Die beste Abwehr der Liga

14. März 2010, Torsten Wieland

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Der VfB Stuttgart ist ein Spitzenteam der Bundesliga. Ein Spitzenteam zeichnet sich vor allem durch die individuelle Klasse der einzelnen Spieler aus. Kreativität und gute Technik bei hohem Tempo sind deren Merkmale, sind das, was den Unterschied macht. Ein Unterschied, der immer dann zum tragen kommt, wenn die Grundsätzlichkeiten – Einsatzbereitschaft und eine gute Organisation – von beiden Teams geleistet werden. Das Schalke gegen Stuttgart gewonnen hat, lag vor allem an der individuellen Klasse des Manuel Neuer.

Schalkes Defensive ist hochgelobt, durchaus auch zu Recht. Und weil sich Stuttgart auch zu organisieren weiß, fand das Spiel in der ersten Halbzeit vor allem im Raum bis 30 Meter vor den Toren statt. Man schenkte sich nichts, vor allem keine Chancen. Doch dann ging es plötzlich blitzschnell, innerhalb von Minuten kam Stuttgart zu besten Gelegenheiten. Mal Hleb, mal Cacau, Körpertäuschung, Absatzkick, schon standen Pogrebnyak und Kuzmanovic völlig frei vor dem Schalker Tor. Und scheiterten.
Dass der Bundestrainer René Adler zur Nummer 1 erklärte ist mir egal, ebenso die kicker-Bewertungen, bei denen Torhüter, die nicht mindestens fünfmal quer in der Luft liegen, grundsätzlich die Basisnote 3 erhalten. Ich sehe Manuel Neuer einmal wöchentlich über 90 Minuten und er lässt mir immer wieder den Mund offen stehen. Seine Stärke in 1:1 Situationen beeindruckt nicht nur mich sondern offensichtlich auch die gegnerischen Stürmer. Mindestens ebenso beeindruckend ist, in wie vielen Situationen es zu keinen Chance kommt, weil Neuer als letzter Mann, als 11. Feldspieler und nicht nur als Torwart zu agieren weiß. Er ist eine sichere Anspielstation für unter Druck geratene Verteidiger und ein aufmerksamer Verteidiger, der die Angriffszone des Gegners in offenen Spielsituationen um 16 bis 20 Meter verkürzt. Ja, Schalke hat die beste Abwehr der Liga, und Schalkes stellvertretender Kapitän ist dabei der wichtigste Spieler.

Dem 0:0 zur Halbzeit folgte eine aufregende und wohl für jedermann unterhaltsame zweite Hälfte. Jetzt ging es hin und her. Jetzt kam offen zum Ausdruck, dass beide Trainer dieses Spiel gewinnen wollten. Magaths Wechsel, Baumjohann für Matip und Edu für Farfán, waren erfolgreich, nicht nur wegen Edus Abstaubererfolg. Farfán fehlte in der ersten Hälfte weitestgehend die Bindung. Edu brachte mehr Körperkraft ins Spiel, außerdem verliert er nur sehr wenige Bälle. Alexander Baumjohann war der richtige Spieler, um im Mittelfeld gegen aufgerückte Stuttgarter den Raum zu nutzen, weil er Pässe sehr viel präziser spielt als Ivan Rakitic. Rakitic hingegen konnte im defensiven Mittelfeld erneut überzeugen.

Das erste Spiel der „Wochen der Wahrheit“ hat Schalke also erfolgreich hinter sich gebracht. Innerhalb der nächsten 20 Tage folgen weitere 4 Spiele gegen Top-Mannschaften. Wir sollten jedes einzelne genießen, in spätestens 62 Tagen ist diese tolle Saison schon vorbei!

Stark nach hinten raus

11. März 2010, Torsten Wieland

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Der VfB Stuttgart, das sind die mit der starken Rückrunde. Diese Aussage hat das Zeug zum Mythos. Egal mit wem man derzeit über den VfB spricht, der aktuelle Rückrundeaufschwung wird immer wieder mit der Rückrunde der vergangenen Saison und der Meisterschaft 2007 in Zusammenhang gebracht.

39 Punkte, in der Rückrunde der letzten Saison, und 38 Punkte, in der Rückrunde 2007, sind echte Hausnummern. Trotzdem braucht es mehr, damit man sich so was merkt. Eine große Differenz zur in der Hinrunde erreichten Punktzahl zum Beispiel. Eine Abschlussplatzierung oberhalb der Istdochegal-Zone. Und am besten auch noch charismatische Trainerwechsel.

Der treue Markus Babbel brachte den VfB Stuttgart in der letzten Saison von Platz 11 auf Platz 3. Nun hat Christian Gross das Sagen und gleich mal aus 10 Spielen 23 Punkte geholt. Die Hinrunde war mit nur 16 Punkten dramatisch schlecht und gleichzeitig eine Vorlage für einen Rekordbucheintrag: Sollte der VfB mit dem aktuellen „Gross-Schnitt“ weiter machen – und wenn auch nur nach einer Niederlage in Gelsenkirchen, auf die ich inständig hoffe – könnte der Rekord der größten Punktedifferenz von Rückrunde zur Hinrunde eingestellt werden.

Diesen Rekord hält übrigens, rechnet man alle Bundesliga-Spielzeiten nach 3-Punkte-Regel, der SV Waldhof Mannheim. In der Saison 88/89 war man nach der Hinrunde mit nur einem Sieg und 7 Unentschieden Letzter. Unter Trainer Günter Sebert konnte Waldhof in der Rückrunde 9 Siege und 4 Unentschieden einfahren.
 
Die größten Steigerungen nach Punkten Rückrunde zur Hinrunde

 
Die erfolgreichsten Rückrunden nach 3-Punkte-Regel

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18. Oktober 2009, Torsten Wieland

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Fast ein bisschen wie in einem irrealen Versuch: Zwei Mannschaften. Mannschaft A nach einer schlechten Saison, verstärkt durch unerfahrene Jungspunde. Mannschaft B nach einer tollen Saison und nur einem namhaften Abgang, verstärkt durch teure Neuzugänge von internationaler Qualität. A mit Schwierigkeiten im Organisieren des Offensivspiels, weil die jungen Spieler noch nicht so weit sind. B mit dem gleichen Problem, weil die Mannschaft noch nicht zusammengefunden hat. Es entwickelt sich ein relativ ausgeglichenes Spiel. Mannschaft A gewinnt, weil es sich in dieser Konstellation bereits danach angefühlt hat, wohlmöglich weil sich Mannschaft A das Erfolgserlebnis besser vorstellen konnte.

Hellbleu rollt der Ball, durch die Schalker Brille. Fast ist es, als würde jeder Spieler mal auf jeder Position ausprobiert werden. Jeder darf immerwieder mal mitspielen – außer Albert Streit vielleicht. Es war unwahrscheinlich, dass Rakitic von Beginn an spielen würde, und dann war er es, der richtig stand. Kuranyi reichte den Zeitungen in der letzten Woche schon zu Abschiedstexten, nun war er es, der das entscheidende Tor grandios erzielte und danach demonstrativ den Trainer abklatschte. 6 Siege aus 9 Spielen, bei nur 6 Gegentoren und ohne Jermaine Jones, den besten defensiven Mittelfeldspieler der letzten Saison, das ist locker über Soll. Da kann man nur positiv denken, und dann denkt man den Flachschuss eben ins Eck und beim Schuss des Gegners den eigenen Fuß dazwischen.

Während man sich in Stuttgart das Spielen wegdenkt. Das Hleb alles kann ist völlig klar und Progrebnyak hat sicher auch das Zeug dazu, ab und zu mal das Tor zu treffen. Aber dann stimmen die Ergebnisse nicht und plötzlich wird einem bewusst, dass Hleb eben doch ein Jahr lang hauptsächlich auf der Bank saß und nicht per Vertrag zum Helden aufsteigen kann. Plötzlich ist Mustermann Hitzlsperger nurnoch ein Jedermann, und während die Teamchefrakete des letzten Jahres noch um seine Legitimation als Trainer kämpft, wünscht sich manch VfB-Fan den Bayern Babbel schon wieder in den allertiefsten Süden. Plötzlich ist der VfB Stuttgart Mannschaft B.

Schalke ist derzeit so was von A, dass man sich entspannt auf die Spiele gegen den HSV und Leverkusen freuen kann. Gegen beide Unbesiegten sah Schalke in den letzten Jahren daheim schlecht aus, aber was heißt das schon. Bange machen gilt nicht mehr, auf Schalke ist gerade alles irgendwie anders.

Die Unbill, aktuell

20. Juli 2009, Torsten Wieland

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Gab es schon mal eine langweiligere Sommerpause, eine langweiligere Transferphase als diese?

Während Fans langweiligerer Clubs möglicherweise die Frage nicht verstehen wird es sicher auch Schalker geben, die mir von öden Phase anno irgendwann erzählen können. Ich selbst verdränge Langeweile gerne aus meinem Gedächtnis, zuviel Ruhe ist nicht mein Ding. Natürlich bin ich mir der janusköpfigkeit der Sache bewusst. Sicherlich liegt dem Populismus Meister Magaths auch ein Körnchen Wahrheit zu Grunde, wenn er anführt, dass lange „zuviel geredet und zu wenig gearbeitet wurde“, auf Schalke, in unserem Unterhaltungsverein. Und ich will mich ja auch noch nicht beschwerden, Jupp Schnusenberg soll sich bloß nicht zu wieder vermehrter Redseligkeit aufgerufen fühlen. Aber Herr Magath sollte sich zumindest abgewöhnen, Gerüchte mit allzu klaren Statements abzubügeln. Ein bisschen mehr Wischiwaschi, ein bisschen mehr Schalke darf schon sein.

Den Fuji-Cup habe ich mir nicht angeschaut. Nicht aus Prinzip und nicht wegen zuviel Werbung. Tatsächlich kenne ich Leute, die zu dieser Veranstaltung erstmals zu einem Fußballspiel in der Arena auf Schalke waren, die einen schönen Nachmittag hatten und mir begeistert davon erzählten. Überragenden Fußball hatten sie nicht erwartet. Sie haben alles richtig gemacht. Ich hatte gehofft, dass Schalke dieses Mini-Turnier nicht gewinnen würde. Das ist eindrucksvoll geglückt. Alles egal, hätte sich nicht ausgerechnet Schalkes einziger offensiver Mittelfeldspieler, der mehr als 19 Lenze zählt und schon mal ein Bundesligaspiel absolviert hat, derart verletzt, dass Magath zitiert wird, dass das vielleicht ein paar Wochen dauern könne.

Es passiert nicht viel auf Schalke, anderswo geht aber auch nicht gerade die Luzi ab …

Klein Kalle schnippt wie bekloppt in der Klasse des Fußballs, weil er Florentino beim Abschmieren von Popel unter die Bank gesehen hat. Klein Kalles Bank ist selbst arg schmierig, was der ruhige Klaus petzen könnte. Klein Kalle wird wissen, dass Frau Cas ihn nicht ernst nimmt, dass sein Schnippen nur stört. Aber er ist halt gerne laut.

Im Fall Huntelaar erlebt die Bundesliga gerade mal wieder, dass sie das vierte Rad am Dreirad des europäischen Fußballs ist. Stuttgart hat Geld. In der Bundesliga sind die Stadien voll, die Meisterschaften sind relativ spannend. Und doch scheint es, als käme ein freiwilliger Wechsel zum VfB Stuttgart für einen Spieler wie Klaas-Jan Huntelaar wirklich nur dann in Frage, wenn ihn jeder andere Club in Spanien, England oder Italien nicht haben will.

Und Ralf Fährmann hat sich die Hand gebrochen. Als Herr Hoeneß um Manuel Neuer buhlte, galten in Schalker Fankreisen die Tatsachen, dass es eben München sei und dass Fährmann nicht mehr da ist, als die entscheidenden Unmöglichkeiten. Ralf Fährmann schund Eindruck in seinen drei Profispielen als Schalker. Dazu wirkte er sympathisch. Niemand, der ihm seinen Wechsel verübelte, der ihm etwas Schlechtes gönnen würde. Möge er genesen, die Nummer 1 bei der Eintracht werden und somit den Ruhm Lothar Matuschaks weiter mehren.

Alles wenig aufregend. Hartes Brot für den Fußballblogger und Gerneschreiber. Wenn also die Frequenz neuer Beiträge in diesem Blog derzeit nicht allzu hoch ist, liegt es nicht an der Unlust des Autors. Eher wohl an dessen Unfähigkeit, im Gewöhnlichen das Spannende zu sehen. Gerne ließe ich mich aber mit der Nase auf Interessantes stoßen, mich zurechtweisen, mich wachrütteln, eines Besseren belehren; nur zu!
Ich jedenfalls langweile mich gerade.

Nichts als Ärger

14. Mai 2009, Torsten Wieland

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Man weiß, dass es nichts mehr zu gewinnen gibt, man geht ins Stadion und ärgert sich trotzdem.

Über den Gegner, der – bei aller Anerkennung für die Gabe zum schnellen und präzisen Offensivspiel – vor allem das Zeitschinden meisterlich beherrscht. In der zweiten Halbzeit hatte man den Eindruck, dass die ärztlichen Betreuer des VfB die Stuttgarter mit dem höchsten Laufpensum waren, wodurch deren fliederfarbenen Jogginganzüge im 80er-Jahre-Stil zu den heimlichen Stars des Abends mutierten.

Über den Schiedsrichter, der statt der anstehenden sechs nur die üblichen drei Minuten nachspielen ließ.

Vor allem aber über die eigene Mannschaft. Über die peinliche Tatsache, dass es die erfolgreichste Taktik gegen Schalke 04 ist, wenn man die königsblaue Mannschaft sich selbst überlässt.
In dieser scheiß Saison 08/09 hätte Schalke auch ganz ohne Gegner regelmäßig 0:0 gespielt. Weil Halil Altintop auch auf des Gegners Torlinie noch nach hinten ablegt. Weil Orlando Engelaar einen Großteil seiner Spielzeit damit verbringt, den Ball zwischen seinen langen Beinen zu suchen. Weil Ivan Rakitic nur dann ein kreativer Offensivspieler ist, wenn sich alle Akteure zuvor darauf einigen, sich nicht zu hektisch zu bewegen. Weil diese Mannschaft zwar gut stehen und ordentlich kämpfen, aber eben überhaupt nicht spielen kann.
Auch ganz ohne Gegner gewinnt Schalke nur dann 1:0, wenn zumindest eine Schiedsrichter anwesend ist, der – warum auch immer – irgendwann mal einen Freistoß gibt. Fußball geht meines Erachtens irgendwie anders.