Artikel zum Schlagwort ‘RasenBallsport Leipzig’

Energieleistung gegen den Tabellenzweiten

Am 30. Spieltag kam der Tabellenzweite, seines Zeichens Werbeabteilung eines Brauseunternehmens, in die Veltins Arena. Das erklärte Ziel sollte es sein, die bisher relativ erfolgreich verlaufene Kaltakquise-Tournee in der Bundesliga mit einem Sieg gegen den Krisenclub Schalke 04, den Europapokal-Halbfinalisten der Herzen, fortzusetzen. Die Voraussetzungen dafür konnten gar nicht besser sein: RB reiste ausgeruht und mit voller Kapelle nach einem 4:0-Heimsieg gegen den Europacup-Aspiranten Freiburg an. Schalke hatte, wir erinnern uns, 120 intensive Minuten gegen Ajax Amsterdam in den Beinen. Von Darmstadt sprechen wir lieber gar nicht, und von einem einzigen Verletzen im Lazarett und der „Qual der Wahl bei der Aufstellung“ (Hasenhüttl) bekäme Markus Weinzierl wohl feuchte Träume.

Schalke legte erstmal so los wie zu befürchten war: Oft einen Schritt zu langsam, fast alle Aktionen einfach zu unpräzise. Durchaus so, als hätte man sich am Donnerstag noch 120 Minuten lang „zerrissen“, was ja das neue Modewort im deutschen Fußballsprech zu sein scheint. Ab Minute 10 wurde der ein oder andere Pass an den Mann gebracht, Schalke schien sich langsam den Muskelkater rauszulaufen und Guido Burgstaller verzeichnete sogar einen ersten Abschluss. Kopfballduelle konnten jedoch weiterhin keine gewonnen werden. Vielleicht war dieses Faktum kurz darauf Benedikt Höwedes‘ Motivation gegen Publikumsliebling Timo Werner, ein solches erst gar nicht zu führen und stattdessen nur zu klammern. Vielleicht wollte er stattdessen aber auch dem „Die Mannschaft“-Kollegen Timo endlich mal zu einem verdienten Elfer verhelfen und Ralf Fährmann die Gelegenheit, sich ein weiteres Mal als Elfmeterkiller auszuzeichnen – wir werden es wohl nie erfahren. So oder so ging Leipzig mit diesem verloren Duell in Führung.

Kurz danach hätte Leipzig gar auf 2:0 erhöhen können, aber Emil Forsberg war wohl selbst überrascht, dass er nicht im Abseits stand. Wohl in Gedanken bei der Frage, ob der mitgelaufene Timo Werner sich nun im passiven oder im aktiven Abseits befand, und um sich und uns allen die Diskussion darum zu ersparen, entschied er sich für die einzig richtige Möglichkeit: Er setzte einfach den Ball neben das Tor und entschuldigte sich brav.

Auch danach war RB das bessere Fußballteam, Schalke ließ aber nicht wirklich was anbrennen. Erwähnenswert vielleicht noch Minute 36, in der man kurz denken konnte, Ralf Fährmann wär in der Zwischenzeit gegen Manuel Neuer ausgewechselt worden, als er ungefähr auf Höhe des gegnerischen Strafraums den Ball vor dem freien RB-Mann weggrätscht. Wenig später, während ich noch grübelte ob Neuer sich nicht kürzlich den Fuß gebrochen hat und sowieso sein Brot inzwischen ganz woanders verdient (ebenfalls Werbebranche), bereinigte Fährmann die Verwirrung höchst selbst, indem er einen Abstoß ins Aus schlug, fast als wolle er damit sagen: „He, ich bin‘s noch, der Ralf!“

In der zweiten Hälfte dann der Auftritt des Hunters. Klaas-Jan Huntelaar bewies, dass er es immer noch kann, wie damals, 2011: Mutterseelenallein, aus 7 Metern mit dem Kopf. Es war wohl Abseits, aber den Videobeweis, den sich auch Markus Weinzierl kürzlich noch gewünscht hatte, gibt es ja zum Glück noch nicht. Schalke zeigte sich fortan verbessert, durchaus auch mit Chancen, ohne sich jedoch absolute Hochkaräter zu erspielen. Die hochgelobte RB-Offensive hatte Schalke nun weitestgehend gut im Griff und die ganz gut getimte Abseitsfalle verhinderte Schlimmeres. So blieb es am Ende bei einem leistungsgerechten Remis.
 
 
Nur solide, aber in Summe ebenbürtig

An sich war es ein in keinerlei Hinsicht besonderes Fußballspiel. Eine bessere Leipziger Mannschaft in Durchgang eins, verbesserte Schalker in der zweiten Hälfte. Solides Handwerk von beiden Teams, einige vernünftige Spielzüge, insgesamt aber zu wenig Torraumszenen um den unbeteiligten Zuschauer mitzureißen. Letzteres übrigens nur eine Vermutung meinerseits, da ich nicht gerade unbeteiligt war und unbedingt auf Satisfaktion für das Hinspiel gehofft hatte.

Nein, besonders wurde es eher durch die eingangs genannten Umstände. Dass Schalke drei Tage nach dem bitteren Viertelfinal-Aus Leipzig in Summe absolut ebenbürtig begegnet, in der Laufstatistik sogar ein leichtes Plus erlief, ist keinesfalls selbstverständlich und verdient Anerkennung.

Auch spielerisch sah es nicht nur nach Stückwerk aus. Nabil Bentaleb gefällt mir in der Rolle als Chef im tiefen Mittelfeld einfach extrem gut, mit Coke hat man endlich wieder einen Rechtsverteidiger der mehr als eine solide Notlösung ist, Sead Kolasinac vermisse ich jetzt schon und für Klaas-Jan Huntelaar freut mich, dass er endlich wieder traf – vielleicht zum letzten Mal für S04?

Lobend erwähnen könnte ich jetzt noch Benjamin Stambouli und Ralf Fährmann. Den Witz oben konnte ich mir nicht verkneifen, seine langen Bälle sind immer noch schwach. Aber geschenkt, denn wie er mittlerweile ins tiefe Kombinationsspiel eingebunden ist und auch in brenzligen Situationen spielerische Lösungen findet, verdient absolute Hochachtung. Ich denke das hätten ihm in dieser Form die wenigsten von uns zu Beginn der Saison zugetraut.

Für den Rest der Saison wünsche ich mir jetzt noch ein paar gute Spiele und dann sollen alle Beteiligten erstmal ordentlich Urlaub machen.

Habt eine gute Woche und vertragt euch,
Florian

Betuppt, unglücklich & doch verdient verloren

Schalke verliert beim Tabellenführer in Leipzig 2:1. Ein falscher Elfmeter überschattete das Spiel, das über weite Strecken zerfahren und nicht gut war, dessen Ergebnis am Ende aber den Leistungen der Teams entsprach.

Timo Werner hat dem Spiel mindestens eine halbe Stunde und mir den Spaß daran gestohlen. Die ganze Diskussion darum, was er nach dem Pfiff dem Schiedsrichter gesagt hat und was nicht, was Schiedsrichter Dankert ihn gefragt hat und was nicht, ob er bei einer Frage hätte sagen müssen, dass er nicht gefoult worden sei oder ob man das „von einem Profi“ nicht erwarten könne: Diese ganze Diskussion ist mir zuwider und ist meines Erachtens „drüber“. Wer sich ohne gefoult zu werden derart fallen lässt, ist ein Betrüger. Das gilt es zu ächten, vollkommen egal welches Trikot der Spieler trägt, auch wenn sowas einer tut dem die eigenen Sympathien gehören, wie Bernard Tekpetey, dessen peinliche „Schwalbe“ vor anderthalb Wochen zu Recht mit Gelb bestraft wurde und zu einem späteren Platzverweis führte. Dass das von den Protagonisten der Liga nicht getan wird, dass einer wie Ralf Rangnick ohne rot zu werden in eine Kamera sagt, dass es keine „Schwalbe“, keine Absicht des Spielers gewesen sei, zementiert, dass solches von Profiseite weiterhin als „Kavaliersdelikt“ erachtet und praktiziert wird.

Man kann ein Spiel schon als „extrem dumm gelaufen“ kategorisieren, wenn man zunächst dieser Unfairness hinterherlaufen muss, und sich dann, nachdem man deren Auswirkungen egalisiert hat, mit einem Eigentor maximal unglücklich erneut ins Hintertreffen bringt. Trotzdem mag ich diese Niederlage nicht mit den Argumenten „Betrug“ und „Unglück“ abhaken. Für Schalke war mehr drin, in diesem Spiel. Letztlich hatte Schalke nicht seinen besten Tag und Leipzigs Offensive ließ erahnen, weshalb man die Bundesligatabelle anführt.

Leipzigs schnelles Umschalten nach Ballgewinnen war beeindruckend. Das Tempo, die Ballsicherheit, das Schnörkellose – eben so, wie sich jeder Fan Angriffe der eigenen Mannschaft auch wünschen würde. In der ersten Halbzeit konnte Schalke diese Gegenstöße noch einigermaßen gut verteidigen. In der zweiten Hälfte machte man sich das Leben selbst schwer.
Schalke wollte den zweiten Rückstand aufholen. Schalke wollte das Spiel in Leipzigs Hälfte verlagern. Schalke hatte richtig erkannt, dass Leipzigs Abwehr nicht ganz sattelfest anmutete, dass man über Druck auf diese zum Erfolg kommen kann. Das Problem war der Weg ins Angriffsdrittel.

Im Mittelfeld zerstörten beide Teams den Spielfluss des Gegners durch viele kleine Fouls. Sich durch dieses Gezerre zu kombinieren hätte mehr Tempo und Präzision gebraucht. Schalke versuchte es vermehrt mit langen Pässen aus der Abwehr, wollte schnell viel Raum überbrücken und hoffte auf “den zweiten Ball”. Diese langen Pässe landeten allerdings arg häufig direkt und spielbar in des Gegners Füße.

Ob nun Leipzig die Passwege besser zustellte als andere Gegner oder ob Matija Nastasic und Naldo zu oft hohe Risiken eingingen, vermag ich nicht zu beurteilen. Fakt ist, dass Schalke aus der Abwehr heraus viele Fehlpässe produzierte. Fehler, die Leipzig immer wieder sein schnelles Umschalten ermöglichte und Schalkes Defensive entblößt dastehen ließ. Diese ständige Gefahr sorgte meiner Meinung auch dafür, dass Schalke dann, wenn der Ball mal vorne war, nicht konsequent genug nachrückte. Als Ergebnis dessen kam Schalke in der zweiten Hälfte nie zu einem ordentlichen Offensivspiel. Einige wenige Chancen entstanden eher zufällig oder aus Standardsituationen, während Leipzigs Offensive stets gefährlich blieb.

Eine Niederlage, mit der Schalke leben kann. Weil eben jede Serie mal endet, weil Leipzig tatsächlich zurecht Tabellenführer ist, und auch, weil die geschürten Emotionen die eigenen Fans noch ein bisschen mehr hinter das Team brachten – das neue Wir-Gefühl ist durch dieses Spiel nicht verebbt, eher im Gegenteil. Gerade fürs Gefühl muss das nächste Spiel aber unbedingt gewonnen werden. Zu Hause, gegen Leverkusen, das mit 5 Siegen und 6 Niederlagen bei 2 Unentschieden exakt die gleiche durchschnittliche Bilanz aufzuweisen hat wie man selbst.