Artikel zum Schlagwort ‘Werder Bremen’

Kunst ist, was gefällt

Schlechte Leistungen? Blutleere Vorstellungen? Fußball ohne Tempo, ohne Inspiration, ohne Plan? Stürmer ohne Durchschlagskraft? Ja, Schalke kucken ist derzeit kein Spaß. Ganz Fußballdeutschland weiß das mittlerweile.

Bemerkenswert wenig scheint sich Fußballdeutschland darum zu scheren, dass die Werkself aus Leverkusen – die mit dem Näschen für Talente, dem Weltscouting, der innovativen Idee in der Trainerfrage, dem Konzeptfußball, dem deutschen Zukunftsstürmer und -Torwart Nummer 1 – nach 25 Bundesligaspielen gerade ein Pünktchen mehr auf dem Konto hat.
Und die beliebten Offensivfeuerwerker von der Weser, mit den Zauberfüßen im Mittelfeld und dem Reimport aus der Premier League im Sturm, haben gar noch 5 Punkte weniger.




[Film gefunden via FuViBlo]

Gesang. Und Abgesang?

Langsam gewöhnt man sich an die Probleme des eigenen Clubs. Da kann man mal wieder auf- und sich umschauen.

Dass spox.com nur Bayern richtig kann, ist ein Erfahrungswert. Immerhin, der Nachbericht zur Niederlage des Meisters gegen Köln ist interessant, und er enthält eine Passage, bei der auch Schalke-Fans die Ohren klingeln dürften:

Doch nicht nur Spieler und Trainer sind Vorwürfe zu machen, sondern auch dem Manager. Dass der Kader der Bayern nicht gerade gut bestückt ist, ist ein offenes Geheimnis. Für die hohen Ansprüche der Münchner ist es jedoch fatal, wie im Fall Köln nach 46 Minuten quasi keine Offensiv-Alternative mehr auf der Bank zu haben.
Klinsmann hatte zur Pause seine Standardwechsel mit Hamit Altintop und Landon Donovan vollzogen – und damit sein Pulver verschossen. Auf der Bank verblieben nur noch Tim Borowski (der 14. Mann), sowie die Defensivspieler Christian Lell, Andreas Ottl und eben Lucio. Kreativität: Fehlanzeige. Ein Armutszeugnis, dass Abwehrspieler van Buyten in der Schlussphase mit seiner Kopfballstärke als Offensivhoffnung herhalten musste.

Tauscht man die Namen des Münchener Personals gegen die des Gelsenkircheners und ersetzt „Köln“ durch „Bochum“, braucht man nurnoch die „Standardwechel“ abzuziehen, schon sitzt man wieder im eigenen Mist. Ich würde dem Münchener Management ein nicht Wollen unterstellen, während ich auf Schalke ein nicht Können vermute. Die Probleme mit der Bank sind für die Trainer Klinsmann und Rutten dennoch sehr ähnlich. Zugegebenermaßen auf unterschiedlichem Niveau.

Gleichzeitig wird im sportmedienblog der Beginn der Demontage Klinsmanns durch Karl-Heinz Rummenigge angemerkt. Ein Text den man lesen und sich merken sollte. Möglicherweise der Hinweis auf den Start einer Reality-Soap, die es sehr ähnlich schon mal gab, die einst auch damit Begann, dass Karl-Heinz Rummenigge seinen Trainer öffentlich diskreditierte. Damals bemerkte er, dass Fußball keine Mathematik sei.

Die Bayern können trotz ihrer Probleme noch alle Ziele erreichen. Bei Werder Bremen sieht’s dagegen schlimm aus. Möglicherweise haben sie im Gegensatz zu Schalke 04 noch Geld. Ich habe mich schon immer gefragt, was Allofs mit den Millionen aus den vielen Jahren Champions League-Teilnahme in Folge angefangen hat. Sportlich ist Werder aktuell jedenfalls noch ein bisschen erfolgloser als die Königsblauen.
Dass Werder Bremen, sehr ähnlich wie Schalke 04, trotz unterschiedlichen Erfolgs in den verschiedenen Spielzeiten, seit langem mit den immergleichen Problemen zu kämpfen hat, wird bei Hacke Spitze Tor sehr anschaulich dargestellt. Ronny vom Weser-Blog lässt Thomas Schaaf inzwischen an höhere Mächte glauben – und singen. Großartig!

„Hau wech, dat Dingen!“

Der Abpfiff kommt etwas plötzlich. Wäre er, wie es Usus ist, bei einem langen Ball, vielleicht einem Abschlag erfolgt, der Jubel wäre lauter gewesen. So nur Erleichterung allenthalben. Ich drehe mich um, zu O-Jay, der gleich hinter mir steht. „Gut, oder!?“ sagt er. Eine Aussage, keine Frage. „Ja, gut!“ sage ich.

Zuvor hatten wir ein Fußballspiel mit einer fürchterlichen ersten Halbzeit gesehen. Teams denen fast nichts gelang, die sich gegenseitig an Fehlern überboten. Eine Halbzeit nahezu frei von Torraumszenen. Angsthasenfußball zweier Mannschaften, die in der vergangenen Woche von Fans und Medien viel Dresche bezogen haben, denen bewusst war, dass eine Niederlage das alles potenzieren würde. Und kurz nach der Halbzeit erzielte Benni Höwedes das 1:0.

Plötzlich war alles anders. Plötzlich hatte Werder etwas aufzuholen, und Schalke blieb in seiner Angsthasigkeit alleine zurück. Es wurde ein Spiel auf ein Tor, weil Schalke im Mittelfeld jegliche Kontrolle verlor und alle Konterversuche bereits im Ansatz misslangen.

Werder fehlte es bei allem Engagement ebenfalls an Klarheit. Weniges schien geplant. Ein Özil Trick hier, eine Hereingabe nach eine Freistoß da, Werder kam zu seinen Chancen. Aber von der „Green Machine“, von der besten Offensivmannschaft, die Werder in den letzten Jahren regelmäßig stellte, war nichts zu sehen.

Und trotzdem warf Werder nun alles nach vorne. Und Schalke hielt dagegen. Und plötzlich änderte sich die Stimmung im Stadion.
Wo gerade noch die vom FC Schalke der letzten Monate genervte Zuschauerschaft Fehlpässe begrummelte und strukturloses Spiel kritisierte waren nun unterstützende Fans zu sehen und zu hören. Plötzlich wurde ein auf die Tribüne gedroschener Ball bejubelt. Plötzlich gab es Applaus für Spieler, die sich in einen Pass warfen, auch wenn mit dem eroberte Ball kein ordentlicher Angriff eingeleitet wurde. Plötzlich wurde das Spiel wieder mitgelebt.

Mit Häme könnte man behaupten, dass sich das Schalker Publikum nun wieder an dieses schwache Niveau gewöhnt hätte. Aber das ist Quatsch, ich bin davon überzeugt, dass die allermeisten Fans die heutige schlechte spielerische Leistung sehr wohl einschätzen können, egal wozu dieses Spiel in den Medien oder im Leuchtturm gemacht werden wird. Aber die heutige zweite Halbzeit war nicht die Zeit für Kritik, nicht die Zeit für Liebesentzug oder Erziehungsmaßnahmen, einzelnen Spielern oder Funktionären gegenüber. Es ging nur um diese drei Punkte. Es ging darum, eine Aussicht zu behalten, und darum, den Affen nicht noch mehr Zucker zu geben.

Das hat funktioniert. Mit etwas Geschick, mit viel Einsatz und auch dank Werder.
Es hat funktioniert. Gut.

„Der überragende Lincoln zog die Fäden“

Varela, Ernst, Bajramovic – Lincoln – Kuranyi, Lövenkrands. So war Schalke in Mittelfeld und Angriff aufgestellt, als es am 20. Spieltag der vorletzten Spielzeit in Bremen ein hervorragendes Spiel ablieferte. Ziemlich genau vor 2 Jahren, am 04. Februar 2007.

Es war Schalkes starke Phase in dieser Saison, der letzten, auch abgesehen von den Ergebnissen spielerisch starken Phase überhaupt. Schalke brauchte sich nicht auf Standards verlassen. Zwar bestach auch damals vor allem die Defensive, die größte Stärke war die ständige Ordnung. Aber auch die Angriffe wurden ausgespielt. Lövenkrands war mit seiner Schnelligkeit eine Bedrohung für den Gegner. Varela, überall auf dem Platz, zweikampfstark und gedankenschnell. Und Lincoln wirkte in dieser Zeit mit mehr Licht denn Schatten – was ihn immer dann zu einem der besten Mittelfeldspieler der Liga machte. Zu dieser Zeit war Schalke ein völlig verdienter Tabellenführer.

Einige Spieltage später brach Lövenkrands buchstäblich weg und Schalke zusammen. Lövenkrands hat diese Stärke nie mehr erreicht. Nach der Saison waren auch die Schalker Karrieren von Varala und Lincoln vorbei, der eine wechselte in die Türkei und der andere verletzte sich; wieder und wieder und wieder. Alle drei hat Schalke bis heute qualitativ nicht ersetzt.

Nach nur 2 Jahren hat Schalkes Mannschaft mit der von damals nichts mehr zu tun, auch wenn einige Namen noch die selben sind. Neun Tage vor dem besagten Spiel in Bremen schrieb ich meinen ersten Blogbeitrag. Könnte mir jemand einen Zusammenhang beweisen, hoffnungsvoll hörte ich hier umgehend auf und schriebe fortan über weniger Wichtiges. Hoffenheim vielleicht, oder Bayern München.

Der eine Thomas Schaaf

Thomas Schaaf vereint mit Christoph Daum dass er einen Oberlippenbart trägt und dass er ein guter Trainer, ein Meister ist. Müsste ich wählen, ich würde immer Christoph Daum vorziehen, denn Fußball sind eben nicht nur die 90 Minuten auf dem Platz, wie dieses und zig andere Blogs, wie Portale, Sender, Zeitungen und Zeitschriften Tag für Tag beweisen. Man will ja Lust an der Sache haben, und Lust ist eben genau das, was ich mit Thomas Schaaf überhaupt nicht verbinden kann.

Natürlich gibt es aber viele positive Eigenschaften, die man, die ich mit Schaaf verbinden kann, muss, allen voran seine unglaubliche Souveränität. Thomas Schaaf sagt eigentlich nie Dinge die man in Frage stellen könnte. Er vermittelt immer das Gefühl, dass das, was er sagt auch so ist. Außerdem spricht er sehr direkt, etwas anders als wie der eigentliche Kern aussehen zu lassen ist nicht seine Art. Bei ihm gibt es nur selten etwas zu interpretieren. Floskeln nutzt er fast ausschließlich, um die eigenen Sätze flüssiger werden zu lassen, nicht um damit Fragen zu beantworten.

Letzten Donnerstag sprach Thomas Schaaf eine gute halbe Stunde mit Hans Heinrich Obuch, dem Moderator der Radio Bremen Sendung „Gesprächszeit“. Auch über Mesut Özil. Darüber, wie er den Job des Trainers sieht. Über Klinsmann und Mourinho. Über die Herkunft seiner Philosophie. Mit ein wenig Medienkritik. Und natürlich mit seiner Lieblingsformulierung „der eine oder andere“.

Hören:

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mp3-Datei / Podcast-Feed

Werder zu Bayern, zu Hertha

Der Unterschied von Werder Bremen zu Bayern München ist, dass Bayern München in der Regel auch schwache Spiele gegen weniger namhafte Gegner noch mit 1:0 gewinnen kann. Über Schalke 04 brauch in diesem Kontext nicht gesprochen werden, die Spielen nicht mehr in der gleichen Liga.

Christine Westermann: Sie sind ja in Bremen geboren, leben aber in Berlin. Wenn man Ihnen eine Freude machen wollte, würde man das eher mit einem Hertha-Ticket oder mit einem Werder Bremen-Ticket tun?

Sven Regener: Mit ’nem Werder-Ticket. Es ist nicht so weit gekommen, dass ich mich mit der Hertha befassen würde. So weit kommt das noch.

[Zitat aus der WDR2-Sendung „MonTalk“ vom 15.09.08]

Der Überflieger: Werder Bremen – Schalke 04

Ein Spiel, 1904 Sichtweisen. Mindestens. Ein paar davon habe ich hier zusammengetragen. Zum hier an- und dort weiterlesen. Vielleicht meinungsbildend, vielleicht als Diskussionsgrundlage. Stoff für spannenden Gespräche in Bus und Bahn, am Arbeitsplatz oder um die Frau beim Frühstück damit zu nerven. (weiterlesen…)