Artikel zum Schlagwort ‘VfB Stuttgart’

Hilflos in Stuttgart

Schalke 04 verliert in Stuttgart mit 3:1. Eine verdiente Niederlage, die Blauen kamen gegen gut eingestellte Stuttgarter lange Zeit überhaupt nicht zurecht.

Die Gegentore sind flott erklärt. Beim Freistoß in der 23. Minute zögerte Ralf Fährmann. Als er sich zum Rauskommen entschloss, war es bereits zu spät. Das Ding ging auf seine Kappe. In der 54. Minute ließ Chinedu Obasi seinem Gegenspieler Traoré zuviel Zeit zum Flanken, obendrein vergas Tim Hoogland, hinter seinem Rücken nach Cacau zu schauen. In der 59. assistierten mit Leon Goretzka, Tim Hoogland und Kaan Ayhan gleich drei Schalker durch vornehme Zurückhaltung den dritten Stuttgarter Treffer.

Aber vielleicht wäre es soweit gar nicht gekommen, wäre Schalke durchschlagskräftiger gewesen. 20 Minuten stand Schalkes Defensive ordentlich, hatte Schalke den Ball gut unter Kontrolle, kamen die Kurzpässe in der Regel auch an. Alleine es führte zu nichts.

Ohne den gesperrten Julian Draxler und den kranken Jefferson Farfán blieben Schalkes Flügel lahm. Chinedu Obasi hatte einen schwachen Tag, verlor viele Bälle und brachte offensiv nichts zustande. Leon Goretzka machte individuell eigentlich ein ordentliches Spiel, wirkte außen aber verloren. Das Zusammenspiel mit Tim Hoogland funktionierte nicht gut und in die Mitte traute er sich nicht häufig genug; oder er durfte das nicht, man weiß es nicht.

Ohne schlagkräftige Flügel richtete sich der Blick ins Zentrum, aber hier hatte Huub Stevens vorgesorgt. Max Meyer wurde von Carlos Gruezo komplett aus dem Spiel genommen. Roman Neustädter und Prince wurden durch Stuttgarts Pressing ausreichend beschäftigt, um nicht häufig genug nachrücken zu können. Also eilte immer wieder Klaas-Jan Huntelaar zu Hilfe, das Defizit 30 Meter vor dem Tor zu beheben, weshalb er als Anspielstation fehlte.

Die Entscheidung, das Zentrum zu verstärken, traf Jens Keller erst nach dem zweiten Gegentor. Zu spät. Auch wenn noch der Anschlusstreffer gelang, auch wenn es vielleicht nochmal richtig spannend hätte werden können, wenn der Schiedsrichterassistent Adam Szalais zweiten Treffer nicht zurückgewunken hätte: Schalke hat dieses Spiel in den ersten 60 Minuten auf Grund seiner Hilflosigkeit verdient verloren.

Nun sind’s noch 3 Spiele, und Schalke braucht immer noch 6 Punkte.

Mit sauberem Spiel: 3 Törchen zum 1. Advent

Schalke 04 zeigt eine der besten Leistungen der bisherigen Saison und gewinnt gegen den VfB Stuttgart mit 3:0. Es war ein idealer Auftakt in schwierige 16 Tage und ein Spiel, das Hoffnung machte.

Beginnen wir mit der Relativierung: Der VfB Stuttgart war kein allzu starker Gegner. Offensiv hatten sie nichts zu bieten und auch defensiv waren sie nicht besonders gut organisiert. Vor allem die Offensivspieler arbeiteten schlecht nach hinten und ließen ihre defensiven Kollegen alleine mit Schalkes Druck.

Schön und überhaupt nicht zu relativieren war, dass Schalkes Druck auch da war.

Vor allem der Spielaufbau unterschied sich zu vielen Spielen der Blauen in der bisherigen Saison. Statt den Gegner mit unendlich erscheinendem Hin- und Herpassen einschläfern zu wollen, wurde gegen Stuttgart schnellstmöglich der Pass nach vorne gesucht. Vor allem Joel Matip machte das Spiel immer wieder flott. Er hatte viele Anspielstationen. Neben den „normalen Passempfängern“ Jermaine Jones und Roman Neustädter rannten diesmal auch Julian Draxler und Jefferson Farfan nicht nach vorne weg, sondern blieben 10 Meter hinter der Mittellinie anspielbar. Schalkes Spiel und das Tempo dabei überforderte Stuttgart, Schalke kam regelmäßig sehr zügig mit Ball in des Gegners Hälfte.

Dort vorne gab es die Flügelüberladungen, die man von Schalke kennt. Prince ist derzeit nicht so dominant wie er es zu Beginn seines Engagements auf Schalke war, die für das Passspiel wichtigen, sicheren Füße hat er trotzdem noch. Ist der Ball erst mal im Angriffsdrittel, kann Schalke die individuelle Klasse seiner Offensivspieler zur Geltung bringen. Gemessen an der Anzahl von guten Situationen, im Bereich von 25 bis 35 Metern vor dem gegnerischen Tor, konnte Schalke eigentlich noch zu wenig klare Torchancen erspielen. Das lag allerdings auch an Adam Szalai, der einen wirklich ganz schwachen Tag erwischte; dem irgendwie alles misslang, der irgendwie „falsch lief“, der passte wenn er hätte abschließen sollen und der irgendwohin schoss, wenn ein Pass angesagt gewesen wäre.

Jefferson Farfán war mit seinen zwei Treffern der offizielle Held des Spiels. Jens Keller hob in der Pressekonferenz die Leistung Jermaine Jones‘ hervor. Die gab es tatsächlich, und eben nicht nur als Defensivzerstörer, sondern auch im Spielaufbau und als Verbinder zur Offensive, am Ende gar als Torschütze. Allerdings gerade sein Bock hätte diesem Spiel einen ganz anderen Verlauf geben können, als er in der 30. Minuten in der Vorwärtsbewegung des Ball verlor, als Schalkes Defensive blank stand und Ralf Fährmann nur mit viel Glück nicht hinter sich greifen musste.

Insgesamt zeigte sich Ralf Fährmann souverän, wurde allerdings auch wenig gefordert. Roman Neustädter agierte neben Jermaine Jones vergleichsweise unauffällig aber sehr effektiv, beide agierten auf sehr weiten Wegen und hatten den „zentralen Flur“ zwischen den Strafräumen vollkommen unter Kontrolle.

Schalke funktionierte. Ein Spiel, nachdem niemand erzählen muss, dass Schalke ja ganz toll gewesen sei, weil man achtzigoderirgendwasprozent Ballbesitz hatte. Diesmal war der Rückpass die Ausnahme. Diesmal wurde der Rückraum nicht „geduldig“ sondern angenehm ungeduldig, mit wenigen Pässen überbrückt. Tatsächlich hatte laut Statistik der VfB Stuttgart am Ende mehr Ballbesitz; und trotzdem war doch, für jedermann ersichtlich, Schalke die klar bessere Mannschaft.

Die kommenden Gegner in dieser Woche werden stärker sein als Stuttgart. Hoffenheim zumindest offensiv, Gladbach insgesamt. Ralf Fährmann wird Gelegenheit bekommen, sich auszuzeichnen, Jermaine Jones wird das Trainerlob bestätigen müssen. Überhaupt muss diese Mannschaft so funktionieren, wie sie gegen den VfB auf dem Platz stand, denn Jens Keller fehlt es an Alternativen, ein übler Nachteil bei einem derart engen und (vor-)entscheidenden Programm. Das Spiel gegen Stuttgart machte Hoffnung. Zu Hoffen tut aber weiterhin not.

Mit VfB und SVW läuft was schief, S04 wär‘ mal wieder dran

In 04 Tagen veröffentlicht die DFL den Spielplan zur 51. Bundesligasaison. Die Veröffentlichung wird Vorfreude schüren. Je nach Programm für den Club des Herzens wird man über einen vermeintlich schweren oder leichten Start debattieren. Man wird überlegen, ob der dann feststehende Gegner dem eigenen Club ein besonders schweres oder „machbares“ Finale beschert. Ich jedenfalls schaue zu allererst auf die Begegnungen am ersten und am letzten Spieltag. Für beide erhoffe ich mir Heimspiele, meiner Ungeduld zu Saisonbeginn und des statistischen Vorteils im letzten Spiel wegen.

Schaut man sich die bisherigen Bundesliga-Spielpläne an ist festzustellen, dass die Verantwortlichen die meisten Clubs* mit einer gerechten Quote an Heimvorteilen für eben diese ersten und letzten Spiele bedenkt: Außer den VfB Stuttgart und Werder Bremen.
 

 
Auch wenn Schalke 04 bislang insgesamt exakt mit einer 50% Quote bedacht wurde, fühlt sich die Forderung nach Auftakt- und Final-Heimspielen für die kommende Saison gerechtfertigt an. Die Serie würde sonst doch zu lang …
 




*: In der Tabelle sind nur die aktuellen Erstligisten aufgeführt. Auch unter den hier nicht aufgeführten Clubs gibt es keine, die bei angemessener Anzahl an Bundesliga-Jahren die Quoten von Stuttgart und Bremen über- bzw. untertreffen.

Schalke sorgt für schlechte Gefühle

Mein Gefühl ist gut. Aber ich stehe nicht auf dem Platz, das ist schade. Da stehen wieder andere, so viele unterschiedliche Charaktere. Aber das ist auch das Schöne am Fußball, dass man nicht immer weiß, wo’s langgeht.

… meinte Huub Stevens bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Stuttgart. Vielleicht hat’s zu viele nicht so gute Charaktere in der Mannschaft, vielleicht einige zu schwierige, vielleicht gab es aber auch nur zu wenige Ideen, wie man gegen Stuttgart hätte zu Rande kommen können. Jedenfalls ging das Spiel am Ende völlig verdient mit 1:3 verloren, und hätte Huub Stevens geahnt, wo es lang gehen würde, sein Gefühl wäre schlecht gewesen.

Die erste Halbzeit war kurios. 10 Minuten sah es aus als würde Stuttgart die Blauen überrollen. Danach war Schalke die klar bessere Mannschaft. Zur Halbzeit lag man trotzdem mit 1:2 zurück.

Dass Schalke mit einem 4-4-2-System begann war neu und interessant. Dummerweise führte die Tatsache, dass dabei die Außenverteidiger deutlich offensiver agierten, schon nach 2 Minuten zum Gegentor. Als sich Atsuto Uchida noch auf dem Rückweg vom Stuttgarter Strafraum befand, sahen sich vier Stuttgarter einer unterzähligen Schalker Abwehr gegenüber und hatten leichtes Spiel. Das zweite Gegentor fiel ebenso selbstgemacht. Direkt vor dem Tor, auf der Innenverteigerpositon, wusste sich der Außenverteidiger Christian Fuchs nicht ausreichend gut anzustellen.
Dazwischen und danach, bis zur Halbzeit, spielte Schalke ordentlichen Fußball. Schalke wirkte selbstbewusst und ballsicher, suchte den Weg nach vorne, hatte mehr Ballbesitz und kam zu einigen Chancen. Maricas Tor wurde von Jermaine Jones toll vorbereitet, mit Links, exakt auf des Stürmers Fuß. Und trotzdem stellte sich in dieser Halbzeit bereits die Frage, ob das alles so richtig sein kann, dass das Schalker Spielsystem immer wieder Jermaine Jones in die gestalterische Position spülte, während Lewis Holtbys nachhaltigste Szene darin bestand, einen Fuchs-Freistoß aus aussichtsreicher Position durch ein verfrühtes Vorlegen des Balles zu verhunzen.

Über den Schalker Auftritt in der zweiten Halbzeit lässt sich nichts Gutes mehr schreiben. Vielleicht sollte das Angreifen mit allen Mannen Wille oder gar Charakter demonstrieren (vgl. Zitat oben). Bereits nach 16 Minuten lies es aber den eigenen Torwart alleine drei Stuttgartern gegenüberstehen, und das Spiel war gelaufen. Kein vernünftig zu Ende gespielter Angriff, keine echte Torchance folgte mehr. Zwei, meines Erachtens korrekte, rote Karten brachten Emotionen ins Spiel. Das konnte aber nicht über die Hilflosigkeit der Schalker gegen die solide verteidigenden Stuttgarter hinwegtäuschen.

In den letzten sieben Pflichtspielen hat Schalke nie mehr als ein Tor erzielt (6:11 Tore in diesen Spielen). Seit fünf Spielen ist Schalke nun ohne Sieg. Nach oben sind es weiterhin nur zwei Punkte bis Platz 3, dem erklärten Saisonziel, nach unten sind es aber ebenso nur zwei Punkte bis Platz 9. Das Juppeidie des Saisonstarts und des Derbysiegs ist längst verflogen. Weder hatte Schalke zuletzt ach so viel Pech, noch lag es nur an fehlender Kraft. Schalke spielte einfach mehrfach hintereinander wirklich schlecht. Bleibt nur auf Farfán, Papadopoulos und vor allem Afellay in den Spielen gegen Freiburg und Mainz zu hoffen. Und auf Glück. Auch wenn Huub Stevens natürlich was anderes sagen muss, das Gefühl ist derzeit alles andere als gut.

Jens Keller

Eine entsprechende Meldung des Vereins steht bislang aus, aber zwei Webseiten berichten von einem Engagement Jens Kellers beim FC Schalke 04. Jens Keller war zuletzt im Herbst 2010 Trainer des VfB Stuttgart.

Die Webseite der österreichischen Tageszeitung Kurier berichtet, Jens Keller habe als Scout der Schalker am Wochenende das 18-Jährige Admira Wien-Talent Marcel Sabitzer beobachtet. Bereits Anfang des Monats schrieb Oliver Griss bei dieblaue24.de, einem Internet-Portal zu 1860 München, dass Jens Keller als Nachwuchstrainer der Löwen nicht mehr infrage käme, da er „als neuer U17-Trainer auf Schalke zugesagt“ habe.

Seinen ersten Trainerjob erhielt Jens Keller unter der Sportdirektorenschaft Horst Heldts beim VfB Stuttgart, als er 2008 die U19 der Schwaben übernahm. Im Dezember 2009 wurde er Co-Trainer unter dem neuen Cheftrainer Christian Gross. Nach dessen Entlassung übernahm Keller die Mannschaft. In seinem ersten Spiel als Bundesligatrainer holte Keller ein 2:2 auf Schalke. Das machte ihn von einer kurz- zu einer mittelfristigen Lösung. Als solche hielt er sich 9 Spieltage. Er wurde freigestellt, als der neue Stuttgarter Sportdirektor Fredi Bobic kurz vor der Winterpause Bruno Labbadia verpflichtete.

Auf der letzten Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 kündigte Horst Heldt an, das Scouting verbessern zu wollen.

Tomasz Waldoch, der aktuelle Trainer der Schalker U17, erhielt vor der laufenden Saison lediglich einen Einjahresvertrag. Seine Mannschaft belegt derzeit Platz 3 der B-Junioren-Bundesliga West, hinter dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund.

Die Trainer seit Schaaf

Otto Rehhagel ist neuer Trainer bei Hertha BSC. Sein letzter Bundesligajob liegt schon einen Weile zurück, von 1996 bis 2001 trainierte er den 1. FC Kaiserslautern. In diese Zeit fiel es, dass in „seinem Club“, dem SV Werder Bremen, nach vier Jahren des Orientierungslosigkeit, Thomas Schaaf den Trainerposten übernahm.

Am 11.05.1999 saß Schaaf erstmals als Cheftrainer auf der Bremer Bank. Er gewann 1:0, gegen Schalke 04, gegen Huub Stevens. Außer Huub Stevens sah Schalkes Trainerbank seitdem 11 andere Verantwortliche. Seit Schaaf in Bremen das Sagen hat, warteten 30 andere Bundesligaclubs mit insgesamt 192 Trainern auf.

Für Hertha ist Otto Rehhagel nun der 13. Verantwortliche in 13 Jahren Erstligazugehörigkeit seit Schaaf. Der HSV kam in 14 Spielzeiten auch auf 13 Trainer seit Schaaf. Leverkusen mag weniger als „heißes Pflaster“ gelten, trotzdem waren es auch da 10 Trainer in 14 Jahren seit Schaaf. In Gladbach waren es 11 Trainer in 11 Jahren erste Liga seit Schaaf, und Köln kommt sogar in nur 9 Erstligajahren auf 12 verschiedene Gesichter auf der Trainerbank, seit Schaaf.

Thomas Schaaf wird Otto Rehhagels Amtszeit in Bremen überdauern. Bis dahin wird die Liste noch länger werden, aber auch bis heute ist sie schon imposant. Alle Erstligatrainer, seit Thomas Schaaf:







Foto: Bejamin Radzun

Schwierige Situation nach einfachem Spiel

Schalke 04 siegt mit 3:1 gegen den VfB Stuttgart. Es sei ein einfaches Spiel gewesen, sagte Klaas-Jan Huntelaar im Aktuellen Sportstudio. Das kann man unterschreiben. Schalke gewann verdient, und trotzdem bleibt nicht nur Freude. Nach der Verletzung Benni Höwedes’ gehen Schalke die flexiblen Defensivspieler aus.

Klare Angelegenheit gegen Stuttgart

Defensiv machte Schalke in diesem Spiel fast alles richtig. Huub Stevens Entscheidung, Joel Matip ins defensive Mittelfeld zu beordern, war goldrichtig. Matip bewies einmal mehr seine überragende Übersicht und sein taktisches Verständnis. An seiner Seite war Höger fleißig, die Räume zwischen dem Mittelfeld und der Abwehrkette waren eng, für Stuttgart zu jeder Zeit deutlich zu eng.

Wie schon Werder Bremen am Ende der Hinrunde schaffte es auch der VfB Stuttgart nicht, sich auf den Flügeln einen Vorteil zu verschaffen; die eigentlich aussichtsreichste Variante gegen Schalke 04. Schalkes Außenverteidiger Uchida und Fuchs wurden bei ihrer Defensivarbeit ausreichend gut von den Vorderleuten unterstützt. Man hatte eigentlich nie das Gefühl, dass Stuttgart gefährlich werden konnte. Nahezu alle halbwegs gefährlichen Bälle in Richtung des Tores von Lars Unnerstall resultierten aus Schalker Querschlägern, aus unglücklichen Umständen – Stuttgarter Kombinationen waren kaum zu sehen. Und so war das Tor der Schwaben, drei Minuten vor Schluss, auch kaum ein Grund zum ärgern. Eher war es ein Resultat des abgefallenen Drucks auf Schalker Seite, nach dem das Spiel durch den dritten Schalker Treffer entschieden war.

Die Offensive verdiente sich lange weniger Lob. Es fing toll an, in den ersten Minuten attackierte man Stuttgart früh und suchte den schnellen Weg zum Tor. Das ließ allerdings bereits nach 10 Minuten nach. Man führte 1:0, lies Stuttgart kommen, erfreute sich an deren Harmlosigkeit und richtete sich ein.

Ohne Lewis Holtby fehlte ein „Verbinder“ zum Angriff. Wie immer war Raúl überall, hinter Klaas-Jan Huntelaar war allerdings häufig ein riesiges Loch. Dort fehlte eine Anspielstation für die tief stehenden Matip, Höger oder auch Fuchs. Der Ball wurde eher umständlich und zu langsam in die Spitze gebracht. In der ersten Halbzeit war die Offensive eher mau.

In der zweiten Hälfte spielte Stuttgart höher, bot im Rückraum dadurch naturgemäß mehr Platz, und Platz ausnutzen ist die größte Stärke der Schalker Offensive. Julian Draxler trieb an, Raúl und Huntelaar zogen mit, Chinedu Obasi machte alles in allem einen ordentlichen Eindruck. Schalke hätte in der zweiten Hälfte, den Chancen entsprechend, drei Tore mehr machen müssen. Dass das nicht gelang ist schade und keineswegs egal, da es nicht völlig abwegig ist, dass es beim Kampf um die Plätze in der Tabelle am Ende aufs Torverhältnis ankommt. Bezüglich des Spiels gegen Stuttgart ist es aber sicher kein Grund, sich zu ärgern. Da hallt der Klang des wundervollen 3:0 deutlich länger nach.

Ausgerechnet Höwedes

Wirklich ärgerlich hingegen ist der Ausfall Benedikt Höwedes’. In diesem Fall ist ein „Augerechnet“ angebracht, ist Höwedes doch der vielseitigste Defensivspieler im Schalker Kader. Nachdem durch den Jones-Ausfall Joel Matip im defensiven Mittelfeld gebunden ist, bleiben für die Innenverteidigung nur noch Christoph Metzelder und Kyriakos Papadopoulos übrig. Das ist zu wenig. Mit einer solch dünnen Stelle im Kader einen längeren Zeitraum zu überbrücken ist so risikoreich, dass es fahrlässig wäre, würde Horst Heldt bei noch geöffnetem Transferfenster nicht über eine Verstärkung nachdenken.

Einen passenden Spieler zu finden, dürfte aber schwierig sein. Grundsätzlich ist der Kader in diesem Bereich gut besetzt, das Problem entstand durch widrige Umstände, nicht auf Grund einer zu korrigierenden Fehlplanung. Mit Papadopoulos, Matip und / oder Höwedes ist die Innenverteidigung sowohl gut, als auch jung besetzt. Für das defensive Mittelfeld kommt im Sommer Roman Neustädter dazu, auch hier gibt es spätestens dann keine Lücke mehr. Ob man nun also nach einem gestandenen Spieler sucht, der einen qualitativ nach vorne bringt, allerdings viel Geld kostet und einem der derzeitigen Spielern die Zukunft raubt, oder ob man nach einem Feuerwehrmann sucht, der besser als eine interne Notlösung ist, aber nach der Rückkehr der ausgefallenen Spieler überflüssig wird; alle Szenarien haben großes Daneben-Potenzial.

In dieser Situation ist die Ruhe Huub Stevens’ sehr viel Wert. Nach dem Spiel gegen den VfB wurde er zu einer möglichen Vertragsverlängerung mit Raúl gefragt. Es gäbe Gerüchte, dass man kurz vor einer Einigung stehe, ob er dazu nicht was sagen könne. Nein, das sei Sache des Vereins, sagte Huub Stevens. Ein Trainer habe auf den Trainingsplatz zu gehen und zu versuchen, aus den Spielern die da sind, das Beste zu machen. Während diese Aussage bezüglich des Falls Raúl nur sympathisch war, ist sie bezüglich der geschilderten Defensivsituation großartig. Was Stevens taktisch aufs Feld bringt erscheint mir oft zu unflexibel, darüber habe ich bereits häufiger geschrieben. Jetzt ist es an der Zeit, den Pragmatismus zu loben, mit dem er Probleme angeht. Das ist Huub Stevens’ Stärke und die ist genau jetzt mehr denn je gefragt.