Artikel zum Schlagwort ‘MSV Duisburg’

Unvergessen, unverarbeitet

Heute spielt der FC Schalke 04 in Duisburg gegen den MSV. Die Einnahmen aus diesem Spiel werden den Opfern der Loveparade-Katastrophe zu Gute kommen.

Rund 10 Wochen ist es her, dass ich erstmals am Tunnel stehen blieb. Zuvor bin ich schnell vorbei wenn ich vorbei musste, zuvor passte es mir nicht, wollte ich es nicht an mich heran lassen. Nun war es ein Samstagmorgen, ich hatte keine Eile die zur Ausrede gereicht hätte, ich war alleine.

Auf einer Fläche, einige Meter neben dem Tunneleingang steht ein Glaskasten, in dem viel von dem aufbewahrt wird, was Trauernde an der Unglückstelle im Tunnel hinterlassen haben. Im Tunnel, an der Treppe, die für 21 Menschen unerreichbar blieb, kommen immer wieder mal weitere Trauerbekundungen dazu. Dort stehen nach wie vor brennende Kerzen.

Wer sich dort hinstellt, wer sich die Texte durchliest, die düsteren Mauern des Tunnels im Rücken, die Bilder und die Namen der Jungendlichen vor Augen, spürt Bedrückung, spürt Trauer, spürt Wut.



DFB-Pokalsieger 2011: FC Schalke 04!

Schalke 04 siegt gegen den MSV Duisburg mit 5:0, gewinnt einen wunderschönen Pokal und hat sich damit für die Play-Off-Runde der kommenden Europa League-Saison qualifiziert. Ein entspanntes Spiel. Ein angemessenes Drumherum. Trikots in einer Farbe, bei der am Ende nur der Name wirklich furchtbar bleibt. Eine tolle Pokalsaison, derer es unwürdig ist, wenn man an Ende nur über den Wechselwillen des Torhüters spricht.

Manuel Neuer will weg, Clemens Tönnies hat Lust Eier zu zeigen, und ein Idiot wollte ins Fernsehen. Ärgerliche Nebengeräusche, Ablenkungen von etwas, dass die volle Aufmerksamkeit verdient hat.

Sechs Spiele, sechs Siege. Nur ein Heimspiel, gegen den Club aus Nürnberg, das Julian Draxler so beeindruckend entschied. Das schwerstmögliche Halbfinale in München, mit Raúl als Torschützen und Manuel Neuer als überragenden Rückhalt.
Ein 5:0 gegen den MSV Duisburg, dass manch einer als „standesgemäß“ erachten mag. Aber zum einen halte ich das für respektlos dem Gegner gegenüber. Zum anderen waren die Zweifel vor dem Spiel, ob Schalke sich nicht vielleicht selbst im Weg stehen könnte, nach 6 Niederlagen in Folge, nicht von der Hand zu weisen.

Was bleibt ist der Triumph für den Verein und die persönlichen Eindrücke. Für mich als Duisburger war die Konstellation speziell, weil diesmal quasi jeder in meinem geteilten Duisburger und Gelsenkirchener Verwandten- und Freundeskreis Anteil nahm. Umso schöner, dass diesem Ergebnis nichts Diskussionswürdiges oder Negatives anhaftete. Ein klarer, kein dreckiger Sieg.

Mit diesem Erfolg endet eine unglaublich schalkige Saison. Was man sich auch immer ausdenken mag, was in einer Spielzeit in einem Club passieren könnte, der FC Schalke 04 ist prädestiniert für die Umsetzung jeglicher Phantasien. Dieser Pokalgewinn ist als Saisonrausschmeißer grandios. Im Fußball zählt nicht der erste Eindruck sondern das letzte Ergebnis. Ich freue mich wie bekloppt, hier und heute. Das Fazit zur Saison als Ganzes folgt später, das braucht noch ein paar Tage. Erstmal alles sacken lassen.

Glück auf!



Foto: Jarlhelm

The Cup was given zurück und Neuer seems to be a Bazi

Heutzutage macht man aus nichts eine Geschichte. Der DFB-Pokal ist, gänzlich unzerknickt, in Berlin angekommen. Übergeben von Paul Breitner, der in München unwichtig ist, im Beisein von Tim Hoogland, der seit seiner Rückkehr für Schalke noch nicht einmal vor den Ball trat, und unter den Augen Julian Kochs, der sein letztes Spiel für den MSV längst bestritten hat. Herr Wowereit hat trotzdem gelächelt. Man nennt das nun tatsächlich „Cup Handover“. Albern.

Derweil hält Andreas Burkert von der Süddeutschen den Neuer-Transfer zum FC Bayern für gelaufen.

Demnach würden die Münchner für den 25-Jährigen zwar als Fixum etwas weniger als 20 Millionen Euro überweisen, was ihnen offenbar wichtig ist – aber nichts daran ändert, dass der mehr oder weniger garantierte Endbetrag erheblich über der 20-Millionen-Marke landen wird.

Nach SZ-Informationen soll Neuer einen Vertrag über vier Jahre erhalten, und nicht nur für jeden Titel während dieser Laufzeit (Meisterschaft, Pokal, Champions League) wären Zusatzzahlungen fällig – sondern offenbar auch für die Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase, das Viertelfinale usw.

Burkert erwartet die Verkündigung des Deals nach dem Pokalfinale. Ich erwarte kurz darauf die Bekanntgabe des Transfers der neuen Nummer 1 des FC Schalke 04. Ich denke in drei Wochen ist alles geritzt.

Blaue Gladiolen!

Der FC Schalke 04 besiegt im Halbfinale des DFB-Pokals den FC Bayern München und wird am 21. Mai in Berlin gegen den MSV Duisburg um den Pott und um die Teilnahme an der Europa League Saison 2011/2012 kämpfen.

Da ich diese Zeilen schreibe bin ich noch ganz benommen. In der ersten Hälfte kam mein Körper mit der Mischung aus Begeisterung und Zittern nicht zurecht, in der zweiten Hälfte wurde mir angst und bange. Halbzeit 1 lief perfekt: Ribery und Robben sahen sich stets 2 bis 3 Schalkern gegenüber, nach Ballgewinn ging es schnell nach vorne, durch Vorstöße und Ecken kam Schalke zu Chancen während den Bayern keine Chance blieb.

Die Änderung in der zweiten Hälfte erklärte Béla Réthy sehr treffend in einem Satz: München spielte deutlich schneller und Schalke kam in diesem Tempo nicht nach, Ribery und Robben, oder Lahm und Pranjic zu doppeln. Mehr 1:1 Situationen bedeuteten gefährliche Hereingaben durch Bayerns Flügelspiel. Aber am Ende blieb es bei wenigen echten Torchancen, die allesamt vom Souverän Manuel Neuer entschärft wurden.

Mag sein, dass das Schalker Spiel für neutrale Zuschauer nicht schön anzuschauen war. Aber wenn man tatsächlich neutral ist sollte man vielleicht besser kein Fußball schauen. Für uns Blaue, für mich, was es großartig! Farfan wollte weg? Heute ist er dem aussichtslosesten Pass hinterher gehechelt und hat ein grandioses Spiel geliefert. Sarpei ein alter Sack? Heute hat er seinen Job gegen Arjen Robben bestens erfüllt. Höwedes spielte fehlerfrei, Uchida, Metzelder, Kluge, Annan … Raul sowieso … tatsächlich alle Schalker sind gerannt, haben ihre Aufgaben bis zum Schluss so gewissenhaft wie möglich erfüllt, als sei es das letzte Spiel.

Und eigentlich war es das ja auch, das letzte Spiel. Wenn man nüchtern genug ist um zu erkennen, dass Schalke 04 die Champions League nicht gewinnen wird, ging es in diesem Spiel um die Wahrung der Chance auf einen Titel und die Teilnahme am internationalen Wettbewerb. Ein Hail-Mary-Spiel in einer missratenen Bundesligasaison. Tod oder Gladiolen, wie Van Gaal so gerne sagt. Um den tatsächlichen Preis geht es zwar erst am 21. Mai, aber dieser Tod spricht nun mit den Bayern in Großbuchstaben und die Gladiolen, die im Mai vergeben werden, sind auf jeden Fall blau!



Foto: Dietmut Teijgeman-Hansen

Weggesungen

Neulich im Bus. Mein Sohn (5) sitzt gerne hinten. Ihm schräg gegenüber ein junger Mann, offensichtlich MSV-Fan, einen Blockstreifenschal tragend. Ob mein Sohn das kleine Zebra nicht gesehen hat, ob es ihm egal war, ob er Hoffnung in die Gemeinsamkeit der Farben setzte, ich weiß es nicht. Jedefalls begann er damit, erst etwas zurückhaltend, dann immer forscher, fast fordernd, das „Blau und Weiß“ unseres Vereins zu intonieren.

Eigentlich ist es mein Sohn gewohnt, dass andere mit einstimmen. Der junge Mann ließ sich durch die gelebte Fröhlichkeit und den Enthusiasmus des Fünfjährigen nicht dazu ermutigen. Schweigend stand er auf und suchte sich ein anderes, ruhigeres Plätzchen, weiter vorne im Bus.

Seltenes Derby

Derbys sind was Besonderes. Für Schalker ist das Derby gegen Borussia das „besonderste“, trotzdem kribbeln Spiele gegen Bochum und Duisburg auch deutlich mehr als Begegnungen gegen Wolfsburg, Hertha oder Karlsruhe. Das sieht Freund Thorsten sicher ähnlich, seines Zeichens Anhänger des MSV Duisburg. Und dass das Stadion an der Castroper Straße in Bochum ein guter Ort ist um Fußball zu schauen, darüber sind wir uns auch einig. Er darf aber auch in der kommenden Saison wieder nicht hin.

In den letzten 10 Jahren gab es tatsächlich nur 4 Spiele zwischen dem VfL Bochum und dem MSV Duisburg. Fahrstuhlclubs? Eher Paternosterclubs, in unschöner Regelmäßigkeit sind die einen oben, wenn die anderen unten sind, und umgekehrt. Jetzt darf man sich beim MSV über einen Aufstieg der Fortuna aus Düsseldorf freuen, neben den Derbys gegen Rot-Weiß Oberhausen gibt es also auch noch zwei „Straßenbahn-Derbys“. Aber ehrlich: Im Ruhrgebiet will man beim Begriff „Derby“ eigentlich nicht an Düsseldorf denken.

Trinken wir auf den Unterschied

Aber auf welchen genau?

Zwei dem MSV Duisburg zugetane Blogs bemühen sich gerade zu eruieren, wieso es der MSV so schwer hat, sein Stadion voll zu bekommen. Dem VfL Bochum geht es mit seiner Anhängerschaft kaum besser, während Borussia Dortmund und Schalke 04 als Gegenbeispiele dienen. Wieso aber unterscheidet unsereins zwischen Derby und kleinem Derby? Wieso haben MSV und VfL Probleme, die Fans in der eigenen Stadt zu mobilisieren, während sich an Spieltagen Züge aus Düsseldorf und Münster Richtung Gelsenkirchen von Bahnhof zu Bahnhof mit immer mehr Königsblauen füllen?

An den Städten an sich kann es kaum liegen. Gelsenkirchen ist kleiner als Bochum, das wiederum kleiner als Duisburg ist. Dass man in der einen Stadt kritischer oder die Leute anders wären als in der anderen, halte ich auch für absurd. Nein, in Derbys findet man die auf der anderen Seite deswegen so besonders scheiße, weil sie einem so verdammt ähnlich sind.

Mein persönlicher Ansatz wäre der der Tradition. Genauer: Der Erfolgstradition. Mag schwülstig und pathetisch klingen. Dennoch.

In Meiderich wird schon lange Fußball gespielt und in Bochum schon seit 1848 geturnt. Gegen Schalke, Borussia und auch Rot-Weiss Essen, dem ich ebenfalls bei (relativem) Erfolg ein riesiges Fanpotenzial zuschreibe, wiegt das nichts. Borussia und RWE waren vor allem ab den 50ern und bis zur Gründung der Bundesliga deutsche Spitzenclubs. Schalke 04 wurde 1958 zum siebten Mal Deutscher Meister und hievte einst den Fußball mit seinem Kreisel auf ein neues Niveau.

Das mag alles ewig her sein, entscheidend scheint mir aber, dass die großen Zeiten dieser Clubs in die starken Jahre des Ruhrgebiets fielen. In die Jahre, in denen das Ruhrgebiet mit Kohle und Stahl den Aufschwung befeuerte, mit Wirtschaftskraft und Stärke verbunden wurde. In denen entstand, was noch heute die Klischees bedient, womit manch einer nach wie vor gerne die Seinen beschreibt und was Andere vergeblich abzustreifen versuchen. Die Identität des Ruhrgebiets, zur der Schalke 04 und Borussia Dortmund gehören, vielmehr als andere Clubs.

Damals entstand so was wie die „Marken“ Schalke 04 und Borussia Dortmund, ein Bild, ein Gefühl wie ein „Traditionsverein“ zu sein hat. Und so was wäscht sich nicht aus, solange es regelmäßig durch emotionale Ereignisse befeuert wird. In günstigsten Fällen handelt es sich dabei um UEFA- oder DFB-Pokalsiege. Aber selbst knapp verpasste Erfolge, Skandale oder eben noch entronnenen Abstiege schüren große Emotionen. Und die Emotionen rissen nie ab, bis heute nicht, wo es auf Schalke kaum eine Nachricht wert ist, dass der Kapitän sein Amt niederlegt, weil das nun wirklich das kleinste Problem im großen Tohuwabohu dieses Clubs ist.

Nur mein Ansatz, wie gesagt, und sicherlich nicht alleine entscheidend. Bar jeder Häme und, aus Sicht eines Schalke-Fans froh darum, dass es so ist wie es ist, kann vielleicht von dieser Seite aus ein wenig zur Lösungsfindung beigetragen werden. Es mag andere, bessere, überzeugendere Ansätze geben. Über deren Darstellung in den Kommentaren würde ich mich freuen.



 
Hier die Links zu den angesprochenen MSV-Blogs:
Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus: Der MSV und sein Publikum
Ein Zebra in der Achterbahn: Was ist an Duisburg eigentlich anders