Artikel zum Schlagwort ‘VfL Bochum’

Was wir so denken

Unsereins hat so sein Bild vom eigenen Verein. Häufig wird man damit konfrontiert, dass Fans anderer Clubs ein völlig anderes Bild von Schalke 04 haben. Und wenn man dann nicht an einen Flachkopf gerät, und wenn man beginnt sich zu unterhalten, kann das hochinteressant sein.
Luis Reichert schreibt bei derwesten.de mit am VfL Bochum-Blog „1848 Einwürfe“ und empfindet wohl ähnlich. Anlässlich des morgigen Derbys hat er Meinungen Schalker Fans zu seinem VfL Bochum gesammelt. Auch mir hat er dazu 7 konkrete Fragen gestellt, die ich ihm gerne beantwortet habe.

Eigentlich wollte ich meine eigenen Antworten auch hier darstellen, da mittlerweile in meinem Blog der Freitag regelmäßig dem nächsten Gegner gewidmet wird und es somit gut gepasst hätte. Mittlerweile denke ich, dass das Quatsch wäre. Im Zusammenhang mit den Antworten der Anderen wird was Größeres draus. Deshalb bleibt es heute an dieser Stelle „nur“ bei einer Leseempfehlung:

„Was Schalker über den VfL denken“: Teil 1, Teil 2


Anders!

Also wir sind jetzt mal Erster.

Aber im ernst, darum geht’s nicht.
Schalke ist nicht so stark wie der VfL Wolfsburg. Schalke überbrückt das Mittelfeld nicht so schnell wie der VfB Stuttgart und würde der FC Bayern München sein gesamtes Potenzial abrufen, hätte dagegen sicher kaum eine Mannschaft eine Chance.

Zu Dritt standen wir in Block N1 – O-Jay, kurtspaeter, ich – als Jefferson Farfán das 3:0 erzielte und ich sagte:

Schön! Hat er sich verdient.

Und kurtspaeter sagte:

Haben wir uns verdient. Endlich wieder Fußball!

Darum geht’s.

Es geht darum, dass Schalke 04 auch nach einer 2:0 Führung zur Halbzeit weiter nach vorne gespielt hat. Dass Jefferson Farfán jedem Ball hinterher gegangen ist, auch jedem selbst verlorenen Ball, und dass Levan Kenia auch beim Stand von 3:0 in der 83. Minute noch derart auf Bochums Torwart Phillip Heerwagen losgestürmt ist, dass dieser den Ball ins Aus klären musste: Sowas will man sehen, auf Schalke. Ich will sowas sehen.

Es war bei weitem nicht alles toll, gerade in der ersten Halbzeit spielte Schalke streckenweise doch recht bieder. Aber der VfL Bochum – brombeerfarben angetreten, was meine Tochter (1) mit bezauberndem Lächeln zu einer Modefarbe machen kann, was aber auf dem Fußballplatz furchtbar fremd aussieht – machte es Schalke nicht allzu schwer, versuchte defensiv sicher zu stehen und setzte wenig Hoffnung in den eigenen Angriff.
Ivan Rakitic gelang dennoch kaum etwas. Aber anders als in den letzten Jahren wird nun für Konkurrenzsituationen gesorgt: Obwohl Ivan Rakitic vor beiden Toren in der ersten Halbzeit den letzten Pass spielte, sich also 2 „Scorerpunkte“ verdiente, sah Felix Magath seine Leistung wie wir und wechselte ihn zur Halbzeit aus.
Mineiro, Neuzugang und 90 Minuten auf dem Platz, war hingegen sehr präsent. Jede Kombination nach vorne lief über ihn und bei jedem Bochumer Angriff stand er im Weg. Rafinha war gewohnt stark, Carlos Zambrano neben Marcelo Bordon souverän und Christoph Moritz spielte nicht nur eine weitere ordentliche Erstligapartie, sondern erzielte auch noch sein erstes Bundesligator.

Wenn sich der VfL hinten einrichtete war noch das umständliche Schalke zu sehen. Dann wurde aussenrum gespielt, ohne den entscheidenden Pass in die Tiefe. Wenn es aber etwas Platz gab wurde versucht schnell zu spielen, dann wurde kombiniert, dann wurde der Abschluss gesucht. So fielen alle drei Tore: Aus dem Spiel heraus, nachdem sehr flott lange Wege überbrückt wurden. Nach Spielzügen also, die man „Konter“ nennen würden, wären sie eine bloße Reaktion, aus denen Fußball heute aber besteht und die nur noch nach klassischen Kontern aussehen, wenn die gegnerische Mannschaft zu weit aufgerückt ist.

Eine bis zuletzt rennende Schalker Mannschaft, gute Stimmung, ein 3:0 Sieg gegen Bochum. Hat Spaß gemacht, das erste Heimspiel der Saison! Darum geht’s.

Der VfL schießt selten schnell

Trainer wechseln. Nach, als auch während einer Saison – einer jeden Saison. Aus dieser Gewissheit heraus entsteht die Frage, wen es in der nächsten Saison wohl als erstes trifft. Jens Matheuszik und Julian Reydt haben sich für dieses Jahr auf Marcel Koller vom VfL Bochum geeinigt.
So kann es natürlich kommen. Der Historie des VfL Bochum in der 1. Bundesliga würde dies aber überhaupt nicht entsprechen. Im Gegenteil: In 33 Jahren Erstligazugehörigkeit hat der VfL Bochum die Saison 29 mal mit dem Trainer zu Ende geführt, mit dem er sie auch begann. In der Liste der jeweils ersten Entlassung einer Saison ist der VfL nicht zu finden.

Nimmt man grundsätzlich den 01. Juli als Saisonbeginn und betrachtet man alle 46 Bundesligajahre, wird der ersten Trainer durchschnittlich nach 98 Tagen gewechselt. Das entspricht dem 07. Oktober. Dieser Stichtag wurde mit jedem Jahrzehnt weiter nach vorne geschoben.

Thomas Schaaf hat gerade seine 10. komplette Saison für Werder Bremen absolviert und zusammen mit Otto Rehhagel (14) hat er dafür gesorgt, dass Werder der Club mit den meisten Jahren ohne Trainerwechsel innerhalb einer laufenden Saison ist. In dieser Zahl spiegelt sich auch der Erfolg: Betrachtet man nur den Wert „Jahre ohne Trainerwechsel in der laufenden Saison“, findet man die ersten 6 Clubs – Werder Bremen (36), Bayern München (34), Hamburger SV (33), Borussia M’gladbach, Borussia Dortmund und VfB Stuttgart (alle 30) – auch auf den ersten 6 Plätzen der ewigen Bundesligatabelle.

Doch auch hier ist der VfL Bochum wieder eine erwähnenswerte Ausnahme. Obwohl die größten Erfolg des Clubs „nur“ in zwei fünften Plätzen bestanden, und obwohl der VfL nie einen Alleinherrscher à la Volker Finke auf dem Trainerposten hatte, liegt der Verein im Verhältnis von „komplette Jahre“ zu Erstligajahren noch vor Werder Bremen, und wird nur durch den Fink’schen SC Freiburg mit seiner perfekten 10 getoppt.

Bringt also Kontinuität auf dem Trainerposten den Erfolg, oder umgekehrt? Ist der VfL Bochum eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, oder ist der VfL nicht auch ein sehr erfolgreicher Verein, relativ zu seinen Möglichkeiten? Für alle Theorien gibt es Für und Wider, und aus den Daten der Vergangenheit lässt sich sicherlich auch nicht die Zukunft voraussagen. Trotzdem würde ich bezüglich der ersten Trainerentlassung nicht gerade auf Marcel Koller setzen.

Safety First

Mit dem neuen Sponsorenaufdruck sind die Kicker und die trikottragenden Fans des VfL Bochum fortan auch bei Nebel gut zu erkennen.

Seltenes Derby

Derbys sind was Besonderes. Für Schalker ist das Derby gegen Borussia das „besonderste“, trotzdem kribbeln Spiele gegen Bochum und Duisburg auch deutlich mehr als Begegnungen gegen Wolfsburg, Hertha oder Karlsruhe. Das sieht Freund Thorsten sicher ähnlich, seines Zeichens Anhänger des MSV Duisburg. Und dass das Stadion an der Castroper Straße in Bochum ein guter Ort ist um Fußball zu schauen, darüber sind wir uns auch einig. Er darf aber auch in der kommenden Saison wieder nicht hin.

In den letzten 10 Jahren gab es tatsächlich nur 4 Spiele zwischen dem VfL Bochum und dem MSV Duisburg. Fahrstuhlclubs? Eher Paternosterclubs, in unschöner Regelmäßigkeit sind die einen oben, wenn die anderen unten sind, und umgekehrt. Jetzt darf man sich beim MSV über einen Aufstieg der Fortuna aus Düsseldorf freuen, neben den Derbys gegen Rot-Weiß Oberhausen gibt es also auch noch zwei „Straßenbahn-Derbys“. Aber ehrlich: Im Ruhrgebiet will man beim Begriff „Derby“ eigentlich nicht an Düsseldorf denken.

Trinken wir auf den Unterschied

Aber auf welchen genau?

Zwei dem MSV Duisburg zugetane Blogs bemühen sich gerade zu eruieren, wieso es der MSV so schwer hat, sein Stadion voll zu bekommen. Dem VfL Bochum geht es mit seiner Anhängerschaft kaum besser, während Borussia Dortmund und Schalke 04 als Gegenbeispiele dienen. Wieso aber unterscheidet unsereins zwischen Derby und kleinem Derby? Wieso haben MSV und VfL Probleme, die Fans in der eigenen Stadt zu mobilisieren, während sich an Spieltagen Züge aus Düsseldorf und Münster Richtung Gelsenkirchen von Bahnhof zu Bahnhof mit immer mehr Königsblauen füllen?

An den Städten an sich kann es kaum liegen. Gelsenkirchen ist kleiner als Bochum, das wiederum kleiner als Duisburg ist. Dass man in der einen Stadt kritischer oder die Leute anders wären als in der anderen, halte ich auch für absurd. Nein, in Derbys findet man die auf der anderen Seite deswegen so besonders scheiße, weil sie einem so verdammt ähnlich sind.

Mein persönlicher Ansatz wäre der der Tradition. Genauer: Der Erfolgstradition. Mag schwülstig und pathetisch klingen. Dennoch.

In Meiderich wird schon lange Fußball gespielt und in Bochum schon seit 1848 geturnt. Gegen Schalke, Borussia und auch Rot-Weiss Essen, dem ich ebenfalls bei (relativem) Erfolg ein riesiges Fanpotenzial zuschreibe, wiegt das nichts. Borussia und RWE waren vor allem ab den 50ern und bis zur Gründung der Bundesliga deutsche Spitzenclubs. Schalke 04 wurde 1958 zum siebten Mal Deutscher Meister und hievte einst den Fußball mit seinem Kreisel auf ein neues Niveau.

Das mag alles ewig her sein, entscheidend scheint mir aber, dass die großen Zeiten dieser Clubs in die starken Jahre des Ruhrgebiets fielen. In die Jahre, in denen das Ruhrgebiet mit Kohle und Stahl den Aufschwung befeuerte, mit Wirtschaftskraft und Stärke verbunden wurde. In denen entstand, was noch heute die Klischees bedient, womit manch einer nach wie vor gerne die Seinen beschreibt und was Andere vergeblich abzustreifen versuchen. Die Identität des Ruhrgebiets, zur der Schalke 04 und Borussia Dortmund gehören, vielmehr als andere Clubs.

Damals entstand so was wie die „Marken“ Schalke 04 und Borussia Dortmund, ein Bild, ein Gefühl wie ein „Traditionsverein“ zu sein hat. Und so was wäscht sich nicht aus, solange es regelmäßig durch emotionale Ereignisse befeuert wird. In günstigsten Fällen handelt es sich dabei um UEFA- oder DFB-Pokalsiege. Aber selbst knapp verpasste Erfolge, Skandale oder eben noch entronnenen Abstiege schüren große Emotionen. Und die Emotionen rissen nie ab, bis heute nicht, wo es auf Schalke kaum eine Nachricht wert ist, dass der Kapitän sein Amt niederlegt, weil das nun wirklich das kleinste Problem im großen Tohuwabohu dieses Clubs ist.

Nur mein Ansatz, wie gesagt, und sicherlich nicht alleine entscheidend. Bar jeder Häme und, aus Sicht eines Schalke-Fans froh darum, dass es so ist wie es ist, kann vielleicht von dieser Seite aus ein wenig zur Lösungsfindung beigetragen werden. Es mag andere, bessere, überzeugendere Ansätze geben. Über deren Darstellung in den Kommentaren würde ich mich freuen.



 
Hier die Links zu den angesprochenen MSV-Blogs:
Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus: Der MSV und sein Publikum
Ein Zebra in der Achterbahn: Was ist an Duisburg eigentlich anders

Auf den Punkt gebracht

Sonntagsfrühstück. Ich erzähle von meiner Fahrt zum Auswärtsspiel nach Bochum. Mein Sohn (4) interessiert sich mehr für den Fußball an sich.

Sohn: „Papa!?“
Ich: „Ja?“
Sohn: „Hat Schalke gewonnen?“
Ich: „Nein, Schalke hat 2:1 verloren.“

Kurze Pause.

Sohn: „Du Papa!?“
Ich: „Ja?“
Sohn: „Schalke ist nicht so gut, nä!?“
Ich: „Ja, das stimmt wohl, Schalke ist nicht so gut.“
Sohn: „Papa, Schalke ist ein bisschen gut.“