Weggesungen
Stichwörter: Bemerktes, MSV Duisburg, Schalke 04
Neulich im Bus. Mein Sohn (5) sitzt gerne hinten. Ihm schräg gegenüber ein junger Mann, offensichtlich MSV-Fan, einen Blockstreifenschal tragend. Ob mein Sohn das kleine Zebra nicht gesehen hat, ob es ihm egal war, ob er Hoffnung in die Gemeinsamkeit der Farben setzte, ich weiß es nicht. Jedefalls begann er damit, erst etwas zurückhaltend, dann immer forscher, fast fordernd, das „Blau und Weiß“ unseres Vereins zu intonieren.
Eigentlich ist es mein Sohn gewohnt, dass andere mit einstimmen. Der junge Mann ließ sich durch die gelebte Fröhlichkeit und den Enthusiasmus des Fünfjährigen nicht dazu ermutigen. Schweigend stand er auf und suchte sich ein anderes, ruhigeres Plätzchen, weiter vorne im Bus.
Seltenes Derby
Stichwörter: MSV Duisburg, VfL Bochum
Derbys sind was Besonderes. Für Schalker ist das Derby gegen Borussia das „besonderste“, trotzdem kribbeln Spiele gegen Bochum und Duisburg auch deutlich mehr als Begegnungen gegen Wolfsburg, Hertha oder Karlsruhe. Das sieht Freund Thorsten sicher ähnlich, seines Zeichens Anhänger des MSV Duisburg. Und dass das Stadion an der Castroper Straße in Bochum ein guter Ort ist um Fußball zu schauen, darüber sind wir uns auch einig. Er darf aber auch in der kommenden Saison wieder nicht hin.
In den letzten 10 Jahren gab es tatsächlich nur 4 Spiele zwischen dem VfL Bochum und dem MSV Duisburg. Fahrstuhlclubs? Eher Paternosterclubs, in unschöner Regelmäßigkeit sind die einen oben, wenn die anderen unten sind, und umgekehrt. Jetzt darf man sich beim MSV über einen Aufstieg der Fortuna aus Düsseldorf freuen, neben den Derbys gegen Rot-Weiß Oberhausen gibt es also auch noch zwei „Straßenbahn-Derbys“. Aber ehrlich: Im Ruhrgebiet will man beim Begriff „Derby“ eigentlich nicht an Düsseldorf denken.
Trinken wir auf den Unterschied
Stichwörter: Borussia Dortmund, MSV Duisburg, Rot-Weiss Essen, Schalke 04, VfL Bochum
Aber auf welchen genau?
Zwei dem MSV Duisburg zugetane Blogs bemühen sich gerade zu eruieren, wieso es der MSV so schwer hat, sein Stadion voll zu bekommen. Dem VfL Bochum geht es mit seiner Anhängerschaft kaum besser, während Borussia Dortmund und Schalke 04 als Gegenbeispiele dienen. Wieso aber unterscheidet unsereins zwischen Derby und kleinem Derby? Wieso haben MSV und VfL Probleme, die Fans in der eigenen Stadt zu mobilisieren, während sich an Spieltagen Züge aus Düsseldorf und Münster Richtung Gelsenkirchen von Bahnhof zu Bahnhof mit immer mehr Königsblauen füllen?
An den Städten an sich kann es kaum liegen. Gelsenkirchen ist kleiner als Bochum, das wiederum kleiner als Duisburg ist. Dass man in der einen Stadt kritischer oder die Leute anders wären als in der anderen, halte ich auch für absurd. Nein, in Derbys findet man die auf der anderen Seite deswegen so besonders scheiße, weil sie einem so verdammt ähnlich sind.
Mein persönlicher Ansatz wäre der der Tradition. Genauer: Der Erfolgstradition. Mag schwülstig und pathetisch klingen. Dennoch.
In Meiderich wird schon lange Fußball gespielt und in Bochum schon seit 1848 geturnt. Gegen Schalke, Borussia und auch Rot-Weiss Essen, dem ich ebenfalls bei (relativem) Erfolg ein riesiges Fanpotenzial zuschreibe, wiegt das nichts. Borussia und RWE waren vor allem ab den 50ern und bis zur Gründung der Bundesliga deutsche Spitzenclubs. Schalke 04 wurde 1958 zum siebten Mal Deutscher Meister und hievte einst den Fußball mit seinem Kreisel auf ein neues Niveau.
Das mag alles ewig her sein, entscheidend scheint mir aber, dass die großen Zeiten dieser Clubs in die starken Jahre des Ruhrgebiets fielen. In die Jahre, in denen das Ruhrgebiet mit Kohle und Stahl den Aufschwung befeuerte, mit Wirtschaftskraft und Stärke verbunden wurde. In denen entstand, was noch heute die Klischees bedient, womit manch einer nach wie vor gerne die Seinen beschreibt und was Andere vergeblich abzustreifen versuchen. Die Identität des Ruhrgebiets, zur der Schalke 04 und Borussia Dortmund gehören, vielmehr als andere Clubs.
Damals entstand so was wie die „Marken“ Schalke 04 und Borussia Dortmund, ein Bild, ein Gefühl wie ein „Traditionsverein“ zu sein hat. Und so was wäscht sich nicht aus, solange es regelmäßig durch emotionale Ereignisse befeuert wird. In günstigsten Fällen handelt es sich dabei um UEFA- oder DFB-Pokalsiege. Aber selbst knapp verpasste Erfolge, Skandale oder eben noch entronnenen Abstiege schüren große Emotionen. Und die Emotionen rissen nie ab, bis heute nicht, wo es auf Schalke kaum eine Nachricht wert ist, dass der Kapitän sein Amt niederlegt, weil das nun wirklich das kleinste Problem im großen Tohuwabohu dieses Clubs ist.
Nur mein Ansatz, wie gesagt, und sicherlich nicht alleine entscheidend. Bar jeder Häme und, aus Sicht eines Schalke-Fans froh darum, dass es so ist wie es ist, kann vielleicht von dieser Seite aus ein wenig zur Lösungsfindung beigetragen werden. Es mag andere, bessere, überzeugendere Ansätze geben. Über deren Darstellung in den Kommentaren würde ich mich freuen.
Hier die Links zu den angesprochenen MSV-Blogs:
Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus: Der MSV und sein Publikum
Ein Zebra in der Achterbahn: Was ist an Duisburg eigentlich anders
„Mit unseren Fans kann man nicht rechnen“
Stichwörter: MSV Duisburg, Podcasts
Ob, und wenn ja, wie wichtig die von Fans erzeugte Stimmung für Fußballprofis ist, darüber wurde schon viel diskutiert. Manchmal hört man Spieler sagen, dass sie das Stadion ausblenden würden. Bastian Schweinsteiger kann man im Film sagen hören, dass es auch „irgendwie geil“ sei, von tausenden gegnerischen Fans ausgepfiffen zu werden.
Von den eigenen Fans ausgepfiffen zu werden ist sicher deutlich weniger geil.
Beschwerden der Spieler darüber hört man dennoch recht selten, weil diese wissen, dass dieses Thema sie verfolgen würde. Es muss schon hart auf hart kommen, es muss schon jemand Redebedarf haben, wie beispielsweise Kevin Kuranyi bei seiner Pressekonferenz heute vor einem Monat.
Oder es müssen Dinge passieren wie beim MSV Duisburg, wo Fans per Choreografie den Rauswurf des Trainers forderten. MSV-Verteidiger Serge Branco machte sich nach dem Spiel Luft. Die große Fußballwelt wollte es nicht hat es nicht mitbekommen, lediglich in die Sendung „Radio Zebra“ des Duisburger Bürgerfunks hat sein O-Ton es geschafft. Bemerkenswert ist er trotzdem. Und zu hören ist er ab 6:28 Min in der unten verlinkten Sendung von vorgestern. Für den Rest des Hörstücks müsste man MSV-Fan sein.
Hören:
mp3-Datei / Podcast-Feed
Aus allen blau-weißen Wolken gefallen
Stichwörter: Bemerktes, MSV Duisburg
Heimlich, still und leise, gar hinterrücks hat meine Frau dafür gesorgt, dass fast die komplette Garderobe meiner 6-Monate alten Tochter Grace in der Grundfarbe dem neuen Trikot des MSV Duisburg entspricht!
Meiner Frau, eigentlich ein „Resser Mädchen“, waren es wohl der Schalker Fan-Utensilien unseres Sohnes zu viele. Sie ist gerne um Ausgleich bemüht.
Aber das geht mir dann doch etwas zu weit.



