Anderthalb Wochen nachdem Melanie Bergermann und Axel Kintzinger in der Financial Times Deutschland über die Finanzen des FC Schalke 04 schrieben, erschien Samstag in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel von Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann. Der Artikel „Das geheimnisvolle Konto 0011771825 – Die finanziellen Probleme des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 mit Anleihen und Liquiditätsengpässen“ ist online nicht nachzulesen. Im Folgenden – zwischen den Strichen – fasse ich zusammen, was sich aus dem Beitrag an Neuigkeiten ergibt. Ich gehe davon aus, dass der Verein auch diese Darstellungen dementieren wird. Ich fasse also ausdrücklich die Aussagen der Journalisten zusammen und spare mir die Konjunktive.
Am 29. September gab es ein Treffen zwischen Clemens Tönnies, dessen Schwager, Peter Peters, Felix Magath, Anwalt Theo Paeffgen und Finanzmakler Stephen L. Schechter. Dabei stellten Paeffgen und Schechter ein Finanzmodell vor, bei dem „ziemlich fix längst verpfändete Rechte am Stadion von einem neuen Investor abgelöst werden“ sollten.
Außerdem sollte dabei über einen Real Estate Investment Trust (REIT) Aktien einer „Veltins Arena REIT“ an der Börse platziert werden, wovon sich Paeffgen eine Eigenkapitalrendite von mindestens sechs Prozent versprach. Weiterhin sollten Peter Peters und Josef Schnusenberg fortan nicht mehr zeichnungsberechtigt sein. Paeffgen sollte Bevollmächtigter werden und gemeinsam mit Felix Magath „zur Vertretung Schalkes berechtigt“ sein.
Am 2. Oktober wurde Theo Paeffgen vom FC Schalke 04 das Mandat gekündigt. Weitere Geschäfte zwischen Schechter und Schalke seien derzeit unwahrscheinlich.
Ende August hätten auf 4 Sicherungskonten bei der WGZ-Bank in Düsseldorf 11,4 Millionen Euro sein müssen, das Guthaben betrug aber nur 3,8 Millionen Euro. Am 01. September war eine Rate fällig. Nach Hinweis der Bank „floss Geld“. Aus Kontoauszügen geht hervor, dass auf Anleihekonten Summen eingehen, die am selben Tag wieder abgehoben werden. Schechter meint, dies wäre ein Verstoß gegen die Anleihebedingungen. Laut einem Papier Paeffgens sei nicht klar, ob die „Spezialitäten der WGZ-Anleihe“ in den Unterlagen berücksichtigt worden seien, die zur Lizenzerteilung zur laufenden Saison an die DFL gingen.
Ansonsten wurde der Beitrag noch mit Nachrichten und Fragen aufgefüllt, die man schon kannte oder sich schon stellte. Beispielsweise mit der Nachricht, dass Schalke mehr Stehplatzkarten für die Nordkurve verkaufen würde, als für die Tribüne eigentlich vorgesehen sind, weil man festgestellt habe, dass nie alle Kartenbesitzer zu dem Spiel kämen. Oder mit der Frage, ob sich der Wert von 400 Millionen Euro, der sich aus dem Stadion, Immobilien und dem Kader ergibt und den Schulden gegenüber steht, im Fall der Fälle auch in notwendiger Höhe realisieren ließe.
Der Text passt zu dem in der FTD. Das sich einer wie Hans Leyendecker überhaupt mit Schalke 04 abgibt, lässt einen nochmal extra zucken. Was mit Melanie Bergermann und Axel Kintzinger begann wird mit Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann fortgeführt und ich kann nur wiederholen, was ich bereits in einem Kommentar schrieb: Mittlerweile recherchieren nicht mehr nur die Fußballschreiber, die sich mit Geld nur im Rahmen der Finanzierung ihrer eigenen Doppelhaushälfte auskennen. Außerdem müssen diese Nicht-Sportjournalisten in Zukunft nicht mehr mit den Leuten zusammenarbeiten, über die sie recherchieren. Ich denke, es wird auch in Zukunft Texte über Schalke 04 zu lesen geben, die sich nicht aufs sportliche Beziehen.