Ma’ dateln

15. April 2009, Torsten Wieland

Stichwörter: , , , ,

Über Netzer wurde sich unterhalten, über dessen Klinsmann-Bashing, und dass der Kolumpräkai wohl gesagt hat „Günter, mach’ Du mal, ich will nicht schon wieder.“ Netzer war doch dereinst Manager des HSV. Doch wie lange? Von 1978 bis 1986, gute Güte, so lange, das hatte ich nicht in Erinnerung. Die starke Zeit des HSV. Als auch Kevin Keegan dort spielte. Wann war das nochmal? ’78 bis ’80, war ein riesen Ding damals, ich kann mich noch daran erinnern, dass es bei uns anne Bude Comics mit „Mighty Mouse“-Storys gegeben hat. In Duisburg, dessen Held eigentlich anders aussah.
Als der HSV in Athen den Landesmeisterpokal gewann war Keegan nicht mehr dabei. Aber Netzer als Manager. Und Horst Hrubesch, der den HSV danach aber verlies. Hrubesch, einer der beeindruckendsten Stürmer meiner Fußball-Kindheitserinnerungen. 136 Tore in 224 Bundesligaspielen. Bestimmt alle mit’m Kopp. Und in der 2. Bundesliga Nord, 1977/78, 42 Tore in 35 Spielen für Rot-Weiss Essen. 42 von 82 Essener Toren. Aufgestiegen sind die trotzdem nicht. Auch noch nicht 3 Jahre später, als Frank Mill in 38 Spielen 40 der insgesamt 99 Essener Tore erzielte. In dieser Saison und in dieser Liga schoss Hertha BSC in 42 Spielen 123 Tore – und stieg auch nicht auf. Unglaublich.

Trinken wir auf den Unterschied

18. März 2009, Torsten Wieland

Stichwörter: , , , ,

Aber auf welchen genau?

Zwei dem MSV Duisburg zugetane Blogs bemühen sich gerade zu eruieren, wieso es der MSV so schwer hat, sein Stadion voll zu bekommen. Dem VfL Bochum geht es mit seiner Anhängerschaft kaum besser, während Borussia Dortmund und Schalke 04 als Gegenbeispiele dienen. Wieso aber unterscheidet unsereins zwischen Derby und kleinem Derby? Wieso haben MSV und VfL Probleme, die Fans in der eigenen Stadt zu mobilisieren, während sich an Spieltagen Züge aus Düsseldorf und Münster Richtung Gelsenkirchen von Bahnhof zu Bahnhof mit immer mehr Königsblauen füllen?

An den Städten an sich kann es kaum liegen. Gelsenkirchen ist kleiner als Bochum, das wiederum kleiner als Duisburg ist. Dass man in der einen Stadt kritischer oder die Leute anders wären als in der anderen, halte ich auch für absurd. Nein, in Derbys findet man die auf der anderen Seite deswegen so besonders scheiße, weil sie einem so verdammt ähnlich sind.

Mein persönlicher Ansatz wäre der der Tradition. Genauer: Der Erfolgstradition. Mag schwülstig und pathetisch klingen. Dennoch.

In Meiderich wird schon lange Fußball gespielt und in Bochum schon seit 1848 geturnt. Gegen Schalke, Borussia und auch Rot-Weiss Essen, dem ich ebenfalls bei (relativem) Erfolg ein riesiges Fanpotenzial zuschreibe, wiegt das nichts. Borussia und RWE waren vor allem ab den 50ern und bis zur Gründung der Bundesliga deutsche Spitzenclubs. Schalke 04 wurde 1958 zum siebten Mal Deutscher Meister und hievte einst den Fußball mit seinem Kreisel auf ein neues Niveau.

Das mag alles ewig her sein, entscheidend scheint mir aber, dass die großen Zeiten dieser Clubs in die starken Jahre des Ruhrgebiets fielen. In die Jahre, in denen das Ruhrgebiet mit Kohle und Stahl den Aufschwung befeuerte, mit Wirtschaftskraft und Stärke verbunden wurde. In denen entstand, was noch heute die Klischees bedient, womit manch einer nach wie vor gerne die Seinen beschreibt und was Andere vergeblich abzustreifen versuchen. Die Identität des Ruhrgebiets, zur der Schalke 04 und Borussia Dortmund gehören, vielmehr als andere Clubs.

Damals entstand so was wie die „Marken“ Schalke 04 und Borussia Dortmund, ein Bild, ein Gefühl wie ein „Traditionsverein“ zu sein hat. Und so was wäscht sich nicht aus, solange es regelmäßig durch emotionale Ereignisse befeuert wird. In günstigsten Fällen handelt es sich dabei um UEFA- oder DFB-Pokalsiege. Aber selbst knapp verpasste Erfolge, Skandale oder eben noch entronnenen Abstiege schüren große Emotionen. Und die Emotionen rissen nie ab, bis heute nicht, wo es auf Schalke kaum eine Nachricht wert ist, dass der Kapitän sein Amt niederlegt, weil das nun wirklich das kleinste Problem im großen Tohuwabohu dieses Clubs ist.

Nur mein Ansatz, wie gesagt, und sicherlich nicht alleine entscheidend. Bar jeder Häme und, aus Sicht eines Schalke-Fans froh darum, dass es so ist wie es ist, kann vielleicht von dieser Seite aus ein wenig zur Lösungsfindung beigetragen werden. Es mag andere, bessere, überzeugendere Ansätze geben. Über deren Darstellung in den Kommentaren würde ich mich freuen.



 
Hier die Links zu den angesprochenen MSV-Blogs:
Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus: Der MSV und sein Publikum
Ein Zebra in der Achterbahn: Was ist an Duisburg eigentlich anders