Schalke 04 gewinnt gegen den VfL Wolfsburg mit 1:0, legt die Abstiegssorgen damit ad acta und schiebt sich gleichzeitig wieder ins Platz 5-Verfolgerfeld. Vom spannungsgeladenen Duell Magath gegen Rangnick blieb am Ende nur ein durchschnittliches Spiel mit Schalke als Sieger übrig.
In dieser Konstellation, mit Felix Magath als Rückkehrer nach nur 24 Tagen seit seiner Entlassung auf Schalke, waren „Ausgerechnet“-Erkenntnisse zwangsläufig. Ausgerechnet Jose Manuel Jurado schoss den Siegtreffer, der kostspielige Einkauf Magaths, der bis dato selten überzeugen konnte. Ausgerechnet Alexander Baumjohann brachte Schalke in der zweiten Halbzeit den nötigen frischen Wind, der von Felix Magath zum Regionalligaspieler degradiert wurde. Jefferson Farfán war der beste Spieler auf dem Platz, der mit Felix Magath ebenfalls seine Probleme hatte, auch wenn ein „Ausgerechnet“ hier nicht passt, weil Farfán auch zuvor und trotz Magath häufig herausragte.
Tatsächlich muss man derart konstruieren, wenn man auf Magath Bezug nehmen will, denn eigentlich war es kein besonderes Spiel. Weder gab es von Fanseite nennenswerte Reaktionen zu Felix Magath, noch ging es auf dem Rasen besonders zur Sache. Nach turbulentem Beginn, mit einem Abseitstor durch Farfán, wurden die hohen Erwartungen zunächst enttäuscht. Schalke attackierte nicht so weit in des Gegners Hälfte, wie man es gegen den FC St. Pauli tat. Wolfsburgs Diego bekam mit Kyriakos Papadopoulos einen Sonderbewacher. Edu begann, wie zu Magaths Zeiten, als Farfán-Gegenüber, auf dem linken Flügel, mit gleichbleibendem Erfolg. Schalkes Spiel in die Spitze ging zu langsam vonstatten und Wolfsburg hoffte vergeblich auf gute Kontergelegenheiten.
In der zweiten Hälfte ging Schalke engagierter zu Werke und die Einwechslung Baumjohanns sorgte für mehr Ballsicherheit in der Vorwärtsbewegung. Edu rückte weiter in die Mitte neben Raúl, Jurado und Baumjohann rotierten zentral hinter diesen Spitzen und auf dem linken Flügel, rechts konnte Farfán auch von zwei oder drei Wolfsburgern kaum gestoppt werden. Schalke kam nun häufiger zum Abschluss und konnte das Tempo trotz der Belastung durch das Champions League-Spiel unter der Woche anziehen. Wolfsburg kam kaum zu entlastenden Gegenangriffen, weil Diego bei Papadopoulos weiterhin gut aufgehoben war. Am Ende war Schalkes Sieg verdient.
Dass weder für, noch gegen Felix Magath gejubelt oder gepfiffen wurde, war auch der Stadionregie zu verdanken, die einfach auf die Nennung des Trainers verzichtete. So erschienen alle Fangesänge, alle Fahnen, alle Pfiffe und der Jubel nach dem erlösenden Tor zu einem wichtigen Sieg, völlig normal. Fast so als sei ein Spuk vorbei. Fast beruhigend. Die Geschwindigkeit, mit der Felix Magath vom um „Gefällt mir“-Klicks kämpfenden Schalke-Bevollmächtigten zum nahezu emotionslos hingenommenen Ex-Trainer mutiert ist, ist allerdings so bizarr wie die gesamte Geschichte um die Beziehung Magath und Schalke seit letztem Sommer.
Mit nun 39 Punkten, mit 11 Punkten Vorsprung auf Platz 16, braucht man nun nicht mehr ängstlich nach unten schauen. Man könnte die Bundesligasaison für Schalke als gelaufen betrachten. Aber das ist demotivierend, wer nicht in einen Larifarimodus verfallen will braucht Ziele. Also hat Ralf Rangnick auf der Pressekonferenz nach dem Spiel kurzerhand bemerkt, dass es nur 6 Punkte bis Platz 5 seien. Tatsächlich ist es in dieser Liga immer so, man spielt entweder gegen den Abstieg oder um die Teilnahme an der Europa League. So muss es auch sein, sich Platz 7 als Ziel zu setzen wäre albern. Nüchtern betrachtet ist Platz 5 für Schalke dieser Tage aber wohl nur ein theoretisches Ziel. Selbst wenn Schalke aus den letzten 5 Bundesligaspielen noch 12 Punkte holen würde, was bei gleichzeitiger Konzentration auf Champions League und Pokalfinale eher unwahrscheinlich ist, bräuchte man sehr viel Glück, weil eben nicht nur 6 Punke aufgeholt, sondern auch gleich 4 Clubs überholt werden müssten.
Sei’s drum. Bis auf weiteres, und angesichts der Saison, ist der Status quo in der Liga ok. Die positiven Geschichten der Spielzeit 2010/2011 kann Schalke 04 in der Champions League und im Pokalfinale schreiben. Hoffen wir, dass es klappt.
Foto: Daniel Thoma