Artikel zum Schlagwort ‘WM 2014’

Weltmeister 2014

Manuel Neuer
Kevin Großkreutz
Matthias Ginter
Benedikt Höwedes
Mats Hummels
Sami Khedira
Bastian Schweinsteiger
Mesut Özil
André Schürrle
Lukas Podolski
Miroslav Klose
Ron-Robert Zieler
Thomas Müller
Julian Draxler
Erik Durm
Philipp Lahm
Per Mertesacker
Toni Kroos
Mario Götze
Jérôme Boateng
Shkodran Mustafi
Roman Weidenfeller
Christoph Kramer

… und die Trainer und Du und alle und sogar der schwer erträgliche Mehmet Scholl und ich gar schon zum dritten Mal. Glückwunsch miteinander!

Kein Krul, kein Finale

Argentinien steht im Finale, weil Jasper Cillessen keine Elfmeter halten kann. Louis van Gaal hatte verpasst, Tim Krul einzuwechseln. Weshalb auch immer.

Schon gegen Costa Rica war es knapp. Louis van Gaal stand mit dem zweiten Torwart Tim Krul an der Seitenlinie und das Spiel wurde partout nicht unterbrochen. Die letzte Minute der Verlängerung lief bereits. Ich wunderte mich: Hatten Oranjes Spieler den Wechselwunsch tatsächlich nicht mitbekommen? Wieso schoss niemand den Ball ins Aus? Der gefühlt 68. Abseitspfiff rettete Hollands Trainer und ermöglichte so die Heldentaten des Tim Krul, der dafür sorgte, dass seine Mannschaft ins Halbfinale einzog.

Im Halbfinale gegen Argentinien brachte Van Gaal seinen zweiten Torhüter nicht. Welch ein Fehler! Jasper Cillessen machte seine Sache im Elfmeterschießen schlecht. Selbst wenn er in der richtigen Ecke war, vermochte er es nicht, einen Ball abzuwehren. Sein Versuch, Kruls Nervenkrieg nachzuahmen, den Gegner mit Gequatsche zu irritieren, wirkte hilflos.

Nach einem ganz schwachen Fußballspiel über 120 Minuten blieb also Argentinien als Sieger nach Elfmeterschieße übrig und trifft am Sonntag auf Deutschland. Ma’kucken.

Der eingebrannte Abend

7:1. Ein schier unvorstellbares Ergebnis bei einem Halbfinale gegen Brasilien, in Brasilien.

Das alles passierte einfach so. Wahnsinnig schnell. Eine Standardsituation zur 1:0 Führung. Danach einige Balleroberungen, als Brasilien in der Vorwärtsbewegung war, was Raum schuf. Raum, der mehrmals in der gleichen Form genutzt wurde: Pass nach außen, der Passgeber verlangsamt sein Tempo und entzieht sich der Übernahme durch den Innenverteidiger, Pass zurück, freier Zugang zum Tor. Es war nicht schwer zu verstehen, was man da sah. Es war nur kaum zu begreifen.
Alles schien überraschend einfach. Alles war einer Maschine gleich effektiv. Alles das führte früh zu einem Ergebnis in einer unglaublichen Dimension.

Ein Spiel, ein Ereignis, ein Abend, das und den keiner von uns jemals wieder vergessen wird. Weltmeisterschaften schaffen Erinnerungen. Ich habe dieses Spiel im Kreis meiner kleinen Familie erlebt. Meine Tochter (6) konnte sich nach dem 5:0 nicht mehr wach halten, verabschiedete sich aber mit der Bemerkung, dass sie sich sicher sei, dass Deutschland das schon gewinnen und nach dem Halb- auch ins Vollfinale einziehen würde. Mein Sohn hatte früh Mitleid mit den weinenden Brasilianern. Meine Frau feierte jedes Tor wie das erste. Und ich trank erstmals überhaupt ein „Augustiner Edelstoff“, empfand es als furchtbar dünn, plörrig, unwichtig, und werde wohl auch das nicht mehr vergessen können.

Und wie habt ihr das erlebt?

Deutschland kämpft sich erdig Richtung WM-Titel

Deutschland gewinnt 1:0 gegen Frankreich und steht damit im Halbfinale. In einem der am wenigsten spektakulären Spiele dieser WM war Deutschland von zwei gut organisierten Teams das einen Tick bessere.

Das Tor fiel nach einer Standardsituation in der 12. Minute. Das nächste Mal schoss Deutschland in der 82. Minute auf das Tor der Franzosen. Auf der anderen Seite gab es mehr Schüsse zu verzeichnen, wirklich gefährlich war aber eigentlich nur Karim Benzemas Chance in der Nachspielzeit, die Manuel Neuer nur mit einer überragenden Reaktion zu Nichte machen konnte.

Alles andere war gute Defensive, nicht mehr aber auch nicht weniger. Mats Hummels war überragend, Benedikt Höwedes nahezu fehlerfrei, die anderen deutschen Spieler standen den beiden kaum nach. Wenn das so funktioniert, wenn das Defensivverhalten so gut ist, dass man sich eine Offensive mit wenig Glanz leisten kann, ist Deutschland tatsächlich ein WM-Favorit.

Seit 1972 war Deutschland noch nie so lange ohne Titel bei Welt- oder Europameisterschaften wie jetzt. Von 1996 bis 2006 wurde gehadert, seitdem ging es Fußballdeutschland trotzdem gut. Denn unter Klinsmann und Löw wurde plötzlich mitreißender und offensiver Fußball geboten. Im achten Jahr unter Joachim Löw scheint die Mannschaft nun reif für den Titel zu sein, aber eben nicht im so lange gefeierten löw’schen Spielstil, sondern auf so zweckmäßige Art wie zuletzt unter Berti Vogts.
Verrückte Geschichten schreibt er, der Weltfußball.

Deutschland weiter: Neuer rettet Löw den Job

Deutschland schlägt Algerien mit 2:1 n.V. und zieht ins Viertelfinale ein. Auf Grund der Leistungssteigerung ab der zweiten Halbzeit war der Erfolg letztlich verdient. Ohne den überragenden Manuel Neuer wäre er allerdings nicht möglich gewesen.

Oliver Kahn nannte Neuers Agieren „Harakiri“, dabei wäre es gerade eben das gewesen, die Löcher in der deutschen Abwehr ungestopft und den Gegner mit Ball alleine auf’s Tor zulaufen zu lassen. Deutschlands Mittelfeld war mit Algeriens Pressing überfordert, und der daraus entstandene Druck war für die Abwehrkette zuviel. Zu langsam laufend, zu langsam reagierend, zu schlecht auf einander abgestimmt: Die 4-Innenverteidiger-Kette ließ nahezu alles durch was kam und mache Manuel Neuers denkwürdige Halbzeit als Libero zwingend notwendig.

Erstaunlich war, dass sich Bundestrainer Löw diese ersten 45 Minuten ansah, ohne zu reagieren. Zwar gelang seiner Mannschaft in der zweiten Hälfte ein besseres Passspiel, man entkam dem Pressing besser und hatte fortan ein Übergewicht. An den grundsätzlichen Problemen der Abwehr änderte sich aber nichts. Erst die Verletzung des vollkommen überforderten Shkodran Mustafi zwang Löw zu der naheliegenden Reaktion, den besten Außenverteidiger auch als solchen einzusetzen und damit wenigstens eine Seite defensiv adäquat zu besetzten.

Deutschland hat sich ab der zweiten Halbzeit mehr und die besseren Chancen erspielt, deshalb hat man sich den Sieg verdient. Eine schlechte Leistung und sehr knapp war es trotzdem. Bei einem Ausscheiden im Achtelfinale gegen Algerien hätte Bundestrainer Löw ab heute dem Trainermarkt zur Verfügung gestanden. Dass das nicht so ist hat er der außergewöhnlichen Leistung seines Torhüters zu verdanken. Dem „Harakiri“, wie Oliver Kahn es nannte.

Klaas-Jan Huntelaar, Neymar da Silva Santos Jr.

Holland dreht das Achtelfinale gegen Mexico innerhalb von 6 Minuten, und ausgerechnet Klaas-Jan Huntelaar hatte maßgeblichen Anteil daran.

Klaas-Jan Huntelaar, der von seinem Trainer Louis van Gaal vermutlich nicht mal dann eingesetzt werden würde, wenn Robin van Persie, Leroy Fer und Dirk Kuijt von oben bis unten eingegipst werden müssten

schrieb ich noch am Freitag. Aber als es schlecht aussah für Oranje stellte Van Gaal seine Mannschaft um, beorderte Memphis Depay und Arjen Robben auf die Außen und stellte Klaas-Jan Huntelaar in die Mitte. Die Außen funktionierten sofort und waren der Schlüssel für Hollands Druck, an Huntelaar lief das Spiel anfangs noch vorbei. Am Ende standen nur 7 Ballberührungen für ihn zu Buche. Aber mit seiner Präzision bei der Kopfballvorlage zum Ausgleich, und mit seinem Selbstbewusstsein, den wichtigen Elfer in der Nachspielzeit zu verwandeln, trug er seinen Anteil am bislang erfolgreichen WM-Turnier Oranjes bei. Einen gewichtigen. Heel leuk!

Apropos Selbstbewusstsein: Neymar da Silva Santos Júnior weiß bei diesem Turnier zu überzeugen. Gerade 22 Jahre alt, jünger als Joel Matip, und trotzdem erwartet ganz Brasilien, dass er seine Mannschaft zum Weltmeister-Titel führt. Unter solch einem Druck solche Leistungen abzuliefern ist meines Erachtens überragend.
Auch in diesem denkwürdigen Spiel gegen Chile war er der Dreh- und Angelpunkt seines Teams. Es scheint als könne er tun und lassen was er will, und als seien es die Aufgaben von Hulk und Oscar, sich stets um ihn herum zu positionieren, mitzugehen. Dabei ist Neymar unglaublich schnell, versprüht Spielfreude, wirkt wie losgelassen.
Ich habe während diesem Spiel meine Daumen für Chile gedrückt. Aber Neymars Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit, sein Selbstbewusstsein beim Elfmeterschießen, seine Schmerzen am Ende des Spiels, seine Tränen nach der Entscheidung, als deutlich wurde, welche Last von seinen Schultern fiel: Das alles hat mich beeindruckt.

Deutschland ist durch, Prince auch

Mit einem 1:0 Sieg über die USA erreicht Deutschland das Achtelfinale als Sieger der Gruppe G, letztlich souverän. Im Dauerregen begann man mit viel Druck und erspielte sich flott einige Chancen. Im Laufe des Spiels nahm das Tempo allerdings immer weiter ab. Mehr als dieses Ergebnis war nicht nötig, das merkte man. Defensiv hatte Deutschland den Gegner aber nahezu über die gesamte Spielzeit im Griff. Das ist entscheidend bei einer WM, wo es stets vor allem darum geht, nicht zu verlieren.

Auf ganzer Linie verloren hat Kevin Prince Boateng. Sicherlich hatte er große Lust, bei dieser WM auf sich aufmerksam zu machen, doch schien er nie wirklich Teil seines Teams zu sein. Die Spiele zur Qualifikation zu dieser WM sagte er regelmäßig ab, und in Brasilien fiel er nur durch Medienpräsenz, nie durch Leistung auf dem Platz auf. Gegen die USA begann Ghana ohne ihn. Gegen Deutschland war er, bis zu seiner Auswechslung in der 53. Minute, der schlechteste Spieler auf dem Platz. Am Spiel gegen Portugal nahm er nicht mehr teil, weil ihn sein Trainer aus dem Kader geschmissen hatte. In Kombination mit Klaas-Jan Huntelaar, der von seinem Trainer Louis van Gaal vermutlich nicht mal dann eingesetzt werden würde, wenn Robin van Persie, Leroy Fer und Dirk Kuijt von oben bis unten eingegipst werden müssten, bekommen es Schalkes Häuptlinge bei dieser WM mit der Demotivationskeule dauerhaft von links und rechts um die Ohren.

Für die USA – und damit auch für Jürgen Klinsmann – ist die Qualifikation fürs Achtelfinale ein großer Erfolg. Fast wie in einem dieser pathetischen amerikanischen Sport-Trailern beschrieben, lebt dieses Team tatsächlich mehr vom „Spirit“ als von der spielerischen Qualität der Akteure. Ausgerechnet Jermaine Jones aus Frankfurt-Bonames ist so gesehen der „amerikanischste“ Spieler von allen. Sein Einsatz in der ersten Halbzeit gegen Deutschland war überragend. Damit, mit ihrem soliden taktischen Grundgerüst und mit ein bisschen Glück, kann diese Mannschaft auch die nächste Runde überstehen.

Portugal ist die große Enttäuschung dieser Gruppe. Es war, als wäre die WM für diese Mannschaft nach 11 Minuten vorbei gewesen. 11 Minuten spielten sie nicht schlecht, dann gab es den Elfmeter für Deutschland und es schien, als würde Portugal fortan nicht mehr an einen möglichen Erfolg glauben. 0:4 in einem desaströsen Spiel, auch für Superstar Christiano Ronaldo persönlich, damit hat man sein Ausrutscherkonto aufgebraucht, da darf man sich kein weiteres Unentschienden mehr leisten. Portugal war schlicht schwächer als erwartet. Zu schwach.