Artikel zum Schlagwort ‘TSG Hoffenheim’

Enttäuschender Auftritt gegen Hoffenheim

Schalke kommt gegen die TSG Hoffenheim nicht über ein 1:1 hinaus. In einer schwachen Partie war Schalke die schwächere Mannschaft und konnte sich letztlich glücklich schätzen, mit einem Punkt davon gekommen zu sein.

Schalke erzielte einen Treffer. Viel mehr Offensive boten die Blauen in diesem Spiel nicht.

Im weiteren Spiel ging es darum, dass die Schalker Defensive die Führung verteidigte. Das gelang in der zweiten Hälfte besser als in der ersten, in der die TSG zu einigen Chancen kam. Letztlich war der Ausgleich für Hoffenheim aber mehr als verdient.

Es war ein enttäuschender Abend. Schalke konnte sein Spiel nicht durchdrücken. Natürlich ist Hoffenheim ein starker Gegner, sie stehen vollkommen zu Recht auf Rang vier. Aber in diesem Spiel machten sie auch keinen guten Eindruck. Und so vergeht Spieltag um Spieltag und Schalke schafft es nicht, an die Europa League-Plätze heranzukommen.

Bis Platz 6 sind es weiterhin acht Punkte. Das von Markus Weinzierl ausgerufene Ziel, in der Berechnung des Punkteschnitts ab Spieltag 6 einen Wert von 1,8 zu erreichen, ist mit -0,21 so weit weg wie nie zuvor.

„Abstiegskampf“: Schalkes 0 steht auch nach 5!

Schalke verliert auch das 5. Bundesligaspiel der noch jungen Saison, 1:2 in Hoffenheim. Wieder konnte die Offensive aus viel Ballbesitz nur wenige Chancen kreieren. Wieder führten „leichte Fehler“ zu Gegentoren. Schalke bekommt die Dinge nicht zusammen. Und zu allem Überfluss wurde ihnen noch ein klarer Handelfmeter verwehrt. Enttäuschend.

Nach dem Spiel erklärte Manager Christian Heidel die Situation offiziell zum Abstiegskampf.

Vielleicht fehlt es da an Realität, dass man nicht merkt wo man eigentlich steht. Aus dem Umfeld waren immer wieder Sprüche zu hören wie „Gladbach hatte auch die ersten Fünf verloren und kam dann in die Champions League“. Da biegen sich bei mir die Fußnägel. Nach fünf Spielen ohne Punkt sind wir im Abstiegskampf. Das ist noch nicht bei allen angekommen.

Außerdem machte er fehlendes Engagement der Mannschaft für die Niederlage verantwortlich.

Wenn man in der ersten Halbzeit, nach einer 1:0 Führung, nur 53 km läuft, dann weiß jeder, der sich im Fußball auskennt, was das bedeutet. Das ist einfach zu wenig.

Man kann nicht sagen, man ist ein Malocherclub, und vergisst das Malochen. Ich habe mich immer schützend vor die Mannschaft gestellt, aber jetzt ist ein Punkt gekommen an dem man Klartext reden muss. Die zweite Halbzeit war engagiert. Aber Engagement ist selbstverständlich. Hier geht es nun um ein bisschen mehr, und das muss die Mannschaft nun einfach verstehen.

Bevor Christian Heidel seine Aussagen im Interview gewohnt souverän ausformulierte, soll er einen Tobsuchtsanfall gehabt haben*. Einen, wie es ihn seit Rudi Assauer auf Schalke nicht mehr gegeben habe, hieß es aus Sinsheim.

Christian Heidel geht mit seinen Aussagen in die Offensive. Die recht erstaunliche Ruhe der letzten Wochen führte nicht zum Erfolg, nun erhöht er selbst den Druck. Das geht am einfachsten über die „Wir wollen Euch kämpfen sehen“-Nummer, welche die mitgereisten Schalker gleich nach Abpfiff bereits intonierten.

Natürlich ist „mehr kämpfen“ immer super. Meines Erachtens war zu wenig kämpfen aber nicht der Grund für die Niederlage gegen die TSG. Statt an Läufen ohne Ball fehlte es meines Erachtens eher daran, dass der Ball selbst zu langsam lief. Schalkes Ballgeschiebe wirkte sehr vorhersehbar. Wie schon gegen Köln tat man sich unglaublich schwer, gute Chancen zu erspielen. Dabei bewegte sich vor allem Breel Embolo in der Spitze viel und auch Klaas-Jan Huntelaar wich immer wieder in freie Räume aus. Sie aber wirklich in aussichtsreichen Positionen freizuspielen gelang fast nie. Diese Hilflosigkeit war schon ernüchternd.

Die leichten Fehler, mit denen man den Gegner immer wieder zu Toren einlädt, werden hingegen schon zur Routine. Ähnlich wie gegen Köln wirkte Sascha Riether mit seinen Gegenspielern überfordert. Das erste Gegentor ging zum größten Teil auf seine Kappe. In dieser Situation verlagerte Hoffenheim das Spiel auf seine Seite, aber er war so weit weg von Hoffenheims Außen, dass er direkt den kurzen Weg Richtung Tor antreten musste um überhaupt noch auf Ballhöhe zu kommen. Seinen Stellungsfehler wollte Leon Goretzka ausbügeln, der aus seiner Position aber einen Schritt zu spät kam um die Flanke noch verhindern zu können. Dass Matija Nastasic einen Schritt zu weit vor seinem Gegenspieler zum Kopfball hochsprang und den Ball nicht erreichen konnte war das zweite vermasselte „Routinespiel“, welches das erste Gegentor ermöglichte.

Auch beim zweiten Gegentor kam Sascha Riether zu spät, beendete seinen Lauf einen Meter hinter dem Torschützen, als dieser einschob. Dass die Verteidigung so blank erwischt wurde lag aber natürlich an Nabil Bentalebs Fehlpass in der eigenen Hälfte, als sich die ganze Mannschaft gerade in der Vorwärtsbewegung befand. Solche Fehler sind „Eigentore“, wie sie einfach nicht passieren dürfen, Fehler die sich kaum noch ausbügeln lassen.

Schalke hat sich diese Niederlage redlich verdient. Dennoch hätte es in der Nachspielzeit einen Handelfmeter gegen Hoffenheims Kerem Demirbay geben müssen, wie man das anders sehen kann ist mir ein Rätsel. Der Elfer hätte einen ziemlich sicheren Punktgewinn bedeutet, und Punkte nicht zu gewinnen ist nie besser als sie zu gewinnen, egal wie schlecht man zuvor gespielt hat.

Nun wird also aus allen Rohren geschossen werden. Von Fanseite, von Zeitungen. Aber egal wie laut was von wem gefordert wird, der eigenen Trainer wird von Christian Heidel nicht infrage gestellt werden, davon bin ich überzeugt.




 
Die Info zum „Tobsuchtsanfall“ wurde von den WAZ-Journalisten Manfred Hendriock und Andreas Ernst übermittelt, siehe hier und hier. Heute dementierte Thomas Spiegel, Direktor Medien, Kommunikation und PR des S04, dass es einen solchen gegeben hätte, siehe hier.
 
 

Schalke 04: Die Drama-Queen der Bundesliga

Schalke 04 hat sein letztes Saisonspiel in Sinsheim mit 4:1 gewonnen. Ein Spiel gegen eine TSG, für die es um nichts mehr ging. Gleichwohl ein wichtiger Sieg, erspart man sich so doch bis zu zwei Qualifikationsrunden zur Teilnahme an der Europa League. Ohne dies wird die Saisonvorbereitung 2016/2017 einfacher. Wichtig für den Trainer, wer auch immer dies dann sein mag.

Kurz vor dem Anpfiff in Hoffenheim wurde offiziell, dass André Breitenreiter in der kommenden Saison nicht mehr Trainer des FC Schalke 04 sein würde. Er selbst gab das bekannt, den Medien, in der Kabine auch seiner Mannschaft. Auch Christian Heidel nahm dazu später in einem Interview Stellung.

Demnach habe er André Breitenreiter angerufen, um mit ihm ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Im Lauf dieses Telefonats wurde dann aber klar worum es ging. Der Trainer wollte schnell Klarheit, eben kein „Geeiere“, wie er zuletzt selbst sagte. Dem Manager war wichtig, dass er von Beginn an ehrlich war, er wollte den Trainer nicht hinhalten. So kam es zu der Freistellung am Telefon. Eine Freistellung für nach dem Spiel, vor dem Spiel. Irgendwie typisch Schalke, Schalke 04, die Drama-Queen eben. Aber letztlich sprachen sowohl André Breitenreiter, als auch Christian Heidel in ihren Interviews ohne Verbitterung über den anderen.

Entsprechend war dieses Spiel in Hoffenheim also das letzte für sowohl André Breitenreiter, als auch für Horst Heldt. Und als sie nach dem Spiel gemeinsam in die Schalker Kurve gingen, als die Fans „Blau und Weiß, ein Leben lang“ intonierten, als bei Horst Heldt die Dämme brachen, da titschte das wohl jeden an, auch mich.

Keine Frage: Horst Heldt wurde zum Schalker und er hat seine Verdienste, er wird auf immer Teil der Geschichte des FC Schalke 04 bleiben. Es gilt, ihn zu achten, wie es überhaupt jeden Schalker zu achten gilt. Trotzdem ist es mehr als schräg, in welch gutem Licht Horst Heldt plötzlich dasteht. Wie sich das Verhalten eines Großteils der Fans wandelte, von Zeter und Mordio, das man ihm nach der letzten Saison entgegenschrie, zur aktuellen Innigkeit – obwohl er doch großen Anteil daran hatte, dass diese Saison kaum einen Deut besser verlief als die letzte. Wo doch gerade er keinen Draxler-Ersatz beschaffen konnte und den Forderungen des Trainers nach einem erfahrenden Defensivspieler nicht nachkam. Das ist schon mehr als erstaunlich. Meines Erachtens war und ist es in beide Richtungen zu dick aufgetragen. Damals wie heute. Schalke 04, die Drama-Queen eben.

Wie dem auch sei: Horst Heldt ist nicht mehr verantwortlich. Die Zukunft gehört Christian Heidel, der am gestrigen Sonntag seinen ersten Tag mit Verantwortung für Schalke 04 hatte und gleich tätig wurde.

Nach wenigen Stunden wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Wenn man so will: Gleich der zentrale Defensivspieler mit Erfahrung, den André Breitenreiter nicht bekam.

Naldo ist bereits 33 Jahre alt. Er ist noch immer ein guter Spieler. Dieser Transfer wird Schalke nicht auf Champions League-Level hieven. Aber Naldo ist ein Führungspieler und ein Teamplayer. Einer, von dem junge Spieler profitieren können. Auf Grund einer Klausel im Vertrag konnte Christian Heidel ihn ablösefrei bekommen. Wirkt auf mich wie ein schlauer Deal.

Noch nicht offiziell, sondern nur nach Meldung der Süddeuschen Zeitung, hat Schalke außerdem Robert Leipertz vom FC Heidenheim zurückgeholt. Robert Leipertz war vor zwei Jahren aus Schalkes Regionalligamannschaft nach Heidenheim gewechselt. Schalke hatte sich eine Rückholoption gesichert, welche nun gezogen worden sein soll. Der nun 23-Jährige Spieler hatte für Heidenheim in der letzten Saison hauptsächlich als Rechtsaußen gespielt. In 33 Spielen kam er auf 10 Treffer und bereitete 10 weitere Tore vor. Für einen Außenbahnspieler durchaus starke Zahlen.

Inwieweit Schalke mit Leipertz als Kaderspieler plant, ob es neben Naldo noch andere Veränderungen für die Innenverteidigung geben wird, wer überhaupt nächster Schalke-Trainer wird … das alles bleibt abzuwarten. Mittwoch wird es eine Pressekonferenz mit Christian Heidel auf Schalke geben. Vielleicht sitzt dann ja ein neuer Trainer daneben.

Happy Weekend (8)

Gegen Hoffenheim. Das war vor fünf Jahren das Schlimmste überhaupt. Der Retortenclub auf der feuchten Wiese im Irgendwo, von den Millionen des Milliardärs in eine Höhe gepimpt, in die es dieser Club unter Marktbedingungen und unter Wahrung der Idee der 50+1-Regel nie geschafft hätte. Mittlerweile hat man sich ein wenig an die TSG gewöhnt, findet sie meist langweilig und nur noch halb so schlimm, da es Schlimmeres gibt. Nämlich den Retortenclub in Leipzig, von den Millionen eines Milliardärs in eine Höhe gepimpt, in die er es unter Marktbedingungen und unter Wahrung der Idee der 50+1-Regel nie geschafft hätte, und der zudem nicht mal mehr Fußballclub, sondern ein Marketingkonzern-Franchiseunternehmen ist.

Ich finde es schade, dass Clubs wie der VfB Stuttgart, wie Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt der Liga verloren zu gehen drohen. Clubs, deren Abschneiden Millionen von Fußballfans berühren. Aber ich bin auch des Nöhlens müde.

Herr Hopp darf auf die 50+1-Idee pfeifen, das gab ihm die Liga schriftlich. Die Getränkefirma darf einen Club kaufen, sein Logo ändern und ihn in ein Kunstwort in Anlehnung an das Verkaufsprodukt umbenennen. Das hat die Liga so zugelassen. Was machbar ist, wird gemacht. Nicht das Tun ist falsch, sondern das System, welches das Tun ermöglicht.

Der nächste Investor wird kommen. Einer, der die bisherigen Schlupflöcher nutzt, oder einer, welcher der Liga mit einem Prozess vor einem ordentlichen Gericht droht. Vielleicht wird es wieder einen Kompromiss geben, ein Zugeständnis, um das Problem kleinzuhalten. Aber es wird der Punkt kommen, an dem sich das Wahren des Scheins für die Liga nicht mehr lohnt.

Es ist unromantisch und es wiederspricht meiner Wunschvorstellung, aber letztlich ist es weltfremd, sich gegen die Möglichkeit des Finanzzuflusses durch Investoren zu sträuben. Und vor allem ist es falsch, dass Ausnahmen zu unterschiedlichen Regelungen für die verschiedenen Clubs führen. Während in England Investoren ihr Geld in traditionsreiche Clubs stecken, deren Fans die Clubtradition feiern, egal wer gerade zahlt, sorgt die 50+1 Regel in Deutschland für Kunstprodukte. Das ist nicht gut für die Liga.

Und diese Feststellung ist meines Erachtens auch unabhängig davon, ob man will oder nicht, dass der eigene Club ein Verein bleibt. Oder ob man die Jugendarbeit in Hoffenheim achtet oder nicht. Oder ob man Leipzig Profifußball gönnt oder nicht.
 
 
Gegen die TSG, auf’m Platz

Die Ausgangslage ist klar. Schalke, Mainz 05 und Hertha BSC haben allesamt 49 Punkte. Einer dieser Clubs muss Siebter bleiben und sich über zwei Runden in vier Spielen für die Europa League Qualifizieren. Mainz und Hertha spielen gegeneinander. Eben deshalb hat es Schalke selbst in der Hand, mit einem Sieg gegen Hoffenheim auf jeden Fall diesen siebten Platz zu verhindern.

Leon Goretzka ist gelbgesperrt. Für ihn könnte Marco Höger in seinem letzten Spiel als Blauer in den Kader rücken. Dass er von Beginn an auf dem Platz steht ist unwahrscheinlich. Vermutlich wird Johannes Geis wieder in die Startelf rücken. Halbwegs spannend ist außerdem die Frage, ob Roman Neustädter für den genesenen Kapitän Benedikt Höwedes auf die Bank muss. Diese Partie könnte Roman Neustädters letztes Spiel für Schalke 04 sein. Sein Vertrag läuft in 48 Tagen aus. So cool wie Roman muss man erstmal sein; einer, der sehr offensichtlich gerne auf Schalke bleiben würde, der ob der Wirrungen und trotz kurzfristig endenden Vertrags noch nicht das Weite gesucht hat, sondern der Dinge harrt, um eventuell noch am richtigen Ort zu sein und zu bleiben.
 
 
Daten und Drumherum

Die TSG hat den Klassenerhalt bereits am letzten Spieltag gesichert. Nach dem Spiel soll es „um das Stadion herum“ 1000 Liter Freibier geben. Falls die mitreisenden Schalker nicht abgesperrt abtransportiert werden, sollten sie diese Menge locker schaffen.

Vor dem Spiel wird man im Stadion die scheidenden Protagonisten ehren – ebenso wie man es auf Schalke letzte Woche auch tat. Auch Huub Stevens sollte nochmal gebührend verabschiedet werden. Dieser ließ sich allerdings entschuldigen und wird nicht da sein, weil just am Samstag seine Tochter heiraten wird.

Schalke konnte gegen die TSG bislang noch kein Auswärtsspiel gewinnen. In sieben Versuchen kam man zu vier Unentschieden, dreimal verlor man.

Schiedsrichter der Partie wird Dr. Felix Brych aus München sein. Die letzten fünf Partien unter seiner Leitung konnten die Blauen allesamt nicht gewinnen.

Das Wetter in Sinsheim soll am Samstag überwiegend sonnig sein. Google geht derzeit von 16° C aus, es wird kein Niederschlag erwartet.

Morgen hat Gustavo Varela Geburtstag, er wird 38. Einer meiner Lieblingsspieler in dem Kader, der 2007, als ich mir dem Bloggen begann, fast Meister geworden wäre. Bis heute bin ich davon überzeugt, dass es geklappt hätte, hätten er und Peter Lövenkrands sich nicht verletzt. Am Sonntag haben außerdem noch Karl Barufka, Helmut Malinowski und Christian Mikolajczak Geburtstag.
 
 
Mehr Schalke

Schalkes U19 hat sich mit einem Sieg in Münster den Einzug ins Finale um den Westfalenpokal gesichert. Gegner wird dabei der VfL Bochum sein, gegen den man im letzten Ligaspiel am vergangenen Wochenende überraschend hoch mit 1:4 verlor. Ein Termin für das Finale steht noch nicht fest.

Schalkes U17 hat sich mit einem Sieg gegen Eintracht Dortmund ebenfalls den Einzug ins Finale um den Westfalenpokal gesichert. Das Finale findet am 25. Mai statt. Gegner wird dabei Borussia Dortmund sein.

Schalkes Regionalliga-Team wird am Samstag um 14 Uhr im Jahnstadion zu Bottrop auf den SC Verl treffen.

Übrigens gab es gestern in den Publikationen der WAZ ein Interview mit Oliver Ruhnert, Direktor der Schalker Nachwuchsabteilung. Sehr klar, sehr lesenswert, das Gegenteil von oberflächlich, so wie eigentlich immer alles, was es von Oliver Ruhnert zu lesen oder zu hören gibt. Hier entlang: Klick
 
 
Und sonst?

Und dann war da noch die Schalker Pressekonferenz, gestern. Eine bemerkenswerte Ausgabe, mit unbedingter Empfehlung. Sowohl André Breitenreiter, als auch Horst Heldt wirkten, als seien sie über die Zwänge ihres Jobs hinweg.

André Breitenreiter zeigte sich recht verbittert. Unzählige Male erwähnte er das Wort „Eigenmotivation“, an der es in seinem Kader mangeln würde, zu der er nur „Hilfestellung“ hätte geben können. Irgendwie schicksalsergeben. Irgendwie so, als wolle er das nochmal klarstellen, dass das, was schieflief, an Charakter- oder eben Eigenmotivations-Schwächen der Spieler lag. Dass man da nichts machen kann. Und als er schon mal dabei war, offen zu sprechen, bekamen natürlich auch die Journalisten wieder einige Seitenhiebe. Für diese Form der Kontinuität hat er in seiner Zeit auf Schalke jedenfalls gesorgt.

Auf Horst Heldt hingegen wirkte sich das „über die Zwänge hinweg“-Sein sehr positiv aus. Er sprach tolle Sätze. Sätze, die jeder Fan unterschreiben kann. Sätze, in denen er als Schalker und für jedermann sympathisch rüberkam. Er wirkte freundlich und doch bestimmt. Zumindest jetzt, bei seinem letzten Auftritt, wirkte er geradeaus.
 

 
 
So. Schönet Wochenende, bis Montach.

Schalker Herzenssachen: Huub hört auf, Benni bleibt

Huub Stevens tritt aus gesundheitlichen Gründen vom Traineramt bei der TSG Hoffenheim zurück und erklärt seine Karriere für beendet. Benedikt Höwedes erklärt, dass er weiterhin beim FC Schalke 04 spielen möchte, und veröffentlichte so etwas Ähnliches wie eine Liebeserklärung an den Club. Es war ein ereignisreicher Tag, der gestrige Mittwoch, für Schalker Herzen.

 
Des Jahrhunderttrainers Karriereende

„Herr Stevens, in Anbetracht dieser Herzrhythmusstörungen, sieht man Sie nochmal auf der Trainerbank oder sagen sie, sie haben damit abgeschlossen?“ so lautete die Frage eines Journalisten des SWR, auf der Pressekonferenz zu Huub Stevens Amtsniederlegung aus gesundheitlichen Gründen. Nein, schüttelte er während des ersten Teils der Frage den Kopf, man werde ihn wohl nicht mehr sehen, das glaube er nicht. So leise, so nebenbei, erklärte Hubertus Jozef Margaretha Stevens, der 23 Jahre Trainer war, sein Karriereende.

Die Pressekonferenz war sachlich. Huub Stevens legte stets Wert auf Selbstbeherrschung. Eventuell müsse er operiert werden. Nein, die Ärzte hätten ihm nicht dazu geraten, die Entscheidung habe er selbst gefällt. Die Aufgabe als Trainer der TSG verlange 100% Einsatz. Das Risiko sei ihm zu hoch.

Huub Stevens kehrte sein Privates nie nach außen, doch während seiner Karriere blitzte immer wieder die Fürsorge für seine Frau Toos auf. Toos Stevens leidet an Morbus Crohn. Erstmal wurde dies 1978 diagnostiziert, am 12.04., als Huub mit dem PSV Eindhoven in Barcelona den Einzug ins UEFA-Cup-Finale erreichte. Es stand über die Jahre mehrmals schlecht um sie, mehrfach musste sie operiert werden. 2007, als Huub beim HSV unter Vertrag war, lag sie mehrere Wochen im Koma.

Als sie sich kennenlernten war Toos 16, Huub 18 Jahre alt. Am 9. Juni diesen Jahres werden sie 40 Jahre verheiratet sein. 38 Jahre hat Huub auf sie „aufgepasst“, jetzt muss er mal auf sich selbst achtgeben. Möge es ihm gelingen und mögen ihm und seiner Frau ein ausgefülltes „Nach dem Job“-Leben beschieden sein.

 
Des Captains Bleiben

Huub Stevens gehört zum Club, ich bin mir sicher, dass man ihn gelegentlich auf Schalke wiedersehen wird. Durchaus überraschend war, dass gestern verkündet wurde, dass man Benedikt Höwedes weiterhin auf Schalke spielen sehen wird.

Benedikt Höwedes hatte bereits letzten Sommer Angebote aus England und Italien. Seinen Verbleib begründete er damit, dass er zur Unzeit des Tullus‘ nach Roberto Di Matteos Entlassung den Verein nicht im Stich lassen wollte. Auch in diesem Sommer hätte er die Möglichkeit gehabt, von einer Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen. Dass er sich nun für sein Bleiben auf dem Berger Feld entschieden hat, freut mich sehr.

Benedikt Höwedes ist ein guter Typ, ein geeigneter Kapitän für diesen Club. In dieser Saison waren seine Leistungen nicht immer die allerbesten. Aber er war eben zu Saisonstart verletzt, hatte keine ordentliche Vorbereitung. Er ist nun 27 Jahre alt, im besten Fußballeralter. Seine derzeitige Verletzung hat nichts mit der vom Saisonbeginn zu tun. Er bringt alle Voraussetzungen mit, um wieder Topform zu erreichen und diese Mannschaft als Leistungsträger zu führen.

Die Art des „Verkaufens“ dieser Vertragsverlängerung ist Geschmackssache. Mir rollen sich die Fußnägel hoch, wenn einer solch schönen Nachricht unbedingt ein Marketing-Spruch wie „Kohle geht. Kumpel bleiben.“ angepappt werden muss. Benedikt Höwedes ist sympathisch und glaubwürdig, vielleicht sogar der glaubwürdigste Kopf in diesem ganzen Verein. Einen „Claim“ haben er und seine Entscheidung für den Club nicht nötig.

Aber sei’s drum. Wollen wir uns an dieser Stelle einfach freuen.


Der Chor, der Naja-Sieg und die Hinrunde

Schalke gewinnt das letzte Spiel des Jahres mit 1:0 gegen Hoffenheim. Mangels gutem Fußball lieferte ein Männerchor den eigentlichen Höhepunkt des Abends. Mit 27 Punkten schließt Schalke die Hinrunde in angemessener Position ab.

Da war dieser eine Moment, der ein bisschen falsch lief. Als der Betriebsratsvorsitzende der am Freitag geschlossenen Marler Zeche Auguste Victoria das letzte Grubenlicht an den Vorstandsvorsitzenden des FC Schalke 04 überreichen wollte. Schalke hat keinen Vorstandsvorsitzenden, die drei Vorstände Heldt, Jobst und Peters arbeiten gleichberechtigt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies bemühte sich, Alexander Jobst zur Annahme zu bewegen. Der zierte sich aber, wollte sich nicht hervortun. Letztlich nahm Clemens Tönnies das Licht entgegen.

Ansonsten lief nichts falsch bei und um diese Darstellung der Zugehörigkeit des FC Schalke 04 zu den Bergarbeitern und umgekehrt. Immer wieder mal gibt es Vorwürfe, in solchen Darstellungen betreibe der Club nur Marketing. Das stimmt nicht. Wahr ist, dass das Marketing des Clubs die Verbindung zum Bergbau aufgegriffen hat. Da diese Verbindung aber nun mal Ursprung und damit Identität dieses Clubs ist, ist daran alles richtig. Die Verabschiedung, der Chor, das Mitsingen der Zehntausenden; das erzeugte eine echte und passende Emotionalität.

Der Fußball danach hinkte deutlich hinterher. Das Spiel war schlicht schlecht. Ungenau. Frei von jeglichen Überraschungen. Vor allem behäbig. Schalke attackierte Hoffenheim früh, aber wenn der Ball dabei gewonnen wurde folgte oft sofort ein Fehlpass oder es dauerte schlicht zu lange, bis Schalkes Offensive den Vorwärtsgang eingelegt bekam. Viel Stückwerk, kaum Spielzüge.
Hoffenheims Sturmschwäche war erschreckend. Wie laissez faire Schalkes Defensive mit deren Angriffsbemühungen umging auch. Am Ende stand ein Spiel mit ähnlich viel Ballbesitz und ähnlich vielen Torschüssen auf beiden Seiten. Ein Spiel, das weit entfernt war von den Ansprüchen André Breitenreiters, der dafür steht die Zuschauer mit einer begeisternden Spielweise überzeugen zu wollen. Diesmal blieb es beim Verlassen des Stadions bei einem „Naja, Hauptsache gewonnen“-Gefühl.

27 Punkte-Hinrunde

Zur Winterpause liegt Schalke nun mit 27 Punkten zwei Zähler hinter Platz 4. Meines Erachtens fühlt sich das passend an. Man spielte noch nicht wie ein Team, das unbedingt in die Champions League gehört. Man bleibt aber in Schlagweite und hat weiterhin alle Möglichkeiten. Das hat man sich verdient.

Insgesamt hat mir Schalkes Hinrunde gut gefallen. Nicht nur im Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit, auch generell. Ich mochte, dass es auch in den nicht gewonnenen Spielen zumeist irgendwas Positives zu sehen gab. Ich fand es erstaunlich, wie konstant die so jungen Kerle wie Max Meyer, Leon Goretzka und Leroy Sané sehr ordentliche bis sehr gute Leistungen aufs Feld bringen konnten. Eine notwendige Konstanz, da der zu dünne Kader keine erfahrenen Alternativen aufwies.

André Breitenreiter passt zu diesem Club und zu dieser Mannschaft. Er hat es schnell hinbekommen, der Mannschaft eine Spielweise vorzugeben, welche den Fans gefiel, selbst wenn die Ergebnisse mal nicht stimmten. In sehr kurzer Zeit konnte sich die Mannschaft wieder einen gewissen Kredit erarbeiten. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit machte André Breitenreiter eine deutlich bessere Figur als Roberto Di Matteo oder Jens Keller.

Aber die Posse um den Begriff „Bonusspiele“ zeigte, wie plötzlich der Wind einem Trainer auf Schalke ins Gesicht wehen kann. In der Winterpause wird Schalke am Kader arbeiten. Ob damit die Ansprüche der Fans steigen werden, wie gut das Team dann zusammenpassen wird, wie sich der Kader in verschärfter Konkurrenzsituation verhalten wird: Das alles wird man beizeiten sehen und dann neu einschätzen müssen. Schalke ist und bleibt spannend, auch in 2016.



Foto: Tomek Bo

Stevens wieder da, Geis erstmal weg, Museum fies finanziert

Wenn die TSG Hoffenheim den Trainer austauscht ist mir das grundsätzlich ziemlich egal. Diesmal engagiert die TSG aber Schalkes zweifachen Ex- und Jahrhunderttrainer, der zudem Schalkes und auch seinen eigenen ehemaligen Co-Trainer beerbt. Das macht es schon besonders. Besonders auch deshalb, weil der Freistellung Stevens‘ auf Schalke im Dezember 2012 nachhallte, dass es zwischen ihm und Markus Gisdol arge Probleme gegeben haben soll, dass die Mannschaft zwischen diesen beiden Trainern gespalten gewesen sei, und dass eben deshalb auch Gisdol nicht als Nachfolger infrage kam, dass es deshalb einen ganz neuen Mann brauchte. Jens Keller eben.

Huub Stevens wird die TSG retten, natürlich. Ein spannenderer Club wird die TSG durch ihn aber nicht werden. Und Stevens‘ Beraterfunktion auf Schalke, der JHV-Coup des Clemens Tönnies, liegt damit auch ab sofort auf Eis. Aber das hatte Huub Stevens ja bereits zeitig angekündigt.
 

Johannes Geis wurde nach seinem Foul an André Hahn vom DFB für 5 Spiele gesperrt, wettbewerbsübergreifend. Da ich am Abend zuvor von den Erben Collinas erfuhr, dass eine wettbewerbsübergreifende Sperre nur in extrem schwerwiegenden Fällen ausgesprochen würde, und da ich das Foul weiterhin für sehr übel aber unabsichtlich erachte, fühlte sich das Strafmaß für mich zunächst ungerecht an. Nach einem ersten sacken lassen halte ich es für weise.
Ich zweifle nicht daran, dass André Breitenreiter die Wahrheit sagte als er beschrieb, dass Johannes Geis nach dem Spiel selbst „völlig fertig“ in der Kabine gesessen habe. Sowas beschäftigt einen Spieler. Es wäre nicht gut gewesen, wenn Geis nur 3 Tage später gegen den gleichen Club aufgelaufen wäre, und ich hätte André Breitenreiter auch zugetraut von sich aus auf Geis zu verzichten, um den Spieler zu schützen.

Ich halte 5 Spiele Sperre für ein dem Foul angemessenes Strafmaß. Ich finde gut, dass die Sperre sofort beginnt und dass sie Johannes Geis die nötige Auszeit aufdrückt. Dass durch den wettbewerbsübergreifenden Status die Partie gegen Gladbach gleich ein Spiel vom Konto nimmt, ist so gesehen ein eher positiver Umstand.
 

Am vergangenen Freitag wurde in Dortmund das „Deutsche Fußballmuseum“ eröffnet. Obwohl darin die Sponsoren des DFB omnipräsent sind, muss der Besucher 17 Euro berappen. Obwohl der DFB als reichster Einzelsportverband der Welt erachtet wird, belastete der Bau des Museums die Steuerzahler erheblich. Für das ZDF Magazin WISO beleuchteten Thomas Münten diese Umstände. Sehr sehenswerte 9 Minuten, die für 7 Tage in der ZDF Mediathek nachzuschauen sind.