Artikel zum Schlagwort ‘Schalke 04’

Bevor der Vorhang fällt

Heute in Gladbach also. Eine wahrlich schwere Aufgabe. Die letzte Heimniederlage des VfL Borussia datiert vom 18. März. Ohne daran was zu ändern kann es für Schalke heute nicht gut ausgehen, so die simple Botschaft des Pokalmodus’.

Andererseits hätte ein leichteres Los auch nicht zum letzten Kapitel des Jahres gepasst. Zwischen tollen Champions League-Abenden, realen Abstiegsplatzbedrohungen, dem Pokal-Triumph und Trainerwelchseln ging es stetig auf und ab, schalkig eben, der Club des großen Theaters.
Jetzt geht es um einen guten Abgang. Ein versauter Schluss macht nicht alles schlecht, aber im Theater wie im Fußball ist der letzte Eindruck das, worüber später zuerst gesprochen wird. Es geht um die Länge des Schlussapplauses. Möge uns unser Ensemble noch einen lautes Ende ermöglichen. Leise ist es danach ja lange genug.

Raúl? „Ja, aber“

Raúl ist das Gesicht der Schalker Mannschaft. In Interviews sympathisch bescheiden, auf dem Platz ein fairer Sportsmann. Ein grandioser Ballvirtuose außerdem, und wenn mal nicht soviel funktioniert immernoch ein großer Kämpfer. Ganz Schalke findet Raúl toll. Raúl fühlt sich wohl auf Schalke. Jetzt, da der Januar nicht mehr weit ist, wird des Spaniers Vertragssituation zum Dauerthema.

Eigentlich steht jetzt schon fest, dass wir vom Ergebnis der Verhandlungen nur die Hälfte erfahren werden. Raúl bleibt oder eben nicht. Was ein Verbleib den Verein kostet oder was dazu führt, dass eine Verlängerung nicht zustande kommt, werden wir nur ungefähr mitbekommen. Das ist deshalb schade, weil man nur mit solchen Informationen die fällige Entscheidung Horst Heldts beurteilen kann. Die Gleichung „Raúl bleibt = Horst Heldt gut“ bzw. „Raúl geht = Horst Heldt schlecht“ ist zu oberflächlich. Schalkes Manager hat auf der Jahreshauptversammlung angekündigt, Schalkes Finanzen im Blick behalten zu wollen. Das kann auch zu unpopulären Entscheidungen führen.

In der FAZ erschien gestern ein Text von Richard Leipold zum Thema. Abseits des allgemeinen Hurras wird dort ein eher skeptischer Blick auf die anstehenden Verhandlungen geworfen. Trotzdem ist es für mich ein „Wohlfühltext“. Die nüchterne und sachliche Art, in der Horst Heldt in diesem Text gezeichnet wird, ist genau die, welche ich mir zu solch einer Entscheidung von dem Schalker Verhandlungsführer erhoffe. Hoffentlich zeichnete Richard Leipold richtig.

Wohlfühlabend auf Schalke

Schalke hat nur zwei Bremer Chancen zugelassen. Schalke hat sich selbst mindestens 10 guten Chancen erspielt. Schalke hat fünf davon genutzt. Da gibt’s nichts zu meckern.

Das 5:0 gegen Werder Bremen war auch in der Höhe völlig verdient. Ein paar Minuten zu Beginn des Spiels und ein paar Minuten nach der Pause war Werder ein Gegner, den Rest der Zeit nicht. Damit mag man die „Schalke-Show“ vielleicht etwas relativieren, natürlich bedingt sich immer alles und zu einem 5:0 Sieg passt kein über 90 Minuten gut spielender Gegner. Ich will die Leistung Schalkes aber keineswegs kleinreden. Schalke hat alles richtig gemacht, hat einen offensiven Stil durchgezogen, auch nach einer 2:0 Führung zur Halbzeit, und hat sich in einen „Flow“ gespielt, in dem am Ende alles gelang. Dieses Spiel war Schalkes beste Leistung über 90 Minuten in dieser Bundesligasaison.

Schalkes empfindlichste Stelle ist die linke Abwehrseite. Christian Fuchs’ Stärke liegt in der Offensive, wenn vor ihm noch der eher zweikampfschwache José Manuel Jurado im linken Mittelfeld aufgestellt wird, sollte für eine aggressive Offensive klar sein, in welcher Richtung der Weg zum Schalker Tor zu suchen ist.
Aber Bremen konnte das nicht. Das Offensivspiel Werders war auf Kurzpassspiel durch die Mitte ausgelegt. Im Idealfall kam man mit zwei Offensivspielern hinter Claudio Pizarro und agierte mit Doppelpässen schnell und technisch sicher. Diesen Idealfall sah man aber nur zwei oder dreimal, Schalke wusste diese Situationen erfolgreich zu unterbinden.

Dabei war es von entscheidender Bedeutung, dass auch die Außenpositionen der Mittelfeldraute ihren defensiven Part gut ausfüllten. Marco Höger rechts und auch José Manuel Jurado arbeiteten sehr gut, stellten die „Fluchtwege“ zu und ließen ankommende Werderaner auf Jermaine Jones, Kyriakos Papadopoulos und Joel Matip prallen. Im Ergebnis konnte Claudio Pizarro kaum am Spiel teilnehmen und Bremens Offensive wurde vollständig entschärft.

Umgekehrt wusste Christian Fuchs seinen Raum zu nutzen. Nicht aus den Situationen heraus, sondern genau so geplant war er Schalkes linker „Halbstürmer“. Bei Ballbesitz und ohne pressende Bremer, auch bei eigenen Abschlägen, orientierte sich Fuchs sofort zur Mittellinie, Matip orientierte sich nach links, Jones zog sich zurück. Vorne wurde Fuchs von Jurado und dem überall helfenden Raúl unterstützt, und einmal mehr war das Übergewicht auf dem linken Flügel ein Schlüssel zum Sieg. Vor allem Sebastian Prödl, in der ersten Halbzeit Bremens Rechtsverteidiger, war hoffnungslos überfordert.

Schon zur Halbzeit wären mehr als zwei Tore verdient gewesen, Pukki, Raúl und Huntelaar waren für Bremens langsam wirkende Verteidigung nicht stoppen. Endgültig vorbei war das Spiel aber mit dem dritten Schalker Tor in der 63. Minute. Der Rest war pure Entspannung.

Alexander Baumjohann und Ciprian Marica wurden von Huub Stevens mit Einwechslungen für ihre ansprechenden Leistungen in Haifa belohnt. Vor allem Baumjohann versprühte Spielfreude, derart, wie man es von ihm zuvor lange nicht sah. Papadopoulos durfte noch frei Einköpfen, Klaas Jan Huntelaar machte sein Tor und nachdem er Tim Wiese abermals drei Dinger einschenkte erklärte Raúl González Blanco im Interview, wie toll er auf Schalke alles findet.

Angenehmer geht’s nicht. Ein Spiel, nach welchem sich Resultatpuristen und Zwischendasergebnis- kucker einig sein dürften.

Hinrundenabschluss gegen Werder

Schalke gegen Werder. Platz 3 gegen Platz 5 der aktuellen Tabelle, Nummer 3 gegen Nummer 2 der letzten 10 Jahre. Eine immer kribbelige Begegnung.

Vor der Saison wechselte Lukas Schmitz von Schalke zu den Grün-Weiß-Orangefarbenen. Werders Haus- und Hofblatt, der Syker Kreiszeitung, gab er anlässlich seiner ersten Begegnung mit dem alten Verein ein lesenswertes Interview.

ESR plus X

Lukas Schmitz wird aller Voraussicht nach für Werder links hinten spielen, Christian Fuchs spielt für Schalke ganz bestimmt. Geht man nach den Bewertungen der kicker-Journalisten liegen die Leistungen der beiden nicht weit auseinander. Schmitz leistet eher stetige Arbeit, bei Christian Fuchs stehen sehr gute auch schon mal ziemlich schwachen Leistungen gegenüber. In der letzten X Frage der Hinrunde geht es um den Vergleich der beiden in konkreten Kategorien.

X Frage

In wie vielen der folgenden sieben Kategorien wird Schalkes startender Linksverteidiger gegenüber Werders startendem Linksverteidiger am Ende die Nase vorn haben?

Angekommene Flanken
Ballkontakte
Pässe zum Mann in %
Zweikämpfe gewonnen in %
Laufstrecke in km
Anzahl Sprints
Höchstgeschwindigkeit in km/h

In allen Kategorien zählt ein Mehr als Nase vorn. Grundlage der Auswertung sind die Werte in der Spiel-Matrix bei bundesliga.de.

Und dann sind da noch die Einwechselspieler, auf deren Auswahl das Spiel am Mittwoch in Haifa Einfluss gehabt haben könnte. Ich tippe also mal …

Baumjohann
Marica
Moritz
X 3



Was ist Einwechelspieler-Raten und was ist eine X Frage?
Tippabgabe bis Samstag, 17:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen und die Antwort auf die X Frage im Kommentarfeld untereinander notieren. Mache dabei bitte die X Antwort mit einem vorangestellten „X“ kenntlich. Für „echte Kommentare“ bin ich wie immer dankbar. | Foto: Tomasz Bo, Duncan c

Potenzielle Überraschungen

Ich nehme an, heute werden wir José Manuel Jurado und Ciprian Marica als kongeniales Offensivduo mit Spielwitz und Durchschlagskraft erleben. Sergio Escuderos Flankenläufe werden wahrscheinlich das eine oder andere erfreute Ah und erstaunte Oh provozieren, obwohl er auch hinten stets die Übersicht behält, Zweikämpfe gewinnt und sich nicht überlaufen lässt. Außerdem wird Timo Hildebrand vermutlich auf der Linie glänzen und dazu noch mit schneller und präziser Spieleröffnung überzeugen.

Aus der Hoffnung auf solche Erkenntnisse besteht mein Interesse am heutigen Spiel gegen Haifa. Dass es an diesem letzten Europa League-Spieltag nicht mehr spannend zugeht ist gut, dass Schalke Spieler schont ist richtig und dass Haifa gegen eine andere Schalker Mannschaft antreten „darf“ als Bukarest und Larnaka ist nicht unfair, sondern Teil des Modus’. Ma’kucken wie’s wird.

Nichts von dem, was schönen Fußball ausmacht

Schalke 04 gewinnt bei Hertha BSC Berlin mit 2:1. Dies ist ebenso ein Grund zur Freude wie die Tatsache, dass Schalke 04 mit 31 Punkten nach 16 Spieltagen in Schlagdistanz zu Spitzenreiter Bayern München auf Platz 3 der Tabelle steht. Alles bestens also könnte man meinen. Schalke ist in der Spur. Aber der kritiklose „Alles Super“-Beitrag war letzte Woche.

Huub Stevens sagte nach den ersten beiden Spielen seiner zweiten Schalke Amtszeit: „Wir haben so viel Potential in der Offensive, diese Stärken müssen wir ausnutzen.“ Diese Aussage ist knapp 8 Wochen alt. Seitdem hat Huub Stevens Jermaine Jones wieder in die Mannschaft eingebaut. Fast niemand würde behaupten, dass dies eine falsche Entscheidung gewesen wäre. Defensiv ist Schalke um einiges stabiler geworden und daran hat Jones einen enormen Anteil. Außerdem hat er den langjährigen Innenverteidiger Benedikt Höwedes als rechten Verteidiger installiert. Auch dies hat der Schalker Defensive wohl eher gut getan denn geschadet.

Aber sonst: Schön, dass wir uns Herthas Schwäche in der Spielgestaltung zu Nutze gemacht haben, indem vor allem in der zweiten Hälfte Schalke den passiven Part übernahm, erst 40 Meter vor dem Tor angriff und Hertha quasi keine Torchance mehr erlaubte. Ein zum wiederholten Mal beobachtetes Phänomen gegen einen eigentlich unterlegenen Gegner. Das alles mit Schalkes, einstmals auch vom Trainer gerühmten, Offensivpotential. Huntelaar, Pukki, Holtby, Raul, Draxler, Farfan. Eine Legende, weitere klingende Namen, hoffnungsvolle Talente, da ist doch alles dabei was ein Offensivfeuerwerk braucht. Statt dieses Potential auszunutzen, richtet man sich nach einem, im Vergleich, qualitativ wesentlich schlechter besetzten Gegner. Es wird der eigene Sechszehnmeterraum abgeriegelt und die Pille lang nach vorn geholzt, auf Fehler des Gegners gewartet und auf Standardsituationen gesetzt. Wie in besten Zeiten des Rumpelfussballs in den 90ern oder dem Ende von Mirko Slomkas Schalker Karriere. Das ist also der neue Anspruch.

Es gibt unter Huub Stevens quasi nichts von dem, was ein Fussballfan unter attraktivem Fussballspiel versteht, es gibt kein Vorwärtsverteidigen, kein Doppeln, kein Rochieren, keine einstudiert wirkenden Spielzüge, kaum Direktpassspiel, kaum überraschende Dribblings, kaum schnelle, überfallartige Angriffe. Und damit quasi nichts von dem, was Ralf Rangnick in den Verein und die Mannschaft integrieren wollte, quasi nichts von dem, was ich als Schalke- und Fußballfan auch gerne von meinem Verein sehen würde und quasi nichts von dem, was schönen Fußball ausmacht. Ich rede nicht von Spielen gegen Leverkusen, Dortmund oder München. Spiele in denen man nicht per se die besser besetzte Mannschaft stellt, Spiele in denen man vorsichtiger auftreten kann. Sondern von den Kicks gegen Augsburg, Freiburg, Bukarest, Larnaka oder eben jetzt Berlin. Von Spielen, in denen man die richtige Richtung einschlagen könnte, um dann auch in Zukunft gegen gleichwertige Gegner das eigene offensive Spiel durchdrücken zu können. So man denn wollen würde. So man denn auf ein offensives Spiel aus wäre.

Huub Stevens Weg mag bislang erfolgreich sein und natürlich ist sein Weg legitim. Er ist nur leider das Gegenteil von der einstigen Vorgabe. Momentan habe ich keinen Spaß an Schalkes Fußballspiel. Ich kann mich maximal am Ergebnis erfreuen. Und das reicht mir nicht.

Eine flotte ESR-Runde mit rennendem Poldi

Schalke 04 soll also angeblich Interesse an einer Verpflichtung Lukas Podolskis haben. Philip Behrendt alias TurnhallenPhil ist die Mutter aller Poldi-Gerüchte und twittert aus Jux und Dollerei seit Monaten von kaum was anderem, wenn er mich nicht grade mit Jurado-Vergleichen disst. Ich hätte der Bildzeitung durchaus zugetraut, seine Gerüchte als Ursprung für ihre Story genommen zu haben, hätte Horst Heldt sofort deutlich dementiert. Dass er das nicht tat, sondern den Prinzen als guten Spieler lobte, spricht meines Erachtens dafür, dass ihm solche Gerüchte zu Zeiten anstehender Vertragsverhandlungen sehr gelegen kommen, suggerieren sie doch das Bild eines handlungsstarken Clubs. Ich würde den Ursprung der Geschichte also durchaus auf dem Berger Feld vermuten.

Dass es tatsächlich zu einer Verpflichtung Podolskis kommt, kann ich mir allerdings nicht vorstellen. Einerseits eine erprobte Offensive aus finanziellen Gründen auseinanderbrechen zu lassen und dann eine sicher nicht niedrige Ablösesumme für einen sicher nicht wenig Gehalt fordernden Spieler zu zahlen, passt nicht zusammen. Aber auch wenn ich davon ausgehe, ihn nie in Königsblau spielen zu sehen, habe ich doch Spaß an solchen Geschichten und Späßchen, denn ich bin seit je her ein Fan „Turbolskis“, der in der aktuellen Saison übrigens ebenso viele Scorerpunkte auf seinem Konto hat wie Klaas Jan Huntelaar. Heute widme ich ihm unsere X Frage und lasse Schalke gegen in rennen.

X Frage
Wieviele Schalker werden in ihrem schnellsten Sprint gegen Hertha BSC schneller sein als Lukas Podolski bei seinem schnellsten Sprint im Spiel des 1. FC Köln gegen Freiburg?

Es werden alle eingesetzten Schalker gewertet. Grundlage der Auswertung sind die Werte der Kategorie „Höchstgeschwindigkeit“ in der Spiel-Matrix bei bundesliga.de. Und dann sind da noch die Einwechselspieler-Tipps …



Escudero
Marica
Moritz
X 3



Was ist Einwechelspieler-Raten und was ist eine X Frage?
Tippabgabe bis heute, 19:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen und die Antwort auf die X Frage im Kommentarfeld untereinander notieren. Mache dabei bitte die X Antwort mit einem vorangestellten „X“ kenntlich. Für „echte Kommentare“ bin ich wie immer dankbar. | Foto: Chris D 2006