Artikel zum Schlagwort ‘TSG Hoffenheim’

Nicht gut. Aber eben auch nicht verloren

Schalke 04 kommt in Hoffenheim nur zu einem 1:1. Da die Blauen allerdings mindestens eine Halbzeit außerordentlich schwach agierten und da Borussia Mönchengladbach im Fernduell um Platz 3 sogar verlor, konnte man dieses Ergebnis mit etwas gutem Willen am Ende abnicken. Manchmal läuft es eben nicht.

Ja, Hoffenheim machte in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel. Wenngleich ihre Offensive auch kein Feuerwerk abbrannte erzeugten sie doch im Mittelfeld genügend Druck, um den Ball in Schalkes Hälfte zu halten. Für die Blauen war kein Durchkommen. Schalkes Bemühungen waren aber auch enttäuschend.
Lewis Holtby fand sich im engen Mittelfeld überhaupt nicht zurecht und tauchte völlig unter. Jefferson Farfán wirkte geradezu träge und erfuhr auf der rechten Außenbahn nahezu keine Unterstützung durch Atsuto Uchida. Jones war damit beschäftigt, in der Defensive Löcher zu stopfen und Julian Draxler wollte Hoffenheim im Alleingang besiegen und rannte sich ein ums andere Mal fest. Alles wirkte fahrig und müde. Bis zu Huntelaar kam der Ball so gut wie nie. Ganze drei Mal schoss Schalke in dieser ersten Hälfte ernsthaft auf das Tor von Tom Starke. Das fühlte sich nicht gut an.

So richtig gut fühlte sich auch die zweite Halbzeit nicht an, man konnte aber von Beginn an ein größeres Engagement erkennen. Nun war es an Schalke, die Abwehr aufrücken zu lassen, insgesamt höher zu spielen und das Spiel in Hoffenheims Hälfte zu verlagern. Weiterhin funktionierten kaum Mal gewollte Kombinationen, trotzdem konnte Schalke nun mit langen Bällen und Flankenläufen Druck erzeugen. Mit etwas mehr Glück hätte dieses Spiel auch noch gewonnen werden können. Dem Spielverlauf nach ging dieses Unentschieden aber in Ordnung.

Ein Unentschieden, das 0:0 hätte heißen müssen, und das nur durch Schiedsrichter Markus Schmidt zu einem 1:1 wurde.

Lars Unnerstall brachte Schipplock in der 30. Minute nicht zu Fall, dieser sank von alleine zu Rasen. Diese Szene war für die Schiedsrichter allerdings schwierig zu bewerten, ohne den Zeitlupenblick konnte man diese Entscheidung als vertretbar erachten. Nebenbei bemerkt hätte Lars Unnerstall auch nicht in Papadopoulos-Manier in dieses Zweikampf gehen müssen.

Ich denke wir können davon ausgehen, dass sich Schiedsrichter Markus Schmidt spätestens seit der Halbzeit seines Fehlers bewusst war. Obasis Faller in der 80. Minute war jedenfalls so lächerlich, dass es schon einen wohlwollenden Blick benötigte, um darin ein Foulspiel Becks erkennen zu können.

Im Fernduell um die direkte Champions League-Qualifikation gegen Borussia Mönchengladbach konnte Schalke einen Punkt gutmachen. Drei Punkte und 5 Tore beträgt nun der Vorsprung der Königsblauen. Während Gladbach am kommenden Wochenende zu Hause gegen Hertha BSC antreten darf, muss sich Schalke ohne die gelbgesperrten Joel Matip und Jermaine Jones mit Mirko Slomka und Hannover 96 rumschlagen.

Die Trainer seit Schaaf

Otto Rehhagel ist neuer Trainer bei Hertha BSC. Sein letzter Bundesligajob liegt schon einen Weile zurück, von 1996 bis 2001 trainierte er den 1. FC Kaiserslautern. In diese Zeit fiel es, dass in „seinem Club“, dem SV Werder Bremen, nach vier Jahren des Orientierungslosigkeit, Thomas Schaaf den Trainerposten übernahm.

Am 11.05.1999 saß Schaaf erstmals als Cheftrainer auf der Bremer Bank. Er gewann 1:0, gegen Schalke 04, gegen Huub Stevens. Außer Huub Stevens sah Schalkes Trainerbank seitdem 11 andere Verantwortliche. Seit Schaaf in Bremen das Sagen hat, warteten 30 andere Bundesligaclubs mit insgesamt 192 Trainern auf.

Für Hertha ist Otto Rehhagel nun der 13. Verantwortliche in 13 Jahren Erstligazugehörigkeit seit Schaaf. Der HSV kam in 14 Spielzeiten auch auf 13 Trainer seit Schaaf. Leverkusen mag weniger als „heißes Pflaster“ gelten, trotzdem waren es auch da 10 Trainer in 14 Jahren seit Schaaf. In Gladbach waren es 11 Trainer in 11 Jahren erste Liga seit Schaaf, und Köln kommt sogar in nur 9 Erstligajahren auf 12 verschiedene Gesichter auf der Trainerbank, seit Schaaf.

Thomas Schaaf wird Otto Rehhagels Amtszeit in Bremen überdauern. Bis dahin wird die Liste noch länger werden, aber auch bis heute ist sie schon imposant. Alle Erstligatrainer, seit Thomas Schaaf:







Foto: Bejamin Radzun

Hinten im Verbund, vorne mit Helden

Hinten im Verbund, vorne mit Helden | Schalke 04 - TSG Hoffenheim 3:1

Schalke besiegt Hoffenheim 3:1. Ein Sieg, bei dem die stabilisierte Abwehr den Gegner weitestgehend unter Kontrolle halten konnte und bei dem die Helden in den wichtigen Momenten eben Helden waren.

Dem gegnerischen Team wird ein direkter Freistoß zugesprochen, wenn ein
Spieler eines der nachfolgenden drei Vergehen begeht: – einen Gegner hält, – einen Gegner anspuckt, – den Ball absichtlich mit der Hand spielt

… so lautet es in Regel 12 der Fußball-Regeln des Deutschen Fußball Bundes. Das Tor Raúls zum Skandal aufzubauschen gelingt deshalb nur, wenn man in der Argumentation das „absichtlich“ geflissentlich übersieht.

Vorbereitet wurde Raúls also reguläres Tor durch Julian Draxler, dem jüngsten und meines Erachtens ersten Helden dieses Spiels. Auch am dritten Tor war er beteiligt, zudem wäre er zweimal frei aufs Tor zugelaufen, hätte ihn der Linienrichter nicht zurückgewunken. Draxler gewann auf der linken Seite immer wieder seine Duelle gegen Andreas Beck. Ob Hoffenheim, ob Holger Stanislawski den Rookie Draxler unterschätzte? Ob man sich in der Taktikbesprechung auf Jefferson Farfán beschränkte? Jedenfalls war es erstaunlich, dass man Andreas Beck so lange mit seinem Problem alleine lies. Vielleicht war es sogar spielentscheidend.

Der andere Held war Klaas-Jan Huntelaar, wieder mal. Besonders das 3:1 zeigte meines Erachtens seine Stärke. Während Hoffenheims Torwart Tom Starke und zwei weitere Verteidiger Energie damit verplemperten, ihre Arme zu heben und auf einen Abseitspfiff zu hoffen, machte Huntelaar weiter, wie er es stets tut, so lange, bis er den Ball nicht mehr kriegen kann. Diesmal kriegte er ihn und schoss ein.

Ich fand Hoffenheim nicht so schwach wie sie später in der Sportschau gemacht wurden. Wenn sie auch ihr Angriffsspiel zum Glück nicht allzu häufig durchbringen konnten, waren sie doch stets offensiv orientiert und ich für meinen Teil hatte stets bedenken, dass sie eine Lücke finden könnten.

Schalke hielt die Defensive aber erneut gut dicht. Das lag natürlich auch wieder daran, dass die Abwehrreihe plus Jermaine Jones ihren Job gut machten, das liegt aber auch an dem defensiveren Stellungsspiel. Huub Stevens lässt nun ähnlich wie Felix Magath spielen. Schalke steht relativ tief, öffnet sich wenig zum Pressing und bietet keine Lücken. Aus der Tiefe soll dann das Umschalten erfolgen. So schnell wie möglich nach vorne, so schnell wie möglich zum Abschluss kommen. Das funktioniert immer dann, wenn es gelingt, Spieler wie Draxler und Farfán in 1:1 Situationen zu bringen, oder wenn Holtby auf Gegner in Rückwärtsbewegung zustürmt. Gegen Hoffenheim klappte das recht gut, auch wenn man sich gerade von Lewis Holtby in der einen oder anderen Kontersituation mehr Präzision wünschen konnte.

Schalke hat über 90 Minuten immer seine Chancen gesucht. Gegen einen Gegner, der zu einem ordentlich strukturierten Angriffsspiel das geeignete Personal mitbrachte, hielt die Abwehr den Ball in der Regel weit genug vom Tor entfernt. Nach einer Stunde hatte man Glück, dass sich Marvin Compper gegen Klaas-Jan Huntelaar so ungeschickt anstellte, aber ein bisschen Glück in der geieigneten Situation gehört eben immer dazu. Am Ende war dieser Sieg gegen den vermeintlichen Angstgegner meines Erachtens völlig verdient.

Ein Tag in königsblau

Marco Höger freut sich auf Schalke während Jermaine Jones die längste Zeit auf Schalke gewesen sein möchte. Um Carlos Zambrano und dessen plötzlich komischen Vertrag gibt es Streiterei. Und der nächste Karriereschritt von Ur-Schalker Toni Tapalovic bedingt möglicherweise Ralf Fährmanns Entwicklung. Es ist viel los, auch ganz ohne Lehmann-Homestory. Im einzelnen:

Marco Höger ist so ungefähr seit Ralf Rangnicks Ankunft auf Schalke im Gespräch. Mit dem Spieler, dessen Vertrag noch bis 2012 gelaufen wäre, war man sich schnell einig, der Rest war Verhandlungssache. Ich habe Marco Höger noch nie bewusst spielen sehen, aber betrachtet man die Daten und was man sonst noch so in Erfahrung bringen kann, klingt die Verpflichtung nach einem guten Deal für Schalke.
Höger ist 21 Jahre jung, agierte in Aachen zuletzt im defensiven Mittelfeld und brachte doch Offensivqualität ein. Er schoß Tore, bereitete Treffer vor und wurde von kicker über die gesamte Saison mit den zweitbesten Noten aller Spieler seiner Position bewertet. Höger wird eine gute Spieleröffnung nachgesagt und scheint ziemlich gut zu dem Fußball zu passen, den man Ralf Rangnick als bevorzugte Form ebenfalls nachsagt.

Mit der Spieleröffnung hatte es Jermaine Jones nie so recht. Dafür ist er ein herausragender Defensivspieler. Er war an die Blackburn Rovers ausgeliehen. Blackburn möchte ihn gerne behalten. Gestern gab es in der englischen The Sun eine Meldung, nach der er auch gerne in Blackburn bleiben möchte.
Jones wäre in Schalkes Kader der defensiv beste defensive Mittelfeldspieler, aber er ist doch recht eindimensional und wäre noch dazu vermutlich der teuerste Spieler der DM-Gang. Ich denke, dass die Clubs über kurz oder lang ins Geschäft kommen werden.

Dass Schalke 04, der FC St. Pauli, die TSG Hoffenheim und „eine Schweizer AG“ noch ins Geschäft kommen, ist so gut wie ausgeschlossen. Man streitet sich um Carlos Zambrano und unsereins wundert sich, was da seit Montag alles auf den Tisch gekommen ist. Blicken wir kurz zurück:

Carlos Zambrano kam als 16 Jähriger nach Schalke, spielte in der Jungend und erhielt im Mai 2008 einen Profivertrag mit Laufzeit bis 2012. Im Juli letzten Jahres wurde er für 2 Spielzeiten an den FC St. Pauli ausgeliehen. In der entsprechenden Meldung auf der Vereinsseite hieß es, dass er „für die Zeit danach weiter an den FC Schalke 04 gebunden“ worden wäre, von einer Kaufoption für die Hamburger war dort nicht die Rede. Dies meldete allerdings kicker noch am gleichen Tag. Nun, nach dem Abstieg St. Paulis und dem Wechsel von Trainer Stanislawski nach Hoffenheim wollte die TSG Zambrano verpflichten, und erstmals bekam man zu lesen, dass Teile der Transferrechte Zambranos bei einer Schweizer Firma liegen würden. In der Print-Ausgabe des kicker von Montag wurde das thematisiert, diese liegt mir allerdings nicht vor. Bild schrieb, 70% der Rechte lägen bei den Schweizern, nur 30% bei Schalke, welche per besagter Kaufoption von St. Pauli erworben werden könnte, die dann ihrerseits Zambrano an Schalke 04 vorbei nach Hoffenheim transferieren könnten. Jetzt haut Schalke auf die Brause. Heldt wirft Hoffenheim vor, gegen die Lizenzordnung der DFL verstoßen zu haben. Die TSG hatte offensichtlich mit Zambrano verhandelt und ihn sogar zum Medizin-Check eingeladen, obwohl das erst ein halbes Jahr vor Ablauf des Vertrags des Spielers erlaubt gewesen wäre. St. Pauli will davon ebenfalls nichts gewusst haben. Schalke erwägt ein juristisches Vorgehen, und wie das Leben so spielt fiel Zambrano doch glatt beim Hoffenheimer Medizin-Check durch und die TSG nahm Abstand von seiner Verpflichtung.

Die offene Frage wäre, wie lange Transferrechte Zambranos bereits bei der ominösen „Schweizer AG“ liegen. War das schon immer so – bei Südamerikanischen Spielern sind aufgeteilte Transferrechte nicht unüblich – oder wurden irgendwann im Laufe der Zeit bereits Transferrechte zu Geld gemacht? Die Pointe der Geschichte ist der Verweis Heldts auf den besagte Passus der Lizenzordnung, nachdem Hoffenheim Zambrano nicht hätte ansprechen dürfen. Ziemlich offensichtlich ging auch der FC Bayern Müchen im Fall Neuer so vor, was aber aus Schalker Sicht mit dem Verhandlungserfolg in einer Größenordnung von über 20 Millionen Euro vermutlich als erledigt betrachtet wurde.

Zu eben diesem Neuer bei eben diesem FC Bayern München gesellt sich nun der Ur-Schalker Toni Tapalovic als Torwarttrainer hinzu. Ein beachtlicher Karriereschritt für den in Gelsenkirchen geborenen Toni, der zuletzt als zweiter Torwart in der zweiten Mannschaft des FSV Mainz 05 sein Geld verdiente.

Diese Meldung dürfte gleichzeitig bedeuten, dass Bernd Dreher Torwarttrainer beim FC Schalke 04 bleibt. Dreher verließ München einst im Unfrieden, nachdem er nach seinem Karriereende als zweiter Torwart hinter Kahn auf den Torwarttrainerposten hoffte, der Club sich aber für Walter Junghans entschied. Trotzdem gab es Spekulationen, dass Manuel Neuer ihn mit nach München nehmen wollte.

Ich bin kein Experte in Sachen Torwartspiel, aber meines Erachtens hat Bernd Dreher in den letzten zwei Jahren einen sehr guten Job gemacht und den damals schon guten Manuel Neuer noch mal ein ganzes Stück verbessert. In der Beherrschung des Strafraums in der Luft, bei Flanken und Ecken, hatte Neuer früher Probleme, welche unter Dreher abgestellt werden konnten. Ich denke, dass Ralf Fährmann von Bernd Dreher als Torwarttrainer profitieren kann.

Alles in allem läuft gerade ziemlich viel zu meiner Zufriedenheit.

Glück auf.

Von Thesen, Zahlen und Wechseln: Ralf Rangnick

Irgendwann habe ich das mal gehört oder gelesen. Ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wo. Irgendwann sagte oder schrieb mal jemand, dass Ralf Rangnicks Mannschaften stets am Ende der Saison abbauen würden. Mit solchen steilen Thesen geht es mir wie Max Goldt mit der Erkenntnis, dass die Leuchtstoffkörperstarter in der Herrentoilette des Stuttgarter Ratskellers ‚Made in Costa Rica’ sind. Man vergäße seinen Hintern, wäre er nicht angewachsen, aber solchen Blödsinn merkt man sich für immer.

Da nun aber eben dieser Herr Rangnick in meinem Verein wieder das Sagen* was zu sagen hat, kam mir die Idee, diese These ins Licht der Realität zu zerren. Die Daten zu Rangnicks Trainerkarriere beginnen bei fussballdaten.de mit dem ersten Zweitligajahr des SSV Ulm, in der Saison 1998/99. Da die besagte These indirekt darauf abzielt, Rangnick mache im Laufe der Spielzeit was falsch – sei es in der Saisonplanung oder -vorbereitung, sei es, dass er sich irgendwie „aufbrauche“ – habe ich nur die Spielzeiten betrachtet, in denen er seine Mannschaft von Saisonbeginn an betreut hat. Das war in 12 Spielzeiten der Fall, in denen Rangnick insgesamt in 338 Spielen seine Mannschaft führte (ohne Pokalwettbewerbe).

Das Ergebnis lässt die These platzen. Rangnicks Punkteschnitt an den erfassten Hinrundenspieltagen beträgt 1,591 Punkte, die erfassten Rückrundenspieltage ergeben einen Punkteschnitt von 1,533. Ein vernachlässigenswerter Unterschied, würde ich meinen. Aufgeteilt auf Saisonabschnitte stellt sich der Punkteschnitt wie folgt dar:

Wenn ich die These auch nicht vergessen kann, demnächst werde ich auf diesen Beitrag verweisen, wenn sie mir irgendwo ausserhalb meines Kopfes begegnet.

Und weil ich die Daten gerade so nett beisammen habe, hier noch etwas Zahlengekasper.
Immerhin noch bis Freitagabend brandaktuell …

Ralf Rangnicks Karriere als Erstligatrainer ist bislang 247 Spiele alt. Dabei gab es 97 Siege, 61 Unentschieden und 89 Niederlagen. Das Torverhältnis ist in nahezu allen Varianten relativ ausgeglichen: Rangnicks Mannschaften erzielten 375 Tore und kassierten 360 Treffer. In Durchschnittswerten ergibt das ein Verhältnis von 1,52 : 1,46. Seinen deutlichsten Sieg feierte er am 03. Februar 2001, als er mit dem VfB Stuttgart 6:1 gegen Kaiserslautern gewann. Sechs Treffer waren es auch bei seiner deutlichsten Niederlage, als er mit Hannover 96 am 18. Oktober 2003 in Dortmund mit 2:6 abgefertigt wurde. Und von wegen der stehenden Null: 59 Mal erzielten Rangnicks Teams keinen Treffer und ebenfalls 59 Mal ließen seine Mannschaften keinen Gegentreffer zu.

Die meisten Erstligabegegnungen hatte Ralf Rangnick mit Bayern München. Mit 5 Siegen, 6 Unentschieden und 6 Niederlagen ist seine Bilanz gegen den Rekordmeister relativ ausgeglichen. Will man es boulevardesk ausdrücken könnte man Bayer Leverkusen als Rangnicks „Angstgegner“ benennen. Neben 3 Siegen und 4 Unentschieden setzte es satte 9 Niederlagen.
Am 2. Spieltag der aktuellen Saison gewann Rangnick mit Hoffenheim auf St. Pauli 1:0. Ansonsten gab es mit St. Pauli nur noch 3 Zweitligaduelle, die mit einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage endeten. Rangnicks Mannschaften haben gegen St. Pauli in allen Spielen jeweils genau 1 Tor erzielt.

Einwechselspieler-Raten

Ob unser Spielchen unter Ralf Rangnick noch funktioniert, bleibt abzuwarten. In seinen 17 Spielen mit Hoffenheim, in der Hinrunde dieser Saison, hatte er mit Boris Vukcevic (8 Einwechslungen), Gylfi Sigurdsson (7) und Peniel Mlapa (7) drei Spieler sehr häufig eingewechselt. Insgesamt wechselte er in diesen 17 Spielen 48 Mal und schickte dabei 16 verschieden Spieler aufs Feld. Während der ersten Halbzeit wechselte er nie. Sieben Spieler kamen zu Beginn der zweiten Hälfte. 15 Spieler wurden zwischen der 57. und der 69. Minute gebracht, 11 Spieler zwischen der 70. und der 80. Minute, 15 Spieler nach der 80. Minute.

Die Einwechslungen zum Spiel gegen St. Pauli vorauszusagen ist hier und heute natürlich gruselig schwierig. Da kann man nur jedem ESR-Tipper empfehlen, noch die Pressekonferenz zum Spiel abzuwarten, in der Hoffnung Rangnick erzählt noch etwas zur Aufstellung oder er nennt überhaupt ein paar Spieler, die man dann in seiner Gunst wähnen kann. Tatsächlich kann man heute nur raten, welche taktische Formation er mit welchem Personal kombinieren wird.
Aber das Spiel ist schon Freitag und heute ist Mittwoch … fangen wir also einfach an:

Deac
Draxler
Matip



Was ist Einwechelspieler-Raten?
Tippabgabe bis Freitag, 19:30 Uhr. Bitte die drei Spielernamen im Kommentarfeld als erstes und untereinander notieren. Das macht mir die Erfassung erheblich einfacher. Für „echte Kommentare“ unter den getippten Namen bin ich wie immer dankbar.

Lesestoff

Wer Ralf Rangnick mit abfälligem Tonfall als Professor titulieren möchte, soll das tun. Fußball ist für alle da, auch für Leute die kurze Sätze mit traditionellen Schlagwörtern lieben. Auch so was muss bedient werden. Ich selbst mag Inhalt. Ralf Rangnick macht aus seinen Ideen und seiner Auffassung vom Spiel kein Geheimnis. Wer ihm die richtigen Fragen stellt enthält auch Antworten.

Ralf Rangnick schlug in einem Interview mit 11 Freunde Ende 2008 einen großen Bogen. Er sprach über die unsägliche Sportstudio-Geschichte, die ihm den „Professor“ einbrachte. Über Vorbilder und seine persönliche Entdeckung des „anderen Fußballs“. Über seine Ansichten zur Führung von Spielern und dem Heranführen von Spielern an die eigenen Ideen. Und über den Unterschied zwischen dem FC Barcelona und Schalke 04, wenn auch nur auf ein Spiel bezogen … klick

Bis Ende der Saison arbeitet Ralf Rangnick nun mit den ehemaligen Magath-Helfern Seppo Eichkorn, Markus Zetlmeisl und Bernd Dreher zusammen. Man muss sich kennenlernen um sehen wer einen guten Job macht, sagt er. Auf der Pressekonferenz zu seiner Vorstellung am Montag kündigte er bereits an, noch einen Co-Trainer dazu holen zu wollen, den er länger persönlich kennt, mit dem er in Sachen Spielphilosophie auf einer Wellenlänge liegt und der ihm vor allem bei der taktischen Schulung der Spieler helfen soll. Gestern trat Markus Gisdol seinen neuen Job auf Schalke an.
Markus Gisdol war bisher in Hoffenheim Trainer der U23. In der letzten Saison stieg er mit dieser Mannschaft in die Regionalliga auf, aktuell steht die Mannschaft dort auf Platz 5. Im September erschien bei Spox ein Interview mit Markus Gisdol. Darin wird ein Stück weit die Philosophie Hoffenheims in der Jugendarbeit skizziert. Beispielsweise wird beschrieben worauf bei der Aufwahl von Talenten geachtet wird und inwieweit sich die Jungendmannschaften an ein vorgegebenes System halten müssen … klick

Gisdol kam über Helmut Groß zur TSG Hoffenheim. Auf Helmut Groß trifft man immer wieder, wenn man nach Ralf Rangnick sucht. Groß gilt als Mentor Rangnicks. Groß habe vor rund 20 Jahren „als erster Trainer in Manndecker-Deutschland die ballorientierte Raumdeckung spielen lassen“, schrieb Michael Horeni vor einem halben Jahr in der FAZ. Anlässlich des Spiels Mainz gegen Hoffenheim, respektive Tuchel gegen Rangnick, am 7. Spieltag der laufenden Saison, stellt Horeni die „neuen Trainertypen“ den „Spieleraufstellern“ gegenüber, und fand eine Keimzelle in der „Stuttgarter Schule“ … klick

Helmut Groß steht selten in der Öffentlichkeit. Vor rund 2 Jahren gab er Spox mal ein Interview. Darin wird auch viel über Schalkes neuen Cheftrainer gesprochen, mit dem Groß seit 1986 „intensiven Kontakt“ pflegt. Ausserdem spricht er über Unterschiede zwischen einer an Gegenspielern orientierten, „niederländischen Raumdeckung“, wie er sie beim HSV unter Martin Jol sah, und einer ballorientierten Raumdeckung, wie er sie bei Werder Bremen oder Hoffenheim verortete … klick

Auf der Webseite abwehrkette.de hat Jugendfußballtrainer Martin Hasenpflug die Anteile von Helmut Groß und Ralf Rangnick an der Entwicklung des Fußballs in Deutschland in zwei Texten zusammengefasst. Ein Text mit dem Titel „1981: Die Fußballrevolution in Deutschland“ beschreibt das Schaffen Helmut Groß’ … klick … und der Text „Ralf Rangnick und sein Weg zur Viererkette“ beschreibt eben diesen … klick

Diese Texte, die Gedanken dazu und das Länderspiel am Samstag sollten einen übers Wochenende bringen können. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert – was beim FC Schalke 04 selbstverständlich nie ganz auszuschließen ist – geht’s hier erst am Dienstag weiter. Bis dahin, schönes Wochenende und Glück auf!



Nach der Idee von blues | Foto: John Fera

Zu unfertig für Hoffenheim

Auch in Sinsheim gab es nichts zu holen. Schalke präsentierte sich gegen die TSG Hoffenheim – wen wundert’s – uneingespielt.

Manchmal ist es übel, recht zu behalten. Aber es war nicht schwer vorherzusehen, dass die Schalker Abwehrkette mit dem Tempo Hoffenheims Probleme bekommen würde. Hans Sarpei ließ sich mehrmals austanzen. Benni Höwedes und Nicolas Plestan zeigten, dass sie das erste Mal gemeinsam auf dem Platz standen. Und mit Christoph Metzelder muss selbst der härteste Schalker mittlerweile Mitleid haben. Dabei geht es gar nicht um die Position, oder um Fehler in konkreten Situationen, über die man sich ärgern müsste. Ihm fehlen einfach die Grundlagen. Derart langsam und unbeweglich ist Christoph Metzelder nicht bundesligatauglich.

Jermaine Jones konnte die Rolle des nominell alleinigen Mannes im defensiven Mittelfeld nicht ausfüllen. Ivan Rakitic und Christoph Moritz waren mit ihren Aufgaben völlig überfordert und konnten weder defensiv Jones noch offensiv Raúl geeignet unterstützen. Somit absorbierte das Mittelfeld viel zu wenig Druck, fast jeder schnelle Spielzug Hoffenheims schlug durch und wurde für den einsamen Manuel Neuer im Schalker Tor gefährlich.

Nur als Hoffenheim in der Anfangsphase zu tief stand, als sie Schalke im Mittelfeld Raum und vor allem Zeit gaben, konnten sich Rakitic, Jones und Moritz auch in Sachen Spielgestaltung einbringen. Dann sah das Spiel gleich gefälliger aus als in den letzten Begegnungen. Als die Entfernungen zwischen den Spielern gering genug waren, um ein Kombinationsspiel überhaupt zu ermöglichen, als der hinter Huntelaar positionierte Raúl mal mittendrin war, konnte man erahnen, wie ein Spiel dieser Mannschaft demnächst aussehen könnte.

Davon ist Schalke freilich weit entfernt. Das Mittelfeld in der Rückwärtsbewegung und die Abwehrkette haben derart viele Probleme mit sich selbst, dass ein kompaktes Spiel, ein gelungenes und schnelles Umschalten von Verteidigen auf Angreifen, derzeit einen evolutionären Entwicklungsschritt darstellt.
Dass Felix Magath ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen haben will kann man abhaken als die selbstlose Form eines Kommentars, der absolut keinen weiteren Druck erzeugt. Magaths Worte von der fehlenden Harmonie treffen die Probleme hingegen sehr gut, auch wenn sie sich angesichts der dritten Niederlage in Folge relativierend oder gar beschönigend anhören. Das sind sie nicht. Zu einem harmonischen Mannschaftsspiel zu gelangen ist schwierig. Vor allem unter Erfolgsdruck.Solange sich hinten 8 Spieler mehr oder weniger chaotisch mit sich selbst beschäftigen und man darauf hofft, dass vorne „die neuen Stars“ schon irgendwas „individuell“ erledigen, wird Schalke keinen Erfolg haben. Eine Mannschaft wird man dummerweise nicht in einer Woche und nicht nur dadurch, dass man die gleichen Trikots trägt.



Foto: funky1opti