Fred-Rutten-Gedächtnis-4-3-3

31. Januar 2010, Torsten Wieland

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Der Vollmond stand über Gelsenkirchen. Frankensteins Monster hatte sich in eine Mittelklasse-Bundesligatruppe verwandelt, kein Werwolf weit und breit. Hinzu kam eine ordentliche Leistung der Königsblauen und am Ende stand ein verdienter 2:0 Erfolg der guten Seite.

Es war in der vierten Begegnung der erste Sieg gegen Hoffenheim. Die Vorzeichen standen entsprechend, Hoffenheim kam stark ersatzgeschwächt und hatte nach 6 sieglosen Spielen sicher nicht die beste Laune. Und der Spielweise war das fehlende Selbstvertrauen anzumerken. Wo Hoffenheim sonst knallhart in die Zweikämpfe ging waren sie Samstag deutlich zögerlicher. Wo sie sonst mit Kombinationsspiel den Gegner überrannten zeigten sie gefällige Ballstafetten die zwar flott, aber eben nicht überfordernd schnell waren.

Schalke hatte Hoffenheim im Griff. Das Mittelfeld funktionierte. Moritz und Matip spielen wie alte Hasen, Ivan Rakitic wirkte offensiv unglücklich, erfüllte defensiv seine Aufgaben aber sehr souverän und scheint alles in allem weiter an Selbstvertrauen zu gewinnen. Lukas Schmitz wird als Linksverteidiger immer besser. Benny Höwedes und Marcelo Bordon bilden eine Innenverteidigung in der Bordon derzeit der unsicherere Part ist. Und die Offensive findet immer mehr ihre Form.

Rechts ist Schalkes Schokoladenseite. Jefferson Farfan und Rafinha sind gradiose Fußballer die bestens miteinander harmonieren. Im Sturmzentrum ist Kevin Kuranyi gut drauf. Und seit Vicente Sanchez an Durchsetzungsfähigkeit gewonnen hat, spielt das Magath’sche Schalke erfolgreich im Fred-Rutten-Gedächtnis-4-3-3, ohne das sich irgendjemand darüber aufregt. Was wurde in den letzten Jahren auf Schalke „die Systemfrage“ diskutiert! Tatsächlich spielte Farfan im letzten Jahr aber einfach schwächer, Sanchez sehr viel schwächer, und so lag es damals wie heute an sehr viel mehr als nur an der schematischen Formation der Spieler auf dem Platz, dass Schalke damals im Mittelfeld dümpelte und nun zur Spitzengruppe gehört.

„Wir spielen entsprechend unserer Verhältnisse“ sagte Felix Magath während einer der letzten Pressekonferenzen in einem Nebensatz, und eine Journalistin hakte sofort nach. Sie wollte „über unsere Verhältnisse“ hören, Magath hatte sich aber nicht versprochen. Ohne Zweifel hatte Schalke in der Hinrunde auch in den richtigen Situationen Glück. Trotzdem ist eine Entwicklung zu sehen. Die Defensive steht, die Offensive agiert planvoller, schneller und zielsicherer. Alexander Baumjohann wird ein weiteres Überraschungsmoment hinzufügen, dass konnte man in Ansätzen schon sehen.
Es wird weiter auch Glück in den richtigen Momenten brauchen, so wie Samstag beim Foul Sanchez’ an Andreas Beck. Hätte es einen Elfer gegeben, wäre das Spiel ausgeglichen worden, wer weiß wie es weiter gelaufen wäre. Aber ohne hätte wenn und aber – Schalke war die deutlich bessere Mannschaft. Wie man sich eine dann erstarkte Hoffenheimer Mannschaft vorstellen kann, ist eine ordentlich weiterspielende Schalker Truppe, die das Spiel noch für sich entscheidet, ebenso gut vorstellbar, vielleicht sogar wahrscheinlicher. 5 Punkte Vorsprung vor Platz 4, 13 Punkte Vorsprung vor Platz 6 sind weniger Glück denn Ergebnis einer erfreulichen Entwicklung.

Fällt Dir noch was ein?

29. Januar 2010, Torsten Wieland

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Weißt Du noch was zu Hoffenheim? Zu denen die nicht beschimpft werden dürfen? Gut dazu fällt mir dann vielleicht doch noch was ein … ich lese ganz gerne in Foren, auch in denen anderer Clubs, und es ist natürlich subjektives Empfinden, aber ich glaube fast überall gibt es vor Heimspielen gegen Hoffenheim mindestens einen Thread, in dem dazu aufgerufen wird, Herrn Hopp doch bitte nicht mit doofen Sprüchen zu bedenken. Man könnte fast glauben das würde irgendwie … nun, lassen wir das. Aber sonst?

Ich habe das Gefühl, dass jeder Joke gerissen wurde. Dass jede Diskussion geführt wurde. Dass jedes Lob ausgeschüttet wurde, über den Milliardär und sein Projekt, über das andererseits auch jede Schimpftriade abgelassen wurde, wogegen sich dann auf alle möglichen Arten gewehrt wurde. Wie es die Bundesliga noch nicht gesehen hat.
Jetzt, wo alles einmal durch ist, wo sich der Hype vor allem auch deshalb etwas gelegt hat, weil die Mannschaft gerade im Mittelfeld dümpelt und sich die Aufmerksamkeit den farbigeren Geschichten zuwendet, jetzt fällt einem nichts mehr ein. Dafür kann man sie jetzt endlich auch einfach so scheiße finden.

Vertreiben wird uns die Zeit also anderweitig. Mit Einwechselspieler-Raten. Aktuell sehr schwierig, finde ich. Ich sag mal …

Sanchez, Rakitic, Moravek

Ma’kucken.

Gedicht für Herrn Hopp

1. Dezember 2009, Torsten Wieland

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Üble Beschimpfungen besudeln die Hochkultur unseres Sports. Selbstlos und grundgut gibt Dietmar Hopp rund 200 Millionen Euro zu unser aller Wohl, und möchte doch nichts als Anerkennung dafür. In selbstschädigender Weise wird ihm diese verwehrt. Das ist nicht gut, und so sehe ich mich veranlasst in die Bresche zu springen und zu formulieren, was formuliert werden muss.

Ich möchte ihm, ich möchte Euch an dieser Stelle etwas zukommen lassen, das vielleicht außergewöhnlich ist. Aber Deutschland ist ja bekannt als Land der Dichter und Denker. Ich versuch’s mal, meine Worte zu Dietmar Hopp in einem kleinen Vers, Euch zukommen zu lassen.

Lieber Didi, ich danke Dir.
Ich danke Dir, ich danke Dir sehr.
Ich danke Dir, das fällt uns nicht schwer.
Ich danke Dir, danke Dir ganz toll,
weiß gar nicht, was ich alles sagen soll.
Ich danke Dir, Du bist ein Schatz,
dies sag ich Dir in diesem Satz,
ich danke Dir, das fällt nicht schwer,
danke, danke, dankesehr.
Und ein spezielles Dankesehr,
dem DFB für den steten Schutz an Dir.



[Ein sehr ähnlicher Text wurde vom Vorsitzenden irgendeines Vereins kürzlich während einer Veranstaltung vorab veröffentlicht. Ich bitte Dietmar Hopp ob dieses Fauxpas recht freundlich um Entschuldigung.]

Punkt

22. August 2009, Torsten Wieland

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Die Erwartungshaltung bestimmt das Fazit. Tatsächlich kann man Überschriften finden wie „Schalke holt in Hoffenheim nur einen Zähler“ oder „1899 trotzt Schalke 04“, wie der biedere kicker gestern auf seine Startseite schrieb. Dabei trotzte doch eher Schalke, und so ähnlich war es auch zu erwarten. Ich bin mit einem Punkt aus Hoffenheim zufrieden.

Hoffenheim hat eine spielstarke Mannschaft und hart spielen kann sie auch. Ob sie noch mal so ins Rollen kommt wie in der Hinrunde der letzten Saison bleibt abzuwarten. Das Wissen um das Können dieser Mannschaft ist aber da. Über die neue Schalker Mannschaft lässt sich nur ahnen. Gestern war Hoffenheim nicht toll, spielte aber ordentlich, und Schalke spielte schlecht.
„Hart dagegenhalten“ bei gleichzeitig „schnellem, technisch sauberem Fußball“ ist das höhere Niveau, dass Schalke noch nicht hat. Als Hoffenheim noch nicht richtig im Spiel war und Schalke etwas Luft lies, ging’s noch. Da lief der Ball ganz gut durch die Schalker Reihen. Aber das währte nur eine Viertelstunde. Als Hoffenheim schneller wurde, Schalke in härtere Zweikämpfe zwang, waren die Knappen mit dem Dagegenhalten völlig ausgelastet. Das Spiel verlagerte sich mehr und mehr in Schalkes Hälfte und meist war der Ball nach zwei Schalker Stationen wieder weg. Fortan hingen Farfan und Kuranyi in der Luft, erfuhren keine Unterstützung mehr, fanden keine Abspielmöglichkeiten. Offensivspiel fand nicht mehr statt.

Defensiv hatte Schalke ebenfalls Probleme. Die Mannschaft rannte und grätschte, bekam in heiklen Situationen sehr oft noch ein Bein dazwischen, Kampfeskraft und –wille waren gegeben. Trotzdem konnte Hoffenheim nicht weit genug vom Tor ferngehalten werden. Einige Male kamen Vedad Ibisevic, Sejad Sahlihovic oder Demba Ba in aussichtsreichen Positionen zum Abschluss. Glücklicherweise waren die allermeisten Hoffenheimer Torschüsse oder Kopfbälle von erstaunlicher Harmlosigkeit.

Achja, und Schiedsrichter Weiner wird vermutlich keine gute kicker-Note erhalten. Er pfiff unstet, mal zu kleinlich, mal gar nicht, und er verteilte seine gelben Karten nach undurchschaubarem Muster. Außerdem verweigerte er Hoffenheim einen klaren Strafstoß.
Es ist, als ob die Herren der FIFA in ihrer „Auslegung der Spielregeln“ zu Regel 12 genau die Szene zwischen Christoph Moritz und Vedad Ibisevic gemeint hätten:

Wenn ein Verteidiger einen Angreifer außerhalb des Strafraums zu halten beginnt, ihn jedoch bis in den Strafraum weiter festhält, entscheidet der Schiedsrichter auf Strafstoß.

Woher die weit verbreitete Meinung stammt, dass ein Freistoß immer dort auszuführen sei wo das „Foul begann“, weiß ich nicht.

Schalke hat schlecht gespielt, Massel gehabt und gepunktet. Dass ist in den letzten Jahren desöfteren vorgekommen, und sehr häufig war ich dann unzufrieden statt mich einfach nur über die Punkte zu freuen. Heute schaffe ich das. Es herrscht die Gewissheit, dass anders, besser gespielt werden soll. Felix Magath hat klar gesagt, dass er das Spiel sehr schlecht fand. Nachdem im der Vergangenheit häufig der Eindruck erweckt wurde, dass das Spiel egal sei solange am Ende nur das Richtige dabei rauskommt, ist der Eindruck derzeit ein völlig anderer. Mit Hoffnung auf Besserung lässt sich eine schlechte Leistung sehr viel leichter akzeptieren.

Arminia und die Chance zur Farbe

Der Ex-Bremer Diego war immer auch für die Klatsch-Spalten gut. Auf die vermeintliche Suggestivfrage, wie er das finden würde, antwortete Klaus Allofs überraschend: Man hätte sich vor einer Weile zusammengesetzt und überlegt, wie Werder Bremen aussehen solle. Und dabei habe man festgestellt, dass Werder auch in die Klatsch-Spalten müsse.

Wasser auf die Mühlen, die ich seit ewigen Zeiten drehe. Attraktiver Fußball und Erfolge hin oder her, es braucht mehr. Es braucht Spektakel, es braucht bescheuerte Fans, es braucht Lieblinge und Fieslinge, Schlagzeilen, Skandale, Tränen und Liebe, das ganze emotionale Arsenal. Deshalb werden, unabhängig vom Tabellenplatz, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln und Schalke 04 immer mehr Sex-Appeal versprühen als Wolfsburg, Hoffenheim oder Leverkusen. Mehr als Bielefeld sowieso.

Arminia Bielefeld hat nun die Chance, zumindest schon mal in die Klatschspalten zu kommen! Presseberichten zu Folge haben sich Günter Eichberg, Rudi Assauer und Uli Stein bereit erklärt, dem Verein mit zurückgetretenem Vorstand zu helfen.
Eine leicht jähzornige Torwartlegende, ein Sonnenkönig und Good Ol’ Rudi, der Herr der Schlagzeilen und aktuell nur noch mit der Bildzeitung im Bett liegend; allesamt in verantwortungsvollen Positionen … da wird die Arminia mal spannend, da beginnt man sich für sie zu interessieren, da ist sie auch mal bei RTL Punkt 12 ein Thema!

Die Arminia sollte zuschlagen. Schlimmer als in der Bildzeitung ein Thema zu sein ist es, in der Bildzeitung kein Thema zu sein. Allofs weiß das. Klinsmann mittlerweile auch. Arminia könnte es erfahren.

kurtspaeter auf großer Fahrt: Über Gelsenkirchen nach Sinsheim und zurück

9. März 2009, kurtspaeter

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Infokasten kurtspaeterEndlich mal wieder ein reines Fußballwochenende. 2 Ligaspiele, das geliebte Schalke mit in der Verlosung, dazu ein neues Stadion mit der Rhein-Neckar/Dietmar-Hopp/Dorf-Arena am Concorde-Museum in Sinsheim.
Der Reihe nach.
Freitag Mittag Abfahrt im hohen Norden. Der schwarze Twingo und sein Fahrer haben die Option auf langsames Fahren und Zeit lassen. Schließlich sind noch 7 1/2 Stunden bis zum Anpfiff. Wie sich herausstellt, werde ich die Zeit fast komplett benötigen. Stau vorm Elbtunnel, der mich fast eine Stunde kostet, nun gut, damit muss man an einem Freitag Nachmittag immer rechnen. Aber wer ist in Niedersachsen Verkehrsminister oder für die Planung von Autobahnbaustellen zuständig? Mangels Kenntnis schimpfe ich von Hamburg bis nach Bremen einfach auf Christian Wulf. Die A1 ist quasi eine komplette Baustelle. Über knapp 80 Kilometer wird fast jede Brücke erneuert und man darf sich somit mit maximal 60-80 km/h eng an eng Richtung Bremen quälen. Eine dergestaltige Fehlplanung, die Auto fahren zum Übel verkommen lässt. Hinter Osnabrück rappeln noch vier Autos ineinander, so daß ich auch hier unplanmäßigen Aufenthalt habe.
Irgendwann, so gegen 19 Uhr, bin ich dann an der Arena und stehe kurz darauf in der Nordkurve.

Über das Spiel an sich ist genug geschrieben worden, Schalke kann einfach im Moment nicht besser. Die Stimmung wurde ebenfalls angesprochen, ich bin da aber zwiegespalten.
Sicher waren die Anfeuerungsrufe spärlich gesät, sicherlich wurde gepfiffen, eine Tatsache, über die man zwei Meinungen haben kann. Aber das die Ultras ihren unerträglichen und nicht synchron zu den Rasengeschehnissen vorgetragenen Sing-Sang nicht über 90 Minuten abgehalten haben, das empfinde ich als durchweg positiv. Von mir aus könnte das immer so sein. Aber das ist eine andere Diskussion.
Und wenn man sich das Gewürge (Freitag war die zweite Halbzeit unsäglich, die erste zugegeben ganz okay) auf dem Rasen betrachtet, dann muss man sich fragen, hätte man an einem „normalen“ Tag dieses Spiel mit Begeisterung verfolgt, hätte man die Mannschaft nach vorne gepeitscht oder wäre nicht passiert, was auf Schalke (leider) häufiger passiert? Die Zuschauer wären unruhig und ungehalten geworden und hätten irgendwann nach dem 43. Fehlpass angefangen zu pfeifen. Und man kann nun nicht wirklich sagen, dass das Signal, welches man mit der Auswechselung Rakitic’ und der Hereinnahme eines (potenziell) vierten Innenverteidigers sendete, zu positiven Gedanken Anlass gibt.

Die Übernachtung in Siegen wird gegen 7 Uhr durch den Wecker beendet.
Wir fahren nach Sinsheim, ein neues Stadion, reicher Mäzen, da muss man sich standesgemäß kleiden, ergo Hemd und Krawatte raus und das Sakko übergeworfen. Der Kleinbulli kommt um 8:25, drin der Mann aus Cape Town und die beiden Organisatoren der Fahrt von den „Geräucherten Makrelen“. Nachdem sich der Spott über mein Outfit gelegt hat, den einen erst mal ein bisschen angemacht, schließlich ist die alljährliche Fahrt normalerweise zum Werder-Auswärtsspiel in München. Das fiel in dieser Saison auch noch auf den Beginn der Oktoberfests, aber der gute Mann musste ja unbedingt an dem Tag heiraten. Welch eine Fehlplanung. Sei’s drum, der Rest der Truppe (diesmal international, ist doch neben dem Herrn aus Cape Town noch ein Herr aus Pittsburgh – Green Bay Packers-Fan und von Fußball überhaupt keine Ahnung – angereist) wird eingesammelt. Am Ende sind wir 4 Bremer, 1 Gladbacher, 1 Schalker, 1 Unbekannter und 2 Desinteressierte. Geht ja auch hauptsächlich um das gemeinsame Erlebnis der Fahrt. Das die Lüdenscheider in Stuttgart spielen war mir vorher nicht bewusst (wen interessiert auch deren Spielplan), hat aber zur Folge, das man sich mehr als lieb mit der Fangruppe auseinandersetzen muss, schließlich haben wir denselben Weg. Über die A45, die A5 und die A656 sowie diverse Autobahnraststätten erreichen wir Heidelberg. Hier wird der Bulli in einer Tiefgarage zwischengeparkt. Wir treffen uns mit einem Ortskundigen, der mir bereits Samstag von den Kontoauszügen und der eventuellen Bestechung durch den THW Kiel/Uwe Schwenker/Noka Serdarusic erzählt. Was ein Blödsinn meinen wir beide noch, da hat man schon die beste Handballmannschaft der Welt und besticht Schiedsrichter? Kaum vorstellbar, aber offenbar ist mehr dran und das Beispiel Juventus Turin zeigt, das auch die Großen nicht frei von Dummheiten/Verbechen sind.

In Heidelberg ist man auf Fußballfans, und sehen sie noch so seriös aus, offenbar nicht eingerichtet, denn die erste Gaststätte verweigert die Aufnahme, so dass wir schließlich in einer Pizzeria in der Altstadt das Mittagessen einnehmen. Vom Bahnhof Heidelberg-Altstadt fahren wir schließlich Richtung Sinsheim. Das ist Wallachei hier. Kleine Kuhkäffer, eine ganz süße Landschaft, hier soll Profifußball stattfinden? Vom Bahnhof Sinsheim (ich dachte noch, der ist aber klein, dazu später mehr) gehen wir durch ein Industriegebiet (das ist landschaftlich und architektonisch wenig reizvoll), vorbei am Concorde-Museum durch eine Unterführung. Rechts oben türmt sich ein kleines, schmuckes Stadion auf, umgeben von Äckern. Der Einlass geht zügig, kurz wird mir nahegelegt, meinen seriösen und eben in einem Anfall geistiger Umnachtung erstandenen „Das ganze Dorf ist da“-Schal ins Sakko zu stecken, schließlich sitze ich in der Bremen-Kurve. Der Mann aus Südafrikas muss sein Brötchen vor dem Stadion vertilgen, Wurfgeschoss. Kurz die Gastronomie abgecheckt, Bitburger alkoholfrei ist das einzige Getränk mit Schaumkrone, ich kann mich also ganz auf’s Spiel konzentrieren und muss hier nicht häufiger anstehen. Wird aber auch Zeit, es ist inzwischen 15:23 Uhr und ich gehe Richtung meines Sitzplatzes. Eingang Nordost, Block G1, Platz 7. Der Stadionsprecher leitet währenddessen über zur Begrüßung zum Spiel 1899 Hoffenheim – TSV Bayer Leverkusen. Hat der wirklich so gesagt und erst in der Pause ist ihm aufgefallen, was er da für einen Müll von sich gab. Die Plätze sind sonnenüberflutet, das Stadion auch von innen schick, man sitzt nah dran, einzig der Gitterzaun als Blockabgrenzung stört. Der ist wirklich ein großes Ärgernis. Sitzt man am Zaun, sieht man das Tor und die rechte Eckfahne nicht. Minuspunkt. Das Spiel ist ganz nett anzuschauen aber nicht der erwartet bzw. erhoffte große Knaller wie das Hinspiel. Soll von mir auch alles dazu gewesen sein.

Nach dem Spiel der nächste dicke Minuspunkt. So idyllisch das Stadion neben den Äckern liegt, so ätzend ist die Tatsache, das sich nun 20.000 Menschen auf dem vermeintlich einzigen Weg zum Bahnhof schlängeln. Das dauert. Und als wir uns schon Gedanken machten, wie wir jemals auf den Bahnsteig kommen sollen, erzählt uns ein Mensch aus der Gegend, das man hier sowieso nur mit dem Zug Richtung Heilbronn fahren kann. Richtung Heidelberg ist noch mal 20 Minuten in die andere Richtung laufen. Zum größeren Bahnhof Sinsheim. Hätte man ruhig mal ausschildern können. Für die, die nicht so oft in dieser Gegend sind. Die Rückfahrt verläuft ohne größere Vorkommnisse, die Borussen an den Burger King’s dieser Welt haben schlechtere Launen als auf der Hinfahrt, einer vergisst seinen Schal, ich bin so freundlich und stoppe den Bus, gebe mich als freundlicher Schalker zu erkennen, aber die wollen das Ding nicht haben. Dann eben nicht, was macht man also mit einem falschfarbigen Schal, den nun wirklich keiner braucht und keiner will? Genau …
Mitternacht sind wir wieder in Siegen, am nächsten Morgen geht’s wieder in den Norden, ich rege mich erneut über Herrn Wulf oder seinen Verkehrsminister auf und schaue mir zum Abschluss des Wochenendes noch die Partie UT Kiel – TSV Russee (3:4) an. Endlich ein paar Tore, nur zuviel für den falschen Klub.

Die schrecklichen Drei: Zwischen Leistung und Wahn

14. Dezember 2008, Torsten Wieland

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Das nächste Spiel, das hätte gewonnen werden können. Die nächsten Punkte, die durch Selbstverschulden weggeschenkt wurden. Hoffenheim zeigte nicht das Feuerwerk, das man erwartet hatte. Hoffenheim spielte seine Stürmer drei oder viermal frei, der Rest waren Fernschüsse jeglicher Art. Sowas lässt sich relativ leicht verteidigen. Eigentlich.

Fred Rutten lege wert auf Disziplin, erzählt Andreas Müller in jedem Interview. Wie hält es der Mann mit diesem Kader nur aus? Gibt es eine andere Mannschaft in der Liga, dass es an Diziplinlosigkeit mit dieser Mannschaft des FC Schalke 04 aufnehmen kann?

Man kann es wohl an den Frisuren festmachen. Je weniger auf dem Haupt wächst, desto weniger halt scheint es in Extremsituationen auch im Kopf zu geben. Dann löst sich etwas, oder es knallt durch, wie auch immer. Jones hat wenig. Engelaar hat weniger. Ernst hat nichts.

Jermaine Jones spielt immer überdreht. Bei ihm ist es immer nur ein kleiner Schritt vom großen Einsatz bis zu großen Dummheiten, bei denen er an der Mittellinie jemanden umsenst, dem Gegner im Luftkampf einen mitgibt oder auf den Schiedsrichter zurennt als wolle er ihn verprügeln. Erstaunlich, wie viele Schiedsrichter das mit sich machen lassen. Noch erstaunlicher, dass es auf Schalke niemanden gibt, der ihn im entscheidenden Moment zurückhält, ihn vor sich selbst schützt.

Orlando Engelaar ist das Gegenteil von Jones, denn ihn hat man noch nie auch nur ansatzweise irgendwie aufgeregt, geschweige denn aufregend gesehen. Er foult seinen Gegner – obwohl bereits verwarnt – mit der gleichen Lässigkeit einen Meter vor dem Schiedsrichter, mit der er auch seinen fünften oder sechsten Fehlpass spielt. Als ginge ihn das alles nichts an, dann schleicht er eben raus. Ab und an spielt er einen tollen Pass. Aber das kann den Mist, den er sonst spielt, eben leider nicht aufwiegen.

Und dann ist da noch Fabian Ernst. Das heutige Spiel war sein 305. Bundesligaeinsatz, in Abwesenheit von Marcelo Bordon trug er die Kapitänsbinde. Er spielte seine Position hervorragend, fing immer wieder Hoffenheimer Pässe in die Tiefe ab, stopfte Löcher über die gesamte Spielfeldbreite, und war doch wieder in der entscheidenden Szene der falsche Mann. Wie schon in Dortmund war er eben nicht der ruhende Pol, das, was man von einem Spieler seiner Erfahrung erwarten könnte. Sondern es war wieder Fabian Ernst, der das Foul zum Gegentor beging, der dabei eigentlich auch mit Rot vom Platz gestellt hätte werden müssen.

So ist es ganz schwer zu siegen.
Sicher war noch ein guter Freistoß nötig.
Sicher sah auch Manuel Neuer bei dem Gegentor wieder nicht völlig unschuldig aus. Nicht an solch einen Schuss heranzukommen ist das eine, mit der vollen Hand da zu sein, den Ball dann aber trotzdem reinzulassen ist das andere. Es bleibt dabei, dass man zwar weiß, welche grandiosen Sachen Manuel Neuer leisten kann, man sich aber dennoch nie so richtig sicher fühlt.
Sicher hat sich Hoffenheim diesen Punkt auch verdient.

Trotzdem glaube ich, dass Hoffenheim dieses Spiel „aus eigener Kraft“, gegen eine diszipliniertere Schalker Mannschaft, ohne Geschenke nicht mehr hätte ausgleichen können.

Ein Jammer.

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