Artikel zum Schlagwort ‘VfB Stuttgart’

Verdienter Sieg gegen den VfB Stuttgart

Zum königsblog-Comeback gewinnen die Blauen 3:1 gegen den VfB Stuttgart. Ein sehr verdienter Sieg, bei dem Schalke über 90 Minuten die bessere Mannschaft war, allerdings in der ersten Halbzeit mit passiver Spielweise die Ungeduld des Publikums reizte.

So richtig warm kann ich mit diesem Video-Schiri nicht werden. Da regt man sich auf, denkt, dass das doch sicher ein Foul war, dass es aber albern sei, sich wegen dieses Trittes so lange auf dem Boden zu wälzen. Dann aber war das Wälzen richtig, um der Situation die Zeit abzuverlangen, die der Videomann brauchte, um den Schiedsrichter auf die richtige Bahn zu schicken.

Dass sich Schalke nach der Führung zurückzog und Stuttgart den Ball überließ, empfand ich als naheliegend. Reagierend sah Schalke gegen Leipzig gut aus, agierend hatte Schalke gegen Hannover Probleme.
Dummerweise kam Stuttgart durch einen Glücksschuss zum Ausgleich. Eine wirklich gute Chance konnte sich der VfB in der ersten Halbzeit nicht erspielen. Stuttgart tat sich schwer, Schalke hatte den Gegner im Griff. Doch ob des Treffers in der 40. Minute, und ob des offensichtlichen Anspruchs, jeden Gegner an die Wand nageln zu wollen, wurde die keineswegs schlechte Leistung der Blauen in der ersten Hälfte von großen Teilen des Publikums niedergepfiffen und in den social networks kritisiert und verhöhnt.

Tatsächlich war Schalkes Leistung nach der 3:1 Führung schwächer als während der ersten Hälfte. Unkonzentrierter, weniger konsequent, ließ man einen Schlagabtausch zu. Den Fans war es zu diesem Zeitpunkt aber egal, sie sangen vom Mythos des Schalker Markts, hatten das Spiel abgehakt, nachdem die Blauen so flott nach der Pause das Spiel entschieden hatten.

Ein Sieg des Willens sei es gewesen, wurde nach Abpfiff gesagt. Dabei war Schalke die in allen Belangen reifere Mannschaft. Darauf muss man sich nicht viel einbilden, schließlich ist der VfB Stuttgart Aufsteiger. Aber der Erfolg war, im Gegensatz zum Stuttgarter Ausgleichstreffer, eben nicht zufällig, sondern verdient.

„Team Marktwert“

… oder: Diskussionswürdige Idee, aber chancenlos

Mitte letzter Woche sorgte eine Meldung für Aufsehen: Sechs Bundesligaclubs haben sich zu einer Gruppe formiert, die sich über eine Veränderung in der Verteilung der Gelder aus dem zukünftigen TV-Vertrag beraten will. Dabei soll das Geld nicht mehr nur nach dem Leistungsprinzip verteilt werden. Auch Faktoren wie Beliebtheit und Bekanntheit sollen als Faktoren geltend gemacht werden.

Die Gruppe gab sich den Namen „Team Marktwert“, und da es sich bei den sechs Clubs (Hertha BSC, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen) mehrheitlich um Bundesligisten handelt, die aktuell gegen den Abstieg kämpfen, waren die Häme-Kübel der social networks flott gefüllt. Diese Clubs suchten nach Geld, weil sie sportlich nichts mehr auf die Reihe bekämen, hieß es. Man hätte sich stattdessen lieber „Team Misswirtschaft“ nennen sollen. Diskutiert, oder auch nur auf die Pressemittelung der Clubs eingegangen, wurde kaum. Selbst ein Text bei Spiegel Online kommt zu einer Bewertung dieser Clubs als sportlich zu schlecht, ohne sich die Mühe zu machen auf Argumente für eine neue Gelderverteilung einzugehen. Schade, denn ein Blick darauf lohnt, meines Erachtens.
 
 
Was will „Team Marktwert“?

Die Gruppe will den Kriterien zur Verteilung der TV-Gelder eine dritte Komponente zufügen. Bislang werden zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Betrags gleichmäßig an die Clubs verteilt, ein Drittel wird auf Grund sportlicher Ergebnisse zugewiesen. Dem Namen entsprechend möchte „Team Marktwert“ zukünftig eine Wertung einbeziehen, in der dargestellt wird, welcher Club wieviel Anteil am Wert der Bundesliga hat. Wie genau diese Wertigkeit festgestellt werden soll, dazu wird man noch nicht konkret. Es wird aufgeführt, dass diese aus „objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“ errechnet werden könnte. Die Gruppe versteht sich als nun startendes Projekt. Ausdrücklich werden andere Clubs – auch Zweitligisten – eingeladen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Weiterhin weist die Gruppe darauf hin, dass es in „allen großen internationalen Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande)“ ähnliche Verteilungsmodelle gäbe, bei denen 25 bis 30 Prozent der Medienerlöse nach Marktwert-Kriterien ausgeschüttet würden.
 
 
Was man dagegen haben kann

Wer bislang gegen das Vorhaben des „Team Markwert“ argumentierte führte vor allem an, dass sportlichen Ergebnisse bei der Gelderverteilung weniger gewichtet würden. Auch Schalkes zukünftiger Manager Christian Heidel, ein stets meinungsstarker Mann, brachte sich als Gegner des „Team Marktwert“ in Position. Er würde Leistung lieber höher bewerten. Bei den Ideen der Gruppe würde man sich auf Tradition berufen, die 50 Jahre zurückliege, aber nichts mit der Leistung der Clubs heute zu tun habe. In der Berliner Morgenpost sieht Journalist Uwe Bremer das Vorhaben des „Team Marktwert“ als einen Schritt zur Bundesliga als geschlossene Gesellschaft. Die Pläne zielten gegen das Verständnis von Sport und würden den „Kleinen“ das Aufsteigen erschweren.
 
 
Wieso ich den Ansatz des „Team Marktwert“ für bedenkenswert halte

Zunächst ist festzuhalten: Das Wort „Tradition“ kommt in der Mitteilung des „Team Marktwert“ nicht vor. Um die von der Gruppe genannten Kriterien einfließen zu lassen braucht es handfeste Kennzahlen. Diese zu verhandeln, festzulegen, und zu vermitteln ist die zukünftige Aufgabe der Gruppe. Es muss gewährleistet sein, dass Clubs ihre Kennzahlen verbessern können.

Grundsätzlich halte ich es keineswegs für irgendwie unfair, dass Clubs, die einen größeren Teil zur Attraktivität der Liga beitragen, davon auch monetär profitieren. TV-Gelder sind kein ausgelobtes Preisgeld einer neutralen Instanz. TV-Gelder werden bezahlt, weil sich die Rechte gut weiterverkaufen lassen, weil Zuschauer dafür bezahlen.

Meines Erachtens wird die Liga aber beständig unattraktiver. Clubs mit weniger Fananhang, die weniger Zuschauerinteresse generieren, deren Storys weniger Zeitungen verkaufen und weniger Klicks generieren, lösen Clubs ab, die für eine „bunte Liga“ sorgen. Das liegt keineswegs ausschließlich an guter Arbeit hier und schlechter Arbeit dort. Bei den „Werksclubs“ aus Leverkusen und Wolfsburg, sowie bei Clubs wie Hoffenheim und Leipzig versagte die Politik der Liga in Form der 50+1 Regelung, die sich, wenn es hart auf hart kommt, rechtlich nicht durchsetzen lässt.

Sind wir doch mal ehrlich: Würde die TSG Hoffenheim ausschließlich für ihren Anteil an der Attraktivität der Liga entlohnt, bekäme sie von den TV-Geldern wohl gar nichts ab. Aber die von „Team Marktwert“ vorgeschlagenen Kriterien sollen das Leistungsprinzip nicht ablösen. Sie sollen als zusätzliche Faktoren dazukommen. Wieso dies zu einer „geschlosseneren“ Bundesliga als heute führen sollte, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Will man das Auf und Ab zwischen den beiden Profiligen fördern, muss man das Gefälle zwischen den beiden Ligen reduzieren und vielleicht die Relegation abschaffen. Das sind vollkommen andere Ansätze. Bislang ist nichts davon bekannt, dass das „Team Marktwert“ der zweiten Liga weniger Geld zukommen lassen will. Man will das Geld lediglich anders verteilen – auch im Liga-Unterhaus.

Meines Erachtens kann der Ansatz des „Team Marktwert“ für den deutschen Profifußball ein Instrument sein, auf rechtlich einwandfreiem Weg und transparent die für ein großes Publikum interessanten Clubs zu unterstützen und damit die Attraktivität der Liga bestmöglich zu bewahren.
 
 
Warum „Team Marktwert“ aber meines Erachtens keine Chance hat

Natürlich vertritt jeder Club seine eigenen Interessen. Solidarität gibt es in den Profiligen nur, solange dabei alle Geld verdienen. Es muss das Ziel von „Team Marktwert“ sein, auch die sportlich erfolgreichen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 von ihren Ideen zu überzeugen. Es ist aktuell aber davon auszugehen, dass diese Clubs mehr Geld bekommen, wenn es bei der stärkeren Gewichtung von sportlichen Erfolgen bliebe. Insofern fällt es Christian Heidel auch mit Blick auf seinen zukünftigen Job leicht, die Ideen des „Team Marktwert“ zu kritisieren. Den für alle gleichen Sockelbetrag zu reduzieren würde erst recht viele kleinere Clubs zu Widerstand aufrufen. Mir erscheint es fast unmöglich, dass der am Ende stehende Vorschlag des „Team Marktwert“ so vielen Clubs Vorteile gegenüber der aktuellen Regelung beschert, dass er Mehrheitsfähig sein kann.

Bedenkenswert ist er aber allemal. Diskussionswürdig sowieso.



Dieser Text wurde erstmals gestern bei Westline veröffentlicht. Weitere lesenswerte Blogtexte zum Thema „Team Marktwert“ wurden von Axel Goldmann und Andreas Riedl verfasst:

Der vierte Offizielle: Team Marktwert
Rosenau Gazette: Warum Team Marktwert nicht zu Ende denkt


Glücklicher Punktgewinn gegen Stuttgart

Erneut lässt Schalke in einem Heimspiel punkte liegen, nachdem zuvor die Konkurrenz um die internationalen Plätze strauchelte. 1:1 endete Schalkes Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Am Ende musste man damit gar zufrieden sein, die Gäste hatten mehr investiert und waren näher am Sieg als die Blauen.

Nur die Anfangsphase war so, wie man es sich als Fan des FC Schalke vorstellt. Da bestimmte man das Tempo des Spiels, da hatte man den Ball, spielte gen Tor und kontrollierte den Gegner. Younes Belhanda agierte wie ein echter 10er, spielte ein paar schöne, öffnende Pässe und erzielte dieses hübsche Kopfballtor aus 15 Metern. Nicht lange nach der Führung war es mit Schalkes Dominanz allerdings vorbei. Der Rest der ersten Halbzeit war so, wie sich neutrale Zuschauer ein Spiel vorstellen. Zwei Mannschaften die nach vorne spielen, zwei Defensivreihen mit Problemen. Und die zweite Halbzeit war dann so, wie sich Fans des VfB Stuttgart ein Spiel vorstellen dürften.

Ja, auch Schalke hatte in dieser zweiten Hälfte noch gute Chancen. Aber die bessere Mannschaft war nun der VfB. Am Ende standen 13:4 Ecken für die Gäste zu Buche, und da Schalke beim Verteidigen von Flanken immer wieder Probleme hat, war es folgerichtig eine dieser Ecken, die den Ausgleich brachte.
Es war durchaus beeindruckend, mit welchem Selbstbewusstsein Stuttgart agierte. Ob dessen fehlte mir plötzlich der Blick für Schalkes Unzulänglichkeiten, eher bibberte ich mit der Abwehr um die Verteidigung des Vorsprungs. Letztlich vergeblich.

Dieses Spiel derart aus der Hand zu geben ist besonders schade wenn man bedenkt, dass die Ergebnisse des Spieltags für Schalke eigentlich recht gut ausfielen. Mit einem Sieg wäre man auf Rang 4 vorgerückt, punktgleich mit Hertha BSC auf Platz 3. So bleibt es bei 7 Punkten aus 5 Spielen der Rückrunde. Eher ernüchternd, wenn man bedenkt, dass der Spielplan zu Beginn die eher leichteren Gegner vorsieht, dass die formell wirklich starken Gegner erst an den Spieltagen 26 bis 30 anstehen. Bei allem Respekt: Will man bis zum Ende der Saison um einen der Champions League-Plätze mitspielen, sollte man aus Heimspielen gegen Bremen und Stuttgart tunlichst mehr als einen Punkt holen.

Aber das Spiel gegen Stuttgart war ja erst das zweite Schalke-Ereignis am gestrigen Sonntag. Zuvor beschloss der Aufsichtsrat, das Christian Heidel ab Sommer den Vorstandsposten für Sport und Kommunikation übernehmen wird. Dieses Thema wird hier in einem gesonderten Beitrag besprochen.



Foto: Tomek Bo

Alles schön auf Schalke – Nur der Fußball stört

Kurz vor Schluss gewinnt Schalke sein Heimspiel gegen den VfB Stuttgart doch noch mit 3:2. Jubel brandet auf, danke, bitte, Abpfiff. Zuvor saß ich mal wieder lange Zeit auf meinem Platz, schaute ins sonnige, so schön anzuschauende blau-weiße Rund und fragte mich, wie Schalke 04 es schafft, mit solch langweiligem Gekicke das Stadion immer und immer wieder voll zu bekommen. Letztlich kam ich drauf. Wir gehen nicht wegen, sondern trotz des Fußballs auf Schalke!

Wir gehen ins Stadion, weil die immer gleiche Abfolge des Drumherum einem fast religiösen Ritus folgt. Wir gehen, weil wir dort Freunde treffen. Um zu quatschen, um zu trinken. Ich gehe immer wieder gerne zusammen mit meinem Sohn, weil Schalke „unser Ding“ ist. Vor mir sitzt einer, der geht auch deshalb, weil er dort rauchen kann; daheim glaubt die Frau, er rauche seit Jahren nicht mehr – wenigstens tut sie so.

Wir feiern gerne, und wenn Schalke mal wieder schlecht spielt, feiern wir uns eben selbst, oder schöne Erinnerungen. Es ist eher selten, dass wirklich das ganze Stadion gemeinsam die Mannschaft anfeuert. Wird aber der „Mythos“ besungen, oder der Weg zum UEFA-Cup-Sieg, da singen alle mit! Gegen Stuttgart griff sogar das Lied von den „unter Brücken schlafenden, asozialen Schalkern“ auf die anderen Tribünen über. Das beginnt mit „Wir sind Schalker“, und darum geht’s vor allem. Wir besingen, feiern und mögen was wir sind, nicht was wir sehen.

Denn gesehen haben wir mal wieder über weite Strecken des Spiels kaum was. Träger Spielaufbau, Pässe ins nichts, schlecht aufeinander abgestimmte Mannschaftsteile. Man hätte nicht erwarten können, dass Schalke Glanzfußball zeige, man hätte eine „unglaubliche Moral aufgebracht“, gab Benedikt Höwedes später zu Protokoll. Liest man sowas, ohne eine Ahnung um die Situation, könnte man glauben, da spräche ein Spieler eines unterklassigen Clubs nach einem Pokalfight gegen einen Bundesligisten. Aber so dramatisch wars nicht. Schalke zeigte sich auf Augenhöhe mit dem aktuellen Tabellenletzten – und tatsächlich hatte schon zuvor auch kaum jemand an mehr geglaubt.

Immer mehr Schalker stört dieser Fußball. Meine beste Freundin, im Stadion neben mir und seit Arena-Eröffnung auf diesem Platz sitzend, wird ihre Dauerkarte am Saisonende abgeben. Eine von vielen, man hört es immer wieder. Andere werden kommen und hoffentlich auch keinen guten Fußball erwarten. Echte Schalker sind sie, wenn sie es halten wie wir, die bleiben: Das Geschehen auf dem Platz, mit der guten Hoffnung auf einige Highlights, vor sich hin plätschern lassen, und derweil sich selbst am richtigen Ort genügen. Mit einem fröhlichen Glückauf auf den Lippen.



Foto: Ute Lochner, vfbegeisterung.de

Ein Sieg wie auf Schienen

Schalke gewinnt in Stuttgart auch in der Höhe verdient mit 4:0 und agiert dabei über 90 Minuten souverän. Nach drei Bundesligasiegen in Folge stehen die Blauen nun wieder Punktgleich mit Leverkusen und Mönchengladbach an der Schwelle zu den Champions League-Plätzen.

Dreimal trat Roberto Di Matteos Mannschaft in der Bundesliga nun in der Formation an, die bei Ballbesitz eine 3er- und in Abwehrsituationen eine 5er-Abwehrkette auf den Platz bringt. Alle drei Spiele wurden gewonnen. Alle drei Siege waren verdient. Obwohl diese Formation eigentlich vor allem die Defensive stärkt, wurde sie offensiv interpretiert und Schalke erzielte in den drei Begegnungen 11 Tore.

Der VfB Stuttgart hatte gegen Schalke in dieser Formation nie eine Chance. Schalkes führte nach 10 Minuten mit 2:0 und stand defensiv so stabil wie man es lange nicht gesehen hat. Die 5er-Kette bei gegnerischem Ballbesitz lässt wenige Lücken. Sie macht Christian Fuchs zu einem sehr wertvollen Spieler, weil sich dieser der Nähe seiner Nebenleute sicher sein und seine Offensivqualitäten entsprechend befreit einbringen kann. Fuchs ist das Plus, dass diese Formation mit sich bringt. Und aus der defensiven Stabilität heraus darf man die Offensive bewundern.

Eric Maxim Choupo-Moting hat im Flügelstürmer-System auf der linken Seite auch gut gespielt. Als direkter Nebenmann von Klaas-Jan Huntelaar agiert er aber herausragend. Mit ihm zentral hat Schalke gleich zwei Stürmer, die vorne anspielbar und gefährlich sind. Zwei Stürmer, auf welche die gegnerische Verteidigung zu achten hat. Beide komplett auszuschalten ist eine kaum lösbare Aufgabe.
Und Schalke hat Spieler, die diese Stürmer bedienen können. Max Meyer bot erneut ein ordentliches Spiel und erzielte einen – wie ich finde – überragenden Treffer. Aber noch „bedienender“ war eben Tranquillo Barnetta, der nach ungefähr zweieinhalb Jahren sein bestes Spiel für Königsblau ablieferte und gleich drei Treffer vorbereitete.

Ja, es war „nur Stuttgart“. Aber man merkt, dass diese Formation die Mannschaft geeignet unterstützt. Die defensiven Schwächen auf Außen werden kaschiert, das Offensivpotenzial der Außenverteidiger wird gefördert, die Stärken der Doppelspitze Choupo-Moting / Huntelaar kommen zur Geltung. Dies gilt es zu nutzen, bis sich die Gegner darauf einstellen. Dann ist es an Roberto Di Matteo, sich was Neues einfallen zu lassen.

Ma’kucken, wohin dies die Blauen führt.

Bedenken aus Erfahrung

Am Ende einer Saison läuft Schalke „auf der letzten Rille“, wird es immer nochmal spannend, verliert man in Stuttgart. Ohne Drama ist Schalke nicht denkbar. Obwohl der FC Schalke 04 der Neuzeit ein überaus erfolgreicher Bundesligaclub ist, käme man doch nie auf die Idee, ihn als „souverän“ zu bezeichnen. Das sind keine Vorurteile, sondern Erfahrungswerte. In der Schlussphase der Saison fällt Schalkes Punkteschnitt deutlich ab.

Für mich beginnt die „Neuzeit“ mit der Saison 2000/2001. Eben mit dem bis heute nachhallenden, tragischen Ende einer insgesamt großartigen Saison. Mit dem Abschied aus dem Parkstadion und den Bezug der Arena. Seit dieser Saison und bis heute haben 8 Clubs stets in der ersten Liga gespielt: Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, der VfL Wolfsburg und Schalke 04. In diesem Zeitraum war Schalke nach Punkten, hinter Bayern München und Borussia Dortmund, der drittbeste Club. Betrachtet man allerdings ausschließlich die letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten, holte lediglich der Hamburger SV noch weniger Punkte als Schalke 04.

Mit Beginn der Saison 2000/2001 und bis heute haben die genannten Clubs jeweils 473 Bundesligaspiele bestritten. Schalkes Schnitt liegt bei 1,71 Punkten pro Spiel. Nur auf die jeweils letzten 4 Spieltage der einzelnen Spielzeiten bezogen fällt der Schalker Punkteschnitt auf 1,40. Das ist die größte Verschlechterung aller 8 Dauerbundesligisten in dieser Zeit.

Der Punkteschnitt des HSV an den letzten 4 Spieltagen liegt bei 1,21 Punkten. Allerdings kommen die Hamburger auch insgesamt nur auf einen Wert von 1,42. Die Werte aller sechs anderen genannten Clubs steigen an den letzten 4 Spieltagen, zu lasten der nicht dauerhaft in der ersten Liga verbliebenen Clubs; und eben zu Lasten des HSV und Schalkes. Fast wie zu erwarten steigert sich der Schnitt Bayern Münchens am deutlichsten, vom ehedem besten Gesamtschnitt (2,13) auf einen noch besseren Schnitt in der Saisonschlussphase (2,36).

In der Balkengrafik oben sind Schalkes erreichte Punkte an den jeweils letzten 4 Spieltagen seit 2001 dargestellt. Tröstlich ist, dass es natürlich stets nur um das Erreichen eines bestimmten Zieles geht, und dass dazu kaum die volle Punktzahl aus diesen Spielen benötigt wird. Wie gesagt, der FC Schalke 04 der Neuzeit ist ein erfolgreicher Club, fast immer international vertreten. Der Unterschied des Punkteschnitts der Schlussphase im Vergleich zur Gesamtsaison ist dennoch bemerkenswert und durchaus ein Argument, vielleicht ein Grund, für die allerorts anzufindenden, knusseligen Schalker Dauerpessimisten; auch wenn mir das nicht gefällt.

Hilflos in Stuttgart

Schalke 04 verliert in Stuttgart mit 3:1. Eine verdiente Niederlage, die Blauen kamen gegen gut eingestellte Stuttgarter lange Zeit überhaupt nicht zurecht.

Die Gegentore sind flott erklärt. Beim Freistoß in der 23. Minute zögerte Ralf Fährmann. Als er sich zum Rauskommen entschloss, war es bereits zu spät. Das Ding ging auf seine Kappe. In der 54. Minute ließ Chinedu Obasi seinem Gegenspieler Traoré zuviel Zeit zum Flanken, obendrein vergas Tim Hoogland, hinter seinem Rücken nach Cacau zu schauen. In der 59. assistierten mit Leon Goretzka, Tim Hoogland und Kaan Ayhan gleich drei Schalker durch vornehme Zurückhaltung den dritten Stuttgarter Treffer.

Aber vielleicht wäre es soweit gar nicht gekommen, wäre Schalke durchschlagskräftiger gewesen. 20 Minuten stand Schalkes Defensive ordentlich, hatte Schalke den Ball gut unter Kontrolle, kamen die Kurzpässe in der Regel auch an. Alleine es führte zu nichts.

Ohne den gesperrten Julian Draxler und den kranken Jefferson Farfán blieben Schalkes Flügel lahm. Chinedu Obasi hatte einen schwachen Tag, verlor viele Bälle und brachte offensiv nichts zustande. Leon Goretzka machte individuell eigentlich ein ordentliches Spiel, wirkte außen aber verloren. Das Zusammenspiel mit Tim Hoogland funktionierte nicht gut und in die Mitte traute er sich nicht häufig genug; oder er durfte das nicht, man weiß es nicht.

Ohne schlagkräftige Flügel richtete sich der Blick ins Zentrum, aber hier hatte Huub Stevens vorgesorgt. Max Meyer wurde von Carlos Gruezo komplett aus dem Spiel genommen. Roman Neustädter und Prince wurden durch Stuttgarts Pressing ausreichend beschäftigt, um nicht häufig genug nachrücken zu können. Also eilte immer wieder Klaas-Jan Huntelaar zu Hilfe, das Defizit 30 Meter vor dem Tor zu beheben, weshalb er als Anspielstation fehlte.

Die Entscheidung, das Zentrum zu verstärken, traf Jens Keller erst nach dem zweiten Gegentor. Zu spät. Auch wenn noch der Anschlusstreffer gelang, auch wenn es vielleicht nochmal richtig spannend hätte werden können, wenn der Schiedsrichterassistent Adam Szalais zweiten Treffer nicht zurückgewunken hätte: Schalke hat dieses Spiel in den ersten 60 Minuten auf Grund seiner Hilflosigkeit verdient verloren.

Nun sind’s noch 3 Spiele, und Schalke braucht immer noch 6 Punkte.