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Christian Heidels Vorstellung auf Schalke

Jetzt ist er also da. Gestern wurde Christian Heidel als neuer Vorstand Sport und Kommunikation auf Schalke vorgestellt. Der Vorstand wird vom Aufsichtsrat bestellt, so sieht es die Satzung vor. Entsprechend war es natürlich an Clemens Tönnies, den neuen Vorstand zu präsentieren. Und gleich in seinen einleitenden Sätzen traf er die Aussage, die sicherlich in den nächsten Wochen, bis zur Jahreshauptversammlung, am häufigsten zitiert, diskutiert oder gar in Abrede gestellt werden wird.

Christian Heidel ist der neue starke Mann auf Schalke. Das verbinde ich mit der Nachricht, dass ich mich in Zukunft weiter aus dem Tagesgeschäft zurückziehe und mich auf das konzentriere was ein Aufsichtsrat tut: Beaufsichtigen und Rat geben.

Clemens Tönnies steht als Aufsichtsrat vor allem deshalb in der Kritik, weil er sich nie zurückhalten konnte. Weil er sich immer wieder als der starke Mann zeigte, ohne den keine wichtigen Entscheidungen auf Schalke gefällt werden. Weil er sich wie ein Präsident gab, regelmäßig in TV-Shows und Bild-Interviews seine Statements zur Lage formulierte. Eine Rolle, die seinem Amt nicht zusteht.

Ein Thema, mit dem sich auch Christian Heidel beschäftig hat.

Ich habe natürlich mitbekommen, dass es hier und da Kritikpunkte gibt. Natürlich gingen unsere Gespräche auch darum, wie wir die Aufgaben verteilen, Clemens Tönnies wird das bestätigen. Ich wäre sicherlich nicht zu Schalke 04 gekommen, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass zukünftig das operative Geschäft im Aufsichtsrat gemacht wird. Da gibt es eine ganz klare Zusage, dass das operative Geschäft Aufgabe des Vorstands ist, sein wird, und darauf bestehe ich auch. Sonst wäre ich nicht zu Schalke 04 gekommen.

Er habe „den Staffelstab weitergegeben“, formulierte Clemens Tönnies später. Aussagen, die ihm seine Kritiker nicht glauben werden. Aber eben die Ankündigung dessen, was sich diejenigen wünschen, die Clemens Tönnies für den grundsätzlich richtigen Mann in diesem Job halten, die nur eben seine Nähe zur Presse stört. Mir fällt es schwer zu glauben, dass sich Clemens Tönnies an seine Ankündigungen hält. Allerdings halte ich das Engagement Christian Heidels dahingehend für bemerkenswert. Ich halte den neuen Vorstand für durchaus stur – er selbst nannte es „hartnäckig“ – und ich glaube ihm, dass er Einmischungen gegen seinen Willen nicht akzeptieren würde. Insofern lässt sich diese Personalie durchaus als Beweis deuten, dass Clemens Tönnies es mit dem Zurückziehen erst meint. Übrigens wie auch schon damals, als Felix Magath zum „starken Mann“ auf Schalke wurde und sich Clemens Tönnies fortan auch sehr zurückhielt. Ein Versuch der scheiterte, was aber wahrlich nicht an Clemens Tönnies lag.

Doch in dieser Pressekonferenz sollte es ja nicht um Clemens Tönnies gehen. Dass Christian Heidel ein guter Vorstand Kommunikation sein wird, ließ diese erste Pressekonferenz jedenfalls bereits erahnen. Er sprach viel, übernahm sogar Antworten die eigentlich Clemens Tönnies hätte geben sollen, und was er sagte hatte Hand und Fuß. Er wirkte bestimmt, ganz klar in seinen Aussagen, und immer freundlich.

Er machte klar, dass seiner Ansicht nach der Trainer der wichtigste Mann sei. Dass er seine Aufgabe darin sehe, dem Trainer zum Schutz ein breiter Rücken zu sein, ihm das bestmögliche Team aus Co-Trainern und Assistenten zur Verfügung zu stellen, die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen.

Er sagte dass es das Ziel sei, dass jeder Schalker stolz auf den Club sei, dass es nicht mehr nötig sein soll, die Verfehlungen mit Humor zu nehmen. Er sagte, dass der Club dabei in Vorleistung gehen müsse, dass man eine Fußballspiel entwickeln müsse, auf dass jedermann wüsste für welchen Fußball Schalke 04 stehe.

Er sagte noch viel mehr, aber tatsächlich muss ich konstatieren: Christian Heidel hat eigentlich alles eben so gesagt, wie ich es mir gewünscht habe. Nun bin ich leicht begeisterungsfähig – Schalker eben. Und ja, das Umsetzten ist schwieriger als das Beschreiben. Aber dort den neuen Vorstand sitzen zu sehen, der das sagt was man sich wünscht, ist eben viel besser als dort einen sitzen zu sehen, der anderes sagt. Ich freue mich auf Christian Heidel.
 

Meine 7 Wünsche für Schalke 04

Nach der Saison ist vor der Saison und nach Horst Heldt folgt Christian Heidel. Noch bevor er richtig da war hat er André Breitenreiter mitgeteilt, dass er nicht länger Trainer des FC Schalke 04 sein wird. Am Mittag seines ersten offiziellen Arbeitstages wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Schalkes neuer Sportvorstand legt ein ordentliches Tempo an den Tag. Es gibt aber auch wirklich genug zu tun, nicht nur für ihn, auch für den nächsten Trainer und für den ganzen Verein. Zusammengefasst komme ich auf 7 Punkte, die abzuarbeiten notwendig sind, um den FC Schalke 04 wieder in die Erfolgsspur zu führen.
 

  • Den Wunschtrainer verpflichten
  • Gradlinig handeln
  • Eigendarstellung verbessern
  • Selbstbewusst sein und handeln
  • Die Löcher im Kader stopfen
  • Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln
  • Demokratie leben

 
 
Aber der Reihe nach …
 
 
Den Wunschtrainer verpflichten

Alles steht und fällt mit dem Mann, der für die tägliche Arbeit mit der Mannschaft verantwortlich ist. André Breitenreiter und Horst Heldt haben nicht gut zusammengearbeitet. Der Manager meinte, mit dem Kader wäre mehr möglich gewesen. Der Trainer forderte Verstärkungen die er nicht bekam. Schon früh war zu erahnen, dass es sich bei Breitenreiter und Heldt um eine Zweckgemeinschaft handelte. Zuletzt ließ Heldt durchblicken, dass er einst Thomas Tuchel verpflichten wollte, dass er sich damit im Club aber nicht durchgesetzt habe.

Christian Heidel muss sich durchsetzen. Er muss einen Trainer aussuchen von dem er absolut überzeugt ist. Er muss seine Entscheidung den Schalker Gremien erklären, sie überzeugen. Schalke braucht ein gut harmonierendes Trainer/Manager-Duo, ein Tandem das sich gegenseitig wertschätzt, unterstützt und notfalls verteidigt. Gegenseitiges Vertrauen der handelnden Personen ist die Grundlage jeder erfolgreichen Arbeit.
 
 
Gradlinig handeln

Mal Hüh, mal Hotte lief es unter Horst Heldt. Egal was er sagte, man konnte sich nie sicher sein, ob er nicht vielleicht zwei Tage später das Gegenteil entschied. Mal gab er „bewusst kein Ziel“ aus, um später zu sagen dass man seiner Ansicht nach doch in die Champions League-Ränge kommen müsse. Mal gab er Ultimaten aus um später drauf zu pfeifen. Er polterte, warf Spieler raus, nur um sie später wieder reinzuholen. Er gab bekannt, Schalker Spieler würden in Zukunft unbedingt innerhalb eines gewissen Umkreises um Gelsenkirchen wohnen müssen, ohne das jemals umzusetzen oder auch nur selbst nach Gelsenkirchen zu ziehen.

Unter Horst Heldt wurden Spieler verpflichtet, die danach vom Trainer nie auf ihrer eigentlichen Position eingesetzt wurden. Man plante eine Saison mit dem damals wertvollsten Talent als Spielmacher, um nach drei Spieltagen die Planung über den Haufen zu werfen und für viel Geld einen (mehr als) fertigen Star zu verpflichten. Am Ende flüchtete das Talent und den Star schmiss man raus. Unter Horst Heldt agierte Schalke stets nur kurzfristig. Seine fehlende Linie brachte dem Club immer wieder Unruhe.

Christian Heidel legte in Mainz wiederholt eine gewisse Dickköpfigkeit an den Tag. Einer, dessen Wort gilt. Schalke braucht einen Sportvorstand, der sich zunächst überlegt was er will, es dann verkündet und in der Folge danach handelt. Egal ob es um die Zielsetzung, die Kaderplanung oder die Führung der Abteilung allgemein geht; das muss grundsätzlich so sein.
 
 
Eigendarstellung verbessern

Das Miteinander zwischen dem Trainer des FC Schalke 04 und den über Schalke berichtenden Medien war zuletzt schlecht, unter André Breitenreiter wie auch unter Jens Keller. Nun kann man sagen, daran seien die Medien schuld, und man kann Bespiele anführen, bei denen Journalisten tatsächlich über die Grenze des guten Geschmacks hinausschossen. Fakt ist jedoch: Man wird nicht zig Journalisten „irgendwie umpolen“ können und Geschmacklosigkeiten im Umgang mit Trainern sind auch kein schalkespezifisches Problem. Beeinflussen kann man nur, wie man sich selbst darstellt, wie sehr man was an sich heranlässt und welche Storys man den Medien anbietet.

Jens Keller und André Breitenreiter haben beide wahnsinnig viel über die Medien gesprochen. Beide brachten sich mit wiederholten Rechtfertigungen für irgendwas immer wieder selbst in die Defensive. Sie beschäftigen sich offensichtlich gründlich damit, wie und was über sie geschrieben wurde, ihnen war das wichtig. Das tat ihnen nicht gut.

Wurde Felix Magath in seiner Zeit auf Schalke in Pressekonferenzen auf etwas angesprochen, was sich auf Geschichten oder Gerüchte aus den Medien bezog, war seine Standardantwort, dass er keine Zeit hätte sowas zu lesen. Sich dies zum Beispiel zu nehmen sollte die unbedingte Empfehlung für Schalkes nächsten Trainer sein: Sei freundlich, sei verbindlich, erzähle und öffne Dich eben so viel, dass sie Geschichten zu schreiben haben. Aber lese diese Geschichten grundsätzlich nie! Und pfeife unbedingt drauf, wenn jemand sagt, was andere über Dich schreiben! Du hast dafür keine Zeit.
 
 
Selbstbewusst sein und handeln

Auch das hat zum Teil etwas mit Darstellung zu tun, letztlich aber auch mit der Sicht auf sich selbst und dem Gefühl, mit dem die Leute ins Stadion gehen. Es gilt, sich als großer Club mit gewissen Ansprüchen zu positionieren, ohne in übertriebene Großkotzigkeit zu verfallen.

Es scheint ein ewiges Thema zu sein: Auf Schalke seien die Ansprüche zu hoch. Um sich ja nicht an irgendwas messen zu lassen, um ja keine negativen Schlagzeilen erdulden zu müssen, gibt man keine Ziele aus und stellt sich selbst klein dar. Jeder nächste Gegner ist natürlich auch ganz toll, und wer das nicht sehe schaue nicht richtig hin. Dennoch wird Schalke in den einschlägigen Rankings seit Jahren unter den 20 wertvollsten Fußballclubs der Welt geführt.

Schalke erzielt höchste Einnahmen aus dem Sponsoring weltweit agierender Unternehmen, zeigt sich als Marke in den USA, im nahen wie im fernen Osten. Was Schalke 04 an Mitgliedsbeiträgen passiver Mitglieder kassiert ist mehr als die Hälfte der Bundesligaclub von ihren Trikotsponsoren erhalten! Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind in den letzten Jahren sportlich wie wirtschaftlich enteilt. Dahinter ist alles offen. Es muss der Anspruch eines so potenten Clubs wie Schalke 04 sein, die dritte Kraft zu werden und zu bleiben. Dies muss man nicht unbedingt als offizielles Ziel ausrufen, aber man muss so agieren, es leben.
 
 
Die Löcher im Kader stopfen

André Breitenreiter hatte immer gesagt, ihm fehle ein erfahrener zentraler Defensivspieler im Kader. Er wollte auch Julian Draxler unbedingt halten. Horst Heldt hatte den unerfahrenen Pierre-Emile Höjbjerg vom FC Bayern und im Winter Younes Belhanda aus Kiew ausgeliehen. Er konnte Joel Matip nicht halten und sowohl Roman Neustädters, als auch Sascha Riethers Vertrag laufen in ein paar Tagen aus. Horst Heldt hat einen lückenhaften Kader hinterlassen, nicht zuletzt um einen prima Geschäftsbericht für das Jahr 2015 vorweisen zu können.

Positiv formuliert kann man aber auch sagen, er hat Christian Heidel einen gewissen Spielraum gelassen. Gerade weil Höjbjerg und Belhanda nur ausgeliehen sind, gerade weil man mit Roman Neustädter und Sascha Riether bislang keine Entscheidungen über die Zukunft fällte, lässt sich für das neue Manager / Trainer-Gespann was bewegen. Hinzu kommt, dass die Verträge von Eric Maxim Choupo-Moting, Klaas-Jan Huntelaar, Sead Kolasinac und Dennis Aogo nur noch ein Jahr laufen. Auch hier können nun Weichen gestellt werden. Mit der Verpflichtung Naldos ist ein erster Schritt gemacht. Viele weitere müssen folgen.
 
 
Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln

In der letzten Spielzeit agierte Schalke wahnsinnig wechselhaft. Noch am 23. Spieltag agierte Schalke beim Abstiegskandidaten in Frankfurt mit 6 Verteidigern in der Startaufstellung, ohne jegliches Offensivspiel. Nur um sechs Tage später beim 3:1 in Köln zu stürmen, als gäbe es kein Morgen mehr. Bis heute lässt sich nicht sagen, für welchen Fußball, für welchen Spielstil André Breitenreiter als Schalker Trainer stand.

Ebenso wenig hatte Schalke eine Spielweise parat, die man unbedingt beherrschte, auf die man sich in kritischen Situationen verlassen konnte. Wenn Schalke zu wackeln begann wackelte stets alles. Ein Spiel mal „runterspielen“ oder in einer kritischen Phase beruhigen konnte Schalke unter André Breitenreiter nicht.

Natürlich muss ein Trainer stets pragmatisch sein. Natürlich gibt es immer Umstände, die zu Abweichungen davon führen, was normal ist. Aber was normal ist, für welchen Fußball die Mannschaft des FC Schalke 04 steht, muss überhaupt erst noch definiert werden. Dies, und das Etablieren von Automatismen die Sicherheit bringen, wird die Aufgabe des nächsten Trainers sein.
 
 
Demokratie leben

Der letzte Punkt geht alle an. Aktuell tobt der Wahlkampf, auf Schalke. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung steht Clemens Tönnies zur Wiederwahl. Der Aufsichtsratsvorsitzende, den einige Schalker für alles Schlechte verantwortlich machen, den andere Schalker für den letzten Retter gegen die Macht dubioser Fanorganisationen halten. Clemens Tönnies nutzt seinen Einfluss, um in diversen Medien seine Sorgen um den Club zum Ausdruck bringen zu können, ohne dabei je kritisch hinterfragt zu werden. Andererseits instrumentalisieren Gegner sogar den vor der Fankurve weinenden Horst Heldt, um gegen Clemens Tönnies Stimmung zu machen – Leute, die ziemlich genau vor einem Jahr Horst Heldt Gift und Galle entgegenspuckten.

Wie auch immer die Wahl ausgehen wird: Es ist unbedingt notwendig, dass Schalke danach wieder zusammenfindet. Jeder Wählende ist dies nur, weil Schalke ein grundsätzlich demokratischer Verein ist. Auch wenn die Wahl nicht so ausgeht, wie man es selbst gerne hätte, die Entscheidung der Mitgliederversammlung ist zu akzeptieren. So wichtig Vereinspolitik auch ist: In den Scharmützeln darum darf die Unterstützung des Clubs nicht geopfert werden.

Heidel übernimmt nach Saisonende

Wie Schalke 04 gerade bekanntgab, wird Horst Heldt sein Amt nach dem letzten Bundesligaspiel am Samstag niederlegen. Sein Nachfolger Christian Heidel übernimmt den Job einen Tag später, an Pfingstsonntag.

Eine erste Pressekonferenz mit Christian Heidel als Vorstand ist für kommenden Mittwoch, den 18.05., um 13:30 Uhr geplant.

Weinzierl? Ma‘abwarten

André Breitenreiters Tage seien auf Schalke gezählt, Schalkes neuer Manager Christian Heidel wolle Markus Weinzierl zum Schalke-Trainer machen. Dies ist nach der Berichterstattung zum Derby die Top-Story zu Schalke 04, dieser Tage.

Da Christian Heidel noch in Mainz weilt und sich entsprechend kaum zu Themen um die Blauen äußert, lassen sich solche Storys aktuell prima strecken. Vor nicht allzu langer Zeit wurde mit gleichem Nachdrang von den gleichen „Quellen“ kundgetan, Lucien Favre sei längst als nächster Schalke-Trainer ausgemacht.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Christian Heidel auf Schalke einen neuen, dann eben „seinen“ Trainer installieren möchte. Könnte sein, dass der dann Markus Weinzierl heißt. Oder Lucien Favre. Ich kann mir ebenso gut vorstellen, dass es ein ganz anderer werden könnte, einer mit dem niemand rechnet, den kaum einer kennt, so, wie Christian Heidel es in Mainz mit seinen letzten Trainerverpflichtungen auch hielt. Und aus der Erfahrung des Schalkers, der schon so viele unterschiedliche Trainer mehr und weniger erfolgreich, oft kürzer und selten länger auf Schalke wirken gesehen hat, mag ich mir über das Potenzial unbenannter und nur eventueller S04-Trainer keine weitergehenden Gedanken machen.

Tatsächlich freue ich mich auf Christian Heidel. Ich verbinde mit ihm gradliniges Handeln und er hat in Mainz bereits bewiesen, dass er seine Entscheidungen nicht unbedingt von kurzfristigen Erfolgen abhängig macht. Nach dem Hin und Her auf Schalke in der Vergangenheit, nachdem sich so viel, was anfangs gut aussah, später doch als nicht so toll erwies, bin ich bis auf Weiteres bereit, ihm blind zu vertrauen. Weinzierl? Favre? Breitenreiter? Sonstwer? Christian Heidels Entscheidung. Ich bin entspannt.

Der Don aus Mainz

Christian Heidel wird auf Schalke Vorstand für Sport und Kommunikation und damit wichtigster Mann für den Teil des Profigeschäfts, der einen Typen wie mich am meisten interessiert. Da gilt es für mich, sich auch für diesen neuen Typen zu interessieren. Im Netz ist ein Interview mit ihm zu seinem Werdegang zu finden. Darin erklärt Christian Heidel unter anderem wie es dazu kam, dass ihn Fans des FSV den „Don“ nennen, und dass er nie Autoverkäufer war.

In dem Buch „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“ ist Christian Heidel ein Kapitel gewidmet. Anders formuliert ist er einer der Gründe. Grund 44 um genau zu sein. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die Reihenfolge festgelegt wurde. Aber der Text ist schön und hilft weiter, sich ein Bild von dem Mann zu machen, der als Fan zu diesem Club kam und einer der besten Manager der Liga wurde. Mit freundlicher Genehmigung der Autoren Mara Braun und Christian Karn darf ich ihn hier wiedergeben.
 
 
Grund 44: Weil Christian Heidel der einzig wahre Don* ist

Anfang 1990 meldet sich ein Amateurkicker und Autohaus-Geschäftsführer beim damaligen Oberligisten Mainz 05 und will alle Eintrittskarten für ein Fußballspiel erwerben. Der 27-jährige Christian Heidel zahlt dafür 15.000 Mark, er macht die Partie gegen den FSV Saarwellingen zu einem Volksfest, verlost unter den 4.430 Zuschauern einen Neuwagen gehobener Klasse – und bleibt irgendwie bei dem Verein hängen, dessen Fan er ohnehin seit Kindertagen ist. Das Autohaus gibt es längst nicht mehr, die Beziehung zwischen Christan Heidel und Mainz 05 aber, die wird ewig halten.

So genau kann Heidel es selbst nicht nachvollziehen, wie er sukzessive Manager eines Profiklubs geworden ist. Irgendwann hat er eben Verantwortung bei Mainz 05 bekommen, dann eine feste Rolle. Plötzlich riefen die Zeitungen ihn an, wenn sie etwas wissen wollten. Im Herbst 1991 wurde Heidel auf einmal zur Managertagung der Liga eingeladen. Erst seit wenigen Jahren aber lässt er sich für seine Arbeit bezahlen: Groß gemacht hat Christian Heidel uns als ehrenamtlicher Manager.

Und weil ehrenamtlich gleich unprofessionell ist – zumindest glauben das genügend Leute – wird Heidel außerhalb der Sichtweite des Doms gern mal nicht besonders ernst genommen. Es gibt dümmere Ideen, als den Mann nicht ernst zu nehmen. Mit Schwimmflügeln ins Säurebecken springen oder über dem Pazifik aus dem Flieger aussteigen sind zwei, die uns spontan einfallen. Viele, die Christian Heidel über den Tisch ziehen wollten, sind selbst darunter gelandet.

Der Eindruck aus dem Fernsehen, wenn Heidel in der Halbzeit der Ligaübertragung ein bisschen hemdsärmelig, leicht schnodderig, fernab hochdeutscher Schriftsprache ins Mikrofon plaudert und dem wunderbaren Wort „annersder“ den soundsovielten Frühling beschert, der täuscht: Heidel kennt jede Spielordnung, jede Satzung, jeden Paragraphen. Statuten auswendig zu lernen, das macht dem Mann Spaß!

Seine Transferverträge sind ein für Unbedarfte undurchdringliches Dickicht aus Zusatzvereinbarungen zu Partizipation bei Weiterverkauf und Boni bei sportlichem Erfolg, seine Deals sind in ihrer Komplexität allerhöchstens gleichzusetzen mit den Trainingsübungen von Zeljko Buvac mit sieben Stationen, drei Toren und fünf Bällen auf einmal. So kommt es, dass auch Jahre nach einem Spielerverkauf immer wieder das eine oder andere Extramilliönchen auf unser Konto tröpfelt, dass Mainz 05 auch noch den schlimmsten Fehleinkauf (Hanno Balitsch oder Edu, da streiten sich die Gelehrten) mit Gewinn wieder los wird und dass unser Verein in den letzten 20 Jahren immer gesünder, stabiler und reicher geworden ist.

Im Sommer 1995 war in einer Zeitung zu lesen, wir könnten uns nicht mal einen Amateur aus der Regionalliga leisten. Im Transfersommer 2013 leisten wir uns eine siebenstellige Ablöse nach der anderen – und müssen dafür noch immer keinen Investor oder Vermarkter anpumpen. Wir wissen, wem wir das zu verdanken haben. Und wir werden weiterhin jeden auslachen, der damit anfängt, dass der Heidel ja schon sein Autohaus in die Pleite… blablabla.



* „Don Heiteli“:
Die Anrede in einem Fax aus Ecuador, anlässlich des möglichen Transfers von Walter Ayoví – der „Don“ ist hängengeblieben

Frohes neues Schalkejahr

Schalke 04 in 2016, Die Neuzugänge, Die Lücken, Die Ruhe um die Managerposition, Die U19 in Sindelfingen

Nach einer Woche Training hat Schalke 04 in der letzten Nacht ein erstes Testspiel bestritten. Im Rahmen des „Florida Cups“ gewannen die Blauen 2:0 in Orlando gegen die Fort Lauderdale Strikers. Zwei weitere Testspiele folgen, Donnerstag gegen den brasilianischen Club Atlético Mineiro, nächsten Montag gegen den ostwestfälischen Club Arminia Bielefeld. Die Liga-Rückrunde startet in 13 Tagen mit einem Heimspiel gegen Werder Bremen, und in der Europa League wird Schalke noch mindestens zweimal, im besten Fall neunmal antreten. Mindestens 1.890, möglicherweise 2.520 Schalkeminuten bis zur Sommerpause. Plus Nachspielzeiten. Und Jahreshauptversammlung. Lasst uns das Halbjahr beginnen.

Die Neuzugänge

Das blaue Trikot mit der Nummer 11 trägt in der nächsten Zeit Younès Belhanda, 25 Jahre alt, rechtsfuß, in Frankreich geborener Marokkaner. Im Sommer 2013 wechselte er für eine kolportierte Ablöse von 8,5 Millionen Euro von Montpellier zu Dynamo Kiew. Belhanda ist zentraler Mittelfeldspieler. Zuletzt wurde er auch auf den Außenpositionen eingesetzt. Aber zuletzt lief es auch nicht mehr so gut für ihn. In der Hinrunde dieser Saison durfte er nur in 2 von 14 Pflichtspielen über 90 Minuten mitspielen. Viermal wurde er aus-, achtmal eingewechselt, meist 20 Minuten vor Abpfiff. Aber Younès Belhanda hat 127 Einsätze in der ersten Liga Frankreichs und 56 in der Premier League der Ukraine absolviert, acht Champions League- und 19 Europa League-Einsätze. Er ist französischer Meister und ukrainischer Meister. Gegen ihn ist Alessandro Schöpf ein unbeschriebenes Blatt.

Alessandro Schöpf hat bei den Blauen einen Vertrag bis Sommer 2019 unterschrieben und wird die Rückennummer 21 tragen. Ebenso jung ist er gerade, 21, Österreicher, beidfüßig. Mit 15 Jahren wechselte er in die Jugend des FC Bayern München. Nach 63 Einsätzen für die zweite Mannschaft in der Regionalliga, bei denen er übrigens schon mit Pierre-Emile Höjbjerg zusammenspielte, wechselte er im Sommer 2014 zum Club nach Nürnberg. Er schaffte den Sprung, war sofort Stammspieler. In der ersten Saison wurde er meistens zentral eingesetzt, zuletzt trat er regelmäßig als Rechtsaußen an. In den bisherigen 19 Spielen der aktuellen Zweitligasaison kam er immerhin auf 6 Treffer und 4 Vorlangen.

Mir gefällt, dass Younès Belhanda zunächst nur ausgeliehen ist. Mir gefällt auch, dass er gleich im ersten Interview angedeutet hat, dass es sein Ziel sei, länger für Schalke zu spielen. Das Risiko ist für Schalke überschaubar. Für Alessandro Schöpf ist der Wechsel nach Schalke hingegen ein Schritt in eine höhere Liga und er dürfte eine der teuersten Verpflichtungen aus der zweiten Liga überhaupt gewesen sein. Auf der Position des Rechtsaußen spielte in der Hinrunde vor allem Leroy Sané, der aufregendste Spieler der Blauen. Wie das so wird? Ma’abwarten.

Die Lücken

Sidney Sam blieb die gesamte Hinrunde für Schalke eine Lücke. Nach dem ganzen Raus- und Reingehampel wurde er den Fans nach dem kurzfristen Draxler-Abgang tatsächlich als Alternative verkauft. Jetzt ist er vor allem dazu gut, dass sich André Breitenreiter mit Kritik an ihm in der Öffentlichkeitsarbeit mit klaren Worten präsentieren kann. Angeblich soll Liverpool über eine Ausleihe Sams nachdenken. Kaum zu glauben.

Trainer André Breitenreiter sagte, dass er gerne noch einen defensiven Mittelfeldspieler hätte. Einen fertigen Profi, kein Talent. Danach wird Schalke weiter suchen. Dass das Werben um Gökhan Inler eingestellt wurde fand ich gut. Der Mann ist eben nicht nur schon 31 und recht teuer, er spielt auch gerade seine zweite eher schlechte Saison in Folge.

Eher keine wirkliche Lücke dürfte Kaan Ayhan hinterlassen. Trainer André Breitenreiter setzte einfach nicht auf ihn, weder als Innenverteidiger, als Benni Höwedes zu Saisonbeginn fehlte, noch als defensiver Mittelfeldspieler, als Johannes Geis für sechs Spiele gesperrt war. Vielleicht kann er sich in Frankfurt zeigen. Vielleicht kommt er zurück, vielleicht beginnt seine Schalke-Profikarriere richtig, falls Joel Matip und / oder Benni Höwedes die Blauen im Sommer verlassen sollten. So recht mag ich daran aber nicht glauben.

Die Ruhe um die Managerposition

… auf Schalke wird nicht bis Mai anhalten. Demnächst wird wieder geschrieben werden, über Heldt, über Heidel. Aktuell erlebt Schalke aber eine normale Transferperiode. Horst Heldt erledigt seinen Job professionell, so wie man es auch erwarten darf.

Die U19 in Sindelfingen

Zwei Einladungen zu Hallentunieren sagt man als U19 nicht ab, sagte Norbert Elgert. Die zum Turnier in Göttingen und die zum Turnier in Sindelfingen. Das Turnier in Göttingen gewann Austria Wien, das in Sindelfingen Rapid Wien. Beim Mercedes-Benz JuniorCup in Sindelfingen waren Herr Pepo und ich vor Ort. Wir haben einen Podcast draus gemacht, in dem ein Fahrer, ein Manager, ein Talent, ein Taktikfuchs und zwei Schiedsrichter zu Wort kommen. Neben uns, natürlich. Ein echter VIP-Podcast. Hier entlang, bitteschön.

Hoffnungsträger Donis Avdijaj?

Schalkes Stürmer treffen nicht. Buyo Büskens wurde beauftragt, Donis Avdijajs Entwicklung in Graz zu beobachten. Donis ist Schalker und will für Schalke spielen, ist an Sturm Graz nur ausgeliehen. Schalke kann Donis im Winter nach Gelsenkirchen zurückholen. Donis hatte einst für Schalkes U19 in 18 Spielen 17 Treffer erzielt.

Tatsächlich ist im Gespräch, dass Schalke Donis Avdijaj in der Winter-Transferperiode nach Gelsenkirchen zurückholt. Mir dünkt allerdings, die Erwartungen sollten gehörig herunter geschraubt werden, sonst gibt das keine glückliche Beziehung.

Donis Avdijaj hat auf Grund einer Muskelverletzung seit Mitte Oktober nicht mehr spielen können. Zuvor hat er für Sturm Graz in der österreichischen Bundesliga in dieser Saison in 12 Spielen zwei Tore erzielt. Insgesamt kommt er in 29 Ligaspielen für Graz auf acht Treffer und sieben Vorlagen. Das ist nicht schlecht und in Graz ist man froh dass man ihn hat. Aber Donis ist im August gerade 19 Jahre alt geworden. Er ist jünger als Leroy Sané, Marvin Friedrich oder Felix Platte. Holt Schalke ihn zurück ist er einer derjenigen, denen der Trainer mal eine Chance gibt, bei denen man Hoffnung mit einwechselt.

Ich mag den Kerl. Es würde mich freuen, ihn auf Schalke spielen zu sehen, fände es schön, wenn er hier seine Chance erhielte. Ihn einen verstärkenden Transfer zu nennen wäre für Donis Avdijaj aber wohl ein zu schwerer Rucksack. Auch wenn er selbst das sicherlich anders sieht.



Foto: Tomek Bo