Ein Ultimatum. Mesut Özil soll sich entscheiden, ob er seinen laufenden Vertrag verlängern will oder nicht. Man verlangt ein „Bekenntnis“ zum Verein. Ungefähr anderthalb Jahre vor Ablauf des aktuellen Vertrags. So gab es das schon mal, in blau.
Was damals genau abgelaufen ist, zwischen dem damaligen Schalke-Manager Andreas Müller, Mesut Özil, dessen Vater und Berater Reza Fazeli, wieso die Bild-Zeitung stets so flott informiert war, wer ihr den für Mesut Özil vorbereiteten Vertrag gesteckt hat, es wird nicht mehr herauskommen. Angeblich hatte Mesut Özil per Handschlag sein Bleiben besiegelt. Angeblich hat er sich später, im Verbund mit Vater und Berater, davon distanziert. Angeblich war Andreas Müller darüber so entzürnt, dass er sich stark gab und den Spieler suspendierte. Andreas Müller und Klaus Allofs einigten sich auf eine für den damaligen Mesut Özil angemessene Ablösesumme, fortan spielte er für Werder Bremen.
Im Schatten Diegos konnte Mesut Özil ein Jahr lang ungestört wachsen. Sehr gut für ihn, ein Schatten den er auf Schalke nicht gehabt hätte. Im nachhinein wurde immer öfter und immer heftiger mit dem Finger auf Schalke, auf Andreas Müller gezeigt. Er hätte dieses große Talent nicht ziehen lassen dürfen. Sicher, Andreas Müller hätte smart statt bott reagieren sollen. Dass er hätte mit Mesut Özil verlängern können, glaube ich nicht.
Es macht überhaupt keinen Sinn, zwischen Mesut Özil selbst, seinem Vater und seinem Berater zu unterscheiden. Das „netter Mesut, böser Berater“-Spielchen ist unfug, weil am Ende eine Entscheidung steht. Diese Entscheidung kommt aus diesem Verbund, von wem auch immer, und es ist die Spielerseite, die eine Entscheidung fällt. Diese Seite, nennen wir sie einfach Mesut Özil, sitzt am längeren Hebel. Mögen sich der unerfahrene Andreas Müller oder der erfahrene Klaus Allofs wie Rumpenstilzchen zerreißen, oder auch nicht.
Mesut Özil ist gut und wird vermutlich noch besser. Er wird bei der Weltmeisterschaft in der deutschen Nationalmannschaft im Schatten Ballacks weiterwachsen, kann auf der größten Bühne seines Sports die Blicke auf sich ziehen.
Löw wird ihn bringen, Özil wird glänzen, Deutschland wird – wie immer – weit kommen, die besten Clubs Europas werden ihn haben wollen. Das ist Mesut Özils Plan. Und die Chancen, ihn in die Realität umzusetzen, stehen gut.
Gibt es auch nur einen guten Grund für Mesut Özil, sich innerhalb der nächsten 10 Wochen dazu zu entscheiden, sich über 2011 hinaus an Werder Bremen zu binden? Nein. Aus Spielersicht bieten lange Vertragslaufzeiten Sicherheit. Özils Sicherheit ist sein Talent. Er ist seinem Streben nach der großen Karriere verpflichtet, einem Club stets nur zeitweise. Er ist modern. Er ist der Miet-Mesut.
Manager mögen das nicht. Ihnen droht der Wert des Spielers verloren zu gehen. Fans mögen das nicht. Zwar hat man sich an Spielerwechsel im Profigeschäft gewöhnt, dass aber ein Spieler nicht im hier und jetzt des Clubs denkt, sondern sein eigenes weiterkommen, sein eigens fortkommen plant, wird als Gegenteil von Leidenschaft erachtet. Miet-Mesut kann es egal sein, er verhält sich durchaus redlich. Die Zeiten sind eben so.




Letzte Woche Sonntag, nach dem denkwürdigen Spiel (war das Fußball?) zwischen Schalke 04 und Hertha BSC Berlin, erreichte mich eine SMS: „Du hast doch eine gewisse Affinität zur Green Machine. Willst Du nicht einen Vorbericht schreiben?“. Da sagt man natürlich nicht nein.

