Artikel zum Schlagwort ‘Vereinspolitik’

Schalke sucht zwei Aufsichtsräte

Am kommenden Sonntag findet die Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 statt. Für die Mitglieder gilt es dabei, zwei Aufsichtsräte zu wählen. Dazu wurden vom Wahlausschuss vor einer Woche vier Kandidaten zugelassen. Allen Verschwörungstheorien zum Trotz sind zwei der vier Kandidaten die bisherigen Amtsinhaber Clemens Tönnies und Peter Lange. Außerdem stellen sich Andreas Goßmann und Michael Stallmann zur Wahl. Da die Vorstellung der Kandidaten bei der Jahreshauptversammlung selbst nur kurz ist und keine Frage gestellt werden können, ist dem interessierten Mitglied dringend zu empfehlen, sich vorab ein Bild zu machen.

Zunächst gab es auf der Webseite des Vereins eine kurze, schriftliche Vorstellung.
Deutlich ausführlicher waren die Antworten auf den Fragebogen des Supportsclub, der jedes Jahr den Aufsichtsratskandidaten zugeschickt wird. Diese wurden auf der Webseite schalkermarkt.de veröffentlicht und sind hier nachzulesen:

Besser als einen Text zu lesen ist es aber sicherlich, sich die Kandidaten anzuschauen. Sie reden zu hören, ihnen Fragen zu stellen, ihre Reaktionen zu erleben. Hierzu bieten sich in dieser Woche noch vier gute Gelegenheiten. Zeitlich über die Woche und räumlich über NRW verteilt veranstaltet der Club vier Vorstellungsrunden:

Veranstaltungsbeginn ist jeweils um 19:04 Uhr. Mitglieder können sich, unter Angabe des Orts, an dem sie teilnehmen möchten, unter der E-Mail-Adresse mitgeredet@schalke04.de anmelden. Ich selbst werde übrigens an der Veranstaltung in Düsseldorf teilnehmen.

Eine solche Veranstaltung wird in Gelsenkirchen seit Jahren von den Fanorganisationen organisiert. Diese fand bereits am Samstag statt. Einen ausführlichen und meines Erachtens sehr lesenswerten Bericht hat Susanne Hein-Reipen für Westline verfasst.

Die Kandidaten zur Wahl zum Aufsichtsrat

… wurden bislang – also bis Montag, 0:04 Uhr, da ich das gerade hier schreibe – noch nicht bekanntgegeben.

In der vergangenen Woche fanden die Interviews des Wahlausschusses mit den Kandidaten statt. Danach sollte das Prozedere folgen, welches der Wahlausschuss in seiner veröffentlichten Geschäftsordnung niedergeschrieben hat. Zunächst durfte man hoffen, dass die zugelassenen Kandidaten Donnerstagabend oder Freitagfrüh veröffentlicht würden. Dann hieß es, dass es vor Sonntag keine Entscheidung geben würde. Am gestrigen Sonntag um 18:35 Uhr gab Wahlausschuss-Mitglied Stefan Barta bei Facebook bekannt, dass er von seinem Amt zurücktritt.

Das sind die bis hierhin bekannten Fakten. Alles Weitere sind Spekulationen.
 
 
Update, 09:45 Uhr

Auf der Webseite des Clubs wurde soeben veröffentlicht, dass der Wahlausschuss vier Kandidaten für die zwei zu besetzenden Plätze im Aufsichtsrat benannt hat. Zwei davon sind die bisherigen Amtsinhaber Clemens Tönnies und Peter Lange. Die beiden anderen sind Andreas Goßmann (55 Jahre, Sparkassendirektor a.D., Düsseldorf) und Michael Stallmann (57 Jahre, Geschäftsführer, Marl).

Trotz aller Diskussionen hatte ich erwartet, dass Clemens Tönnies zur Wahl zugelassen werden würde. Ich finde das richtig so. Nicht weil ich für Clemens Tönnies bin, sondern weil es meines Erachtens der Mitgliederversammlung obliegen muss, ihn eventuell abzuwählen. Diese Begründung gilt so auch für Peter Langes erneute Nominierung.

Häufig gestellte Frage. Klare Antwort.

Ich denke, dass sich viele Schalker gerne von einem starken Mann führen lassen. Schalke ist ein Traditionsverein. Jahrzehnte war es immer so, dass es einen „Boss“ hatte.

Man könnte die Ursprünge dessen gar in der Gründerzeit des Ruhrgebiets suchen. Bei Friedrich Grillo zum Beispiel, dem Gründer der Zeche Consolidation, zu dem seine Arbeiter aufschauten, von dem seine Arbeiter abhängig waren, der die Lebenswirklichkeit schuf, aus der später der Fußballclub Schalke 1904 hervorgegangen ist.

Ein Verein ist Leben im Kleinen. Auch hier wird gezetert und gesungen, geliebt und gehasst, gesoffen und debattiert. Auch hier wollte man „oben“ einen haben, der regelte was es zu regeln gab, der das schon machte, was getan werden musste. Hier war man weniger abhängig. Hier konnte man den einen auch vom Hof jagen, wenn die Lage zu schief war. Dann sah man zu dass es einen anderen gab, einen entschlosseneren, einen besseren, einen der mehr in die Waagschale – und die Kassen – zu werfen vermochte.

Pro forma ist Schalke 04 noch ein Verein, aber tatsächlich ist Schalke 04 heute ein Unternehmen mit einem Umsatz von 264,5 Millionen Euro. Das niederländische Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG beziffert den durchschnittlichen Unternehmenswert des Clubs auf 624 Millionen Euro. Grundlage dafür war, dass sich Schalke im Aufbau des Vereins über eine neue Satzung Strukturen in Anlehnung an große Wirtschaftsunternehmen gab. Eine Satzung, die das Handeln einem Vorstand zuschrieb, die diesen Vorstand von einem Aufsichtsrat kontrollieren ließ. Damit nicht alles an einem hängt, damit die Verantwortungen geteilt wurden. Ein schlaues System, eine gute Satzung.

Und doch verhält sich Clemens Tönnies, der Vorsitzende des nur zur Kontrolle eingesetzten Aufsichtsrats, gerne wie ein Boss früherer Tage. Und weil Schalker viele sind, und weil viele diesen Club so leben wie sie ihn Jahrzehnte lebten, fühlen sich viele Schalker wohl damit. Sie vertrauen darauf, dass er regelt was es zu regeln gilt, dass er schon machen wird, was getan werden muss. Diejenigen halten die Diskussionen um Clemens Tönnies für absurd. Für sie liegt die oben dargestellte Frage auf der Hand, und sie wird vielfach formuliert, dieser Tage: „Wer sonst als Clemens Tönnies soll unseren Verein führen?“

Es sind diejenigen, die an die Richtigkeit der Satzung und an die Notwendigkeit einer Aufteilung der Macht im Club glauben, die darauf mit „Der Vorstand“ antworten. Diejenigen, die nicht formulieren sich „zu sorgen“, denen nicht „Angst und Bange“ wird, wenn sie daran denken, dass dem Club mal kein Boss alter Schule mehr vorsteht.

Da treffen verschiedene Lebensbilder aufeinander. Deshalb ist die Debatte so hitzig. Und deshalb wird sie wohl hitzig bleiben, über die Jahreshauptversammlung hinaus, egal welche Entscheidungen fallen werden.

Man versteht einander einfach nicht.

Rehbergs „Offener Brief“: Ein unerhörter Vorgang

Der Wahlausschuss ist ein Gremium und damit Teil des Vereins, in der Satzung verankert, von den Mitgliedern ordentlich gewählt. Dieser entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen über die Zulassung der Kandidaten zur Wahl des Aufsichtsrats. Diese Entscheidung steht nun an.

Am 01.06. hat der Wahlausschuss einen Apell veröffentlicht. Seit Wochen würde versucht, auf die Entscheidung Einfluss zu nehmen, Druck auszuüben. Mitglieder des Wahlausschusses seien persönlich bedroht worden. Diese Vorgänge würden nicht nur dem Ansehen des FC Schalke 04 schaden, sondern allen beteiligten Personen.

Anstatt dass sich der Club schützend vor das eigene Gremium stellt, erhöht Gerd Rehberg per „Offenem Brief“ den Druck weiter. Ganz offiziell, kraft seines Amtes als Ehrenpräsident, auf der Webseite des Clubs. Er stellt Vorgänge im Aufsichtsrat dar, die der Geheimhaltung unterliegen. Er fordert vom Wahlausschuss die Entscheidung die ihm gefällt. Er gießt Öl ins Feuer der eh schon hoch lodernden Diskussionen. Ein unerhörter Vorgang.

„Diese Vorgänge schaden nicht nur dem Ansehen des FC Schalke 04, sondern allen beteiligten Personen“ schrieb der Wahlausschuss in seinem Apell. Der Wahlausschuss tagt in dieser Woche. Noch ist keine Entscheidung gefallen die diskutiert werden müsste. Noch hat der Wahlausschuss nichts getan, was dem Ansehen des Clubs schadet. Gerd Rehberg mit diesem Brief und der Verein als solcher, im Umgang mit dem eigenen Gremium Wahlausschuss, leider schon.

Glückauf Pils – Der Schalke Podcast: Folge 14

Die bevorstehende Jahreshauptversammlung wirft einige dunkle Schatten voraus. Schalker gehen derzeit nicht immer korrekt miteinander um. Tönnies-Gegner und Tönnies-Befürworter bekommen sich regelmäßig inne Köppe. Mitglieder des Wahlausschusses, der über die Eignung von Kandidaten für den Aufsichtsrat zu befinden hat, wurden sogar persönlich bedroht. Anstatt dass sich der Club schützend vor das eigene Gremium stellt, erhöht der Ehrenpräsident Gerd Rehberg per „Offenem Brief“ den Druck weiter – ganz offiziell, über die Club-Webseite. Das lässt einen alles nur noch schaudern. Zeit, ein wenig Sachlichkeit einkehren zu lassen. Und wer könnte mehr für Sachlichkeit im Schalke-Kosmos stehen als wir, der Herr Pepo und ich, die Stimmen Eures Schalke-Podcasts Glückauf-Pils?!

Direkt auf der Schalker Meile trafen wir uns mit Roman Kolbe. Roman ist einer der Initiatoren von SchalkeVereint. Diese Gruppe besteht aus Mitgliedern verschiedener Fanorganisationen und trat in der Vergangenheit vor allem in Erscheinung, wenn es um das Erklären von Satzungsänderungsanträgen oder dem Vorstellen von Kandidaten für Ämter im Wahlausschuss oder Aufsichtsrat ging. In unserem Gespräch ging es um die Ziele von SchalkeVereint, warum die Gruppe entstand, was sie am Ist-Zustand beim FC Schalke 04 kritisiert und wie es ihrer Meinung nach besser laufen könnte. Dabei haben wir so ziemlich alle kritischen Themen angesprochen, die aktuell für Aufregung sorgen.
 
 
Gewinnspiel

Um nicht zu sachlich und nicht zu politisch zu werden haben wir für Euch ein Gewinnspiel eingebaut. Auf einen aufmerksamen Hörer wartet das neue Trikot in Größe L! Wie sich das gewinnen lässt erklären wir in der Folge, gleich zu Beginn. Die richtige Antwort mailst Du einfach an trikot@koenigsblog.net … und falls tatsächlich mehr als eine richtige Einsendung kommt, wird von uns gelost.
 
 
Hier geht’s zur Folge. Viel Spaß beim Hören!

S04 schließt umfangreiche Kartenpreiserhöhung ab

In den vergangenen vier Jahren waren die Kartenpreise auf Schalke kein Thema. Dies lag nicht etwa daran, dass die Preise nicht gestiegen wären, im Gegenteil: Für einen großen Teil der Stadionbesucher stiegen die Preise in jeder Saison. Nun findet die vermutlich umfangreichste Preiserhöhung in der Clubgeschichte ihr vorläufiges und stilles Ende.

Für den Club war es wohl das wichtigste, was von Felix Magath übrigblieb. Unter der Regie des „Trainagers“ wurden die Preiskategorien der Arena in 2010 neu strukturiert. Aus sechs Sitzplatzkategorien wurden zunächst drei, nach Protesten und Anpassungen sind es heute vier. Während die teuerste Sitzplatzkarte heute einen Euro weniger kostet als vor der Umstrukturierung, kostet die günstigste Sitzplatzkarte nun sieben Euro mehr.

Ich selbst sitze beispielsweise im Unterrang der Südkurve. 2009 war mein Sitz ein Platz der vierten Kategorie, die Dauerkarte kostete für die 17 Heimspiele der Bundesliga-Saison 434 Euro. Seit der Neustrukturierung ist dies ein Platz der zweithöchsten Kategorie. Die gleiche Dauerkarte kostete fortan zunächst 602 Euro, ab der Saison 2012/2013 nun 627,50 Euro.

Da selbst Schalke 04 einsah, dass eine Steigerung von 45% auf einen Schlag zu forsch anmuten würde, wurde der neue Preis zunächst nur von „Neukunden“ erhoben. Die Preise der „Altkunden“ wurden über fünf Spielzeiten Stück für Stück angepasst. In meiner Kategorie bedeutete das eine jährliche Erhöhung von ca. 30 Euro. Mit Abbuchung des Preises der Dauerkarten für die kommende Saison Mitte Juni ist die Anpassung an den „Neukundenpreis“ vollzogen. Fortan zahlen auf Schalke alle gleich viel. Sowohl in der höchsten, als auch in der niedrigsten Kategorie übrigens mehr, als Dauerkarten-Inhaber in der abgelaufenen Saison beim FC Bayern München zu zahlen hatten.

Das schlappe Machtwort Clemens Tönnies‘

Clemens Tönnies muss sich am 26. Juni der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 zur Wiederwahl stellen. Entsprechend hätte er die Lage des Clubs gerne ruhig und erfolgreich. Doch dem Trainer weht der Wind hart ins Gesicht und der Sport- und Kommunikationsvorstand ist nur noch auf Abruf im Amt. Schalke drohen schwierige Wochen bis Saisonende. Wochen die Führung verlangen. Aber der neue starke Mann ist noch nicht da. Es ist eine missliche Lage, in die sich Schalke 04 da gebracht hat.

Im jüngsten Schalker Schubidu führten Befindlichkeiten zu Unmut. Horst Heldt monierte, er hätte gehört Christian Heidel habe gesagt, er sei ab dem 16. Mai voll und ganz für Schalke 04 zuständig. Dabei habe er, Horst Heldt, doch einen Vertrag bis 30. Juni, und mit ihm wäre nichts anderes abgesprochen. Christian Heidel hingegen hatte gesagt, dass er seinen Vertrag mit Mainz 05 am 16. Mai auflösen würde. Wann die Übergabe auf Schalke stattfinde, sei noch nicht geklärt. „Kinderkacke“ sagt man hier in der Gegend zu solchen Problemen. Aber die Reaktion Horst Heldts beweist, dass die Nerven blank liegen.

Berechtigt war hingegen die Aufregung um Skys Unverschämtheit gegenüber Trainer André Breitenreiter. Es war also einiges los, auf und um Schalke, und weil Christian Heidel noch nicht da ist, und weil er ja auch sonst gerne redet, fragte die WAZ bei Clemens Tönnies nach. Dass die WAZ Clemens Tönnies‘ Aussagen als „Machtwort“ benannte, darf als nette Geste erachtete werden. Clemens Tönnies sagte nichts Wichtiges. Er konnte nichts Wichtiges sagen. Er ist ohnmächtig gegenüber einem Sport- und Kommunikationsvorstand, dessen Job er ihm eh schon weggenommen hat. Er kann den Trainer nicht schützen, weil das im Verantwortungsbereich Christian Heidels liegt. Und er will gerade jetzt auch nicht als Basta-Boss auftreten, weil das seinen clubinternen Kritikern in die Karten spielen würde.

Entsprechend trudelt Schalke dem Saisonende entgegen. Die Idee eines sauberen Wechsels – Horst Heldt nicht vorzeitig freizustellen sondern seinen Vertrag nicht zu verlängern, einen neuen Mann mit Ablauf des Vorgängervertrags einzusetzen – hatte Charme, ich fand das gut. Mittlerweile zweifle ich.
Ich würde mir wünschen, dass Horst Heldt vor dem Heimspiel gegen Augsburg einen Blumenstrauß und einen warmen Applaus bekommt. Aber eine Woche später, nach dem 34. Spieltag, heute in 27 Tagen, muss natürlich Schluss sein für ihn, auf Schalke. Falls er das nicht versteht, braucht es doch noch ein Basta.