Artikel zum Schlagwort ‘Schalke 04’

Wörtlich: Dr. Christos Papadopoulos

Mirko Slomka hat fortgesetzt, was Ralf Rangnick begonnen hat und die Mannschaft im Europapokal etabliert. Dadurch hat im Verein eine Evolution stattgefunden. Man hat sich mit den Großen gemessen. Nach Mirko war der Club in der Lage, wirtschaftlich und sportlich mit der Spitze der Liga mitzuhalten.

Eine Aussage, über die ich erstmal nachdenken muss. Bislang habe ich das völlig anders gesehen.

Dr. Christos Papadopoulos war von 2000 bis zur Verpflichtung Felix Magaths und dessen Trainerstab Konditions- und Reha-Trainer auf Schalke. Heute arbeitet er beim VfB Stuttgart und wurde anlässlich des Spiels zwischen Schalke und den Schwaben von der Stuttgarter Zeitung zu einigen „Schalker Typen“ befragt.

Ohne-Jones-Situation als Schlüsselaufgabe

Der letzte Winterpausen-Montag. Gerüchte und Verträge treten in den Hintergrund, weil endlich das nächste Spiel ansteht. Das erste von acht Spielen, in denen Jermaine Jones fehlen wird. Seine Lücke unsichtbar zu machen, vielleicht sogar aus der Not eine Tugend zu gestalten, das wird für Schalke 04 die Schlüsselaufgabe sein, um in eine erfolgreiche Rückrunde zu kommen.

Jermaine Jones hat Schalkes Defensive stabilisiert. Davon hat Schalke in vielen Spielen der Hinrunde entscheidend profitiert. Andererseits war Jermaine Jones auch in vielen Situationen nicht umbedingt die beste Besetzung, wenn es darum ging, nach Ballgewinnen das Spiel schnell zu verlagern. Zu häufig kamen seine Pässe dann zu ungenau.

Ohne Jones muss Huub Stevens das Spiel seiner Mannschaft verändern. Jones einfach zu ersetzen wird nicht klappen. Defensiv funktioniert keine der Alternativen als Ein-Mann-Bollwerk derart, Offensiv brächten einige Alternativen Vorteile, die nicht zu nutzen töricht wäre. Ob Schalke weiterhin die gegnerische Offensive in die Zentrale zu kanalisieren versuchen wird, oder ob auf die Außenverteidiger demnächst wieder mehr Defensivarbeit zukommt, wird spannend zu beobachten sein.

Um für das Ohne-Jones-Problem eine Lösung auszuarbeiten und einzuüben hatte Schalke eine ganze Winterpause Zeit. Wichtig wäre, dass sich Lewis Holtby flott fit zurückmeldet. Die erste Aufgabe lautet, den VfB Stuttgart zu schlagen. Wie auch immer. Wir werden sehen, und ich freue mich drauf!

Schalke 04 hat jetzt einen YouTube-Kanal

Auf Quads schossen Schalkes Spieler durch die Wüste von Katar. Aber was heißt hier schossen?! Klaas-Jan Huntelaar zeigte sich auch auf 4 Rädern treffsicher und versenkte sein Gefährt im Sand.

Wichtig sind solche Geschichten nicht. Aber nett. Schalke 04 hat jetzt einen YouTube-Kanal.



Bild: screenshot | Gefunden von @eppinghovener

Falling short

Timo Hildebrand reiste gestern früh aus dem Trainingslager ab, um bei der Geburt seines Kindes dabei sein zu können. Ist es vorstellbar, dass ein Herausforderer im Kampf um die Nummer 1 nicht das komplette Trainingslager absolviert und am Ende dennoch die Nase vorn hat? Hatte Timo Hildebrand tatsächlich überhaupt eine reelle Chance, diesen ach so „offenen Kampf“ zu gewinnen, wo Lars Unnerstall doch in den Wettkämpfen solide Leistungen ablieferte; ist es nicht das, was zählt, gehört das Gerede vom offenen Wettbewerb innerhalb des Teams nicht nur zum guten Ton?

Ich kann Timo Hildebrands Wunsch, bei der Geburt des Kindes dabei sein zu wollen, bestens nachvollziehen. Bezüglich des Timings ist die Sache für ihn trotzdem dumm gelaufen. Zumal, weil er dem Vernehmen nach zur Geburt zu spät kam.

Wüste in Blau

Das Beste an der Winterpause ist, dass sie alle 24 Stunden einen Tag kürzer wird. Noch 12 mal schlafen bis zu Schalkes Rückrundenauftakt gegen den VfB Stuttgart, und die Mannschaft trainiert derweil in Katar. Darüber (unter anderem) wurde in den letzten Tagen in den Kommentaren dieses Blogs diskutiert.

Katar sucht nach fröhlichen Meldungen für die Fußballwelt. An der Vergabe der WM 2022 durch die FIFA an eben dieses Emirat kann der hiesige Fußballfan nichts Gutes finden. Da helfen Berichte und Fotos von lustigen Wüstenreisen der uns bekannten Helden ungemein, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen, um ein bisschen wie ein normaler Fußballort zu wirken.

Alexander Jobst, Schalkes Vorstand für Marketing und Merchandising, hat in einem Interview mit dem „Westfälischen Anzeiger“ ein wenig über das Zustandekommen des Trainingslagers in der Wüste berichtet. Man selbst habe die Initiative übernommen, um sich dann von der „Aspire Academy“ einladen lassen zu können. Die Bedingungen seien toll, dafür gäbe es gemeinsame Aktionen und man werde „auf den Medien-Plattformen positiv über Aspire reden“.

Das ist schon im Gange, ein Werbetext zu dieser Akademie ist seit gestern auf Schalkes Homepage zu bewundern. Auch das Jobst-Interview an sich, in dem Journalist Jens Greinke nicht zu vermuten verpasste, dass Katar „ganz offensichtlich vor einem (Fußball-)Boom“ stehe, darf zu den Schalker Service-Leistungen gezählt werden.
Katars Engagement wird funktionieren. Unter Schalkern und auch sonst. Die Medien hierzulande berichten regelmäßig über die Trainingslager der beiden größten deutschen Fußballclubs, auch der FC Bayern ist vor Ort. Selbst in der Sendung „Logo“, der Nachrichtensendung des Kinderfernsehns „Ki.Ka“, waren Robben und Neuer zu sehen, wie sie, an fröhlichen Araberkindern vorbei gehend, brandneue Trainingsplätze betraten.

Werbung eben. Die Welt ist voll davon, sicher ist es kein Skandal. Dass auch mein Verein den Namen erneut für die meines Erachtens falsche Sache hergibt, finde ich trotzdem „unschön“.



Foto: MatthiasHeil

Taktik, Stark, Unnerstall

So habe ichs meinem Sohn beigebracht. Für ihn war das Spiel zu spät. Ich versprach, einen Zettel zu schreiben, damit er heute Früh direkt Bescheid wüsste.

Schalke verliert in Gladbach mit 1:3 und mich hat das Spiel von vorne bis hinten angekotzt. Die taktische Unterlegenheit in der ersten Halbzeit, der Schiedsrichter, die Gegentore. Schalke hatte sich einen Sieg keinesfalls verdient, aber wie die Niederlage zustande kam war dennoch zum schreien.

Ich kann nicht genau sagen, was die Stärken und Schwächen von Gladbach sind, dazu kenne ich sie nicht gut genug. Aber das sie Stärken haben ist klar.

… sagte Huub Stevens auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, und genau so sah die erste Halbzeit auch aus. Offensichtlich völlig überrascht davon, dass Gladbach ein adäquates Pressing bereits 30 Meter vor dem Schalker Tor ausübte, kam eine Halbzeit lang kein Schalker Spielaufbau zustande. Unter Druck pöhlten Jones, Matip und Papadopoulos den Ball ein ums andere Mal nach vorne, und in der Regel landete er dabei beim Gegner. Das an individuellen Schwächen dieser Spieler festzumachen wäre meines Erachtens zu simpel. Es fehlte an einem Rezept, wie diese Nachteile auszugleichen sind, und eine ewige Halbzeit lang änderte sich daran auch nichts.
Schalke ließ keine Chancen zu, aber das eine Tor fiel eben dennoch, nach einem für Gladbach glücklichen Querschläger. Wenn so etwas passiert und man keine Reaktion zeigt, weil man nicht in der Lage ist die eigene Offensive ins Spiel zu bringen, gibt es nichts zu beschönigen. Es war ein bis dahin einseitiges Spiel und eine verdiente Führung für Gladbach.

Nach der Halbzeit drückte Schiedsrichter Wolfgang Stark dem Spiel seinen Stempel auf. Natürlich: Klaas-Jan Huntelaar zeigte erst eine Vogel und klatschte dann noch höhnisch Beifall. Regelrechtlich gesehen kann das getrennt geahndet werden und Stark handelte korrekt. Aber mit Verlaub, dieses Handeln war an dem, was Spieltag für Spieltag in der Bundeliga praktiziert wird, meilenweit vorbei und völlig überzogen.
Der ganzen Situation lag ein einzelner Aufreger zu Grunde. Huntelaar war zuvor nicht negativ aufgefallen, gefühlt war er 45 Minuten nicht mal in Ballnähe. Ein souveräner Schiedsrichter wäre hingelaufen, hätte sich vor seinen Assistenten gestellt, sich den Spieler geholt, die Situation beruhigt, den Spieler zurechtgewiesen und ihm die Gelbe Karte gezeigt; fertig. Herr Stark war eine halbe Platzlänge weit entfernt, lies sich vermutlich via Headset informieren und entschied während des Spurts in die Ecke, dass er nun ganz konsequent handeln müsse. Damit beeinflusste er den weiteren Verlauf des Spiels entscheidend.

Den Rest gab mir dann Lars Unnerstall. Natürlich hätte diese 1:1 Situation „Matip:Reus“ gar nicht entstehen dürfen, meinetwegen hätte Matip auch 50 cm weiter links stehen müssen, um die kurze Ecke abzudecken. Aber Reus war wirklich weit weg. Und der Schuss war wirklich sehr langsam … Man konnte förmlich sehen, wie Lars Unnerstall mit dem Schicksal haderte, statt sich zu bewegen. Ein junger Torwart, in der Liga zuvor fast fehlerfrei, man muss nun nicht den Stab über ihm brechen. Aber diese Situation in diesem KO-Spiel war dann eben doch ein Schlag in die Magengrube im falschesten aller Momente.

Das war’s im Prinzip. Schalke gab noch mal alles und kämpfte, ja. Gladbach hatte plötzlich den Faden verloren. Man kann noch über das dritte Tor Gladbachs diskutieren, oder über Jones Platzverweis, aber das war alles „obenauf“. Es waren doofe Situationen die das Spiel entschieden und Schalke schaffte es über 90 Minuten kaum, sich echte Torchancen zu erspielen. Das ist es, was bleibt.

Und der Pokalwettbewerb ohne Schalke 04.

Bevor der Vorhang fällt

Heute in Gladbach also. Eine wahrlich schwere Aufgabe. Die letzte Heimniederlage des VfL Borussia datiert vom 18. März. Ohne daran was zu ändern kann es für Schalke heute nicht gut ausgehen, so die simple Botschaft des Pokalmodus’.

Andererseits hätte ein leichteres Los auch nicht zum letzten Kapitel des Jahres gepasst. Zwischen tollen Champions League-Abenden, realen Abstiegsplatzbedrohungen, dem Pokal-Triumph und Trainerwelchseln ging es stetig auf und ab, schalkig eben, der Club des großen Theaters.
Jetzt geht es um einen guten Abgang. Ein versauter Schluss macht nicht alles schlecht, aber im Theater wie im Fußball ist der letzte Eindruck das, worüber später zuerst gesprochen wird. Es geht um die Länge des Schlussapplauses. Möge uns unser Ensemble noch einen lautes Ende ermöglichen. Leise ist es danach ja lange genug.