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Der Führer hinkt, aber wir fallen nicht!

Wenn schon alles geschrieben wurde, einfach mal Schlagzeilen wichsen! Was mit „Führer“ geht immer. Dafür ist sich nicht nur Der Spiegel in jeder dritten Ausgabe oder die BILD zu blöde, dass findet auch die taz immer wieder toll.

Gestern Abend blies diese die Nachricht „Der Führer ist tot, es lebe das Team!“ in den Twitter-Orkus. Im verlinkten Text wurde dann der Begriff „Spielführer“ moniert. Was Neues hatte Autor Markus Völker nicht zu berichten. Er hielt sich an die ewige dafür, dagegen Leitwolf/Leader/Macher Diskussion. Er ist natürlich dagegen, andersrum wäre gerade doof. Dass mit Kicker Ballack eine entscheidende Waffe ausfällt ist kein Thema, schicken wir eben einen Jungspund mehr an die Front. Sicher werden die Knaben im Eifer des Gefechts über sich hinauswachsen. Wir wollen dem Volk ja nicht den Glauben an den Endsieg nehmen.

Und alle: Da simmer dabei, dat ist prima …


Kuranyi geht wohl weg

Dieser Tage schießen allenthalben Meldungen über einen vermutlich bevorstehenden Vereinswechsel Kevin Kuranyis ins Kraut. Zunächst berichtete Felix Magath, dass Aussagen eines Beraters von Kevin Kuranyi die Vermutung nahe legen würden, dass Schalke in einem Poker um den Stürmer nicht konkurrieren könne. Nun berichtete ein Berater höchstselbst, dass Kuranyi drei unterschriftsreife Verträge vorliegen hätte, und warb für Verständnis: Kuranyi sei ein 28-jähriger Familienvater der vor seinem letzten Vertrag stünde und deshalb nachdenken würde, was für ihn das Beste sei. RevierSport titelte daraufhin „Kuranyi wohl weg“.

Ja, Kuranyi geht wohl weg. Das ist so klar, wie es vor 3 Wochen oder 3 Monaten klar war. Geändert hat sich eigentlich nichts. Kuranyi ist ablösefrei und spielt gerade seine erfolgreichste Saison. Gibt es jemanden der geglaubt hätte, er bekäme keine lukrativen Angebote? Glaubte jemand, es würden sich nur Clubs melden, die Schalke im Gehaltspoker überbieten könnte?

Turin, Moskau oder Istanbul sind grandiose Städte mit Fußballclubs die immer viel Geld haben. Ein Fußballprofi wechselt in der Regel dorthin, wo er am meisten verdient. Um sich Kevin Kuranyi noch im Schalke Trikot der nächsten Saison vorzustellen müsste man viel Glaube aufbringen.
Wenn man glaubte, dass Bundestrainer Löw Kevin Kuranyi doch noch für die WM nominiert, könnte man auch glauben, dass es für eine Nationalmannschaftskarriere besser ist in der Bundesliga zu spielen, als in der Премьер-Лига oder der Turkcell Süper Lig. Wenn man glaubt, dass es Fußballstars auch ums Adrenalin geht, könnte man glauben, dass es im stets vollen Stadion auf Schalke mehr kribbelt als in einer halbleeren Schüssel in Turin. Wenn man glaubt, dass 28-jährige Familienväter als normale Millionäre über die Runden kommen können, könnte man auch glauben, dass die Familie es gut findet, wenn Papas Auswärtsfahrten weiterhin aus Tages- statt aus Weltreisen in einen anderen Erdteil mit einer anderen Zeitzone bestehen. Wenn man glaubt, dass Kevin Kuranyi an die Fähigkeiten Felix Magaths glaubt, könnte man auch glauben, dass er noch was von Schalkes Zukunft miterleben möchte.

Kevin Kuranyi geht wohl weg. Andererseits hat er in letzter Zeit auffällig oft nach Toren aufs Wappen geklopft und schon öfter dachte man falsch wenn man darüber nachdachte wie Kuranyi wohl denken würde. Kevin Kuranyi geht wohl weg, aber klar ist gar nichts.

Foto: TomaszBo

Die zwei Meinungen des Spieltags 23/47

„Dante, zwar ohne Absicht, aber mit klarer Bewegung zum Ball.”

So urteilte der Kommentator der ARD-Sportschau über die Situation, in der der Gladbacher Dante in der 73. Spielminute des Spiels gegen Hoffenheim den Ball mit dem Arm traf. Dem Tonfall und dem weiteren Kommentar entsprechend wollte er damit ausdrücken, dass es einen Strafstoss hätte geben sollen.

Laut Regel 12, Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen, muss ein Handspiel absichtlich erfolgen, um als Vergehen geahndet zu werden. Die Frage, ob sich die Hand oder der Arm zum Ball bewegt oder nicht, wird in den anliegenden Ausführungen zu dieser Regel lediglich als Entscheidungshilfe für den Schiedsrichter genannt. Außerdem sei an dieser Stelle mal erwähnt, dass das Wort „natürlich“ im Regelwerk nur in Bezug auf zum Spielfeld bzw. zur Ausrüstung gehörende Gegenstände vorkommt.

Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte das Handspiel Dantes als nicht absichtlich beurteilt, ebenso wie der Sportschau-Kommentator. Eigentlich hätten sich beide darüber einig sein sollen, dass die Aktion nicht strafwürdig war.

Der Versprecher des Spieltags 12/47

„Der kleine Matip läuft so nebenher und wäre nicht unfroh, wenn er nicht angespielt werden würde.“

Seine Selbstherrlichkeit Marcel Reif, Sky-Kommentator, die Berichterstattung stets der eigenen Formulierung opfernd, über den Schalker Joel Matip, irgendwann zwischen der 31. und der 43. Spielminute des Spiels gegen Bayern München. Nach Matips Tor erwähnte Reif ihn nur noch am Rande. Gestern ernannte der kicker Joel Matip zum Spieler des Spiels: „Kompromisslos im zentral-defensiven Mittelfeld und stark in der Innenverteidigung“.

Die SZ über Schalkes Geld und Schalkes Anwalt

Anderthalb Wochen nachdem Melanie Bergermann und Axel Kintzinger in der Financial Times Deutschland über die Finanzen des FC Schalke 04 schrieben, erschien Samstag in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel von Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann. Der Artikel „Das geheimnisvolle Konto 0011771825 – Die finanziellen Probleme des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 mit Anleihen und Liquiditätsengpässen“ ist online nicht nachzulesen. Im Folgenden – zwischen den Strichen – fasse ich zusammen, was sich aus dem Beitrag an Neuigkeiten ergibt. Ich gehe davon aus, dass der Verein auch diese Darstellungen dementieren wird. Ich fasse also ausdrücklich die Aussagen der Journalisten zusammen und spare mir die Konjunktive.


Am 29. September gab es ein Treffen zwischen Clemens Tönnies, dessen Schwager, Peter Peters, Felix Magath, Anwalt Theo Paeffgen und Finanzmakler Stephen L. Schechter. Dabei stellten Paeffgen und Schechter ein Finanzmodell vor, bei dem „ziemlich fix längst verpfändete Rechte am Stadion von einem neuen Investor abgelöst werden“ sollten.

Außerdem sollte dabei über einen Real Estate Investment Trust (REIT) Aktien einer „Veltins Arena REIT“ an der Börse platziert werden, wovon sich Paeffgen eine Eigenkapitalrendite von mindestens sechs Prozent versprach. Weiterhin sollten Peter Peters und Josef Schnusenberg fortan nicht mehr zeichnungsberechtigt sein. Paeffgen sollte Bevollmächtigter werden und gemeinsam mit Felix Magath „zur Vertretung Schalkes berechtigt“ sein.

Am 2. Oktober wurde Theo Paeffgen vom FC Schalke 04 das Mandat gekündigt. Weitere Geschäfte zwischen Schechter und Schalke seien derzeit unwahrscheinlich.

Ende August hätten auf 4 Sicherungskonten bei der WGZ-Bank in Düsseldorf 11,4 Millionen Euro sein müssen, das Guthaben betrug aber nur 3,8 Millionen Euro. Am 01. September war eine Rate fällig. Nach Hinweis der Bank „floss Geld“. Aus Kontoauszügen geht hervor, dass auf Anleihekonten Summen eingehen, die am selben Tag wieder abgehoben werden. Schechter meint, dies wäre ein Verstoß gegen die Anleihebedingungen. Laut einem Papier Paeffgens sei nicht klar, ob die „Spezialitäten der WGZ-Anleihe“ in den Unterlagen berücksichtigt worden seien, die zur Lizenzerteilung zur laufenden Saison an die DFL gingen.




Ansonsten wurde der Beitrag noch mit Nachrichten und Fragen aufgefüllt, die man schon kannte oder sich schon stellte. Beispielsweise mit der Nachricht, dass Schalke mehr Stehplatzkarten für die Nordkurve verkaufen würde, als für die Tribüne eigentlich vorgesehen sind, weil man festgestellt habe, dass nie alle Kartenbesitzer zu dem Spiel kämen. Oder mit der Frage, ob sich der Wert von 400 Millionen Euro, der sich aus dem Stadion, Immobilien und dem Kader ergibt und den Schulden gegenüber steht, im Fall der Fälle auch in notwendiger Höhe realisieren ließe.

Der Text passt zu dem in der FTD. Das sich einer wie Hans Leyendecker überhaupt mit Schalke 04 abgibt, lässt einen nochmal extra zucken. Was mit Melanie Bergermann und Axel Kintzinger begann wird mit Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann fortgeführt und ich kann nur wiederholen, was ich bereits in einem Kommentar schrieb: Mittlerweile recherchieren nicht mehr nur die Fußballschreiber, die sich mit Geld nur im Rahmen der Finanzierung ihrer eigenen Doppelhaushälfte auskennen. Außerdem müssen diese Nicht-Sportjournalisten in Zukunft nicht mehr mit den Leuten zusammenarbeiten, über die sie recherchieren. Ich denke, es wird auch in Zukunft Texte über Schalke 04 zu lesen geben, die sich nicht aufs sportliche Beziehen.

FTD: Peters überfordert, Schalke fast pleite

Wieder gibt es einen neuen Text zur angeblich prekären Finanzlage beim FC Schalke 04. Unter der Überschrift „Schalke ist fast pleite“ schreiben Melanie Bergermann und Axel Kintzinger in der Financial Times Deutschland mit Bezug auf die häufig erwähnten, vereinsnahen Kreise, dass Peter Peters mit den Finanzen nicht zurecht kommen würde. Laut Informationen der FTD würde der Londoner Investor Stephen Schechter die Absetzung Peters fordern. Drei von vier Sicherheitskonten, aus denen Kredite bedient werden, seien leer. Als Alternative zu Peters wird von Bergermann und Kintzinger der Name Dr. Carl Albrecht Schade in den Ring geworfen.

Auch der Beitrag der FTD ist wieder mit warmen Worten zur sportlichen Lage aufgeplustert und nutzt zur Erklärung der finanziellen Schieflage wieder den Spieleretat, der bekanntlich nach wie vor der zweithöchste der Liga sein soll, was ich für fragwürdig halte. Die Personaldebatte ist aber neu, von daher ist der Beitrag eben nicht das übliche Wiederholen von schon häufig Gelesenem. Den Wahrheitsgehalt kann ich nicht einschätzen, ebenso wenig den der ständigen Beteuerungen von Clubseite, alles sei im Lot.
Ja, ich mache mir Sorgen. Nicht unbedingt darum, dass auf Schalke die Lichter ausgehen. Aber darum, dass in dem Jahr, in dem mit dem Aufbau einer neuen Mannschaft begonnen werden soll, der Abbau der Mannschaft vorangetrieben werden muss.

Die exklusive Enthüllung des Handesblatts

Täglich kommen neue Meldungen zu den Finanzen des FC Schalke 04. Zumeist „enthüllt“ eine Zeitung etwas und die anderen wiederholen das Ganze. Das Handesblatt trat dabei bislang nicht groß in Erscheinung. Da es aber nun mal um den wirtschaftlichen Teil des Fußballzirkus’ geht, sollte das wohl nicht so bleiben.

Gestern enthüllte also das Handelsblatt.
Unter der Überschrift …

… und mit einem Label „EXKLUSIV“ erschien ein Text, der mit allem was man in den letzten Tagen lesen konnte aufwartet, der dazu noch mit der auf die sportliche Situation bezogenen Behauptung …

Bei einer Niederlage droht Schalke der Absturz ins sportliche Mittelmaß.

… um die Ecke schießt, und der als Knüller die folgenden Geheimnisse lüftet:

Der traditionsreiche Revierklub begleicht Rechnungen anscheinend nur noch mit großer Verspätung. Experten erwarten baldige Spielerverkäufe.
[...]
Schalke hat neben einer erdrückenden Schuldenlast auch noch ein dickes Liquiditätsproblem: Ein klares Indiz dafür ist, dass sich die Zahlungsmoral in den vergangenen Monaten rapide verschlechtert hat. So zahlt der Verein nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei D&B Deutschland Rechnungen erst 30 Tage nach Ziel.

Zack, das saß.

Vielüberschalkeleser begannen sich allerdings gleich am Kopf zu kratzen und sich zu fragen, ob sie das nicht schon irgendwoher kennen. Und richtig, bereits am 29. Juli, eine Woche vor Saisonstart,veröffentlichte die besagte Firma D&B Deutschland eine Analyse zur finanziellen Situation der Bundesligavereine. Der entsprechende Absatz über die Zahlungsmoral las sich dabei wie folgt:

Trotz solider finanzieller Basis der Klubs fällt die Zahlungsmoral allerdings höchst unterschiedlich aus. Am pünktlichsten zahlt Aufsteiger SC Freiburg seine Rechnungen. Die Freiburger begleichen ihre Verbindlichkeiten im Schnitt 17 Tage vor dem vereinbarten Zahlungsziel. Ganze 13 Tage früher als notwendig begleicht der VFL Bochum seine Rechnungen. Demgegenüber lassen insbesondere Herta BSC und Schalke 04 ihre Gläubiger sehr lange auf ihren Forderungen sitzen: Die Berliner Herta ist im Durchschnitt mit 39 Tagen im Verzug, auf Schalke nimmt man sich durchschnittlich 42 Tage mehr Zeit. Übrigens: Der FC Bayern landet bei diesem Ranking nur auf dem fünften Platz – finanzielle Sorgen plagen die Münchener nicht, jedoch dauert es durchschnittlich 22 Tage bis der Rekordmeister seine Rechnung bezahlt. Noch zum Start der letzten Saison beglichen die Bayern ihre Rechnungen vereinbarungsgemäß.

Das Schalke 04 am Ende der Fahnenstange steht ist nicht schön. Besonders aufgeregt kommt der Artikel der Firma D&B deshalb aber nicht daher. Vielmehr wird „den Clubs“ der Bundesliga eine gute finanzielle Gesamtsituation bescheinigt, eine Ausnahme wird dabei nicht erwähnt.

Das ich bezüglich der Finanzen auf Schalke völlig beruhigt wäre, kann ich nicht behaupten. Dass aber ein seriöses Medium wie das Handelsblatt eine 7 Wochen alte Meldung aufgreift, so tut als wäre sie brandneu, das Wort „Exklusiv“ dranpappt und den Eindruck erweckt, als wäre sie das nächste heiße Indiz für den baldigen Zusammenbruch des FC Schalke 04, weil es eben gerade so schön zur öffentlichen Meinung passt und Aufmerksamkeit erregt, ist gelinde gesagt zum kotzen!