Artikel zum Schlagwort ‘Nationalmannschaft’

Spielchen mit Dänen

Nach der WM 2006 vereinbarte der DFB ein Freundschafts-Länderspiel gegen Dänemark für den 28.03.2007 in Duisburg. Die Fußballfans in dieser Stadt waren begeistert und sorgten flott für einen Ausverkauf der Tickets. In den Wochen vor dem Spiel dämmerte es der Liga und Bundestrainer Löw plötzlich, dass ein solch unwichtiges Spiel im Saisonendspurt der Clubs nicht gerade sinnvoll ist.

Bundestrainer Löw verzichtete daraufhin auf die Stammspieler der Nationalmannschaft und setzte mit Clemens Fritz, Alexander Madlung, Jan Schlaudraff oder Kevin Kuranyi Spieler ein, die unter ihm nie eine ernsthafte Option waren. Dänemarks Trainer Olsen bezeichnete Joachim Löw ob dieser Herabstufung eines Testspiels zum Schautraining als respektlos und egoistisch. Es folgte ein Spiel, das sein wichtigstes Ereignis in der Aktivität einiger Rasensprenger hatte.

Heute wird die Nationalmannschaft wieder gegen Dänemark spielen. Vor ein paar Wochen dämmerte es der Liga und Bundestrainer Löw, dass ein solch unwichtiges Spiel in der direkten Vorbereitung zur kommenden Spielzeit nicht gerade sinnvoll ist. Joachim Löw verzichtet deshalb auf die Stammspieler der Nationalmannschaft und stuft damit dieses Testspiel zum Schautraining herab. Mit solchen Spielen wird Geld verdient, deshalb werden wir Blödsinn dieser Art weiterhin erleben. Vielleicht sollte sich der DFB für die nächste Auflage mal einen anderen Gegner aussuchen.



Foto: Bashar A.

Westermanns Arschkarten-Jahr

Mit Magath kam der Umbruch und Magath machte Heiko Westermann zu seinem Kapitän. Eine gute Wahl. Westermann hatte zwei gute Jahre auf Schalke hinter sich, Nationalspieler, mit 26 im besten Führungsspieler-Alter, ein klar denkender Kopf. Es war davon zu lesen dass es eine Absprache gegeben habe, nach der Westermann nicht mehr so häufig wie zuvor die Position wechseln sollte. Er sollte zentral spielen, in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld vor der Abwehr. Heiko Westermann als Fixpunkt für eine sich suchende Schalker Mannschaft.

Dann aber wurde es Heiko Westermanns übelste Saison in königsblau. Beim Versuch zu Führen verlor er sich selbst und lieferte wiederholt schwache Leistungen ab. Es dauerte nicht lange bis er doch wieder als Aushilfe auf den Außenpositionen im Mittelfeld und der Abwehrkette eingesetzt wurde. Egal auf welcher Position, Heiko Westermann fehlte es mittlerweile an Souveränität. Zu Beginn der Rückrunde musste er sich auch noch am Meniskus operieren lassen und fiel einen Monat aus, was seine Situation noch schwieriger machte. Ginge es in der Nationalmannschaft nach aktuellen Leistungen, hätte Heiko Westermann meines Erachtens nicht nominiert werden dürfen. In diesem Fall kam des Bundestrainers „Philosophie-Prinzip“ einem Schalker zugute. Bis Samstag.

Vom „geplatzten WM-Traum“ wird gerade alle Nase lang, bei jedem Ausfall geschrieben. Manchmal ist es ein Traum in wiederholter Auflage oder es gibt die Möglichkeit des Nachträumens. Im Fall Heiko Westermann trifft die Formulierung in voller Härte. Bei einem, der als „Utility-Player“ irgendwie reingerutscht ist, der in dieser verletztungsverseuchten Nationalmannschaft reichlich Lücken zu finden gehabt hätte. Dass der dann 30-Jährige Heiko Westermann bei der WM 2014 in Brasilien dabei sein wird ist für mich aktuell kaum vorstellbar. Ich denke seine Profi-Karriere wird ohne WM-Teilnahme zu Ende gehen.

Mein Glückwunsch zur WM

Heute wird der Bundestrainer verkünden, dass Manuel Neuer bei der WM das Tor der deutschen Nationalmannschaft hütet. Dazu kann man beide nur beglückwünschen.

Auch Tim Wiese wäre eine gute Wahl gewesen, René Adler sowieso, ich will gar nicht vergleichen. Manuel Neuer ist der wichtigste Baustein der als stark geltenden Schalker Defensive. Er ist ein Typ für den „Flow“, einer der sich in einem Spiel bis nah an die Unüberwindbarkeit steigern kann. Ein Typ für „große Spiele“, wie er für Schalke in der Champions League und für den DFB bei der U21-EM bereits bewiesen hat. Dazu, und überhaupt für ein gutes Turnier, braucht es aber immer auch eine Portion Glück.
Ich drücke mir die Daumen königsblau.


Der Führer hinkt, aber wir fallen nicht!

Wenn schon alles geschrieben wurde, einfach mal Schlagzeilen wichsen! Was mit „Führer“ geht immer. Dafür ist sich nicht nur Der Spiegel in jeder dritten Ausgabe oder die BILD zu blöde, dass findet auch die taz immer wieder toll.

Gestern Abend blies diese die Nachricht „Der Führer ist tot, es lebe das Team!“ in den Twitter-Orkus. Im verlinkten Text wurde dann der Begriff „Spielführer“ moniert. Was Neues hatte Autor Markus Völker nicht zu berichten. Er hielt sich an die ewige dafür, dagegen Leitwolf/Leader/Macher Diskussion. Er ist natürlich dagegen, andersrum wäre gerade doof. Dass mit Kicker Ballack eine entscheidende Waffe ausfällt ist kein Thema, schicken wir eben einen Jungspund mehr an die Front. Sicher werden die Knaben im Eifer des Gefechts über sich hinauswachsen. Wir wollen dem Volk ja nicht den Glauben an den Endsieg nehmen.

Und alle: Da simmer dabei, dat ist prima …


Nicht meine WM

Nun redet Fußball-Deutschland über die Nationalmannschaft und ich fühle mich in meinem Saisonende-Gefühl bestätigt. Das mag man in Hannover oder Bochum ganz anders sehen, aber die haben mit „Nationalmannschaft“ auch kaum was zu tun. Noch weniger als Schalke 04, dessen Verbindungen zur „Bundesdeutschen Auswahl“ auch recht merkwürdige sind.

Da spielte der in der letzten Saison vom „Fachmagazin“ kicker zum besten defensiven Mittelfeldspieler gekürte Schalker in der Nationalmannschaft nie eine Rolle. Da sitzt der wichtigste Spieler der erfolgreichen Schalker Defensive als Nummer 2 auf der Bank. Da passt der stetig treffende Stürmer nicht ins spielerische Konzept. Und stetig dabei ist Heiko Westermann, für den von allen Schalker Stammspielern in der aktuellen Saison der größte Leistungsabfall zu verzeichnen war.

Nach dem Ausfall René Adler stellt sich nun also die Frage nach der Nummer 1 für die WM. Natürlich wünsche ich Manuel Neuer diese Position. Aber natürlich ist auch Tim Wiese ein guter Torwart, natürlich darf sich der Bundestrainer diese Entscheidung offen halten, wie heinzkamke schon richtig bemerkte, natürlich ist es egal, wer Nummer 1, 2 oder 3 war, unser Bundestrainer ist ein großer Virtuose im Begründen von Entscheidungen, welche er als Nationalmannschafts-Obermufti überhaupt nicht begründen bräuchte.
Es ist nur so, dass durch Manuel Neuers Inthronisierung in mir wieder ein Funken Interesse entzündet werden würde. Ich habe jedes Spiel der Profikarriere des Manuel Neuer verfolgt, das ist mir nah. Ansonsten ist diese Nationalmannschaft ganz weit weg von mir.

Joachim Löw mag tun und lassen dürfen was er will, und wenn er gewinnt wird er bei „Wetten, Dass..?“ bejubelt werden, aber mir geht das Gehampel am Arsch vorbei. Mir fehlt es an Nachvollziehbarkeit, am Dabeisein, an Identifikation. Ich habe das Gefühl dass es vielen so geht, aber wir werden in der Flut des Evententhusiasmus weggeschwemmt werden. Wenn die Nachbarin die Fähnchen ans Auto klemmt und sich bei Aldi um die Fanshirts gekloppt wird ist es egal ob Herr Wieland Spaß hat oder nicht. Dessen bin ich mir völlig bewusst.

Unterm Schal, da gibts koa Hautunreinheiten!

Ein Filmchen das zeigt, womit „Jogi“ seinen Strafraum sauber hält. Werbung, natürlich, sollte man eigentlich nicht für lau verbreiten. Aber weil es so unglaublich gut zu meinem Bild von „Jogi“ Löw pascht …


[via @kressZwitscher]

Das Thema Kuranyi und der falsche Ansatz

Kevin Kuranyi ist in Topform und übertrumpft die aktuellen Nationalmannschaftsstürmer um Längen. Jetzt fordern auch die großen Kritiker und Kommentatoren, dass Bundestrainer Löw umdenken und Kuranyi mit zur WM nehmen solle. Das Argument ist schlüssig: Die Besten sollten für Deutschland spielen. Dies ist jedoch ein nicht zum aktuellen Bundestrainer passender Ansatz. Unter Löw ging es bei Nominierungen noch nie nach Leistung.

Joachim Löw will eine Mannschaft, die harmoniert. Man könnte den alten Spruch hervorholen, nach welchem der Star die Mannschaft ist, um für Löws Kaderzusammenstellungen zu argumentieren. Wenn Joachim Löw einen Spieler und dessen Charakter schätzt, ist quasi alles erlaubt. Dann ist es egal, ob ein Spieler auf dem Platz seinen Mitspieler schlägt, wie Podolski. Dann macht es nichts, dass Stürmer in einer ganzen Saison keine drei Tore erzielen, wie Miroslav Klose. Dann brauchen Spieler in ihrem Club auch kaum zu spielen, wie Jens Lehmann oder Christoph Metzelder vor der letzten EM.

Spieler die Löw nicht schätzt können umgekehrt so erfolgreich spielen wie sie wollen, sie werden in der Nationalmannschaft kein Bein auf die Erde bekommen. Im „Fall Kuranyi“ konnte man den Eindruck haben, als wäre Löw der Vorfall im Oktober 2008 nur recht gewesen. Obwohl er seit Jahren in der Bundesliga zuverlässig das Tor trifft, war er in der Nationalmannschaft stets ein Wackelkandidat. Aber so ist es nicht nur mit Kuranyi, Stefan Kießling geht es kaum anders.
Stefan Kießling spielt eine überragende Saison, ist Sturmführer und Leistungsträger einer spielerisch starken Mannschaft, und trotzdem musste das wortstarke Fußballdeutschland diesen Spieler dem Bundestrainer förmlich aufdrängen, hatte man den Eindruck, als hätte Löw bei Kießlings Nominierung für ein Freundschaftsspiel gegen Chile über einen riesigen Schatten springen müssen. Kuranyi und Kießling haben in der Bundesliga in dieser Saison 33 Tore geschossen und 12 Treffer vorbereitet, mehr als Podolski, Klose, Gomez, Cacau, Schweinsteiger und Ballack zusammen. Trotzdem: Selbst wenn die Medien Kuranyi noch nach Afrika schrieben und Löw nichts mehr einfiele, Kießling daheim zu lassen; beide würden bei der WM unter Löw nicht mehr als das 5. Rad am Wagen, als Einwechselspieler für die 80. Minute sein.

Das Konzept „Harmonische Mannschaft“ kann über das Konzept „Die elf Besten“ siegen, das beweist jede Bundesligasaison in welcher der stets beste Kader des FC Bayern München nicht Deutscher Meister wird. Wenn sich allerdings eine ganze Reihe Nationalspieler seit Monaten in schlechter Form präsentieren, muss man schon mal zweifeln dürfen. Das Ärgerlichste an Bundestrainer Joachim Löw ist aber vor allem dessen Kommunikation: Dass er keinen Klartext redet wenn er einen Spieler nicht will. Dass er von Leistungsprinzip und Konkurrenzkampf spricht. Das Löw’sche „Leistungsprinzip“ bestimmt die Zusammensetzung der Nationalmannschaft wie einst die Demokratie die Volkskammer der DDR.