Artikel zum Schlagwort ‘Sparta Prag’

Zwischen Böhmen und Bonusspiel

Beim Europa League-Auswärtsspiel in Prag holt Schalke immerhin ein 1:1. In Abwesenheit von guter Form ein respektables Ergebnis für die Blauen. Ein Spiel das sich abnicken lässt, das einem aber keine Euphorieschübe mit Blick auf das anstehende Derby schenkte.

Nur ein Strafstoß im Fohlen-Stil reichte Schalke nicht. Es hätte noch ein unberechtigter Freistoß vor der Strafraumkante dazukommen müssen. Schalkes Offensivspiel war zwar unermüdlich, aber nicht gut. Letztlich war es deutlich zu wenig, was Schalke über 90 Minuten an Torchancen herausspielen konnte.

Dass Schalke in der zweiten Hälfte eine stark verbesserte Defensive auf den Platz brachte war das Beste an diesem Spiel. Nun gab es eine funktionierende Ordnung, nachdem die defensiven Mittelfeldspieler in der ersten Hälfte dem Geschehen hinterherrannten und die Innenverteidigung ein ums andere Mal ins Schwimmen geriet. Aber wenn verbessertes Defensivverhalten das Beste an einem Spiel ist, sagt das natürlich auch einiges über das Spiel aus.

Nun geht’s also zum Bonusspiel nach Dortmund, das nicht mehr so genannt werden darf. Ein Lehrstück deutschen Fußball-Medienschwachsinns.

Dass Borussia Dortmund sowohl bezüglich des Kaders, als auch bezüglich der Form haushoher Favorit im anstehenden Spiel ist, sollte jeder einigermaßen geradeaus Denkende erkennen können. Dass Punkte aus den Spielen gegen Dortmund und München nicht eingeplant werden können: Man muss hinter dem Mond leben um sich dessen zu verweigern. Töricht zu glauben, nur weil man den Status Quo richtig einschätzt würde man nicht alles versuchen um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

Trotzdem war es richtig, dass Breitenreiter auf der Pressekonferenz am Dienstag zurückruderte. Denn der Fußball, und gerade Schalke, lebt in einer Scheinwelt, in der Folklore den Wohlfühlstatus bestimmt, und somit wichtiger ist als eine öffentliche realistische Einschätzung der Lage. Die Leute verlangen, für dumm verkauft zu werden, die Zeitung wollen, dass entsprechend Dummes geliefert wird. Wer auf Schalke überleben will muss liefern was verlangt wird.

Wettanbieter berechnen die Situation realistisch und bieten eine Quote von 9.0 für einen Schalker Sieg im Derby. Ich habe mein gesamtes Wettkonto-Guthaben darauf gesetzt. Ich bin nun mal Schalker.

Walk Around Letná

Joel Matip hat ‘nen Hexenschuss, sein Mitwirken beim heutigen Spiel in Prag wird von Medien als unwahrscheinlich bezeichnet. Nach den Ausfällen von Matija Nastasic und Benedikt Höwedes bliebe lediglich Roman Neustädter als einigermaßen eingeübter Innenverteidiger zurück.

Im Mittelfeld wird Johannes Geis spielen. In der Europa League darf er das. Ihn draußen zu lassen, weil die nächsten Spiele auch ohne ihn bestritten werden müssen, war für André Breitenreiter kein Thema. Zum einen verzichtet ein Trainer eben nicht gerne auf seinen besten Passspieler, zum anderen wäre es auch töricht, den gerade im defensiven Bereich aktuell sehr dünn besetzten Kader freiwillig weiter zu reduzieren.

Also laufen gerade hunderte Schalker durch Prag und erfreuen sich an der schönen Stadt und den günstigen Preisen für Essen und Bier. Nachvollziehbar, von Herzen gegönnt und aus Duisburg zugeprostet, empfinde ich die Veranstaltung Europa League von hier aus aber weiterhin wenig spaßig. Falls Schalke nicht gewinnt, gewinnen sie halt nicht, für die Qualifikation zur nächsten Runde wird es trotzdem ziemlich sicher reichen. Und dass das Teilnehmerfeld später mit den nun heulenden Verlierern aus den Champions League-Gruppen durchgespült wird, würde die „UEL“ als Demütigung empfinden, könnte sie empfinden. Kann sie aber nicht, und die Protagonisten wollen es nicht. Es gilt so zu tun, als sei das alles trotzdem toll; professionell zu bleiben eben.

Was bleibt ist etwas Neugier auf Schalkes Leistung. Prag war im Hinspiel ein starker Gegner, in der zweiten Halbzeit war Sparta die bessere Mannschaft. Ma’kucken was Schalke daraus gelernt hat.

Und weil das Spiel ja erst um 21:05 Uhr angestoßen wird, ist noch genügend Zeit um günstiges Bier zu trinken und zumindest virtuell ein bisschen durch Prag zu latschen. Begonnen werden kann gleich hier, am Letná Stadion, das tatsächlich seit 1917 an gleicher Stelle steht und weiter so heißt, auch wenn Sponsoren seit 2003 nun schon den dritten Firmennamen drangepappt haben. Richtung Altstadt schlendert man von dort aus übrigens in südliche Richtung, über die Moldau.


Versöhnliches Ende nach mauer Leistung

Leroy Sané: Torschütze zum 2:2 Ausgleich2:2 endet das Europa League Heimspiel des FC Schalke 04 gegen Sparta Prag. Eine eher schwache Partie der Blauen, die ihren Gegner zum Mitmachen einluden, nach Fehlern zurücklagen aber eben trotzdem zurückkamen. Ein Ergebnis mit dem man leben kann.

Vieles lief nicht gut in diesem Spiel. Nach gutem Start und früher Führung verlor Schalke seine Linie. Das neu zusammengestellte Mittelfeld mit Kaan Ayhan und Pierre-Emile Höjbjerg hatte arge Abstimmungsprobleme und ließ in der Rückwärtsbewegung häufig viel Raum vor Schalkes Abwehrkette ungedeckt. Raum, den Prag ab der Hälfte der ersten Halbzeit zu nutzen begann und Schalke fortan unter Druck setzte.

Nach der Pause kam auch noch ein Offensivpressing Spartas dazu. Nun war Prag die eindeutig bessere Mannschaft. Zwar hatte Sparta zwei Querschläger in der Schalker Abwehr nötig, um Tore zu erzielen und das Spiel zu drehen. Trotzdem dachte ich nach dem zweiten Treffer, dass das Ding gelaufen sei – Schalke hatte einfach keinen guten Tag.

Aber die Blauen kamen eben doch wieder zurück. Durch die Klasse eines einzelnen – Leroy Sané, einmal mehr – aber auch weil man eben bis zum Schluss alles versuchte. Und das ist es, was mich letztlich mit dem Spiel versöhnte. Solange ich das Gefühl habe, dass die Mannschaft nicht kapituliert, dass sie gewinnen will, kann ich auch ganz gut damit leben, wenn die Dinge mal nicht allesamt wie gewünscht zusammenlaufen.



Foto: Tomek Bo