Artikel zum Schlagwort ‘Schalke 04’

Warum fordert Magath?

Felix Magath hat in dieser Sommerpause einiges getan, was hinterfragt werden kann. Wieso er über Zeitungen Aufsichtsratchef Clemens Tönnies bloßstellte, zum Beispiel. Oder wieso er dafür sorgte, dass er mit Brause Leipzig in Verbindung gebracht wurde. Fast alles lässt sich naheliegend erklären, meist mit dem Durchsetzen seiner Interessen. Was ich mir aber nicht erklären kann ist die Frage, wieso Felix Magath auch ungefragt zu jeder Gelegenheit herumposaunt, dass er noch bessere Spieler braucht, dass die Qualität seiner Spieler nicht reicht.

Am 14. Juli wurde auf der Webseite des Vereins veröffentlicht, dass „die durch den sportlichen Erfolg der Lizenzmannschaft zu erwartenden Mehreinnahmen, u.a. aus der direkten Qualifikation zur Gruppenphase der UEFA Champions League, investiert werden können. Dies soll unter Berücksichtigung der finanziellen Gesamtentwicklung des Clubs erfolgen.“

Durch die Verkäufe von Heiko Westermann und Rafinha wurden weitere Transfereinnahmen erzielt. In der Presse wurde daraufhin über einem Transferbuget jenseits der 30 Millionen Euro spekuliert und jeder im entferntesten wechselwillige Spieler wurde fortan mit Schalke 04 in Verbindung gebracht. Felix Magath sollte also eigentlich Handeln können und sowohl Presse als auch Fans warten nun seit Wochen darauf, das noch was passiert. Magath aber steht vor Mikrofonen, prangert an und fordert ein, obwohl doch eigentlich klar sein soll, dass er Verstärkungen will und wie viel Geld er zur Verfügung hat. Das passt nicht zusammen.

Hat Magath vielleicht doch deutlich weniger Geld zur Verfügung? Was bedeutet eigentlich „unter Berücksichtigung der finanziellen Gesamtentwicklung des Clubs“? Sind die Spieler, die Magath gerne hätte, mit seinem Budget nicht zu bezahlen? Hofft Magath darauf, dass Tönnies mehr Geld freigibt als vor 5 Wochen vereinbart? Wenn nicht, wieso spricht er das Thema ständig an?

Felix Magath wirkte in der letzten Saison mit jeder Silbe und mit allem Handeln souverän. Diese Souveränität hat er im Sommer irgendwo liegen gelassen. Hoffen wir zum Wohle des Vereins, dass er sie möglichst bald wiederfindet.



Foto: Tomasz Bo

Biederer Sieg gegen Aalen

Der FC Schalke 04 bescherte sich selbst und seinen Fans einen wenig entspannten Abend und gewann beim VfR Aalen mit gerade mal 2:1. Aalen ist Neuling in der 3. Liga und spiele ab der 18. Spielminute mit 9 Feldspielern.

Jermaine Jones stand mal wieder über 90 Minuten auf dem Platz. Ivan Rakitic bewegt sich auf der Position im defensiven Mittelfeld besser, als er es im rechten Mittelfeld tut, wo er im „Supercup“-Spiel aufgestellt war. Jefferson Farfán war der einzige Spieler, bei dem ein deutlicher Klassenunterschied zum Gegner zu erkenne war. Das ist alles, was ich an Positivem erkennen konnte.

Alles in allem war es ein grauenvoll biederer Auftritt des FC Schalke 04. Der Gegner wurde weder durch stärkere Physis, noch durch bessere Bewegungsabläufe bezwungen. Das Offensivspiel blieb Stückwerk und es mangelte an Tempo.
In der Halbzeit wurde mit Marco Quotschalla ein Neuling eingewechselt und es wurde nicht klar, ob sein Nicht-Auffallen an seiner Qualität oder an der Schwäche seiner Mannschaftskollegen an diesem Tag gelegen hat. Durchaus negativ aufgefallen ist Christoph Metzelder. Auch wenn ich meine, dass der Zweikampf im 16er keineswegs strafstoßwürdig verlief: Dass ein derart erfahrener Abwehrspieler so schlecht zu Ball läuft, ihn aufspringen lässt und dann zu spät kommt, ist wahrlich erschreckend und lässt nichts Gutes ahnen.

Genau 3 Minuten lang war Schalke souverän. Es waren die 3 Minuten der Nachspielzeit, in denen man den Ball hin und her spielte, den Gegner auf Distanz hielt und ab und an doch plötzlich vor einer Lücke stand. Mit derartiger Spielweise hätte es ein zwar langweiliges, aber lockeres Spielchen werden können. So wurde es ein Krampf.

Die 2. Hauptrunde wird kommenden Samstag, nach dem Spiel des FC Schalke 04 beim HSV ausgelost.



Foto: Jarlhelm

Wenn man keine Ahnung hat …

Genau. In der Regel gebe ich hier zu allem, was um den FC Schalke 04 herum passiert, meinen Kommentar ab. Diesmal nicht. Obwohl die Absetzung des Fanbeauftragten Rolf Rojek und der nun daraus entstehende Konflikt zwischen Verein und den verschiedenen Fanclubs mit Sicherheit ein wichtiges Thema ist.

Zwar rede ich viel, auch mit aktiven Fanclub-Mitgliedern, doch ich selbst gehöre keiner Organisation an und kann die Arbeit Rolf Rojeks nicht beurteilen. Zwar lese ich viel, und das Verhältnis zwischen Verein und Fans ist immer ein Thema, aber vieles ist so offensichtlich undifferenziert, dass die Mühe der Suche nach guten Texten fast schmerzt. Würde ich hier über diese Causa schreiben, es wäre ein Sud aus der Hörensagen-Suppe, die Meinung anderer. Also lasse ich es.

Eine Zusammenfassung der Geschehnisse, vornehmlich aus der Sicht Felix Magaths, wird von Manfred Hendriok bei derwesten.de dargestellt. Der Schalker Fanclub-Verband veröffentlicht seine Stellungnahmen unter sfcv.de. Der Verein hat über seine Website bislang weder Informationen, geschweige den Begründungen veröffentlicht.

Besser wegsehen!

Gestern Abend war ich konsequent und habe mir das Spiel der „B-Nationalmannschaft“ nicht angeschaut. Weniger konsequent war ich, als ich mich in die Abgründe der Transferspekulationen um den geilsten Club der Welt begeben habe. Etwas das man nicht tun sollte, was ich nie tun wollte. Man muss wegsehen, allenfalls ein schweifender Blick zur Belustigung, nie etwas ernst nehmend, und sich vor allem nie ausmalen, was wäre wenn der Eine käme, oder der Andere, wie gespielt werden könnte und welche Möglichkeiten es gäbe … Das macht einen wuschig. Das ist bekloppt. Lassen wir das!

Ein Testspiel namens Supercup

In sieben Tagen steht für Schalke 04 mit der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals der erste nachhaltige Pflichttermin an. Fünf Tage später folgt der erste Bundesligaspieltag, das Auswärtsspiel in Hamburg. Da ist es an der Zeit, sich auch mal mit einem Testspiel zu beschäftigen. Samstag gab es die Gelegenheit, gegen einen ambitionierten und ballsicheren Gegner.

Aufstellung und Ausrichtung

Wie zu erwarten bildeten Christoph Metzelder und Benni Höwedes das Innenverteidigerpaar vor Manuel Neuer. Als Linksverteidiger startete Lukas Schmitz, als Rechtsverteidiger Atsuto Uchida. Während sich Lukas Schmitz wenig zutraute machte Atsuto Uchida lange Wege und tauchte deutlich häufiger als Flankengeber oder überhaupt als Unterstützung für die Offensive in Erscheinung. In der Halbzeit wurde Lukas Schmitz durch Sergio Escudero ersetzt.
Joel Matip agierte im Mittelfeld meist zentral defensiv. Bei gegnerischem Ballbesitz bildeten er und Peer Kluge eine Doppel-6, bei eigenem Ballbesitz rückte meist Kluge auf und agierte vornehmlich rechts. In diesen Situationen wurde Jefferson Farfán zum Stürmer – in der Grundformation und bei gegnerischem Ballbesitz bekleidete er die rechte Mittelfeldposition. Die linke Mittelfeldpositon übernahm Ivan Rakitic. Nach der Halbzeit spielte Christoph Moriz für Peer Kluge.
Im Sturm agierten Raúl und Edu sehr variabel. Wenn Farfán nachrückte orientierte sich Edu nach links und hoffte auf Unterstützung durch Rakitic. Raúl ließ sich immerwieder zurückfallen um durch eigenen Ballverteilung Raum für Jefferson Farfán und Edu zu schaffen.

Was funktionierte

Nach einigen individuellen Unsicherheiten in den ersten Minuten war die rechte Verteidigungsseite recht sicher. Das lag insbesondere an Peer Kluge, der sowohl mit Uchida als auch mit Matip gut abgestimmt agierte. Das Peer Kluge zur Halbzeit ausgewechselt wurde lag entweder am Testspielcharakter der Begegnung oder daran, dass sich Felix Magath eventuell mehr Offensivaktionen von dieser Position und dann Christoph Moritz erhoffte. Uchida selbst wirkte sehr agil und ging weite Wege. Gegenüber Schmitz / Escudero hatte er aber den Vorteil der Unterstützung durch Farfán.

Was nicht funktionierte

Die Abstimmung zwischen Christoph Metzelder und Benni Höwedes war in vielen Situationen nicht gut. Pässe zwischen die beiden Innenverteidiger führten mehrmals zu brenzligen Situationen. Einen üblen Bock schoss Benni Höwedes vor dem ersten Gegentor, als er sich immer noch nach vorne orientierte, obwohl der Gegner bereits vorstieß, wodurch er Metzelder und Neuer auf verlorenem Posten zurückließ.
Auf den Außenverteidigerpositionen hatten Sergio Escudero (öfter) und Atsuto Uchida (seltener) Probleme in direkten Zweikämpfen in der Rückwärtsbewegung. Probleme, die sich mit noch fehlender Anpassung an Umgebung, Tempo und Schiedsrichter erklären lassen, die es deshalb aber noch eine Weile geben wird.
Die Offensive wirkte ideenlos. Hinter Edu und Raúl klaffte häufig ein großes Loch. Ivan Rakitic setzte über links keine Impulse, war gleichzeitig aber auch defensiv nicht so präsent wie in der letzten Rückrunde. Jefferson Farfán hing auf dieser Position als halber Mittelfeldspieler, halber Stürmer in der Luft, war immer schon weg wenn sich Raúl nach hinten fallen ließ oder selbst zu weit außen, um Raúl oder Edu mit Pässen zu bedienen. Im Prinzip war das Schalker Spiel auf Flanken ausgelegt, wie in der letzten Saison. Dass Raúl gegenüber dem „Kopfballungeheuer“ Kevin Kuranyi der spielerisch bessere Stürmer ist, wurde nicht genutzt. Auch haben Edu, Farfán oder Rakitic den Platz nicht genutzt, der durch den sich viel bewegenden Raúl und die besondere Obacht des Gegners auf ihn entstand.

Das Fazit

Schalke hatte einige Chancen und hätte das eine oder andere Tor erzielen können. Meist entstanden diese Chancen aus Standardsituationen, selbstkreierte Spielzüge gab es kaum zu sehen. Defensiv kam man vor allem durch individuelle Fehler unter Druck, die Formation, das Verschieben als Solches war konkurrenzfähig.
Auf dem Stand von Samstag ist die Mannschaft individuell schwächer besetzt als das Team der letzten Saison. Die Entwicklung des sicherlich vorhandenen Potenzials bleibt abzuwarten, ebenso etwaige weitere Transfers.



Foto: Tomasz Bo

Sergio Escudero

Schalke 04 hat einen Linksverteidiger verpflichtet. Sergio Escudero wird in einem Monat 21 Jahre alt und war zuletzt Stammspieler bei Real Murcia CF, einem Verein der zweiten spanischen Liga. Laut schalke04.de und den Agenturen ist er spanischer U21-Nationalspieler. Ich selbst habe ihn im Netz in keiner Statistik als solchen ausmachen können. Aber sei’s drum, wichtig ist auf’m Platz.

Auf dem Platz fehlt Schalke 04 seit Jahren ein gelernter Linksverteidiger. Zuletzt wurde in den Medien der uruguayische Nationalspieler Jorge Fucile als ein Kandidat für Schalke gehandelt, weil Felix Magath ihn in einem Interview einen „interessanten Mann“ nannte. Gegen Jorge Fucile ist Sergio Escudero ein No-Name, ein Fragezeichen, eine kleine Lösung, und wir wissen nicht, was Felix Magath in ihm sieht. Ein Statement des Meistertrainers zu dieser Verpflichtung ist bislang nicht überliefert. Im Schatten Raúls bleibt es um ein 20-Jähriges Talent zunächst dunkel. Nicht mal bild.de war dieser Deal gestern eine Meldung wert.

Ist Sergio Escudero nun also per Verpflichtung der designierte Starter auf Schalkes Linksverteidigerposition? Wurde er als weiteres Talent verpflichtet, das sich mit Lukas Schmitz, mit Hao, mit Uchida, gar mit Rafinha oder einer sonstigen, internen und kreativen Lösung um diese Position balgen soll? Oder kommt trotzdem noch ein weiterer Spieler, bei dem eher von vorne herein Champions League-Fähigkeiten zu erwarten sind?

Wir wissen es nicht. Aber wir werden es erfahren. Es bleibt – wie immer – spannend auf Schalke.
Alles Gute und herzlich willkommen, Sergio Escudero!

Erkenntnisse

  • Mit seinem Wechsel zu Schalke 04 hat Horst Heldt in Sachen öffentlicher Präsenz einen Schritt nach hinten gemacht.
  • Ein Show-Spielchen zu gewinnen, egal gegen welchen Gegner und selbst wenn die Rahmen-
    bedingungen nichts mit normalem Fußball zu tun haben, ist besser als es zu verlieren.
  • Christoph Metzelder ist noch nicht in Form. Hoffentlich.
  • Hansi Küpper macht seinen Job auch mal unvorbereitet.
  • Schalke 04 hat jetzt einen außergewöhnliche Spieler in seinen Reihen …