Artikel zum Schlagwort ‘SC Paderborn’

Alexander Nübel und Donis, direkt

Wie zuvor angekündigt hat Schalke 04 nun noch einen Nachwuchs-Torhüter verpflichtet. Alexander Nübel kommt vom SC Paderborn. Dort hat er in der letzten Saison bei den Profis trainiert, aber in der Westfalenliga gespielt. Im Netz wird er an verschiedenen Stellen als „riesiges Talent“ bezeichnet, aber das ist wohl letztlich jeder der es in den Nachwuchs eines Bundesligaclubs schafft. Wir werden erleben wie weit er es bringen wird. Alexander Nübel ist 18 Jahre jung.

Nur 36 Tage älter ist ein anderes riesiges Talent. Donis Avdijaj hatte am Mittwoch Geburtstag und wurde 19. Nach dem Bohei um seine Ausstiegsklausel und der falschen Story um ein angebliches Autorennen spielt er nun in der Österreichischen Bundesliga für Sturm Graz. Er ist ausgeliehen, hat mit Schalke einen bis 2019 laufenden Vertag und kann von den Blauen zu jeder Transferperiode zurückgeholt werden. In Graz ist man aber derweil froh, dass man ihn hat. Saisonübergreifend hat er in seinen bisherigen 25 Pflichtspieleinsätzen 10 Treffer erzielt und 5 vorbereitet.

Aber Donis Avdijaj trifft nicht nur gerne, er redet auch gerne, und zwar gerade heraus. Nun kam er im „Wordrap“ der Kleinen Zeitung zu Wort, ein Videoformat wie für ihn geschaffen. Manch einer findet Donis vielleicht zu bott, wir sind ja alle längst das Glatte gewohnt. Ich kann seine Art gut leiden. Auf mich wirkt er vor allem echt.

Zum „Wordrap“ hier entlang
 

André Breitenreiter

Auf Schalke Trainer zu sein ist nicht der angenehmste Job, den man haben kann. Ich sage aber nicht, dass er das nicht hinbekommen würde. Man darf ihn nicht unterschätzen. Er kam aus der vierten Liga nach Paderborn und man hat ja gesehen, was er aus dem Verein gemacht hat. Nicht nur, dass er den Aufstieg geschafft hat, er hat auch diverse andere Sachen voran gebracht. Das Trainingszentrum war jahrelang ein Diskussionsthema und wird jetzt endlich gebaut. Und er ist tatsächlich ein sehr, sehr guter Trainer, der nicht umsonst heiß umworben wird.

So sprach Stephan Simann, SC Paderborn-Blogger, vor einer Woche im Rasenfunk Royal über André Breitenreiter, als thematisiert wurde, dass Breitenreiter als Di Matteo-Nachfolger im Gespräch sei. Seit heute ist André Breitenreiter offiziell Roberto Di Matteos Nachfolger und neuer Trainer des FC Schalke 04. Ich finde das gut.

André Breitenreiter ist ein geerdeter Typ und passt meines Erachtens gut zu diesem Club. Jedenfalls zu dem FC Schalke wie ich ihn sehe. Ich mag, dass es in seiner Karriere bislang stets nach oben ging. Ich mag, dass Schalke einen Trainer verpflichtet hat, der über eine gewisse Erfahrung verfügt, für den Schalke aber trotzdem der nächste große Schritt ist.

Wer in André Breitenreiter nur einen Bundesliga-Absteiger sieht ist ignorant. Tatsächlich ist sein bisheriger Trainerweg eine Erfolgsstory. Den Regionalligisten TSV Havelse rettete er zunächst vor dem Abstieg, führte ihn bis auf Platz 2, qualifizierte sich über den Gewinn des Niedersachsenpokals für den DFB-Pokal und warf in der ersten Runde den 1. FC Nürnberg raus. Damit machte er auf sich aufmerksam und Paderborn holte ihn in die zweite Liga. Den SCP machte er von einem durchschnittlichen Zweitligisten zum Aufsteiger. Und in einer Erstligasaison, vor der man den Club schon mit Tasmania Berlin vergleichen wollte, in der Paderborn als Mannschaft galt, die so früh absteigt wie Bayern Meister wird, holte Breitenreiter mit einer kaum verstärkten Truppe immerhin 7 Siege und 31 Punkte. Tatsächlich stieg Paderborn erst am letzten Spieltag auch rechnerisch ab. Das war mehr als jeder erwartet hatte.

André Breitenreiter beherrscht die freie Rede. Auf Pressenkonferenzen und in Interviews ist er klar und direkt. Mit den medialen Anforderungen auf Schalke wird er keine Probleme haben. Seine Spieler in Paderborn machte er zu einem verschworenen Haufen. Ob ihm das auch mit seinen neuen Spielern gelingt, ob er die Präsenz bieten kann, nach der dieser Club nach den wenig präsenten Trainern Roberto Di Matteo und Jens Keller so sehr dürstet, ob er letztlich erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Aber die Garantie hätte man auch bei keinem anderen der kolportierten Kandidaten für diesen Job gehabt. Womit ich noch kurz zu Marc Wilmots kommen möchte.

Ich glaube, dass nur die allerwenigsten derjenigen, die gerne Marc Wilmots als neuen S04-Trainer gehabt hätten, dessen Leistungen als Trainer einschätzen können. Davon sieht man hier schlicht zu wenig. Ich glaube, dass die Hoffnungen bezüglich Marc Wilmots eher dahin gingen, dass er eine starke Persönlichkeit ist und dass man ihm zugetraut hätte, die Führung des Clubs zu übernehmen, die sportliche Ausrichtung zu bestimmen. Eben das ist aber der Job Horst Heldts.
Man mag von Horst Heldt halten was man will und ich persönlich könnte mir sehr gut eine andere Struktur vorstellen. Aber solange der Club einen operativen Vorstand Sport beschäftigt bleibt ein Trainer ein Trainer, und nicht mehr. Schalke ist in einer schwierigen Phase, hat die Fans gegen sich aufgebracht, spielt schlechten Fußball und muss zu sich zurückfinden. Ein Gegeneinander im operativen Bereich ist definitiv etwas, was dieser Club gerade überhaupt nicht braucht.

Herzlich Willkommen und Glückauf, André Breitenreiter.

Potenzierter Protest

Die Blauen gewinnen gegen Paderborn mit 1:0 und sichern sich damit die Europa League-Teilnahme für die kommende Saison. Das interessierte letztlich allerdings niemanden mehr. Schalke war so schlecht, dass man es schaffte, das ganze Stadion gegen sich aufzubringen.

Welch übler Fußball!

Schon gegen Stuttgart war die Leistung schwach. Gegen Köln war sie miserabel. Aber was da am Samstag, gegen des SC Paderborn, auf den Rasen gebracht wurde, spottete jeder Beschreibung. Wie muss es um die Psyche dieser Mannschaft bestellt sein, wenn man in einem solch wichtigen Spiel, nach dem x-ten Ankündigen großer Kampfbereitschaft, gegen diesen – mit Verlaub – nicht allzu angsteinflößenden Gegner, derart über den Rasen eiert?

Aus Protest gegen die Missstände im Club hatten Schalkes organisierte Fangruppen ein 45-minütiges Nichtunterstützen der Mannschaft angekündigt. Der gebotene „Fußballunfall“ von Roberto Di Matteos Mannschaft potenzierte diesen Protest. Ein Gefühlspingpong aus Gleichgültigkeit, Häme und Wut ging durch die Ränge. Deshalb war auch nach einer Halbzeit nicht Schluss. Deshalb protestierte letztlich nicht nur die Kurve, sondern das ganze Stadion. Man will solchen Mist einfach nicht mehr sehen. Ich auch nicht.

Als das Tor fiel, konnte ich mich nicht mehr freuen. Da war keine Spannung, die sich lösen konnte. Da hatte sich Frust festgesetzt. Um mich herum ging es vielen so. Ralf Fährmann tat mir leid, der nach dem Tor herumsprang, dem man die Erlösung anmerkte. Mein Sohn tat mir leid, der doch nur ein wichtiges Fußballspiel sehen wollte, der immer gewinnen und sich darüber auch freuen will. Ich will auch gewinnen, ich will mich auch freuen. Aber dazu wurde mir die Grundeinstellung nach und nach verleidet. Was die Protagonisten so entscheiden, was sie sagen, wie sie sich geben, welcher Fußball geboten wird: Das war vor allen in den letzten Wochen nicht mehr nachvollziehbar. Damit mag man sich nicht identifizieren, da fehlt es schon an Grundsympathie der Sache gegenüber.

Bitter.

Schalke siegt in Paderborn

Schalke 04 gewinnt in Paderborn 2:1 und bleibt nach 16 Spieltagen einen Punkt hinter den Champions League-Plätzen.

Es war ein glücklicher Sieg. In der ersten Hälfte war Paderborn die bessere Mannschaft. In der zweiten Hälfte hatte Schalke Vorteile, ohne wirklich klare Chancen herausspielen zu können. Letztlich waren es Kleinigkeiten oder auch einfach nur Massel, dass Roman Neustädter den entscheidenden Ball mit dem Kopf ins Tor verlängern konnte.

Manchmal reicht das schon. In diesem Spiel, zum Beispiel.