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Schalke weiter planlos

Nach einem erbärmlichen Auftritt in Augsburg schiebt Schalke gegen Fürth einen schlechten nach. Nach der 1:2 Niederlage gibt die Tabelle sehr treffend den Leistungsstand der Blauen wieder: Sehr deutlich hinter den besten Vier, ganz nah am Mittelmaß.

Gegen Fürth wollte Schalke das Geschehen selbst bestimmen. Es gab einige Chancen, mit etwas Glück hätte das Spiel auch gewonnen werden können. In den letzten Spielen hatte Schalke regelmäßig große Probleme in Spielaufbau, wenn Roman Neustädter vom Gegner in Manndeckung genommen wurde. Darauf reagierte Jens Keller, in dem er Neustädter im Aufbau zwischen die Innenverteidiger zurückzog. Seine Anspielstationen waren Jones, Draxler oder die seitlich postierten Innenverteidiger Matip und Höwedes. Dieses Problem wurde ordentlich gelöst, aber es gibt eben viele andere mehr.

Die Balance zwischen Offensive und Defensive stimmt überhaupt nicht. Die einzelnen Mannschaftsteile unterstützen sich nicht ausreichend. Vermutlich nicht, weil sie nicht wollen oder nicht sollen, sondern eher, weil sie durch stetige Misserfolge gehemmt sind und Angst vor dem Risiko haben. Außerdem spielt Schalke sein Flügelstürmersystem derart starr, dass die Offensive für jeden Gegner leicht auszurechnen ist.

Fürths Verteidigung wusste Klaas-Jan Huntelaar zu decken, und so blieb einem mit dem Ball am Fuß heranstürmenden Julian Draxler immer nur die Option, es entweder alleine zu versuchen, oder den Ball auf die weit außen postierten Farfán oder Bastos zu spielen. Zum einen war mit dem Pass nach außen jeder Zeitvorteil in Kontersituationen dahin, zum anderen fehlte beiden Flügelstürmern die geeignete Unterstützung, weshalb aus ihren Bemühungen selten mehr als ein Eckball resultierte.

In dieser breiten Formation war Schalke in Ballnähe nahezu immer in Unterzahl. Chancen entstanden hauptsächlich aus Standardsituation oder dann, wenn sich Jermaine Jones (später Raffael) ins Angriffsspiel einschaltete. An dieser Stelle hätte Jens Keller meines Erachtens mutiger sein und mit seinen Einwechslungen die Offensivformation zahlenmäßig verstärken sollen. Stattdessen beließ er es stets bei dem Stürmer/10er-Duo plus stumpfe Flügel, indem er Raffael für Draxler brachte und Raffael später auf die Jones-Position zurückzog, als er Pukki hinter Huntelaar stellte.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte Jens Keller, man hätte Geduld gezeigt und wäre mit dem 1:0 dafür belohnt worden. Das mit der Geduld habe ich noch nie verstanden. Auch nach mehreren Jahrzehnten Fußballfandasein ist es mir ein Rätsel, worauf eine geduldige Mannschaft nach Anpfiff wartet. Ganz sicher weiß ich aber, dass das 1:0 kein Ergebnis von Geduld oder irgendeiner pfiffigen Taktik, sondern eine Einzelleistung von Michel Bastos war, der ansonsten ebenso bemüht und verloren wirkte, wie Jefferson Farfán auf der anderen Seite.

Diese Qualität von Einzelspielern ist das, was Schalke vielen Clubs in der Liga entgegenzusetzen hat. Das alleine reicht aber nicht für einen Champions League-Startplatz, wenn in der Liga mehr als zwei andere Clubs auch als Teams funktionieren. Wenn es dann noch an Massel fehlt, reicht es nichtmal gegen Fürth. Schalke steht heute ebenso planlos da wie im Dezember.
Auch während des „Rekord-Saisonstarts“ spielte Schalke gegen Augsburg, Fürth oder Mainz nicht wirklich gut, sondern „nur“ erfolgreich. Um diese Mannschaft grundsätzlich zu verbessern ist viel Arbeit nötig, viel mehr als in ein paar Trainingstagen zwischen den Pflichtspielterminen der Rückrunde zu leisten ist. Eben deshalb brächte ein Rauswurf Jens Kellers bzw. die Installation eines dritten Trainers genauso wenig wie der Rauswurf Huub Stevens’. Mag das Geschrei auch noch so laut sein.

Nur soviel wie nötig

Schalke gewinnt 2:0 in Fürth. Dabei machte es alles richtig. Und keinen Deut mehr.

Draxler, Holtby und Afellay als Offensivreihe hinter Klaas-Jan Huntelaar, da erwartet man vor allem Kreativität. Eine Aufstellung, die zumindest in der Theorie vor Spielfreude sprüht, schließlich sind dabei auch die Außen keinen bloßen Linienflitzer, sondern spritzige Typen mit „Spielmacherqualitäten“. Zu sehen war davon in Fürth aber nichts.

Lewis Holtby wurde einmal mehr in Manndeckung genommen. Fürth lernte das von Augsburg, Schalkes letztem Gegner, und Holtby kam auch dieses Mal damit nicht zurecht. Julian Draxler war bemüht, rannte sich aber immer wieder fest, fand unter Druck zu selten eine Anspielstation. Ibrahim Afellay war überall, nur nicht auf dem rechten Flügel, zumindest nicht in der ersten Halbzeit. Häufig versuchte er, in der Mitte hinter dem gedeckten Holtby für Überzahl zu sorgen. Ich glaube ja stets, dass so was nicht aus einer Spielerlaune heraus, sondern auf Anweisung des Trainers geschieht. Funktioniert hat es nicht. Schalke brachte nur äußerst selten einen durchdachten Spielzug aufs Feld, Klaas-Jan Huntelaar hing völlig in der Luft.

Schalke 04 gewann dieses Spiel trotz aller offensiven Unzulänglichkeiten völlig verdient, weil die Defensive den Gegner jederzeit im Griff hatte, und weil Fürth selbst so viele Fehler produzierte, dass Torerfolge für Schalke von Anfang an als sehr wahrscheinlich angesehen werden konnten.
Das es zur Halbzeit 0:0 stand war bereits ein Unding. Vier ganz dicke Chancen konnten die Blauen nicht nutzen, allen voran Klaas-Jan Huntelaar, der einmal am sehr guten Fürther Torhüter Max Grün scheiterte, ein weiters Mal aber wirklich selbst schuld war. Meistens entstanden die Chancen für Schalke, wenn Fürth im Aufbauspiel den Ball verlor und Schalke dann schnell gegenstieß. Einmal mehr ist hier meines Erachtens Jermaine Jones zu loben, der sich immer wieder nach Balleroberung sofort nach vorne orientierte.

Defensiv konnte sich Schalke auf das Dreieck Neustädter / Papadopoulos / Matip verlassen. Fürth machte es ihnen nicht besonders schwer, aber was zu erledigen war erledigten diese drei. Schwächen zeigte Schalke nur auf den Außen. Christian Fuchs brachte seine Kollegen in der ersten Hälfte gleich zweimal kurz hintereinander mit Fehlpässen in Bedrängnis, Benny Höwedes wirkte ebenfalls nicht immer sicher und konnte vor allem auch offensiv nicht überzeugen. Mit Afellay irgendwo und Höwedes an der Linie war Schalkes Offensive auf der rechten Seite kaum existent. Ich bin gespannt, wie Huub Stevens Höwedes’ Defensivleistung bewerten wird. Ich denke an der Defensive wird er festmachen, ob er ihn gegen Piräus und/oder Bayern München spielen lässt oder wieder Atsuto Uchida bringt.

Dass den Toren am Ende doch keine ausgenutzten Schnitzer zugrunde lagen, sondern aus einem Sonntagsschuss und einem letzten schönen Angriff kurz vor Schluss, als Fürth längst am Ende war, resultierten, war das Augenzwinkern des Fußballgottes. Was Schalke tat, reichte zum Sieg. Ich war am Ende zufrieden. Mir war wichtig, dass Schalke dem Gegner quasi keine echte Chance erlaubte. Gegen Augsburg war das noch ganz anders. Bezüglich der Offensive geht es mir wie vielen, auch ich vertraue darauf, dass das viele Talent noch zueinander findet, dass es richtig kombiniert wird, um durchschlagskräftig zu werden. Gegen Augsburg und Fürth reichte das Aufblitzen von individueller Klasse. Für die nächsten Aufgaben braucht es wahrscheinlich auch in der Offensive eine Mannschaftsleistung. In dieser Woche wird der Hengst Schalke 04 definitiv höher springen müssen, um was zu erreichen.



Foto: Kuster & Wildhaber

Wörtlich: Mike Büskens

Es ist für Gerald Asamoah, Edu und mich eine Reise in die Vergangenheit. Ich verbinde mit dem FC Schalke 04 18 wunderschöne Jahre, deswegen freue ich mich darauf, Huub Stevens und den Betreuer- und Trainerstab zu treffen. Es gibt viele Berührungspunkte mit diesen Menschen und deshalb gehe ich diese Aufgabe entspannt an. Aber eins ist auch klar, wir möchten dieses Spiel unbedingt gewinnen und vielleicht ist es gerade deshalb so besonders, weil mir die Königsblauen so am Herzen liegen.

… sagte Mike Büskens im Interview mit Steffen Hoss für bundesliga.de.

„Irgendwann soll er einmal Schalkes Trainer werden, jedenfalls wünschen sich das viele königsblaue Fans. Dazu habe ich noch keine Meinung“ schrieb ich im März, und so ist es auch heute noch. Aber Mike Büskens ist definitiv besonders. Nichts gegen Gerald Asamoah, aber würde nur er dort spielen wäre mir Fürth immer noch egal. Weil aber Mike Büskens dort der Cheftrainer ist, achte ich auf die Ergebnisse und freue mich sogar ein wenig über einen Sieg gegen Mainz. Wenn Fürth nun gegen Schalke spielt, freue ich mich nicht nur, weil ich mich immer freue wenn Schalke spielt, sondern ich bin auch gespannt auf Buyos Mannschaft. Auf sein Schaffen. Auf sein Können.

Buyo sehen

Gestern hatte Mike Büskens Geburtstag, er wurde 44 Jahre alt. Heute setzt er mit seiner Spielvereinigung Greuter Fürth zur Saisonkür im Pokalhalbfinale gegen Meister Borussia Dortmund an. Irgendwann soll er einmal Schalkes Trainer werden, jedenfalls wünschen sich das viele königsblaue Fans. Dazu habe ich noch keine Meinung, aber ich freue mich auf das heutige Spiel.

Seine Mannschaft, und auch er selbst, hat heute nichts zu verlieren. Alles andere als eine Niederlage wäre eine Sensation, und anderes ist auch wichtiger, nämlich endlich den Aufstieg in die erste Liga zu schaffen. Seit nunmehr 12 Jahren war Fürth immer wieder oben dabei und schaffte es am Ende doch nicht. Auf Schalke gönnen es ihnen nun viele, obwohl die Spielvereinigung der natürliche Derby-Gegner der fanfreundschaftsbefreundeten Clubberer aus Nürnberg ist. Auch wegen Gerald Asamoah, vor allem aber wegen Mike Buyo Büskens.

Beliebt war er schon immer, seit er in Fürth erfolgreich arbeitet ist er auch begehrt. Der FC St. Pauli wollte ihn als Nachfolger Stanislawskis haben, und als Ralf Rangnick überraschend zurück trat, wurde auch im Schalker Umfeld vielfach sein Name gerufen. Mike Büskens stand nicht zur Verfügung, er wolle keinen Vertrag brechen, gab er sich so wie man ihn schätzt, ohne einen Hehl daraus zu machen, dass er Schalke als seinen Verein sieht, und dass es vielleicht irgendwann mal passen könnte.
Spätestens seit dieser Zeit des Rangnick Rücktritts und Büskens Aussagen sehen viele Fans Mike Büskens als natürlichen Erben Huub Stevens’, der gleich zu Beginn seines aktuellen Engagements auf Schalke bemerkte, dass er seine Karriere nicht mehr allzu lange fortsetzen wolle, dass er „nur noch zwei, drei Jahre plane“.

So sehr ich Mike Büskens als Spieler und Mensch, als „Typ“ schätze, so wenig kann ich ihn als Trainer einschätzen. Dazu fehlt mir einfach die Grundlage, ich habe bislang viel zu wenig von dem gesehen, was seine Arbeit in Fürth bewirkte. Eigentlich nur die Tabelle. Auch deshalb freue ich mich auf das Spiel heute Abend. Nicht, weil ich mir die Arbeit des nächsten Trainers des FC Schalke 04 ansehen will, sondern weil ich dann die Arbeit eines immer noch irgendwie Schalkers vielleicht ein bisschen besser beurteilen kann, wenn er gemeinsam mit Gerald Asamoah einen Underdog-Kampf gegen den Erzrivalen kämpft. Ma’kucken.

Zwischen Professionalität und Moral

Ein Proficlub sollte wissen wie es weitergeht, wenn er einen Trainer entlässt. Bereits mit einem anderen Trainer zu verhandeln, wenn der eigene noch im Amt ist, ist mieses Verhalten.

Meinem Gefühl nach ist die zweite Aussage öfter zu hören. Zuletzt beim Trainerwechsel in Hoffenheim. Man hatte den Eindruck, dass Markus Babbel auf dem Hoffenheimer Vereinsgeländes bereits mit gesetzem Blinker auf den durch Stanislawski freiwerdenden Parkplatz warten würde. Aber ist das wirklich so schlimm?

Auf Schalke gab es nach den Entlassungen von Fred Rutten und Andreas Müller eine große Unsicherheit. Zunächst erklärten sich die Co-Trainer um Mike Büskens mit Fred Rutten solidarisch und wollten nicht erneut als Notnägel einspringen, wie sie es nach der Entlassung Mirko Slomkas bereits machten. Sie taten es dann doch und schufen damit Zeit in der Trainerfrage, bezüglich des Managerpostens war die Not größer. Clemens Tönnies prägte damals den Satz, nachdem Schalke 04 ein geiler Club sei, zu dem viele wollen würden. Gleichzeitig wurde jeder Ex-Profi, dem man einen sicheren Umgang mit dem Einmaleins nachsagte, als Kandidat betrachtet. Alles schien möglich, und trotz vorheriger Absage bot Clemens Tönnies vor laufender Kamera und live Matthias Sammer zum wiederholten Mal Gespräche an, die dieser dann erneut abwies. Es war zum fremdschämen, ich empfand Schalkes Umgang mit der Situation als sehr unprofessionell.

Aktuell ist der MSV Duisburg dabei, Oliver Reck den Trainerjob zu nehmen. Dem Vernehmen nach sucht der Verein einen Nachfolger, Oliver Reck soll ein Ultimatum gestellt worden sein. Er habe das nächste Heimspiel zu gewinnen. Gegner am Freitag ist die Spielvereinigung Greuther Fürth, eine Aufgabe, wie sie schwieriger kaum sein könnte.

Wenn tatsächlich bereits mit anderen Trainer verhandelt wird, wird einer von denen auch kommen, wenn nicht Samstag, dann eine Woche später. Oliver Reck wird das ahnen, eine ungesunde Situation. Aus Clubsicht ist dieser Vorgang trotzdem nachvollziehbar. Einen neuen Trainer als erste Aufgabe gleich in solch eine Begegnung zu schicken, wäre aus Vereinssicht eben auch töricht, und wenn man nicht davon überzeugt ist, dass der Co-Trainer für einen entscheidenden Motivationsschub sorgen kann, macht ein solcher Zwischenwechsel auch keinen Sinn. So ist es wohl professionell.

Schön ist das trotzdem alles nicht. Alles Gute, Oliver Reck!



Foto: xtranews

Büskens bei Facebook

Mike „Buyo“ Büskens wäre vor anderthalb Jahren gerne auf Schalke geblieben. Er wollte Co-Trainer unter Felix Magath bleiben, von ihm lernen. Mittlerweile hat er gelernt, dass er lieber einen anderen, seinen eigenen Weg geht. In einem Filmchen zur noch neuen Facebook-Seite der SpVgg Greuther Fürth nimmt er Felix Magath und damit auch ein bisschen sich selbst aufs Korn.

Im Anzug und mit grüner Krawatte sitzt er vor einem Laptop. Er nimmt von helfender Hand ein Skript mit einem vorbereiteten Text entgegen, spricht hölzern, einstudiert, und rührt dabei im Pfefferminztee. So stammelt er vor sich hin, dass Facebook für ihn neu sei, und wieso weshalb warum; bis ein Schnitt ihn und uns erlöst.

Nur sitzt er im Trainingsanzug da, wie man ihn kennt, und bemerkt, dass Authentizität das Wichtigste überhaupt sein. Es folgt eine Ansprache an die Fans, an seine Fans, die seiner Mannschaft der Spielvereinigung Greuther Fürth. Nicht unbedingt stilistisch hochklassig aber eben direkt und ja, authentisch.

Ob es einen konkreten Anlass für ihn und für die Art dieses Filmchens gab, weiß ich nicht. Vielleicht ist es nur eine Reaktion auf die Tatsache, dass Felix Magath und der große Streit um ihn auf Schalke nach wie vor allgegenwärtig ist. Als Schalker war Buyo Büskens dieser Tage beim Benefitz-Turnier „SuperPott“ im Einsatz. Im Vorfeld dazu gab er Frank Lamers ein Interview, bei dem er nicht direkt, aber indirekt deutlich zu Felix Magath äusserte.



Foto: Screenshot | Danke an janw