Artikel zum Schlagwort ‘Rosenborg BK’

Die Finger nur zum Jubel hoch

(Zu den Ereignissen um das Spiel FC Schalke 04 – Rosenborg Trondheim)

Rosenborg heißt „Ruu – senn – burrk“. So rief es jedenfalls der aufrechte Haufen im Gästefanblock bewundernswert ausdauernd, in dessen Nähe ich die erste Halbzeit verbrachte. Dort fand ich mich vergleichsweise pünktlich ein, nachdem die Spielvorbereitung in der Vereinskneipe an der Glückaufkampfbahn stattfand, wo ich mich recht spontan mit kurtspaeter und seinem Freund und Kommentator Libuda getroffen hatte. Die zweite Halbzeit sah ich dann gemeinsam mit Freundin Kerstin, die ich während der Pause besuchte und bei der ein Sitz leer geblieben war. Und so wurde es ein rundum angenehmer Abend!

Angenehm, weil Schalke endlich mal die klar bessere Mannschaft war. Weil Schalke es nur kurz spannend werden lies, das Spiel nach einer kurzen, schwächeren Phase nach dem Anschlusstreffer alsbald wieder in den Griff bekam. Weil Schalke sicher genug stand, so das Ruusennburrk überhaupt nur wegen des kapitalen Fehlers Westermanns zum Erfolg gekommen war. Weil sich somit die Chancen auf die erhoffte Kontinuität erhöht haben. Weil die Stimmung gut war und weil es überhaupt endlich mal wieder was zu feiern gab.

Aber dann war da noch die Sache mit der Moral.
Ein Würger, der vom DFB gesperrt wurde. Drei Party-Prinzen, die vom Verein gesperrt wurden. Der Würger spielte. Und die Prinzen durften nicht. Und Bajramovic holte der Prinzen Trikots, und manche fanden es toll und manche pfiffen …

Ich mag die Idee, dass man die Spieler eigenverantwortlich Leben lässt und sie nur auf Grund ihrer Leistung auf dem Platz beurteilt.
Ich finde es durchaus bedenklich, dass Berufssportler am Abend nach einem Wettkampf und drei Tage vor dem nächsten Wettkampf Alkohol trinken, und wenn Schalke sich da irgendwelche internen Regel auferlegt hat, kann ich akzeptieren, dass danach gehandelt wird. Dabei kann ich aber nur hoffen, dass die Suspendierung angemessen und nicht überzogen war, weil ich nichts über das Ausmaß der Party weiß.

Auch möchte ich keinen allzu moralisch auftretenden Club, der vom DFB erteilte Strafen noch erhöht, um besonders korrekt erscheinen zu wollen. Das möglicherweise nur wegen der Bestrafung Rakitic’ ausgerechnet Großmüller zum Einsatz kam, fand ich doof, weil ich das bisherige Auftreten Großmüllers in allen Bereichen als daneben empfand. Einen freiwilligen Selbstverzicht seitens des Trainers hätte ich aber erst recht als übertrieben und unprofessionell empfunden.

So darf da jeder seine Meinung haben und niemand hat das Recht oder die Moral für sich gepachtet.
Genauso gestehe ich jedem zu, die Aktion Bajramovic’ als Demonstration für den Teamzusammehalt oder auch als eine gegen die Entscheidung der Suspendierungen zu sehen – zumal ich gerade Bajramovic, den angry young man im Kader, die ganze Bandbreite zutraue. Und wer was Scheiße findet, der darf auch pfeifen, bei der Trikotaktion wie auch bei der Mannschaftsaufstellung.

Das ist Schalke. Da geht es darum was passiert, durch Emotion in ungeahnte Sphären gesteigert. Oft bekloppt, aber eben auch toll. Das ist zum Glück kein Karnevalsverein.

Auf zur nächsten Runde.

[Bild: AndiH]

Typisch Schalke

(Das immer schwerste Spiel: Rosenborg Trondheim)

Nicht geht einfach in diesem Club. Nichts geht glatt. Immer spitzt es sich bis aufs Letzte zu, und dann muss unbedingt gewonnen werden. Gegen Blau-Weiß 90 Berlin, gegen Borussia Dortmund, nun gegen Rosenborg Trondheim.

Gut, verglichen mit den Spielen gegen Berlin und Borussia erscheint ein möglicher Ernstfall weniger dramatisch. Weder ginge es für Schalke Richtung Regionalliga, noch gäbe man eine sicher geglaubte Trophäe aus der Hand. Vielmehr ist es so, dass nicht unbedingt mir dem Weiterkommen in dieser Gruppe gerechnet werden konnte, obwohl es als offizielles Ziel ausgegeben wurde.

Und trotzdem geht es um richtig viel für Schalke 04: Um etwas Ruhm, um etwas mehr Geld, und vor allem um Kontinuität.

Alles deutet darauf hin, dass es in diesem Spiel auch um den Trainerjob geht. Dabei hat Slomka in der letzten Saison bewiesen, dass er eine adäquate Mannschaft an die Tabellenspitze, in die Champions League führen kann. In dieser Saison stellt sich die Mannschaft als inadäquat zu den ausgerufenen Zielen dar. Mit Manager Müller wurde allerdings kürzlich bis 2011 verlängert.

Es fehlt an einem Ersatz für Pander, der spätestens nach dessen zweiten (oder dritten, oder vierten?) Verletzung hätte geholt werden müssen, wie auch kurtspäter bereits bemängelte. Varela und Kobiashvili standen praktisch nicht zur Verfügung, der Ersatzmann, der Würger von Frankfurt, hat bislang nicht geholfen.
Und es hat sich gezeigt, dass es nicht funktioniert, auf konstante Leistungen von zwei talentierten 19-Jährigen zu bauen. Aber ausgerechnet mir stünde es schlecht, das nun zu bemängeln, nachdem ich doch in der Sommerpause verpasst hatte, genau dies zu tun – nachdem ich auch daran geglaubt hatte, dass das Talent der Jungen und die Erfahrung der Defensivabteilung die passende Mischung sein könnte!

Viel ist schief gelaufen, in dieser Hinrunde, viel mehr noch als ich hier und jetzt dazu schreiben möchte. Aber Müller bleibt, und Müller arbeitet am Kader. Das geht mit den vielfach kolportierten 12 Millionen Euro aus der nächsten Champions League Runde besser als ohne, und schneller, als wenn er sich erst noch um einen anderen Trainer bemühen müsste.
Das mit dem Entlassen von Trainern hat auf Schalke schon cirka 30 mal nicht funktioniert.

Als Appetizer und als Erinnerung, dass Fußball auf Schalke auch im Herbst 2007 Spaß machen kann, hier noch mal die Bilder aus dem Spiel gegen Chelsea. Nur ein Tor muss es heute Abend bitte sein …

[Bild: caffeina]

Wenn die Köpfe den Füßen im Weg sind

(Zum Spiel Rosenborg Trondheim – FC Schalke 04)

Nervös, nervöser, Schalke 04. Die Königsblauen spielen in der Champions League schlechter als in der Bundesliga. Eine Sache des Kopfes: Sie müssen begreifen, dass sie dort hingehören.

Wenn der FC Bayern in den vergangenen Jahren in der Champions League gegen Real Madrid oder Manchester United angetreten ist, waren das meist große Fußballabende. München war dann sehr präsent. Hasan Salihamidzic, in der Bundesliga gehobener Durchschnitt, lieferte sich dann plötzlich Weltklasseduelle mit Roberto Carlos. Jeder Spieler brachte 10% mehr Leistung als in einer Bundesligapartie gegen Hertha, Wolfsburg oder Bielefeld. Einstellung und Körpersprache suggerierten dabei: Wir sind der deutsche Rekordmeister, uns schafft ihr nicht aus dem Weg.

Bei Schalke ist das anders. In der Champions League benimmt es sich jedes mal wie ein Neuling! Schalke verwechselt dann Aktivität mit Hektik, Aggressivität mit Übermut, Coolness mit Leichtsinn.

Rosenborg Trondheim hat schwach gespielt, und trotzdem hat Schalke es stark gemacht. Trondheim hat kaum eine Torchance gehabt. Gefährlich wurde es nur dann, wenn Schalke es gefährlich werden lies. Es waren nicht die Aktionen, die nicht stimmten, es waren deren unpräzise Ausführungen. Und es war das von jedermann selbst am TV zu fühlende, unsichere Auftreten.

Solch ein Fauxpas wie bei dem Beinaheeigentor würde Westermann in der Liga nicht passieren. Er würde den Knicker kurzerhand wegpöhlen und auf den Einwurf pfeifen. Wenn Bordon aus 40 Metern aufs Tor schießt – was ich generell für schwachsinnig halte – geht der Ball für gewöhnlich wenigstens Richtung Tor.
Heute gab es zig ungenaue Zuspiele zu sehen, kleine Fouls und Nickeligkeiten die notwendig wurden, weil der jeweilige Schalker einen Schritt zu spät kam, weil die Situation nicht antizipiert wurde.

Schalke fehlt die notwendige Arroganz. Es scheint zu staunen, wenn es plötzlich gegen Valencia, Chelsea oder in der Nähe des Polarkreises zu spielen hat, statt zu realisieren, dass es in diese Liga gehört.
Vielleicht ist es ja das, was mit „internationaler Erfahrung“ gemeint ist. Ma’kucken. Der nächste Prüfstein liegt in London.