Artikel zum Schlagwort ‘Vereinspolitik’

Ein Fehler und der Kniff des Clemens T.

Bemerkungen zur S04 Mitgliederversammlung 2017

Die Mitgliederversammlung 2017 des FC Schalke 04 ist in den Büchern. Letztlich gab es weniger Aufregung als erwartet. Der neue Trainer redete selbst und frei und sympathisch, er kam gut an. Dem Vorstand Sport nahm man seine Erklärung zur Trainerentscheidung ab. Bemerkenswert war, wie die wichtigste Entscheidung entschärft- und dass die wichtige Wahlausschuss-Wahl von den Mitgliedern aus Versehen erschwert wurde.
 
 
Der Kniff des Clemens T.

Das heißeste Thema im Vorfeld war der Antrag auf Satzungsänderung, welche den Wahlausschuss verändern sollte. Wer sich halbwegs für dieses Thema interessierte konnte schnell mitbekommen, dass der Antrag in der Mitgliedschaft auf viel Widerstand traf. Dies blieb auch den Antragstellern nicht verborgen. Doch statt eine Niederlage einzugestehen und den Antrag vorbehaltlos zurückzuziehen, wendete der Aufsichtsrat um Clemens Tönnies einen Kniff an.

Clemens Tönnies erklärte, dass man die Stimmung gegen diesen Antrag wahrgenommen hätte, und schlug vor, abstimmen zu lassen, ob dieser Änderungsantrag überhaupt behandelt werden solle. Dabei stellte er der Abstimmung die Alternative gegenüber, den Antrag unter Beteiligung der Kritiker zu überarbeiten und im kommenden Jahr wieder vorzulegen.

Das Plenum wollte den Antrag verhindern und nahm die Alternative mit großer Mehrheit an. Clemens Tönnies gelang es damit, zunächst nicht als Verlierer dazustehen, und sich außerdem von der Mitgliederversammlung das Einbringen eines weiteren Versuchs im nächsten Jahr legitimieren zu lassen. Ein starker Politiker-Move, in einer Situation, in der eine krachende Niederlage bevorstand.
 
 
Der Fehler der verschobenen Tagesordnung

Ein wichtiger Teil der Mitgliederversammlung war die Wahl des Wahlausschusses. Diese fand leider erst zu einem solch späten Zeitpunkt statt, dass die Versammlung bereits arg ungeduldig war und die Vorstellung der Kandidaten sicher auch ganz gecancelt hätte, wäre dies von jemandem vorgeschlagen worden. Statt der regulären drei Minuten blieben jedem Kandidaten letztlich nur 1:30 Minunten, um sich zu erklären. Das Publikum war unaufmerksam und unruhig, das Ganze war der Wichtigkeit nicht würdig.

Schuld daran war ich selbst, als einer von 55%, die einem Antrag auf Änderung der Tagesordnung zustimmten. Der Antragsteller Giuseppe Renna beantragte, den Punkt „Aussprache“ gleich hinter die Berichte der Vorstände und vor die Abstimmungen zu verlegen. Die Idee war, sich Auszusprechen, bevor die wichtigen Entscheidungen gefällt würden. Mir schien das plausibel und gut.

Giuseppe Renna selbst hatte auch einen Wortbeitrag in dieser Aussprache und forderte die Clubfunktionäre auf, den Satzungsänderungsantrag zum Wahlausschuss zurückzuziehen. Was (auch) ich nicht bedacht hatte war, dass in diesen Aussprachen aber wahnsinnig viele Redner eben nichts redeten, was einen vor einer Abstimmung weiterbringt. Stattdessen mussten sich der neue Trainer, der Sportvorstand und auch die Versammlung von schalkebemützten Fans erklären lassen, wie man künftig doch besser spielen könne, dass die Ecken schlecht kämen oder dass man doch Kontinuität bräuchte. Pro forma demokratisch, denn schließlich darf jeder sagen was er will. Tatsächlich aber ganz viel Mumpitz, der den wichtigeren Tagesordnungspunkten den Zeitkorridor in der Phase des Tages nahm, da das Plenum noch zu Aufmerksamkeit fähig gewesen wäre.

Vorstellung der Aufsichtsratskandidaten

Am kommenden Sonntag findet die Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 statt. Wie üblich sind dabei wieder zwei Aufsichtsräte zu wählen. Erstmals kann die Vorstellung der vier Kandidaten live im Netz verfolgt werden.

Die Veranstaltung findet heute ab 19:04 Uhr im Stadion, im Raum Tibulsky statt. Um vor Ort dabei zu sein ist eine Anmeldung erforderlich. Bei Schalke TV wird man den Abend live verfolgen können. Später gibt es das ganze via YouTube nachzuschauen.

Das Video werde ich auch hier einstellen. Gerne können wir uns dann in den Kommentaren über die Kandidaten austauschen.
 
 
Update 20.06.2017

Ich hatte verstanden, dass die Vorstellung später via YouTube verbreitet werden würde. Hatte ich mir das nur eingebildet, oder hat man die Entscheidung geändert? Jedenfalls lässt sich die Vorstellung nicht bei YouTube, sondern bei Schalke TV nachschauen, nach entsprechender Anmeldung.

Schalke 04 schafft das Stehplatz-Tagesticket ab

Gestern war der 04. Mai 2017. Gemäß der offiziellen Festschreibung war dies der 113. Geburtstag des FC Schalke 04; ich schrieb drüber. Der 04. Mai 2017 war auch der Tag, an dem der FC Schalke 04 Stehplatz-Tageskarten abgeschafft hat. Darüber schrieb der Club, hier.

Mit der neuen „Saisonkarte“ schafft der Club eine Dauerkarte zweiter Klasse, denn die Käufer erhalten weder einen Rabatt gegenüber dem Einzelkartenverkauf, noch dürfen sie davon ausgehen, ihr „Abo“ in der nächsten Saison zu behalten. Außerdem erhöht der Club mit dieser Änderung den Preis für das günstigste Tagesticket drastisch. Statt sich um 15,50 Euro-Stehplatztickets streiten zu dürfen, werden einem im Vorverkauf zukünftig Sitzplätze zu 26 Euro als günstigste Möglichkeit angeboten.

Der FC Schalke 04 ist als Kumpel- und Malocher-Club entstanden. Daher ermöglicht unser Verein im Rahmen seiner wirtschaftlichen Verhältnisse seinen Anhängern aus allen gesellschaftlichen Schichten die Teilnahme am Vereinsleben und den Besuch der Spiele.

Diese Sätze sind unter Punkt 4 des Schalker „Leitbildes“ zu lesen. Meines Erachtens verbieten sie eine Preispolitik, die ein 26 Euro-Ticket als billigste Eintrittsmöglichkeit zufolge hat. Gegen sein Leitbild drängt der Club Schalker mit geringen finanziellen Mitteln aus dem Stadion.
 
 
Update

Schalke 04 hat seine Entscheidung zurückgezogen. In der entsprechenden Meldung „Stehplatz-Tageskarten auch 2017/2018 erhältlich“ heißt es:

Die Meldung „Umwandlung: Saisonkarten im Stehplatzbereich“ hat für Irritationen und Unverständnis gesorgt. Das bedauern wir und korrigieren unsere falsche Entscheidung: Es wird keine Saisonkarten für die Nordkurve geben. Die Ticketpreise bleiben in der kommenden Saison wie angekündigt unverändert. Für die überwiegend konstruktive Kritik bedanken wir uns.

Das ist gut.

May the 4th be with Schalke 04!

Damals wollten sie nur kicken. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wollten sie plötzlich überall Fußball spielen. Auch einige Nachbarsjungen in Schalke. Seit 1904 trafen sie sich regelmäßig. Sie nannten sich Westfalia, und sie kleideten sich Rot-Gelb.

Aus dem Notizbuch Willy Gies’ kennen wir einige Namen, die heute als Vereinsgründer verehrt werden. Vielleicht gehörten noch andere dazu. Das festzuhalten war damals nicht wichtig. Ein registrierter Verein wurde Westfalia erst 1909.

Das Weitere ist Geschichte, und die wurde vielfach erzählt, auf dem Weg zum heutigen Fußballclub Gelsenkirchen‑Schalke 04 e.V.. Geschichten wurden und werden gerne ausgeschmückt. Irgendwann, wohl in den 60er Jahren, hat man festgelegt, dass es der 04. Mai 1904 gewesen sein soll, da der damals 14-Jährige Willy Gies mit seinen Freunden erstmals als Westfalia kickte. Dieses Datum gilt seitdem offiziell als der Geburtstag der heutigen Blauen, dieser Tage einer der größten Fußballvereine der Welt.

Bundesligafußball ist eine Unterhaltungsindustrie. Schalke 04 ist ein Teil davon. Einer der Clubs, die meinen sich in glattgezogenen TV-Produktionen sauber präsentieren zu müssen. Ein Club, deren Funktionäre das Mitspracherecht der Mitglieder einschränken möchten. Es gibt so vieles, was mich nervt, an diesem Club.

Und doch hänge ich ihm immer wieder nach. Den Menschen, der Geschichte und den Geschichtchen. Den Begegnungen, die ich erfuhr, nur durch die Gemeinsamkeit, sich irgendwann in diesen Fußballclub verliebt zu haben.

Dieser Club sind wir alle. Schalke 04 sind seine Menschen, seine Mitglieder. Die Geschichte dieses Clubs muss gefühlt werden, es geht nicht nur darum, Retro-T-Shirts zu verkaufen. Das ist mehr als ein Produkt. Das macht es besonders. Ich wünsche mir, dass das jeder versteht. Ich empfehle jedem, daran teilzuhaben.

Alles Gute zum Geburtstag, Schalke 04!

Möge „die Macht mit Dir sein“, und bleiben, auch nach der nächsten Jahreshauptversammlung.

Schalkes Mitgliederversammlung 2016

In letzter Zeit ging es hoch her auf und um Schalke. Seit Wochen tobte der Wahlkampf. Gemessen daran erlebte der Club am gestrigen Sonntag eine geradezu ruhige Mitgliederversammlung. Clemens Tönnies bekam für sein Tun Unterstützung, seine Gegner wurden abgewatscht.
 
 
Die Wahl zum Aufsichtsrat

Der Wahl standen die Reden der Kandidaten vor. Drei redeten so, wie man es im Video zur Vorstellungsrunde in Bielefeld sehen konnte. Clemens Tönnies gab den kumpeligen Macher, der sich für relativ erfolgreiche letzte Jahre verantwortlich zeichnet. Peter Lange gab sich ruhig und ausgleichend, sagte er stünde für Kontinuität. Michael Stallmann war sympathisch, konnte aber irgendwie nicht wirklich erklären, warum man ausgerechnet ihn wählen sollte. Bemerkenswert war nur Andreas Goßmanns Rede.

Statt für sich zu werben begann Andreas Goßmann mit der Klage, in den bisherigen Vorstellungsrunden hätte es immer gleiche Leute gegeben, die ihm angebliche Verfehlungen aus der Vergangenheit vorgeworfen hätten. Er verteidigte sich, bevor er sich überhaupt vorstellte. Er redete von dem was war, statt von dem was sein soll. Als er endlich zum Heute kam, präsentierte er sich als klarer Kritiker Clemens Tönnies. Als solcher aber hatte er an diesem Sonntag keine Chance.

Die deutliche Mehrheit der Mitgliederversammlung wollte Ruhe im Club wählen. Deshalb erhielt Peter Lange, der sich als besonnen darstellte, die meisten Stimmen. Clemens Tönnies erhielt mehr als doppelt so viele Stimmen wie der drittplatzierte Michael Stallmann. Andreas Goßmann wurde abgeschlagen Letzter.
 
 
Die Satzungsänderungsanträge

… fanden quasi nicht statt. Nach der Wahl zum Aufsichtsrat war jegliche Anspannung mit einem Mal verflogen. Versammlungsleiter Dr. Buchta ratterte die Anträge runter und die Mitglieder hoben die Stimmkarten schon hoch, bevor er überhaupt ausgesprochen hatte. Alle Anträge wurden wie „vom Aufsichtsrat empfohlen“ abgestimmt.

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung warb SchalkeVereint dafür, mit einer Zweidrittelmehrheit einen Antrag zu befürworten, mit dem einige vom Aufsichtsrat vorab nicht zur Abstimmung zugelassenen Satzungsänderungsanträge nachträglich doch noch zur Abstimmung zugelassen worden wären. Dieser Antrag wurde letztlich allerdings doch nicht gestellt, diese Abstimmung war kein Thema mehr.
 
 
Christian Heidels Rede

Alle drei Vorstände hatten ihre Reden. Peter Peters redete routiniert, er macht den Job auch eben schon einige Jahre. Alexander Jobsts Rede war bemerkenswert emotional. Er bemerkte, dass das Bild, dass Schalke zuletzt abgegeben habe, durchaus direkt dazu geführt hätte, dass der Club weniger Einnahmen als möglich aus dem Merchandising generieren konnte. Gewartet haben die Mitglieder aber vor allem auf die Worte des neuen Vorstands für Sport und Kommunikation, Christian Heidel.

Seine Rede war vollumfänglich und klar strukturiert. Er betonte, dass man seiner Ansicht nach nur von Erfolg sprechen könne, wenn sowohl im sportlichen, als auch im wirtschaftlichen Bereich die Ergebnisse stimmen würden. Er sagte dies mit dem Hinweis darauf, dass Schalke soeben mit der perfekten Verpflichtung Breel Embolos den teuersten Transfer der Clubgeschichte abgeschlossen habe (s. u.). Dieser Transfer würde aber weder die wirtschaftliche Stabilität beeinträchtigen, noch würden dafür andere Spieler zwingend verkauft werden müssen.

Bezüglich seiner Ansprüche an einen Trainer und der zugehörigen Ausdrücke von Wertschätzung für Markus Weinzierl wiederholte er das, was er auch schon bei dessen Vorstellung sagte. Konkreter wurde er beim Thema „Arbeitsplätze“, das er als eine wichtige Säule für den Erfolg eines Clubs sieht. Trainern und Mitarbeitern müssten die bestmöglichen Räumlichkeiten und Arbeitsmaterialien zur Verfügung stehen. Dies sei auf Schalke nicht gegeben. Dort hinke man nicht nur anderen großen Clubs hinterher, dies sei auch bei vielen deutlich kleineren Clubs besser. Christian Heidel kündigte aber an, dass dies innerhalb des nächsten halben Jahres korrigiert werden würde. Man hätte bereits erste Wände versetzt oder gar eingerissen.

Als letzten wichtigen Punkt führte Christian Heidel an, dass Schalke unbedingt ein neues Wir-Gefühl entwickeln müsse. Er erklärte, dass „typisch Schalke“ als Ausdruck verwendet werden würde, wenn Schalke kurz vor dem Ziel strauchelt, wenn man ein wichtiges Spiel verliert. Ziel aber müsse sein, dass „typisch Schalke“ den Stolz auf den Club und den Zusammenhalt meint. Schalke müsse der Club dieser Region sein, der Club, mit dem sich die Leute hier identifizieren. Vom Jugendspieler über den Security-Mann und den Busfahrer bis zum Profispieler müssten alle eine Einheit bilden. Dafür würde er sich einsetzen und dafür bat er um Unterstützung.
 
 
Die Rechtfertigung Dr. Horns und Clemens Tönnies‘ Reaktion

Unter dem Punkt „Aussprache“ dürfen Mitglieder mit eigenen Wortbeiträgen ans Rednerpult. Gleich der erste pöbelte gegen den Aufsichtsrat Dr. Andreas Horn, der zu den „Tönnies-Gegnern“ im Aufsichtsrat gezählt wird und dessen Telefonat mit Tönnies in den letzten Tagen die Zeitungen beschäftige. Den Redner habe er „tief enttäuscht“, und wenn er „einen Arsch in der Hose hätte“ würde er „nach Heidelberg verschwinden“.

Daraufhin forderte Dr. Buchta als Versammlungsleiter Dr. Horn geradezu eindringlich auf, dazu doch Stellung zu nehmen. In seiner selbstverständlich vorbereiteten Rede wies Dr. Horn darauf hin, dass nicht alles, was ihn Foren oder Zeitungen geschrieben würde, auch richtig sei. Es sei „absoluter Schwachsinn“, dass er Clemens Tönnies hätte erpressen wollen. Dass er „den Kopf“ von Aufsichtsrat Dr. Langhorst gefordert hätte, sei ebenfalls nicht wahr. Auch widersprach er dem Vorwurf der Blockadepolitik. Es hätte bislang lediglich eine Abstimmung gegeben, die 7:3 ausgegangen wäre und in der die drei als Opposition geltenden Aufsichtsräte gemeinsam gegen alle anderen gestimmt hätten. Dabei sei es um einen von diesen drei selbst gestellten Antrag gegangen.
Dr. Horn sagte, man würde selbstverständlich die Entscheidung der Mitgliederversammlung akzeptieren und man müsse „ab heute Abend wieder miteinander sprechen“. Er sei bereit dazu und wolle Clemens Tönnies die Hand reichen.

Als Dr. Horn das Pult verließ stand Clemens Tönnies auf und ging auf das Pult zu. Zunächst dachte man, sie wollten einander wirklich die Hand reichen, doch Tönnies wich Horn aus. Wieder am Rednerpult sagte Tönnies, dass es so doch wohl nicht ginge. Der Ehrenrat würde ermitteln, dieser würde eine Entscheidung treffen.
 
 
Eine Stiftung für Schalke

Nach seiner Wiederwahl und vor den Aussprachen und dem Wortbeitrag Dr. Horns oblag es Clemens Tönnies, den Bericht des Aufsichtsrates vorzustellen. Dabei erzählte er, dass er eine Mythos-Tour durch den Stadtteil Schalke gemacht hätte und begeistert worden wäre. Er sei in Gründung einer Stiftung, in die er einen hohen Geldbetrag einzahlen werde. Diese Stiftung würde der Schalker Meile und der Glückauf Kampfbahn zugutekommen. Neben der Glückauf Kampfbahn soll ein Schalker Museum entstehen.
 
 
Sascha Riether und Breel Embolo

Nur der Form halber soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass auch die Verpflichtung Breel Embolos (bis 2021), sowie die Vertragsverlängerung mit Sascha Riether (bis 2017) bekanntgegeben wurden. Beides wurde so erwartet.

Sascha Riether lieferte in der vergangenen Saison verlässlich solide Leistungen. Als jemand, der sich nicht in den Vordergrund drängt und über viel Erfahrung verfügt, ist er ein Spieler wie ihn jeder Kader gut gebrauchen kann.

Bezüglich Breel Embolo weiß ich mehr über die Lobeshymnen zu seinem Spiel, als über sein Spiel selbst. Für einen 19-Jährigen den Clubrekord für eine Ablösesumme zu brechen scheint zunächst wahnsinnig. Allerdings sind die heutigen Ablösesummen nicht mehr mit denen vergangener Jahre zu vergleichen. Sollte Breel Embolos Entwicklung halbwegs wie von Fachleuten prognostiziert verlaufen, wird Schalke ihn eines Tages für eine höhere Summe weiterverkaufen und bis dahin hoffentlich viel Spaß an ihm gehabt haben.
 
 
Mein Fazit

Vorab wurde zu einem gemeinsamen „Public Viewing“ des EM-Spiels der Nationalmannschaft aufgerufen, das um 18 Uhr begann. Mehrmals wurde von Offiziellen des Clubs darauf hingewiesen, dass irgendwas doch flotter gehen könne, schließlich wolle man ja noch das Länderspiel schauen. Ich empfand das als unseres Clubs unwürdig.

Ich selbst habe weder Clemens Tönnies, noch Andreas Goßmann gewählt. Meines Erachtens trägt Clemens Tönnies‘ Umgang mit den Medien und sein Umgang mit Kritikern erheblich dazu bei, dass es seit Jahren tiefe Gräben zwischen den Mitgliedern auf Schalke gibt. Andererseits fühle ich mich von den tönnieskritischen Aufsichtsräten, die ich selbst in den vergangenen Jahren gewählt habe, sehr schlecht vertreten. Ich finde es gut und richtig, kritische Leute im Aufsichtsrat zu haben. Ich will aber auf keinen Fall, dass Politik betrieben wird, die an Abstimmungen der Mitgliederversammlung vorbei über Posten im Verein entscheidet. Aus dieser Stimmung heraus war mir Andreas Goßmann zu sehr gegen die Dinge und zu wenig für etwas.

Die Ergebnisse dieser Mitgliederversammlung werden möglicherweise zunächst Ruhe einkehren lassen. Dass der Streit im Club beigelegt werden kann glaube ich allerdings nicht. Clemens Tönnies ist Schlachter, kein Schlichter, und den Sprüchen von zuzuschüttenden Gräben folgte bereits in der Vergangenheit nichts Weiteres. Ich denke er wird den Rückenwind nutzen und alles daran setzen, seine Gegner loszuwerden. Dies wird dazu führen, dass sich ein erheblicher Teil der Mitgliedschaft weiterhin im Club schlecht vertreten fühlt, nicht „mitgenommen“, wie Clemens Tönnies gerne selbst formuliert. Heute werden viele dazu Hurra schreien, heute sind ihnen „die Anderen“ egal. Doch in ein oder zwei Jahren wundern sich dann die gleichen Leute, weshalb schon wieder um Wahlen gekämpft wird, weshalb es schon wieder an einer geeigneten Streitkultur fehlt.

Die letzten Gefechte

Übermorgen ist es soweit, um 13:04 wird die Mitgliederversammlung „angepfiffen“. Wir befinden uns nun in der letzten Phase des „Wahlkampfes“. In der Phase, in der Clemens Tönnies nochmal alle Register zieht und seine Position ausspielt.

Jetzt erscheinen nochmal in allen Zeitungen tönniesfreundliche Artikel. Diese sind Chefsache. Für die Funke Mediengruppe haut Pit Gottschalk selbst in die Tasten. Es würde nicht überraschen, gäbe es in Kürze auch noch einen Kommentar von Tönnies-Kumpel Alfred Draxler zur Schalker Politik zu lesen. Clemens Tönnies hat beste Kontakte zu den Chefredakteuren der wichtigen Zeitungen. Die Zeitungen sind nicht ganz uneigennützig interessiert daran, dass er gut gelitten bleibt. Tönnies‘ Firmen (Böklunder, Tillmans, Mühlen) liefern den Zeitungen wichtige Werbebudgets. Er selbst liefert zuverlässig Geschichten.

So ist das eben. Das als irgendwie unfair zu beklagen wäre arg naiv. Bezüglich des Zeitpunkts sicherlich sehr geplant, argumentativ aber unangreifbar, haben sich die Vorstände auch nochmal zu Wort gemeldet und sich für Clemens Tönnies ausgesprochen. Wenn ein Hauptargument von Tönnies-Gegnern lautet, dass dieser sich zu viel in die Belange des Vorstandes einmischt, sich aber der aktuelle und der vorherige Vorstand geschlossen für Clemens Tönnies ausspricht, ist Clemens Tönnies entweder „doch nicht so schlimm“ oder der Vorstand hat Angst vor den Alternativen.

Um sich ein Bild der Alternativen zu machen, dafür gab es eine ganze Veranstaltungsreihe in dieser Woche. Eine davon wurde zusätzlich aufgezeichnet und im Club-Kanal bei youtube eingestellt. Ich kann das Anschauen absolut empfehlen, ich fand diese ca. 100 Minuten aufschlussreich und nie langweilig.

Also:

  • Anschauen
  • Hingehen
  • Wählen
  • Die Ergebnisse akzeptieren

… und dann geht es ab spätestens kommenden Dienstag wieder um Fußball.

Glückauf.
 

Der neue Trainer, noch mehr Trainer & ein Brief

Gestern wurde Markus Weinzierl offiziell als neuer Trainer des FC Schalke 04 vorgestellt. Eine Pressekonferenz, die zeitlich irgendwie in der Luft hing. Zu lange nachdem klar wurde, dass er derjenige welcher werden würde. Zu früh, als dass er über seine zukünftige Mannschaft hätte sprechen können, weil sich diese noch verändern wird. Deshalb war es nicht vielmehr als ein erstes Hallo.

Markus Weinzierl war so, wie man ihn zuvor auch bei Pressekonferenzen des FC Augsburg erleben konnte: Bayerisch freundlich. Verbindlich, sachlich. Keiner, der (Eigen)Werbesätze spricht. Ein normaler Typ, einer, der eben ist wie er ist. Der vermutlich auch an einer Theke sitzend nicht anders ist.

Schalkes Medienmann Thomas Spiegel hatte den Trainer gleich geduzt. Der Trainer nannte Christian Heidel nur „den Manager“. Dass er die aktuellen Spieler schon gut finden würde, sagte er. Dass Leroy Sané bleiben solle. Dass er mit dem Manager darüber spräche, wie man die Mannschaft verbessern könne, dass er aber nicht auf Einzelheiten eingehen wolle. Alles nett. Alles wie zu erwarten. Eben irgendwie zu spät und zu früh zugleich.
 
 
Die Trainer: Zetlmeisl rein, Hübscher raus

Abseits des Gesprächs auf dem Podium im Presseraum wurde Markus Weinzierl dann doch noch konkret. Wie Andreas Ernst für die WAZ berichtet ist nun klar, wie das Schalker Trainerteam aussehen wird. Demnach wird der bisherige S04-Co-Trainer Sven Hübscher diesem Team nicht mehr angehören. Dafür kommt Markus Zetlmeisl dazu.

Markus Zetlmeisl ist Reha- und Konditionstrainer. Er wurde von Felix Magath auf Schalke geholt. Nachdem sich Ralf Rangnick ein Trainerteam ohne ihn zusammenstellte, arbeitete Zetlmeisl fortan für die Schalker Jugendabteilung. Sven Hübscher ist bereits seit 2000 auf Schalke. Zunächst trainierte er verschiedene Jugendmannschaften, war dann unter Norbert Elgert Co-Trainer der U19 und stieg unter Jens Keller in den Trainerstab der Profimannschaft auf.

Der bisherige Torwarttrainer Simon Hentzler und Athletiktrainer Ruwen Faller werden auch unter Markus Weinzierl bleiben. Hinzu kommen die Co-Trainer Wolfgang Beller und Tobias Zellner, sowie Athletiktrainer Thomas Barth. Diese drei kommen aus Augsburg, darüber schrieb ich bereits.
 
 
Der Brief der Aufsichtsräte

Und dann ist da noch die Meldung um einen Brief. Via einer dpa-Meldung wurde man gestern Mittag gewahr, dass es eine Vorabmeldung des Magazins „11 Freunde“ gibt die davon berichtet, dass die Schalker Aufsichtsräte Axel Hefer, Andreas Horn und Thomas Wiese ihren Vorsitzenden mittels eines vierseitigen Briefes „scharf angegriffen“ hätten. Dieser Brief sei von Ende April datiert und Clemens Tönnies würden darin Eingriffe ins operative Geschäft und eine fehlende Distanz zur Boulevardpresse vorgeworfen.

Clemens Tönnies und sechs weitere Aufsichtsräte hätten daraufhin mit einer „Missbilligungserklärung“ reagiert. Man missbillige das Verhalten der drei, würde feststellen, dass es so nicht weiterginge und behielt sich weitere Schritte vor.

Aufsichtsrat Thomas Wiese fiel bereits bei der Veranstaltung zur Vorstellung der Aufsichtsratskandidaten, in der Flora in Gelsenkirchen am vergangenen Samstag, durch offene Worte gegen Clemens Tönnies auf. Es scheint so, als sollten die Verfehlungen Clemens Tönnies nun, wenige Tage vor der Jahreshauptversammlung, möglichst laut jedermann bekannt gemacht werden.

Tatsächlich gibt es da einiges, und auch ich zähle mich zu den Kritikern Clemens Tönnies‘. Erst gestern hat es Oliver Müller in einem Text für Die Welt gut auf den Punkt gebracht, als er schrieb, dass auch der Erfolg des neuen Gespanns Heidel / Weinzierl letztlich daran hängt, ob Clemens Tönnies sein Versprechen zu seinem „Heraushalten“ hält oder nicht – und dass sich Tönnies eben bisher nie heraushielt, dass Schalke die ganzen Jahre de facto aus dem Aufsichtsrat regiert wurde.

Das ist offensichtlich schlecht, wie man an der bloßen Anzahl an Trainern und Managern in der Amtszeit Clemens Tönnies leicht ablesen kann. Dennoch habe ich den Eindruck, dass spätestens die gestrige Meldung um den „Brief der Drei“ dafür gesorgt hat, dass sich das Gros der bislang unschlüssigen oder gar uninteressierten Mitglieder von der Form der „Opposition“ angewidert abgewendet hat, und nun erst recht den Schulterschluss mit Clemens Tönnies sucht.

Die Aktionen der Aufsichtsräte Axel Hefer, Andreas Horn und Thomas Wiese wirken wie Putschversuche gegen den Vorsitzenden Clemens Tönnies, der mehrfach von der Mitgliederversammlung gewählt wurde und somit legitim im Amt ist. Das Handeln wirkt falsch und unlauter, und macht damit den „moralischen Vorsprung“ zunichte, den man auf Grund der Vorwürfe gegenüber Clemens Tönnies haben wollte. Wenn allerdings alle gleich mies agieren wählt man lieber den, den man kennt, und der trotz allem Ärger für sich in Anspruch nehmen kann, dass es dem Club wirtschaftlich wie sportlich in den letzten Jahren seiner Amtszeit so schlecht nicht ergangen ist.