Artikel zum Schlagwort ‘Montpellier HSC’

Wieder Wille oder ma‘ halblang?

Nach dem Heinspiel gegen Olympiakos Piräus sprach Huub Stevens offen. Nachdem seine Mannschaft grade die Qualifikation zur Achtelfinalteilnahme geschafft hatte, bemerkte er, dass ihm der erste Platz in der Gruppe nicht so wichtig sei. Er wies darauf hin, dass als Zweiter der Pool möglicher Gegner kleiner sei, da die Gruppenersten Arsenal, Dortmund und München gemäß den Statuten als Achtelfinalgegner nicht infrage kommen.

Mittlerweile korrigierte Huub Stevens seine Aussage. Er wolle nun doch Erster werden, habe dazugelernt, sagte er. Ob ihm die möglichen Gegner eines Gruppenersten Schalke 04 also doch besser gefallen, oder ob ihm nur eingefallen ist, dass es keinen so guten Eindruck macht, wenn man ankündigt, nicht gewinnen zu wollen: Man weiß es nicht. Sich eine eigene Meinung bilden kann man aber sehr wohl.

In Gruppe A spielen der FC Porto und Paris St. Germain ein direktes Duell um den Gruppensieg aus. In allen anderen Gruppen ergeben sich gewisse Wahrscheinlichkeiten. Mit relativ großer Wahrscheinlichkeit ergäben sich für Schalke 04 die rechts dargestellten Töpfe.

Horst Heldt meinte, er gehe davon aus, dass Schalke die bestmögliche Mannschaft aufs Feld schicken würde. Am Ehrentag der heiligen Barbara sollte sich das für einen erklärten Kumpelclub auch schicken. Ich will nicht darauf wetten. Die Frage ist, wie Huub Stevens den Wert eines Sieges, inklusive der moralischen Wirkung nach den Enttäuschungen der letzten Wochen, gegenüber dem Wert einer Pause für müde wirkende Stammspieler einschätzt.

Wir werden sehen. Ich auch. Allerdings schätze ich in meinem Fall eine Pause als wertvoller denn einer differenzierten Meinungsäußerung nach dem Spiel ein. Ich werde mir die Begegnung also ansehen, natürlich, vielleicht sogar parallel ein bisschen twittern, im Anschluss aber auf das Schreiben eines Blogtextes verzichten und stattdessen einfach mal früher ratzen.

Zum Pfeifen zumute

Schalke ist erneut zu blöd zum siegen. Nach dem Spiel gegen Montpellier steht erneut nur ein 2:2 zu Buche, und wieder konnte der Gegner kaum was dafür.

In der 13. Minute griff Atsuto Uchida seinen direkten Gegenspieler nicht an, lies ihn unbedrängt zum Schuss kommen und hatte seinen Anteil am ersten Gegentor. Beim zweiten Gegentor in der 90. Minute fiel Lars Unnerstall wie eine Bahnschranke. Richtig, ich bin kein Experte fürs Torwartspiel, und solche mögen mir gerne erklären weshalb das alles so richtig ist, was Lars Unnerstall tut. Aber ich kann mir nicht helfen, seine Aktionen sehen häufig nicht so aus wie die Aktionen anderer Torhüter auf diesem Niveau.

Das waren die schlimmsten Momente in einer von Schalke lange Zeit eigentlich gut geführten Partie. Huub Stevens stellte Teemu Pukki neben Klaas-Jan Huntelaar, verzichtete auf klar definierte Außen und lies Holtby und Draxler hinter den Spitzen viele Freiheiten. Das alles funktionierte prima.
Zwar wurde nicht jeder Spielzug toll ausgeführt und es war kein Feuerwerk, was Schalke abbrannte, aber es kam doch immer wieder zu gefährlichen Spielzügen durch die Mitte. Draxler war der überragende Spieler, setzte sich in Dribblings durch, bewies in der Zentrale Übersicht, spielte präzise Pässe und machte vor allem das Spiel immer wieder schnell. Er profitierte dabei auch von der Zwei-Stürmer-Konstellation. Während Klaas-Jan Huntelaar an der Abseitsgrenze lauerte, bewegte sich Teemu Pukki immer wieder auch nach Außen und war dort anspielbar.

Gleichzeitig wusste Atsuto Uchida seinen Platz zu nutzen. Abgesehen von der Szene beim ersten Gegentor machte er meines Erachtens ein hervorragendes Spiel und bewies, dass er auch ohne Jefferson Farfán vor sich durchaus für Offensivkraft auf der rechten Seite sorgen kann.

Eigentlich gefiel mir alles gut, bis zum 2:1. Als Julian Draxler verletzt ausgewechselt wurde fehlte der Tempomacher im Mittelfeld. Als Huub Stevens 13 Minuten mit dem Wechsel Jefferson Farfán für Teemu Pukki endgültig auf Flügelstürmerspiel umstellte, wurde es wieder umständlich.
Montpellier lag zurück, versuchte das Mittelfeld nach vorne zu verlagern, bot Räume an der Abwehrreihe. Doch statt diese so gradlinig zu nutzen wie Schalke es zuvor 66 Minuten versuchte, wurde nun wieder und wieder das Spiel verzögert. Mal ging der Ball nach hinten, mal nach Außen, zu selten direkt nach vorne. Und wenn, dann wurde er dort vertändelt.

Schalke wurde unpräzise und verhunzte sich damit vieles selbst. Trotzdem kam man noch zu besten Chancen, das 3:1 zu erzielen. Ibrahim Afellay und vor allem Klaas-Jan Huntelaar hätten das Spiel entscheiden müssen. Taten sie aber nicht. Stattdessen kassiert man mit dem zweiten ernsthaften Torschuss des Gegners den zweiten Gegentreffer.

Es gibt viel zu verbessern auf Schalke, aber scheinbar diskutiert man lieber über Pfiffe. Zum dritten Mal in Folge spielte die Mannschaft in den entscheiden Spielphasen Larifari-Fußball, lässt Tempo und Biss vermissen, und auf Schalke wird trotzdem so getan, als seien die darüber verärgerten Zuschauer Leute, die zu hohe Ansprüche hätten, „Fußballkunden“, die den Hals nicht voll kriegen. Die Ahnungslosen, die es von den „treuen Fans“ zu trennen gilt.

Gegen Mainz war Schalke ebenso kurz davor, eine knappe Führung zu verspielen, wie gegen Montpellier. Meines Erachtens spüren die Zuschauer auf Schalke sehr genau, wenn was nicht gut läuft. Ich denke auch, dass Pfiffe nicht leistungsfördernd sind, ich mag sie nicht, ich pfeife selbst grundsätzlich nur nach einer Halbzeit oder nach dem Schlusspfiff. Aber Schalker sind viele, und Schalke ist so wie es ist, weil die Leute sehr emotional sind, was sich in Freude und Ärger gleichermaßen bemerkbar macht. Ab und an liebe ich diese Extreme, manchmal ist es unangenehm. Aber dieses Besserfans-Gehabe, dieses vorschreiben wollen, wie man sich denn bitteschön zu verhalten habe, wer was wie rufen darf und wer wann was mitzusingen hat, begleitend mit dem Blödsinn, wer nicht entsprechend funktioniert sei kein echter Schalker, zu anspruchsvoll oder sonstwie unnormal, geht mir mindestens ebenso sehr gegen den Strich.



Foto: puamelia