsbegleitung“ so funktioniert, wie ich es mir gerade vorstelle. Aber ma’kucken.


Vor dem Spiel

Nun also Mainz, Abendspiel, Freitagspiel. Bis zur letzten Saison haben solche Spiele via Sky regelmäßig eine halbe Millionen Menschen verfolgt. Nun braucht es dazu ein Eurosport Abo. Eurosport veröffentlichte bislang keine „Einschaltquoten“. Immerhin funktioniert es mittlerweile. Nach viel Tullus um technische Probleme hatte ich das Freitagspiel der Blauen gegen Leverkusen problemlos über diesen Player verfolgen können. Wer hingegen nicht live dabei sein kann, will oder braucht, hat die Möglichkeit, das Spiel im Nachhinein bei s04.tv zu schauen. Das wird gerade in dieser Woche bestimmt ein großes Vergnügen, wird doch Bloggerkumpel Karsten Jahn, Betreiber des Schalker Taktikblogs Halbfeldflanke, als Co-Kommentator an der Seite Jörg Seveneicks sitzen.

Für Schalke ist dies wieder mal eins dieser „Schwellenspiele“. Die Bilanz nach 8 Spieltagen ist mit 4 Siegen, 3 Niederlange und einem Unentschieden nur knapp positiv. Das recht aktuell noch, um in der Tabelle auf einem Europapokalplatz geführt zu werden. Natürlich wird nach 9 Spielen nichts verteilt, aber sich dauerhaft auf diesen Platzen zu bewegen ist wichtig für ein positives Gefühl bezüglich der sportlichen Gesamtlage. Und gerade auf Schalke ist das Gefühl wichtig, weil Stimmungen auf und um das Berger Feld immer wieder flott vom großen Medieninteresse gespiegelt werden.
 
 
Update Donnerstag, 14 Uhr

Die PK ist online …

 
 
Update Freitag, 7 Uhr

Zur Überbrückung der Zeit bis zum Anstoß habe ich noch was für Eure Ohren: Für meinsportradio.de habe ich mich mit Kevin Scheuren über Schalke 04 im Allgemeinen und das Spiel gegen Mainz 05 im Besonderen unterhalten. Eine knappe Viertelstunde .. dort oder gleicht hier:

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(14:27 Min)
Download / Webseite

 

Verdienter Sieg gegen Mainz sorgt für Zuversicht

Schalke bleibt auch im fünften Spiel in Folge ungeschlagen, besiegt Mainz 05 verdient mit 3:0. Ein Sieg Markus Weinzierls, dessen veränderte Formation funktionierte und dafür sorgte, dass Mainz nie wirklich ins Spiel kam.

In Krasnodar agierte Max Meyer hinter dem Stoßstürmer. Gegen Mainz 05 stand Leon Goretzka wieder zur Verfügung. Ihn auf die Bank zu setzen war keine Option, dafür ist er beim Bällegewinnen zu wichtig. Mit Ball ist aber Max Meyer ein Gewinn für diese Mannschaft. Also änderte Markus Weinzierl das System.

Leon Goretzka bilde die Spitze einer Mittelfeld-Triangel mit Nabil Bentaleb und Johannes Geis. Die Außenbahnen wurden von Sead Kolasinac und Alessandro Schöpf beackert, die unter Druck zu Außenverteidigern an den Flanken einer 3er-Abwehrkette mit Benni Höwedes, Naldo und Matija Nastasic wurden, mit Ball aber als Flügelstürmer bis zur gegnerischen Grundlinie agierten. Vor Goretzka agierte Max Meyer neben Franco Di Santo, wobei sich Meyer flexibel auch mal zurückfallen ließ oder auf Außen auswich.

Der Schlüssel zum Erfolg war die starke Laufarbeit von Kolasinac und Schöpf. Man hatte nie den Eindruck, dass auf den Flügeln ein Mann fehlen würde. Beiden gelang es, im Zusammenspiel mit Bentaleb und Geis Druck zu erzeugen, wenn der Gegner über die Außen kommen wollte, ohne dass dieser in den freien Raum hinter sie hätte spielen können. Im Zentrum hatte Schalke mit Goretzka, Bentaleb und Geis in der Regel alles im Griff. Und im Spiel nach vorne profitierten sowohl Max Meyer, als auch Franco di Santo von der Nähe des anderen, von der einen, nahen Anspielstation mehr, im Vergleich zu den Systemen mit einem Stoßstürmer.

Am achten Spieltag war dies war das erste Ligaspiel, das Schalke über 90 Minuten im Griff hatte. Meines Erachtens hätte Schalke in der ersten Hälfte mehr aus seinen Feldvorteilen machen müssen, als dass ich das Offensivspiel gut hätte nennen wollen. Aber mit dem frühen Treffer in der zweiten Halbzeit war das Ding dann flott durch und jegliche Diskussion darum obsolet.

Innerhalb des Systems gelang es diesmal auch Franco Di Santo, auf sich aufmerksam zu machen. Zwei Treffer bereitete er vor, vor allem aber lief er viel, zeigte vorbildlichen Einsatz. Im Vergleich zu Klaas-Jan Huntelaar ist Franco di Santo der „emboloigere“ Spieler. Plötzlich und unerwartet scheint es so, als könne der bislang als Fehleinkauf angesehene Stürmer vielleicht doch noch eine Rolle für sich im neuen Team des S04 finden.

Vor der so wichtigen Woche mit dem Pokalspiel in Nürnberg und dem Derby in Dortmund sorgt Schalke auf dem Platz für Zuversicht.

Schneckenrennen

Seit der Winterpause spielte die Konkurrenz wiederholt „für Schalke“. Wiederholt wussten die Blauen das nicht zu nutzen, ließen Punkte liegen, die sie gegen die gleichen Gegner in der Hinrunde noch gewannen. Dennoch liegt Schalke weiterhin nur einen Punkt hinter Platz 4. Ein „Schneckenrennen“ sei das, ist immer wieder zu hören und zu lesen. Ein Ausdruck, der darauf schließen lässt, dass viele Clubs hinter ihren Erwartungen zurückbleiben.

Nun lassen sich Erwartungen schlecht vergleichen, Punktestände aber schon. Also habe ich mal die Punktestände der Tabellenplätze 3 bis 8 nach dem 26. Spieltag mit denen der letzten sechs Jahre verglichen:

Demnach sind Schalkes 41 Punkte nach 26 Spieltagen ein sehr normaler Wert für den auf Platz 5 geführten Club. Auch die 40 Punkte des FSV Mainz 05 liegen exakt auf dem Durchschnitt aller Sechstplazierten, die Punktekonten Leverkusens und Wolfsburgs sind ebenfalls ziemlich „normal“.

Die Punktestände der Clubs auf Platz 3 und 4 liegen allerdings tatsächlich unter dem Durchschnitt. Letztlich ist es das, was das Gefühl des Schneckenrennens auslöst: Nicht etwa, dass alle „herumschnecken“ würden, aber vorne setzt sich im Kampf um Platz 3 und 4 niemand so recht ab. Bezogen auf den Kampf um Platz 4 gab es so wenig „Favoritentum“ zuletzt 2013. Damals reichte Schalke unter Jens Keller am Ende 55 Punkte zur Qualifikation zur CL-Qualifikationsrunde, ein Wert der geringer nie war, seit sich im Jahr 2000 der TSV 1860 München mit nur 53 für die „Königsklasse“ empfahl.

Zum Vergleich, hier noch die Punktestände der Tabellenplätze 3 bis 8 der letzten sechs Jahr nach Saisonschluss:

Der Don aus Mainz

Christian Heidel wird auf Schalke Vorstand für Sport und Kommunikation und damit wichtigster Mann für den Teil des Profigeschäfts, der einen Typen wie mich am meisten interessiert. Da gilt es für mich, sich auch für diesen neuen Typen zu interessieren. Im Netz ist ein Interview mit ihm zu seinem Werdegang zu finden. Darin erklärt Christian Heidel unter anderem wie es dazu kam, dass ihn Fans des FSV den „Don“ nennen, und dass er nie Autoverkäufer war.

In dem Buch „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“ ist Christian Heidel ein Kapitel gewidmet. Anders formuliert ist er einer der Gründe. Grund 44 um genau zu sein. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die Reihenfolge festgelegt wurde. Aber der Text ist schön und hilft weiter, sich ein Bild von dem Mann zu machen, der als Fan zu diesem Club kam und einer der besten Manager der Liga wurde. Mit freundlicher Genehmigung der Autoren Mara Braun und Christian Karn darf ich ihn hier wiedergeben.
 
 
Grund 44: Weil Christian Heidel der einzig wahre Don* ist

Anfang 1990 meldet sich ein Amateurkicker und Autohaus-Geschäftsführer beim damaligen Oberligisten Mainz 05 und will alle Eintrittskarten für ein Fußballspiel erwerben. Der 27-jährige Christian Heidel zahlt dafür 15.000 Mark, er macht die Partie gegen den FSV Saarwellingen zu einem Volksfest, verlost unter den 4.430 Zuschauern einen Neuwagen gehobener Klasse – und bleibt irgendwie bei dem Verein hängen, dessen Fan er ohnehin seit Kindertagen ist. Das Autohaus gibt es längst nicht mehr, die Beziehung zwischen Christan Heidel und Mainz 05 aber, die wird ewig halten.

So genau kann Heidel es selbst nicht nachvollziehen, wie er sukzessive Manager eines Profiklubs geworden ist. Irgendwann hat er eben Verantwortung bei Mainz 05 bekommen, dann eine feste Rolle. Plötzlich riefen die Zeitungen ihn an, wenn sie etwas wissen wollten. Im Herbst 1991 wurde Heidel auf einmal zur Managertagung der Liga eingeladen. Erst seit wenigen Jahren aber lässt er sich für seine Arbeit bezahlen: Groß gemacht hat Christian Heidel uns als ehrenamtlicher Manager.

Und weil ehrenamtlich gleich unprofessionell ist – zumindest glauben das genügend Leute – wird Heidel außerhalb der Sichtweite des Doms gern mal nicht besonders ernst genommen. Es gibt dümmere Ideen, als den Mann nicht ernst zu nehmen. Mit Schwimmflügeln ins Säurebecken springen oder über dem Pazifik aus dem Flieger aussteigen sind zwei, die uns spontan einfallen. Viele, die Christian Heidel über den Tisch ziehen wollten, sind selbst darunter gelandet.

Der Eindruck aus dem Fernsehen, wenn Heidel in der Halbzeit der Ligaübertragung ein bisschen hemdsärmelig, leicht schnodderig, fernab hochdeutscher Schriftsprache ins Mikrofon plaudert und dem wunderbaren Wort „annersder“ den soundsovielten Frühling beschert, der täuscht: Heidel kennt jede Spielordnung, jede Satzung, jeden Paragraphen. Statuten auswendig zu lernen, das macht dem Mann Spaß!

Seine Transferverträge sind ein für Unbedarfte undurchdringliches Dickicht aus Zusatzvereinbarungen zu Partizipation bei Weiterverkauf und Boni bei sportlichem Erfolg, seine Deals sind in ihrer Komplexität allerhöchstens gleichzusetzen mit den Trainingsübungen von Zeljko Buvac mit sieben Stationen, drei Toren und fünf Bällen auf einmal. So kommt es, dass auch Jahre nach einem Spielerverkauf immer wieder das eine oder andere Extramilliönchen auf unser Konto tröpfelt, dass Mainz 05 auch noch den schlimmsten Fehleinkauf (Hanno Balitsch oder Edu, da streiten sich die Gelehrten) mit Gewinn wieder los wird und dass unser Verein in den letzten 20 Jahren immer gesünder, stabiler und reicher geworden ist.

Im Sommer 1995 war in einer Zeitung zu lesen, wir könnten uns nicht mal einen Amateur aus der Regionalliga leisten. Im Transfersommer 2013 leisten wir uns eine siebenstellige Ablöse nach der anderen – und müssen dafür noch immer keinen Investor oder Vermarkter anpumpen. Wir wissen, wem wir das zu verdanken haben. Und wir werden weiterhin jeden auslachen, der damit anfängt, dass der Heidel ja schon sein Autohaus in die Pleite… blablabla.



* „Don Heiteli“:
Die Anrede in einem Fax aus Ecuador, anlässlich des möglichen Transfers von Walter Ayoví – der „Don“ ist hängengeblieben

Christian Heidel folgt auf Horst Heldt

Christian Heidel übernimmt ab Sommer Horst Heldts Job und wird auf Schalke Vorstand für die Bereiche Sport und Kommunikation. Dies wurde offiziell, nachdem sich Christian Heidel selbst dem Schalker Aufsichtsrat vorstellte und sich das zehnköpfige Gremium, mit 8 Stimmen bei 2 Enthaltungen, für eine Zusammenarbeit mit dem bisherigen Manager des FSV Mainz 05 aussprach. In den letzten Wochen war in Zeitungen zu lesen, Heidel solle dem Schalker Vorstand als Chef vorstehen. Davon ist nun keine Rede mehr. Neben Christian Heidel wird auch Teammanager Axel Schuster aus Mainz aufs Berger Feld wechseln.

Ich begrüße diesen Wechsel. Wer hier regelmäßig mitliest weiß, dass ich Horst Heldt in einigen Punkten kritisch gegenüberstehe. Nicht generell und erst recht nicht persönlich. In den Social Networks ist man flott als „Hater“ verschrien, wenn man eine klare Meinung vertritt.

Horst Heldt hat sich in den Jahren auf Schalke vollkommen mit seiner Aufgabe identifiziert. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die „Knappenschmiede“ zur Marke wurde und dass heute die Verzahnung von Jugend- und Profiabteilung auf Schalke so gut funktioniert wie bei keinem anderen Bundesligaclub. Außerdem hat es Respekt verdient, wie souverän Horst Heldt jetzt mit dieser für ihn persönlich schwierigen Lage umgeht, seit Bekanntwerden des Schalker Interesses an Christian Heidel.

Aber Horst Heldt hat keine Linie. Er sagt dies und tut jenes. Oder er sagt dies und übermorgen das Gegenteil. Er lässt sich immer wieder von Umständen treiben. Man kann seinen Worten keinen Glauben schenken. Einem Basta folgt ein Nachgeben. Er gibt vor wie es gehen soll, scheitert dann aber daran es umzusetzen. Dies zieht sich durch seine ganze Zeit auf Schalke, ob im Umgang mit Trainern, im Umgang mit Spielern oder bei Aussagen gegenüber der Presse.

Gerade bezüglich der Glaubwürdigkeit hoffe ich auf Besserung mit Christian Heidel. Dieser zeigte sich als Manager des FSV Mainz schon so manches Mal „störrisch“, etwa im Fall des wechselwilligen Thomas Tuchel. Als Heidel sagte, Tuchel werde bis zum Ablauf seines Vertrags bei Mainz 05 keinen anderen Job annehmen, war das „Basta“ bereits impliziert, und man hatte gleich das Gefühl, dass es daran nichts zu rütteln gäbe.

Christian Heidel ist in Mainz geboren und hat nun 24 Jahre für den gleichen Club gearbeitet. Manch einer führt das als Kritik an. Es bliebe abzuwarten, ob er sich umstellen, ob er auch auf Schalke erfolgreich sein könne. Selbstverständlich. Aber welche Kriterien führt man an, wenn man einen neuen Manager sucht?
Christian Heidel war in Mainz überaus erfolgreich. Als er beim FSV anfing, spielte der Club gerade in der zweiten Liga vor 4.000 Zuschauern. Aktuell konkurriert er mit Schalke, man hat ein neues Stadion gebaut und die vielleicht beiden besten deutschen Trainer auf die Fußballbühne gehoben. Sein Denkmal hat sich Heidel mit dem Status Quo in Mainz längst verdient. Dass er nun wechselt, dass er diese Herausforderung annimmt, diesen nicht ganz einfach zu führenden blau-weißen Fußballclub führen zu wollen, ist auch ein Statement.

Ich bin gespannt.

Den Text zu dem nach der Aufsichtratssitzung erfolgten Bundesligaspiel gibt’s übrigens hier:
Glücklicher Punktgewinn gegen Stuttgart.



Foto: Fuguito

Von halbschlecht bis trostlos: S04 verliert verdient

Nach zwei Siegen verliert Schalke in Mainz vollkommen verdient 1:2. Vor allem die zweite Halbzeit war schlecht und die Gegentreffer waren aus der Kategorie „So albern, da musse Dich nich wundern wennze verliers“.

Es ist ein Fanreflex, vermutlich ist es nicht mal nur auf Schalke so. Nach jeder Niederlage liest man irgendwo, die Mannschaft würde sich nicht entwickeln, man trete auf der Stelle. Ich finde das ist nicht richtig. Gerade im Spiel gegen Mainz fiel auf, wie gut die Blauen mittlerweile aus der Abwehr herauskombinieren. Mainz versuchte hoch zu verteidigen aber Schalke zeigte sich weitestgehend pressingresistent. In der Offensive suchen Max Meyer und Leon Goretzka stets nach der Möglichkeit, die Bälle in die Schnittstellen, auf kreuzende Spieler zu passen, vorzugsweise auf Leroy Sané. Ist es im Zentrum zu eng, versucht Schalke häufig die Abwehrreihe mit Pässe auf Außen und darauf folgende, scharfe Hereingaben in den Rückraum auseinanderzuziehen. Da sind sehr wohl ein Plan und eine Entwicklung zu erkennen.

Trotzdem gibt es Phasen, in denen das Vorhaben nicht aufgeht. Wie in der zweiten Halbzeit gegen Bremen sah man auch in der zweiten Halbzeit gegen Mainz, dass Schalkes Spiel nicht mehr griff weil der Gegner sich zur Halbzeit gut darauf eingestellt hat. Trotzdem konnte Schalke nichts Neues auf den Platz bringen, konnte sein Spiel nicht verändern. Das Offensivspiel „lief aus“.

Die erste Hälfte war okay, das schnelle Tor nach der Pause überraschte nicht nur den Gegner, aber danach wurde diese zweite Halbzeit trostlos. Letztlich war ich erstaunt, mit wie wenigen Emotionen ich dies verfolgte. Gerade hatte ich noch gesehen, wie plötzlich Schalke zu einem Tor kam, und doch hatte ich im Laufe der zweiten Halbzeit nie mehr das Gefühl, dass dies nochmal gelingen könnte. Zu gut war Mainz defensiv, zu langsam, zu uninspiriert, zu unpräzise war Schalke 04. Und ja, Leroy Sané hatte keinen guten Tag, und Johannes Geis auch nicht – aber nachdem mit diesen beiden auch noch der, dem ich am ehesten die eine Einzelaktion zutraute, und der, der zuletzt einen Freistoß reinhaute, ausgewechselt waren, mochte ich eigentlich ausschalten.

Weniger emotionslos war ich bei den Gegentoren. Es ist mir egal, ob da Spieler den Ball glücklich treffen oder ob da einer ein Tor erzielt, obwohl er noch nie eins erzielte. Ich mag dieses Schalker „Das Schicksal ist gegen uns“ aka „Wir haben immer besonders viel Pech“-Gefühl nicht. Nein, es ist kein Pech, dass Spieler den Ball glücklich treffen, es ist einfach schlecht, wenn an dieser Stelle überhaupt ein Gegner derart frei zu Abschluss kommt. Und es ist leider üblich. Schalke verteidigt Flanken schlecht. Egal ob nach Ecken oder aus dem Spiel heraus, egal ob hohe Bälle oder flache Hereingaben. Kommt der Ball von außen parallel zur Grundlinie vors Tor, passt immer wieder die Abstimmung nicht, kommen immer wieder Gegner frei an den Ball.

Aber nun ja. Vielleicht verbessert sich das ja auch mal, demnächst. So wie das Spiel aus der Abwehr heraus. Ma‘kucken.



Tomek Bo

Happy Weekend (2)

Ich kann es nicht genau in Tagen beziffern, aber klar ist natürlich, dass da nun irgendwann
„in Kürze“ Klarheit rein muss. Aber bitte halten Sie sich jetzt nicht an der nächsten Woche fest.

Der 21. Spieltag der 53. Bundesligasaison schickt den FC Schalke 04 zum 1. FSV Mainz 05. Eben dorthin, wo Christian Heidel Vorstandsmitglied und Manager ist. Der Mann, der sich angeblich bereits dazu entschieden hat, demnächst Schalke 04 zu führen, mit dem Schalke angeblich bereits einen Vertrag ausgehandelt hat. Natürlich ist dies das Top-Thema in der Vorabberichterstattung. Solch eine Konstellation ist schließlich eher selten.

Die Protagonisten gehen ziemlich souverän damit um, auf allen Seiten. Horst Heldt konnte just zur Pressekonferenz zu diesem Spiel mit der Verlängerung des Vertrags Benedikt Höwedes‘ ein weiteres Ergebnis seiner Arbeit vorweisen. Schalkes Manager vermittelte auf Nachfrage einmal mehr glaubhaft, dass er seinen Job mache, dass er ihn gut machen will, dass ihn das Thema begleite, er es aber nicht an sich ranlasse.

Wie Horst Heldt sagte auch Christian Heidel auf der Pressekonferenz seines Clubs, dass es noch keine Entscheidung gäbe, dass, wenn es so weit wäre, er, oder Mainz 05, oder Schalke 04, dies verkünden würden. Zuvor hatte Heidel in einem Interview gesagt, dass es „in Kürze“ eine Entscheidung geben würde. Darauf angesprochen antwortete er wie oben zitiert.

In Kombination mit wiederholten Bemerkungen, dass er immer wieder zu Dingen befragt werde, die bei Schalke 04 lägen, provoziert das in mir die Interpretation, dass sich Christian Heidel selbst Klarheit wünscht, dass es nicht an ihm liegt, dass er auf die Gremien wartet – eher noch auf die in Gelsenkirchen als die in Mainz. Aber wie gesagt, das ist nur meine Interpretation.
 
 
Gegen Mainz, auf’m Platz

André Breitenreiter hat in allen drei Partien in 2016 die gleiche Startformation aufgestellt. Auf Nachfrage ließ er durchblicken, dass er dies auch gegen Mainz gerne so halten würde, des Einspielens, der Mechanismen wegen. Da nun allerdings Eric Maxim Choupo-Moting angeschlagen ist und eventuell ausfällt, könnte es doch noch Bewegung im Kader geben. Alessandro Schöpf machte in seinen kurzen Auftritten bislang einen tollen Eindruck. Ihn für einen ausfallenden Choupo-Moting auf den Platz zu schicken wäre sicherlich die erste Idee, die einem Fan einfiele. André Breitenreiter managt die Einsatzzeiten neuer und junger Spieler aber eher behutsam. Ma’kucken.

Mainz 05 spielte in dieser Rückrunde bislang minimalistisch und findet das super; der Trainer jedenfalls. Das erste Spiel in diesem Jahr verlor man gegen Ingolstadt durch einen Handelfmeter mit 0:1. Daheim gegen Gladbach und in Hannover gewann man jeweils 1:0. Trainer Martin Schmidt kündigte an, die Defensive noch mehr in den Fokus rücken zu wollen, die Defensive müsse das Prunkstück werden.

Da auch Schalke gerade dabei ist, das Umschalten in die Defensive besser hinzubekommen als noch in der Hinrunde, muss man kein Hellseher sein um zu prognostizieren: Ein offener Schlagabtausch wird dieser Kick nicht werden.
 
 
Daten und Drumherum

Die heutige Partie ist Schalkes viertes Freitagspiel in dieser Saison. Die beiden letzten waren Heimspiele, beide konnten gewonnen werden. Das einzige Freitag-Auswärtsspiel verlor Schalke, am 3. Spieltag in Wolfsburg.

Laut Google wird es heute Abend kalt sein, in Mainz, 3° C. Niederschlag soll es allerdings keinen geben. Schalke wird komplett in Blau antreten, da Mainz zu den roten Trikots weiße Hosen trägt.

Das Spiel war gestern noch nicht ausverkauft, bislang wurden rund 30.000 Tickets für die 34.034 Plätze fassende Arena verkauft. Es sind noch sowohl Stehplatz- als auch Sitzplatz-Karten zu haben. Die Steher sind den Mainz-Fans vorbehalten.

Es spricht einiges dafür, dass bei Mainz Christian Clemens und Danny Latza in der Startformation stehen werden. Christian Clemens ist bis Saisonende von Schalke an Mainz ausgeliehen. Der kicker schrieb, Mainz habe eine Kaufoption für 3 Mio Euro. Aktuell hat Clemens in Mainz die Rechtsaußen-Position für sich gewonnen. Danny Latza ist in Gelsenkirchen geboren, kam mit 9 Jahren zu den Blauen und durchlief die komplette Knappenschmiede. Unter Fred Rutten kam er 2009 für Schalke in Bochum zu seinem ersten Bundesligaeinsatz. Es klappte nicht so recht, nach drei Einsätzen musste er zurück in die Regionalligamannschaft. Also wechselte er nach Darmstadt in die 3. Liga. Von dort ging es zum VfL Bochum in die 2. Liga, ehe er vor dieser Saison nach Mainz wechselte und nun, im Alter von 26 Jahren, endlich zum Erstligaspieler wurde. Sein Kämpfen hat sich gelohnt.

Schiedrichter der Partie wird Manuel Gräfe sein, viel mehr Erfahrung geht kaum. Gräfe hat in dieser Saison noch keine Rote und keine Gelb-Rote Karte zeigen müssen. Im Schnitt kam er auch mit den wenigsten Gelben Karten aller Bundesligaschiedsrichter aus (2,5 pro Spiel). Die meisten Gelben Karten zeigte er in dieser Saison allerdings ausgerechnet bei einem Spiel der Blauen. Beim glücklichen 1:0 Sieg in Stuttgart bekamen jeweils drei Stuttgarter und drei Schalker von ihm eine Verwarnung.

Heute hat Walter Badorek Geburtstag, Schalker Abwehrspieler von 1928 bis 1937. Am Sonntag hat Hellmuth Gabriel seinen Ehrentag, ebenfalls Abwehrspieler der Blauen, von 1939 bis 1941.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes Regionalliga-Team bestreitet heute Abend sein erstes Pflichtspiel in diesem Jahr. Um 19:30 Uhr tritt man im Grenzlandstadion in Mönchengladbach gegen die zweite Mannschaft der Borussia an.

Die U19 und die U17 halten hingegen „Fortuna-Sonntag“. Norbert Elgerts A-Jugend empfängt Fortuna Düsseldorf, am Sonntag um 11 Uhr, auf der Sportanlage der Gesamtschule Ückendorf. Die B-Jugend um Trainer Frank Fahrenhorst ist zeitgleich Gast der Fortuna am Flinger Broich in Düsseldorf.
 
 
Und sonst?

Ansonsten ist mir bei Klaas Reese das folgende Filmchen untergekommen. Dreieinhalb Minuten Freundlichkeit. Schön!

Schönet Wochenende, bis Montach.