Artikel zum Schlagwort ‘Werder Bremen’

Ein mieser Abend der Blauen

Drei Tage nach dem Derby liefert Schalke eine der schlechtesten Saisonleistungen ab und verliert gegen Werder Bremen glatt mit 3:0. Das hohe Ergebnis mag Werders Leistung etwas schmeicheln. Der Schlechtleistung der Blauen wird es aber zweifellos gerecht.

Ich weiß gar nicht, wovon ich am meisten enttäuscht sein soll. Davon, wie ideenlos Schalke auch noch so weit in der Saison einer tief agierenden Abwehr gegenüber steht? Davon, wie wenig Qualität nach Wechseln von der Bank ins Spiel kommt? Oder davon, wie übel ich es finde, dass Schalke nun anfängt, das so häufig ausbleibende Schiedsrichterglück mit eigenen Schwalben für sich erzwingen zu wollen? Zusammen versauen einem diese Erkenntnisse jedenfalls gehörig den Abend.

Die erste Hälfte war lethargisch. Man kam zwar tief in des Gegners Hälfte, da dieser dies zuließ, und man hatte auch ständig den Ball. Aber man bekam kein Tempo in die eigenen Aktionen. Alles wirkte langsam, lustlos. In der zweiten Hälfte war Schalke bemühter. Nun kam man vermehrt zu Abschlüssen. Aber wie viele Torschüsse man am Ende auch verzeichnete: Die Qualität der Abschlüsse war durchweg niedrig. Man schoss zwar aufs Tor, aber man kombinierte nie mal einen Spieler frei, man erspielte sich keine wirklich guten Chancen. In Kombination mit einer Verteidigung, die wackelte sobald der Gegner mit etwas Tempo aufwarten konnte, wurde daraus ein Spiel, dass man zu verlieren sich verdiente.

Schalke kann seine Ausfälle gerade nicht kompensieren. Thilo Kehrer hat zweifellos ordentlich gespielt. Trotzdem fehlten Sead Kolasinac und Nabil Bentaleb spürbar. Auch hat Schalke gerade einfach keinen wirklich fitten, guten Rechtsverteidiger. Das ist es echtes Problem.
Ein weiteres echtes Problem ist, dass Eric-Maxim Choupo-Moting noch so pomadig und Guido Burgstaller noch so unglücklich agieren können, sie müssen doch weiterspielen. Wenn man sieht, wie Evgen Konoplyanka nach seiner Einwechslung über den Platz irrt, und wie wenig spritzig Klaas-Jan Huntelaar nicht mehr tut als Kreise zu ziehen, erkennt man sofort, dass der Trainer eben doch nach Leistung aufstellt.

Und als sei das alles noch nicht peinlich genug, versuchen die Blauen nun auch noch zu bescheißen. Schon in er ersten Hälfte warf sich Leon Goretzka einmal ins Getümmel, in der Hoffnung irgendjemand könnte ihn vielleicht am Fuß berühren. Alessandro Schöpf ließ sich in der zweiten Hälfte dann nochmal besonders klassisch fallen, mit Hüftschwung und passendem Gesichtsausdruck. Wie sollen wir, die wir unter solchem Betrug eines Timo Werners gelitten und das lautstark verurteilt haben, nun damit umgehen, dass unsere Spieler es nun ebenso darauf anlegen, den Gegner zu betrügen? Mich widert das an.

Nein, an diesem Abend gab es nichts schönzureden. Diesmal war Schalke kein Opfer von Fehlentscheidungen. Diesmal war Schalke einfach schlecht und präsentierte sich rundum mies.

„Team Marktwert“

… oder: Diskussionswürdige Idee, aber chancenlos

Mitte letzter Woche sorgte eine Meldung für Aufsehen: Sechs Bundesligaclubs haben sich zu einer Gruppe formiert, die sich über eine Veränderung in der Verteilung der Gelder aus dem zukünftigen TV-Vertrag beraten will. Dabei soll das Geld nicht mehr nur nach dem Leistungsprinzip verteilt werden. Auch Faktoren wie Beliebtheit und Bekanntheit sollen als Faktoren geltend gemacht werden.

Die Gruppe gab sich den Namen „Team Marktwert“, und da es sich bei den sechs Clubs (Hertha BSC, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen) mehrheitlich um Bundesligisten handelt, die aktuell gegen den Abstieg kämpfen, waren die Häme-Kübel der social networks flott gefüllt. Diese Clubs suchten nach Geld, weil sie sportlich nichts mehr auf die Reihe bekämen, hieß es. Man hätte sich stattdessen lieber „Team Misswirtschaft“ nennen sollen. Diskutiert, oder auch nur auf die Pressemittelung der Clubs eingegangen, wurde kaum. Selbst ein Text bei Spiegel Online kommt zu einer Bewertung dieser Clubs als sportlich zu schlecht, ohne sich die Mühe zu machen auf Argumente für eine neue Gelderverteilung einzugehen. Schade, denn ein Blick darauf lohnt, meines Erachtens.
 
 
Was will „Team Marktwert“?

Die Gruppe will den Kriterien zur Verteilung der TV-Gelder eine dritte Komponente zufügen. Bislang werden zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Betrags gleichmäßig an die Clubs verteilt, ein Drittel wird auf Grund sportlicher Ergebnisse zugewiesen. Dem Namen entsprechend möchte „Team Marktwert“ zukünftig eine Wertung einbeziehen, in der dargestellt wird, welcher Club wieviel Anteil am Wert der Bundesliga hat. Wie genau diese Wertigkeit festgestellt werden soll, dazu wird man noch nicht konkret. Es wird aufgeführt, dass diese aus „objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“ errechnet werden könnte. Die Gruppe versteht sich als nun startendes Projekt. Ausdrücklich werden andere Clubs – auch Zweitligisten – eingeladen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Weiterhin weist die Gruppe darauf hin, dass es in „allen großen internationalen Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande)“ ähnliche Verteilungsmodelle gäbe, bei denen 25 bis 30 Prozent der Medienerlöse nach Marktwert-Kriterien ausgeschüttet würden.
 
 
Was man dagegen haben kann

Wer bislang gegen das Vorhaben des „Team Markwert“ argumentierte führte vor allem an, dass sportlichen Ergebnisse bei der Gelderverteilung weniger gewichtet würden. Auch Schalkes zukünftiger Manager Christian Heidel, ein stets meinungsstarker Mann, brachte sich als Gegner des „Team Marktwert“ in Position. Er würde Leistung lieber höher bewerten. Bei den Ideen der Gruppe würde man sich auf Tradition berufen, die 50 Jahre zurückliege, aber nichts mit der Leistung der Clubs heute zu tun habe. In der Berliner Morgenpost sieht Journalist Uwe Bremer das Vorhaben des „Team Marktwert“ als einen Schritt zur Bundesliga als geschlossene Gesellschaft. Die Pläne zielten gegen das Verständnis von Sport und würden den „Kleinen“ das Aufsteigen erschweren.
 
 
Wieso ich den Ansatz des „Team Marktwert“ für bedenkenswert halte

Zunächst ist festzuhalten: Das Wort „Tradition“ kommt in der Mitteilung des „Team Marktwert“ nicht vor. Um die von der Gruppe genannten Kriterien einfließen zu lassen braucht es handfeste Kennzahlen. Diese zu verhandeln, festzulegen, und zu vermitteln ist die zukünftige Aufgabe der Gruppe. Es muss gewährleistet sein, dass Clubs ihre Kennzahlen verbessern können.

Grundsätzlich halte ich es keineswegs für irgendwie unfair, dass Clubs, die einen größeren Teil zur Attraktivität der Liga beitragen, davon auch monetär profitieren. TV-Gelder sind kein ausgelobtes Preisgeld einer neutralen Instanz. TV-Gelder werden bezahlt, weil sich die Rechte gut weiterverkaufen lassen, weil Zuschauer dafür bezahlen.

Meines Erachtens wird die Liga aber beständig unattraktiver. Clubs mit weniger Fananhang, die weniger Zuschauerinteresse generieren, deren Storys weniger Zeitungen verkaufen und weniger Klicks generieren, lösen Clubs ab, die für eine „bunte Liga“ sorgen. Das liegt keineswegs ausschließlich an guter Arbeit hier und schlechter Arbeit dort. Bei den „Werksclubs“ aus Leverkusen und Wolfsburg, sowie bei Clubs wie Hoffenheim und Leipzig versagte die Politik der Liga in Form der 50+1 Regelung, die sich, wenn es hart auf hart kommt, rechtlich nicht durchsetzen lässt.

Sind wir doch mal ehrlich: Würde die TSG Hoffenheim ausschließlich für ihren Anteil an der Attraktivität der Liga entlohnt, bekäme sie von den TV-Geldern wohl gar nichts ab. Aber die von „Team Marktwert“ vorgeschlagenen Kriterien sollen das Leistungsprinzip nicht ablösen. Sie sollen als zusätzliche Faktoren dazukommen. Wieso dies zu einer „geschlosseneren“ Bundesliga als heute führen sollte, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Will man das Auf und Ab zwischen den beiden Profiligen fördern, muss man das Gefälle zwischen den beiden Ligen reduzieren und vielleicht die Relegation abschaffen. Das sind vollkommen andere Ansätze. Bislang ist nichts davon bekannt, dass das „Team Marktwert“ der zweiten Liga weniger Geld zukommen lassen will. Man will das Geld lediglich anders verteilen – auch im Liga-Unterhaus.

Meines Erachtens kann der Ansatz des „Team Marktwert“ für den deutschen Profifußball ein Instrument sein, auf rechtlich einwandfreiem Weg und transparent die für ein großes Publikum interessanten Clubs zu unterstützen und damit die Attraktivität der Liga bestmöglich zu bewahren.
 
 
Warum „Team Marktwert“ aber meines Erachtens keine Chance hat

Natürlich vertritt jeder Club seine eigenen Interessen. Solidarität gibt es in den Profiligen nur, solange dabei alle Geld verdienen. Es muss das Ziel von „Team Marktwert“ sein, auch die sportlich erfolgreichen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 von ihren Ideen zu überzeugen. Es ist aktuell aber davon auszugehen, dass diese Clubs mehr Geld bekommen, wenn es bei der stärkeren Gewichtung von sportlichen Erfolgen bliebe. Insofern fällt es Christian Heidel auch mit Blick auf seinen zukünftigen Job leicht, die Ideen des „Team Marktwert“ zu kritisieren. Den für alle gleichen Sockelbetrag zu reduzieren würde erst recht viele kleinere Clubs zu Widerstand aufrufen. Mir erscheint es fast unmöglich, dass der am Ende stehende Vorschlag des „Team Marktwert“ so vielen Clubs Vorteile gegenüber der aktuellen Regelung beschert, dass er Mehrheitsfähig sein kann.

Bedenkenswert ist er aber allemal. Diskussionswürdig sowieso.



Dieser Text wurde erstmals gestern bei Westline veröffentlicht. Weitere lesenswerte Blogtexte zum Thema „Team Marktwert“ wurden von Axel Goldmann und Andreas Riedl verfasst:

Der vierte Offizielle: Team Marktwert
Rosenau Gazette: Warum Team Marktwert nicht zu Ende denkt


Enttäuschender Jahresauftakt

Schalke 04 verliert sein erstes Pflichtspiel des Jahres 2016 mit 1:3. Werder Bremen war ein schwacher Gegner. Schalke scheiterte trotzdem.

40 Minuten war Schalke dominant. Über rechts hatten Junior Caicara und Leroy Sané keine Gegenwehr, kamen stets bis zur Grundlinie wenn sie denn wollten. Im Zentrum ließ sich Max Meyer im Spielaufbau tief fallen, Johannes Geis kippte dafür nicht mehr so häufig zwischen die Innenverteidiger wie in der Hinrunde. Man kam regelmäßig flott in die Bremer Hälfte und man konnte sich dort regelmäßig bis in den Strafraum durchsetzen. Schalke hatte Chancen für zwei Spiele. Schalke hätte zur Halbzeit mit 3:0 führen müssen. Aber Klaas-Jan Huntelaar ist leider nicht mehr der Knipser, der er in seiner einen, überragenden Saison für Schalke war. Und Schalkes Verteidigung war zu sorglos. Deshalb stand es stattdessen zur Pause 1:1.

Der Bremer Treffer vor der Halbzeit erwischte die Blauen kalt. Es war fast so, als hätten man sich davon nicht mehr erholt. Was Schalke in der zweiten Halbzeit bot war schwach. Hinten weiterhin offen, vorne durchsichtig. Überraschendes brachte nur Leroy Sané auf den Platz, aber auch er hatte keinen glücklichen Tag, auch er rettete Schalke nicht mehr.

Und dann schaut man zu, und hofft. Aber es nützt nichts. Man hofft, dass die Mannschaft dem Gegner taktisch überlegen ist. Aber das war sie nicht. Man hofft, dass die Einzelspieler besser als ihre Gegenüber sind. Doch solches durchzusetzen gelang auch nicht. Man hofft, dass die Mannschaft den Gegner in Grund und Boden rennt. Aber kämpfen können eben alle.

Was bleibt ist Ernüchterung. Werder Bremen hat wirklich nichts Besonderes auf den Platz gebracht. Dass Schalke gegen einen so spielenden Gegner daheim verliert, ausgeruht, aus einer ausdauernden Vorbereitung kommend, auch noch nach guter Anfangsphase und früher Führung, ist einfach sehr enttäuschend.



Foto: Tomek Bo

Süßer Sieg, bitterer Nachgeschmack

Schalke gewinnt in Bremen mit 3:0, verliert aber Matija Nastasic für einen Großteil – vielleicht für die komplette Saison. Ob Horst Heldt darauf mit einem Transfer reagieren wird bleibt abzuwarten. Derweil darf man sich über eine gute Leistung im Liga-Auftaktmatch freuen.

In der 58. Minute hätte das Spiel kippen können. Beim Stand von 1:0 für die Blauen schob Fin Bartels den Ball knapp am linken Pfosten des Schalker Tores vorbei. Die Zeit direkt nach der Pause war die beste Phase Werders. Drei Minuten später reagierte Breitenreiter und sorgte mit der Einwechslung Högers für mehr Präsenz im Zentrum. Mit Schalkes zweitem Treffer in der 68. Minute war das Spiel entschieden.

Lange Zeit waren die Verhältnisse auf dem Platz nicht so klar, wie es das Endergebnis letztlich vermuten lässt. Trotzdem war der Sieg sehr verdient. Das ist kein Widerspruch, denn im Fußball entscheiden oft Kleinigkeiten. Schalke erspielte sich mehr Chancen als Werder und abgesehen von der Bartels-Szene ließ Schalkes Defensive auch nur Fernschüsse und Standards zu. Letztlich hatte Bremen mehr Ballbesitz und gewann auch mehr Zweikämpfe, aber in den wichtigen Momenten war Schalke die bessere Mannschaft. Und wenn das so ist, kommt eben auch noch das Glück dazu, wie bei Gebre Selassies Eigentor.

Klaas-Jan Huntelaar trifft derzeit in jedem Spiel und trotzdem rauft man sich die Haare wenn man sieht, wie viele gute Chancen er ungenutzt lässt. Sascha Riether machte ein gutes Spiel. Johannes Geis spielte erneut stark. Draxler und Choupo-Moting sind schon deshalb spannend anzuschauen, weil Schalkes Spielaufbau über sie läuft. Am meisten begeisterte mich in diesem Spiel aber Joel Matip.

Bremen verteidigte nicht gegen ihn, wenn er sich in die Offensive einschaltete. Deshalb brachte Matip in den Situationen zu zwei der drei Treffer den entscheidenden Vorteil. Das war aber nur die Sahne auf der Torte. Bei seinem eigentlichen Job in der Defensive war Joel Matip schlicht der beste Spieler auf dem Platz.
Der Statistikdienst „Opta“ führt für die Defensive die Kategorie „Klärungen“. Werder Bremen kam auf 15. Joel Matip alleine auf 13. Er war stets da wo es wichtig war, war der „Abwehrchef“. Es ist gut und wichtig, dass er sich jetzt so präsentiert, da Benni Höwedes noch nicht wieder da ist und Matija Nastasic ausfällt.

Dass der Trainer Roman Neustädter als Alternative für die Innenverteidigung sieht, hatte sich in der Vorbereitung schon angekündigt. Ich gehe davon aus, dass Matip / Neustädter auch gegen Darmstadt starten werden. Spannender ist die Frage, wer dann als dritter Spieler auf der Bank sitzen wird.
Höwedes Rückkehr ins Mannschaftstraining wird frühstens für September erwartet. Er ist seit Mai verletzt. Selbst wenn man Neustädter den Job zutraut und an Talente wie Kaan Ayhan (20) und Marvin Friedrich (19) glaubt, ist doch Joel Matip bis auf Weiteres Schalkes einziger bundesligaerprobter Innenverteidiger. So in die Saison zu starten ist ein Risiko. Bei noch geöffnetem Transferfenster nur das Beste zu hoffen kann Horst Heldt flott als „fahrlässig“ um die Ohren fliegen.

Am Ende bekommt Felipe Santana vielleicht doch noch eine neue Rückennummer. Auf Schalke ist nie irgendwas auszuschließen.



Bilder: Werderfan10b, Tomek Bo

Schalke spielt „defensiv“, und das ist auch gut so!

Deutschland, glückliches Land! Nichts bleibt schwammig, alles hat seine Regeln oder zumindest seine Definitionen. Über mein jüngstes Problem mit einem Fußballgefühl half mir der ehrwürdige Duden hinweg:

defensiv
Wortart: Adjektiv
Worttrennung: de|fen|siv

Bedeutungen:
a. der Verteidigung dienend
b. auf Sicherung oder Sicherheit bedacht
c. (Sport) im Spiel die Abwehr, Verteidigung bevorzugend; aus einer verstärkten Abwehr heraus operierend

Ich muss zugeben, zuletzt empfand ich das Schalker Spiel in der Öffentlichkeit häufig als falsch dargestellt. Erst am Samstag gegen Bremen sah ich eine Schalker Mannschaft, die bei Ballbesitz stets den Weg zum gegnerischen Tor suchte. Da wurde nicht lange abgewartet sondern der schnelle Abschluss gesucht. Sie waren dabei meines Erachtens nicht gut, aber bis zur Führung war die Richtung gen gegnerischen Tor klar vorgegeben. Als ich auch nach diesem Spiel las, Schalke spiele ach so defensiv, sogar von Seiten Bremer Fans, deren Mannschaft in diesem Spiel eigentlich deutlich abwartender und hauptsächlich auf Kontersituationen ausgerichtet agierte, verstand ich meine Umwelt nicht mehr. Schauten die denn alle nicht auf den Platz?

Erst heute bemerkte ich meinen Fauxpas. Ich hätte mich früher hinterfragen sollen, nun schäme ich mich ein wenig für meine unberechtigte Selbstsicherheit. Erst der Blick ins richtende Werk der deutschen Sprache öffnete mir die Augen! Der Begriff „defensiv“ bedingt keineswegs irgendwelche Beschränkungen. Er beschreibt lediglich eine Bevorzugung.

So ist das auf Schalke, und so ist das bei den meisten Bundesligaclubs. Auch Teams, die ihre Gegner mit Pressing tief in deren Hälfte nötigen, tun dies, um den Ball vom eigenen Tor fern zu halten. Auch Teams, die nach längstmöglichem Ballbesitz trachten, tun dies, weil ein Gegner ohne Ball perfekt ungefährlich bleibt. Der Schutz des eigenen Tores ist jedem Club wichtig, damit fängt stets alles an.

Ja, nach der Zeit unter Jens Keller, mit ständiger Gefahr fürs eigenen Tor nach Ballverlusten im Mittelfeld, spielt Schalke endlich auch wieder „defensiv“!

Weshalb die Werder-Mannschaft vom Samstag, oder das Spiel von Borussia Mönchengladbach, regelmäßig mit anderen Adjektiven bedacht wird, verstehe ich immer noch nicht. Aber das liegt eben im Auge der anderen Betrachter und soll nicht meine Sorge sein.

Quillo ist der schwächere Uchi

Schalke kommt gegen Werder Bremen nicht über ein 1:1 hinaus. Ein Remis, das durch den Ausgleich in der letzten Minute ärgerlich ist, das aber den ausgeglichen schwachen Leistungen der beiden Mannschaften entsprach.

Vor dem Spiel wurden beide geehrt: Schalkes Japaner Atsuto Uchida bestritt mittlerweile 100 Bundesligaspiele, Schalkes Schweizer Tranquillo Barnetta kommt gar schon auf 250. Im Spiel gab dann der andere den einen. Der Japaner war nach dem Spiel gegen Real Madrid angeschlagen, konnte nicht eingesetzt werden. Und weil Schalke seit Jahren keinen regulären zweiten Rechtsverteidiger im Kader hat, musste sich diesmal der Schweizer dort versuchen.

Tranquillo Barnetta zeigte vollen Einsatz und doch blieb er am Ende die tragische Figur. In der Position des Verteidigers ließ er sich mehrmals leicht überspielen, da fehlt ihm die Routine. Im Offensivspiel fehlte es ihm an Präzision. Abgesehen von einer Hereingabe in der Anfangsphase, die Felix Platte knapp verfehlte, konnte er kaum gefährliche Situationen herbeiführen. Und in der Nachspielzeit war er es, der vollkommen unnötig ungestüm das Foul an Santiago Garcia an der Außenbahn beging. Das Foul, das den Junuzovic-Freistoß, den Prödl-Kopfball, den Wellenreuther-Fehler und damit den Verlust von zwei Punkten einleitete.

Das es dazu kommen konnte lag freilich am gesamten Spiel der Blauen und sollte nicht einzelnen angelastet werden. Nach einer guten ersten Viertelstunde mit viel Druck tat sich Schalke schwer. Dass die Blauen auf jedes Pressing verzichteten überraschte. So gewann man die meisten Bälle erst tief in der eigenen Hälfte und mühte sich im langen Spielaufbau. Kam man dann nach vorne, konnte man sich kaum durchsetzen. Bremen beherrschte mit seinen starken Innenverteidigern Lukimya und Vestergaard das Zentrum. Schalke suchte nach Abschlüssen, diese kamen aber zumeist aus der Distanz. Wirklich hochkarätige Chancen waren Mangelware.

Das beide Treffer aus Torwartfehlern resultierten passte zu dieser Begegnung. Auf beiden Seiten gab es kaum klare Spielzüge. Stets passte irgendwas nicht, stand irgendein Bein dazwischen, wurde der letzte Zweikampf verloren oder der letzte Pass verdaddelt. Eine Begegnung, die letztlich nur von der Spannung lebte. Dass der Ausgleich in der Nachspielzeit fiel ist bitter. Tatsächlich hatte sich Schalke den Sieg zuvor aber auch nicht verdient.



Foto: Tomek Bo

Egal-wie-Sieg in Bremen

Schalke gewinnt in Bremen mit 3:0 und kommt damit im fünften Anlauf zum ersten Bundesligasieg. Spielerisch war die Leistung kein Fortschritt. Aber wenn sich Misserfolg festzusetzen droht braucht es Erfolgserlebnisse, dann ist das Wie zweitranging.

Bremen war um Dominanz bemüht, zeigte ein ordentliches Pressing. Dagegen hatte Schalke Schwierigkeiten, aber irgendwie schien das nicht wichtig zu sein. Ich hatte den Eindruck, dass Schalke mit der Rolle eines wie ein Außenseiter agierendes Auswärtsteam zufrieden war. Die Defensive funktionierte ordentlich. Roman Neustädter bewies in der Innenverteidigung große Übersicht und Atsuto Uchida war nach langer Verletzungspause überraschend präsent. Daran galt es, sich zu erfreuen. Da hatte man was Positives, auf das sich zu schauen lohnte.

Trotz großen Aufwands kam Werder in der ersten Halbzeit zu lediglich zwei Torchancen, Schalke zu einer. Nach vorne gelang den Blauen gar nichts. In einer von vielen kleinen Scharmützeln durchzogenen, hitzigen Hälfte kamen vor allem Max Meyer und Sidney Sam nicht zurecht. Aber Schalke hielt die Partie offen, gab „dem Glück die Chance“ und wurde dafür belohnt.

Nicht auf Grund von Überlegenheit kämpferischer oder taktischer Art, auch nicht auf Grund einer sonst so viel zitierten „individuellen Klasse“ gelang Schalke zum ersten Saisonsieg, sondern durch einen Torwartfehler von Bremens Rafael Wolf. Roman Neustädter lieferte nach einer Ecke mit einem gelungenen Kopfball einen „Versicherungs-Treffer“ und Werder kam kurz darauf noch zu zwei guten Chancen. Als diese vergeben waren, war das Spiel entschieden. Schalkes Aufatmen war von der Weser bis ins Ruhrgebiet zu hören, die gelegentlichen Konter waren nett anzuschauen.

Im Fußball entscheiden häufig Kleinigkeiten oder Fehler von einzelnen. Ab und zu reicht es, bis dahin den Fußball der Anderen zu verhindern. Das löst keine Jubelstürme aus, ist aber auch nichts Ehrenrühriges; Fußball eben. Und zu hoch können Siege für Schalke eh nicht ausfallen. Drei Punkte, die den Druck etwas mindern. Mit Atsuto Uchida und Joel Matip zwei wichtige Spieler, die wieder eingesetzt werden können. Schalke sucht sich weiter, aber bis es sich gefunden hat gilt vor allem, nicht zu viele Punkte auf die Champions League Plätze zu verlieren. Der „Egal-wie-Sieg“ in Bremen war da ein geeigneter Beginn.