Artikel zum Schlagwort ‘MSV Duisburg’

Sieg mit Aussicht

Schalke 04 gewinnt 5:0 in Duisburg und erreicht souverän die 2. Pokalrunde. Ein Spiel das nicht überbewertet werden sollte, das aber Lust auf mehr machte.

Der MSV Duisburg ist mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet und musste einige Verletzungen wegstecken. Vor großer Kulisse waren sie redlich bemüht, aber letztlich in allen Belangen überfordert. Für Schalke ist nie ein Sieg selbstverständlich, Schalke kann sich prima auch selbst im Weg stehen. Trotzdem war die Rollenverteilung natürlich eindeutig, ein Schalke-Sieg war zu erwarten, ein MSV-Triumph wäre eine Sensation gewesen. Insofern war das „Dass“ flott abzunicken. Das „Wie“ machte aber Spaß.

Mir gefiel vor allem, dass die Mannschaft auch noch beim Stand von 4:0 in der 75. Minuten den Gegner mit Ball jagte. Über die Pflicht hinaus ging es darum, die neue Spielweise mit Pressing tief in des Gegners Hälfte und schnellem Umschalten zu etablieren. Das Offensivspiel insgesamt war variabel, die Innenverteidigung ließ nichts anbrennen. Julian Draxler war auf Außen ein die Offensive gestaltender Spieler, Johannes Geis war stets anspielbar und gab das Tempo vor. Gegen Werder Bremen wird dies alles viel schwieriger werden, aber man konnte sehen wie Schalke werden soll. Ein schöner Ausblick.

Und dann redeten allerdings alle über ein Transparent von ein paar Deppen. Sehr geschmacklos, natürlich. Abgesehen vom Geist der „Künstler“ selbst gab es dazu aber auch keine zwei Meinungen. MSV-Geschäftsführer Bernd Maas bat direkt nach dem Spiel um Entschuldigung, Rudi Assauer und seine Tochter nahmen an und gaben sofort verständnisvolle Worte zurück. Damit hätte es gut sein können.
Aber wenn die Empörungsmaschinerie erstmal anläuft, gibt es kein Stoppen mehr. Schalke-Fans krakelten gegen „die Duisburger“, MSV-Fans wetterten gegen „die Idioten in der Kurve“, Zeitungen und Onlineportale produzierte gesonderte Berichte. So wurde ein Zwischenfall zur eigenen Story. Zuviel Aufmerksamkeit, zuviel Ablenkung vom Wesentlichen. Auch davon, dass bei diesem „Hochsicherheitsspiel“ letztlich nichts wirklich schlimmes passierte. Oder davon, dass die Duisburger Zuschauer ihre Mannschaft am Ende trotz Niederlage feierten und damit zeigten, dass sie das Geschehen richtig einordnen konnten. Schade.

Stehplatz Vierfuffzich: Der MSV braucht wieder Geld

… und verkauft schon mal Tickets für die Saison 2038/2039.

Vor einem Jahr wurde der MSV Duisburg 11. der Zweiten Liga und zitterte danach um die Lizenz. Zwischen Verbleib in Liga 2 bis zur Insolvenz schien alles möglich, das Ruhrgebiet zeigte sich solidarisch, die Fans bangten. Am Ende stand der Zwangsabstieg in die Dritte Liga, verbunden mit der Hoffnung, sich dort wieder aufrappeln zu können, Personalien und Finanzen zu ordnen, um eines Tages zurückzukommen.

Jetzt, ein Jahr später, fehlt es dem MSV an Geld für die Lizenz zur Dritten Liga. Bis zum 27. Mai müssen 2,7 Millionen Euro aufgebracht werden. Außerdem habe der Club für die kommende Saison noch nicht die 2 Millionen Euro Rücklage an den Verband gezahlt, die jeder Verein hinterlegen muss, um die finanziellen Auswirkungen einer möglichen Insolvenz abzufedern, schreibt die Rheinische Post.

Um schnell auch zukünftiges Geld ins Heute zu holen, bietet der MSV seinen Fans jetzt eine „Generationen-Dauerkarte“ an. Diese gilt für 25 Jahre und kostet 1.902 Euro (Stehplatz) oder 3.999,02 Euro (Sitzplatz). Sicherlich ist das nur eine Blüte im Strauß der Geldbeschaffung, und bislang interessierten sich nur 30 bis 40 Fans für dieses Angebot. Aber 9,41 Euro für einen Sitzplatz und 4,48 Euro für einen Stehplatz, auf 25 Jahre hinaus, sind schon ein arges Verschachern des eigenen Produkts. Trainer Baade nannte einen ähnlichen Fall zu recht abstrus. Nun ist ausgerechnet „sein“ MSV der nächste Club, der zu solchen Mitteln greifen muss. Ein Jammer.

MSV Duisburg, unwirtschaftlich

Der MSV Duisburg steht vor dem Absturz in eine Amateur-Liga. Den finanziellen Nöten des Clubs liegt eine Fehlplanung um das 2003 von Walter Hellmich gebaute, neue Stadion zugrunde. Eine kurzer Blick aufs Problem.

2004 gab Walter Hellmich der Zeitschrift „Stadionwelt Inside“ ein Interview. Auf die Frage nach dem finanziellen Spielraum des MSV für den sportlichen Bereich wird er wie folgt zitiert:

Unser Stadion ist langfristig finanziert, die jährliche Belastung beläuft sich auf 1,8 Millionen Euro. Dabei haben wir durchweg lediglich mit Zweitligazugehörigkeit kalkuliert, bei einem Zuschauerschnitt von 12.000.

Klingt gut, entspricht aber nicht mehr dem, was man heutzutage bezüglich der Stadionkosten des MSV zu lesen bekommt. Anlässlich der nicht bewilligten Lizenz schrieben die Redakteure der WAZ folgende Sätze in ihre Zeitung:

Auch die Zukunft der Arena steht in den Sternen, wenn es in Duisburg keinen Profifußball mehr gibt. Bisher musste der MSV pro Saison fünf Millionen Euro Stadionmiete zahlen. Die Arena war unter Regie des damaligen Präsidenten Walter Hellmich entstanden. Die Miete war für die erste Bundesliga kalkuliert. Ein naiver Schritt, der dem Verein wie ein Mühlstein um den Hals hängt.

Wenn der MSV Duisburg 5 Millionen Euro für das Stadion aufbringen muss, ist es vollkommen unerheblich, ob man nun noch mal die Lizenz erhält oder nicht. Dann steht über kurz oder lang die Insolvenz bevor, denn dann ist das Stadion ein Zuschussgeschäft für den Verein.

Der MSV hatte in der vergangenen Saison einen Zuschauerschnitt von 12.913. Die Arena bietet rund 7.000 Stehplätze zu je 12 Euro, die Sitzplätze kosten zwischen 21 und 34 Euro (jeweils Tagespreise). Nur mal über den Daumen gerechnet*: Bei 6.000 verkauften Stehplatztickets und 7.000 für einen Preis von 31 Euro verkauften Sitzplatztickets pro Spiel kommt der MSV nach 17 Heimspielen auf eine Gesamteinnahme von 4.913.000 Euro. Ohne Steuerabzüge, ohne Dauerkartenrabatte, ohne vergünstigte Familientickets. Bei Kosten von 5 Millionen pro Jahr wäre es für den MSV Duisburg wirtschaftlicher, seine Spiele ohne Zuschauer, auf dem Vereinsgelände an der Westender Straße auszuführen.

Eben deshalb soll nun eine städtische Stadiongesellschaft gegründet und der Verein entlastet werden, wie die Rheinische Post berichtet. Ein teures Unterfangen, sowohl für die finanzschwache Stadt, als auch für die Gläubiger des Vereins. Vermutlich aber immer noch besser, als von einem zahlungsunfähigen und in den Niederungen des DFB spielenden Club überhaupt kein Geld mehr erhalten zu können. Vermutlich kommt diese Einsicht allerdings zu spät. Eigentlich lässt die DFL in diesem Lizenzsierungsverfahren keine Nachbesserungen zu. Eigentlich. Ma’kucken.



Linktipp: Für die Rheinische Post haben Hermann Kewitz und Stefanie Sandmeier die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Lizenzverweigerung zusammengestellt.



* Die „Über den Daumen-Rechnung“ stammt von Freund und MSV-Fan ZebraZwist

Übrigens: Karfreitag

… wurde in der Geschichte der Bundesliga ein einziges Spiel ausgetragen. Am 27.03.1964 empfing Hertha BSC vor 35.000 Zuschauern den Meidericher SV und gewann mit 5:2.

Die Duisburger waren damals der große Favorit. Am Ende dieser ersten Bundesliga-Saison wurde man Vizemeister, etwas, das die Zebras bislang nie wiederholen konnten. Im besagte Karfreitagspiel lag man allerdings bereits nach 4 Minuten mit 0:2 zurück. Für Berlin stand übrigens auch Otto Rehhagel auf dem Platz.

Mehr zum Spiel gibt es hier zu lesen.

Zwischen Professionalität und Moral

Ein Proficlub sollte wissen wie es weitergeht, wenn er einen Trainer entlässt. Bereits mit einem anderen Trainer zu verhandeln, wenn der eigene noch im Amt ist, ist mieses Verhalten.

Meinem Gefühl nach ist die zweite Aussage öfter zu hören. Zuletzt beim Trainerwechsel in Hoffenheim. Man hatte den Eindruck, dass Markus Babbel auf dem Hoffenheimer Vereinsgeländes bereits mit gesetzem Blinker auf den durch Stanislawski freiwerdenden Parkplatz warten würde. Aber ist das wirklich so schlimm?

Auf Schalke gab es nach den Entlassungen von Fred Rutten und Andreas Müller eine große Unsicherheit. Zunächst erklärten sich die Co-Trainer um Mike Büskens mit Fred Rutten solidarisch und wollten nicht erneut als Notnägel einspringen, wie sie es nach der Entlassung Mirko Slomkas bereits machten. Sie taten es dann doch und schufen damit Zeit in der Trainerfrage, bezüglich des Managerpostens war die Not größer. Clemens Tönnies prägte damals den Satz, nachdem Schalke 04 ein geiler Club sei, zu dem viele wollen würden. Gleichzeitig wurde jeder Ex-Profi, dem man einen sicheren Umgang mit dem Einmaleins nachsagte, als Kandidat betrachtet. Alles schien möglich, und trotz vorheriger Absage bot Clemens Tönnies vor laufender Kamera und live Matthias Sammer zum wiederholten Mal Gespräche an, die dieser dann erneut abwies. Es war zum fremdschämen, ich empfand Schalkes Umgang mit der Situation als sehr unprofessionell.

Aktuell ist der MSV Duisburg dabei, Oliver Reck den Trainerjob zu nehmen. Dem Vernehmen nach sucht der Verein einen Nachfolger, Oliver Reck soll ein Ultimatum gestellt worden sein. Er habe das nächste Heimspiel zu gewinnen. Gegner am Freitag ist die Spielvereinigung Greuther Fürth, eine Aufgabe, wie sie schwieriger kaum sein könnte.

Wenn tatsächlich bereits mit anderen Trainer verhandelt wird, wird einer von denen auch kommen, wenn nicht Samstag, dann eine Woche später. Oliver Reck wird das ahnen, eine ungesunde Situation. Aus Clubsicht ist dieser Vorgang trotzdem nachvollziehbar. Einen neuen Trainer als erste Aufgabe gleich in solch eine Begegnung zu schicken, wäre aus Vereinssicht eben auch töricht, und wenn man nicht davon überzeugt ist, dass der Co-Trainer für einen entscheidenden Motivationsschub sorgen kann, macht ein solcher Zwischenwechsel auch keinen Sinn. So ist es wohl professionell.

Schön ist das trotzdem alles nicht. Alles Gute, Oliver Reck!



Foto: xtranews

Die Trainer seit Schaaf

Otto Rehhagel ist neuer Trainer bei Hertha BSC. Sein letzter Bundesligajob liegt schon einen Weile zurück, von 1996 bis 2001 trainierte er den 1. FC Kaiserslautern. In diese Zeit fiel es, dass in „seinem Club“, dem SV Werder Bremen, nach vier Jahren des Orientierungslosigkeit, Thomas Schaaf den Trainerposten übernahm.

Am 11.05.1999 saß Schaaf erstmals als Cheftrainer auf der Bremer Bank. Er gewann 1:0, gegen Schalke 04, gegen Huub Stevens. Außer Huub Stevens sah Schalkes Trainerbank seitdem 11 andere Verantwortliche. Seit Schaaf in Bremen das Sagen hat, warteten 30 andere Bundesligaclubs mit insgesamt 192 Trainern auf.

Für Hertha ist Otto Rehhagel nun der 13. Verantwortliche in 13 Jahren Erstligazugehörigkeit seit Schaaf. Der HSV kam in 14 Spielzeiten auch auf 13 Trainer seit Schaaf. Leverkusen mag weniger als „heißes Pflaster“ gelten, trotzdem waren es auch da 10 Trainer in 14 Jahren seit Schaaf. In Gladbach waren es 11 Trainer in 11 Jahren erste Liga seit Schaaf, und Köln kommt sogar in nur 9 Erstligajahren auf 12 verschiedene Gesichter auf der Trainerbank, seit Schaaf.

Thomas Schaaf wird Otto Rehhagels Amtszeit in Bremen überdauern. Bis dahin wird die Liste noch länger werden, aber auch bis heute ist sie schon imposant. Alle Erstligatrainer, seit Thomas Schaaf:







Foto: Bejamin Radzun

Ärgerlich lustlos

Warum zu einem Freundschaftsspiel zwischen dem MSV Duisburg und Schalke 04 auch bei moderaten Preisen nur 9.027 Zuschauer kommen? Weil man zu solchen Anlässen nichts anderes mehr erwartete, als eine so leidenschafts- und lustlose Vorstellung, wie sie Schalke 04 gestern darbot.

Dass Ralf Rangnick nicht die vermeintlich „erste Elf“ aufstellt, dass Formationen ausprobiert werden und Fehler passieren, ist völlig ok. Dass in solche einem Spiel das Feuer fehlt, einen Rückstand zu drehen, ist nachzuvollziehen. Dass aber quasi das ganze Spiel in Trabgeschwindigkeit abgespult wird, das die Mannschaft kaum mehr als nur anwesend ist, nur auf den Abpfiff wartet, kann ich nicht verstehen.

Dass solch ein Spiel als weniger als Training erachtet wird, ist für mich nicht nachvollziehbar. Können die Spieler der vermeintlichen „zweite Elf“ den Trainer in Gruppenübungen tatsächlich eher davon überzeugen, dass genau sie die eigentlich richtige Wahl wären, als auf dem Platz, bei einem Freundschaftsspiel gegen einen Zweitligisten?

Viele der 9.027 Zuschauer werden beim nächsten, ähnlichen Anlass auch zu Hause bleiben. Sich nicht langweilen lassen, die Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen und das nicht gezahlte Eintrittsgeld direkt an das Spendenkonto überweisen, ist die entspanntere Abendgestaltung.