Artikel zum Schlagwort ‘Zukunft’

Ma’ kurz

… auf die Situation geschaut.

Unter meinem gestrigen Beitrag hatten sich viele Kommentare versammelt, in denen die aktuelle Lage eingeschätzt wird. Dabei schauen viele Kommentatoren eher pessimistisch in die Zukunft.

Ich selbst sehe viel positiver nach vorne. Mein Eindruck ist, dass Schalke noch nie so viel Kompetenz im Vorstand hatte wie heute, und dass der Club trotz sportlicher Rückschläge noch nie so ruhig geradeaus geführt wurde wie jetzt. Mir ist vollkommen klar, dass es Schalker gibt, die sich nach starken Worten sehnen, die in solchen Zeiten nach den Sprüchen eines Rudi Assauers darben. Aber die Zeiten sind nicht mehr so. Schalke ist seriös geworden, seriöser als wir alle wahrhaben wollen.

Sportlich laufen wir aus meiner Sicht 6 Punkte hinterher. Die sind immer noch dem missglückten Start geschuldet. Mit 24 Punkten hätte man eine sehr gute Ausgangslage für die Rückrunde. So wird es schwer, nochmal die Europapokalplätze anzugreifen, alleine weil so viele Clubs dazwischen stehen, die alle erst mal Federn lassen müssen.

Das ist doof. Aber das ist nichts, was bei mir dazu führen würde, schon wieder alles infrage zu stellen. Das sind kurzfristige Misserfolge, die nicht „den Weg“ gefährden. Diese Mannschaft hat viel Talent, und Trainer Markus Weinzierl hat in der Hinrunde bereits gezeigt, dass er flexibel ist, dass er nicht nur einer einzigen Idee von Fußball nachhängt. Das alles macht mir viel Mut für die Zukunft. Namen einzelner Spieler sind mir dabei vollkommen egal. Es ist nicht wichtig, wer spielt, sondern wie wer spielt. Einzelnen Spieler nachzuhängen habe ich mir seit Manuel Neuer abgewöhnt.

Fünf Tage vor dem Neustart

 
Am Samstag, in fünf Tagen, um 15:30 Uhr, ist es endlich so weit. Die Rückrunde startet auch für die Blauen aus Gelsenkirchen. Erst Ende März, an dem Wochenende, an dem Deutschland wieder auf Sommerzeit umstellt, wird es die nächste Spielpause geben.

Vor den Testspielen habe ich mich erfolgreich gedrückt. Vor beiden. Ich habe nichts gesehen. Es ist schließlich immer dasselbe: Spielen sie gut, wischt man es als Test weg, spielen sie schlecht, beginnt man sich zu sorgen. Beides ist unnötig.



Sidney Sam & Fabian Giefer

Nebenbei verschlankt Schalke noch seinen Kader. Sidney Sam wurde für die aktuelle Rückrunde nach Darmstadt ausgeliehen, das wurde bereits offiziell bestätigt. Auf Schalke war er von Beginn an eine einzige Enttäuschung. Für die Blauen hat er kein einziges gutes Spiel auf den Platz gebracht.

Noch nicht bestätigt ist eine Ausleihe von Fabian Giefer zum englischen Zweitligisten Bristol City. Verschiedene Medien berichteten übereinstimmend von diesem Deal. Auch diese Leihe soll sich auf die Rückrunde beschränken.
Fabian Giefer kommt auf Schalke nicht an Ralf Fährmann vorbei. Er ist ein prima Torwart und mit dem Ball am Fuß wohl besser als Schalkes Nummer 1. Aber Ralf Fährmann ist eben nicht nur ein Torwart, der stets solide alle „Haltbaren“ hält. Er hat auch eine starke Präsenz, er ist ein Führungsspieler dieses Teams, ein Gesicht des Clubs. Das ist das gewisse Extra, dass ein anderer Torhüter mit überragenden Leistungen ausgleichen müsste. Für Fabian Giefer ist es deshalb sinnvoll, zunächst woanders zu seiner Bestleistung zu finden.



Und die Gerüchte

Ich kann die Seriosität nicht beurteilen, aber gestern Abend gab es auf türkischen Webseiten die Meldung, dass ein Wechsel Junior Caicaras zu Basaksehir Istanbul perfekt sei. Die Ablöse soll 3 Millionen Euro betragen.

Außerdem wird Sead Kolasinac durch die Gerüchteküche gejagt. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, bislang konnte Schalke mit ihm nicht verlängern. Juventus wolle ihn angeblich im Sommer ablösefrei verpflichten. Chelsea wolle ihn angeblich sofort haben. Arsenal sei auch noch in der Verlosung.

Ich las, dass Christian Heidel einen Wechsel im Winter ausgeschlossen hätte. Die eigentliche Aussage dazu hatte ich allerdings verpasst. Sollte er das so klar formuliert haben, würde ich mich darauf verlassen. Wenngleich ich das Interesse anderer Clubs durchaus nachvollziehen kann. Nach seiner starken Hinrunde ist Sead Kolasinac aktuell so wertvoll wie nie zuvor.

Leroy Sané

Leroy Sané wurde gestern von Bundestrainer Löw für den Kader zur Europameisterschaft in Frankreich nominiert. Es ist die Krönung einer großartigen Saison des jungen Schalkers. Leroy Sané ist ein spektakulärer Spieler, einer der Spiele entscheiden kann. Da ist es kein Wunder, dass schon jetzt über einen Wechsel zu einem größeren Club spekuliert wird.

Im Januar wurde Leroy Sané 20 Jahre alt. Damit ist er der jüngste Spieler in Löws Team. Er war auch in Schalkes Team der jüngste, sieht man von Marvin Friedrich und Thilo Kehrer ab, denen Trainer André Breitenreiter nur ein paar Minütchen Bundesliga gönnte. Leroy Sané hatte seine ersten „Minütchen“ Bundesliga bereits in der Saison 2014/2015: Seine ersten drei Bundesligatore in 13 Einsätzen. Den ersten Champions League-Auftritt, inklusive Treffer, im Bernabéu zu Madrid. In diesem Jahr startete er dann richtig durch.

In der vergangenen Saison kam Leroy Sané auf 42 Pflichtspieleinsätze. Nur Ralf Fährmann kam auf einen mehr. Leroy Sané erzielte 9 Treffer, nur Klaas-Jan Huntelaar erzielte mehr. Er bereitete 7 Treffer vor, nur Max Meyer und Johannes Geis kamen auf mehr Vorlagen. Doch das sind nur Zahlen. Mehr als das zieht seine Art des Spiels die Zuschauer in seinen Bann. Kaum vorstellbar, dass Liebhaber offensiven Fußballs diesen Spieler nicht mögen könnten.

Leroy Sané ist so dynamisch und torgefährlich wie Julian Draxler, nur viel unbekümmerter. Seine Diagonalläufe öffnen Räume, kreieren aussichtsreiche Situationen. Ab und an fehlt ihm noch die Ballsicherheit, wenn er mal wieder schneller als sein Schatten ist und mit diesem auch die Kugel unterwegs liegen lässt. Aber so, wie er im Lauf der Saison sein Defensivspiel verbesserte, so wie er immer häufiger auch andere Spieler in Szene setzte, statt immer in 1:1 Dribblings zu gehen, so wird er sich weiterentwickeln und von Routinen profitieren.

Leroy Sané ist ein Spieler, der den Ball haben will, der Spiele entscheiden möchte. Sein Stil fällt auf. Sein Afro fällt auf. Er sieht gut aus. Er bringt mit, was es zu einem Star braucht. Jetzt lässt ihn Joachim Löw in Frankreich vielleicht schon auf die ganz große Bühne. Sie werden ihn irgendwann unbedingt haben wollen, die großen Clubs. Vielleicht schon in diesem Sommer. Auch Ausrüster Nike sieht in ihm einen zukünftigen Star und hat ihn bereits unter Vertrag genommen.

Weder in diesem Winter noch im Sommer greift eine Ausstiegsklausel bei Leroy Sané.

… wurde Horst Heldt im Januar zitiert, als es bereits Gerüchte um ein Interesse des FC Barcelona gab. Die ungelenke Formulierung lässt die Vermutung zu, dass zu einem späteren Zeitpunkt eben doch eine Ausstiegsklausel greift, dass eine Ablösesumme nur noch in diesem Sommer frei verhandelbar sein könnte.

Christian Heidel weiß um die Qualität des Spielers und er hat mehrfach gesagt, dass ihm bislang keine Angebote für Sané untergekommen seien. Ebenso klar sagte er aber auch, dass er niemals einen Spieler für unverkäuflich erklären würde. Immer ginge es nur darum, eine Mannschaft zusammenzustellen, die den größtmöglichen Erfolg garantiere. Gemeinsam mit dem neuen Trainer wird Christian Heidel den Kader verändern wollen. Die Rahmenbedingungen stimmen, gleich bei 11 Spielern des bisherigen Kaders laufen die Verträge in diesem oder im kommenden Sommer aus. Was es jedoch zu solchen Veränderungen braucht ist Geld, zumal sich Schalke eben wieder „nur“ für die Europa League qualifizierte. Auf die beiden letzten Europa League-Teilnahmen musste Schalke mit den Verkäufen von Manuel Neuer und Julian Draxler reagieren.

Auf Rechtsaußen konnte in der vergangen Rückrunde auch Alessandro Schöpf immer wieder mal auf sich aufmerksam machen. Schöpf ist auch erst 22 Jahre alt. Auch er wurde gestern für die Europameisterschaft in Frankreich nominiert, für Österreich. Und sowohl der FC Barcelona, als auch Manchester City, deren neuer Trainer Pep Guardiola ein großer Fan Leroy Sanés sein soll und für die Geld eine untergeordnete Rolle spielt, werden von Nike ausgerüstet. Aber das nur nebenbei.



Fotos: Tomek Bo

Wie geht’s Markus Weinzierl?

Man weiß es nicht. Vermutlich fühlt er den Zauber, der, wie man sagt, jedem Neuen innewohnt.

Es heißt, er flöge nach Marbella. Dorthin, wo Christian Heidel, Schalkes neuer starker Mann, Urlaub macht. Es heißt, nur Urlaub mache dort niemand, sie planten dort die neue Saison. Was sich gut anhört, angenehm. Was keinerlei Probleme mit sich bringen sollte. Schließlich hatte, wie wir mittlerweile wissen, Christian Heidel jahrelang kein Fußballmanager-Büro, führte die Geschäfte des FSV Mainz 05 in seinem Autohaus. Autohaus, Ferienhaus, einerlei.

Es heißt, der Trainer bekäme die Freigabe für den Wechsel vom FC Augsburg erst, wenn Augsburg selbst einen neuen Trainerverpflichtung sicher habe. Es heißt, Augsburg wolle Dirk Schuster von Darmstadt 98. Es heißt, Dirk Schuster bekäme die Freigabe von Darmstadt 98 erst, wenn Darmstadt 98 eine adäquate Ablösesumme ausgehandelt und selbst eine neue Trainerverpflichtung sicher habe. Es heißt, Darmstadt 98 suche gerade nach einem Ersatz für Dirk Schuster. Wer weiß, vielleicht bekommt dieser Ersatz die Freigabe erst, wenn sein vorheriger Club selbst eine neue Trainerverpflichtung sicher hat. Und so weiter, und so fort. Es ist die Zeit, da der Schwanz mal die Chance hat, mit dem Hund zu wedeln.

In den letzten Wochen hieß es nahezu jeden Tag in irgendeiner Zeitung, vermutlich heute würde die Verpflichtung Markus Weinzierls endlich bekanntgegeben. Nie war es soweit. Wird es heute soweit sein? Aber wann gäbe es dann die fällige Vorstellung, die Pressekonferenz, wo die Herren doch im Ferienhaus planen? Wird es also noch Wochen dauern? Wie wichtig ist das eigentlich? Wird Markus Weinzierl auf der Pressekonferenz was anderes sagen als André Breitenreiter vor einem Jahr? Und welches Bier muss ich mir dazu kaufen?

Das alles weiß ich noch nicht. Ich denke, Markus Weinzierl geht’s dennoch gut.

Weinzierl (offensichtlich) neuer Trainer des S04

 
Ich hatte erwartet, dass der FC Schalke 04 gestern die Verpflichtung Markus Weinzierls als neuen Cheftrainer bekanntgeben würde. An dieser Stelle, gleich hier oben, hätte ich den Tweet des offiziellen Twitter-Club-Accounts eingefügt. Einfach um das Thema zu eröffnen und später, bei Gelegenheit, vermutlich abends, wie es so meine Art ist, mehr dazu zu schreiben. Aber der FC Schalke meldete nichts. Stattdessen ließ Die Zeit die Katze aus dem Sack.

Die ansonsten donnerstags erscheinende Wochenzeitung erscheint, wegen des Feiertags, diesmal bereits am Mittwoch. In einer Vorabveröffentlichung warb Die Zeit für diese Ausgabe mit Auszügen aus einer Story zu Markus Weinzierl. Diese enthalten Zitate des Trainers zu seinem bevorstehenden Wechsel zu Schalke 04, wodurch der Abschluss dieses Wechsels indirekt bestätigt wurde.

Christian Heidel hingegen wollte den Vollzug noch nicht bestätigen. Sowohl die FAZ, als auch die FUNKE Medien Gruppe meldeten, zur offiziellen Bekanntgabe stünde nur noch das Votum des Schalker Aufsichtsrats aus, der den Deal satzungsgemäß zu genehmigen hat. Demnach hätte sich Christian Heidel mit dem FC Augsburg auf eine Ablöse von 3 Millionen Euro plus eventueller Erfolgsprämien geeinigt. Markus Weinzierl erhalte auf Schalke einen Vertrag mit dreijähriger Laufzeit.

Ich gehe also davon aus, dass Christian Heidel in Kürze seinen Wunschtrainer an seiner Seite hat.

Markus Weinzierl ist 41 Jahre alt, also noch ein bisschen jünger als André Breitenreiter, und damit der zweite Trainer in der Geschichte des FC Schalke 04, der jünger ist als ich. Markus Weinzierl musste seine Spielerkarriere auf Grund einer Verletzung bereits im Alter von 30 Jahren beenden. Eine Spielzeit später, im April 2006, begann er als Co-Trainer beim SSV Jahn Regensburg. Im November 2008 übernahm er den Posten als Cheftrainer. Dreieinhalb Jahre später, in der Saison 2011/2012, erreichte Regensburg Platz 3 und damit die Relegation, schlug den Karlsruher SC und stieg auf. Markus Weinzierl wechselte daraufhin zum FC Augsburg.

Augsburg stieg 2011 in die erste Liga auf und beendete die Saison 2011/2012 auf Rang 14. In der Folge entließ man Trainer Jos Luhukay und entschied sich für den damals 37-Jährigen Weinzierl. Drei Jahre später, in der Saison 2014/2015, qualifizierte sich der FC Augsburg auf Platz 5 für die Teilnahme an der Europa League.

In der vergangenen Saison legte Weinzierls FCA in der Liga allerdings einen katastrophalen Start hin. Wohl auch auf Grund der Dreifachbelastung aus Liga, DFB-Pokal und Europa League, für die der Kader nicht ausgerichtet war, fand man sich nach 12 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz wieder – schon 5 Punkte hinter Rang 15. Sport1 berichtet, dass es im Verein damals Unstimmigkeiten darüber gegeben haben soll, wie man diese Krise zu meistern habe; dass Markus Weinzierl damals die Entscheidung getroffen haben soll, den FC Augsburg nach der Saison verlassen zu wollen. Vom 13. bis zum 34. Spieltag holte Augsburg 32 Punkte, ebenso viele wie Schalke 04, und sicherte damit doch noch den Klassenerhalt.

Wie der Fußball des FCA unter Markus Weinzierl in der Regel aussah, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich habe die Mannschaft lediglich zweimal pro Saison gesehen; eben gegen Schalke 04. Zwar lassen sich durchaus ausführliche Beschreibungen der Taktik und des Spielstils im Netz finden, etwa bei Spielverlagerung oder der Augsburger Allgemeinen. Diese stammen allerdings zumeinst aus dem Frühjahr 2015, als der FCA auf dem Weg in die Europa League war und deshalb für ein gewisses Aufsehen sorgte. Ob die Beschreibungen dieser Phase als repräsentativ erachtet werden können vermag ich nicht zu beurteilen.

Jedenfalls wollte Christian Heidel ihn haben. Und Horst Heldt letztes Jahr auch. Und Max Eberl findet ihn dem Vernehmen nach auch richtig prima.

Ma’kucken, wie’s so wird.



Foto: Maerwa

Christian Heidels Vorstellung auf Schalke

Jetzt ist er also da. Gestern wurde Christian Heidel als neuer Vorstand Sport und Kommunikation auf Schalke vorgestellt. Der Vorstand wird vom Aufsichtsrat bestellt, so sieht es die Satzung vor. Entsprechend war es natürlich an Clemens Tönnies, den neuen Vorstand zu präsentieren. Und gleich in seinen einleitenden Sätzen traf er die Aussage, die sicherlich in den nächsten Wochen, bis zur Jahreshauptversammlung, am häufigsten zitiert, diskutiert oder gar in Abrede gestellt werden wird.

Christian Heidel ist der neue starke Mann auf Schalke. Das verbinde ich mit der Nachricht, dass ich mich in Zukunft weiter aus dem Tagesgeschäft zurückziehe und mich auf das konzentriere was ein Aufsichtsrat tut: Beaufsichtigen und Rat geben.

Clemens Tönnies steht als Aufsichtsrat vor allem deshalb in der Kritik, weil er sich nie zurückhalten konnte. Weil er sich immer wieder als der starke Mann zeigte, ohne den keine wichtigen Entscheidungen auf Schalke gefällt werden. Weil er sich wie ein Präsident gab, regelmäßig in TV-Shows und Bild-Interviews seine Statements zur Lage formulierte. Eine Rolle, die seinem Amt nicht zusteht.

Ein Thema, mit dem sich auch Christian Heidel beschäftig hat.

Ich habe natürlich mitbekommen, dass es hier und da Kritikpunkte gibt. Natürlich gingen unsere Gespräche auch darum, wie wir die Aufgaben verteilen, Clemens Tönnies wird das bestätigen. Ich wäre sicherlich nicht zu Schalke 04 gekommen, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass zukünftig das operative Geschäft im Aufsichtsrat gemacht wird. Da gibt es eine ganz klare Zusage, dass das operative Geschäft Aufgabe des Vorstands ist, sein wird, und darauf bestehe ich auch. Sonst wäre ich nicht zu Schalke 04 gekommen.

Er habe „den Staffelstab weitergegeben“, formulierte Clemens Tönnies später. Aussagen, die ihm seine Kritiker nicht glauben werden. Aber eben die Ankündigung dessen, was sich diejenigen wünschen, die Clemens Tönnies für den grundsätzlich richtigen Mann in diesem Job halten, die nur eben seine Nähe zur Presse stört. Mir fällt es schwer zu glauben, dass sich Clemens Tönnies an seine Ankündigungen hält. Allerdings halte ich das Engagement Christian Heidels dahingehend für bemerkenswert. Ich halte den neuen Vorstand für durchaus stur – er selbst nannte es „hartnäckig“ – und ich glaube ihm, dass er Einmischungen gegen seinen Willen nicht akzeptieren würde. Insofern lässt sich diese Personalie durchaus als Beweis deuten, dass Clemens Tönnies es mit dem Zurückziehen erst meint. Übrigens wie auch schon damals, als Felix Magath zum „starken Mann“ auf Schalke wurde und sich Clemens Tönnies fortan auch sehr zurückhielt. Ein Versuch der scheiterte, was aber wahrlich nicht an Clemens Tönnies lag.

Doch in dieser Pressekonferenz sollte es ja nicht um Clemens Tönnies gehen. Dass Christian Heidel ein guter Vorstand Kommunikation sein wird, ließ diese erste Pressekonferenz jedenfalls bereits erahnen. Er sprach viel, übernahm sogar Antworten die eigentlich Clemens Tönnies hätte geben sollen, und was er sagte hatte Hand und Fuß. Er wirkte bestimmt, ganz klar in seinen Aussagen, und immer freundlich.

Er machte klar, dass seiner Ansicht nach der Trainer der wichtigste Mann sei. Dass er seine Aufgabe darin sehe, dem Trainer zum Schutz ein breiter Rücken zu sein, ihm das bestmögliche Team aus Co-Trainern und Assistenten zur Verfügung zu stellen, die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen.

Er sagte dass es das Ziel sei, dass jeder Schalker stolz auf den Club sei, dass es nicht mehr nötig sein soll, die Verfehlungen mit Humor zu nehmen. Er sagte, dass der Club dabei in Vorleistung gehen müsse, dass man eine Fußballspiel entwickeln müsse, auf dass jedermann wüsste für welchen Fußball Schalke 04 stehe.

Er sagte noch viel mehr, aber tatsächlich muss ich konstatieren: Christian Heidel hat eigentlich alles eben so gesagt, wie ich es mir gewünscht habe. Nun bin ich leicht begeisterungsfähig – Schalker eben. Und ja, das Umsetzten ist schwieriger als das Beschreiben. Aber dort den neuen Vorstand sitzen zu sehen, der das sagt was man sich wünscht, ist eben viel besser als dort einen sitzen zu sehen, der anderes sagt. Ich freue mich auf Christian Heidel.
 

Meine 7 Wünsche für Schalke 04

Nach der Saison ist vor der Saison und nach Horst Heldt folgt Christian Heidel. Noch bevor er richtig da war hat er André Breitenreiter mitgeteilt, dass er nicht länger Trainer des FC Schalke 04 sein wird. Am Mittag seines ersten offiziellen Arbeitstages wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Schalkes neuer Sportvorstand legt ein ordentliches Tempo an den Tag. Es gibt aber auch wirklich genug zu tun, nicht nur für ihn, auch für den nächsten Trainer und für den ganzen Verein. Zusammengefasst komme ich auf 7 Punkte, die abzuarbeiten notwendig sind, um den FC Schalke 04 wieder in die Erfolgsspur zu führen.
 

  • Den Wunschtrainer verpflichten
  • Gradlinig handeln
  • Eigendarstellung verbessern
  • Selbstbewusst sein und handeln
  • Die Löcher im Kader stopfen
  • Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln
  • Demokratie leben

 
 
Aber der Reihe nach …
 
 
Den Wunschtrainer verpflichten

Alles steht und fällt mit dem Mann, der für die tägliche Arbeit mit der Mannschaft verantwortlich ist. André Breitenreiter und Horst Heldt haben nicht gut zusammengearbeitet. Der Manager meinte, mit dem Kader wäre mehr möglich gewesen. Der Trainer forderte Verstärkungen die er nicht bekam. Schon früh war zu erahnen, dass es sich bei Breitenreiter und Heldt um eine Zweckgemeinschaft handelte. Zuletzt ließ Heldt durchblicken, dass er einst Thomas Tuchel verpflichten wollte, dass er sich damit im Club aber nicht durchgesetzt habe.

Christian Heidel muss sich durchsetzen. Er muss einen Trainer aussuchen von dem er absolut überzeugt ist. Er muss seine Entscheidung den Schalker Gremien erklären, sie überzeugen. Schalke braucht ein gut harmonierendes Trainer/Manager-Duo, ein Tandem das sich gegenseitig wertschätzt, unterstützt und notfalls verteidigt. Gegenseitiges Vertrauen der handelnden Personen ist die Grundlage jeder erfolgreichen Arbeit.
 
 
Gradlinig handeln

Mal Hüh, mal Hotte lief es unter Horst Heldt. Egal was er sagte, man konnte sich nie sicher sein, ob er nicht vielleicht zwei Tage später das Gegenteil entschied. Mal gab er „bewusst kein Ziel“ aus, um später zu sagen dass man seiner Ansicht nach doch in die Champions League-Ränge kommen müsse. Mal gab er Ultimaten aus um später drauf zu pfeifen. Er polterte, warf Spieler raus, nur um sie später wieder reinzuholen. Er gab bekannt, Schalker Spieler würden in Zukunft unbedingt innerhalb eines gewissen Umkreises um Gelsenkirchen wohnen müssen, ohne das jemals umzusetzen oder auch nur selbst nach Gelsenkirchen zu ziehen.

Unter Horst Heldt wurden Spieler verpflichtet, die danach vom Trainer nie auf ihrer eigentlichen Position eingesetzt wurden. Man plante eine Saison mit dem damals wertvollsten Talent als Spielmacher, um nach drei Spieltagen die Planung über den Haufen zu werfen und für viel Geld einen (mehr als) fertigen Star zu verpflichten. Am Ende flüchtete das Talent und den Star schmiss man raus. Unter Horst Heldt agierte Schalke stets nur kurzfristig. Seine fehlende Linie brachte dem Club immer wieder Unruhe.

Christian Heidel legte in Mainz wiederholt eine gewisse Dickköpfigkeit an den Tag. Einer, dessen Wort gilt. Schalke braucht einen Sportvorstand, der sich zunächst überlegt was er will, es dann verkündet und in der Folge danach handelt. Egal ob es um die Zielsetzung, die Kaderplanung oder die Führung der Abteilung allgemein geht; das muss grundsätzlich so sein.
 
 
Eigendarstellung verbessern

Das Miteinander zwischen dem Trainer des FC Schalke 04 und den über Schalke berichtenden Medien war zuletzt schlecht, unter André Breitenreiter wie auch unter Jens Keller. Nun kann man sagen, daran seien die Medien schuld, und man kann Bespiele anführen, bei denen Journalisten tatsächlich über die Grenze des guten Geschmacks hinausschossen. Fakt ist jedoch: Man wird nicht zig Journalisten „irgendwie umpolen“ können und Geschmacklosigkeiten im Umgang mit Trainern sind auch kein schalkespezifisches Problem. Beeinflussen kann man nur, wie man sich selbst darstellt, wie sehr man was an sich heranlässt und welche Storys man den Medien anbietet.

Jens Keller und André Breitenreiter haben beide wahnsinnig viel über die Medien gesprochen. Beide brachten sich mit wiederholten Rechtfertigungen für irgendwas immer wieder selbst in die Defensive. Sie beschäftigen sich offensichtlich gründlich damit, wie und was über sie geschrieben wurde, ihnen war das wichtig. Das tat ihnen nicht gut.

Wurde Felix Magath in seiner Zeit auf Schalke in Pressekonferenzen auf etwas angesprochen, was sich auf Geschichten oder Gerüchte aus den Medien bezog, war seine Standardantwort, dass er keine Zeit hätte sowas zu lesen. Sich dies zum Beispiel zu nehmen sollte die unbedingte Empfehlung für Schalkes nächsten Trainer sein: Sei freundlich, sei verbindlich, erzähle und öffne Dich eben so viel, dass sie Geschichten zu schreiben haben. Aber lese diese Geschichten grundsätzlich nie! Und pfeife unbedingt drauf, wenn jemand sagt, was andere über Dich schreiben! Du hast dafür keine Zeit.
 
 
Selbstbewusst sein und handeln

Auch das hat zum Teil etwas mit Darstellung zu tun, letztlich aber auch mit der Sicht auf sich selbst und dem Gefühl, mit dem die Leute ins Stadion gehen. Es gilt, sich als großer Club mit gewissen Ansprüchen zu positionieren, ohne in übertriebene Großkotzigkeit zu verfallen.

Es scheint ein ewiges Thema zu sein: Auf Schalke seien die Ansprüche zu hoch. Um sich ja nicht an irgendwas messen zu lassen, um ja keine negativen Schlagzeilen erdulden zu müssen, gibt man keine Ziele aus und stellt sich selbst klein dar. Jeder nächste Gegner ist natürlich auch ganz toll, und wer das nicht sehe schaue nicht richtig hin. Dennoch wird Schalke in den einschlägigen Rankings seit Jahren unter den 20 wertvollsten Fußballclubs der Welt geführt.

Schalke erzielt höchste Einnahmen aus dem Sponsoring weltweit agierender Unternehmen, zeigt sich als Marke in den USA, im nahen wie im fernen Osten. Was Schalke 04 an Mitgliedsbeiträgen passiver Mitglieder kassiert ist mehr als die Hälfte der Bundesligaclub von ihren Trikotsponsoren erhalten! Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind in den letzten Jahren sportlich wie wirtschaftlich enteilt. Dahinter ist alles offen. Es muss der Anspruch eines so potenten Clubs wie Schalke 04 sein, die dritte Kraft zu werden und zu bleiben. Dies muss man nicht unbedingt als offizielles Ziel ausrufen, aber man muss so agieren, es leben.
 
 
Die Löcher im Kader stopfen

André Breitenreiter hatte immer gesagt, ihm fehle ein erfahrener zentraler Defensivspieler im Kader. Er wollte auch Julian Draxler unbedingt halten. Horst Heldt hatte den unerfahrenen Pierre-Emile Höjbjerg vom FC Bayern und im Winter Younes Belhanda aus Kiew ausgeliehen. Er konnte Joel Matip nicht halten und sowohl Roman Neustädters, als auch Sascha Riethers Vertrag laufen in ein paar Tagen aus. Horst Heldt hat einen lückenhaften Kader hinterlassen, nicht zuletzt um einen prima Geschäftsbericht für das Jahr 2015 vorweisen zu können.

Positiv formuliert kann man aber auch sagen, er hat Christian Heidel einen gewissen Spielraum gelassen. Gerade weil Höjbjerg und Belhanda nur ausgeliehen sind, gerade weil man mit Roman Neustädter und Sascha Riether bislang keine Entscheidungen über die Zukunft fällte, lässt sich für das neue Manager / Trainer-Gespann was bewegen. Hinzu kommt, dass die Verträge von Eric Maxim Choupo-Moting, Klaas-Jan Huntelaar, Sead Kolasinac und Dennis Aogo nur noch ein Jahr laufen. Auch hier können nun Weichen gestellt werden. Mit der Verpflichtung Naldos ist ein erster Schritt gemacht. Viele weitere müssen folgen.
 
 
Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln

In der letzten Spielzeit agierte Schalke wahnsinnig wechselhaft. Noch am 23. Spieltag agierte Schalke beim Abstiegskandidaten in Frankfurt mit 6 Verteidigern in der Startaufstellung, ohne jegliches Offensivspiel. Nur um sechs Tage später beim 3:1 in Köln zu stürmen, als gäbe es kein Morgen mehr. Bis heute lässt sich nicht sagen, für welchen Fußball, für welchen Spielstil André Breitenreiter als Schalker Trainer stand.

Ebenso wenig hatte Schalke eine Spielweise parat, die man unbedingt beherrschte, auf die man sich in kritischen Situationen verlassen konnte. Wenn Schalke zu wackeln begann wackelte stets alles. Ein Spiel mal „runterspielen“ oder in einer kritischen Phase beruhigen konnte Schalke unter André Breitenreiter nicht.

Natürlich muss ein Trainer stets pragmatisch sein. Natürlich gibt es immer Umstände, die zu Abweichungen davon führen, was normal ist. Aber was normal ist, für welchen Fußball die Mannschaft des FC Schalke 04 steht, muss überhaupt erst noch definiert werden. Dies, und das Etablieren von Automatismen die Sicherheit bringen, wird die Aufgabe des nächsten Trainers sein.
 
 
Demokratie leben

Der letzte Punkt geht alle an. Aktuell tobt der Wahlkampf, auf Schalke. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung steht Clemens Tönnies zur Wiederwahl. Der Aufsichtsratsvorsitzende, den einige Schalker für alles Schlechte verantwortlich machen, den andere Schalker für den letzten Retter gegen die Macht dubioser Fanorganisationen halten. Clemens Tönnies nutzt seinen Einfluss, um in diversen Medien seine Sorgen um den Club zum Ausdruck bringen zu können, ohne dabei je kritisch hinterfragt zu werden. Andererseits instrumentalisieren Gegner sogar den vor der Fankurve weinenden Horst Heldt, um gegen Clemens Tönnies Stimmung zu machen – Leute, die ziemlich genau vor einem Jahr Horst Heldt Gift und Galle entgegenspuckten.

Wie auch immer die Wahl ausgehen wird: Es ist unbedingt notwendig, dass Schalke danach wieder zusammenfindet. Jeder Wählende ist dies nur, weil Schalke ein grundsätzlich demokratischer Verein ist. Auch wenn die Wahl nicht so ausgeht, wie man es selbst gerne hätte, die Entscheidung der Mitgliederversammlung ist zu akzeptieren. So wichtig Vereinspolitik auch ist: In den Scharmützeln darum darf die Unterstützung des Clubs nicht geopfert werden.