
Schalke hat nur zwei Bremer Chancen zugelassen. Schalke hat sich selbst mindestens 10 guten Chancen erspielt. Schalke hat fünf davon genutzt. Da gibt’s nichts zu meckern.
Das 5:0 gegen Werder Bremen war auch in der Höhe völlig verdient. Ein paar Minuten zu Beginn des Spiels und ein paar Minuten nach der Pause war Werder ein Gegner, den Rest der Zeit nicht. Damit mag man die „Schalke-Show“ vielleicht etwas relativieren, natürlich bedingt sich immer alles und zu einem 5:0 Sieg passt kein über 90 Minuten gut spielender Gegner. Ich will die Leistung Schalkes aber keineswegs kleinreden. Schalke hat alles richtig gemacht, hat einen offensiven Stil durchgezogen, auch nach einer 2:0 Führung zur Halbzeit, und hat sich in einen „Flow“ gespielt, in dem am Ende alles gelang. Dieses Spiel war Schalkes beste Leistung über 90 Minuten in dieser Bundesligasaison.
Schalkes empfindlichste Stelle ist die linke Abwehrseite. Christian Fuchs’ Stärke liegt in der Offensive, wenn vor ihm noch der eher zweikampfschwache José Manuel Jurado im linken Mittelfeld aufgestellt wird, sollte für eine aggressive Offensive klar sein, in welcher Richtung der Weg zum Schalker Tor zu suchen ist.
Aber Bremen konnte das nicht. Das Offensivspiel Werders war auf Kurzpassspiel durch die Mitte ausgelegt. Im Idealfall kam man mit zwei Offensivspielern hinter Claudio Pizarro und agierte mit Doppelpässen schnell und technisch sicher. Diesen Idealfall sah man aber nur zwei oder dreimal, Schalke wusste diese Situationen erfolgreich zu unterbinden.
Dabei war es von entscheidender Bedeutung, dass auch die Außenpositionen der Mittelfeldraute ihren defensiven Part gut ausfüllten. Marco Höger rechts und auch José Manuel Jurado arbeiteten sehr gut, stellten die „Fluchtwege“ zu und ließen ankommende Werderaner auf Jermaine Jones, Kyriakos Papadopoulos und Joel Matip prallen. Im Ergebnis konnte Claudio Pizarro kaum am Spiel teilnehmen und Bremens Offensive wurde vollständig entschärft.
Umgekehrt wusste Christian Fuchs seinen Raum zu nutzen. Nicht aus den Situationen heraus, sondern genau so geplant war er Schalkes linker „Halbstürmer“. Bei Ballbesitz und ohne pressende Bremer, auch bei eigenen Abschlägen, orientierte sich Fuchs sofort zur Mittellinie, Matip orientierte sich nach links, Jones zog sich zurück. Vorne wurde Fuchs von Jurado und dem überall helfenden Raúl unterstützt, und einmal mehr war das Übergewicht auf dem linken Flügel ein Schlüssel zum Sieg. Vor allem Sebastian Prödl, in der ersten Halbzeit Bremens Rechtsverteidiger, war hoffnungslos überfordert.
Schon zur Halbzeit wären mehr als zwei Tore verdient gewesen, Pukki, Raúl und Huntelaar waren für Bremens langsam wirkende Verteidigung nicht stoppen. Endgültig vorbei war das Spiel aber mit dem dritten Schalker Tor in der 63. Minute. Der Rest war pure Entspannung.
Alexander Baumjohann und Ciprian Marica wurden von Huub Stevens mit Einwechslungen für ihre ansprechenden Leistungen in Haifa belohnt. Vor allem Baumjohann versprühte Spielfreude, derart, wie man es von ihm zuvor lange nicht sah. Papadopoulos durfte noch frei Einköpfen, Klaas Jan Huntelaar machte sein Tor und nachdem er Tim Wiese abermals drei Dinger einschenkte erklärte Raúl González Blanco im Interview, wie toll er auf Schalke alles findet.
Angenehmer geht’s nicht. Ein Spiel, nach welchem sich Resultatpuristen und Zwischendasergebnis- kucker einig sein dürften.





Lukas Schmitz wird aller Voraussicht nach für Werder links hinten spielen, Christian Fuchs spielt für Schalke ganz bestimmt. Geht man nach den Bewertungen der kicker-Journalisten liegen die Leistungen der beiden nicht weit auseinander. Schmitz leistet eher stetige Arbeit, bei Christian Fuchs stehen sehr gute auch schon mal ziemlich schwachen Leistungen gegenüber. In der letzten X Frage der Hinrunde geht es um den Vergleich der beiden in konkreten Kategorien.
Irgendwie bin ich noch nicht so weit, und es steht zu befürchten, dass es den Spielern ähnlich geht. Nach der Nervosität, dem Spiel und dem grenzenlosen Jubel gegen Inter Mailand folgt nun so was furchtbar normales wie ein Spiel gegen Werder Bremen 2011.

