Widdewiddewitt und Drei macht Neune

30. Dezember 2008, Torsten Wieland

Stichwörter:

Marcio Rafael Ferreira de Souza a.k.a. Rafinha darf nicht mehr gut gefunden werden. Der ist fies, schlägt um sich, hört des Nachts laute Musik, zeigt Stinkefinger und fährt besoffen Hummer. Wenn man allerdings seine sportliche Leistung beurteilt, und wenn man die Bildzeitung mal aus der Hand legt, kann man sagen, dass er mit Sicherheit der wertvollste Spieler im Kader des FC Schalke 04 ist, der einzige, der auch bei einem europäischen Spitzenclub die Füße auf den Boden kriegen würde.

Und da es beim Fachmagazin kicker doch eigentlich um Fußball geht, kann es schon ein wenig verwundern, das Rafinha im kicker’schen Ranking der besten defensiven Außenbahnspieler nicht neben Philipp Lahm geführt wird, dass er auch nicht auf Platz 2, oder irgendwo zwischen Christian Fuchs und Sascha Riether auftaucht, dass der kicker Rafinha nicht mal für die Kategorie „Blickfeld“ als gut genug erachtet. Aber im kicker geht nun mal alles nach Noten, da wird gleich nach dem Spiel bewertet und das ganze später zur Liste generiert, da ist alles nachvollziehbar.

Im Falle Rafinhas leidet der Notenschnitt beispielsweise unter der Note 5, die er am 4. Spieltag erhielt. Hätte er dereinst die Note 3 bekommen, er hätte wohl im Ranking auf Platz 4 hinter Michal Kadlec einsortiert werden müssen. Am 4. Spieltag spielte Schalke in Dortmund.

Wenn man nun aus Erfahrung weiß, dass ein erzieltes Tor die kicker-Bewertung in der Regel um eine Note verbessert – Rafinha erzielte in der 39. Minute das 2. Schalker Tor – und sich erinnert, dass es nicht an irgendwelchen groben Fehlern Rafinhas lag, dass das Spiel aus Schalker Sicht noch zum Desaster wurde, kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass der kicker Rafinha auf Grund einer Szene in der 27. Minute eine 6 verpassen wollte. Eben die Szene, in der er Nelson Valdez mit der Hand durchs Gesicht wischte. Eine Unsportlichkeit, welche Schiedsrichter Wagner nur mit Gelb ahndete, wodurch sich der kicker bemüßigt fühlte, wenigstens durch die entsprechende Benotung im Rahmen seiner Möglichkeiten für „Strafe“ zu sorgen.

Obwohl er doch genau so was in dieser Saison nicht mehr tun wollte.
Eine eigene, eine manchmal fremde Welt, die „kicker-Fainess“.

Fußballrealitäten

15. Dezember 2008, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

Koller kommt bei einem Großteil der Fans nicht gut an. Dem stets etwas distanziert wirkenden Trainer wird Mangel an Volksnähe vorgeworfen.
Bei einer emotionalen Diskussion mit den Anhängern vor zwei Wochen wurde dem modebewussten 48-Jährigen nahe gelegt, zukünftig bei Spielen einen Trainingsanzug zu tragen. Damit jeder sehen könne, dass er „auch wirklich arbeite“, so ein Fansprecher. Koller ließ sich jedoch nur auf einen Kompromiss ein: Er trägt nun einen Fanschal. Gebracht hat es nichts.

Ist nun die Forderung nach einem Trainigsanzug, die Tatsache, dass Herr Koller deshalb nun einen Fanschal trägt oder die Feststellung des Oliver Müller, dass es nichts gebracht hätte der größte Klopper in diesen sieben Sätzen?

In jedem Fall wird hier Fußballrealität dargestellt, sehr gut, wie ich finde. Mit Sicherheit würde man auch reichlich Schalker finden die denken, dass Kevin Kuranyi ein besserer Fußballer sein könnte, würde er sich bloß seiner modischen Gesichtsbehaarung entledigen. Und Oliver Müller würde genau hinschauen und es im nachhinein bewerten.

Großartig.

Ein Mäuschen vor der grauen Wand

7. Dezember 2008, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

An der Torwand traf Andreas Müller in einem von sechs Versuchen. Eine Trefferquote wie bei seinen Transfers, die anderen Schüsse gingen mit viel Kraft daneben oder drüber, flogen bis Uruguay.
Aber wegen des Torwandschießens habe ich das aktuelle Sportstudio nicht geschaut. Mir ging es um das Interview, Katrin Müller-Hohenstein und Andreas Müller.

Welch eine Enttäuschung. Welch eine vergebene Chance. Wenn man den richtigen Mann in der passend-prekären Situation vor sich sitzen hat muss man doch mal nachfragen, darf man sich doch nicht mit den Phrasen abspeisen lassen, die Andreas Müller seit Wochen drischt. Doch statt nachzufragen ließ Frau Müller-Hohenstein das Interview zu etwas verkommen, wogegen die Trallala-Gespräche in der bierseeligen Sonntagsrunde des DSF wie Kreuzverhöre erscheinen.

Müller sagt, dass auf Schalke nicht so sehr auf die Meisterschaft geschaut werden soll, sagt Sekunden zuvor aber, dass die Disziplin, die Fred Rutten einfordert, die paar Prozent Leistung ausmachen können, um „das Ziel zu erreichen, das sich auf Schalke jeder wünscht“.

Auf seine schwachen Transfers angesprochen wischt Müller das Thema schlicht beiseite, in dem er nach Kanzlerart entscheidet, dass sich seine Transferbilanz sehen lassen könne, auch weil unter seiner Führung Höwedes und Fährmann in den Kader gekommen seien.

Müller redet wieder davon, dass Schalke nicht soviel Geld hätte wie Bayern München, dass Schalke keine zig Millionen für neue Spieler ausgeben könne, als ob irgendein Schalke-Fan so etwas erwarten würde.

Müller spricht von einem Konzept, dass er Tönnies und Schnusenberg nun vorgestellt hätte und das er im Winter umzusetzen gedenkt. Dabei leuchten seine Augen derart, dass man vermuten kann, dass „Konzept“ für ihn etwas Neues, etwas Aufregendes ist. Frau Müller-Hohenstein hätte nach dem Konzept fragen können, hätte nach dem Unterschied zu dem, was Müller bislang trieb fragen können. Sie hätte fragen können auf welchen Positionen Müller bedarf sieht, hätte fragen können wie Müller für Spieler, die nun ein Jahr nicht in der Bundesliga zu sehen waren, Geld zu bekommen gedenkt, ob er die Mannschaft verjüngen will oder auf erfahrende Verstärkungen setzt, all diese Fragen, die sich nun mal stellen, wenn man kurz darüber nachdenkt, wie es wohl weitergehen soll auf Schalke.

Aber sie fragte solche Sachen nicht. Stattdessen führte sie ein Interview, dass jedermann ratlos zurücklässt, dass keinerlei neue Informationen beinhaltete.

Andreas Müller erzählt die gleichen Sachen wie immer und würzt dies mit der Drohung nach dem gnadenlosen Fortsetzen des Weges. Jeder Schalker, der sich nach Veränderung sehnt, muss hoffen, dass sich hinter dieser langweiligen und grauen Wand irgendwo doch noch was Revolutionäres, was Spannendes entwickelt.

Ist ja bald Weihnachten.

[Keine Empfehlung, nur als Beweis, hier der Link zum Interview]

„Ein Offensivspektakel mit Torgarantie!“

27. November 2008, Torsten Wieland

Stichwörter: ,

So wurde das heutige Spiel zwischen Schalke und Manchester City tatsächlich angekündigt, im Vorspann des ZDF – auf Grund welcher Erkenntnis oder Statistik auch immer.

Mehr kann ich zu diesem Spiel noch nicht schreiben. Ich bin derweil eingenickt und noch nicht wieder aufgewacht.

Über Verhältnismäßigkeiten aus Sicht des kicker

8. November 2008, Torsten Wieland

Stichwörter:

In Zeiten des Internets geht Nachfragen flott. Wer das nicht will soll keinen „Kontakt“ anbieten. Der kicker ließ mich schon zweimal ohne Antwort zurück. Das ist allerdings schon länger her. Diese Woche habe ich es nochmal probiert.

Hallo kicker.

Vor der Saison 2007/2008 hat sich Ihre Redaktion dazu entschieden, bei „Betrugsversuchen und groben Unsportlichkeiten“ von der Beurteilung der spielerischen Leistung abzusehen und die Note 6 zu vergeben. So stand es damals in Ihrem Heft geschrieben und es lassen sich durchaus Beispiele für Ihre Anwendung dieser Handhabung finden.

Nach dem 11. Spieltag dieser Saison vergaben Sie an Schiedsrichter Schmidt die Note 5 wegen einiger grober Fehler im Spiel Bayern München – Arminia Bielefeld. Unter anderem „erkannte (er) Riberys Schwalbe vor dem Elfmeter nicht“.

Wieso benoteten Sie gleichzeitig die Leistung des „Betrügers“ mit 2?

Dass in Fällen von Schwalben und Ähnlichem die Note 6 vergeben werden soll hatte ich mir gemerkt, weil ich damals darüber geschrieben habe. Diesmal bekam ich eine Antwort und wurde aufgeklärt, dass ich den Rückruf dieser „Aktion“ verpasst habe.

Sehr geehrter Herr Wieland,

vielen Dank für Ihre Nachricht.
Die Vergabe der Note 6 bei Schwalben wurde zu Beginn dieser Saison von der Redaktion wieder eingestellt. Diese Benotung sollte eine Saison lang als Zeichensetzung gesehen werden. Zur näheren Erläuterung sende ich Ihnen als Anlage das entsprechende Editorial von Rainer Holzschuh vom 11. August 2008.

Mit freundlichen Grüßen
Sandra Wölfel
Sekretariat Chefredaktion

Als Anlage erhielt ich die kicker-Seite mit dem entsprechendem Text von Herrn Holzschuh, in dem es unter anderem heißt: „Nachdem wir im letzten Jahr Spieler für krass unsportliches Verhalten – unabhängig von der tatsächlichen Leistung – mit einer 6 benotet hatten, kehren wir nun zur ganz normalen sportlichen Bewertung zurück.“
Was mich zu einer Nachfrage veranlasste.

Hallo Frau Wölfel.

Vielen Dank für Ihre prompte Antwort mitsamt des „Belegs“. Dieses Editorial hatte ich tatsächlich übersehen.
Aber erlauben Sie mir bitte noch eine Nachfrage. Wenn „krass unsportliches Verhalten“ in der Benotung unberücksichtigt bleibt, wie passt es dann in die intern sicherlich bestehenden Richtlinien zur Benotung, dass bei einer „Beleidigung in einem leichteren Fall“ ohne Betrugs- oder Verletzungsabsicht eine glatte 6, ohne Bewertung der sportlichen Leistung vergeben wird?

Mit freundlichen Grüßen
Torsten Wieland

Innerhalb der ersten drei Werktage seit der Nachfrage hat Frau Wölfel leider nicht geantwortet …

Kinkerlitzkes

30. Oktober 2008, Torsten Wieland

Stichwörter:

Wie geheim ist eigentlich ein Geheimgespräch, von dem kurz nach dem Stattfinden circa 300 Internetseiten berichten?



Und gibt es eine vernünftige Erklärung dafür, wieso es im kicker einerseits normale, und andererseits altersangabenüberflutete Beiträge gibt?
Da darf Heiko Westermann Fred Rutten wieder zur Verfügung stehen und Klaus Allofs „wie immer“ Klartext sprechen. An anderer Stelle entwickelt sich aber Marcel Schäfer (24) prächtig, wird er von Felix Magath (55) gelobt und hat Joachim Löw (48) sorgen, weil Philipp Lahm (25) wohl ausfällt, es für Marcell Jansen (23) knapp wird und Christian Pander (25) seine Reha gerade nicht durch Mannschaftssport unterbricht.

Eine Welt ohne Contenance

24. Oktober 2008, Torsten Wieland

Stichwörter:

Englands prominentestes Proll-Pärchen: David Beckham und seine Anziehpuppe Victoria auf dem Flughafen London Heathrow

So lautete tatsächlich eine Bildunterschrift in der „Welt Kompakt“ am gestrigen Donnerstag.

Der Beitrag war keine Glosse, er stand nicht mal in einem Teil mit dem Titel „Panorama“ oder ähnlich, in keinem Zeitungsteil, in dem ansonsten über falsche Brüste und Tierbabys berichtet wird.
Es handelte sich um einen anständigen Sportbetrag mit einem ansprechendem AP-Foto (nicht online), in dem die Nachricht des Wechsels von David Beckham zum AC Mailand verkündet wurde.

Man wird darauf achten müssen, ob das bei „Welt Kompakt“ nun Methode wird. Vielleicht lesen wir demnächst dort auch im Politikteil Untertexte wie „Die Kanzlerin macht im schweinchenrosafarbenen Kostüm von XY eine schlechte Figur“.
Vielleicht erkennt „Welt Kompakt“ aber auch selbst, dass es sich dabei um unverschämte Unprofessionalität handelt und gibt dem Verantwortlichen darüber mal näheren Bescheid.

Nächste Seite »